Die Netz-DG Posse Taschenspieler unter sich

Im Frühjahr 2017 herrschte unter den Fraktionen des Deutschen Bundestages, im Widerspruch zu den Gesetzen des politischen Wahlkampfs, eine seltsame Einigkeit. Bundesjustizminister Heiko Maas legte dem Bundestag seinen Gesetzesentwurf zum Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) vor. Ein Gesetz das öffentlich breit diskutiert und mehrheitlich abgelehnt wird. Unter anderem auch weil der Wissenschaftsrat des Bundestages, europäische Institutionen und selbst die UN gewarnt hatten, das dieses Gesetz verfassungswidrig sei, als auch gegen die europäische Menschenrechte und die Charta der Menschenrechte der Vereinten Nationen verstoße, weil es das Grundrecht auf Meinungsfreiheit einschränke.

Man sollte meinen, ein solches Gesetz zu fordern wäre politischer Selbstmord, zumindest im Wahlkampf. In einem Wahljahr würde sich der politische Gegner an einer solchen Vorlage abarbeiten und welche Partei liefert wenige Monate vor der Bundestagswahl, freiwillig den Vorwurf nicht verfassungstreu zu sein.  Wieder erwarten herrscht jedoch große Einmütigkeit in der Großen Koalition und anstatt die Chance auf einen sicheren Wahlsieg zu nutzen, ließ die CDU die SPD, abgesehen von ein paar spitzen Bemerkungen, mit ihrem Entwurf durchmaschieren.

Am Tag der Abstimmung zum NetzDG, wurde nur eine Stunde zuvor über die „Ehe für alle“ abgestimmt. Auf Wunsch der Fraktionen des Bundestages waren alle Abgeordneten aufgefordert anwesend zu sein. 460 Abgeordnete hatten sich versammelt und nahmen an der ersten Abstimmung des Tages teil. Als 60 Minuten später die Abstimmung zum NetzDG anstand, hatten 420 Abgeordnete den Plenarsaal verlassen und hielten sich größtenteils im Foyer auf. Sie verweigerten augenscheinlich das, wozu sie gewählt wurden, nämlich ihre Stimme abzugeben. Nicht zu irgendeinem zweitrangigen Thema, sondern zu einem in der Öffentlichkeit sehr umstrittenen Grundrechtseingriff. Der Fraktionszwang, der gerade zuvor für die Ehe für alle, aufgehoben worden war, trat wieder ein. Die Parteiführungen hatten beschlossen das NetzDG durch zu pauken und indem 420 Abgeordnete an der Abstimmung nicht teilnahmen, wurde unmögliches möglich. Ein Gesetz zur Eingrenzung der Grundrechte, wurde von einer Hand voll Abgeordneten legitimiert.

Im Plenarsaal blieben 40 Abgeordnete die dem NetzDG die Mehrheit gaben. Eine umstrittene Mehrheit, wie die Geschäftsordnung des Bundestages zu seiner Beschlussfähigkeit im  §45 offenbart. Danach ist der Bundestag zumindest dann beschlussfähig, wenn die Hälfte seiner Mitglieder im Sitzungssaal anwesend sind. Wird die Beschlussfähigkeit nicht von einer Fraktion oder von 5 % der Mitglieder des Bundestages bezweifelt, so wird die Beschlussfähigkeit vermutet. An dieser hätten die Wenigen im Plenarsaal zweifeln müssen um die Vermutung außer Kraft zu setzen. Aber das viel ihnen wohl nicht auf, zumindest taten sie es nicht. Somit wurde das NetzDG unter der falschen Vermutung der Beschlussfähigkeit beschlossen.

Nun müsste man Herrn Maas eine politische Suizidgefährdung und Frau Merkel mangelnden Willen die Wahlen zu gewinnen unterstellen, doch den beiden ist zu zutrauen, das sie genau wussten, was sie da taten. Es ist ihnen von Bürgerrechtlern, internationalen NGOs und Verfassungsrechtlern oft und ausgiebig erklärt worden, das dieses Gesetz vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Bestand haben wird. Was also verbindet die GroKo in dieser Frage, was macht sie zu Verbündeten in dieser Posse?

Grund für diese Berliner Polit-Posse sind die, vorsichtig ausgedrückt, überraschenden Wahlergebnisse auf nationaler und internationaler Ebene während des letzten Jahres. Durch die Flure des Reichstags schleicht die Angst vor Volkes Zorn. In dieser Bundestagswahl gibt es eine Unbekannte, eine die sich nicht prognostizieren lässt, ohne Vorwarnung auftreten kann und Wahlen entscheidet. Nicht Verbannung oder Guillotine lässt Politiker fürchten, sondern der Shitstorm. Eine Lawine der Kritik die jede noch so ausgefeilte politische Taktik, von einem auf den anderen Tag zunichte macht und scheinbar willkürlich politische Karrieren zerstört. Aus fraktionsübergreifender Sicht musste eine Lösung her und man ist sich offensichtlich einig über eine Strategie geworden, die ihnen über die Wahlen hinweg hilft. Ein Shitstorm der sich viral über persönliche Netzwerke ausbreitet, lässt er sich nicht steueren, wenn er einmal in Gang gesetzt ist. Niemand kann zuverlässig voraussagen, was einen Shitstorm auslösen wird, aber man ist sich einig das ein faules Ei schnell aus dem Nest muss um zumindest die Wahrscheinlichkeit zu verringern.

Hierzu dient das NetzDG. Es soll möglichst effektiv alles aus den sozialen Netzwerken verbannen, was negative kollektive Emotionen auslösen kann. Es liegen viele faule Eier im Nest und es gibt genug öffentliche Themen auf die große Bevölkerungsgruppen sensibel reagieren, weil viele Menschen direkt davon betroffen sind. Die Wahlprogramme der Parteien, sparen Themen mit erhöhtem Konfliktpotential bewusst aus, oder behandeln sie nur rudimentär. Themen für einen Shitstorm gibt es genug, und der Faden, der die öffentliche Sicherheit und Ordnung noch zusammen hält ist dünn geworden. Brexit und Trump sind politische Fakten, die Shitstorms hinterlassen haben und ein Trauma für die etablierten Parteien. Sie wollen nicht das ihre Wahlkampagne das nächste Opfer eines wütenden Volks sind. Herr Maas ist nach der Abstimmung schweigsam geworden, wenn es um sein NetzDG geht. Er weiß, sein Gesetz hat kaum eine Chance vor dem Bundesverfassungsgericht zu bestehen. Zu erwarten ist selbst eine vorläufige Entscheidung der höchsten Richter aber nicht vor Herbst. Und das weiß der Bundesjustizminister auch. Bis dahin hat das NetzDG seine Aufgabe erfüllt und die Wahlen vor dem Einfluss des Mobs bewahrt.

Dann nach der Bundestagswahl, so glaubt Herr Maas, wird er die Früchte seiner kleinen Scharade ernten und uns seinen neuesten Gesetzesentwurf vorliegen. In diesem sollen dann die Algorithmen der Suchmaschinen so verändert werden, das Angebote „seriöser Nachrichtenanbieter“ immer ganz oben stehen werden. In dieses Gesetz wird das NetzDG, leise und beiläufig einfließen.

Nichts von dem was der Bundesjustizminister mit Hilfe der Bundeskanzlerin und der Fraktionsvorsitzenden hier vorführt ist strafbar. Aber es sollte strafbar sein, angesichts des offenen Betrugs am Souverän, dem Bürger und Wähler. Abgeordnete sind seine Angestellten, mit befristeten Arbeitsverträgen und beauftragt, den Willen ihres Souverän durchzusetzen. Es ist wohl ein klassisches Indiz für ein völlig zerrüttetes Arbeitsverhältnis.

 

Darwin vs. Erdogan. Die Schlacht um die Enstehung der Arten.

Der Mensch als Folge seiner Evolution, oder als Gottes Schöpfung? Natürlich oder göttlich, das ist hier die Frage. Präsident Recep Tayyib Erdogan hat die Antwort für die Türkei gegeben, zumindest für die nächste Generation.

Evolution ist „Nicht geeignet für Schüler“. Als Folge ihrer Re-Islamisierung, verbannt die Türkei Darwinś Evolutionstheorie aus ihren Schulen. Nach Ansicht der obersten türkischen Schulbehörde könnten derartig „verstörende“ Geschichten, von Kindern nicht verarbeitet werden. Das aus Lehm geformte Abbild eines allmächtigen Gottes und der Auftrag sich mit dem Schwert alles untertan zu machen, scheint weniger „verstörend“.

Einstmals war der der fordere Orient ein Zentrum der Wissenschaften. Viele große Erkenntnisse wurden gemacht. Astronomie und die Mathematik erlebten dort Blütezeiten. Doch dann kam Mohammed und sein archaischer Islam brachte die Dunkelheit des arabischen Mittelalters. 1923 trat die Türkei als erstes aus dem dogmatischen Wissens- und Glaubensdiktat des Islam heraus. Angeführt wurde die Türkei von ihrem Gründer und ersten Präsidenten Mustafa Kemal ,genannt Atatürk, für Vater der Türken. Er prägte die Worte, „der Islam gehört auf den Müllhaufen der Geschichte“ und verordnete der Türkei die Trennung von Glauben und Staat, den Laizismus und die Errungenschaften der Aufklärung.

Recep Tayyip Erdogan ist der 12.te türkische Präsident. Mit Atatürk verbindet ihn das Amt und der Wille seine persönliche Vision war werden zu lassen. Im Gegensatz zu Mustafa Kemal, hat er sich an die Spitze der Re-Islamisierung der Türkei gestellt. Er inszeniert sich als Wegbereiter eines erzkonservativen Islam mit Wirtschaftskompetenz und Selbstbewusstsein gegenüber Europa und trifft damit einen Nerv im arabischen Raum. Die folkloristischen Empfänge in seinem pompösen Palast sind Blockbuster im arabischen Fernsehen. Die Türkei träumt vom osmanischen Reich und für diese Utopie adaptiert sie schon einmal den prekemalistischen Wertekodex.

Die Heimat aller Turk-Völker und Führerin der arabischen Welt, nichts weniger ist Erdogans Anspruch an seine Türkei und 2023 soll es soweit sein. Es ist das Jahr der 100 jährigen Staatsgründung durch Kemal Atatürk und es ist das Jahr in dem die Türkei vollen Zugriff auf all ihre Rohstoffe bekommt, der seit Ende des ersten Weltkrieges beschränkt ist, durch die Friedensverträge von Lausanne. Diese Verträge laufen dann aus und aus ihnen leitet Erdogan seinen Anspruch ab, das Gebiete im Irak, wie Mossul und Allepo, aber auch Gebiet in Georgien und einige griechische Inseln, im Jahr 2023, völkerrechtlich und faktisch wieder türkisch sein werden.

Dazu passt das türkische Regierungsmitglieder die Abkehr von einer, aus ihrer Sicht, „eurozentristischen“ Sichtweise fordern. Eine dieser fremden Sichtweisen ist die Evolutionstheorie. Sie wurde bisher von keiner islamischen Lehranstalt anerkannt, gilt aber in Europa und allen nicht-islamischen Ländern, als Grundlage des Selbst- und Weltverständnis des Menschen. Aus türkischer Sicht scheint die Entstehung der Arten und die Bestimmung des Menschen als Tier, wieder blasphemisch zu sein. In den Universitäten kann die ketzerische Evolutionstheorie weiter gelehrt werden, sagt der türkische Bildungsminister. Wohl ein wenig von der Hoffnung getragen, die dann „gefestigten“ Studenten werden das Wissen um die Entstehung der Arten, als kulturpolitische Theorie erkennen und verwerfen. Die Türkei zieht sich Stück zurück in die dogmatische Dunkelheit des arabischen Mittelalters.

Kemal Atatürk hatte die türkische Armee mit einer besonderen Aufgabe bedacht. Ihre Aufgabe war es den Staat vor einer Re-Islamisierung schützen. Letztendlich hat die Armee versagt, aber sie ermöglichte 100 Jahre Laizismus und ebenso lange Darwins Erkenntnis, das der Mensch nicht die Krone der Schöpfung ist. Jetzt soll er es wieder sein, zumindest in der Türkei.

Heute wissen die meisten Menschen in der Türkei um die Inhalte der Evolutionstheorie, aber wie viele werden in 20  oder 40 Jahren dieses Wissen noch haben? Wenn es nach der türkischen Regierung geht, nur noch wenige. Wie will die Türkei einen derartigen Gedanken-Isolationismus umsetzen und aufrecht erhalten? Denkbar ist das nur durch eine scharf abgrenzende Ideologie, die im Stande ist Gedanken zu unterdrücken. Indoktrination, Agitation und völlige Kontrolle sämtlicher Kommunikationswege, wären die Grundvoraussetzungen dafür. Gruppendynamik und Rechtsvorschriften bestimmen die Durchführung und konservative Islamisten spenden allseits gepriesene Belohnungen in Form postmortaler Heilsversprechen. So zeichnet sich die kleine Welt eines Bauernjungen, der sich fernab einer fundierten Bildung aufmachte, um in die Fußstapfen der osmanische Sultane zu treten.

Darwin war da weiter und es ist tröstlich, das er schon das Christentum überwand.

Helmut Kohl ist tot

Helmut Kohl starb im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen.

Keine Kanzlerschaft hat mein Leben so geprägt, wie seine 16 jährige. An ihm habe ich mich abgearbeitet und ihn habe ich verachtet als er Schmidt stürzte. Auf ihn musste ich vertrauen, als er uns durch die Wende manövrierte und es gelang mir so manches mal nicht. Zurecht wie ich heute weiß.

Das er letztlich hinnahm, mit Schimpf und Schande aus seiner geliebten CDU vertrieben zu werden, um sein gegebenes Wort nicht zu brechen, trotzte mir Respekt ab, obwohl ich es unerträglich fand, das er seine Stellung schamlos missbrauchte um sich über das Gesetz zu stellen. An ihm konnte man sich reiben.

Helmut Kohl ist die Symbolfigur meiner Zeit und er wird in die Geschichtsbücher eingehen, als der Vater der Wende und einer der Väter Europas. Ich habe es ihm nicht gegönnt, aber er hat es sich verdient.

Für mich bleibt er der Kanzler, mit dessem Abgang auch das Ende meines Landes, wie ich es schätzte, begann. Seine Kanzlerschaft war der Zenit einer gerechteren Gesellschaft, als sie es heute ist. Es waren gute Jahre für die Menschen und das Land. Allein daran muss er sich messen lassen und die Geschichte gab ihm Recht.

Der letzte Blick bleibt ambivalent. Seine Überheblichkeit, seine fragwürdigen Methoden, seine Skandale, alles ist präsent. Ebenso präsent wie seine Erfolge und vielleicht hätten wir ja die blühenden Landschaften gefunden, die er versprach, wenn wir seinem Weg weiter gefolgt wären.

Wir haben uns für einen anderen Weg entschieden und haben sie nicht gefunden.

de mortuis nihil nisi bene

 

In vorauseilendem Gehorsam zu Tode gebracht

Ich habe dieses Blog vernachlässigt und meine Gedanken direkt über die sozialen Netzwerken geteilt. Es geht mir nun einmal darum meine Ansichten öffentlich und möglichst vielen Menschen eine andere Ansicht zugänglich zu machen, die ihnen sonst vielleicht nicht bekannt geworden wäre. Das ist nun vorbei.

Der Bundesjustizminister Heiko Maas, hat seine Gesetzesvorlage zum Netzwerkdurchsetzungsgesetz in der Bundesregierung durchgesetzt und eine Zustimmung durch den Bundestag trotz erheblicher Bedenken, wird durch die zweidrittel Mehrheit der GroKo, ohne Zweifel erfolgen. Die Opposition, die Fachverbände, die Anwaltskammern, Internet- Bürgerrechtler und Verfassungsrechtler sehen darin den vollendeten Versuch, eine Infrastruktur zur Zensur der Social Media Plattformen wie Google, Facebook oder Twitter, aber auch Foren und Chatdiensten wie Whats App, zu etablieren.

Bisher galt: Jeder hat sich, auch im Internet, an geltendes Recht zu halten. Beleidigungen und üble Nachrede sind auch schon jetzt verboten, jedoch musste z.B. eine Beleidigung, strafrechtlich verfolgt werden und nur ein Richter konnte mittels eines Urteils oder einer einstweiligen Anordnung, wenn ein Urteil nicht zeitnah zu erwirken war, entscheiden ob eine Straftat vorliegt und welche Meinungsäußerung ungesetzlich ist. Nur dann konnte die Löschung von Äußerungen im Internet erzwungen werden. Zudem galt der Rechtsgrundsatz: Wer jemanden Anzeigen möchte, muss seine Identität offenbaren.

Offensichtlich hat die Bundesregierung eine dünne Haut bekommen. Seit dem immer mehr Menschen den Mut finden, ihre Meinung frei und vor allem öffentlich im Internet kund zu tun, hat sich zwangsläufig auch die Zahl derer erhöht, die extreme Ansichten vertreten oder sich mit schmähender Kritik gegen ihre Regierung wenden. Sehr zum Missfallen der Politik hat gerade erst das Bundesverfassungsgericht deutlich gemacht, das Schmähungen nicht strafbar sein und damit auch keine Beleidigung. Für eine kurze Zeit, begann sich der Gedanke der eigenen, ganz persönlich und öffentlich ausgelebten Freiheit des Individuums, zu etablieren. Diese Freiheit war noch nicht alt. Gerade erst vor zehn Jahren hatte sie sich im Internet entwickelt, das schnell zum letzten Ort des freien Meinungsaustauschs geworden war. Ebenso schnell entwickelte sich aber auch das staatliche Bestreben, diesen Hort der Unüberprüfbarkeit zu kontrollieren. Einen unrühmlichen Sieg gegen die freie Meinungsäußerung im Internet, hat nun der Bundesjustizminister davon getragen.

Schon in wenigen Wochen wird sein Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Kraft treten. Dann wird es keinen Richtervorbehalt mehr geben und es wird nicht mehr der Staat sein, der das Monopol hat eine öffentliche Äußerung zu verbieten. Entscheiden werden das dann Call Center Angestellte, die auf anonyme Hinweise hin, alles löschen werden, was eine Straftat erfüllen könnte. Der Konjunktiv reicht. Sie werden das mit Ehrgeiz tun, da sie nur so, die Firmen bei denen sie angestellt sind, vor millionenschweren Bußgeldern zu schützen, die ihnen drohen, wenn sie einen strafbares Posting übersehen. Zukünftig werden Nichtjuristen eifrigst und aufgrund ungeprüfter, anonymer Hinweise, Grundrechte de facto außer Kraft setzen.

Damit will die Bundesregierung dann aber nichts zu tun haben. Aus ihrer Sicht werden keine Grundrechte eingeschränkt. Möglich ist diese Sichtweise durch einen geschickten juristischen Winkelzug und erschließt sich nur mit juristischer Vorbildung. Gemäß der juristischen Ansicht, regelt das Grundgesetz das Verhältnis zwischen Staat und Volk. Es ist das Regelwerk an das sich der Staat gegenüber dem Bürger zu halten hat. Der Bürger kann sich auf diese Rechte nur gegenüber dem Staat berufen, nicht jedoch gegenüber einem Dritten. Das Privatverhältnis der Menschen untereinander regelt das Bürgerliche Gesetzbuch und in dem sind keine Grundrechte geschützt. Das Rechtsverhältnis zwischen einer Plattform wie Facebook und ihren Nutzern ist privatrechtlich und der Staat mischt sich aus seiner Sicht, hier auch nicht ein, da nicht er, sondern die Social Media Plattformen die Löschungen vornehmen. Die tun das besonders effektiv und in voraus eilendem Gehorsam, unter Androhung millionenschwere Strafen. So richtet der Justizminister seine Bußgeldandrohung nicht an den etwaigen Täter, der es unternimmt „Fake News“ oder „Hate Speech“ zu veröffentlichen, seine Meinung bleibt durch das Grundgesetz geschützt, sondern an die Social Media Plattformen. Hier kann er nicht den Inhalt belangen, da die Plattformen nicht die Urheber der Inhalte sind, sondern bestraft das „nicht sofortige Löschen“. Um nicht in den Verdacht zu geraten, doch ein geschütztes Grundrecht anzugreifen, überlässt er das Löschen privaten Personen, die wiederum nicht verpflichtet sind, sich an Grundrechte zu halten.

Juristisch mag die Sichtweise des Herrn Maas zutreffend sein, dennoch ist es im Wesen und seiner Wirkung Zensur. Es ist die Aufgabe einer Regierung zu lenken und auch wenn sie das indirekt macht, ist sie für das Ergebnis verantwortlich. Schließlich würde das gewünschte Ziel ohne die Lenkungsmaßnahme, das erlassene Gesetz, nicht erfüllt. Das Bundesverfassungsgericht wird hoffentlich schon bald darüber zu urteilen haben, ob es nur ein legaler juristischer Schachzug, oder ein weiterer vorsätzlicher Rechtsbruch der Regierung war. Das beides möglich ist und auch gemacht wird, hat die Vergangenheit gezeigt. An Beispielen der Rechtsbrüche der Bundesregierung fehlt es nicht.

In der Realität sind Social Media Plattformen, Foren und Chatdienste, zukünftig nicht mehr die erste Wahl, wenn es darum geht seine Meinung öffentlich zu machen. Sie werden nicht mehr gewährleisten, dass das was ich denke und sagen möchte, auch die Öffentlichkeit findet, die ich mir wünsche. Es bleibt das Blog. Für meines gilt, es ist in Texas/USA gehostet und damit außerhalb zensierender Eingriffe von deutscher Seite, da Amerika noch immer die freie öffentliche Meinungsäußerung hoch hält und bisher allen Versuchen auf Zugriff durch deutsche Behörden widerstanden hat. Zusätzlich sind Blogs auch durch deutsches Recht geschützt. Es gilt das virtuelle Hausrecht des Betreibers. So lässt sich der Glaube an das freie offene Wort, noch eine Weile erhalten und sogar ein Justizminister aussperren. Ich zumindest habe es hier in der Rubrik „Rechtliches“ so gemacht, auch wenn ich nicht glaube, das er sich daran hält.

Die falsche Einordnung einer Äußerung als Schmähkritik verkürzt den grundrechtlichen Schutz der Meinungsfreiheit.

Folgende Pressemitteilung  veröffentlichte das Bundesverfassungsgericht unter der Nr. 25/2017 am 5. April 2017. Es ist ein wichtiger Schritt gegen die Bemühungen der Einfuhr der Zensur, durch voraus eilendem Gehorsam. Das macht man nicht, gilt nicht bei Meinungsäußerung und beleidigt sein, ist nicht zwingend die Folge einer Beleidigung. Wer austeilt muss auch einstecken können, insbesondere als Politiker. Wir dürfen ruhig etwas lauter werden. Vielleicht hört man uns dann.

Der „Beschluss vom 08. Februar 2017
1 BvR 2973/14

Wegen seines die Meinungsfreiheit verdrängenden Effekts ist der Begriff der Schmähkritik von Verfassungs wegen eng zu verstehen. Auch eine überzogene oder gar ausfällige Kritik macht eine Äußerung für sich genommen noch nicht zur Schmähung. Die Annahme einer Schmähung hat wegen des mit ihr typischerweise verbundenen Unterbleibens einer Abwägung gerade in Bezug auf Äußerungen, die als Beleidigung beurteilt werden, ein eng zu handhabender Sonderfall zu bleiben. Dies hat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts mit heute veröffentlichtem Beschluss entschieden und damit einer Verfassungsbeschwerde gegen die strafgerichtliche Verurteilung des Beschwerdeführers wegen Beleidigung stattgegeben.

Sachverhalt:

Der Beschwerdeführer war Versammlungsleiter einer ordnungsgemäß angemeldeten Demonstration aus dem rechten Spektrum in Köln. Die Demonstration stieß auf zahlreiche Gegendemonstranten. Unter diesen war auch ein Bundestagsabgeordneter der Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vor Ort, um die Durchführung des Aufzuges aktiv zu verhindern. Er bezeichnete die Teilnehmer der Demonstration mehrfach wörtlich und sinngemäß als „braune Truppe“ und „rechtsextreme Idioten“. Der Beschwerdeführer äußerte sich über den Bundestagsabgeordneten wörtlich wie folgt:

„Ich sehe hier einen aufgeregten grünen Bundestagsabgeordneten, der Kommandos gibt, der sich hier als Obergauleiter der SA-Horden, die er hier auffordert. Das sind die Kinder von Adolf Hitler. Das ist dieselbe Ideologie, die haben genauso angefangen.“

Das Amtsgericht verurteilte den Beschwerdeführer wegen Beleidigung in Form einer Schmähkritik zu einer Geldstrafe. Auf die Berufung des Beschwerdeführers verwarnte das Landgericht den Beschwerdeführer und behielt sich die Verurteilung zu einer Geldstrafe vor. Die Revision zum Oberlandesgericht blieb erfolglos. Mit seiner Verfassungsbeschwerde wendet sich der Beschwerdeführer gegen die gerichtlichen Entscheidungen und rügt im Wesentlichen die Verletzung seiner Meinungsfreiheit.

Wesentliche Erwägungen der Kammer:

Die angegriffenen Entscheidungen verletzen den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht auf Meinungsfreiheit aus Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG.

  1. Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit schützt nicht nur sachlich-differenzierte Äußerungen. Vielmehr darf Kritik auch pointiert, polemisch und überspitzt erfolgen. Einen Sonderfall bilden hingegen herabsetzende Äußerungen, die sich als Formalbeleidigung oder Schmähung darstellen. Dann ist ausnahmsweise keine Abwägung zwischen der Meinungsfreiheit und dem Persönlichkeitsrecht notwendig, weil die Meinungsfreiheit regelmäßig hinter den Ehrenschutz zurücktritt. Bedeutung und Tragweite der Meinungsfreiheit sind auch dann verkannt, wenn eine Äußerung unzutreffend als Tatsachenbehauptung, Formalbeleidigung oder Schmähkritik eingestuft wird mit der Folge, dass sie dann nicht im selben Maß am Schutz des Grundrechts teilnimmt wie Äußerungen, die als Werturteil ohne beleidigenden oder schmähenden Charakter anzusehen sind.
  2. Die Gerichte ordnen die Äußerung des Beschwerdeführers in verfassungsrechtlich nicht mehr tragbarer Weise als Schmähkritik ein und unterlassen die verfassungsrechtlich gebotene Abwägung zwischen der Meinungsfreiheit des Beschwerdeführers und dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des von der Äußerung Betroffenen. Die angegriffenen Entscheidungen verkennen, dass der Beschwerdeführer mit seiner Äußerung auch das Handeln des Geschädigten kommentierte, der sich maßgeblich an der Blockade der vom Beschwerdeführer als Versammlungsleiter angemeldeten Versammlung beteiligte und die Teilnehmenden auch seinerseits als „braune Truppe“ und „rechtsextreme Idioten“ beschimpft hatte. Es ging dem Beschwerdeführer nicht ausschließlich um die persönliche Herabsetzung des Geschädigten. Bereits die unzutreffende Einordnung verkennt Bedeutung und Tragweite der durch Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG geschützten Meinungsfreiheit.
  3. Die angegriffenen Entscheidungen beruhen auf diesem Fehler. Wie diese Abwägung ausgeht, ist verfassungsrechtlich nicht vorgegeben. Bei erneuter Befassung wird auf der einen Seite das Vorverhalten des Geschädigten, der aktiv eine Demonstration verhindern wollte, wie auf der anderen Seite das schwere Gewicht einer Ehrverletzung zu berücksichtigen sein, das in einem individuell adressierten Vergleich mit Funktionsträgern des nationalsozialistischen Unrechtsregimes liegt.“

Anlässliches zur Freiheit meiner Meinung

Anlässlich des Versuchs des Bundesjustizminister, durch die Gesetzesvorlage zum Netzwerkdurchsetzungsgesetz (04/2016) eine Infrastruktur der Zensur zu etablieren und die Erkennung dessen was erlaubt und was nicht, grundgesetzwidrig privaten Organisationen zu überlassen, verweise ich auf den Art. 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der Vereinten Nationen, welcher die uneingeschränkte Meinungsfreiheit gewährleistet:

„Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“

Desweiteren verweise ich darauf, das in Deutschland die Meinungsfreiheit durch Art. 5 Grundgesetz (GG) gewährleistet wird.Der Art. 5 Abs. 1 GG besagt.

„(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten […] Eine Zensur findet nicht statt.“

Die Bedeutung dieses Grundrechtes wurde vom Bundesverfassungsgericht in seiner Rechtsprechung konkretisiert und unterstrichen. So heißt es in dem Lüth-Urteil von 1958: Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit ist als unmittelbarster Ausdruck der menschlichen Persönlichkeit in der Gesellschaft eines der vornehmsten Menschenrechte überhaupt. Für eine freiheitlich-demokratische Staatsordnung ist es schlechthin konstituierend.

Auch meine emotionalisierten Äußerungen sind durch die Meinungsfreiheit geschützt. Es ist weder Ziel dieses BLOG, noch mein Anliegen, Sachverhalte ausschließlich sachlich vorzutragen. Der von mir genutzte literarische Ausdruck, sind das Essay, Aphorismen, Satire und Prosa. Jede dieser Ausdrucksarten, ist schon von ihrem Sinn her subjektiv und polemisch und per literarischer Definition einseitig und provokativ.  Dazu sagt das Bundesverfassungsgericht in seiner Pressemitteilung Nr. 21/2016.

“… Indem die Gerichte davon ausgingen, dass sich die Beschwerdeführerin auf eine sachliche Wiedergabe der wesentlichen Fakten zu beschränken habe, und hierfür auf das öffentliche Informationsinteresse abstellen, verkennen sie die durch Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG auch unabhängig von einem solchen Interesse geschützte Freiheit, ein Geschehen subjektiv und sogar emotionalisiert zu bewerten.”

Ich widerspreche schon hier, jedem Versuch und jeder Aufforderung, meine Texte oder Auszüge daraus, in öffentlich zugänglichen Internetseiten, Foren oder sozialen Medien, zu sperren, löschen oder zu entfernen. Ich weise ausdrücklich darauf hin, das ich keinen Aufforderungen, meine Texte oder Auszüge daraus, in öffentlich zugänglichen Internetseiten, Foren oder sozialen Medien, zu sperren, löschen oder zu entfernen, ohne einen so lautenden Gerichtsbeschluss in meiner Sache, nachkommen werde. Jeden Versuch, ohne meine schriftliche Zustimmung, meine Texte oder Auszüge daraus, in öffentlich zugänglichen Internetseiten, Foren oder sozialen Medien, zu sperren, löschen oder zu entfernen, werde ich öffentlich machen und zivil als auch strafrechtlich verfolgen.

Quelle: Rechtliche Hinweise

blog by heinz sauren

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