Mensch und Natur


Potd 16.09.2012

Die Natur ist das uns umschließende Ökosystem, dessen wir nur ein Bestandteil sind. Unsere Rolle, die wir in diesem System haben, ist die eines Gastes. Eines Gastes, der nur solange geduldet wird, wie sein Platz, den er innerhalb des Ökosystems einnimmt, für das System selber sinnvoll ist. Um einen sinnvollen Umgang mit der Natur zu definieren, ist es zuerst notwendig unseren eigenen Standort in der Natur zu bestimmen. Hier ergibt sich bereits die erste Schwierigkeit, da jeder Versuch unsere Stellung in der Natur zu definieren zuerst von der maßlosen Selbstüberschätzung unseres Anspruches – die Krone der Schöpfung zu sein – behindert wird.

Alle Versuche der Vergangenheit litten an der Unmöglichkeit einer exakten Positionsbestimmung innerhalb des Systems. Zwar ist diese Standortbestimmung vielen von uns möglich, aber wir verlassen den Standort wieder, wenn wir zulassen sollen, dass dieser auch Basis einer Betrachtung der Sinnvolligkeit sein soll und damit unsere zivilisatorischen Errungenschaften zur Disposition stehen könnten. Folgerichtig sind alle Versuche der Politik Programme in die Welt zu rufen, deren Ziel ein verträgliches Leben des Menschen mit der Natur sein sollte, aus diesem Grunde gescheitert und werden auch in Zukunft scheitern, solange es uns nicht gelingt unsere Ausgangsposition nicht an unseren Wünschen zu messen, sondern an den natürlichen Vorgaben, die uns als Mensch und Teil eines geschlossenen Ökosystems ausmachen.
Unsere überhebliche Sichtweise der eigenen Stellung in unserem Ökosystem führt zu dem Trugschluss, auf dem unser Verhalten innerhalb dieses Systems beruht. Wir glauben, dass wir auf dieser Erde schalten und walten können, wie es uns beliebt und betrachten Naturschutz als eine drittrangige Notwendigkeit, die wir in den Bereichen der Natur vollziehen können, die wir für uns nicht beanspruchen und das auch nur, wenn es nicht zu kostenintensiv ist.
Entgegen beruhigender Aussagen, dass wir noch Zeit hätten die offensichtliche Umweltkatastrophe abzuwenden, muss mit absoluter Deutlichkeit festgestellt werden, dass wir über diesen Punkt bereits hinaus sind. Das, was wir an ökologischen Schäden verursacht haben, ist nicht mehr rückgängig zu machen. Die Katastrophe ist aus Sicht des Menschen bereits eingetreten. Der größte Teil unserer Gewässer und der Luft, die wir atmen sowie unsere Nahrung als Ertrag der Böden sind bereits krank machend verschmutzt, aber die großen plakativen Ausmaße wie zum Beispiel der im Pazifik schwimmende Teppich aus Plastikmüll von der Größe Europas werden uns weiter ausgeblendet. Beruhigende Worte sind nicht nur unangebracht, sie gleichen einem höhnenden Abgesang auf eine Welt; eine Umwelt, die uns nicht so wichtig war wie unser persönlicher Konsum.
Neutral betrachtet tötet die Umweltverschmutzung und ihre Folgen pro Jahr – gemäß einer Studie der UN – über 50 Millionen Menschen. Den größten Teil durch direkte oder indirekte Vergiftungen sowie unzählige Tiere und Pflanzen. Das sind ungefähr so viele Menschenopfer, wie durch den gesamten zweiten Weltkrieg im Laufe von 6 Jahren zu beklagen waren, wenngleich dieser ungleich weniger Spätfolgen verursachte und zeitlich begrenzt war. Beide Katastrophen waren vermeidlich, beide von Menschen verursacht und beide die Folge einer Ideologie. Einmal des Nationalsozialismus und einmal des Kapitalismus. Warum aber fühlte sich in dem einen Falle die Menschheit berufen unter Aufbringung größter Kraftanstrengungen und vieler Menschenopfer die Katastrophe zu beenden, während in dem andern Falle mit weit mehr zu beklagenden Toten die Menschheit wegschaut und die Situation bagatellisiert, ja sogar vor Aktionismus warnt. Der Grund für diese rational nicht nachvollziehbare Haltung ist nicht nur, dass wir in dem Fall der Umweltverschmutzung jeder selbst ein Teil der monströsen Maschinerie sind, die sie verursacht, sondern auch, dass wir von ihr profitieren. Die Wirtschaft stellt sich auf diese Tatsache ein und versucht mit neuen Technologien und Produktionsmitteln die Folgen zu begrenzen, die sie selbst geschaffen hat. Nicht in dem Ausmaße, wie es in einem Mindestmaße rational nachvollziehbar wäre, sondern in dem Maße, wie sie neue Technologien vorhalten kann durch die sie alte ersetzt, um keine Profiteinbrüche zu riskieren. Nicht der Wille zur Einsicht treibt uns an, sondern die Aussicht auf einen neuen Markt, den die Wirtschaft mit den gleichen Mitteln kontrollieren möchte, die schon jetzt die Katastrophe erst möglich machten.
Was uns eine Einsicht aber so schwer macht, ist der fehlende Wille jedes einzelnen von uns diese Einsicht auch umsetzten zu wollen, da das die Vertreibung aus dem Paradies des uneingeschränkten Konsums zur Folge haben könnte – der heilige Gral des ewigen Fortschritts wäre entweiht. Wir beruhigen unser einsichtsresistentes Gewissen, das Umweltverschmutzung in erster Linie für eine überzogene Begründung der Öko- Intelligenz hält, mit Hilfe derer uns die Statussymbole unseres Konsumerfolges missgönnt werden sollen. Selbst wenn es dann an den eigenen Krebs- oder Herztod geht, glauben wir an eine schicksalhafte Fügung, um uns nicht eingestehen zu müssen Opfer der eigenen Gier geworden zu sein.
Aus einer vermessenen Selbsteinschätzung leiten wir den Schluss ab, dass es der natürlichste Zweck der Menschheit ist immer mehr besitzen zu können – ein pseudoreligiöser Fortschrittsglaube – und glauben diese Habgier auf Kosten jedes Lebewesens auf diesem Planeten durchsetzen zu dürfen – ein Leben vernichtende Erhabenheit.
Wir sind ein relativ großes Säugetier und brauchen große Ressourcen, die im Wesentlichen aus einer Vielzahl anderer Tiere und Pflanzen bestehen. Unser Kommen und Gehen auf diesem Planeten ist den grundsätzlichen Gesetzen der Evolution unterworfen. Das macht unsere Spezies zu einem der ersten Anwärter, die vom Aussterben bedroht ist, und wir können sogar den Zeitpunkt berechnen. Dieser ist, und das gebieten die Gesetze der Evolution, zeitgleich dem Aussterben der letzten Pflanzen und Tiere, die wir für unser Überleben benötigen. Dabei muss nicht die Masse aller, die wir benötigen, ausgestorben sein, es reicht wenn es eine Pflanze oder ein Tier trifft, das wir nicht ersetzen können. Diese Pflanzen und Tiere teilen mit uns die Erde. Die nutzbare Erdfläche ist ca. 51 Milliarden Hektar groß, davon sind aber nur 8,3 Milliarden Hektar biologisch produktives Land, welches von Menschen als Lieferant von Ressourcen genutzt werden kann. Bei einer Weltbevölkerung – derzeit circa 6,3 Milliarden Menschen – entspricht das einer Fläche von 1,3 Hektar, die pro Mensch zur Verfügung stehen. Dazu kann man noch 0,55 Hektar nutzbare Wasserfläche pro Mensch rechnen. Es ergeben sich also 1,85 Hektar Boden und Wasserfläche, die jedem Menschen zur Verfügung stehen und aus denen er alle seine Nahrungsmittel gewinnen muss. Da wir aber bestrebt sind das Biosystem als Ressource zu erhalten und damit auch in Zukunft noch ein Lebensraum für Tiere und Wälder erhalten bleiben soll, muss die Zahl auf 1,3 Hektar nutzbares Land und Wasserfläche pro Menschen reduziert werden. Diese Grenze der Ertragskapazitäten der Erde wurden schon in den 1970er Jahren überschritten und so nutzen wir schon heute 2,28 Hektar Land zur Nahrungsgewinnung eines einzelnen Menschen. Da die produzierbare Höchstmenge nicht gesteigert werden kann, denn unser Globus wächst ja nicht, verbrauchen wir etwas, was wir nur können, wenn es einem anderen Menschen fehlt. Dieser Umstand, dass ein Teil der Menschheit einem anderen die Nahrung entzieht, wird sich nach Schätzungen der UN durch immer weiter wachsenden Konsum dramatisch weiter verschlimmern. Schon bis zum Jahr 2030 wird die benötigte Fläche pro Mensch auf 3,5 Hektar anwachsen. Bis dahin wird sich die Weltbevölkerung ein weiteres Mal verdoppelt haben und ca. 15 Milliarden Menschen betragen. Die zur Verfügung stehende Fläche wird dann nur noch 0,55 Hektar betragen. Zu unserem eigenen Schutz, dem Schutz der Menschheit als Spezies, brauchen wir eine neutrale Standortbestimmung unserer selbst und die beginnt nicht mit Gesetzesvorlagen unserer Politiker, sondern in unseren eigenen Köpfen und äußert sich in unserem Umgang mit der Natur als einzelner Mensch.
Der Wille nicht in die Vorgänge der Natur einzugreifen ist der Wert, mit dem wir der Natur begegnen müssen, um in ihr Leben zu können. In der Natur ist das kleinste Blatt und das geringste Tier nicht Selbstzweck, sondern erfüllt eine Aufgabe in dem System, auf dessen Erfüllung wieder andere Tiere und Pflanzen angewiesen sind. Im Regelfall wissen wir persönlich kaum etwas über diese, für die einzelnen Arten überlebenswichtigen, Zusammenhänge und gehen mit dem, was wir nicht verstehen, sehr sorglos um. Wir müssen einen respektvollen Umgang mit der Natur lernen und das bedeutet, auch wenn wir nicht verstehen nach welchen Mustern die Natur in Interaktion steht, so müssen wir dennoch Zurückhaltung üben und dürfen nur sowenig wie möglich in ihre Abläufe eingreifen.
Es ist die Verantwortung und Aufgabe jedes einzelnen Menschen – jeder Kreatur -, die die Natur hervorgebracht hat, sei sie Pflanze oder Tier, den gleichen Rang einzuräumen.
Die vielfältigen Programme der Politik, die den plakativen Namen Umweltschutz tragen, sind nichts weiter als Augenwischerei, die unser Umweltgewissen beruhigt und uns ein Weitermachen der Naturverschmutzung erlaubt. Dass Umweltschutz nicht Naturschutz ist, ergibt sich schon aus der Begrifflichkeit. Der Begriff Umweltschutz sieht den Menschen als zentralen Ausgangspunkt und beschreibt den Schutz der Welt, die den Menschen direkt umgibt, also seine Umwelt. Der Auftrag des Umweltschutzes ist also die Erhaltung der Umwelt des Menschen und folgerichtig ist sein Handeln. Jegliche Verunreinigung wird aus dem Fokus des Menschen verbannt und in der Natur abgelegt, was gemäß der Definition kein Widerspruch ist. Der Naturschutz hingegen geht von einem zentralen Ausgangspunkt der Natur aus, also des gesamten ökologischen Systems. Naturschutz und Umweltschutz konkurrieren miteinander, da sie unterschiedlichen Zielen folgen. Maßnahmen des Umweltschutzes können die Natur schädigen und Maßnahmen des Naturschutzes hätten deutlichste Einschränkungen für den Menschen zur Folge. Bezeichnend für die bewusste Missdeutung der Begriffe ist der Sprachgebrauch der Politik. Sie redet von Umweltschutz und meint diesen auch, suggeriert aber eine Deckungsgleichheit von Natur- und Umweltschutz. Eine arglistige Täuschung, die unter dem Deckmantel des Richtigen erlaubt das Falsche zu tun. Die Bilder der Naturverschmutzung und des Klimawandels sind allgegenwärtig und alle sind sich der Schrecklichkeit dieser Zustände einig. In ihrer Entrüstung steht die Menschheit medienwirksam zusammen.
Doch selbst angesichts dieser Umstände vermögen wir nicht unsere überhebliche Sichtweise aufzugeben. Wir fordern Umweltschutz und tragen diese Forderung plakativ auf unseren Fahnen, doch wir meinen nicht den Schutz der Natur, sondern nur den Schutz des Teiles, den wir als unsere Umwelt definieren und sind uns selbst auf diesem Gebiet noch uneinig. Das allgemeine Schreckgespenst unserer Zeit ist die Klimaerwärmung. Zwar ist dieses Problem nicht neu, aber neuerdings ist die Politik sich einig, dass dieser Zustand bekämpft werden muss. Der Mensch hat der Klimaerwärmung aufgrund der zu erwartenden Kosten für die Volkswirtschaften den Kampf angesagt. Zu Beginn dieser Kampagne wurden Heerscharen von Wissenschaftlern aufgefahren, die unisono versicherten die Klimaerwärmung sei begründet in der durch den Menschen verursachten Luftverschmutzung. Zwischenzeitlich wissen wir, dass die Erwärmung und Abkühlung des weltweiten Klimas ein immer wiederkehrender Prozess ist, in dessen Verlauf wir uns in einem Zyklus der allgemeinen Erwärmung befinden, den wir mit Hilfe der Luftverschmutzung nur unwesentlich beschleunigen. Ob wir die Luft oder die Natur verschmutzen, ob wir die Ressourcen ausbeuten, oder nicht, ist für das Ökosystem Natur völlig ohne belang. Wir als Menschheit sind für das System Natur unbedeutend. Das, was wir Umweltverschmutzung nennen, ist aus Sicht der Natur nicht einmal vorhanden. Wir glauben die Luft zu verschmutzen und damit die Natur. Wir verschmutzen dadurch nur unsere Umwelt, aber nicht die Natur. Aus unserer Sicht tritt die Verschmutzung durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen ein. Chemisch gesehen wird bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe CO2 freigesetzt. Dieses freigesetzte Kohlendioxid entspricht aber genau der Menge an Kohlendioxid, die die Pflanzen, die später zu fossilen Brennstoffen wurden, zuvor der Atmosphäre entzogen haben. Es kommt also nichts hinzu, sondern etwas wieder in die Atmosphäre zurück, was bereits zuvor in ihr war. Für die Natur ist das kein Problem, sie erhöht die Temperatur, sorgt damit für mehr Pflanzenwuchs, die das CO2 wieder aufnehmen werden und pendelt sich auf einem anderen Level wieder ein.
Ein Problem besteht nur für einige Großsäugetiere, wie den Menschen, die mit einem anderen Luftgemisch nicht zurechtkommen und deren Nutzpflanzen und Tiere aufgrund veränderter Wachstumsbedingungen wegfallen.
So verhält es sich auch mit allen anderen Umweltverschmutzungen. Wir schaffen keinen Müll, der dann die Natur verschmutzt. Wir ändern nur die Aggregatzustände der Dinge, um sie für uns nutzbar zu machen. Diese waren vorher und bleiben nachher Bestandteile der Natur. Auch verschmutzte Natur ist Natur, nur keine Umwelt mit der wir leben können.
Die Natur wird auch in Zukunft Warm- und Eiszeiten einleiten, wird Wüsten entstehen und Ozeane ansteigen lassen und sie wird auch in Zukunft nicht das Fehlverhalten von Menschen benötigen, um Polkappen abzutauen und Küstenbereiche zu fluten. Wir werden noch beweisen müssen, ob wir ein Erfolgsmodell der Natur sind und uns ihr anpassen können oder vielleicht doch nur eine hoch spezialisierte Rasse mit einem nur kurzen Gastspiel auf der Erde. Die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch die Natur. Es ist beschämend, wie dumm sich eine Spezies verhalten kann, die von sich selbst behauptet vernunftbegabt zu sein.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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Ein Kommentar zu “Mensch und Natur”

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