Das Ende des Hochkapitalismus


Der Kapitalismus ist in seiner ideologischen Bedeutung ein Kind des Zeitalters der Aufklärung. Die großen Ideen der Aufklärung – der Realismus und der Fortschrittsglaube sind auch die Basis des Kapitalismus, mehr noch, der Kapitalismus ist das Wirtschaftsprinzip des Fortschrittsglaubens. Untrennbar mit ihm verbunden sind sie sein Antrieb und seine Motivation.
Er ist die erfolgreichste Ideologie der Menschheitsgeschichte, zumindest was die Quantität seiner Anhänger und seiner Auswirkungen betrifft und führte die Menschheit aus dem Mittelalter. Er brachte besitzlosen Menschen scheinbaren Wohlstand und wo er sich etablierte führte er Grundzüge der Demokratie ein, die als Konsum fördernde Mechanismen Teil seiner selbst sind, wenn auch ohne menschlichen Anspruch und mit derer Hilfe er Märkte und Konsumgesellschaften schuf. Er war der Motor ganzer Epochen wie des Kolonialzeitalters und Sinnstifter von Generationen; das konnten wir im Wirtschaftswunder der 1950 er Jahre selber erfahren. Den größten Teil unseres Fortschritts seit der Industrialisierung haben wir ihm zu verdanken, denn der Fortschritt war immer der Sinn seiner Handlungen. Noch zu Beginn der 1990er Jahre schien seine Macht unbegrenzt zu sein und es machte den Anschein, als ob der Kapitalismus die Kraft hätte die Menschheit zu einen. Dies alles funktionierte solange, wie die Grundvoraussetzung des Kapitalismus bestanden hatte – die Möglichkeit und der Wille des immer mehr – der unaufhaltsame und ewige Fortschritt. Sein Prinzip wurde sein Verhängnis – immer mehr Mehrwert forderte immer mehr Ressourcen und produzierte immer mehr Lasten. Doch unsere Welt ist nicht unendlich, sondern endlich und alle Ressourcen sind begrenzt. Im Zuge der Globalisierung stieß der Kapitalismus an seine Grenzen. Diese Grenzen sind nicht nach hinten verschiebbar, sie sind physikalisch und stabil; es gibt keine zweite Welt mit neuen Ressourcen. Ideologien sind auf angenommenen Idealen beruhende Regelwerke und verlieren ihren Existenzanspruch, wenn sie ihre physikalischen Grenzen erreichen. Eine Umgestaltung von Ideologien, also auch des Kapitalismus in eine differente Ideologie, also hier ohne unbegrenzten Fortschrittsanspruch, wäre die Begründung einer neuen Ideologie und ebenfalls das Ende des Kapitalismus. Das wäre der Versuch ein Spiegelei, ohne die Zugabe von einem Ei, sondern unter Zugabe von zum Beispiel einem Apfel, zu braten. Das Ergebnis wäre zwar eventuell bekömmlich, aber mit Sicherheit kein Spiegelei.
Eine oft propagierte Lösung, zumindest als Teillösung zur Herstellung eines Minimums an Sozialverträglichkeit, ist das in Deutschland favorisierte Modell der sozialen Marktwirtschaft. Diesem Modell ist entgegen zu halten, dass es seine Existenz einer Dauersubventionierung verdankt, welche aus den Gewinnen des kapitalistischen Marktes einflossen, der bei der Auflösung des Kapitalismus nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Des Weiteren konnte dieses Modell in keiner Form die ideologischen Mechanismen des Kapitalismus außer Kraft setzen, die nun zu seiner Auflösung führen.
Musste zur Zeit des kalten Krieges der Kapitalismus in seiner ständigen ideologischen Konkurrenz zum Kommunismus, die nie ausschließlich wirtschaftlich oder politisch war, sondern sich als Einheit verstand, das Bild des menschlicheren Systems aufrecht erhalten, so konnte er sich nach dem Zusammenbruch des Kommunismus den Befindlichkeiten der Demokratie entledigen und mutierte zum Turbo – Kapitalismus, welcher anstatt einer Maximierung, eine Potenzierung des Mehrwertes und seiner ergebenden Schäden,zur Folge hatte.
Der deutsche Schriftsteller Martin Walser sagte einmal: „Die schlimmste Wirkung des Kapitalismus ist, dass man glaubt, alles, was man bezahlen kann, gehöre einem.”
Die Unausweichlichkeit des Endes des Kapitalismus ist in den Palästen der Macht – den Schaltzentralen des Kapitalismus nicht verborgen geblieben. War es vor noch ein paar Jahren selbstverständlich, dass Rechte dafür benutzt wurden, um sie zu kapitalisieren, also den Gewinn aus ihnen abzuschöpfen, so ist heute zu beobachten, dass immense Gewinne dafür eingesetzt werden, um Rechte und Wissen z.B. in Form von Patenten zu erwerben und diese eben nicht wieder zu kapitalisieren. In diesen Kreisen ist das Bewusstsein eingetreten, dass der Kapitalismus sich dem Ende neigt und dieses zwangsläufig eine Neudefinition aller Werte zufolge haben wird. Aber auch das Bewusstsein, dass auch in der Zeit danach die Menschen weiter leben und Rechte ihre neuen Werte sein werden. In diesen Kreisen des Hochkapitalismus hatte man auch kaum Verluste durch die Wirtschaftskrise an den Börsen hinnehmen müssen, da deren Kapital bereits aus dem Börsenhandel genommen wurde, um es in nicht materielle Werte zu investieren. An der Börse werden überwiegend nur noch die Werte der Firmen gehandelt, die entweder die Zeichen der Zeit noch nicht verstanden haben, aus rechtlichen Gründen dort nicht aussteigen können oder sich in finanziellen Notlagen befinden und sich über die Börse rekapitalisieren wollen. Der Grund für die Wirtschaftskrise sind beginnende Auflösungsprozesse des Kapitalismus durch die in Frage-Stellung seines ewigen Fortschrittsgedankens. Der Verlust des Vertrauens auf die zumindest theoretische Möglichkeit noch so unwahrscheinlicher Renditen und der propagierte Umstand, dass jedem Verlust irgendwann ein noch größerer Gewinn folgt durch den festen Glauben an den immer währenden Fortschritt, führte zu der aktuellen Wirtschaftskrise.
Dieses Vertrauen war die einzige verbleibende Triebfeder des Kapitalmarktes, seit mit Abschaffung des Goldstandarts eine Tauschgröße als nomineller Wert nicht mehr gegeben war.
Dieses uns unausweichlich bevorstehende Ende des Kapitalismus ist einer der maßgeblichsten Gründe die Politik als einzig verbleibendes Regulativ zu beeinflussen und sowohl demokratische als auch generelle Grundrechte einzufordern, um dem Menschen in der bevorstehenden Zeit der Schaffung neuer Werte eine direkte Einflussmöglichkeit zu geben, die sie mit den momentan ihnen zugestandenen demokratischen Rechten nicht haben..

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