Das III.te Reich waren wir.


Das Dritte Reich steht heute als Synonym für Krieg, Diktatur und Völkermord. Diese Umschreibungen sind sicherlich richtig, aber warum wurde der Nationalsozialismus das Synonym dafür. Krieg, Diktatur und Völkermord gab es auch schon vorher und Hitlers Regime wurde zwar zum Stellvertreter alles Bösen, aber ist für vieles nicht der Ursprung gewesen. Es war die Macht, die von deutschem Boden ausging, die die Völker der Welt in ihrem Erschrecken einte.
Deutschland war vor Hitler keine Weltmacht. Die politische Bühne der 1920er und 1930er Jahre dominierten Großbritannien, welches immer noch in dem Besitz seiner Kolonien war und als Reich galt, in dem die Sonne niemals unterging und die USA als aufkommender Wirtschaftsriese. Deutschland hingegen war eine Kontinentalmacht, von der niemand glaubte, dass sie jemals über ihren kontinentalen Einfluss heraus kommen würde. Allein Großbritannien sah zu jeder Zeit eine Bedrohung in dem Deutschen Reich, Diese argwöhnische Beäugung ergab sich noch aus den familiären Neiddebatten und Zwistigkeiten der britischen Queen Victoria und ihrem deutschen Neffen Kaiser Wilhelm II, der zu Beginn des 20.ten Jahrhunderts gewagt hatte die Vormachtstellung des Empires als Seemacht Nummer 1 in Zweifel zu ziehen.
1933 kam es zur Machtergreifung Hitlers, so der heute im allgemeinen Sprachgebrauch gültige Terminus. Neutral betrachtet müsste man dann auch im Jahre 2005 von der Machtergreifung Merkels gesprochen haben, da sie die Regierung übernahm, nachdem sie mittels einer Koalition über die absolute Mehrheit im Parlament verfügte. Gleiches geschah auch 1933. Entgegen dem heute gezeichneten Bild putschte sich Hitler nicht an die Macht und es kam auch zu keinem Umsturz durch eine Revolution, sondern er gewann die Reichstagswahl und konnte mit Hilfe einer Koalition mit der Deutsch Nationalen Partei und seiner NSDAP die absolute Mehrheit im Parlament erreichen. Es folgten die Ermächtigungsgesetze, die ihm die absolute Macht verliehen. Aber auch diese ergaunerte sich Hitler nicht durch die Hintertür. Hitler hatte bereits vor den Wahlen in seinem Wahlprogramm seine Wähler wissen lassen, dass er die Demokratie abschaffen werde und offensichtlich wurde sein Wunsch in einer demokratischen Wahl von der Mehrheit der Deutschen unterstützt. Auch die Ermächtigungsgesetze, die die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit und weitere Grundrechte abschafften, wurden, bevor sie dem Reichstag zur Abstimmung vorgelegt wurden, dem Reichspräsidenten Hindenburg unterbreitet und von diesem genehmigt. Im Reichstag kam es dann zu einer erbitterten Debatte um die Zustimmung zu dem Ermächtigungsgesetz, in der sich Hitler und die Vertreter der anderen Parteien heftige Rededuelle lieferten. Schlussendlich entschied der Reichstag mit 2/3 Mehrheit die Ermächtigungsgesetze anzunehmen und sich damit selbst aufzulösen. Hitler war gemäß seinem Anspruch mit demokratischer Legitimation zum Alleinherrscher geworden.
Es folgten aus Sicht der Deutschen 6 Jahre des Friedens und des wirtschaftlichen Aufstiegs. Hitler missachtete die Versailler Verträge, die seit der deutschen Kapitulation 1918 die Größe des deutschen Militärs begrenzten, und rüstete auf. Er forcierte die Rüstung und den Aufbau der Infrastruktur innerhalb des Landes. Dass er damit auf sein großes Ziel zusteuerte, die Einnahme neuen Lebensraumes im Osten, war den Deutschen bewusst, da das Regime keine Gelegenheit ausließ dieses anzukündigen und es ausdrücklich zu lesen war in dem – zu der Zeit meist verbreiteten – Buch – Hitlers „Mein Kampf“. Es folgten die Eingliederung des Sudetenlandes – eines Teiles von Tschechien und Österreichs – in das Deutsche Reich unter großem Jubel und der überwiegend begeisterten Zustimmung der Sudeten und der Österreicher.
Großbritannien argwöhnte die Erfolge der Nationalsozialisten, konnte aber nur wenig tun, da Hitler sich völkerrechtlich nichts zuschulden kommen ließ. Seine Außenpolitik war hart und von Drohungen und Nötigungen durchzogen, was aber zu der Zeit in der Politik nichts Außergewöhnliches war. Sogar der britische Premierminister Chamberlain frohlockte noch 1939 ein Abkommen mit Deutschland getroffen zu haben, welches die britischen Interessen schützte und den Frieden sichern sollte.. Wenige Monate später griff Deutschland Polen an, was die Verbündeten Polens – Großbritannien und Frankreich – veranlasste Deutschland den Krieg zu erklären. Es begann der Krieg, den wir heute den 2. Weltkrieg nennen. Die Wehrmacht führte der Welt eine völlig neue Form des Krieges vor, den Blitzkrieg. Hochmobile Kampfeinheiten überrannten binnen Wochen zuerst Polen, dann Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Frankreich. Polen wurde das Opfer von gleich zwei Giganten, in deren geographischer Mitte es lag. Die Wehrmacht überrannte den westlichen Teil von Polen und hielt dann unvermittelt an. Kurz darauf marschierte die Sowjetunion von Osten in Polen ein und holte sich das Stück des Kuchens, das durch den Hitler – Stalin Pakt ihr vorbehalten war. Als 1942 aus Sicht der Deutschen die Schlacht um Stalingrad verloren ging, hatte die Deutsche Wehrmacht nahezu ganz Europa und Teile Nordafrikas eingenommen. Nichts schien dieser Kriegsmaschinerie unmöglich zu sein. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit, der Deutschland voraus eilte, schuf die Allianzen, die den zweiten Weltkrieg für sich entscheiden sollten, da die damals nahezu unglaubliche Macht und Stärke, die von dem Deutschen Reich auszugehen schien, nunmehr als potentielle Gefahr durch jeden Staat wahrgenommen wurde, der auch nur im entferntesten befürchten musste, irgendwann einmal zum Opfer der Machtinteressen Deutschlands zu werden. Die Folge des übermäßigen Machtanspruches und der völlig selbst überschätzten militärischen Möglichkeiten war die totale Niederlage und die bedingungslose Kapitulation 1945.
Sechs Jahre hatte das Nationalsozialistische Regime Europa mit Leid, Tod, Verfolgung und Vernichtung überzogen und hinterließ einen zerstörten und ausgebluteten Kontinent. In nahezu jeder deutschen, polnischen und russischen Familie waren Tote zu beklagend durch den Wahnsinn eines Krieges, der die nahezu unvorstellbare Anzahl von 50.000.000 Toten forderte.
Es folgten die Kriegsverbrecherprozesse, die so genannten Nürnberger Prozesse. So sehr den Angeklagten eine Verurteilung für ihre Verbrechen zustand und ihre Strafen zu befürworten waren, so sehr waren diese Prozesse aber auch unrechtmäßig.
Ein heutiger und damaliger Rechtsgrundsatz in Deutschland, aber auch in allen Ländern der Sieger war – Keine Strafe ohne Gesetz. Das bedeutet: eine Straftat kann nur begehen, wer zum Zeitpunkt der Tat dadurch gegen ein Gesetz verstoßen hat. Gibt es kein Gesetz, welches eine Handlung verbietet, so ist diese Handlung auch nicht strafbar. Alle Handlungen, die den Angeklagten vorgeworfen wurden, waren aber nach den gültigen deutschen Gesetzen ausdrücklich erlaubt und nicht das Produkt von persönlicher Willkür, sondern die Folge eines Rechtsstaates, der sich eben diese Gesetze gegeben hatte. Auch die Vorwürfe der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord waren juristisch eigentlich unhaltbar, da diese Normen erst für die Nürnberger Prozesse vom Völkerbund aufgestellt wurden als Resultat aus den Geschehnissen des 2. Weltkrieges. Auch diese Normen waren bei der Begehung der Taten durch die Angeklagten noch nicht existent. Juristisch folgerichtig bekannten sich auch alle Angeklagten als nicht schuldig.
Was juristisch unhaltbar war, war aus menschlicher Sicht von nie da gewesener Größe. Die Sieger über das Regime, welches eben von den Siegern so viele Tote gefordert hatte, bewiesen ihre Überlegenheit und Größe nicht durch ihren militärischen Sieg. Sie bewiesen sie durch die Tatsache, dass sie die Verantwortlichen nicht hinrichteten, sondern ihnen in einem öffentlichen Prozess die Möglichkeit zur Rechtfertigung gaben, was einige Angeklagte vor der Hinrichtung bewahrte. Der Anspruch des Siegertribunals war nicht Rache, sondern der Wunsch nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten.
Die Zeit des Dritten Reiches ist voller politisch gewollter Missverständnisse und Vorurteile, geboren aus dem Sprachgebrauch der Siegermächte, die als Sieger unantastbar waren und aus dem Sprachgebrauch der Deutschen, die sich der Demütigung der Unmenschlichkeit nicht aussetzen wollten. Mit diesen Mythen leben wir noch heute und sie lassen sich zusammen fassen in einem Bild, in dem Hitler der Urheber alles Bösen und der Erfinder der Maschinerie des Grauens war. Seit dem Ende des Krieges sind nunmehr 65 Jahre verstrichen und es ist an der Zeit auch diesen Teil der Geschichte neu zu betrachten. Zwar haben wir uns kontinuierlich mit dieser Epoche auseinander gesetzt, aber das geschah immer unter der Vorgabe, dass es einen ultimativ bösen Menschen gab, der ein ganzes Volk verführte. Eine Sichtweise, die es uns erlaubte zwar mit dem Stigma des Verführten zu leben, aber dennoch alle Schuld von uns weisen zu können.
Eine dieser Mythen ist die Behauptung, dass die Judenverfolgung ein Produkt des Willens Hitlers war. Es ist richtig, dass einer der zentralen Punkte in Hitlers Ideologie die Minderwertigkeit und die nach seiner eigenen Logik daraus folgende Verfolgung und massenhafte Ermordung von Juden war, aber dieser Gedanke wurde nicht von ihm geboren. Hitler verbrachte einen Teil seines Lebens als junger Erwachsener in Wien zu einer Zeit, als die österreichische Hauptstadt das Zentrum des Antisemitismus in Europa war. Offene Diskreditierung und Diffamierung von Menschen jüdischen Glaubens war an der Tagesordnung und lag im gesellschaftlichen Trend. Zu dieser Zeit entwickelte Hitler seine antisemitische Ideologie, in der er selber gesellschaftliche Akzeptanz fand und einen Schuldigen für seine eigene ungerecht empfundene Lage als erfolgloser Postkartenmaler, dem die Zulassung zur Kunstakademie verweigert wurde. Mit Hilfe dieser Ideologie, die eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung fand, gelang ihm später sein Aufstieg an die politische Macht, wodurch seine Ideologie zur Staatsdoktrin wurde und er in Menschen wie Himmler und Heydrich willfährige Gehilfen fand, die aus dieser, in dem Willen ihrem Führer durch Perfektion zu gefallen, eine monströse und menschenverachtende Maschinerie des Todes machten. Hitler war viel zu sehr in seine größenwahnsinnigen Visionen gefangen, als das er sich um die Einzelheiten oder die Durchführung der Verfolgung und Ermordung von Juden kümmerte, von der er aber sicher wusste.
Es bedurfte vieler Tausend Täter und der zumindest stillschweigenden Akzeptanz eines ganzen Volkes den Genozid an den Juden zu verwalten und durchzuführen, wobei davon auszugehen ist, dass jeder einzelne wusste, was er tat und welche Folgen sein Handeln haben wird. Beginnend von dem denunzierenden Blockwart über den erfassenden Verwaltungsbeamten bis zu den Aufsehern in den Konzentrationslagern und denen, die die Morde mit eigener Hand ausführten. Bereits mit der Errichtung des ersten deutschen Konzentrationslagers in Dachau, Mitte der 1930er Jahre war das deutsche Volk aufgeklärt durch die zu diesem Anlass veröffentlichten mit detaillierten Fotos versehenen Großberichte in der „Illustrierten Zeitung“, die an jedem Kiosk erhältlich war. Die immer wieder nach dem Krieg gebrauchte Behauptung – das habe man doch alles nicht gewusst – ist nichts weiter als der rückgratlose Versuch vieler nach der Niederlage nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Genozide gab es viele im Laufe der Geschichte, einer davon war die systematische Ausrottung der nordamerikanischen Urbevölkerung – den Indianern , während dessen sich die Briten hervor taten, indem sie unter dem Deckmantel der Menschlichkeit die heimtückische Ermordung von Frauen und Kindern einleiteten. Unter dem Vorwand Hilfe leisten zu wollen verteilten sie unter den Frauen und Kindern der Indianer Decken, die sie zuvor mit dem Erreger der Pocken infiziert hatten, und sorgten so für das qualvolle Sterben ganzer Stämme. Sie rotteten die Menschen aus, von denen sie glaubten, dass sie Minderwertig seien. Die Briten waren es auch, die die ersten Konzentrationslager einführten anlässlich der Burenkriege in Südafrika zu Beginn des 20.ten Jahrhunderts. Aber es war das Dritte Reich, das zum Synonym dieser Unmenschlichkeiten wurde.
Um die Möglichkeit der geschichtlichen Abläufe des Dritten Reiches zu verstehen, muss man das Verhältnis der Deutschen zu Adolf Hitler verstehen. Dem Sohn eines österreichischen Zollbeamten war nicht in die Wiege gelegt zum Führer eines Großdeutschen Reiches zu mutieren und die ersten Jahrzehnte seines Lebens sprachen eher gegen eine solche Karriere. Sicher war er ein Demagoge und Redner mit polemischer Brillanz, aber folgte ihm eine ganze Nation, weil sie durch seine Auftritte hypnotisiert waren.? In erster Linie war er jemand, der ein Gespür für die Ängste und Wünsche der Menschen hatte. Er sprach das aus, was das Volk sich wünschte. Er neutralisierte historische Ängste eines zutiefst verunsicherten Volkes mit Heilsversprechen einer glorreichen Zukunft, die das Volk nur zu gerne hören wollte. Er gab ihnen eine Perspektive in einer aussichtslosen Situation und die Möglichkeit die Misslichkeit der eigenen Situation durch das Erlebnis kollektiver Größe zu kompensieren. Adolf Hitler steht für das Böse seiner Zeit – für Verfolgung, Vernichtung und Tod. Im Grunde ist jedoch er selbst das Synonym für das Deutsche Volk seiner Zeit, denn er konnte nichts vollbringen, was die Masse des Volkes nicht vollbringen wollte und nichts schaffen, was die Gemeinschaft seines Volkes nicht schaffen wollte.
Die Verbrechen des Dritten Reiches waren nicht die Verbrechen einiger weniger, sondern die Verbrechen eines Volkes, das von diesen sehr wohl wusste, in großer Anzahl selbst daran teilnahm oder diese zumindest billigend in Kauf nahmen, um die Größe darstellen zu können, von der sie dachten, dass sie diese hätten.

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