Intelligenz – Eine Satire


intelligenzkarrikatur

… nun, wie alles anfing, können wir heute nicht mehr sagen“, referierte der Dozent zum Thema. „Sicher ist, dass wir, um die Betroffenen nicht zu beunruhigen, diese als Patient N wie Normal bezeichnen. Die Fachbezeichnung lautet: faktische Intelligenz. Offensichtlich ist der Erreger latent im Menschen vorhanden. Mit Hilfe der grundlegenden Erkenntnissen des Kollegen Sigmund Freud und anderer Vertreter seiner Zunft ist es uns jedoch gelungen bei den Betroffenen durch den gezielten Einsatz von Arbeits- und sorgfältig auf ihre Verträglichkeit getesteten Lernprogrammen eine soziale Unauffälligkeit mit vermindertem Leidensdruck zu erreichen. Die Patienten des Typs N sind jedoch unter ständiger klinischer Beobachtung zu halten.
Schwieriger ist die Lage bei den Patienten des Typs D als Kürzel der Typisierung Dumm. Trotz der pandemischen Ausbreitung in der Menschheit, konnte der Erreger noch nicht isoliert werden. Dieser Virus zeichnet sich dadurch aus, dass er denjenigen um die Erkenntnis seiner Existenz befreit, der von ihm befallen ist. Möglichkeiten der genetischen Übertragung werden weltweit diskutiert. Aber auch bei der Gruppe der Patienten D ist uns bereits vor geraumer Zeit der therapeutische Durchbruch gelungen. Durch genaue Reglementierung der konsumierten Informationen, trotz erhöhter Informationsresistenz, und dem frühzeitigen Einsatz einer lebenslangen Arbeitstherapie in – zur besseren Akzeptanz in Produktionsstätten umbenannten – Therapieeinrichtungen, kann heute diagnostiziert werden, dass die Patienten der Gruppe D keinerlei Leidensdruck mehr verspüren und eine völlige Sozialakzeptanz erreicht werden konnte.
Große Sorgen bereitet uns aber die Gruppe der Patienten K – für kritische Intelligenz. Bei dem Erreger scheint es sich um einen Virus zu handeln, der ähnlich wie bei Computerviren, quasi Huckepack, über ungefilterte Informationen den Patienten befällt. Es ist auffällig, dass sowohl Quantität als auch Qualität der Krankheit in kausalem Zusammenhang mit der Menge der ungefilterten Informationen zusammen zu hängen scheint. Das Krankheitsbild ist dramatisch. Mangelnde soziale Akzeptanz potenziert sich in gleichem Maße wie Therapieresistenz. Der Leidensdruck ist unterschiedlich hoch und kann in einigen Fällen Suizide auslösen. Die Krankheitsverläufe sind atypisch und ein Kontakt mit dem Patienten ist während des ganzen Krankheitsverlaufes problematisch aufgrund der Ansteckungsgefahr, wobei eine Übertragung auf den Typ N von höherer Wahrscheinlichkeit als auf den Typ D ist.

Aus diesem Grunde ist es angezeigt die betroffenen Patienten frühzeitig zu isolieren. Sollte eine Übertragung nicht sicher ausgeschlossen werden können, empfiehlt sich eine Therapie auf Basis der Psychopharmaka sowie eine Unterbringung in besonderen Therapiezentren unserer forensischen Psychiatrie.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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Veröffentlicht von

Heinz Sauren

Sozialanthropologie und Gesellschaftskritik

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