Freiheit


In der Bemessung der Wertigkeit der Rechte, die uns als Mensch allein durch die Tatsache unserer Existenz gebühren, steht das Recht auf Freiheit gleich nach dem Recht auf Leben an vorderster Stelle. Es handelt sich hierbei um ein natürliches Grundrecht, welches jedem Wesen uneingeschränkt gegeben ist und uns alle in dem Wunsch frei sein zu wollen miteinander eint. Doch was beinhaltet dieses Recht auf Freiheit, dessen Schutz und Wahrung uns sogar wert ist dafür in den Krieg zu ziehen. Das Recht auf Freiheit ist nur ein Obergriff für eine große Anzahl von Rechten, die sich aus einzelnen auf uns einwirkenden Umständen ergeben. Im allgemeinen Sprachgebrauch differenzieren wir in Redefreiheit, Handlungsfreiheit, Glaubensfreiheit, die Freiheit der persönlichen Entfaltung, die Gedankenfreiheit, die Wahlfreiheit und viele mehr. So selbstverständlich wie uns diese Freiheiten gegeben zu sein scheinen, so selbstverständlich wurden sie wieder beschränkt. Keine dieser Freiheiten steht uns wirklich zur Verfügung und, doch verteidigen wir ihre leeren Hülsen so vehement, dass wir sogar bereit sind dafür zu töten. Dies tun wir, indem wir unsere Regierungen in ihrem gespaltenen Verhältnis zur Freiheit gewähren lassen. Sie führen Kriege zur Verteidigung unserer ach so gefährdeten Freiheit. Soldaten töten und sterben im Namen der Verteidigung unserer Freiheit in Afghanistan, so ist die offizielle Lesart.
Offensichtlich sind die, die uns unsere Freiheiten gewähren, von dem Wissen um den Inhalt der Freiheit befreit; ein Umstand der Ihnen als Entschuldigung gelten soll, da ansonsten davon auszugehen wäre, dass ihr Handeln von böswilliger Natur sein müsste. Man folgt dem Grundsatz, dass es ausreichend ist zu glauben Freiheit zu besitzen.
Freiheit bedeutet: nicht handeln, dulden oder unterlassen zu müssen was dem eigenen Willen entgegensteht. Wer aber behauptet Freiheit müsse verteidigt werden, wir also auch etwas tun müssen, was wir nicht wollen, um sie zu erhalten, verkennt den Sinn der Freiheit, die nur dann gegeben ist, wenn sie erhalten bleibt, auch wenn wir sie nicht verteidigen, sofern wir das nicht wollen. Dann ist es keine Freiheit mehr, sondern ein zugebilligtes Recht, welches zwar freiheitliche Inhalte haben mag, aber keine Freiheit ist und dadurch, dass es nur ein Recht ist, uns auch jederzeit wieder aberkannt werden kann. Ebenfalls mit der Begründung zum Schutze der Freiheit vor Angriffen opfern die Regierungen die Rechte und Freiheiten der Bürger durch die Einführung von Gesetzen, die die Freiheit zu ihrem Schutze beschränken. Ein Widerspruch in sich, der das Handeln der Regierungen durch ihr eigenes Tun ad absurdum führt. Das Grundgesetz, welches der Garant unserer Freiheit gegenüber dem Staat sein sollte, wurde durch einen unauffälligen, aber bedeutungsschweren Satz ergänzt. Dieser heißt: „ Die Rechte können eingeschränkt werden, näheres regelt ein Gesetz“. Mit diesem Satz wurden die Freiheiten jedes einzelnen von unantastbaren Grundrechten auf die Basis von Gesetzen herabgestuft und somit ihre Gewährung eine Frage der Zubilligung von Regierungen.
Freiheit ist nur dann Freiheit, wenn die sich darauf bezogenen und geschützten Handlungen unter allen Umständen in ihrer Ausübung vor staatlichen Sanktionen geschützt sind. Ist sie es aber nur von Fall zu Fall, so unterliegt die Entscheidungsgewalt einem anderen, meist dem Staat; und Freiheit ist aus ihrem Sinn heraus nicht mehr Existent. Auch hier handelt es sich dann nur noch um ein zugebilligtes Recht, welches uns auch wieder entzogen werden kann, was im Sinne einer Definition zur Freiheit nicht möglich wäre. Nicht nur Redefreiheit und Gedankenfreiheit sind verstümmelt zu Freiheiten, die wir uns noch im stillen Kämmerlein gönnen dürfen. Ein offenes Leugnen des Holocaust erfüllt in Deutschland den Tatbestand der Volksverhetzung und kann mit Gefängnisstrafen geahndet werden. Sicherlich ist es unsinnig den Holocaust zu leugnen, ebenso wie es nachvollziehbar ist, dass die Opfer dieses als Kränkung empfinden. Freiheit würde aber bedeuten, das Recht auf eine eigene Meinung zu haben und diese auch äußern zu dürfen und sei sie noch so dumm. Es erfüllt heute ebenfalls einen Straftatbestand nicht für die staatliche Grundordnung einzustehen – ein Gedankenverbrechen, welches keiner Handlung, sondern nur eines Willens bedarf. Heute mag es die Leugnung des Holocaust oder die Infragestellung der freiheitlich demokratischen Grundordnung sein, aber nichts schützt uns davor, dass es morgen nicht andere Dinge sind, die unseren Regierungen dann nicht genehm sind. Da dieses im Ermessen anderer und nicht uns selbst liegt und von Konsequenzen begleitet ist, liegt gemäß der Definition keine Freiheit vor, da eine Freiheit immer nur dann gegeben ist, wenn die Entscheidung einer Aufhebung oder Eingrenzung der Freiheit nur uns selbst obliegt und nicht dem Willen anderer und seien es auch Regierungen.
Nicht tun zu müssen was man nicht will – der eigentliche Kern der Freiheit – ist eine Unmöglichkeit in jeder momentan zur Verfügung stehenden Gesellschaftsform, da ihre Gewährung jede staatliche Führung oder Kontrolle zu einer Freiwilligkeit werden lassen würde und es zu bezweifeln steht, dass überhaupt noch jemand den Zielen unserer Gesellschaft folgen würde, wenn er tatsächlich eine freie Wahl treffen könnte, ohne Führung und Kontrolle.
Der eigentliche Frevel im Umgang mit der Freiheit ist nicht sie nicht zu gewähren, sondern sie zu benutzen als wäre sie da, als hätte auch nur irgend jemand sie bereits, da hierdurch der Blick auf sie verstellt und das Streben nach ihr unterbunden wird. Es ist das Kalkül der banalen Weisheit, dass niemand sich um die Erlangung der Freiheit bemüht, wenn er in dem Glauben ist, dass er sie bereits besitze.

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