Das letzte Aufgebot

Schon Wallenstein wusste, dass nicht der Gegner im Feld sein größter Widersacher war. Seine größte Sorge waren die Ressourcen, die sein Riesenheer verschlang, als es marodierend durch die Lande zog. Wo er hin kam eilte ihm der Ruf der Unbesiegbarkeit voraus und wo er ging hinterließ er Hunger und Elend.

Vieles hat sich seit dem nicht geändert. Nur die Ausmaße und die Dauer des Feldzuges sind größer geworden. Wallenstein kämpfte gegen eine neue Idee zur Erhaltung seiner anachronistischen Ansichten. Auch der große Feldzug den es heute zu bestaunen gilt, hat sich diesem Grundsatz verpflichtet und so führt heute eine protestantische Feldherrin die kapitalistischen Horden, die vor ähnlichen Fragestellungen stehen, wie einst Wallenstein. Viele Schlachten hat sie geschlagen und viele Siege hat sie für ihre Fahne des Kapitals eingefahren. Stets folgten ihr treu die Vasallen der Wirtschaft. Fast sah es so aus als läge Europa ihr zu Füssen. Doch auch ihr Heer und der Tross der diesem folgenden Profiteuren, kannten kein Maß. Sie bluteten das Land aus und wer sich in ihr Heer nicht eingliedern mochte, wurde dem Schicksal des Hungers überlassen. Dabei verschlangen sie, in ihrer Gier nach Macht und Reichtum beinahe genau so schnell die Früchte ihre Raubzüge, wie sie sie eroberten.

Trotz vieler Siege, erlag Wallensteins Heer am Ende sich selbst. Es wurde Opfer seiner eigenen Größe und der Intrigen um Macht und Geld. Ein unrühmliches Schicksal, welches jedem droht, der das Maß verliert und das Volk knechtet.

Der Generalissimus von einst, gleicht in vielem der Kanzlerin von heute. Die Vasallen von einst haben sich zu alter Größe aufgeschwungen und finanzieren die Kriege mittelloser Machtpolitiker, in glorreicher Tradition der Fugger und Medeci. Wieder ist es eine omnipotente Kaufmannschaft, die die Geschicke der Welt lenkt. Heute nennen sie sich Banker, Manager und Vorstandsvorsitzende. Ihre neuen Titel vermögen jedoch nicht, von den kapitalkolonialistischen Weltansichten abzulenken, die Grundlage für all ihr tun sind. Ruhm, Macht und Reichtum sind noch immer die Triebfedern des Handelns und ihre fatalen Hinterlassenschaften, in den Reihen der europäischen Völker haben nichts von ihrer fürchterlichen Wirkung eingebüßt.

Doch die Geschichte nimmt ihren Lauf, damals wie heute. Die alten Mechanismen knirschen zwar schon bedenklich, aber sie greifen noch. Kriege sind ein effektives Mittel, den Unmut der Völker nach außen, weg von der eigenen Not zu leiten und so sahen wir die Anzahl der Kriege in die Europa verwickelt war stetig steigen, analog der Offensichtlichwerdung der elementaren Probleme, die der kapitalistische Machtanspruch an sich selbst zeigte. Das so geführte Riesenheer, scheitert an sich selbst. Es hat die Ressourcen verbraucht, die es immer schneller in sich aufsog um sich zu erhalten und so ist unsere neue Feldherrin aufgerufen, das letzte Aufgebot zu mobilisieren um sich nicht selbst in die Analen der Geschichte zu verbannen.

Das letzte Aufgebot, ist die letzte zur Verfügung stehende Ressource. In der Hoffnung der Feldherrin, wird sie zum entscheidenden Sieg um die Vormachtstellung in der Welt beitragen. Auch hier lassen sich makabere Parallelen in unsere Geschichte ziehen. Das letzte Aufgebot, waren immer die bereits Ermüdeten, die Frauen und die Kinder. Das letzte Aufgebot in dieser Schlacht ist die Ressource Mensch. Wenn die natürlichen Ressourcen zur Neige gehen, ist die Opferung der Menschen, nur die konsequente Beibehaltung der Ideologie, zum Schutz des höheren Wertes. Es ist die Fire-Wall zum Schutz des Kapitals. Kurz vor ihrem Untergang verließen sich die Schlachtenlenker schon immer auf den menschlichen Schutzschild. Die Ermüdeten wurden bereits in diese Schlacht geworfen. Sie wurden entrechtet in Leiharbeit, Lohndumping und Transfergesellschaften. Ihre Arbeit wurde ausgebeutet, so dass ihr Mehrwert die Kapital-Ressourcen des Staates steigerte. Viele geraten, da sie von ihrer Arbeit nicht mehr leben können, in die Abhängigkeit des Staates und dieser knüpft ihre Alimentierung an die Leistung, die sie für ihn erbringen. Schon Cäsar verfuhr so um an Kriegssklaven zu kommen.

Nun kommen die Einberufungsbescheide an die Human-Ressource Frau. Auch sie hat ihren Dienst zum Endsieg des Kapitals zu leisten. Es ist ihre staatsbürgerliche Pflicht zu arbeiten und die Kriegskasse zu befüllen. Wenn ihr der Sold nicht genug ist, dem Ruf der Fahne zu folgen, muss sie mit gesellschaftlicher Ausgrenzung rechnen. Die Mobilisierung der Kräfte hat vor jeder Schlacht höchste Priorität. Auf persönliche Befindlichkeiten, wie die Erziehung der eigenen Kinder kann in diesem schicksalhaften Ringen keine Rücksicht genommen werden. Im Sinne staatlicher Ansprüche gibt es ja schließlich historische Beweisführungen, das Kinder zum erreichen der großen Ziele, immer besser in staatlicher Obhut aufgehoben waren.

Die Geschichte wird auch weiter ihren Gang gehen. Wallenstein ist tot und der Grund warum er maßgeblich dazu beitrug, Europa in tiefste Not zu stürzen, ist heute so unwichtig, wie der heutige Grund irgendwann auch sein wird.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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