Der etwas andere Krieg.

Seit dem westfälischen Frieden im Jahre 1645, war es ein ungeschriebenes Gesetz auf dem die heutige Weltordnung aufgebaut ist. Der Völkerbund und die daraus entstandene UNO nahmen es, wissend um die Bedeutung als völkerrechtliche Bestandsgarantie für die Möglichkeit der Existenz von Staaten, in ihre Charta auf. Es ist das Gebot der Nichteinmischung in innerstaatliche Vorkommnisse anderer Staaten. Die UNO selbst basiert auf dieser Grundregel, aus der die Ächtung des Staatsterrorismus erwuchs. Der Krieg gegen den Nationalsozialismus wurde mit dieser Ächtung zu Recht legitimiert. Das Regime des Herrn Hitler zwang nämlich, und das machte es zu einem Staatsterroristen, anderen Staaten mit Gewalt seinen Willen auf.

Von nun an, gilt diese Regel nicht mehr. Sie wurde gebrochen und dieser Bruch wird Schule machen, da er nicht gesühnt werden wird. Wer könnte sich schon einem Täter gegenüber stellen, der unbegrenzte Macht hat. Es ist das stärkste Militärbündnis dieses Planeten, die NATO. Einstmals war die NATO angetreten, um als Bollwerk gegen den Staatsterrorismus des expandierenden Kommunismus zu bestehen. Mit der Missachtung des Nicht-Einmischungs-Gebot hat die NATO im sandigen Boden Libyens, ihre eigenen Grundwerte verraten. Man muss kein Orakel sein um den Leit- und Lerneffekt dieser Botschaft zu erahnen.

In Zukunft ist es möglich, jede unliebsame Regierung legal zu beseitigen. Bedingung für den neuen Verhaltenskodex innerhalb der Staatengemeinschaft wird eine vermutete oder tatsächliche Stärke sein, die vor einer Bestrafung schützt. Der Umgang der Staaten untereinander wird sich verändern, wobei zu erwartende weitere exterritoriale Regierungsumbildungen nicht einmal das größte Übel daraus sind. Weitaus folgenreicher wird die Neuordnung der Machtstrukturen in der UNO selbst sein. Wir sind Zeuge eines Machtkampfes zwischen den zwei mächtigsten Organisationen überhaupt, der UNO und der NATO. Die Völkergemeinschaft hat durch die UNO in devoter Haltung der Forderung der NATO nach dem Militäreinsatz entsprochen und verzichtete auf eine Rüge als der Mandatsträger, die NATO die Weisungen der UNO ignorierte. Einstmals sollte die UNO die NATO führen, jetzt wurde der Führende zum Geführten.

Die NATO, ihrem Namen nach, Nordatlantisches Verteidigungsbündnis, ist längst zu einer weltweit operierenden Ordnungsmacht geworden. Das verbindende Glied in der Kette der Mitgliedstaaten ist der Lastenausgleich und folgt einfachen ökonomischen Prinzipien. Danach gilt. Regelmäßige kleine Kriege erhalten die eigene Machtstellung und die nationale Wirtschaftsleistung, indem sie durch den Verbrauch von Ressourcen die Produktion ankurbeln, das Bruttosozialprodukt erhöhen und Arbeitsplätze schaffen. Auch die Spekulation mit steigenden und fallenden Staatsanleihen, oder Aktien von Rüstungskonzernen erwirtschaftet zu jedem Krieg, viele Milliarden Gewinn an den Börsen. Hinzu kommt die zu erwartende wirtschaftliche Einflussnahme in der Wirtschaft des besiegten Feindes. Diese ökonomischen Vorteile rechtfertigen auch begrenzt den Verlust eigener Soldaten. Ist der Verlust an Mensch und Material aber zu hoch, entfällt der wirtschaftliche Gewinn, da er die Substanz des Staatsvermögens zu sehr dezimiert und zudem den Rückhalt im Wählervolk gefährdet. Daher ist es ab einem bestimmten zu erwartenden Ausmaß eines Krieges sinnvoll, die Kriegslast auf mehrere Verbündete zu verteilen, die in Erwartung eigener Vorteile ihre Solidarität beweisen. Die Mitgliedsstaaten der NATO sehen auch einen nationalen Vorteil in ihrer Mitgliedschaft. Verfügt doch jede Drohung gegen einen vermeintlichen Widersacher über das Machtpotential des gesamten Bündnisses.

Auf diesem Weg fand auch Libyen in den Krieg mit der NATO. Aufstände und Rebellionen, das Tagesgeschäft der Diplomatie, sind gerade in Afrika makabere Normalität und dauern in vielen afrikanischen Staaten bereits seit vielen Jahren an ohne das die NATO auch nur darüber nachgedacht hätte einzugreifen. Auch Despoten wie Syriens Assad, der in noch größerem Ausmaße sein Volk tyrannisiert wie Gaddafi es in Libyen tat, lässt die NATO nicht auf die Idee kommen einzugreifen.
Die libysche Rebellion rief zu Beginn die gleichen diplomatischen Lippenbekenntnisse der Empörung hervor wie jeder andere afrikanische Aufstand. Dies stand im Missverhältnis zu dem medialen Aufschrei insbesondere in Europa, der sich aus der aufgeputschten Revolutionsstimmung der voran gegangenen erfolgreichen Aufstände in Tunesien und Ägypten ergab. Den Kriegsgrund lieferte Gaddafi selber, in dem er den französischen Präsidenten öffentlich und medial wirksam beleidigte. Gaddafi hätte wissen müssen, dass der Präsident der Grande Nation, eine solche Demütigung nicht auf sich sitzen lassen konnte. Schon gar nicht wenn der Präsident, Sarkozy heißt und sich im Vorwahlkampf befindet. Wie zum Beweis dafür übernahm Frankreich sofort die Führung gegen das libysche Regime. Es forderte die NATO auf zu folgen und erklärte im gleichen Atemzug, auch alleine tätig zu werden. Somit wurde die auf dem Lastenausgleich basierende Solidarität der NATO erklärt. Auch Deutschland konnte sich den Luxus eines Gewissens erst dann leisten und stimmte daher auch erst dann gegen die kriegslegitimierende UN-Resolution, als nach Vorabgesprächen klar geworden war, dass eine militärische Teilnahme der Bundesrepublik nicht gewünscht ist.

Die UN-Resolution 1973, die den Einsatz der NATO gegen Libyen legitimiert, war innerhalb der UNO höchst umstritten. Getreu dem Nichteinmischungsgebot, legitimierte die Resolution auch nur die Errichtung von Flugverbotszonen, die Sicherung humanitärer Hilfstransporte sowie den Schutz von Zivilisten vor einer heran nahenden syrischen Armee, sowie die Durchsetzung eines Waffenembargos gegen beide Parteien. Ausdrücklich untersagt wurde, der Versuch der Beseitigung des Regimes und die Stationierung von Bodentruppen, gleich zu welchem Anlass und an welchem Ort in Syrien. Jegliche Verbote der UNO wurden von der NATO ignoriert. Französische und britische Truppen befinden sich im Einsatz in Libyen, als Ausbilder, Berater, Waffenlieferanten und als Kommandoeinheiten auf der Suche nach Gaddafi. Alliierte Bomberpiloten bombten den Weg für die Aufständischen frei und griffen gezielt Orte an, an denen sie Gaddafi vermuteten, zuletzt ganz offen seinen Bunkerkomplex in Tripolis. Um den Verstoß gegen die UN-Resolution nicht offen zugeben zu müssen, wurden die in Libyen operierenden Bodentruppen, formaljuristisch nicht dem NATO-Oberkommando unterstellt. Die NATO Sprecherin sagte dazu sinngemäß. „Wir koordinieren keine NATO-Truppen in Libyen. Wir kommunizieren mit nationalen Truppen einiger an der Mission beteiligter NATO-Mitgliedsstaaten.“
Das die NATO sich dermaßen eklatant über die Beschränkungen der Resolution 1973 hinweg gesetzt hat ist der Profilneurose des französischen Präsidenten zu verdanken, der den NATO-Strategen die Möglichkeit verschaffte eine 20 Jahre alte Frage zu entscheiden. Eine Frage die sich aus dem Zusammenbruch der Sowjetunion ergab. Die Auflösung des Gleichgewichtes der Kräfte ließ die NATO expandieren und führte zu einem neuen Selbstverständnis der NATO als globale Ordnungsmacht, die aus ihrer Machtvollkommenheit keine übergeordnete Legitimierung mehr bedarf. Die Rebellion in Libyen wurde zu einem Nebenkriegsschauplatz in der Machtprobe zwischen NATO und UNO.

Die Zukunft wird zeigen ob ein Militärbündnis der bessere Führer der Völkergemeinschaft ist.

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Freigeist – Ein Manifest

Die Bestimmung des Ich im Wir, als Freigeist in der Gesellschaft.

Ich bin der, der ich bin.

Freigeist zu sein, ist die Erkenntnis mit den meisten, den Vielen und ihren Gemeinschaften, eine gemeinsame, verbindende, mitunter auch schützende Basis, gleicher Werte und gleichartiger Wege des Geistes zur Erlangung von Werten, verloren zu haben. Freigeist zu sein ist nicht die Einnahme eines Standpunktes, sondern der Verlust eines jeden, für den Ersatz eines immer nur kurzfristig gültigen und wage erkennbaren Bezugs seiner selbst, auf immer während einwirkende Veränderungen.

Nicht der Verlust an Moral oder ethischen Werten charakterisieren einen Freigeist, obwohl diese sein Denken erst ermöglichen, sondern die Bestimmung eigener Prämissen, oft fernab der überlieferten oder gesellschaftlich dogmatisierten Vorstellungen. Diese nähren seinen Wunsch, jene Dogmen und Moral zu entlarven, die zu der eitlen und naiven menschlichen Lebensgestaltung führen, in der der Mensch sich selbst sein schlechtester Freund und seiner Welt der größte Feind ist.

Ein Freigeist liebt die eigene Erkenntnis um ihrer selbst willen, weil sie nicht der Historie der Gesetzmäßigkeiten, sondern den Realitäten in Bezug auf sein Dasein als ein Teil eines faszinierenden, unendlich freien aber auch unermesslichen Ganzen, geschuldet ist. Ein Freigeist ist weder Humanist, noch Idealist oder Theist, er allein ist Realist, da er nicht den Menschen, noch ein Ideal oder einen Schöpfergott, als vorrangig oder höherwertig sieht und sich nicht im Besitz von Wahrheiten wähnt. Jede Unsicherheit ist ihm Ansporn des Ergründens, jede Sicherheit eine Warnung der Stagnation des Geistes, der nur lebt wenn er nicht gebunden ist und sich nur entwickelt wenn er von dem lässt, was bereits entwickelt wurde. Sich für diese Freiheit zu opfern ist dem Freigeist Lust und nicht Last. Das Leben des Freigeistes ist gezeichnet durch erlebtes Unverständnis, erlittene Ausgrenzung und versuchten sowie vollbrachtem, vermeintlich oft gut gemeinten Zwang an ihm und der Freiheit seines Geistes. Sein streben gilt nicht der Größe, sondern der Demut, die ihn Größe erkennen lässt, er sucht nach Schwäche die ihm Stärke offenbart. Er selbst ist sich Richter und Vollstrecker seines Anspruchs noch vor anderen, so kann er nicht gerichtet werden und genügt sich selbst, um nicht anderen genügen zu müssen.

Jene, die einen freien Geist für sich in Anspruch nehmen, nennen sich Philosophen, Freidenker und Freigeister. Jene die sich Philosophen nennen, können auf eine lange erfolgreiche Geschichte zurück blicken, in der sie mitunter die Speerspitze des menschlichen Geistes, als auch letzte Instanz der Vernunft waren. Als sie jedoch ihren, über die Grenzen einzelner Disziplinen hinaus greifenden Anspruch aufgaben und zu einer Wissenschaft wurden, wandelte sich auch ihre universelle Sichtweise, aus der einst ihre großen Erkenntnisse geboren wurden, zu einer disziplinären, in der sich der ursprüngliche Anspruch der Philosophie, die Liebe zur Weisheit in ihrer Ganzheit, nicht mehr verwirklichen lässt. Einstmals hieß, ein Philosoph zu sein, ein nach Erkenntnis Suchender über die Grenzen hinaus denkender Mensch zu sein. Doch es blieb nur ein akademischer Grad als Beweis der Erfüllung der Formalien. Ihre Sicht ist begrenzt durch die Grenzen der Philosophie in sich, die die Ergebnisse ihrer geistigen Exkursionen, nur noch dann anerkennen vermag, wenn diese innerhalb der Formalien ihrer Wissenschaft erreicht wurden.

Jene die sich Freidenker nennen, sind die Knechte der Moral. Sie genießen die wohlige Geborgenheit ihrer Konformität und erkennen nicht, dass ihnen ihr Geist nie eine Erkenntnis gebar. Nie haben sie tief genug gedacht, nie auf den Grund einer Erkenntnis geschaut, weil sie die Dinge schauen, mit den Scheuklappen ihrer Moral. Sie erheben sich auf das Podest ihrer moralischen Unfehlbarkeit, in der sie sich a priori verbieten, die Moral als solche zu hinterfragen. So ist es ihnen verwehrt eine Erkenntnis zu gewinnen, die sich nicht aus ihrer Moral ergibt. Freidenker sind die Propheten der Fehler von gestern, mit den Mitteln von morgen.

Jene aber, die sich Freigeist nennen, sind jene die die Philosophie um ihrer selbst Willen betreiben, in der Form wie sie betrieben wurde, bevor sie Wissenschaft war. Freigeistige Philosophie ist das Studium und die Aufstellung ganzheitlicher, interdisziplinärer Gedankenmodelle zur Erklärung des Seins und der Dinge an sich.  Freigeist zu sein ist nicht das Ergebnis einer Tätigkeit, sondern die unabänderliche Konsequenz einer Lebenseinstellung, die in sich schon so viel Konsequenz ist, das sie nicht die Konsequenz der Amoralität fürchtet. Des Freigeistes Antrieb ist nicht Lohn, sondern Freiheit. Freiheit die aus sich heraus nichts anderes bedarf, als die Freiheit des Geistes und somit auch nur erkannt werden kann, wenn man nichts anderes zu Grunde legt als die Freiheit des Willens. Aus diesem Grunde korrumpiert sich ein Freigeist nicht mit Macht, Geld oder Anerkennung, die jeder für sich einen moralischen Wert und eine soziale Erwartung mit sich bringen.

Als Freigeist zu leben, bedeutet umgeben zu sein von den Gemeinen, so heißen sie, die Gemeinschaft brauchen, noch vor sich selbst. Gemeinschaft mit anderen, aus der sie zu schöpfen suchen, was sie sich selbst nicht sein vermögen, als könne man werden, was man nicht ist.  Gemeinschaft mit den Vielen, um zumindest als Teil eines Großen bedeutend zu sein, so versuchen sie ihre Unbedeutsamkeit  zu vergessen. Gemeinschaft  die sie Staat und Gesellschaft heißen, die ihnen Verwaltung  gibt, da sie sich nicht selbst verwalten können und ihnen Recht benennt, da sie selbst nicht vermögen Recht zu erkennen. Was immer ihnen widerfährt, was immer sie erfassen oder erkennen, alles suchen sie ihrer Gemeinschaft zu offenbaren, da nichts ihnen einen Wert hat, was der Gemeinschaft nicht offenbart wurde. Sie vermögen nicht ihre kleinen Wahrheiten bei sich zu halten und zu bewahren, um den Keim der Weisheit wachsen zu lassen. Sie entblößen ihr Wissen, ihr Empfinden, sogar ihr Innerstes selbst, weil nur die völlige Entblößung ihnen die Gleichheit in der Gemeinschaft verspricht. Sie Fragen nicht, schon die gegebenen Antworten scheinen ihnen genug. Allein das etwas aus ihnen selbst heraus, ein Gedanke oder eine Erkenntnis, geschieht, ist ihnen schon Grund zum Zweifel. Sie weisen und richten, so zeigen sie ihre Unfähigkeit, es über sich selbst zu tun. Die Gemeinschaft bestimmt ihre Werte, allein als ein Wert in ihr. Freiheit und Recht ist ihnen das, was ihnen als solches benannt und gegeben wurde. Ihre Welt ist der Schein, nicht das Sein, daher lieben sie die Unwahrheit, die ihren Schein erhält und hassen die Wahrheit, die ihr Sein offenbart. Sie fürchten den Tod, da er sie ihrer Gemeinschaft entreißt, sowie auch die Freiheit, die aus der Individualität ihre Gemeinschaft bedroht. Sie sind getrieben von Angst und Zweifel. Ihre Welt ist die, der erhofften Unveränderlichkeit, in der der Geist des Wandels, das Krebsgeschwür in ihrer Beständigkeit ist. Ihre Vermessenheit endet nicht einmal davor zu glauben, dass Freiheit und Recht von so niederem Range sein, dass sie es selbst erschaffen konnten. Ihr Misstrauen gilt allem, was sie nicht zu erfassen vermögen. Das Unerklärliche ist ihnen das Unaussprechliche, da in ihrer Gemeinschaft nichts sein kann, was nicht sein darf. Sie, die Gemeinen haben sich Marktwirtschaften gegeben, so nennen sie die Schaffung des Mangels zur Erhaltung des Profits. Sie gefallen sich als Händler nichtiger Begierlichkeiten auf ihren Märkten, die die Armut vieler für den Reichtum weniger gebären. Sie sehen nicht, dass Armut kein Verbrechen, sondern immer die Folge eines solchen ist. Ihnen, den Gemeinen ist alles Sein nicht Wert, sondern Nutzen. So entrechten Sie alles Leben, zum Nutze ihrer Gier.

In dieser Dunkelheit des Geistes, aus der Mitte der Gemeinen heraus, beginnt der Weg der Freien, die nicht frei waren, bevor sie es lernten zu werden. Die Freien, die der Gemeinschaft Teufel und Pest in einem sind und deren Wille es ist, selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu leben. Die Freien die ihre Freiheit schätzen und bewahren, da sie erkennen das ihre Freiheit nicht durch, sondern vorab jeder Gemeinschaft gegeben war. Den Freien, denen ihre Freiheit ein unwiderrufliches Recht ist, für das sie streiten und wagen, hoffen und fordern. Misstrauisch werden sie beäugt von jenen, denen ihr Ich zu wenig Wir ist, in einer Welt in der ihr Wir ihr Alles ist. Die Gemeinen mögen meinen das ihr Ich in die Obhut der Gemeinschaft gehöre und die vielen Ich, die ihre Gesellschaft beherbergt, schlussendlich sogar ein eigenes Selbst sei. Doch das Ich, das Eigene, das Selbst  ist nicht ein Vieles und  existiert nur in der Geborgenheit eines alleinigen Seins, es ist der Wert des Seins. In ihrer Gemeinschaft wird aus einem Ich ein Wir, ein Unser und das Unsrige, ein formalistischer Teil einer Menge, eine beliebig befüllbare Bestimmung der Quantität.

Doch Freiheit ist die Selbstbestimmung des Willens, als Bestimmung des Selbst, die Formung und Schaffung des Ich. Freiheit ist kein bestimmter Freiraum der Gemeinschaft innerhalb dem einem Ich eine Freiheit gewährt wird, sie ist die Ausgestaltung einer Persönlichkeit in all ihren Facetten, allein begrenzt durch das Individuum selbst. Freiheit ist nichts was eine Gemeinschaft erfassen könnte, da diese als ein Wir, keinen Wert für ein Ich besitzt und kein Ich sein kann. Eigenverantwortlich, will der Freie sich selbst gegenüber sein und sein eigenes Ich verantworten. Es ist das Verständnis um die Individualität des Ich und der Wille die Konsequenzen der eigenen Qualitäten zu akzeptieren. Kein Wir, vermag hierüber zu Gerichte sitzen, da jedes Wir ein Vieles ist, welche aus sich heraus die Freiheit des Ich ausschließt. Was Wir ist, kann nicht Ich sein, sowie ich nicht sein kann was wir ist.

Sie die ihr sein, ihrem Wollen unterwerfen, die Freiheit nicht als zugestandenen Freiraum, sondern Freiheit a priori, in allem Leben unveräußerbar ist, beschreiten einen langen und steinigen Weg ohne Anerkennung und Ziel.

In der Mitte der Gemeinen sind die zu erkennen, die sich auf diesen Weg machen, noch nicht wissend, dass sie bereits die ersten Schritte auf diesem Weg gehen. Sie werden die Zweifler genannt. Sich selbst erkennen sie sich an der Empfindung, welches das allseits Normale in ihnen hervorruft. Noch sind sie erfüllt von den Werten die ihnen gegeben wurden, daher zweifeln sie zuerst an sich selbst. Sie erkennen noch nicht die Fremde die sie umgibt und so glauben sie selbst fremd zu sein. Sie erheben sich noch nicht gegen die Werte, dennoch erkennt die Gemeinschaft bereits ihr zögern. Sie suchen nach Antworten, noch ohne Fragen zu können. Viel zu lange haben sie die große Regel des Wissens der Gemeinschaft gelernt: Es gibt keine Fragen außerhalb der Gemeinschaft, weil es keine Antworten außerhalb von ihr geben darf.

Für viele endet hier bereits der Weg in die Freiheit, angesichts der Allmacht der Gemeinschaft. Manchen mag es gelingen zu vergessen, dass sie an die Grenze der Gemeinschaft stießen, für sie ist der Weg zurück ein leichter. Jedoch denjenigen die nicht vergessen können, bleibt nur der Zweifel an sich selbst.

Diejenigen aber die verstehen, das Antworten außerhalb der Gemeinschaft denkbar sind, finden Fragen. Fragen auf die die Gemeinschaft keine Antworten zu liefern vermag. Unverständnis und Misstrauen begleiten sie von dem Tag, an dem sie Kritiker genannt werden. Das Gefühl der Fremdheit ist ihr Antrieb und doch spüren sie, dass nicht sie es sind, die fremd sind. Sie vermögen noch keine Antworten zu geben und ihr Zweifel weicht der Wut. Alles verkehren sie ins Gegenteil, aus ihrer Demut wird Übermut. Stolz verkünden sie das was sie tun, sie üben Kritik und verstehen noch nicht den Unterschied zum kritisieren. Sie erkennen ihre Unterschiedlichkeit zur Gemeinschaft, aber sie wollen nicht erkennen wie sehr sie noch Teil von ihr sind.

Hier endet für einen weiteren Teil von ihnen, der Weg in die Freiheit, angesichts der Allmacht der Gemeinschaft, an der ihre Wut zur Ohnmacht wird, in der sie gefangen bleiben. Ihnen bleibt die Unzufriedenheit.

Diejenigen aber, denen es gelingt ihre Wut zu verlieren, werden Antworten finden und von da an, wo sie Antworten finden auf Fragen die die Gemeinschaft nicht stellte, werden sie Denker genannt. Sie sehen wie fremd sie selbst und die Gemeinschaft ihnen ist. So sehr sie ihre Fremde als ihre eigene verstehen, so sehr kehren sie der Gemeinschaft den Rücken. Ihre Antworten zerstören die Werte der Gemeinschaft ohne jedoch neue zu schaffen. Nicht das Erbauen ihrer Freiheit sondern das zerstören ihrer Unfreiheit ist ihr Antrieb. Sie treiben zwischen der Gemeinschaft, deren Ketten ihre Antworten zersprengten und dem vermeintlichen Ufer der Freiheit, ohne Halt und Hoffnung. Freiheit scheint ihr Ziel, aber sie verstehen nicht das Freiheit kein Ziel und das Ufer unerreichbar ist.

Für viele von diesen Wenigen endet hier der Weg in die Freiheit, angesichts der Allmacht der Freiheit, an dem Willen etwas zu vollenden was nicht zu vollenden ist. Ihnen wird die Suche zum Ziel.

Diejenigen aber, die alleinig durch die Kraft ihrer eigenen Gedanken verstehen, dass der Weg des Wissens nicht zu ihrem oder irgendeinem Besitz führt, werden Freigeister genannt. Sie verlieren das Ziel, das Ufer der Freiheit aus den Augen. Ihnen ist es bestimmt ihre eigenen Wege zu wählen, da sie keine Ziele kennen. Ihre Wege bestimmen sich durch die Fragen, die sie Stellen und die Antworten die sie geben, jedes Mal aufs Neue. Sie sind nicht mehr an Wege gebunden die ihnen benannt wurden, oder an Zielen die sie sich einst gaben. So unbestimmt wie ihre Fragen, sind ihre Antworten, denen sie folgen, ohne von etwas abweichen zu müssen. Sie sind selbstbestimmt, da sie die Fragen selbst bestimmen. Sie sind Eigenverantwortlich, da sie ihre Antworten selbst verantworten und dadurch frei diesen zu folgen. Sie handeln und urteilen nicht in der Gemeinschaft, da sie mit ihr nichts gemein haben. Sie zeigen keine neuen Ufer, da sie keine Kenntnis um diese haben. Sie verlassen alle Wege, da sie keine Ziele haben.

So sie aber nun Freigeist sind, so wird ihnen das Leben eine immer währende Prüfung. Prüfung an sich selbst, nicht der Versuchung zu erliegen, zu offenbaren was ihnen offenbar wird. Der Lüge würde man sie bezeichnen, falls ihnen nicht schlimmeres widerfährt. Sie, die Gemeinen, nennen alles Lüge, was ihre Gemeinschaft ihnen nicht als Wahrheit offenbart hat oder gegen ihre Regeln verstößt, und den, der seine eigene Wahrheit nicht aufgeben kann, einen Lügner.

So sehr fürchten sie eine Wahrheit, die nicht die Ihre ist, dass sie nicht davor zurück schrecken, den mit Strafe zu bedrohen, der nicht ihrer Wahrheit folgen will. Im ersten Schritt ihrer Strafe nennen sie ihn Lügner.

Von da an ist der so Benannte, aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen und alles was er sagte und sagen wird, wird für sie unwahr sein. Nichts darf die Wahrheit der Gemeinschaft  in Frage stellen oder das Gift des Zweifels sähen. Ihre Gemeinschaft sucht Schutz vor der ihr fremden Wahrheit, indem sie sie ausschließt. Reicht es aber nicht aus, die fremde Wahrheit auszuschließen, oder hat sie bereits den Zweifel genährt, hält die Gemeinschaft Gericht über den der ihr die fremde Wahrheit gebracht hat.

Zu dieser fremden Wahrheit, die keinen Anspruch erhebt, über die Regeln der Gemeinschaft zu gebieten, ereifern sich die Gemeinen ihr Urteil und begründen ihre infantile Vergeltung. Geblendet von ihrer ängstlichen Abwehr des Fremden vermögen sie nicht zu erkennen, dass dieses Fremde fremd ist, weil es nicht an ihren Regeln messbar ist. Es ist ihre Angst sich gegenüber dem Fremden behaupten zu müssen, aus der sie sich diesem Wettstreit entziehen, indem sie sich für moralisch überlegener erklären. Es ist ein ungleiches Messen mit einer Moral, die sich in Angst begründet. Nichts was sich nicht an ihrer Moral, ihrem Recht und ihrer Wissenschaft begründet und ihrer kollektiven Angst beugt, vermag überhaupt Wahrheit zu sein, so kann niemand eine andere Wahrheit, als die ihre haben. Sie nötigen, drohen und rauben die Habe als auch die Freiheit. Sie nennen das Recht, weil sie sich selbst bestimmten, dass es Recht sei. Sie benennen sich Richter, die für sie richten und ihre Strafen sind ihnen Gerechtigkeit. Doch der ihnen die fremde Wahrheit brachte ist ihr Opfer und Opfer kennen keine Gerechtigkeit. So ist ihr Recht das Unrecht der anderen und ihre Strafen der Zoll der Rache ihrer Ängstlichkeit. Sollten die Strafen ihrer Gerichte nicht ausreichen, den schweigen zu lassen, der ihre Wahrheiten nicht will, erkennen sie endlich seine Fremdartigkeit. In einer Gemeinschaft deren Anspruch der Besitz der einzig richtigen Wahrheit ist, ist Fremdartigkeit keine Deklaration der Andersartigkeit, sondern das Stigmata eines Zustandes  geistiger Gefahr, die zum Schutze der Gemeinschaft überwunden werden muss. In den Augen der Gemeinschaft scheint es nicht möglich außerhalb von ihr zu stehen, zu handeln oder auch nur zu denken, fremd zu sein. In der Logik der Gemeinschaft, das nicht sein kann was nicht sein darf, ist jener, der ihre Wahrheit nicht will, vor sich selbst zu schützen. Gleich einem an seinem Geiste erkranktem, wird der Freigeist nun entrechtet. Sie behandeln die Krankheit, nicht ihre Wahrheit zu wollen, mit boshafter Empathie. Die Heilung die sie versprechen, ist die Konformität mit vielen und der Preis, ist die Zerstörung des Ich.

Mögen die Gemeinen auch glauben, das ihr handeln Recht sei, befreit es sie sich dennoch nicht von dem Unrecht ihrer Taten. Der standhafte Wille ihrer Übermacht zu trotzen, scheint ihnen Arroganz. Die Tiefe einer Erkenntnis, für die es ein leichtes ist, sein Wohl zu gefährden um sie nicht teilen zu müssen, ist für sie Dummheit. So erscheint ihnen noch der Weiseste als dumm, wenn er ihrer Wahrheit nicht folgt.

Doch ihr treiben dient nicht dem Schutz einer Wahrheit, nicht einmal der ihren. In einer Gemeinschaft in der, derjenige als wertvoll erachtet wird, der mit Wissen und Wollen die Unwahrheit sagt, um die Gemeinschaft vor unangenehmen Wahrheiten zu schonen, ist die Lüge akzeptiert. Die Lüge als Mittel des Erhaltes des Gemeinwohls, ist Gemeinwohl selbst. Wie ließe sich sagen, das die Gemeinschaft der Gemeinen auf  Wahrheit basiert? Was kann in der Gemeinschaft der Gemeinen als wahr gelten, wenn niemand zu wissen vermag wie viel schonende Unwahrheit darin verborgen ist?

Daher benennt der Freigeist die Unwahrheiten, aber schweigt zu den Wahrheiten. Es ist leicht Unwahrheiten in ihrer Offensichtlichkeit zu erkennen aber unendlich schwer in den Besitz von Wahrheiten zu kommen. Am schwersten aber ist es die Freiheit des Geistes aufzugeben, wenn man sich ihrer bewusst ist. Leichter ist es, dass eigene Wissen um die Wahrheiten zu verschweigen und Verachtung und Ausgrenzung zu ertragen.

Freigeist zu sein, ist kein selbst gestellte Aufgabe, nichts was man tun kann. Es ist etwas was einem widerfährt und dessen man sich erst bewusst wird, wenn es einem bereits widerfahren ist. Bewusst durch die Sicht, die man auf die Dinge, sowie die Menschen und ihr Handeln hat.

Es geschieht das die Antworten, die ein Freigeist findet, eine gewisse Popularität erlangen. Dies ist unabhängig ob im kleinen oder großen Kreise, nicht dem Wunsch geschuldet, populär zu sein, sondern ein Produkt jener Antworten, die von großer Einfachheit geprägt sind und damit auch ohne in ihrem ganzen Ausmaße verstanden zu sein, eine gewisse Leere in den Köpfen der Zweifler und Kritiker zu füllen vermögen. Diese Popularität führt zu der Erlangung von Sympathisanten, die sich bisweilen Freunde nennen. In kaum etwas steckt eine größere Unsicherheit und Gefahr, als in einem  selbst ernannten Freund. Diese Freundschaft nährt sich aus Sympathie, als Dank für die Inspiration aus gegebenen Antworten. Genau so unsicher wie es sich sagen lässt, wie man sich eine Freundschaft zugezogen hat, in gleichem Maße unsicher ist es diese Sympathie zu erhalten. Vielmehr ist anzunehmen, dass die eigene Weiterentwicklung des Geistes zukünftige Übereinstimmungen unwahrscheinlicher macht und die Sympathie erstirbt. Was bleibt ist ein verlorener Freund, der mindestens in gleichem Maße Feind wird, wie er zuvor Freund war. Daher vermeidet der Freigeist Freundschaften, da diese zumeist zu Feindschaften führen.

Es geschieht das der Freigeist auf jene trifft, die sich die Wissenden nennen. Von ihnen gibt es drei. Die einen die Hoffen zu Wissen, die anderen die Glauben zu Wissen und jene die Wissen zu Wissen.

Jene die Hoffen zu Wissen, sind die Ängstlichen. Im Grunde ihrer selbst erahnen sie ihr Unwissen, doch ihr Antrieb ist die Hoffnung, die sie vor der Dunkelheit ihres Unwissens bewahren soll. Ihr Wissen hat einen schönen Klang und ist von großer Leere, das ist alles was ihr Wissen ist. Sie hoffen, Wahrheiten entfliehen zu können.

Jene die Glauben zu Wissen, sind die Einfältigen. Sie sind von dem was sie zu Wissen glauben so sehr überzeugt, das ihnen jeder Zweifel fremd ist. Jede Kritik an ihrem Wissen, ist ihnen Kritik an ihnen selbst. Ihr Wissen lebt nicht von Erkenntnissen, sondern von der Darstellung ihrer selbst. Ihr Wissen ist das Wissen der großen Reden und Predigten. Sie glauben, Wahrheiten benennen zu können.

Jene die Wissen zu Wissen, sind die Vermessenen. Sie sind die Hohepriester des Beweises und der Beweis ist ihnen das höchste Wissen. Ihr Wissen ist die Begründung, die immer ausladender ist als ihre Erkenntnis. Sie stellen ihr Wissen noch vor die Wahrheit.

Die Wissenden sind die Führer der Gemeinen und ihre Führung wurde ihnen zur Kunst. Eine Kunst die Wissen schafft und so nennen sie diese Wissenschaft. Sie diagnostizieren, verifizieren und dozieren in solcher Flachheit, das ihnen schon die geringste Erkenntnis, der Beweis ihrer Allwissenheit ist. Dieses genügt ihrem Anspruch Wahrheit zu sein und so glauben sie sich im Besitz dieser. Keine Erkenntnis ist ihnen heilig genug, als das sie dieser, nicht die Krone der absoluten Wahrheit über stülpen wollen. Das schaffen von Wissen ist ihnen wichtiger als die Erkenntnis und so schufen sie zu jedem Erkenntnisfeld eine Wissenschaft, da ihnen jede Erkenntnis nur dann genügt, wenn sie eine wissenschaftliche ist. Lange werden sie brauchen, bis sie verstehen, dass ihre empirische Wissenschaft kein Wissen  schafft, sondern ihr Wissen auf empirische Erkenntnisse begrenzt. Soviel Hochmut steckt in ihrer Wissenschaft, dass sie glauben, ihre von simplen natürlichen Abläufen abgeschaute Welt, sei das Ergebnis ihrer Erfindungsgabe. Doch kein Element, kein Leben wurde je von Ihnen geschaffen. Sie wähnen ihr Leben in Abläufen, die sie zu kontrollieren glauben. Wie wollen sie kontrollieren, was sie nicht einmal verstehen?  Sie glauben an einen immer währenden Fortschritt. Sie sehen nicht das Fortschritte in geschlossenen Systemen endlich sind. Sie erkennen nicht, dass Demut ihnen eine Zukunft schenkt, während Hochmut sie ihrer beraubt.

Selbst ihr eigenes Ich ist ihnen so zweifelhaft, das sie eine Wissenschaft dazu erfanden. So benennen sie alles als krank, was nicht ihrer Norm entspricht. Diesen Frevel an der Vielschichtigkeit ihres eigenen Gemüts nennen sie Psychologie. Ein dunkles Gespinst der Normierung des Geistes, ist diese Tyrannei gegen fremde Gedanken. So ist dieser orakelnde Pragmatismus ihr schärfstes Schwert, gegen die Freiheit des Geistes und es dient immer nur einem Zweck, der Konformität.

Selbst dort wo das Wissen das Nicht-Wissen ist, fühlen sie sich berufen Wissen zu schaffen und sehen nicht das ihre Wissenschaft der Philosophie, jeglichen Anspruch einer Philosophie verloren hat. Nicht oft genug kann man es sagen. Philosophie ist keine Wissenschaft, vielmehr ist sie eine Geistestätigkeit die Wissenschaft, durch ihren ausgeprägten spekulativen Charakter ausschließt. Sie ist bestrebt das Wesen des Seienden zu ergründen und beschäftigt sie sich mit den Fragen, die nicht aus der Wissenschaft beantwortet werden. Wahre Philosophie verfügt nicht über eigenes Wissen zu den Dingen, sie will nicht mehr sein als eine Methodik zu dem Nichtwissen um die Dinge sein.

Sie aber haben die Philosophie gespalten, in eine Wie-Philosophie, eine theoretische Philosophie die ihnen zu erklären sucht wie Erkenntnis erfolgt, hierzu zählen ihnen die Erkenntnistheorie, die Wissenschaftstheorie und die Sprachphilosophie und dem Gegenüber eine Was-Philosophie, jene praktische Philosophie die ihnen zu erklären sucht, was sie vermeintlich erkennen können, die ihnen die Ethik, die Rechtsphilosophie, die Geschichtsphilosophie, die Kulturphilosophie und die Sozialphilosophie sind. Sie sezieren, filetieren und analysieren, niemals jedoch sieht man sie philosophieren, da sie um dieses zu vermögen zuerst über die Teilungen hinweg schreiten müssten, die sie Philosophie nennen.

Sie wollen leiten, doch sie verleiten nur, die Diener der Wissenschaft denen ihr treiben zur Religion wurde. In ihrer Welt, die ihren Fortschritt an der Mechanisierung und Digitalisierung misst, sind ihre Wissenschaftler die dieses ermöglichen, in den Stand der Hohe Priester erhoben. Nicht ihre Lehren, die kaum jemand in ihrer Gänze versteht, machen sie populär, sondern die scheinbar alles erklärende Wissenschaft, denen sie vorstehen, erzeugen das Bild der Allwissenheit. Fragen nach dem tieferen Sinn des Seins, dem Ursprung der Dinge, den universellen Werten werden mit ihrer Hilfe, aus physikalischen Parametern heraus orakelt und ein empirisches Weltbild mittels physikalischer Wirkmuster zu einer pseudoreligiösen Allwissenserklärung postuliert, in dem jeder von ihnen, nicht mehr als die Summe seiner physikalischen Muster ist.

Würden sie erkennen, jeder für sich, was offenbar ist, so würden sie sich abwenden von ihrer Gemeinschaft. Ihre Gemeinschaft deren Regelwerk der Rationalität huldigt und vergisst, dass jedes Individuum nicht nur rational, sondern auch immer emotional agiert. All ihre Ideologien, die Geburten ihrer versuchten Rationalität, sind sterbende Konstrukte des infantilen Wunsches, den perfekten Teilhaber ihrer Gemeinschaft zu kreieren. Jeglicher Beweis einer individuellen Bewertung, der emotionalen Reaktion des Einzelnen selbst, ist ihnen Beweis der Schwäche und so erkennen sie nicht, dass Ratio und Emotion nur in gemeinsamer Interaktion, erst das kreiert, was Mensch sein ist. Wie sollte je ein gemeinschaftliches System erschaffen werden, dass den gewollten Zufall der Emotion, in einem allgemein bindenden Regelwerk vereint. Wie sollte je eine Definition, die unbegrenzte Anzahl möglicher Reaktionen, als individueller Ausdruck der Sichtweise eines Einzelnen, in sich vereinen. Niemals wird die Gemeinschaft den evolutionären Willen und seine Notwendigkeit, der sich erst in individueller Entscheidung äußert, zulassen.

So geschieht es das der Freigeist als verrückt gescholten wird. Die so sprechen sind die Verwirrten. So sehr sie sich in ihrem Wir ver-wir-ren, so wenig erkennen sie das Lob, aus ihrem Wir ver-rückt zu sein, aus ihrer Mitte, die das Große schmäht und das Geringe lobt. Ihre ver-wir-te Welt ist die Gemeinschaft der Wertlosen, da ihr ich von eigenen Werten gelöst sein muss um gemeinschaftliche Werte zu loben.

So sehr sie sich auch bemühen ihr Ich zu blenden, gelingt es ihnen doch nicht ihr ver-wir-tes Ich zu beruhigen und so leiden sie unter ihrem Wir so sehr, dass ihnen Glück zur Droge des Vergessens um ihr eigenes Ich geworden ist. Ihre Gemeinschaft ist hedonistisch und jeder unter ihnen stellt all sein Denken und Handeln unter den gemeinsamen Zweck der Erfüllung von Wünschen die sie sich selbst geben, zur Erlangung von Glück. Ihr Wir hat ihnen Glauben gemacht, Glück sei ein Wert in sich und könne durch Erfüllung ihrer Oberflächlichkeit erlangt werden, schlimmer noch, überhaupt nur durch sie erreicht werden. So wenig Tiefe haben sie in sich, das sie glauben, die Objekte ihrer suggerierten Begierde, die sie besitzen oder kaufen, brächte ihnen Glück. Die Befreiung aus ihrer Langeweile ist ihnen Glück und so macht sie auch das wert- und sinnloseste glücklich, wenn es sie nur abzulenken vermag. Sie erkennen nicht, dass Glück kein Wert, sondern die Frucht des Einklangs mit den Dingen an sich ist und so wundern sie sich über die kurzlebig ihres Glücks. Nie vermögen sie es zu halten, nicht einmal zu fassen, da es ihnen immer nur an den Werten ihrer Gemeinschaft haftet, die erlangt werden müssen, um das Glück zu erlangen. Von der Wiege bis zur Bahre hasten sie ihrem Glück hinterher, das ihnen immer neu und schemenhaft gleich einer Fata Morgana von ihrer Gemeinschaft benannt wird, verurteilt es am Ende nicht gefunden zu haben. Nicht weil sie es nicht suchten, sondern weil sie nicht wussten was sie suchen. Ihre Gemeinschaft schuf ihnen ihr Glück, zur Erhaltung ihres immer währenden Antriebs, zum nutze der Vielen. In einer Gemeinschaft der Vielen kann auch ihr Glück, nur ein Vieles sein. So ist ihnen die Quantität das höchste Gut und die Qualität nur eine Norm zur Veredelung von Massen. Sie aber sind gefangen im Unglück, dem Zustand des nicht erlangten Glücks und wähnen sich in kurzen Momenten des Glückes, welche doch nicht mehr sind als kurze Abwesenheiten ihres Unglücks, wenn sie sich einen Wunsch erfüllt haben, den ihre Gemeinschaft als glücklich machend und wünschenswert benannte, bevor ihnen auch dieses vermeintliche Glück keines mehr ist. Selbst das was sie für Glück halten, vermögen sie nicht alleine zu genießen. Sie brauchen die Bestätigung glücklich sein zu dürfen und das Unglück als Ansporn, die Bestätigung zu suchen. Der Freigeist aber erfährt ihr Unglück nicht, da er nicht nach ihrem Glück strebt.

Sie die Gemeinen, rühmen sich ihrer Toleranz, die intoleranter nicht sein könnte. Toleranz vermögen sie nur gegen Großes zu verüben. Nicht Einsicht in das Wesen der Toleranz führt sie dazu, sondern ihre kleingeistige Angst, die sie lehrte jede Konsequenz zu meiden und so das Große zu fürchten. Im Kleinen aber urteilen und richten sie die geringsten Verfehlungen, da das Kleine sie nicht ängstigt, die Konsequenzen ihrer Urteile ertragen zu müssen. Darum meidet der Freigeist die Toleranz der Gemeinen, die immer dort endet wo sie ihre Angst vor Konsequenzen verlieren.

Sie flüchten in den Glauben an ihre Götter, die Götzen ihrer Macht und Überlegenheit, die ihre Welt erhalten und ihnen die Erhabenheit über alles und jeden versprechen. Nichts anderes können sie ihnen versprechen, denn sie sind geschaffen von ihnen selbst und die, die sie schufen, kannten das Geheimnis um sie. Es ist die Botschaft ihrer Götter, die auch die Botschaft ihrer Gemeinschaft ist und sie glauben lässt, sie seien die Herren der Welt. Kein Leben, ob Tier oder Pflanze dient zu mehr, als der Erfüllung ihres vermessenen Anspruchs. Selbst die unnötige und absurde Vernichtung des eigenen Lebensraumes reicht ihnen nicht den Zweifel zu schüren, der sie zur Umkehr bewegt. Sie sind Knechte ihres größten Gottes, in dessen Hostie, dem Geld sie alles bemessen. Da ist kein Wert in ihrer Welt, der nicht in Geld zu bemessen wäre. Kein Leben kann gelebt werden ohne diesem Götzen zu folgen. Das Geld als heilige Hostie ihres Wahns ist ihnen das Himmelreich und der Verlust ist ihre Hölle. Darum hütet sich der Freigeist vor ihrem Glauben, der die Freiheit des Lebens verachtet und auf die Unfreiheit eines Zwecks beschränkt.

Sie achten das Ich so gering und loben das Wir so sehr, das ihnen Mehrheit das höchste Ziel, die Legitimation all ihres Handelns ist. Mehrheit und mag sie noch so sinnlos sein, reicht ihnen zur Herrschaft, sie nennen das Demokratie. Allein die Quantität ist ihr Maß, die Qualität ihnen nur Bürde. Allein die Vielzahl ist ihnen Recht genug, sich jeder Minderheit zu bemächtigen. Die Macht der Masse gibt ihnen das Recht zu richten, zu strafen und die Welt mit Tod und Vernichtung zu überziehen, um jeglichen Wert und Sinn mit ihrem Gesetz der Quantität zu überziehen. Sie erkennen nicht, dass ihre Demokratie für den der nach Freiheit strebt, nichts mehr sein kann, als die Diktatur der Vielen. Sie erfassen nicht, dass Freiheit zu wollen die Konsequenz in sich trägt, keine fremde Bestimmung zulassen zu können. Anarchie ist ihnen nicht die Freude selbst bestimmt zu sein, sondern die Angst Opfer derer zu sein, die über sich selbst zu bestimmen vermögen. Darum meidet der Freigeist die Demokratie, da er sein Ich nicht der Diktatur der Massen und ihrer falschen Götter, opfern will.

Sie, die Gemeinen leisten sich Moral. Sie ist der Prügel mit dem sie das strafen, wozu sie selbst nicht den Mut finden. Es ist ihr Knebel der ihnen verbietet zu sagen, was zu sagen wäre und es ist die Kette, die sie an den Anspruch ihrer Unfehlbarkeit zwingt. Mit nichts ließe es sich besser diffamieren und denunzieren, als mit Moral. Sie ist das Glaubensbekenntnis der Selbstgerechten, mit dem sie noch den richten, der nicht zu richten ist. Sie glauben, das sie sich ungestraft eine Moral leisten könnten und sehen nicht, dass ihre Moral sie der Lächerlichkeit preisgibt, da sie ihre bigotte Selbstgerechtigkeit offenbart. Der Freigeist meidet die Moralisten, da sie noch niemandem etwas Gutes brachten, außer sich selbst.

Ihre Gemeinschaft, heuchelt ihre Friedfertigkeit. Selbst ihre Kriege begründen sie mit Frieden. Sie nennen ihr töten und rauben, Befriedung, so wie sie glauben machen wollen, das ihre Armeen und Bomben den Frieden bringen. Doch niemals brachte Feuer das Wasser und Krieg nur immer den Krieg. Sie mögen glauben, dass ihre Kriege gerecht sein, so wie sie glauben das ihre Kriege das töten rechtfertigen. So sehen sie nicht, wer um die Erhaltung einer Ideologie tötet, stellt eine Idee über das Leben und ist der skrupelloseste aller Mörder. Sie mögen ihre Kriege verklären und ihre Mörder mit Orden zu Helden machen, doch nie werden sie die Hülle von dem Inhalt befreien, den Krieg vom Mord. Darum  entzieht sich der Freigeist dem Kriege. Es schreckt ihn nicht das töten, aber kein Leben ist so gering, dass es für die Rechtfertigung einer Idee und ihrer Ideologie, zu töten angemessen wäre.

In ihrer Gemeinschaft der Zielstrebigen sind Ziele unentbehrlich, so das all ihr handeln auf solche gerichtet ist. Sie sehen nicht, dass die Benennung eines Ziels, immer zuerst die Bestimmung eines Weges ist. Sie sehen nicht, dass die Bestimmung eines Weges, immer zuerst der Ausschluss aller anderen Wege ist. Sie erkennen nicht, dass erst die unbegrenzte Anzahl möglicher Wege, die Vielfalt des Lebens ausmacht und begrenzen diese Vielfalt durch Ziele. Der Freigeist folgt keinen Zielen, da er sich nicht zu wissen anmaßt, welche Wege die richtigen sind.

In ihrer Gemeinschaft ist der Einzelne nicht mehr als ein Werkzeug ihrer Ziele und ihr Ziel ist das immer mehr. Das Mehr ist ihr Sinn und der Mehrwert sein Ausdruck. So ist das Mehr und sein Mehrwert den Gemeinen zum Sinn ihres Lebens geworden. Arbeit ist ihre Grundlage zur Erreichung der Ziele, der kein Einzelner bedarf doch ihre Gemeinschaft braucht. Das Produkt dieser Narretei, der Mehrwert schafft erst den Wert des Einzelnen in ihrer Gemeinschaft. Es ist die Knechtschaft des Einzelnen zum Nutzen der Vielen. Sie erfinden ihre Werte aus dem nichts und nennen dieses Nichts Geld. Doch ihr Geld ist die Schuld dessen, der sich in die Knechtschaft seiner Produktivität begibt, die erst den Wert ihres Geldes begründet. Sie sehen nicht wie sinnlos ein Leben ist, wenn es seinen Sinn aus seiner Produktivität für eine Gemeinschaft erfahren muss. Wie wenig muss ihnen ein Sinn sein, wenn sie keinen eigenen finden? Wie wenig ist ihnen ihr Leben, wenn sie die Erfüllung in definierten Arbeitsabläufen finden? Wie wenig Geist ist ihnen geblieben, dass sie ohne Arbeit sich selbst zu viel werden? Wie wenig sind sie ihrer Gemeinschaft, wenn ihr Nutzen sie bemisst? Der Freigeist hält sich von Arbeit fern, da er sein Sein nicht den Zielen der Vielen opfern will.

In ihrer Gemeinschaft ist die Armut das Stigmata, an dem sie Wertlosigkeit des Einzelnen für ihre Gemeinschaft erkennen. Die Angst der Gemeinen vor der Ausgrenzung durch Armut ist so groß, dass sie sich jedem Joch unterwerfen, das sie vor dieser Ausgrenzung bewahrt. Doch nicht die Armut des Ich, nur die Armut am Mehrwert ist das was sie fürchten. Nicht wer da arm im Geiste, oder am Gemüt ist, scheint ihnen in Armut gefangen, nur der Mangel am Gelde gilt ihnen als arm. Ihr ganzes Leben mühen und plagen sie sich, nicht dieser Armut anheim zu fallen und doch ist all ihr streben vergebens, ein jeder von ihnen geht so arm wie er gekommen war. Sie raffen und horten, gieren und neiden, als könne auch nur einer von ihnen mehr als satt essen, oder in mehr als einem Bett schlafen. Je größer eines jeden Angst, vor diesem Schmerz der Armut, desto einfältiger sind seine Begründungen, dieser Armut zu entrinnen. Sie sind dem Wahn verfallen das Lebensqualität sich in Besitz bemisst und sehen nicht den eigenen Verlust an Leben, den ihr Besitz mit sich bringt. Gehetzt und geschunden an Geist und Gemüt, zermürbt auf der nie enden wollenden Flucht, vor dem permanent lauernden Abgrund der Mittellosigkeit, ist ihr Leben ein beständiges Leiden, zum Nutzen der Gemeinschaft. Sie erkennen nicht, dass viele arm sein müssen, um den Reichtum weniger zu schaffen. Sie verstehen nicht, dass erst die Mittellosigkeit vieler die Maßlosigkeit weniger ermöglicht. Der Freigeist aber, fürchtet sich nicht vor der Unbequemlichkeit der Armut, da er sich an einem Reichtum nährt, der nur in Armut entsteht.

In ihrer Gemeinschaft ist das Streben nach Anerkennung, ein nie enden wollender Akt der Selbstaufgabe. Selbst der Besitz all dessen was sie zum Leben brauchen, ist ihnen nicht Grund genug, ihrem selbst zerstörerischen Strebens Einhalt zu gebieten. Eitelkeit ist die Triebfeder ihres Wahnsinns nach immer mehr. Geschürt durch die Eitelkeit der Gemeinschaft vermag die Eitelkeit des Einzelnen kein Maß zu kennen. So ist es der drohende Verlust der Prestigehandlungen und -güter und neidbesetzten Erfolgsdevotionalien welcher ihnen so zusetzt. Sie sind die Territorialmarken ihrer Loyalitätsstandpunkte innerhalb ihrer Gemeinschaft. Sie sehen nicht wie wenig sie noch Mensch sein dürfen um Teil ihrer Gemeinschaft sein zu können. Der Preis ihres Besitzes bleibt ihnen verborgen. An jeden ihrer Besitztümer hat ihre Gemeinschaft Ketten der Solidarität zu ihr geschmiedet. So können sie nur besitzen wenn dies nach den Regeln ihrer Gemeinschaft geschieht. Jedes Gut muss von der Gemeinschaft oder ihren Vertretern erworben werden, ein Umstand den sie erreicht, indem sie einem jedem Gut das Recht der Existenz außerhalb oder ohne Zweck für sie aberkennt und alles was noch nicht erworben ist, ihrem Eigentum unterstellt. Ein Gut zu erwerben schafft weitere Unfreiheit, da es im Recht der Gemeinschaft und ihren Ansprüchen verbleibt. Der Gebrauch des Gutes ist und bleibt nur im Sinne und zum Zwecke ihrer Vorgaben der Gemeinschaft erlaubt. Hieraus schöpft die Gemeinschaft ihr scheinbares Recht jeglichen Besitz und damit auch seinen Besitzer zu kontrollieren. Sie sehen nicht, was ihr Besitz gebiert. Aus jedem Besitz ergibt sich eine Anzahl derer, die diesen Besitz nicht haben und ihn somit neiden, als auch eine Anzahl derer, die diesen Besitz nicht wollen und somit bemitleiden. Neid aber führt zu boshaften Taten, sowie Mitleid zu boshafter Hilfe führt und beides verhindert die Freiheit eines Miteinanders. Der Freigeist ist bemüht, frei und unvoreingenommen zu sein und sein Wunsch ist, dass ihm gleiches widerfahre. Daher versucht er Besitz zu vermeiden um seine Freiheit zu erhalten. Ist ein Besitz aber nicht zu vermeiden, so sucht der Freigeist ihn zu verbergen, so das der Nutzen aus ihm, nicht durch die Übel aus ihm, vergällt werden.

Sie ereifern und erzürnen sich bei Verbrechen, die ihnen wiederfahren, doch schweigen sie zu den Verbrechen die sie anderen zufügen. In ihrer Gier hat ihre Gemeinschaft hat das größte aller Verbrechen begangen. Sie hat sich an der Grundlage allen Lebens versündigt und jeder einzelne von ihnen hat an diesem Frevel profitiert. Sie haben die Erde ausgeraubt, die Luft verseucht, das Wasser vergiftet und die Welt mit den Fäkalien ihres Wohlstand überzogen. Das Ergebnis ihres Seins ist eine Kloake in der sie sich wohlig suhlen. So begleitet sie der Gestank der Verwesung ein Leben lang. Ihre Gemeinschaft ist eine Gefahr die diese Welt bedroht und doch wollen sie nicht erkennen, dass sie nur zu einer Gefahr werden konnte, weil ihre Gedanken, ja ihr ganzes streben gefährlich ist. So will der Freigeist dieser Gefahr selbst eine Gefahr sein, um nicht zu einer Gefahr für das Sein werden zu müssen.

Sie die Gemeinen bestimmen sich Vertreter und ihre Vertreter sind das, was sie sich selbst nicht trauen zu sein. So lassen sie für sich sprechen, streiten und auch regieren, auf das ihnen jeder Konflikt und jede Konsequenz erspart bleibe. Leicht kann reden, wer sein Wort nicht erheben muss. Leicht kann richten, wer nicht vollstrecken braucht und auch der Schwächste vermag zu streiten, wenn er sich nicht einsetzen muss. So ist ihre Gemeinschaft, die der großen Reden, der schnellen Urteile und des immer währenden Streits. Die Vertreter sind die Stärksten unter den Gemeinen und es ist ihnen leicht ihre Stärke zu zeigen, da es das Wesen der Vertretung ist, nicht selbst verantwortlich zu sein. So ist am Ende jeder von Verantwortung befreit. Sie erkennen nicht, dass ein Handeln ohne Verantwortung immer verantwortungslos ist. Der Freigeist aber meidet die große Reden, sowie das schnelle Urteil und den Streit, da er nicht Vertreter der Vielen sein will.

Ihre Gemeinschaft ist die der Schwäche und der Rücksichtslosigkeit. Ihr Glauben ist, dass diese Welt, allein ihrem Nutzen dient und dieser Nutzen Grund genug für jede ihrer Handlungen ist. Für sie ist Fortschritt Wohlstand und sie wähnen ihr Wohlergehen als grenzenlos. Ihre Gier ist ebenso maßlos wie die Einfältigkeit mit der sie diese rechtfertigen. Sie erkennen nicht, dass jede ihre Handlungen die Ursache für das ist, was ihnen widerfahren wird. Sie suchen den Schutz der Vielen die ihre Stärke sind und ihre Angst lähmt jeden ihrer Schritte. Ihnen ist Sicherheit das höchste Gut und die Macht ihrer Gemeinschaft das höchste Glück. Sie lieben die beruhigende Lüge und verachten die offenbarende Erkenntnis. Nichts hat ihnen soviel Recht, als das sie nicht ein höheres hätten. Keine Leben ist ihnen so wertvoll, als das ihres nicht wertvoller wäre. Keine Pflanze und kein Tier hat ihnen einen höheren Wert, als der Nutzen für sie. Nichts was ist, ist ihnen mehr als ihr Nutzen daraus. Kein Sein ist ihnen erhaben genug, als das sie es nicht glauben, es ihrem Wollen unterwerfen zu können. Wo sie sind, bleibt für alles andere nur Knechtschaft, Leiden und Tod. Sie erkennen nicht den Wahn der darin liegt und glauben an sich, als die Krönung der Schöpfung. Der Freigeist aber meidet die Gemeinschaft, da ihn ihr Wahn erbost und ihre Schwäche beschämt. Er sucht das Sein, welches unbefleckt von ihrem Treiben, die Antworten auf seine Fragen zu geben vermag.

Sie, die Gemeinen, sie sehen sich als die Sinngebenden. Alles wollen sie mit einem Sinn beseelen und so ist es immer der Sinn ihrer Gemeinschaft, mit denen die Dinge behaftet sind. Sie sehen nicht, dass ihr Sinn, den sie den Dingen geben, immer nur einem Zwecke, nämlich ihrem Ziele folgt. Sie sehen nicht, dass die Dinge schon Sinn waren bevor sie ihnen, ihren gaben. Ewig ist ihre Frage, nach dem Sinne. So haften an ihren Vorstellungen, mit denen sie ihre Realitäten befüllen, gleich so als seien ihre Vorstellungen mehr als ein Gespinst ihrer Wünsche. Sie benennen diese Vorstellungen Ideale, Ethik, Moral und Ästhetik und so wie sie wünschen, das diese Wahrheiten wären, so belegen sie diese mit Dogmen. Um nicht den Zweifel des Nichtwissens in sich tragen zu müssen, ist ihnen ein für wahr halten, schon Wahrheit genug. Sie erfassen nicht, dass ihre Vorstellungen nur beruhigendes Blendwerk sind und verstehen nicht, dass keine Wahrheit so gering ist, dass sie sie mit ihren Vorstellungen ergreifen könnten. Sie lassen nicht von ihren Erklärungen, die immer nur die der Rechtfertigung ihrer selbst, ihres Seins und ihrer Gemeinschaft sind und versuchen sie sich selbst zu erklären und mitunter auch die ganze Welt, als sei ihre Rechtfertigung die Erklärung der Dinge an sich.

Doch auch das Sein der Gemeinschaft ist begrenzt und die Schamlosigkeit ihres Tuns ist endlich. So ängstigen sich auch vor der Zeit. Die Zeit scheint ihnen zu entrinnen und droht ihrem Treiben ein Ende zu setzen. Endlos scheinen ihre Versuche das unablässige Wirken der Dinge zu messen, zu teilen, zu planen. Sie sehen ihr Leben in einem Fluss der nicht ist. Sie sehen nicht, dass die Zeit nichts ist, was sie fassen können, sondern an den Dingen haftet, die auf sie wirken. Zeit macht ihnen glauben, das die Dinge sich verändern und lässt sie nicht erkennen, das nichts sich verändert sondern unaufhörlich alles neu geschaffen ist. Sie erkennen nicht, dass Zukunft und Vergangenheit, Konstrukte ihrer Vorstellung sind, dass das Sein nur im Jetzt existiert. Alles was war, war Gegenwart als es geschah, so wie alles Gegenwart sein wird, wenn es in Zukunft geschehen wird und auch jede Erinnerung an die Vergangenheit und jede Vorstellung an die Zukunft im Jetzt geschieht. Der Freigeist aber, will der Zeit nicht entfliehen, die ihm das wirken der Dinge zu zeigen vermag und im Jetzt weder Anfang noch Ende hat.

Freigeist zu sein ist die Erkenntnis um das eigene Sein in einer Welt die als Wahrheit so absolut ist, dass sie in ihrem Umfang und ihrer Wirkung weder benennbar noch erfassbar ist.

Freigeist zu sein ist das Bekenntnis zur Realität, die als einziges Sein ist und doch nicht Wahrheit sein kann.

Freigeist zu sein, ist das Wissen um die eigene Schwäche, die das fehlende Wissen um das absolute und Ganze, mit Vorstellungen ersetzt, die keiner Wahrheit aber unseren Wünschen geschuldet sind..

Freigeist zu sein, bedeutet keinen Widerspruch in sich, aber einen Widerspruch an sich, in der Gemeinschaft.

Ich bin der, der ich bin

Heinz Sauren

Gesetz ohne Recht

Unser gesellschaftliches Leben ist geprägt von Gesetzen. Sie berufen sich auf das ihnen zu Grunde liegende Recht. Ein Recht was seine Existenz aus einer gemeinschaftlichen Annahme in Bezug auf gemeinschaftliche moralische Werte, wie Gut und Böse zieht und seinem Wesen nach dogmatisch ist und sein muss um Bestand zu haben. Die dauerhaft Aufrecht erhaltene Annahme das juristisches Recht auf tatsächlichen Rechten beruht, ist jedoch ein Trugschluss. Würde sich juristisches Recht auf tatsächliche Rechte beziehen würden sich Grundrechte, allein aus der Existenz der Individuen ergeben und wären unabhängig von Handlungen oder Ereignissen unantastbar. Diesen Anspruch erhebt zwar auch unser Rechtssystem, führt aber diesen eigenen Anspruch ad absurdum in dem es die Einschränkung von Grundrechten durch sich selbst gestattet, also von dem Verhalten des Einzelnen, der Übereinstimmung mit einem angenommenen gesellschaftlichen Konsens abhängig macht.

Der erste Grundsatz, den das Gesetz und die Vertreter des Rechtes für sich in Anspruch nehmen, ist der ihrer eigenen Legitimität, also der Berechtigung ihres Handelns und der zweite, dass sie rational, also vernünftig handeln. Allein schon die Definition gibt Aufschluss, dass diese Annahme falsch ist. Das Legitime bedarf eben so wenig einer Legitimation wie das Rationale einer Rationalisierung. Das Legitime ist in seinem Grunde legitimiert, sonst wäre es nicht legitim und das Rationale in seinem Grunde rationalisiert, sonst wäre es nicht rational. Legitimiert werden kann also nur Illegitimes, rationalisiert werden nur Irrationales. Das Gesetz, welches sich legitimiert, beweist in seinem Grunde die Illegitimität des vermeintlich Legitimierten, also seiner selbst und die Unvernünftigkeit des Anspruches selber, des vermeintlich Rationalen. Zur Herleitung eines, wie auch immer, gearteten vernünftigen Anspruches gegenüber einem Menschen sind Legitimationen nicht geeignet.

Recht und Gesetz sind eine durch den Gebrauch der Gesellschaft – ihrer Verallgemeinerung- wertlos gewordene Handlungsweisen des Menschen selbst, der unwillkürlich andere Menschen dadurch unterscheidet, dass er die Handlungen anderer Menschen in Hinsicht auf die Kompatibilität mit der eigenen Lebensweise bewertet. Haben wir dann erstmal die Handlung eines anderen bewertet, fällen wir ein Urteil über ihn und entscheiden, ob wir zum Beispiel in Zukunft mit ihm Kontakt haben möchten oder nicht. Dies geschieht im Alltag oft unbewusst und ohne Konsequenzen für den anderen, ist aber auch die Handlungsweise der Gesellschaft durch ihre Gerichte, wobei dann aber im Gegensatz zu einer persönlichen Bewertung erhebliche Konsequenzen für den Bewerteten zu erwarten sind. Diese Urteile fällen wir mit Hilfe der von der Allgemeinheit akzeptierten moralischen Werte wie Gut und Böse, aber auch Gerecht oder Ungerecht und bei Gerichten aufgrund von Gesetzen, die auf diesen allgemeingültigen moralischen Regeln beruhen. Seid unserer Kindheit wurden uns diese Werte vermittelt und ihre Gültigkeit nicht in Zweifel gestellt und doch ist die Frage erlaubt, was diese Werte überhaupt sind und ob sie wirklich allgemeingültig sind.
Böse ist der Verstoß gegen ethische und gesellschaftlich anerkannte Werte, Sitten und Bräuche, und Gut die Konformität mit eben diesen. Gut und Böse sind Parameter, nach denen das soziale Leben bestimmt wird, durch Gesetzestexte festgeschrieben und so dem kritischen Dialog entzogen, der ihre Anpassung an soziale Veränderungen ermöglichen könnte. Durch ihre Festschreibung in Gesetzen und ihre Definierung zu staatlichen Handlungen haben sie ihren Anspruch verloren ein gesellschaftlicher oder ethischer Wert zu sein, der sich nur dadurch bildet, dass diese Begrifflichkeiten sich analog allen Veränderungen der Gesellschaft neu definieren und keinen Staus Quo bilden.

Diese Verzerrungen der Festschreibungen erschweren unser alltägliches Leben und können heftigste Konsequenzen für uns haben. Bis in die 1970er Jahre zum Beispiel, war Homosexualität ein Straftatbestand, eine gesetzliche Norm die dem sittlichen Empfinden und Bräuchen des frühen 20.ten Jahrhunderts entsprach und die auch, wie damals benannt, mit mehrjährigen Zuchthausstrafen geahndet wurde. Man mag zu dieser gesetzlichen Norm stehen wie man will, aber es lässt sich nicht verleugnen, dass der gesellschaftliche Umgang mit der Homosexualität sich spätestens Mitte der 1960er Jahre grundlegend verändert hatte. Durch die Festschreibung der Norm aber, in Gesetzen und die Tatsache, dass diese dadurch viel länger existent sind als ihre Berechtigung, mussten Homosexuelle über zehn Jahre Urteile hinnehmen und verbüßen, für die es aufgrund des Wandels des gesellschaftlichen Konsens, im Grunde keine rechtliche Basis mehr gab. Nach Ansicht der Gerichte taten sie Böses. Eine Erkenntnis, die sich aus dem völlig weltfremden und einer Ideologie geschuldetem Anspruch ergibt, dass Gut immer Gut ist und Böse immer Böse. Wenn an dem so wäre, dann müsste auch das Töten anderer Menschen gut sein, da wir es die längste Zeit unserer Geschichte, aus den unsinnigsten Gründen für angemessen erachtet haben. Auch heute lässt sich bei genauem hinsehen feststellen, das Urteile gefällt werden, aufgrund anachronistischer Gesetze, die keine gesellschaftliche Basis mehr haben.

Gut und Böse sind keine feststehenden Begriffe, sondern subjektive Empfindungen als Reaktion unserer eigenen oder der Handlungen anderer und so wie jeder Mensch eine andere moralische Vorstellung hat, so hat auch jeder eine andere von Gut und Böse. Jede Standardisierung dieser Begriffe dient ausschließlich der Vereinfachung zur Kontrolle anderer.

Gerechtigkeit ist ein weiterer Anspruch, den die auf ein nebulöses Rache- und Neidempfinden degradierte Volksseele umgesetzt sehen möchte. Eine Hinterfragung der Begrifflichkeit fördert schnell zu Tage, dass auch Gerechtigkeit eine subjektive Empfindung ist, da es für uns das Empfinden ist, unsere Gut und Böse Vorstellung verwirklicht zu sehen. Wenden wir uns mit dem Wunsch an unser Staatswesen: es möge uns Gerechtigkeit widerfahren, so werden wir feststellen, dass sie uns nicht widerfährt, da das, was angewandt wird, ein anachronistischer Konsens der historischer Moralvorstellung ist, der nur wenig Bezug zu unserer Zeit und keinen Bezug zu persönlichen Moralvorstellungen hat. Dabei ist es der zeitliche Bezug zu unserer persönlichen Ethik, der ein Gerechtigkeitsgefühl erst entstehen lässt.

Auffallend bezüglich der Handhabung unserer Gesetze ist auch, dass einige Menschen Straftaten begehen und dafür milde oder keine Strafen erhalten, während andere eine wesentlich härtere Strafe erhalten. Dieser Umstand ist nicht mit dem Anspruch der Gleichheit vor dem Gesetz vereinbar und öffnet den Blick auf eine Zweiklassengesellschaft, die insgeheim von der Gesellschaft geduldet wird, ohne, dass es sie geben dürfte. Die beiden Klassen werden offenbar, wenn man die Verurteilten betrachtet. Offensichtlich ist die Höhe der Strafe nur zu einem Teil von der Tat abhängig und es besteht ein Wille auf Seiten der Rechtssprechung bei einer dieser Klassen, mehr Milde walten zu lassen. Diese Milde erfährt jemand, wenn er eine so genannte, günstige Sozialprognose hat. Das Strafmaß ist also abhängig von dem Maß der Eingliederungsbereitschaft in gesellschaftliche Normen, somit sind die Menschen, die sich aus welchen Gründen auch immer dem gesellschaftlichen Treiben und Walten entziehen, von härteren Sanktionen seitens des Staates bedroht. Das mag politisch so gewollt sein, steht aber in direktem Widerspruch zur Gleichheit vor dem Gesetz und birgt eine in sich versteckte Gefahr.

Der Staat produziert eine immer größere Anzahl von Gesetzen und Normen und verschafft sich damit den Anspruch bis in den letzten Winkel des privaten Lebens regulativ tätig werden zu können. Dennoch verfolgt er einige Verstöße gegen die aus seiner Regel- und Kontrollwut entstandenen Gesetze und Normen nicht. Diese Handlungsweise der Strafverfolgungsbehörden als oberflächlich abzutun wäre naiv und würde dem Anspruch und der Machtstellung des Staates nicht gerecht werden. Doch wofür schafft der Staat Gesetze, wenn er ihre Einhaltung nicht uneingeschränkt durchsetzt. Dieses zu verstehen ist nur möglich, wenn man sich von dem Gedanken der Gleichheit und Gerechtigkeit durch das Gesetz löst und ganz pragmatisch nach dem Sinn dieses Umstandes sucht. Nur dadurch, dass das Gesetz um eine „theoretische“ Möglichkeit der Verfolgung erweitert wird, ergibt sich ein Sinn. Diese theoretische Möglichkeit einer Verfolgung ist eine beliebte Spielart von Diktaturen, die sich ihre Kritiker möglichst leise vom Hals schaffen wollen und funktioniert sehr simpel. Man stellt eine große Anzahl von Gesetzen auf, die möglichst jeden Lebensbereich reglementieren. Dadurch wird gewährleistet, dass jeder Bürger zwangsläufig irgendwann gegen ein Gesetz verstößt, was aber nicht verfolgt wird, solange der Bürger dem Staat gegenüber keine Gefahr darstellt. Wird der Bürger nun zukünftig zu einem Problem für den Staat zum Beispiel durch Kritik oder Handlungen, die eine Gefährdung des reibungslosen Ablaufes der staatlichen Funktionen darstellen, kann er problemlos aus dem Verkehr gezogen werden. Ihm wird der Prozess gemacht wegen des Verstoßes gegen die Gesetze, gegen die er tatsächlich verstoßen hat, was ja unumgänglich war und es wird der Schein des Rechtsstaates gewahrt, da er ja nicht wegen seines konträren Standpunktes zum Staat bestraft wird.

Wir rühmen uns damit ein Rechtsstaat zu sein, in dem solcherlei Dinge nicht geschehen können, aber haben wir uns schon mal gefragt, woher wir diese trügerische Sicherheit nehmen. Per Definition bedeutet Rechtsstaat, dass staatliche Handlungen nicht der Willkür der Herrschenden folgen, sondern an die Gesetze gebunden sind. Der Anspruch ein Rechtsstaat zu sein wird im Allgemeinen dazu gebraucht zu bekunden, dass die Handlungen des Staates gerecht sind und nicht auf Unrecht beruhen. Aber auch Recht und Unrecht sind subjektive Empfindungen des Einzelnen, eine Handlungsklassifizierung der persönlichen Gut und Böse Vorstellung und der Anspruch eines Staates sein Handeln auf Recht oder Unrecht zu begründen ist, allein schon durch das Wesen von Recht und Unrecht, nicht möglich. Weiterhin wird der Ausdruck Rechtsstaat als vermeintliche Abgrenzung zu Unrechtsstaaten gebraucht. Bei genauerem Hinsehen ist aber zu erkennen, dass diese vermeintlichen Unrechtsstaaten ihr Handeln auch auf Gesetze stützen, nämlich ebenfalls ihre eigenen. Selbst das Dritte Reich war im Sinne der Definition kein Unrechtsstaat, da die Handlungen des Regimes inklusive der unsäglichen Verfolgung der Juden durch ordentliche im damaligen Deutschen Reich gültigen Gesetze legitimiert waren. Dem wird für gewöhnlich entgegen gehalten, dass es sich um einen Unrechtsstaat handelt, wenn die Gesetze nicht demokratisch legitimiert wurden. Demokratisch legitimiert würde aber bedeuten, dass die Mehrheit eines Staatsvolkes diesen Gesetzen in irgendeiner Form zugestimmt hat. Als Beispiel, dass das so nicht ist kann die Bundesrepublik Deutschland stellvertretend für die meisten Staaten dienen. Es kann doch nicht ernsthaft angenommen werden, das Gesetze demokratisch legitimiert sein, wenn wie es in Deutschland üblich ist, weniger als zwei Promille eines Staatvolkes über die Zustimmung von Gesetzen entscheidet, über die ein Großteil des Staatsvolkes im voraus nicht einmal informiert ist und keine rechtliche direkte Einflussnahme hat. Unabhängig der ideologischen Ausrichtung trifft dieses Größenverhältnis nicht nur auf die Bundesrepublik, sondern auch auf das Dritte Reich zu.

Ein Rechtsstaat ist die Selbstbezeichnung eines Staates, wenn er sich moralisch für hochwertiger als andere im Vergleich sieht. Eine Legitimation seiner Handlungen unter dem Mantel der Demokratie und der Gerechtigkeit. Das, was wir uns von einem Rechtsstaat wünschen, ist immer dann am meisten gefährdet, wenn es mit ihm begründet wird.

Der Staat sieht sich als Rechtsstaat und propagiert die Rechte des Bürgers, wissend, dass dieser sie nicht wahr nimmt und hoffend, dass er das auch in Zukunft nicht wird. Dieses versucht er dadurch zu gewährleisten, dass er, auf der einen Seite seinen Handlungen schon von vorn herein den Anschein gibt, dass ein Rechtsstaat aus sich heraus schon gerecht handle, auf der anderen Seite eine Kritik an ihm als Querulantentum oder als Ungehorsam gegenüber der Gerechtigkeit stigmatisiert und teilweise sogar kriminalisiert. Kritik und Ungehorsam ist aber die Wahrnehmung der eigenen Rechte, ein verbrieftes Recht jedes Bürgers. Wir sind für den Staat nur lenkbar, weil wir freiwillig auf unsere Rechte verzichten und uns erkanntem Unrecht willenlos beugen, da ein Einzelner vermeintlich nichts ausrichten kann. Dies ist unwahr und verkennt einen Effekt, der von jeder Staatsführung aus Furcht vor den Konsequenzen bagatellisiert wird – der Dominoeffekt. Jede große gesellschaftliche Veränderung entstand durch diesen Effekt, der in jeder Gesellschaftsform und zu jeder Zeit wirken kann. Es ist nicht entscheidend große Massen zu mobilisieren, sondern nur entscheidend bei sich selber zu beginnen das Unrecht zu erkennen und zivilen Ungehorsam zu leisten, also im Sinne des Dominoeffektes der erste Stein zu sein.

Der effektivste Weg der Wahrung eigener Rechte, ist die Wahrnehmung der eigenen Rechte. Jener, die trotz der massiven Einschränkung mittels immer neuer beschränkender Gesetze noch verblieben sind und das Ablegen des blinden Vertrauens gegenüber dem Staat und seinen Handlungen.

Der Staat agiert gegenüber seinen Bürgern mittels der Verwaltung, also der Behörden, und jedes Schreiben einer Behörde oder jede Aufforderung eines Behördenmitarbeiters, welche auf das Handeln, Dulden oder Unterlassen eines Bürgers gerichtet ist, ist ein Verwaltungsakt. Diese Verwaltungsakte lassen wir täglich über uns ergehen und hinterfragen sie nicht weiter, da sie uns als selbstverständlich vorkommen. Selbstverständlich sollten uns aber nicht die Verwaltungsakte, sondern die Rechte, die uns bei jedem Verwaltungsakt zustehen. Selbstverständlich ist nicht, dass jeder Verwaltungsakt, jede Aufforderung auf Handlung, Duldung oder Unterlassung, die von einer Behörde kommt, auch rechtmäßig ist, nur aus dem Grunde, weil sie von einer Behörde kommt. Diese weit verbreitete Obrigkeitshörigkeit führt dazu, dass ein immer größerer Teil der Verwaltungsakte unrechtmäßig ist, was durch die stetig ansteigende Zahl der gerichtlichen Widerrufung der Verwaltungsakte deutlich unter Beweis gestellt wird.

Es ist ein gesetzlich definiertes Recht jeden Bürgers gegen jeden Verwaltungsakt, und scheint er noch so unbedeutend, Widerspruch einzulegen. Dieser Widerspruch führt dazu, dass der Verwaltungsakt zuerst von einem Gericht geprüft werden muss, bevor er endgültig wirksam wird und nimmt den Behörden die Möglichkeit willkürliche Entscheidungen zu treffen. Einen rechtlichen Nachteil für den Widersprechenden gibt es nicht; im Gegenteil der Bürger sorgt auf diesem Weg für Rechtssicherheit, schützt sich vor falschen Entscheidungen, die mutwillig aber auch fahrlässig entstanden sein können und äußert seinen Willen. Tritt hier nun der Dominoeffekt ein, ist die Legislative gezwungen die Gesetze dem Wunsch der Bürger anzupassen, da sie für den Fall, dass sie das unterlässt eine noch größere Flut von Widersprüchen riskiert, welche zwangsläufig zur Lahmlegung der Behörden führt und damit den Staat handlungsunfähig macht.

Die Wahrnehmung des Widerspruchsrechtes stellt eine wirkungsvolle rechtliche Möglichkeit dar mit dem Willen eines Einzelnen oder eines ganzen Volkes die Gesetzgebung zu beeinflussen.

Wir müssen lernen Recht und Gesetz nicht an der romantisch verklärten Vorstellung der Gerechtigkeit zu bemessen, sondern durch die Betrachtung der von Recht und Gesetz gewünschten Ziele ihren Inhalt zu erkennen. Das Ziel der Rechtsprechung ist erklärter Maßen nicht die Erlangung von Gerechtigkeit, sondern die Erhaltung des Rechtsfriedens, also der angenommenen oder vermuteten Schuld- und Sühnevorstellung des Staatsvolkes. Die Erhaltung des Rechtsfriedens begründet sich aus der Sicht des Staates mit der obersten Aufgabe, die er sich selbst auferlegt hat – die Erhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Sie ist gesetzlich festgeschriebnes Ziel aller staatlichen Gewalt, ein Umstand, der unter anderem dazu führt, dass ein Staatsanwalt dadurch eine Anklage eröffnet, indem er ein öffentliches Interesse bekundet. Ziel der Rechtsprechung ist also keinen öffentlichen Unmut zu zulassen durch die Versicherung, dass jeder Schuld eine Sühne folgt. Ist also eine Straftat bekannt geworden, ist es die Aufgabe des Staates dafür Sorge zu tragen, dass auch ein Täter verurteilt wird. Mittelpunkt der Herstellung des Rechtsfriedens ist also nicht die Tatbeteiligung, sondern die öffentliche Verurteilung eines Täters. Dieses wird auch ganz unverhohlen gesagt, insbesondere dann, wenn sich nach langer Zeit ein Fehlurteil herausstellte und postum die Begründung gegeben wird. Zu damaliger Zeit war aufgrund der Aktenlage kein anderes Urteil möglich, da es im Interesse der Öffentlichkeit stand den Täter zeitnah seiner Verurteilung zu zuführen, heißt es dann. Gerechtigkeitslose Begründungen, die unter anderem auch während den RAF Prozessen üblich waren, bei denen heute bekannt ist, dass Täter verurteilt wurden, von denen bekannt war, dass sie nicht an der vorgeworfenen Tat beteiligt gewesen waren, um sicher zu stellen, dass es überhaupt eine Verurteilung gab. Der gleiche Effekt ist auch bei den Strafmaßen der Urteile zu erkennen, die immer dann höher ausfallen, wenn die Öffentlichkeit die Straftat als besonders verwerflich ansieht. Diese Ansichten eines Volkes sind aber keine moralisch berechtigten Ansprüche und oftmals von der Presse initiiert und dürften unter dem Anspruch eines Rechtssystems, das Gerechtigkeit gewährleisten will, keine Rolle spielen.

Sehen wir Recht und Gesetz als das, was es ist. Ein strafbewährtes Regelwerk, welches der populistischen Meinung einer Gesellschaft folgt, die mittels diesem ihren Status Quo erhalten will, ohne Anspruch auf moralische Inhalte seiner Normen, krankend an dem mangelnden Wissen um Gut und Böse, aber gewillt eine Gerechtigkeit zu erschaffen, die für jeden einzelnen nur Ungerechtigkeit sein kann.

Wir haben die Gesetze die wir verdienen, da wir unsere Rechte nicht schützen.