Gibt es Gott


Es gibt Fragen, die nur beantwortet werden können, wenn man sich mit ihrem Kern auseinander setzt wie zum Beispiel die Frage nach der Möglichkeit eines Gottes. Im Kern ist diese Frage eine Frage nach den Voraussetzungen, die seine Existenz ermöglichen. Die Definition eines Schöpfergottes ist trotz seiner Universalität gegeben und, sofern man dem Anspruch der eigenen Definition folgen möchte, begrenzt sie die Möglichkeit seiner Existenz auf die Parameter seiner Definition. Die Frage nach seiner Möglichkeit ist die Frage, ob unsere Welt Deterministisch oder Indeterministisch ist.
Der Determinismus geht davon aus, dass alle Ereignisse nach feststehenden Gesetzen ablaufen und sie durch diese vollständig bestimmt, also determiniert sind. Demnach ist davon auszugehen, dass bei bekannten Naturgesetzen und dem vollständig bekannten Zustand eines Systems der weitere Ablauf aller Ereignisse prinzipiell vorherbestimmt ist und folglich kein echter Zufall als Geschehnis ohne kausale Begründung existieren kann. Dies hat die Berechenbarkeit jedes Systems zur Folge und führt zu dem Schluss, dass keine Wirkung ohne Ursache möglich ist. Den Umstand, dass wir in der Praxis nicht alle Ereignisse in einem System vorher bestimmen können, erklärt der Determinismus mit unserer Unwissenheit bezüglich aller Naturgesetze und den Erkenntnissen der Chaosforschung. Die Chaosforschung ist die Lehre der nichtlinearen Gleichungen. Sie erklärt stark vereinfacht, dass sehr wohl alles in einem kausalen Zusammenhang steht und der Flügelschlag eines Schmetterlings in Afrika einen Tornado in Amerika auslösen kann, dass wir aber aufgrund der nahezu unbegrenzten Menge der Einflüsse, die zwischen zwei Ereignissen einwirken, eine Voraussage nicht treffen können, solange zwei Ereignisse nicht räumlich und zeitlich so nahe beieinander liegen, dass wir mit unseren begrenzten wissenschaftlichen Methoden die Berechnung anstellen können. Der Determinismus war bis Mitte des 20.ten Jahrhunderts eine unumstößliche Größe in allen Naturwissenschaften und die Basis der Gravitationstheorie Isaac Newtons und der speziellen sowie der später veröffentlichten allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins.
Der Determinismus beantwortet die Frage nach der Möglichkeit eines Gottes mit ja und weist darauf hin, dass der Determinismus, mehr noch, eine schlüssige Beweisführung für seine Existenz ist. Wenn Entitäten grundsätzlich immer Wirkung einer Ursache sind und die Kette, die immer eine neue Ursache voranstellt, der kausalen Folgen unendlich ist, muss der Urknall als Beginn unserer Welt ebenfalls eine Ursache gehabt haben, die nicht Inhalt des Universums ist, eben einen Schöpfergott.
Der Indeterminismus bezeichnet den philosophischen Ausgangspunkt, dass im Gegensatz zum Determinismus nicht immer eine kausale Kette vorhanden sei, obwohl sie es kann. Nicht jede Entität benötigt eine Ursache und gesteht die Existenz des echten Zufalls ein.
Als Heisenberg die Quantenmechanik: die Lehre der Mikroteilchen begründete, stieß er auf seltsame Phänomene, die sich präzise beschreiben und empirisch beweisen ließen, aber in Konkurrenz zu allen anderen Wissenschaftstheorien standen. Die Lichtquanten mit denen er experimentierte verhielten sich indeterministisch und bewiesen Eigenschaften, die nach Auffassung der Naturgesetze nicht möglich sind. Durch das Doppelspaltexperiment konnte schlüssig bewiesen werden, dass kleinste Teilchen, wenn sie nicht beobachtet oder gemessen werden, sich wie Wellen verhalten, sobald man sie aber beobachtet oder misst linear agieren. Weiterhin konnte bewiesen werden, dass Quanten über größte Entfernungen sich zeitgleich auch gleich verhalten. Wenn also ein Teilchen aufgrund dessen, dass es beobachtet wird nicht mehr als Welle, sondern linear agiert, reagiert auch das Teilchen, welches ursprünglich mit ihm verbunden war ohne einen Zeitverlust linear, unabhängig der zwischen den Teilchen bestehenden Entfernung. Die den Indeterminismus aber am stärksten begründende Beweisführung war die Entdeckung der Tatsache, dass Teilchen entstehen können, ohne dass sie einer Wirkursache, also einem kausalem Grund dazu bedürfen. Quanten haben die Eigenschaft ohne jegliche naturwissenschaftliche Begründung, also ohne jegliche Wirkursache sich selbst aus dem Nichts zu schaffen, alleine aus dem Grund, dass es möglich wäre, dass es sie gibt. Die Frage nach der Möglichkeit eines Gottes beantwortet die Quantenmechanik mit der Frage: In welcher Welt? Der Indeterminismus beantwortet sie mit nein, da es keine unendliche kausale Kette gibt und der Urknall somit keine Ursache braucht, da er sich alleine aus der Möglichkeit seiner Existenz selbst schaffen konnte.
Die Erkenntnisse der Quantenmechanik scheinen mit unserer Realität zu konkurrieren sowie Determinismus und Indeterminismus miteinander zu konkurrieren scheinen. Diese augenscheinliche Unverträglichkeit beider Thesen stellt aber nur scheinbar eine Konkurrenz dar. Diese Konkurrenz hebt sich auf, wenn man beide Theorien nicht in Konkurrenz stellt, sondern sie unabhängig von einander zur Erklärung heranzieht.
Ausgehend von dem ursprünglichen Wesen einer Sache, in der Philosophie das Ding an sich genannt, ist dieses indeterministisch, wird aber durch Interaktion mit anderen Entitäten deterministisch, während die Physik wie alle Naturwissenschaften als Beschreibung der Interaktion ohne ontologischen Wert deterministisch ist, aber durch Interaktion mit dem Ding an sich indeterministisch wird.
Die Frage nach der Möglichkeit eines Gottes wird so beantwortet: Gott gibt es, wenn er tatsächlich da ist, ohne raumzeitliche oder physikalische Begrenzung und, sofern dieses zutrifft, hat er nicht nur den Urknall, sondern auch sich selber geschaffen.

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4 Kommentare zu “Gibt es Gott”

  1. Falls die Wirklichkeit mächtiger sein sollte, als der von uns wahrnehmbare Bereich dieser Wirklichkeit, dann ist das Nachdenken über die Gesamt-Wirklichkeit probematisch. Denn unser Denken funkrioniert mit Begriffen. Begriffe haben wir fast nur für sinnlich wahrnehmbare Dinge.

    Daher halte ich das Ergebnis eines Gedankenexperimentes über die Existenz von etwas unaussprechlichen, welches zuweilen Gott genannt wird, für irrelevant.

    Wenn es so unermeßlich vieles gibt, von dem wir keinen Begriff haben, wie soll man dann mit einer Logik, die nur für eine Teilwirklichkeit Gültigkeit besitzt, eine Aussage über die Gesamtwirklichkeit treffen können?

  2. Etwas nicht bestehendes lässt sich nicht definieren. Oder anders ausgedrückt: Etwas nicht zu Definierendes existiert nicht. Deshalb geraten gläubige Menschen in große Verwirrung, wenn man sie fragt, was sie denn eigentlich mit „Gott“ meinen. Ihre Antworten bleiben so vage, dass sich niemand etwas darunter vorstellen kann.
    Allein, es bleibt der Glaube!

  3. @waouida, @suochari

    Definieren lässt sich wohl nur, was wir im Rahmen unserer menschlich begrenzten Möglichkeiten auch erkennen, was wir also mit unseren Sinnen (seien sie nun biologisch bedingter oder technischer Natur) wahrnehmen können.

    Erkenntnistheoretisch ist es ja ein alter Hut, dass wir die Welt nicht so wahrnehmen, wie sie ist, sondern dass unsere Sinnenorgane sie für uns auslegen, wir also gewissermaßen nur eine bestimmte „Version“ der tatsächlich existierenden Welt wahrnehmen – und davon auch einen kleinen Ausschnitt.

    Womit die Frage nach Gott natürlich nicht gelöst wäre. Zumindest führt sie aber die positivistische Auslegung des Atheismus ad adsurdum,

    Was Begriffe angeht, so ist ja gerade interessant, dass wir eben doch ein Wort (so einige Wörter) für etwas kennen, dass wir nicht genau definieren können. Warum? Und „Gott“ ist schließlich nicht der einzige Begriff, den zu definieren schwer fällt …

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