Finanzkrise oder Systemcrash?

eurokrise

Krisen erschüttern die Welt und in ihrer Folge Europa. Die verantwortlichen Finanzmanager und Politiker reagieren hektisch, getrieben von Kursschwankungen der internationalen Finanzmärkte. Es scheint, als haben sie das Heft des Handelns aus den Händen verloren und ihr, zuweilen kopflos anmutender Aktionismus, verliert sich in hilflosen Erklärungsversuchen.

Einer erstaunten Öffentlichkeit, werden hasadeurische Finanztransaktionen als Alternativlos dargestellt, um gleich anschließend in monoton sich wiederholende Beruhigungsfloskeln zu verfallen. Doch die Ruhe an den Märkten will sich einstellen und so erleben wir eine Abfolge von Krisen, die jährlich neu mit dem Etikett, der zu stopfenden Lücke versehen wird. Der Bankenkrise 2008, folgte 2009 eine Wirtschaftskrise, die in einer Währungskrise in 2010 mündete und im Folgenden dann Staatsschuldenkrise genannt wurde.

Zu verstehen sind solche Krisenabfolgen nicht durch das erschreckte Bestaunen der Folgen, wie sie uns allabendlich durch die Mainstream Medien in die Wohnzimmer gebracht werden, sondern durch die Betrachtung der Ursachen dieser Krisen. Eine ursächliche Betrachtung lässt erkennen, dass die Banken-, Wirtschafts-, Währungs- und Staatsschuldenkrisen, nicht eine zufällige Abfolge einzelner und unabhängiger Krisen sind, sondern das Ergebnis einer viel größeren Krise, die nicht unerwartet kam. Es handelt sich um eine Systemkrise des Kapitalismus, die eine Auflösung der Finanz- und Wirtschaftsmärkte zur Folge haben wird. Der öffentliche Fokus wird bewusst auf die aktuelle Bezeichnung der Krisenlage gerichtet und verhindert somit die Auseinandersetzung mit den zu Grunde liegenden Problemen der Systemkrise des Kapitalismus. Die notwendigen Veränderungen innerhalb des Finanzsystems bleiben aus, nicht zuletzt in Folge höchst subtiler und effektiver Lobbyarbeit der Finanzwirtschaft. Wie groß der Einfluss der Finanzlobbyisten auch in diesem Land ist, wird an der Haltung der Bundeskanzlerin deutlich, die im Laufe der Krisen es immer wieder verstanden hat, Schaden von der Finanzbranche abzuwenden, zumeist zu Lasten der Sozialsysteme. Auffallend dabei ist das einer ihrer engsten Berater, Förderer und Begleiter ihrer politischen Karriere, ausgerechnet für das einflussreichste und weltweit größte Bankhaus, Goldmann und Sachs tätig ist.

Der vermeintliche Motor von Wohlstandes und Freiheit ist ins stocken geraten. Rückwirkend betrachtet wird deutlich, das die Krise schon viele Jahre zuvor ihren Ursprung hatte.
Bis zur Auflösung der kommunistischen Ostblockstaaten in den Jahren 1990/91, hatte der Kapitalismus den eigenen Anspruch an sich, eine freie und soziale Marktwirtschaft und somit nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das politische Gegenstück zum Kommunismus zu sein. Seine Aufgabe war die Aufrechterhaltung eines demokratischen Systems durch die Sicherung freier Märkte, mit sozialen Komponenten. Mit dem Zerfall der Sowjetunion und der Auflösung des Kommunismus, verlor der Kapitalismus seinen politischen Gegenpart und entband sich von seinen politischen Pflichten, der Aufrechterhaltung der westlichen Demokratien.

Die Folge des von da an ungezügelt expandierenden Kapitalismus war die Globalisierung der Märkte. Die eingeleitete Globalisierung verschaffte den Industrienationen den ungehinderten Zugang zu den letzten Rohstoffressourcen. Es war der Zenith einer weltumspannenden freien Marktwirtschaft und zugleich der Beginn ihres Endes, der Grundstein zu der Krise, deren Auswirkungen wir heute zu spüren bekommen. Durch den systembedingten Zwang des Zinses, der Grundlage des Wirtschaftssystems ist, muss ein immer mehr erwirtschaftet werden, um den Zins zu befriedigen. Die Märkte sind gezwungen immer weiter zu wachsen um nicht zu kollabieren. Selbst eine Stagnation führt zu Verlusten und macht einen Kollaps wahrscheinlich, da sie in Bezug auf andere, weiter wachsende Systeme, bereits einen Rückgang darstellt. Die Märkte sprechen von der Erwirtschaftung eines Mehrwertes, welcher heute mehr als zuvor einen Existenz bestimmenden Wert hat und von so immenser Wichtigkeit ist, das wir die Funktionsfähigkeit ganzer Staaten, an ihrem Wirtschaftswachstum bemessen.

Außer Acht lassen wir dabei, eine einfache aber unumstößliche Erkenntnis, die lautet: Systeme unbegrenzten Wachstums sind innerhalb geschlossener Systeme nicht realisierbar. Die Märkte sind wie wir selbst, an diese Erde gebunden und können sie nicht verlassen, daher handelt es sich um ein geschlossenes System. Somit sind auch alle Ressourcen, die Basis allen wirtschaftlichen Handelns begrenzt. Ein Wirtschaftssystem, welches eines immer mehr bedarf um nicht zu kollabieren, ist aber auf ein immer mehr an Ressourcen angewiesen und damit nur zeitlich begrenzt denkbar.

Schon zu Beginn des neuen Jahrtausends standen die Wirtschafts- und Finanzmärkte vor dem Problem, nicht mehr in dem Maße neue Ressourcen erschließen zu können, wie das für die Erhaltung des Wirtschaftswachstums notwendig gewesen wäre. Mit der stillschweigenden Zustimmung der Politik, die alles unterließ was die Finanzwelt in ihrem Vorwärtsdrang hätte beeinträchtigen können, lösten sich die Finanzmärkte endgültig von dem Modell der Besicherung des Geldes durch reale Werte. So entkoppelt von der Notwendigkeit realer Gegenwerte entwickelte sich stetig eine gigantische Blase gedachten Geldes. Es war die Boomzeit der Finanzmärkte, die mit immer neu erdachten Finanzprodukten, spekulative Gewinne erwirtschafteten und die Volkswirtschaften trugen. Die Notenbanken der einzelnen Staaten hatten gänzlich die Kontrolle über das Geld verloren und aus dieser Position der Schwäche, sah sich die Politik gezwungen, deregulierend den Finanzmärkten freie Hand zu lassen, um das Wirtschaftswachstum und damit sich selbst, nicht zu gefährden. Dieses erzwungene Vertrauen in die Freien Märkte sollte sich rächen.

Die Märkte forderten massiv die Einführung des Euro und die damit verbundene Schaffung eines grenzenlosen europäischen Binnenmarktes. Dieser versprach effektivere und schnellere Gewinnmöglichkeiten ohne regulative Eingriffsmöglichkeiten einzelner Regierungen. Der Euro kam und es wurde möglich grenzüberschreitend Gewinne zu erwirtschaften, ohne auf die Wünsche und Belange einzelner Staaten eingehen zu müssen. Diese verordnete Währungsgemeinschaft vereinte im Grunde nicht kompatible nationale Marktwirtschaften, unter dem Diktat der führenden Eurowirtschaftsnationen und Zwang die schwächeren Länder zur Aufgabe der einzigen Möglichkeit gegenüber wirtschaftlich stärkeren Ländern, konkurrenzfähig zu bleiben, der Abwertung der eigenen Währung. Dieser Schritt machte die zehn Jahre zuvor eingeleitete Krise unabwendbar, da er die europäischen Nationen gegeneinander ausspielte.

Ein Beispiel für die desaströse Finanz- und Wirtschaftspolitik der Euro-Gemeinschaft ist Griechenland, welches nicht Täter im Sinne ungezügelter Geldverschwendung, sondern Opfer internationaler Finanz- und Wirtschaftsinteressen ist. Die heute medienwirksam dargestellte Verschwendungssucht Griechenlands, war die ungezügelte Aufnahme von Staatskrediten, zu der die schwache griechische Wirtschaft gezwungen war um mit dem rasenden Wirtschaftswachstum der führenden europäischen Länder mitzuhalten. Kredite die Griechenland erst durch die Einführung des Euro, in diesem Ausmaße bekommen konnte, da nun das gesamte Europa dafür bürgte. Mit Blick auf diesen Bürgen, waren es vornehmlich deutsche und französische Großbanken, die mit immer neuen Krediten, wissentlich und willentlich ein ganzes Volk in die Schuldenfalle trieben und den Wirtschaftswachstumsindex ihrer eigenen Staaten sicherten. Griechenland verdeutlicht die Machtstellung der Finanzmärkte gegenüber der Politik. Vor der griechischen Währungskrise hatte Griechenland schulden bei den Banken und nur ein Jahr später hat Griechenland nun Schulden bei den Staaten und damit den Steuerzahlern, die vertreten durch ihre Regierungen, für die Banken eingesprungen sind um diese vor etwaigen Verlusten zu schützen. Die der Öffentlichkeit dargestellte Notwendigkeit, bestand in dem drohenden Verlust, der kein Realverlust gewesen wäre, sondern ein Ausfall eines Teiles des Gewinns, den die Banken erwartet haben.
Es offenbarte sich ein gewaltiger Umverteilungsprozess zu Lasten der Bevölkerungen. Mitte der 1990´er Jahre betrug das von den Finanzmärkten verwaltete Privatvermögen in Europa ca. 5 Billionen Euro und die Staatsverschuldung der europäischen Länder belief sich ebenfalls auf 5 Billionen Euro. Aufgrund nicht mehr zur Verfügung stehender neuer Ressourcen in Folge ihrer Begrenzheit, fordern die Finanz- und Wirtschaftsmärkte zur Realabsicherung des Geldes nunmehr die Staaten selbst auf, die zur Erhaltung ihres Wirtschaftswachstumsmotors, gefügig dem Ruf folgen. 2010 betrug dann auch das von den Finanzmärkten verwaltete Privatvermögen 10 Billionen Euro und die europäische Staatsverschuldung ebenfalls 10 Billionen Euro. Privates Vermögen wird durch öffentliche Verschuldung in der Art gegen finanziert, das unvorstellbar hohe Gewinnmargen einiger weniger, durch die Sozialsysteme der Staaten kapitalisiert werden.

Dieses System der, durch die Verschuldung öffentlicher Haushalte, gegen finanzierte Anstieg der Privatvermögen, aus dem Zwang des immer währenden Wachstums, hätte aus finanzpolitischer Sicht noch einige Zeit fortgeführt werden können. Doch nun stößt dieses Finanzierungsmodell auf die Ablehnung der tragenden breiten Masse und damit an seine Grenzen. Es sind die kleinen Leute, die Durchschnittsverdiener, die von diesen Vorgängen nicht profitieren und ohne es zu wissen immer größere Privatvermögen ermöglichen, in dem sie immer mehr Abgaben erbringen und immer mehr Einschnitte hinnehmen müssen. Durch den wachsenden Unmut der Bevölkerung getrieben musste die Politik reagieren und tat es in der ureigensten Weise von Staaten die sich in ihrem Auflösungsprozess befinden. Sie begann die fehlende Zustimmung ihrer Bevölkerung, durch immer neue Gesetze und Verordnungen zu erzwingen.
Die Liste der, in den letzten 20 Jahren verloren gegangenen Rechte des Einzelnen, sowie die der hinzu gekommenen öffentlichen Ansprüche ist ein langer und schmerzhafter Einschnitt in die Freiheit jedes Bürgers. Unter den fragwürdigsten und unterschiedlichsten Begründungen wurden diese Einschnitte der Bevölkerung zugemutet und folgten stets einem Ziel, der Wahrung des Aufschwungs und des Fortschritts.

Die globale Vernetzung der Kommunikationswege und der unbegrenzte Zugriff auf Daten, war ein Segen für die Finanz- und Wirtschaftsmärkte und wird nun ein Fluch für sie. Die Kommunikationsgesellschaft ist im Stande ihr Wissen zu vernetzen und somit Strukturen offen zu legen, die lange im Verborgenen blieben. Zwar ist weltweit zu beobachten, das alle Regierungen versuchen das Internet einzuschränken und damit dieser Vernetzung entgegen zu wirken, doch scheint für die Weltwirtschaft die Büchse der Pandora geöffnet worden zu sein.
Eine kritische Öffentlichkeit wird nur unwillig weiterhin die Lasten der Gewinnoptimierung tragen, was die Möglichkeit des immer währenden Wachstums in Gefahr bringt. Die Wirtschafts- und Finanzmärkte reagieren zunehmend nervös auf Veränderungen und die drohende Verweigerung der einzig verbliebenen Stütze des momentan existierenden Geldsystems, der Bürger und Steuerzahler, lässt Totalverluste befürchten.

In Folge dessen, ist zu beobachten, dass in allen Wirtschaftsbereichen, nicht mehr der kontinuierliche Bestand als Ziel angenommen wird, sondern die maximale Gewinnoptimierung in möglichst kurzen Zeiträumen. Diese Gewinnmitnahmen, zeigen deutlich von welchen Prognosen die Führer der Wirtschafts- – und Finanzwelt ausgehen. Sie wissen, dass das System unbegrenzter Expansion an sein Ende gekommen ist und versuchen zu retten, was aus ihrer Sicht zu retten ist. Aber sie wissen auch, dass sie dies nur solange können, wie eine Mehrheit der Menschen dies nicht weiß und somit auch nicht darauf reagiert. Somit ist es auch nicht verwunderlich das sie und unsere Regierungen alles tun werden, um die Bevölkerungen darüber bis zum letzten Moment, im Unklaren zu lassen und in Sicherheit zu wiegen. Auch unsere Regierung handelt dabei aus eigenem Interesse, da ihr bewusst ist, dass der unausweichliche Zusammenbruch des Wirtschaftssystems, auch den Zusammenbruch der Regierungssysteme zur Folge haben wird.

Entgegen den nahezu propagandistisch anmutenden Versuchen, von Politik und Wirtschaft, die Sicherheit des Geldes darzustellen, ist das Gegenteil offensichtlich. Es nicht mehr die Frage ob, sondern nur noch wann die Märkte zusammen brechen werden. Es steht völlig außerhalb jeden Zweifels, dass dies geschehen wird. Der genaue Zeitpunkt des Zusammenbruchs lässt sich nicht seriös voraus bestimmen, aber es häufen sich die Anzeichen, dass dies schon sehr bald geschehen kann.

Wir wissen, dass die deutsche Wirtschaft ihren Boom auf Kosten der anderen europäischen Staaten finanziert, wir wissen dass der Euro ein Umverteilungssystem ist, wir wissen dass die amerikanische Wirtschaft sich von einer Zahlungsunfähigkeit zur nächsten hangelt, aber wir wollen glauben, dass das doch alles nicht so schlimm sei.
Es ist bekannt, das die fossilen Energien auf denen unsere Wirtschaften aufgebaut sind, zur Neige gehen, das unsere Meere leer gefischt, unsere Luft verschmutzt ist und bereits mehr als eine Milliarde Menschen an Hunger leiden, weil andere im Überfluss leben. Egal wohin wir uns wenden, sehen wir das Ende dieses Wirtschaftssystems, aber wir schließen die Augen.

Wenn man den Prognosen glaubt, dann wird der Untergang des Kapitalismus, für die Bevölkerung der Welt, bisher nicht gekannte Not und Unruhen bringen.
Die dem Ereignis zu Grunde liegenden Fakten sind eindeutig.
Nicht die Armen werden den tiefsten Sturz erleben, da sie kaum noch was zu verlieren haben. Auch die Reichen werden nicht in Not stürzen, obwohl sie einen großen Teil ihrer Vermögen verlieren werden. Die in erster Linie Leidtragenden, wird die Mittelschicht sein, die durch die Verteuerung der Grundversorgung, den Wegfall von Millionen Arbeitsplätzen und die Nichtzahlung von Löhnen und Bezügen, ihren Lebensstandart nicht wird halten können. Den Prognosen nach, werden wir den Zusammenbruch der gesamten Bankenlandschaft, der Gesundheitsversorgung und der Sozialsysteme erleben.

Unabhängig der Prognosen bestehen längst Pläne für diesen Tag X. Diese Pläne der Krisenstäbe der nationalen Regierungen sehen vor, dass die Bevölkerung nicht vor gewarnt werden soll. Nicht Schlagzeilen in Zeitungen, oder Sondermeldungen im Fernsehen werden demnach die Boten sein. Die aus Sicht der Regierungen notwendigen Maßnahmen werden an einem Wochenende eingeleitet werden. Zu dieser Zeit sind die Banken geschlossen, die Wirtschaft ruht in Teilen und die Menschen befinden sich an ihren Wohnorten. Dieser Handlungsmodus konnte auch schon anlässlich vergangener Krisen beobachtet werden. Der Bevölkerung wird das bereits geschehene erst am folgenden Montag bewusst. Die Banken werden zum größten Teil geschlossen bleiben. Überweisungen und Buchungen werden nicht mehr und Auszahlungen nur noch als ein, für jeden gleicher Sockelbetrag, möglich sein. Zu der Höhe des Sockelbetrages gibt es einige Spekulationen, am wahrscheinlichsten ist aber ein Betrag von 20,- Euro pro Person und Woche. Bankguthaben werden eingefroren und nur noch in der schon jetzt festgesetzten Höhe der tatsächlich vorhandenen Geldmenge bewertet werden. Dieses gesetzlich festgelegte Maß der Geldmenge beträgt in der gesamten europäischen Gemeinschaft 2 % der tatsächlichen Privatvermögen. Lebensmittel, Benzin und Energie werden rationiert werden um Hamsterkäufe zu vermeiden und somit ein Minimum für möglichst viele Menschen, vor zuhalten. Prognosen führender Soziologen sagen im Weiteren innere Unruhen bis hin zu Bürgerkriegen, gewaltsam geschaffene rechtsfreie Räume und die Bildung von autark agierenden Microgesellschaften voraus. Um die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten, werden Notstandsverordnungen von Polizei und Bundeswehr durchgesetzt und überwacht. Entsprechende Bemühungen des Einsatzes der Armeen im Inland rechtlich zu ermöglichen, sind in allen europäischen Ländern vorgenommen worden, oder sind wie aktuell in Deutschland, Gegenstand der Debatte.

Dieses Szenario ist nicht so unvorstellbar, wie es zu sein scheint, sondern ist seit Jahrzehnten an vielen Orten der Welt, immer wieder kehrender Alltag. Bisher hatte es nur noch nicht uns getroffen. In weiten Kreisen einer privilegierten Gesellschaft wird dieses Szenario als so wahrscheinlich angesehen, das es alltäglicher Bestandteil der Zukunftsplanung geworden ist. Der amerikanische Wirtschaftsprognostiker Gerald Celente, der schon die Krisen 1998, 2001, 2008 und 2009, zum Teil Jahre im voraus absolut zutreffend voraus gesagt hatte, geht von einem noch düsteren Szenario aus. Celente ist ein international angesehener Berater für Zukunftsstrategien, der elitärsten Kreise aus Politik und Wirtschaft. Die Besucherlisten seiner Vorträge, über den bevorstehenden Crash, lesen sich wie das „who is who“, der internationalen Führungseliten. Auch der österreichische Universitätsprofessor an der Wirtschaftsuniversität in Wien, Franz Hörmann, sieht den Zeitpunkt des Crashs als unmittelbar bevor stehend und legt die gleichen Ursachen zu Grunde. Professor Hörmann beruft sich bei seinen Aussagen, auf eine in Österreich geltende gesetzliche Verpflichtung, nach der alle Professoren die Öffentlichkeit vor ihnen bekannten Gefahren warnen müssen, um Schaden abzuwenden.

Ein solcher Wirtschaftskollaps wäre zweifellos der gewaltigste Einschnitt in das Leben der Menschen, seit dem 2.ten Weltkrieg und würde die Wirtschaften aller Länder betreffen und wäre aller Voraussicht nach auch das Ende der westlichen Demokratien, die in ihrem Grunde nichts mehr als die Verwaltungssysteme des Kapitalismus sind.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist ein solcher Zusammenbruch ein Neustart. Ein Neustart, der aber nur dann nicht mit dem gleichen Ergebnis wieder enden würde, wenn die Vorzeichen einer zukünftigen Wirtschaft verändert würden. Eine zukünftige Wirtschaft müsste in allen Teilbereichen konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein. Sie müsste zu einer Maßhaltung gegenüber den Ressourcen verpflichtet sein und auf eine angemessenen und faire Verteilung der Güter aufbauen.
Ein zukünftiges Geldsystem müsste sich von der Schaffung gedachten Geldes befreien. Hier wären Currency Modelle denkbar, also die Einführung eines Vollgeldes, welches keine Zinsen mehr zulässt und nur in dem Maße verbucht oder im Zahlungsverkehr gebraucht werden kann, wie auch ein realer Gegenwert dazu existiert.

Allem voran wäre aber zuerst ein Wandel in den Köpfen der Menschen notwendig, denn jeder einzelne von uns wäre nicht nur der Leidtragende des Zusammenbruchs, sondern auch sein Grund. Das maßlose Konsumverhalten jedes einzelnen, treibt die Weltwirtschaft an und macht ein solches bevorstehendes Desaster überhaupt erst möglich. Jeder von uns, trägt allein und in vollem Umfang die Verantwortung, für das, was allen geschehen wird.

Wann auch immer ein solches Szenario eintreten wird, lässt sich schon heute sagen.
Wir werden lernen müssen, dass der Wohlstand des einen, immer zu Lasten eines anderen geht und unverhältnismäßiger Reichtum, immer das Ergebnis ein Verbrechens gegen uns Menschen und die Natur im Ganzen ist.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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Osama Bin Laden

Osama Bin Laden

Osama Bin Laden ist tot. Das ist die Nachricht, die Amerika an seine Verbündeten und mehr noch an seine Widersacher schickt. Sein Tod war, so wie er durch die Medien dargestellt wurde, mehr als die Beendigung seiner physischen Existenz. Es ist der Versuch einen Mythos aus den Köpfen und den Geschichtsbüchern der arabischen Welt zu tilgen, medial inszeniert durch die Feder seines Erzfeindes, der nach eigenen Ansprüchen, einzig legitimen weltpolitischen Ordnungsmacht, den Vereinigten Staaten.

Der saudische Großunternehmerssohn war das Gesicht, die Personifizierung des Terrors. In seinem Namen wurde tausendfach gemordet und gebombt, in seiner Ideologie wuchs ein militant islamisches Machtpotential gegen die westlichen Demokratien. Für die einen war der asketisch lebende Millionär, ein Heiliger und Gesandter seines Gottes, der mit Feuer und Schwert gegen die Gottlosen antrat, für die anderen ein gewissenloser Massenmörder, der seinen friedlichen Glauben in Terror und Gewalt um deutete. Unzweifelhaft ist die Tiefgläubigkeit dieses Mannes, aus der die Forderung nach Sühne wuchs, für die Demütigungen, die der Islam im Laufe seiner Geschichte hinnehmen musste.

Für uns Europäer sind die christlichen Kreuzzüge nicht mehr, als geschichtliche Ereignisse, ohne tieferen emotionalen Bezug. Für den Islam jedoch, sind sie eine immer noch schmerzende und blutende Wunde, die den Selbstanspruch an die Unbesiegbarkeit der gerechten Kämpfer Allah´s, in Frage stellt.
An dieses Fanal, sah sich Osama Bin Laden erinnert, als die gottlose Sowjetmacht in das muslimische Afghanistan einmaschierte und wurde seiner Überzeugung folgend, am Hindukush zum Gotteskrieger. In den Augen der arabischen Welt war der Rückzug der sowjetischen Armeen, nicht nur ein heroischer Sieg, der Bin Laden viele Sympathien brachte, sondern auch ein schlagender Beweis für die Stärke des Islam, der fortan keines Ungläubigen Hand, zur Hilfe brauchen würde.
Sein Hass wuchs ins Grenzenlose, als Saudi Arabien die gottlosen Armeen um Hilfe bat und ihre Stationierung im heiligen Land der Muslime zuließ. Osama Bin Laden erkannte einen neuen Feind, dessen Führer einen neuen Kreuzzug leitete und entschloss sich, dieser in seinen Augen, teuflischen Hydra aus dem Untergrund entgegen zu treten.

Das nach seiner Überzeugung, heilige Feuer der Läuterung, welches er über Teile der verwestlichten Welt brachte, löste in großen Teilen der immer noch konservativen muslimischen Bevölkerung Arabiens, Lob und Bewunderung aus, für den heldenhaften Kampf eines Märtyrers in der Ungerechtigkeit eines David gegen Goliath.
Für viele Muslime war Osama Bin Laden, jemand der die Erfüllung verhieß, die Buchstaben und Bilder des Koran, eines streitbaren Islam, der die Gottlosen mit dem Schwert verjagt, wahr werden zu lassen. Nahezu jeder in der arabischen Welt kennt seinen Namen, sein Gesicht. Seine Ideologie profitierte von seiner Popularität und diese hatte er ausgerechnet seinem ärgsten Feind zu verdanken. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Bill Clinton, hob ihn aus der Masse der Gotteskrieger heraus. Er erklärte Osama Bin Laden zur besten Prime Time der US Medien, zu einem Top-Terroristen und zu Amerikas Feind.

Amerika hatte einen Mythos geschaffen und musste ihn nun besiegen um sein Gesicht zu wahren. Sowohl al Kaida, als auch die Vereinigten Staaten, haben die Terroranschläge, die vielen Toten und das unermessliche Leid der Betroffenen instrumentalisiert, um von ihren eigenen Taten abzulenken. Der Präsident der USA, als auch Osama Bin Laden, haben keine Skrupel gezeigt, als sie den Kampf eines terroristischen Netzwerkes gegen eine Supermacht, zu einem Kampf um die Vorherrschaft über die Welt, zwischen Gut und Böse, stilisierten.

Aus Sicht der Vereinigten Staaten, ist dieser Kampf nun entschieden und folgerichtig ließ das Weiße Haus verkünden: „Die Gerechtigkeit hat gesiegt.“ Doch nicht der Tod des Al Kaida Führers, ist der Kern der Story, die über die Nachrichtenticker lief.
Amerika hat eine unüberhörbare Botschaft an die Welt gesandt. Wie so oft, bei großen Siegen, ist nicht der Inhalt, sondern die Botschaft die Nachricht.
Spekulation ist, ob Präsident Obama seine schlechten Umfragewerte im Hinterkopf hatte, als er den Einsatzbefehl gab, oder ob Amerika eine Tür suchte, sich eines unliebsam gewordenen Krieges zu entledigen.
Fakt ist, Amerika gab ein Statement ab. Es präsentierte seinen Todfeind, mit zwei Kugeln im Kopf und versenkte seinen Leichnam im Indischen Ozean. Ein tödlicher Kopfschuss schien den Strategen der amerikanischen Regierung nicht ausgereicht zu haben, um der Welt zu verkünden, dass Osama Bin Laden tot ist. Es war der amerikanischen Regierung wichtig zu bekunden, dass es zwei Kopfschüsse waren, zur Besicherung eines ganz sicheren, eines doppelten Todes. Das Versenken des Leichnams im Meer war nicht der misslungene Versuch eines Begräbnisses nach muslimischen Regeln, sondern ein symbolischer Akt für die Aussage, das er nie wieder auftauchen werde. Amerika diktierte der Welt, mit großer Symbolik und über alle sprachlichen Barrieren hinweg, die Botschaft. Sie lautet: „Diese Geschichte ist unwiederbringlich zu Ende. Es wird keine Antworten geben.“ Amerika hat sich entschieden, das all die Fragen um den Verbleib Osama Bin Ladens über fast zehn Jahre, die Gerüchte über seine etwaige Zusammenarbeit mit amerikanischen Behörden und das Ausmaß seiner tatsächliche Beteiligung an den Terror Anschlägen, nicht beantwortet werden. Amerika hat entschieden die Deutungshoheit zu übernehmen und somit, dass die Geschichte in ihrer heute diktierten Lesart, auch die zukünftige sein wird. Amerika hat verstanden, dass dieser und zukünftige Kriege von denen verloren werden, die einer zunehmend vernetzten Weltöffentlichkeit, unangenehmen Fragen beantworten müssen.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, die öffentlich bekannte Freude unserer Bundeskanzlerin über den Tod Osama Bin Ladens, als Akt der vorauseilenden Unterwerfung unter das Diktat der Deutung.

Es ist unzweifelhaft das die Tötung Bin Ladens ein eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht, das Internationale Kriegsrecht, geltendes amerikanisches und nicht zu vergessen, pakistanische Recht war, aber es dürfte ebenso unzweifelhaft sein, dass wegen dieses Rechtsbruches der Internationale Gerichtshof in Den Haag nicht angerufen wird.

Als Kollateralschaden dieser militärischen Kommandoaktion, hat Amerika eine zweite Botschaft wissentlich in Kauf genommen und diese wurde mit besonderem Argwohn in der arabischen Welt aufgenommen.
Entgegen dem zu jedem Anlass und jeder Unzeit propagierten Anspruch an die eigene Rechtsstaatlichkeit, schien die Supermacht keine moralische Bedenken zu haben, diesen zur Bemessung der eigenen Handlung, nicht anzulegen. Dieser Anspruch an Gerechtigkeit gegen jedermann und das machte die Tötung Bin Ladens deutlich, gilt nur dann, wenn vitale amerikanische Interessen nicht tangiert sind. Sobald aber die amerikanische Regierung, ihre Reputation, oder ihre Ziele in Gefahr sieht, behält sie sich das Recht vor, jeden an jedem Ort, mit jedem Mittel und zu jeder Zeit, zur Rechenschaft zu ziehen. Rechtsstaatliche Ansprüche, wie die Prüfung der Tatbeteiligung und Anhörung des Beschuldigten, vor einem ordentlichen Gericht, werden schlicht ignoriert.

Es ist bezeichnend, dass die Weltöffentlichkeit sich regelmäßig in einem medialen Aufschrei empört, wenn dieses von einem irgend einem anderen Land gefordert wird.

Ob dies alles, für das Osama Bin Laden Symbol war, jedoch nun tatsächlich endet,wird das Ergebnis des zukünftigen Verhaltens der westlichen Welt, gegenüber den muslimischen Staaten sein. Aus ihrer Sicht, ist der Westen nichts weiter als eine gigantische seelenlose Maschinerie, die andere an den Früchten von Reichtum und Wohlstand nur teilhaben lässt, wenn sie sich dem westlich – demokratische System unterwerfen oder, nach alter Sitte der Kreuzzüge mittels des Schwertes dazu gezwungen werden.
Osama Bin Laden und jene die ihm folgen werden, begannen nicht mit dem 11. September 2001. Jene, die im Namen Allah´s, die Ungläubigen bekämpfen, fanden und finden ihre moralische Rechtfertigung im Koran und den Hadithen, aber ihre Ursache in dem Verhalten der westlichen Demokratien gegenüber dem Islam.

Es ist an uns, als den wirtschaftlich und militärisch führenden Nationen, zu akzeptieren, das jedes Volk die Freiheit hat über sein Schicksal eigenverantwortlich zu bestimmen, auch und selbst dann, wenn wir diese Entscheidungen nicht verstehen oder ihre Konsequenzen ablehnen.
Wir sind es die verstehen müssen, das nicht jedes Volk, oder Kultur unsere Lebensweise für richtig hält und jenen die einen anderen Weg wählen als wir, dieses Recht ebenso zusteht wie uns das zu unserem Weg.

Wir fordern schnell und laut die Freiheit. Wir würden es nicht tun, wenn wir uns bewusst machen würden, was Freiheit bedeutet. Freiheit der Völker zu fordern, heißt auch ihnen das Recht auf frei gewähltes Unrecht und Unfreiheit, zu gewähren.

Gibt es Gott

Es gibt Fragen, die nur beantwortet werden können, wenn man sich mit ihrem Kern auseinander setzt wie zum Beispiel die Frage nach der Möglichkeit eines Gottes. Im Kern ist diese Frage eine Frage nach den Voraussetzungen, die seine Existenz ermöglichen. Die Definition eines Schöpfergottes ist trotz seiner Universalität gegeben und, sofern man dem Anspruch der eigenen Definition folgen möchte, begrenzt sie die Möglichkeit seiner Existenz auf die Parameter seiner Definition. Die Frage nach seiner Möglichkeit ist die Frage, ob unsere Welt Deterministisch oder Indeterministisch ist.
Der Determinismus geht davon aus, dass alle Ereignisse nach feststehenden Gesetzen ablaufen und sie durch diese vollständig bestimmt, also determiniert sind. Demnach ist davon auszugehen, dass bei bekannten Naturgesetzen und dem vollständig bekannten Zustand eines Systems der weitere Ablauf aller Ereignisse prinzipiell vorherbestimmt ist und folglich kein echter Zufall als Geschehnis ohne kausale Begründung existieren kann. Dies hat die Berechenbarkeit jedes Systems zur Folge und führt zu dem Schluss, dass keine Wirkung ohne Ursache möglich ist. Den Umstand, dass wir in der Praxis nicht alle Ereignisse in einem System vorher bestimmen können, erklärt der Determinismus mit unserer Unwissenheit bezüglich aller Naturgesetze und den Erkenntnissen der Chaosforschung. Die Chaosforschung ist die Lehre der nichtlinearen Gleichungen. Sie erklärt stark vereinfacht, dass sehr wohl alles in einem kausalen Zusammenhang steht und der Flügelschlag eines Schmetterlings in Afrika einen Tornado in Amerika auslösen kann, dass wir aber aufgrund der nahezu unbegrenzten Menge der Einflüsse, die zwischen zwei Ereignissen einwirken, eine Voraussage nicht treffen können, solange zwei Ereignisse nicht räumlich und zeitlich so nahe beieinander liegen, dass wir mit unseren begrenzten wissenschaftlichen Methoden die Berechnung anstellen können. Der Determinismus war bis Mitte des 20.ten Jahrhunderts eine unumstößliche Größe in allen Naturwissenschaften und die Basis der Gravitationstheorie Isaac Newtons und der speziellen sowie der später veröffentlichten allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins.
Der Determinismus beantwortet die Frage nach der Möglichkeit eines Gottes mit ja und weist darauf hin, dass der Determinismus, mehr noch, eine schlüssige Beweisführung für seine Existenz ist. Wenn Entitäten grundsätzlich immer Wirkung einer Ursache sind und die Kette, die immer eine neue Ursache voranstellt, der kausalen Folgen unendlich ist, muss der Urknall als Beginn unserer Welt ebenfalls eine Ursache gehabt haben, die nicht Inhalt des Universums ist, eben einen Schöpfergott.
Der Indeterminismus bezeichnet den philosophischen Ausgangspunkt, dass im Gegensatz zum Determinismus nicht immer eine kausale Kette vorhanden sei, obwohl sie es kann. Nicht jede Entität benötigt eine Ursache und gesteht die Existenz des echten Zufalls ein.
Als Heisenberg die Quantenmechanik: die Lehre der Mikroteilchen begründete, stieß er auf seltsame Phänomene, die sich präzise beschreiben und empirisch beweisen ließen, aber in Konkurrenz zu allen anderen Wissenschaftstheorien standen. Die Lichtquanten mit denen er experimentierte verhielten sich indeterministisch und bewiesen Eigenschaften, die nach Auffassung der Naturgesetze nicht möglich sind. Durch das Doppelspaltexperiment konnte schlüssig bewiesen werden, dass kleinste Teilchen, wenn sie nicht beobachtet oder gemessen werden, sich wie Wellen verhalten, sobald man sie aber beobachtet oder misst linear agieren. Weiterhin konnte bewiesen werden, dass Quanten über größte Entfernungen sich zeitgleich auch gleich verhalten. Wenn also ein Teilchen aufgrund dessen, dass es beobachtet wird nicht mehr als Welle, sondern linear agiert, reagiert auch das Teilchen, welches ursprünglich mit ihm verbunden war ohne einen Zeitverlust linear, unabhängig der zwischen den Teilchen bestehenden Entfernung. Die den Indeterminismus aber am stärksten begründende Beweisführung war die Entdeckung der Tatsache, dass Teilchen entstehen können, ohne dass sie einer Wirkursache, also einem kausalem Grund dazu bedürfen. Quanten haben die Eigenschaft ohne jegliche naturwissenschaftliche Begründung, also ohne jegliche Wirkursache sich selbst aus dem Nichts zu schaffen, alleine aus dem Grund, dass es möglich wäre, dass es sie gibt. Die Frage nach der Möglichkeit eines Gottes beantwortet die Quantenmechanik mit der Frage: In welcher Welt? Der Indeterminismus beantwortet sie mit nein, da es keine unendliche kausale Kette gibt und der Urknall somit keine Ursache braucht, da er sich alleine aus der Möglichkeit seiner Existenz selbst schaffen konnte.
Die Erkenntnisse der Quantenmechanik scheinen mit unserer Realität zu konkurrieren sowie Determinismus und Indeterminismus miteinander zu konkurrieren scheinen. Diese augenscheinliche Unverträglichkeit beider Thesen stellt aber nur scheinbar eine Konkurrenz dar. Diese Konkurrenz hebt sich auf, wenn man beide Theorien nicht in Konkurrenz stellt, sondern sie unabhängig von einander zur Erklärung heranzieht.
Ausgehend von dem ursprünglichen Wesen einer Sache, in der Philosophie das Ding an sich genannt, ist dieses indeterministisch, wird aber durch Interaktion mit anderen Entitäten deterministisch, während die Physik wie alle Naturwissenschaften als Beschreibung der Interaktion ohne ontologischen Wert deterministisch ist, aber durch Interaktion mit dem Ding an sich indeterministisch wird.
Die Frage nach der Möglichkeit eines Gottes wird so beantwortet: Gott gibt es, wenn er tatsächlich da ist, ohne raumzeitliche oder physikalische Begrenzung und, sofern dieses zutrifft, hat er nicht nur den Urknall, sondern auch sich selber geschaffen.

Kapitale Denkfehler

Unsere Gesellschaftsordnung lässt es zu, dass ein Mensch sein Leben lang dazu verdammt sein kann für den Fleck Erde, auf dem er lebt und für seine Nahrung, die er zum Leben braucht, an einen anderen bezahlen zu müssen und wieder einem anderen durch Arbeit dafür zu dienen. Marktwirtschaft nennt man das, und man findet nichts Ungewöhnliches dabei.
Die Bedeutung dieser Zeilen spiegelt einen der großen Missstände unseres Gesellschaftssystems wieder – der Umstand des verdienten Lebens. Durch die nahezu vollständige Übernahme der kapitalistischen Werte scheint das Leben nicht mehr das zu sein, was es einst war -eine Schöpfung mit eigenen in sich wohnenden Werten. Dem Individuum wurde ein marktwirtschaftlicher Wert zugeordnet, wobei sich der Wert eines Menschen nach Angaben der Deutschen Versicherungswirtschaft und den Krankenkassen auf 50.000 Euro pro zu erwartendem Lebensjahr beläuft und, da jeder gemäß dieser Theorie das Produktionsvermögen Arbeit in sich trägt, ergibt sich daraus die Pflicht dieses einzusetzen, um am Leben teilzunehmen. Das Individuum muss Mehrwert erzielen und dadurch seine Teilnahme am Leben verdienen.
Das verhält sich ähnlich wie das Leben der Kaninchen auf einer Wiese. Eines Tages beschließt das Größte und Stärkste unter Ihnen die Wiese und die Höhlen der anderen als sein Eigentum zu besetzen, aus dem Grunde, weil es ja das Größte und Stärkste ist. Alle nachfolgenden Generationen dürfen nun nur noch die Pflanzen der Wiese fressen und in ihren Höhlen leben, wenn sie die Erben des Größten und Stärksten dafür bezahlen. Sie müssen nun viel mehr Pflanzen suchen und viel länger dafür arbeiten, um mehr Pflanzen, also Mehrwert zu erzielen – den Teil, den sie schon vorher zum Leben brauchten, den Teil, den sie abgeben müssen, weil sie selbst was fressen und den Teil, den sie abgeben müssen, weil sie ja in ihren Höhlen schlafen wollen, da das draußen Schlafen viel zu gefährlich für ein Kaninchen ist. Die Kaninchen verlieren ihre Freiheit, da sie ja jetzt in ihrer freien Zeit mehr Pflanzen suchen müssen, aber die Erben des Größten und Stärksten müssen nun nicht mehr ihre Pflanzen suchen und gewinnen dadurch mehr Freiheit. Und weil sich alle so schön an das Verdienen gewöhnt haben, stellen die Erben fest, dass sie am meisten verdient haben und kaufen sich gleich noch ein paar Höhlen, um den Mehrwert zu maximieren und noch mehr Kaninchen ihrer Freiheit zu berauben.
Schon aus dem Selbstverständnis heraus erscheint uns eine Anwendung unserer gesellschaftlichen Regeln auf die Kaninchen absurd. Damit gestehen wir den Kaninchen ein grundsätzliches Recht auf Nahrung und Behausung zu, ohne, dass sich diese ein solches Recht erarbeitet, also verdient hätten. Dieses unverdiente Recht ist ein biotisches Grundrecht des Kaninchen und jedes anderen lebenden Wesens. Aber dieses Recht gestatten wir uns nicht selber. Auf den Menschen angewandt scheint die Gewährung eines Rechtes, welches jedes Lebewesen hat, absurd. Doch es scheint nur absurd. Wir haben die Möglichkeit Werte neu zu besetzen, Rechte als grundsätzlich und allgemeingültig anzunehmen, weil auch der gegenteilige Umstand nur dadurch entstanden ist, dass wir ihn geschaffen haben. Eine Ideologie, die wir schufen, ist kein natürliches Gesetz, keine zwingende Vorgabe. Wir können eine Ideologie, die wir schufen, durch eine andere ersetzen und die einzige Problematik, die sich dabei ergibt, sind die permanenten Machterhaltsversuche derer, die durch die Ideologie Profiteure eines unmenschlichen Systems geworden sind.
„Wie der Staat zu Zeiten des alten Kapitalismus die Pflicht hatte, die fundamentalen Rechte der Arbeit zu verteidigen, so haben er und die ganze Gesellschaft angesichts des neuen Kapitalismus nun die Pflicht, die gemeinsamen Güter zu verteidigen, die unter anderem den Rahmen bilden, in dem allein es jedem einzelnen möglich ist, seine persönlichen Ziele auf gerechte Weise zu verwirklichen.“ – Johannes Paul II., Enzyklika Centesimus annus, 1991
Wir alle sind Teil eines großen in sich geschlossenen Ökosystems und die einzigen tatsächlichen und unverrückbaren Pflichten und Rechte ergeben sich aus der Teilnahme an dem System, das uns umschließt. Es ist das Recht eines jeden Lebewesens auf ein unverdientes Recht auf Leben und darauf dieses zu verteidigen sowie die Pflicht aus diesem Leben heraus das System nicht zu beschädigen.
Fataler weise sind unsere einzige Pflicht und unser einziges Recht durch den Kapitalismus ins Gegenteil verkehrt worden. Unser Leben müssen wir verdienen und unserem Ökosystem schaden wir nachhaltig. Es ist Zeit zur Umkehr – zur Anerkennung der wahren Rechte und zur Schaffung darauf beruhender Werte, und diese Umkehr ist nicht nur der Wunsch nach Freiheit, es ist die einzige Möglichkeit mit diesem unserem Ökosystem in Einklang zu Leben und damit unsere naturgegebene Pflicht. Aber es gibt Mechanismen, die uns diese Ziele vergessen lassen und uns andere suggerieren.

Das Ende des Hochkapitalismus

Der Kapitalismus ist in seiner ideologischen Bedeutung ein Kind des Zeitalters der Aufklärung. Die großen Ideen der Aufklärung – der Realismus und der Fortschrittsglaube sind auch die Basis des Kapitalismus, mehr noch, der Kapitalismus ist das Wirtschaftsprinzip des Fortschrittsglaubens. Untrennbar mit ihm verbunden sind sie sein Antrieb und seine Motivation.
Er ist die erfolgreichste Ideologie der Menschheitsgeschichte, zumindest was die Quantität seiner Anhänger und seiner Auswirkungen betrifft und führte die Menschheit aus dem Mittelalter. Er brachte besitzlosen Menschen scheinbaren Wohlstand und wo er sich etablierte führte er Grundzüge der Demokratie ein, die als Konsum fördernde Mechanismen Teil seiner selbst sind, wenn auch ohne menschlichen Anspruch und mit derer Hilfe er Märkte und Konsumgesellschaften schuf. Er war der Motor ganzer Epochen wie des Kolonialzeitalters und Sinnstifter von Generationen; das konnten wir im Wirtschaftswunder der 1950 er Jahre selber erfahren. Den größten Teil unseres Fortschritts seit der Industrialisierung haben wir ihm zu verdanken, denn der Fortschritt war immer der Sinn seiner Handlungen. Noch zu Beginn der 1990er Jahre schien seine Macht unbegrenzt zu sein und es machte den Anschein, als ob der Kapitalismus die Kraft hätte die Menschheit zu einen. Dies alles funktionierte solange, wie die Grundvoraussetzung des Kapitalismus bestanden hatte – die Möglichkeit und der Wille des immer mehr – der unaufhaltsame und ewige Fortschritt. Sein Prinzip wurde sein Verhängnis – immer mehr Mehrwert forderte immer mehr Ressourcen und produzierte immer mehr Lasten. Doch unsere Welt ist nicht unendlich, sondern endlich und alle Ressourcen sind begrenzt. Im Zuge der Globalisierung stieß der Kapitalismus an seine Grenzen. Diese Grenzen sind nicht nach hinten verschiebbar, sie sind physikalisch und stabil; es gibt keine zweite Welt mit neuen Ressourcen. Ideologien sind auf angenommenen Idealen beruhende Regelwerke und verlieren ihren Existenzanspruch, wenn sie ihre physikalischen Grenzen erreichen. Eine Umgestaltung von Ideologien, also auch des Kapitalismus in eine differente Ideologie, also hier ohne unbegrenzten Fortschrittsanspruch, wäre die Begründung einer neuen Ideologie und ebenfalls das Ende des Kapitalismus. Das wäre der Versuch ein Spiegelei, ohne die Zugabe von einem Ei, sondern unter Zugabe von zum Beispiel einem Apfel, zu braten. Das Ergebnis wäre zwar eventuell bekömmlich, aber mit Sicherheit kein Spiegelei.
Eine oft propagierte Lösung, zumindest als Teillösung zur Herstellung eines Minimums an Sozialverträglichkeit, ist das in Deutschland favorisierte Modell der sozialen Marktwirtschaft. Diesem Modell ist entgegen zu halten, dass es seine Existenz einer Dauersubventionierung verdankt, welche aus den Gewinnen des kapitalistischen Marktes einflossen, der bei der Auflösung des Kapitalismus nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Des Weiteren konnte dieses Modell in keiner Form die ideologischen Mechanismen des Kapitalismus außer Kraft setzen, die nun zu seiner Auflösung führen.
Musste zur Zeit des kalten Krieges der Kapitalismus in seiner ständigen ideologischen Konkurrenz zum Kommunismus, die nie ausschließlich wirtschaftlich oder politisch war, sondern sich als Einheit verstand, das Bild des menschlicheren Systems aufrecht erhalten, so konnte er sich nach dem Zusammenbruch des Kommunismus den Befindlichkeiten der Demokratie entledigen und mutierte zum Turbo – Kapitalismus, welcher anstatt einer Maximierung, eine Potenzierung des Mehrwertes und seiner ergebenden Schäden,zur Folge hatte.
Der deutsche Schriftsteller Martin Walser sagte einmal: „Die schlimmste Wirkung des Kapitalismus ist, dass man glaubt, alles, was man bezahlen kann, gehöre einem.”
Die Unausweichlichkeit des Endes des Kapitalismus ist in den Palästen der Macht – den Schaltzentralen des Kapitalismus nicht verborgen geblieben. War es vor noch ein paar Jahren selbstverständlich, dass Rechte dafür benutzt wurden, um sie zu kapitalisieren, also den Gewinn aus ihnen abzuschöpfen, so ist heute zu beobachten, dass immense Gewinne dafür eingesetzt werden, um Rechte und Wissen z.B. in Form von Patenten zu erwerben und diese eben nicht wieder zu kapitalisieren. In diesen Kreisen ist das Bewusstsein eingetreten, dass der Kapitalismus sich dem Ende neigt und dieses zwangsläufig eine Neudefinition aller Werte zufolge haben wird. Aber auch das Bewusstsein, dass auch in der Zeit danach die Menschen weiter leben und Rechte ihre neuen Werte sein werden. In diesen Kreisen des Hochkapitalismus hatte man auch kaum Verluste durch die Wirtschaftskrise an den Börsen hinnehmen müssen, da deren Kapital bereits aus dem Börsenhandel genommen wurde, um es in nicht materielle Werte zu investieren. An der Börse werden überwiegend nur noch die Werte der Firmen gehandelt, die entweder die Zeichen der Zeit noch nicht verstanden haben, aus rechtlichen Gründen dort nicht aussteigen können oder sich in finanziellen Notlagen befinden und sich über die Börse rekapitalisieren wollen. Der Grund für die Wirtschaftskrise sind beginnende Auflösungsprozesse des Kapitalismus durch die in Frage-Stellung seines ewigen Fortschrittsgedankens. Der Verlust des Vertrauens auf die zumindest theoretische Möglichkeit noch so unwahrscheinlicher Renditen und der propagierte Umstand, dass jedem Verlust irgendwann ein noch größerer Gewinn folgt durch den festen Glauben an den immer währenden Fortschritt, führte zu der aktuellen Wirtschaftskrise.
Dieses Vertrauen war die einzige verbleibende Triebfeder des Kapitalmarktes, seit mit Abschaffung des Goldstandarts eine Tauschgröße als nomineller Wert nicht mehr gegeben war.
Dieses uns unausweichlich bevorstehende Ende des Kapitalismus ist einer der maßgeblichsten Gründe die Politik als einzig verbleibendes Regulativ zu beeinflussen und sowohl demokratische als auch generelle Grundrechte einzufordern, um dem Menschen in der bevorstehenden Zeit der Schaffung neuer Werte eine direkte Einflussmöglichkeit zu geben, die sie mit den momentan ihnen zugestandenen demokratischen Rechten nicht haben..

Der kapitale Weg vom Feudalismus zur Demokratie

Es stellt sich die Frage: Wie sich in Deutschland ein wirtschaftliches System manifestieren konnte, welches maßgeblich für die Neurose eines ganzen Volkes werden konnte? In Deutschland hat sich als Staatssystem ein Wirtschaftssystem: der Kapitalismus etabliert, dass die ihm innewohnenden Freiheiten, u.a. die gewünschte freie Wahl der zu konsumierenden Güter, dem Staatsvolk als demokratische Rechte verkauft und somit die Existenz einer Demokratie begründet. Eine wesentlich treffendere Umschreibung unseres Staatssystem dürfte lauten: Feudalkapitalismus mit rudimentären demokratischen Aspekten. Verständlicher weise wird eine solche Definition nicht gebraucht, da sie den Schein nicht wahrt.
Dieses Staats- und Gesellschaftswesen erklärt sich aus seinem historischen Entstehen und begann mit dem Untergang des Feudalismus, der autoritären Herrschaft des Adels und des Zunftwesen der Städte im 17.ten Jahrhundert. Der dem Feudalismus nachfolgende Kapitalismus basierte, u.a. auf Interpretationen der Bibel, die von dem Theologen Calvin ausgingen und besagten, dass sich göttliches Wohlwollen bereits auf Erden zeige. Durch die von Calvin geforderte und nun einsetzende Sparsamkeit des vollen Einsatzes von Kapital und Arbeit entstand eine Konkurrenz des Habens, die als Repräsentativ nicht nur für irdisches, sondern gar für ein späteres himmlisches Sein genommen wurde. Für die Begründer des neuen Systems, den Calvinisten, war Wohltätigkeit noch ein Teil des Konzepts, welches allerdings sehr bald in Vergessenheit geriet und durch den Drang zur Macht und Beherrschung ersetzt wurde. Da Macht und Beherrschung aber der Masse, die an diesen Vorzügen nicht teilnahm, nicht vermittelt werden konnte, ersann man hierfür das Synonym der Wettbewerbsfähigkeit. Der ursprüngliche Sinn dieses Begriffes konnte lange durch Gewährung von Belohnungen für systemkonformes Verhalten verborgen gehalten werden, bis in Folge der Globalisierung die Auswirkungen auf nationale und internationale Wirtschaften deutlicher und zerstörerischer wurden. Zu seiner vollen Blüte stieg der Kapitalismus jedoch erst mit Einbruch des Industriezeitalters im 18.ten Jahrhundert auf.
Der Kapitalismus ist eine eigenständige Ideologie, aber basiert auf dem Feudalismus; er ist die Fortsetzung des Feudalismus mit anderen Mitteln. Wo sich einstmals Macht und Herrschaft aus dem Besitz von Boden ergaben, ergaben sie sich nun aus dem Besitz von Kapital. Die Mechanismen blieben die gleichen, nur die Namen der Protagonisten wurden angepasst. Beide Systeme berufen sich auf ihre Schaffung aus göttlichem Grunde und beide Systeme arbeiten nach dem gleichen Grundprinzip. Der Maximierung von Gewinn und Besitz durch die Abschöpfung von Rechten, die sich aus dem Besitz selbst begründen und der Nutzung der Arbeit der Mittellosen.
Der Übergang in den Kapitalismus gestaltete sich so reibungslos, dass noch nicht einmal die alten Feudalherren beseitigt werden mussten. Nach einer kurzen Zeit der Buße und dem Gelübde, von nun an nicht mehr dem Geblüt, sondern dem Kapital zu huldigen, wurden sie alsbald in den Kreis der Kapitalisten aufgenommen. Einzig die führenden Repräsentanten des Feudalismus: die Könige mussten symbolträchtig für den Untergang des Feudalismus exekutiert oder zumindest verbannt werden.
Mit der einsetzenden Liberalisierung zum Ende des 19.ten und Beginn des 20.ten Jahrhunderts und dem Zugeständnis von rudimentären Rechten an die Menschen sah sich der Kapitalismus gezwungen die Möglichkeit zu zulassen, dass Arbeiter und Bauern zumindest ein bescheidenes Maß an Kapital ansammeln konnten. Doch aus der Not und der Angst die göttlichen begründeten Rechte nun mit dem Heer der Arbeiter teilen zu müssen, entstand eine Tugend. Musste der Kapitalismus zuvor noch selbst den Gewinn erwirtschaften und zu diesem Zwecke die Arbeiter ausbeuten, so taten diese das von nun an freiwillig, sofern man sie mit Bedürfnissen fütterte. Die Konsumgesellschaft war gegründet und brachte nur eine wesentliche Änderung für den Kapitalismus. Der Gewinn konnte vervielfacht werden, dadurch, dass er jetzt nicht mehr direkt durch die Arbeit, sondern indirekt durch den Konsum abgeschöpft wurde.
Für die Arbeiterschaft war die Neuschaffung der Möglichkeit eigene Bedürfnisse zu haben und diese mittels des Konsums zu befriedigen eine empfundene neue Freiheit, in dessen Licht die Politik sich rühmte und der Arbeiterschaft als schwer erstrittenes demokratisches Recht ans Herz legte – ein System was Zukunft haben sollte. Die Erkenntnis, dass es sich bei den neuen Bedürfnissen nur um solche handelte, die dem Konsum dienten und die Produktion steigerten und nicht der Schaffung und Befriedigung eigener Bedürfnisse, konnte wirkungsvoll verhindert werden. Doch die Euphorie wollte sich nicht so recht einstellen. Die Vertreter des Kapitalismus hatten es noch nicht verwunden einen Teil ihrer Kontrolle über die Arbeiter verloren zu haben, aber auch die schienen noch nicht so Recht glücklich zu sein, da ihre Möglichkeit des Konsums auf das durch ihre Arbeit erwirtschaftete Geld begrenzt war.
Trotz unterschiedlichster Interessenlagen wurde der Zustand auf beiden Seiten als unbefriedigend empfunden und die Lösung fand sich in der Gründung eines neuen Geschäftszweiges: den Verbraucherbanken, die den Kapitalismus idealistisch in seiner reinsten Form pflegten und dabei den Konsum ganz pragmatisch bis zum Exzess ermöglichten. Dieser Spagat und die sich daraus ergebende Gewinnmaximierung rechnen die Vertreter des Kapitalismus zu seinen größten Leistungen. Diese Banken kreditierten die Wünsche ihrer neuen Klientel nach dem, noch immer tragenden, feudalistischen Prinzipien:- Ich gebe Dir Brot und dafür dienst Du mir-. Um das demokratische Selbstverständnis der Arbeiterschaft, die sich nun Arbeitnehmer nannten, nicht zu sehr zu strapazieren, sie hatten sich ihre demokratischen Rechte ja schließlich schwer erstritten, besann man sich auf weniger unterwürfige Formulierungen: – Ich kreditiere Dir Deinen Wunsch, dafür bringst Du mir am Monatsende den Ertrag Deiner Arbeit und, weil ich so großzügig bin und Dir das gestatte, behalte ich einen Teil Deines Geldes für mich.
Zu Beginn des 21.ten Jahrhunderts folgte eine Zeit der Umbrüche und Katastrophen. Im 1.ten Weltkrieg stellten die Arbeiter und Bauern die zahlenmäßig größte Gruppe an Soldaten und zahlten den höchsten Blutzoll. Aus ihrer Verzweiflung und Not begehrten sie gegen den Kaiser auf. Der Kaiser verzeichnete auch auf der Seite des Kapitals keinen Rückhalt mehr. Zwar waren die Gewinne zu Beginn des Krieges ansehnlich gewesen, doch im Zuge seines Verlaufes lag die Wirtschaft am Boden. Dieses Rückhaltes beraubt sah der Kaiser sich gezwungen abzudanken. Durch die aus den Kriegsfolgen resultierende schwache Stellung des Kapitals gestärkt waren es die Arbeiter und Bauern, die das Rad der Geschichte ergriffen und weiter drehten. Sie übernahmen die Führung, stürzten sich in das große Abenteuer der deutschen Demokratie: der Weimarer Republik. Das Fehlen einer demokratischen Basis im Volk und das Fehlen des Verständnisses der meisten Menschen um die Inhalte einer Demokratie sowie der Mangel an demokratischen Strukturen und Instanzen machte sie verletzlich durch Ideologien ohne rechtliche oder moralische Grenzen. Die Demokratie wurde 1933 durch die Nationalsozialisten offiziell abgeschafft. In der Zeit von 1933 bis 1945 erwies sich der Kapitalismus als staatstragend und die ihm innewohnenden als auch die von ihm ausgehenden Werte, als oft die einzigen, die sich durch den völligen Kollaps des Staates in ein neues Wertesystem herüber retten konnten und vorher wie nachher gleichermaßen anerkannt waren. Zwischen 1945 und der Gründung der Bundesrepublik war der Kapitalismus das Einzige für das gesamte Volk gültige Wertesystem und aus diesem Umstand erklärt sich auch das plötzliche Entstehen späterer Wirtschaftsimperien. Erst als auf Geheiß der Siegermächte die Demokratie zum Programm für eine neue Staatsgründung 1948 werden sollte, entstanden wieder nicht kapitalistische Werte, die es aber in dem bereits wieder etablierten marktwirtschaftlichen Wertesystem schwer haben sollten.
Es galt nun für das neue Deutschland eine Staatsform zu finden, die den Kapitalismus als Einziges von den westlichen Siegermächten anerkanntes Wirtschaftsmodell mit zumindest grundsätzlichen demokratischen Werten verbindet. Wobei man im Gegensatz zu den kapitalistischen Elementen die demokratischen deutlich eingeschränkt sehen wollte; was sich in den Vorgaben der Siegermächte verdeutlichte. Keine direkten demokratischen Strukturen wollte man schaffen und unmittelbarer Einfluss der Bürger auf Entscheidungen galt es zu unterbinden.
Eine neue Staatsform braucht eine neue Verfassung, doch schon die Benennung in Grundgesetz spiegelte die Tatsache wieder, dass nicht eine Verfassung geschaffen werden sollte, sondern nur ein Provisorium mit welchem sich ein Staat gründen und die Zeit bis zur Konstituierung einer Verfassung überbrückt werden könne. In nur 13 Tagen schufen 1949 Verwaltungsbeamte, größtenteils schon in Amt und Würden während der nationalsozialistischen Ära, auf der Bodenseeinsel Herrenchiemsee in einem Verfassungskonvent -genannten Gremium einen Entwurf einer Konstitution, die anschließend vom parlamentarischen Rat in Bonn nahezu unverändert angenommen und am 08. Mai 1949 beschlossen wurde.

Ein Neuanfang in Deutschland
Das Grundgesetz trat am 24.Mai 1949 in Kraft und begründete damit die Bundesrepublik Deutschland. Doch die neuen Rechte blieben von den Deutschen erstmal weitgehend unbeachtet. Zu groß waren noch die Sorgen der Menschen im Nachkriegsdeutschland. Nicht die Politik stand im Mittelpunkt, sondern das tägliche Überleben. Es war die Zeit des Kapitalismus, der mithilfe des Wirtschaftswunders, also seines eigenen Erfolges und der Steigerung des Konsums, für die Deutschen indentitätsstiftend wurde. Demokratie war noch nicht selbstverständlich und die führenden Kräfte in Wirtschaft und Politik hatten nur allzu oft nicht demokratische Wurzeln in der Vergangenheit. So war es auch keine Überraschung, dass 1951 noch 51 Prozent der Deutschen in zustimmender Haltung zu den Werten des Dritten Reiches standen. Eine genaue Definition einer Demokratie in neuzeitlichem Sinne wurde nie geschaffen und die nun mehr gebräuchliche Version ist nicht mehr als ein inhaltsloser Ausdruck, der aus jedem politischen Standpunkt heraus möglich scheint.
So verwundert es auch nicht, dass sich heute nahezu alle Staaten den Anspruch geben demokratisch zu sein, unbeschadet dessen wie weit ihre Staatsform tatsächlich mit dem ursprünglichen Anspruch noch vergleichbar ist. Diese inhaltliche Wesensfremde zu den ursprünglichen Prinzipien mit einem gleichzeitigen plakativen Vollendungsanspruch der Demokratie ist auch für das deutsche Gesellschaftssystem bezeichnend. Der Vollendungsanspruch zeigt sich, insbesondere, durch den Artikel 20 Abs. 1 des Grundgesetztes, der als tragendes Verfassungsprinzip fest verankert ist und damit die uns vorliegende Form der Demokratie als unveränderlich festschreibt. Dieser Anspruch wäre durchaus zu rechtfertigen, wenn der Begriff Demokratie nicht so weit verzerrt worden wäre das heute grunddemokratische Anliegen wie zum Beispiel die Offenbarung des Volkswillens durch ein Volksbegehren in Konkurrenz zum Verfassungsprinzip stehen würden und die mit allen politischen Mitteln durch die parlamentarischen Volksvertreter abgewehrt werden. Seit der Einführung der Notstandsgesetze 1968 – dem ersten Schritt der Entrechtung der neuen deutschen Demokratie wurde dieser Begriff so weit verbogen und in jede politische Richtung gezerrt, dass aus ihm die universal politische Minimallösung wurde, die heute als Platzhalter in jeder politischen These gebraucht werden kann, ohne damit eine Festlegung gemacht zu haben. Per Definition ist heute Feind der Demokratie, also Verfassungsfeind und somit mit allen staatlichen Mitteln verfolgbar, wer nicht für die verfassungsrechtliche Grundordnung Deutschlands eintritt. Es ist also nicht einmal nötig gegen sie tätig zu werden, es reicht die Willensbekundung für sie nicht einzustehen – sie nicht aktiv zu verteidigen zu wollen. George Orwell beschrieb in seinem Buch 1984 einen solchen Umstand als Gedankenverbrechen, aber er hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass seine Fiktion so schnell von der Wahrheit eingeholt werden sollte. Auch der Wunsch oder der Versuch sie durch eine andere, wenn auch, freiheitlichere demokratischere Ordnung zu ersetzen gilt als Verfassungsfeindlich. Offensichtlich ist also eine freiere Gesellschaftsordnung mit mehr demokratischen Möglichkeiten so utopisch, dass ihre Möglichkeit durch unsere Verfassung verneint wird. Der Zweck der Verfassung ist nicht die Sicherung persönlicher demokratischen Rechte, sondern die Sicherung des Verfassungsprinzips, also die Erhaltung des Machtanspruches der etablierten Regierungsform und Demokratie ist das, was staatserhaltend ist.
Das Wesen einer Demokratie in seiner ursprünglichen und zutreffenden Definition: ist die Volksherrschaft mit plebiszitären Grundannahmen, also dem Umstand, dass Entscheidungen vom Volk getroffen werden. In Deutschland haben wir eine parlamentarische Demokratie – der Volkswille wird mittels gewählten Vertretern im Parlament dargelegt. Ursprünglich war diese nur mittelbare Einflussnahme des Volkes durchaus gewollt, galt es doch eine Demokratie ohne Demokraten zu installieren. Es war den Siegermächten bewusst, dass ihr Sieg über den Nationalsozialismus nicht automatisch dazu führte, dass die nationalsozialistische Wertevorstellung damit beseitigt war. Um die Wirtschaft weiter zu forcieren, waren die Siegermächte sogar bereit den Marshall Plan mithilfe der deutschen Eliten umzusetzen, die auch schon im III Reich die Eliten stellten. Das Wissen, dass dieser neue Staat von Menschen gelenkt werden würde, die im Grunde keine Demokraten waren, führte zu dem Modell, welches den politischen Parteien die Aufgabe gab die politische Meinungsbildung zu übernehmen.
Die demokratischen Rechte wurden begrenzt und die politische Einflussnahme des Volkes auf ein Minimum reduziert. Die Parteien bildeten die Machtstrukturen im Parlament und nicht des Volkes Wille, sondern der machtpolitische Wille der Parteien führte zu Entscheidungen. Um den Einfluss des Volkes zu begrenzen und damit zu verhindern, dass politisch Andersdenkende Einfluss im Parlament gewinnen könnten, wählen wir noch heute nicht frei, sondern stimmen nur bereits vor entschiedenen Wahllisten zu. Die Parteienoligarchie war zu einem staatstragenden System geworden. Nur zwei Prozent der Bevölkerung sind Parteimitglieder und von denen bestimmen nur 10 Prozent wer auf den Wahllisten erscheint und vom Volk als sein Vertreter gewählt werden kann. Zwei Promille unserer Bevölkerung bestimmen also somit aus parteitaktischen Erwägungen unsere Volksvertreter, die wir nicht frei wählen, sondern nur per Wahl bestätigen können. Direkter Einfluss auf Entscheidungen ist dem Volk verwehrt und Versuche diesen mittels der Einführung von Volksbegehren zu ermöglichen wurde durch die Legislative, also das Parlament als Parteieninstitution erfolgreich verhindert. Unsere Demokratie ist bestenfalls eine Demokratur.
Bestrebungen ein demokratisches System einzuführen gab es, insbesondere, in den letzten Jahrhunderten einige. Darunter auch in Staaten, die sich noch heute mit dem Mäntelchen des Versuches der Errichtung einer Demokratie schmücken, als wäre es ihnen gelungen. Ich denke da unter anderem an die USA. Das Lesen der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung ist ein Genuss für jeden, der sich eine Demokratie wünscht. Leider erstarb jeder dieser Versuche und es gibt heute de facto keine Demokratie auf diesem Globus, wenngleich sich in einigen Ländern wie zum Beispiel der Schweiz basisdemokratische Grundzüge etablieren konnten. Das Scheitern der Demokratie war nicht dem mangelnden Willen des Volkes geschuldet, sondern dem machtpolitischen Kalkül der demokratischen Eliten, um sich vor, ihrer Ansicht nach, einer ideologisch falschen demokratischen Einflussnahme zu schützen. Diese generelle Vorentscheidung was im eigenen Sinne der Definition demokratisch ist, ist ein sicheres Kriterium zur Erkennung von Diktaturen.
Eine Kritik an diesem Staatssystem wäre unangebracht, wenn sie pauschal gegen dieses gerichtet werden würde. Der zu bemängelnde Zustand ist nicht das Fehlen demokratischer Normen und Gestaltung im Ganzen, sondern das Fehlen dieser in Bezug auf das Staatsvolk. Sieht man einmal von höchst undemokratischen Wesensmerkmalen des Parlamentes und seines Zuganges wie dem Fraktionszwang in Konkurrenz zur grundgesetzlichen Verantwortung des einzelnen Abgeordneten, ausschließlich an sein Gewissen und der Zugangsbeschränkungen, sowie der 5 % Hürde ab, kann man feststellen, dass die Tätigkeiten und Ansprüche des Parlamentes durchaus demokratisch sind. Das gilt aber leider nur auf der parlamentarischen Ebene. Der zu bemängelnde Zustand ist nicht das Fehlen demokratischer Abläufe im Parlament, sondern der Einflussmöglichkeit des Volkes auf diese demokratischen Abläufe. Das Volk ist von diesen abgekoppelt und die über die Wahllisten nur mangels Alternativen bestätigten Parlamentarier sind die politische Elite, die in ihrem und ihrer Partei Sinne, ohne Teilnahme des Volkes, den Staat durchaus demokratisch lenken.
Die Unselige Allianz aus Kapitalismus und Demokratie verteidigt Besitztümer, die ihr nicht zustehen, mit Mitteln, die unangemessen sind aufgrund von Begründungen, die unzeitgemäß sind.

Wer regiert die Welt

Wer regiert diese Welt? Diese Frage beantworten wir leicht mit den Regierungen – unseren Politikern. Aber ist das wirklich so oder sind nicht doch Zweifel angebracht? Zumindest ist nicht erklärlich warum unsere Regierungen so machtlos vor den Problemen unserer Welt stehen, wenn sie doch im Besitz der Macht sind diese zu ändern. Fehlt es unseren Regierungen an dem Willen etwas zu verändern oder an der Fähigkeit die Notwendigkeit hierzu zu erkennen? Es scheint Mechanismen zu geben, denen auch sie unterworfen sind – ein Regelwerk dem sie folgen müssen und das so maßgeblich zu sein scheint, dass unsere Regierungen so sehr in dieses Regelwerk eingebunden sind, dass ihnen Handlungen gegen dieses nicht möglich zu sein scheinen. Dieses Regelwerk sind die Werte, die sich unsere Gesellschaft gegeben hat. Werte, die sich im Laufe der Geschichte verändert haben und zu einer Ideologie zusammen geführt wurde. Diese Ideologie ist unser Wirtschaftssystem – ein Wertesystem, das keine Werte außerhalb seiner Ziele anerkennt und alle an ihm teilnehmenden Menschen durch Androhung des Verlustes der eigenen Existenz zur Aufrechterhaltung seiner selbst nötig. Global umfassend tätig und bis in den letzten Winkel der Privatsphäre regulierend zwingt es jeden einzelnen von uns, aber auch unseren Regierungen, sein Verhaltensmuster und seine eigenen Werte auf. Kein Bereich unseres Lebens wurde von diesem System nicht mit seinen eigenen Werten besetzt – Werte die sich ausschließlich in Quantitäten bemessen, aber die Qualitäten – die wahren Werte des Lebens, für ein immer mehr und immer schneller ignorieren. Unserer Gesellschaft sind die Werte an sich und damit ihre Visionen ausgegangen. Sie steht auf dem Trümmerhaufen der Auswirkungen eines Lebens vernichtenden Wirtschaftssystems. Den letzten Ausweg sieht sie in der Propagierung von Grenzenlosigkeit und Vielfalt. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass sich die globale Macht der Marktwirtschaft immer stärker zentralisiert und die persönlichen Rechte immer weiter eingeschränkt werden bei gleichzeitiger allerorten präsenter Demokratiebeschwörung. Fortschritt wird mit Wachstum verwechselt. Frei zu sein scheint nur derjenige, der Arbeit hat. Der Begriff „Arbeit macht frei“ hat, neben seinen Menschen verachtenden historischen Wurzeln, auch realen Bezug. Nur wer aufgeklärt ist, wer sich permanent mit dem Holocaust beschäftigt, seine Pauschalverantwortung trägt und sich ständig Sorgen macht zum Beispiel um seine Krebs-, oder Altersvorsorge lebt systemkonform.
Wir leben in einer Welt, in der wir allzeit gewappnet sein müssen uns zu verteidigen. Die Medien suggerieren uns Tag für Tag wogegen wir alles angehen müssen, wovor wir Angst haben sollen, von wo Gefahr ausgeht: Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Armut, Krankheit, Fundamentalismus sowie die Versuche uns die wohlverdienten Früchte des Erfolges zu bestreiten. Die freiheitlichen Werte sind gefangen in ihren Abwehrmechanismen, in ihrer Fixierung auf die Verteidigung ihrer selbst. Es mutet an wie ein Organismus, der vor lauter Angst in Zwanghaftigkeit erstarrt. Begründet sind diese Umstände in einer historischen Fehleinschätzung von Wirkmechanismen: der beginnenden zweiten Hälfte des 20.ten Jahrhunderts. Die 1950er und 1960er Jahre werden noch heute von vielen als die freiheitlichsten empfunden, was zumindest in Deutschland der Existenz neuer und noch nicht dezimierter Grundrechte zu zuschreiben war. Aber es war auch die Zeit des kalten Krieges, der zwar nicht als persönlich bedrohend wahrgenommen wurde, aber in den Köpfen eine statische Freund – Feindkennung hervorrief. Die Menschen lebten gut damit und generierten daraus einen kausalen Zusammenhang des einen mit dem anderen.
Als in den 1990er Jahren der Kommunismus zusammenbrach, hatte sich das System der notwendigen Freund- Feindkennung soweit etablieren können, dass der Verlust des Systems den Menschen schwerer fiel als der Verlust des Feindes. Diesem begonnenen Automatismus der permanenten Angst folgend wurde der nun fehlende Feind durch immer neue ersetzt, die geeignet schienen das Gleichgewicht und Angst und Hoffnung zu halten. Der Zustand unserer westlichen Demokratien ist tatsächlich Besorgnis erregend. Sie ist psychisch und physisch krank, aber nicht an den Gefahren, die uns von allen Seiten so verräterisch offensichtlich werden, sondern an denen, die wir nicht sehen, die uns durch die Schürung der Massenhysterie verborgen bleiben sollen. Es herrscht der Konsens, dass der Mensch nach ganz bestimmten Systemerfordernissen zu funktionieren hat. Die Ächtung des Nichtfunktionierens ist vielfältig und läuft über die Regulative: Moral, Gesetz und Geld ab. Eine Freund- und Feindkennung wird öffentlichkeitswirksam aufrechterhalten und forciert. Der nicht funktionierende Mensch ist böse und der Funktionierende ist gut. Die Guten machen ganz legitim Jagd auf die Bösen: auf Schwarzarbeiter, Krankfeierer, Sozialschmarotzer – auf den bösen Krebsvirus.
Diese Polarisierung zeigt sich in unterschiedlichster Gestalt. Puritanismus, Fanatismus oder Klassenkampf gehen letztlich auf die jahrhundertealte Ideologien zurück, die seit jeher mehr Leid, als Segen brachten und den Menschen, anstatt ihn zu befreien, immer tiefer in die Bevormundung drängte. Angst und Sicherheit sind komplementäre Aspekte der Kontrolle. Wer Angst hat – lässt sich führen; wer Angst macht – kann kontrollieren. Auffälliger weise bestimmen unsere Gesellschaft heute überwiegend Themen, die Angst bereiten. Es ist kein Zufall, denn das Produkt der Angst – die Angstabwehr ist für die Erhaltung eines auf Ausbeutung und Profitmaximierung basierenden Systems ausschlaggebend. Menschen ohne Angst vor Krankheit, Tod, Verlust und Imageschädigung könnten nicht Träger dieses Systems sein, weil der Abwehrmarkt zusammenbrechen würde. Angst wird zu einem Erfordernis der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Gleichzeitig wird das System von einer Gesinnung getragen, in der Angsterzeugung und Abwehrangebote im Gleichgewicht gehalten werden.
Abgewehrt werden dabei nicht nur Todesängste, sondern alle eigenen negativen Gefühle und Empfindungen wie Aggression, Unlust und Schmerz. Hierfür bietet der Markt die richtigen Mittel. Eine künstliche problemfreie Welt hat jedoch ihren Preis. Denn die abgespaltenen Emotionen kehren in pervertierter Form zu uns zurück und als extremste Ausprägung in Form von Terrorismus. Die puritanische Gut-Böse-Ideologie legitimiert zentralistische Instanzen folglich zur Schaffung eines Machtmonopols, um die Bürger mit Gewalt vor Gewalt zu schützen. Ein Teufelskreis entsteht, der zugleich ein effektiver Kontrollmechanismus der auf Abwehr programmierten Welt ist.
Die Hinwendung von Politik und Versorgungssystemen zum Zerstörerischen ist augenfällig. Der Kampf gegen Symptome spiegelt die Fixierung auf das Symptom, anstatt auf die Ursache wieder. Dies ist auf allen Ebenen zu beobachten. Der Kampf gegen dies oder jenes, wobei es unerheblich ist, was dies oder jenes denn genau sei, ist mehr als eine sprachliche Formel: er ist Ausdruck makroneurotischer Ausrichtung auf Beängstigendes und reduziert jede Aktion auf die Abwehr. Wir verlieren in unserer Dauerabwehr die Sicht auf die Möglichkeiten, die Visionen, die uns gegeben sind und die uns dieser zwangsneurotischen Spirale entziehen können.