Parametärer Realismus


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Der Entwurf einer Erkenntnistheorie der Philosophie, als freigeistige Lebensphilosophie.

Vorwort

Der Parametäre Realismus, ist die Begründung einer Erkenntnistheorie der Philosophie als Grundlage einer freigeistigen Lebensphilosophie und der Versuch eine Brücke zwischen der philosophischen Abstraktheit einer Erkenntnistheorie und den pragmatischen Anwendungsmöglichkeiten einer Lebensphilosophie zu bauen. Daher steht diesem Versuch der Gedanke vor, die Formalien und die Sprache der wissenschaftlichen Philosophie, aber auch moralische und erkenntnistheoretische Dogmen weitest gehend zu vermeiden, um die Einfachheit und universeller Anwendbarkeit auf die grundsätzlichen Fragestellungen des Lebens, im Sinne einer freigeistigen Lebensphilosophie zu gewährleisten.

Der Parametäre Realismus wurde von mir im Juni 2009, als Erkenntnistheorie der Philosophie veröffentlicht. Der philosophische Ausgangspunkt war Sir Carl Popper´s, Kritischer Rationalismus, der wohl bedeutendsten philosophischen Theorie des 20.ten Jahrhunderts. Der kritische Rationalismus vermochte jedoch nur unzureichend das Phänomen der Transzendenzen zu erklären und lieferte auch in der Determinismus – Indeterminismus Fragestellung, keine ausreichend zutreffende Erklärungsmodelle. Obwohl Popper stets versuchte die Einfachheit des kritischen Rationalismus hervor zu heben, gelang es seiner Theorie nicht, sich als Lebensphilosophie zu etablieren. Der wissenschaftliche Anspruch des kritischen Rationalismus stand im Widerspruch zur universellen Anwendbarkeit einer Lebensphilosophie. Somit führte der Versuch den kritischen Rationalismus, dem Anspruch einer Lebensphilosophie anzupassen, zur Neubearbeitung der Theorie und letztendlich zu einer eigenständigen philosophischen Theorie, die ihre Wurzeln im kritischen Rationalismus fand und von den wissenschaftsphilosophischen Vorgaben einer Erkenntnistheorie gelöst ist.

Die Veröffentlichung des parametärern Realismus, führte in der philosophischen Fachwelt zu Kritik, die sich jedoch vornehmlich auf die formelle Fragestellung richtet, ob der Parametäre Realismus eine Erkenntnistheorie oder eine Lebensphilosophie im Sinne der philosophischen Begriffsbestimmung sei. Inhaltlich wurde die Theorie des parametären Realismus nicht widerlegt.

Ich stelle daher frei, die Theorie des parametären Realismus als Lebensphilosophie zu betrachten, oder sie gemäß den formalen Gesetzmäßigkeiten der etablierten Philosophie, als Erkenntnistheorie der Philosophie anzusehen.

Einleitung

Eine philosophische Erkenntnistheorie beschreibt, nach welchen Gesetzmäßigkeiten menschliche Erkenntnis erfolgt und bestimmt dadurch was mit menschlicher Erkenntnis erfassbar ist. Eine Lebensphilosophie soll die individuellen Fragen des Lebens beantworten helfen. Die erkenntnistheoretische Fragestellung, was überhaupt für den Menschen erkennbar sein kann, hat in der Lebensphilosophie eine untergeordnete Bedeutung, da für die Lebensgestaltung nicht eine hypothetische Möglichkeit bestimmend ist, sondern die Benennung des Sinnvollen, in Bezug auf das tatsächlich machbare entscheidend ist. Durch die unüberschaubare und unbegrenzte Anzahl hypothetisch möglicher Wege und Antworten zu einer Fragestellung, ist für eine Lebensphilosophie die Negativabgrenzung entscheidend. Die sinnvolle Beantwortung einer Fragestellung wird nicht von objektiv richtigen Antworten geprägt, sondern von der Vermeidung offensichtlich falscher Antworten. Eine Erkenntnistheorie beschäftigt sich mit der Unbegrenztheit aller theoretisch möglichen Antworten, während sich eine Lebensphilosophie auf die Vermeidung, der für unsere Lebensführung falschen Antworten richtet. Beide schließen sich nicht gegeneinander aus, sondern bedingen einander, einzig die Gewichtung ist eine andere.

Leitsätze des Parametären Realismus als Erkenntnistheorie.

– Es gibt drei Ebenen der menschlichen Erkenntnis:

Wahrheit, Realität und Vorstellung.

– Die menschliche Erkenntnis folgt drei Grundlagen.

1. Wahrheit ist absolut und als solche mit menschlicher Erkenntnis nicht erfassbar.

2. Realitäten sind mit menschlicher Erkenntnis erfassbare Anteile von Wahrheiten.

3. Vorstellungen sind individuelle Beiordnungen zu Realitäten.

Leitsatz des Parametären Realismus als Lebensphilosophie

Menschliche Erkenntnis beschreibt immer Vorstellung, selten Realität und niemals Wahrheit.

1. Unwahrheiten führen zu Wahrheiten, offenbaren diese aber nicht.

2. Jede Erkenntnis ist individuell und nicht übertragbar.

3. Nichts ist das, was es zu sein scheint.

Definition des Parametären Realismus

„Alles Sein ist Wahrheit. Wahrheit ist indeterministisch und absolut. Sie umfasst alles Seiende und ist mittels menschlicher Parameter, aufgrund derer Begrenztheit nicht erfassbar.

Realitäten sind mittels menschlicher Parameter erfassbare, deterministische Anteile von Wahrheiten. Definitionen und Regelwerke beziehen sich auf Realitäten und beschreiben ausschließlich den deterministischen Anteil von Wahrheiten. Vorstellungen sind idealistische, ethische, ästhetische und emotionale Beiordnungen zu Realitäten. Erkenntnis ist das Erfassen von Teilauszügen der Wahrheiten, die auch vor aller Erkenntnis und unabhängig von ihr vorhanden sind. Ontologische, allgemeingültige und verifizierende Aussagen sind aufgrund beständig wirkender, nicht erfassbarer absoluter Wahrheiten, nicht möglich.“

Beschreibung des Parametären Realismus und seine Folgen für die Erkenntnis.

Die Definition des Parametären Realismus, setzt einige als selbstverständlich angenommene Annahmen außer Kraft und ersetzt diese durch solche, die eine unverfälschtere Sicht auf die Dinge ermöglichen. Der Parametäre Realismus setzt sich aus den Begriffen, Parametär und Realismus zusammen, wobei Parametär die Bestimmung ist, dass menschliche Erkenntnis, abhängig von den Parametern der Sinneswahrnehmung ist und Realismus als die Lehre der Ansicht, nach der es Wahrheiten, unabhängig der menschlichen Wahrnehmung gibt, die als tatsächlich existierend zu anzunehmen sind.

Die erste Grundlage menschlicher Erkenntnis ist sein bestimmenster Mechanismus, das streben nach Wissen. Wissen welches die Welt und ihre Zusammenhänge erklärt und damit das Leben vereinfacht. Doch Wahrheit ist absolut, sie ist, oder sie ist nicht, unabhängig dessen ob menschliches Wissen zu ihr besteht oder nicht. Wahrheit ist jetzt, sie war nicht gestern und wird morgen nicht sein. Diese absolute Aussage zur Wahrheit beruht auf der Erkenntnis, das Zeit und damit Vergangenheit und Zukunft ein Produkt der Vorstellung ist. Es ist eine unrichtige Ansicht, dass es Wahrheiten gegeben hat und zukünftig Wahrheiten geben wird. Alles was nach menschlicher Vorstellung in der Vergangenheit liegt, war als es geschah Gegenwart, sowie auch die Erinnerung die wir an die Vergangenheit haben, in der Gegenwart geschieht. Das gleiche gilt für die Zukunft. Alles was in der Zukunft geschehen wird, wird Gegenwart sein, wenn es geschieht, sowie alle Gedanken und Vorstellungen die wir zur Zukunft haben, im jetzt, also der Gegenwart geschehen.

Wahrheit das tatsächliche Sein der Dinge im jetzt, sie ist unteilbar, nicht erfassbar und indeterministisch. Indeterminismus bedeutet das eine Entität selber, in ihrer Begründung, ihrer Interaktion oder ihrer Wirkung nicht ausschließlich kausalen Gesetzmäßigkeiten folgen muss, sondern diese auch ganz oder teilweise nicht kausal oder rein zufällig sein können. Die Annahme das Ursache und Wirkung, die Kausalität zwingend ist, ist unrichtig. Indeterminismus bedeutet nicht, dass eine Nichtkausalität oder Zufälligkeit, umfassend oder zwingend in einer Entität vorliegen muss, aber sie kann es in einem unbekannten Anteil. Daher ist mangels Überprüfbarkeit und der gebotenen Wahrscheinlichkeit, bei allen Entitäten voraus zu setzen, dass sie indeterministisch sind. Aufgrund der deterministischen Parameter der menschlichen Wahrnehmung ist die menschliche Erkenntnis auf den deterministischen Teil, unserer Wahrnehmung begrenzt, was dazu führt, dass die von Menschen wahrgenommene Welt immer nur den kausal begründbaren, den deterministischen Teil einer absoluten Welt wieder gibt. Menschliche Wahrheiten sind Teilwahrheiten die dennoch nicht Wahrheit sein können, da sie um dieses zu sein, nicht nur einen Teil sondern alles sie begründende und umfassende einschließen müssten.

Alles Seiende ist in seinem Grunde und im Ganzen indeterministisch, während menschliche Erkenntnis, sich auf den deterministischen Anteil des Seienden, dem kausal begründbaren begrenzt. Wissenschaftliche Theorien und ihre Regelwerke, sind Beschreibung des Zustandes und der Interaktion von Realitäten, dem deterministischen Anteil eines Ganzen. Durch die Unmöglichkeit der Beschreibung der indeterministischen Anteile von Entitäten, sind sie ohne ontologischen Wert oder Allgemeingültigkeitsanspruch, der sich nur aus der Kenntnis um das gesamte Seiende begründen ließe.

Es ist davon auszugehen, dass alles uns Umgebende, im größten Teil seines Seins und seiner Wirkung nicht kausalen Zwängen folgt, oder das Produkt des reinen Zufalls sein kann und sobald wir damit für uns erkennbar in Berührung kommen, wir nur den erfassbaren, kausal begründbaren Teil erfahren. So lässt sich für alles Seiende sagen, das es in seinem Grunde nicht mit menschlicher Erkenntnis begründbar oder verifizierbar ist und alles was für uns erfassbar ist, in seinem weiteren Verlaufe, seine Begründbarkeit und Verifizierbarkeit verlieren wird.

Der Parametäre Realismus benennt Wahrheiten, als unabhängig und vorab menschlicher Wahrnehmung existierend und als solche absolut. Wahrheit umfasst die Menge aller tatsächlichen und möglichen Entitäten, also alles Seiende, seine Zustände, Umstände und Wirkungen. Sie beinhaltet den erfassbaren deterministischen Anteil, als Materie, Energie, sowie biologischer Strukturen und Aktionen aller lebenden Wesen und Artefakten als materielle Substrate menschlicher Kreativität, aber auch einen nicht erfassbaren indeterministischen Anteil. Die Größe des indeterministischen Anteils an dem Erfassbaren ist nur annähernd zu bestimmen. Angenommen werden kann diesbezüglich, dass im gesamten Universum ähnliche Grundvorgaben gegeben zu sein scheinen. Nach aktueller Erkenntnislage der Wissenschaft beträgt der indeterministische Anteil des Universums circa siebzig Prozent. Der größte Teil des Universums scheint weder kausal begründbar zu sein, folgt nicht naturgesetzlichen Zwängen und ist weder messbar noch erfassbar. Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen dunkle Materie und Energie und es ist davon auszugehen, dass dieser Anteil auf unserem Planeten, als Teil dieses Universums, nicht wesentlich anders ist. Somit sind siebzig Prozent dessen, was eine Wahrheit ausmacht, außerhalb menschlicher Erkenntnismöglichkeiten.

Obwohl Wahrheiten indeterministisch sind, stellen sie den Ursprung und die Ursache jeder Erkenntnis dar. Nur durch den tatsächlichen oder angenommenen Bezug auf Wahrheiten ergeben Erkenntnisse einen Sinn. Alle Entitäten sind Wahrheiten und als solche absolut. Eine Wahrheit ist ein tatsächlicher Zustand in seinem absoluten Umfang. Tatsächlich ist ein Zustand in seinem absoluten Umfang, wenn alle ihm zugehörigen Sach-, Zu- und Umstände sowie Wirkungen und Interaktionen, unabhängig eines betrachtenden Systems oder der Möglichkeit der Betrachtung, exakt definiert sind. Eine Wahrheit ist, oder sie ist nicht. Durch die ungeheure Komplexität aller, die Wahrheit beinhaltenden und beeinflussenden Faktoren sowie ihr indeterministischer Anteil, ist sie mit Parametern menschlicher Erkenntnis nicht erfassbar.

Grundlage menschlicher Erkenntnis ist die Realität. Realitäten sind der mit menschlichen Parametern wahrnehmbare Anteil der Wahrheiten. Die Erfassung von Realitäten geschieht unmittelbar durch die Wahrnehmung, oder mittelbar durch technische Hilfsmittel oder kognitive Leistung. Realitäten sind ein realistischer, aber begrenzter Anteil der Wahrheiten, wobei sie durch den unbekannten indeterministischen Anteil der Wahrheiten, keine gesicherten Rückschlüsse auf die den Realitäten zu Grunde liegenden Wahrheiten, weder in Qualität noch in der Quantität zulassen. Obwohl nur als Teilauszug von Wahrheiten in unserer Wahrnehmung existent, stellen sich Realitäten dem Bewusstsein als umfassende und tatsächliche Welt da. Der in einer Realität noch wahrnehmbare Anteil der absoluten Wahrheit ist abhängig, von dem deterministischen Anteil der Wahrheit selber, aber auch der persönlichen Sensorik und kognitiven Leistungsmöglichkeiten des erfassenden Individuums. Realitäten sind individuelle Erkenntnisse ohne Allgemeingültigkeitsanspruch. Erkenntnisse basieren auf der Wahrnehmung von Realitäten, sowie ihre individuelle kognitive Verarbeitung. Erkenntnis ist nicht ein Erschaffen, Erzeugen oder Hervorbringen, also nicht etwas vom Menschen erstelltes, sondern ein Erfassen von etwas, das auch vor aller Erkenntnis und unabhängig von ihr vorhanden ist, wobei es nur möglich ist Erkenntnisse über Teilauszügen der Wahrheiten, aber nicht über die Wahrheiten selbst zu erlangen. Ontologische oder verifizierende Aussagen zu Wahrheiten sind daher nicht möglich. Verifizierungen in Bezug auf Teilwahrheiten, den Realitäten sind möglich, wenn aus ihnen kein Bezug auf eine Wahrheit hergestellt und das Ergebnis und dem Vorbehalt der Unrichtigkeit gesehen wird.

Wahrheit hat eine höhere Komplexität als der Teilauszug aus ihr, die Realität. Zur Erklärung eines Umstandes oder Vorganges, gleich welcher Komplexität, bedarf es eines Systems höherer Komplexität als das zu erklärende. Somit gilt: Realitäten sind bedingt durch Wahrheiten, aber nicht durch sie begründbar. Realität erklärt nur begrenzt die Wahrheit, wobei nicht bestimmbar ist, in welchem qualitativen und quantitativen Umfang die Realität die Wahrheit beschreibt, oder selbst erfasst werden kann.

Der parametäre Realismus besagt, dass jede Erkenntnis zwingend ein Produkt individueller Parameter ist und beinhaltet damit ein Individualitätsprinzip, wonach Erkenntnisse nur unter Berücksichtigung des individuellen Standpunktes und mittels individueller, nicht übertragbarer Lösungswege möglich sind. Die Individualität des Standpunktes gebietet, dass gleiche Lösungswege aus unterschiedlichen Standpunkten, zu differenten Erkenntnissen führen. Dies lässt sich am einfachsten mit zwei Schiffen verdeutlichen, die ihre Fahrt in unterschiedlichen Häfen beginnen. Legen sie beide den gleichen Kurs auf ihrem Kompass an, erreichen sie unterschiedliche Zielorte. Jedes der beiden benötigt einen unterschiedlichen Kurs, oder Lösungsweg um den gleichen Zielort zu erreichen. Das Individualitätsprinzip verdeutlicht die Problematik der etablierten Lern- und Erkenntnissysteme, bei denen die Lösungswege statisch sind und die zu vermittelnde Erkenntnis, unter Vernachlässigung der differenten Ausgangspunkte, erreicht werden soll. Das Individualitätsprinzip begründet sich durch die Unterschiedlichkeit der Wahrnehmungsparameter und der kognitiven Fähigkeiten sowie der informellen Verarbeitung, also der Wahrnehmungen und Darstellung. Diese Unterschiedlichkeit basiert auf dem genetisch bedingten, differenten Aufbau des Wahrnehmungsapparat und des Gehirns, mit seinen individuell erlernten Verarbeitungsmustern, die sich als neuronale Netzwerke, aus der Summe aller persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen bilden. Als Folge dessen, führen gleiche Grundannahmen durch individuelle Wahrnehmungen und kognitive Verarbeitung, immer zu differenten Darstellungen. Das ist das Prinzip des menschlichen Lernprozesses. Dieses Prinzip ist bestimmt durch eine immer größere Anzahl von Wahrnehmungen, die kontinuierlich die individuellen Verarbeitungsmuster verändern und dadurch zukünftige einzelne Wahrnehmungen unterdrücken oder verstärken. Dieser fortlaufende Prozess beschreibt die Qualität des menschlichen Lernens. Die Quantität ergibt sich aus der genetischen Vorgabe, die eine biologische Grundlage der neuronalen Netze sichert. Das Individualitätsprinzip besagt das menschliche Erkenntnis nicht gelehrt werden kann, da Lösungswege nicht übernommen werden können und somit Erkenntnis das Ergebnis eines individuellen aus freiem Willen beschrittenen Lösungsweges ist.

Die dritte Grundlage der menschlichen Erkenntnis ist die Vorstellung. Vorstellungen sind Konstrukte kognitiver Leistung, sie haben einen umfänglichen und bekannten Bezug zu unserem Alltagsleben. Es sind bestimmende Wertungen. Bereiche der Vorstellung sind kollektive Normen, wie Gesetze und Moral, aber auch ästhetische Vorstellungen, ethische Ansichten und idealistische, religiöse oder wissenschaftliche Theorien und Regelwerke. Vorstellungen entstehen im menschlichen Bewusstsein, durch subjektive oder emotionale Erkenntnisse.

Vorstellungen die wir direkt aus der Wahrnehmung der Realitäten ableiten sind Realitätserkenntnisse und als solche subjektiv, da die ihnen zu Grunde liegenden Realitäten bereits subjektive Erfassungen von Teilen absoluter Wahrheiten sind. Sie sind die Basis der Wissenschaften. Vorstellungen die wir auf die Erwartung zu den Dingen oder ihren Abläufen richten, sind Emotionalerkenntnisse, da wir sie nur bedingt den Realitäten entnehmen und sind ihrem Inhalt nach, die Darstellung von Wünschen. Vorstellungen können weder einen Wahrheits-, noch einen Allgemeingültigkeitsanspruch in sich tragen. Sie sind ein Konstrukt kognitiver Leistungen einzelner Menschen zu dem Zweck, die empfundene Unvollkommenheit zwischen nicht erfassbarer Wahrheit und erfassbarer Realität zu füllen. Die Tatsache das Vorstellungen entwickelt werden können, ist ein sicheres Indiz für die Lücke zwischen Wahrheit und Realität. Aus dem Wunsch das eigene Handeln, mit den tatsächlichen Gegebenheiten, in Einklang zu bringen, entsteht die Neigung, die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit nicht beständig hinterfragen, Das Ergebnis sind Dogmen. Die dadurch entstehende selbst auferlegte Erschwerung der Erkenntnisgewinnung, aus Gründen der Vereinfachung der Lebensgestaltung, ist das größte Hindernis auf dem Weg zur Erlangung von Erkenntnissen.

Der Mensch agiert in einer Welt, in der das ihn umgebend Existierende, die Wahrheiten und die davon ausgehenden Wirkungen auf ihn, in seiner Erkenntnis zu einem großen Teil verborgen bleiben. Dies steht nicht im Widerspruch zu seiner Existenz, sondern ist Folge der evolutionären Prozesse, die ihn zu dem machten, was er ist und für die keine Notwendigkeit bestand ihn mit der Möglichkeit von Wahrnehmungen auszustatten, die für seinen Fortbestand als biologische Spezies nicht zwingend sind.

Dennoch haben die evolutionären Prozesse dem Menschen die Befähigung der Erlangung von Erkenntnissen gegeben. Diese phänotypische Besonderheit, ist nicht nur das, was die Interaktion mit der Welt ermöglicht, sondern auch der evolutionäre Auftrag, den es zu nutzen gilt um den Fortbestand zu sichern. Nach Erkenntnis zu streben ist nicht Aufgabe Weniger, sondern wesentlicher Anspruch an menschliches Leben generell. Innerhalb der begrenzten, biologischen Parameter, die die Grenzen der Notwendigkeiten zur Erhaltung des Ichs und des Phänotypen Mensch beschreiben, folgt die Möglichkeit der Erlangung von Erkenntnissen evolutionären Gesetzmäßigkeiten.

Daher ist Erkenntnis kein kollektives Erlebnis, oder ein gemeinschaftlicher Vorgang, sondern ein individueller Akt evolutionärer Entwicklung, der wie jeder andere evolutionäre Prozess, durch Selektion innerhalb der Interaktion mit vielen anderen, erst rückwirkend als erfolgreich bezeichnet werden kann. Bedingung für diesen evolutionären Prozess und seinem Erfolg ist eine möglichst große qualitative und quantitative Unterschiedlichkeit der individuellen Erkenntnisse, die der Interaktion frei gegeben werden. Erkenntnis ist aus evolutionärer Sicht zwingend individuell um die Selektion zu ermöglichen. Kollektive, gemeinschaftliche oder statisch erhaltene Erkenntnis steht in direktem Widerspruch zu den grundsätzlichsten Ansprüchen menschlicher Entwicklung. Die individuelle Erkenntnis ist aus evolutionärer Sicht die Prämisse menschlichen Seins. Gemeinschaften sind kollektive Zweckbündnisse zur Erhaltung oder Abwehr von Umständen und müssen terminiert sein, um den evolutionären Auftrag der individuellen Erkenntnisgewinnung nicht zu gefährden, der innerhalb dieser nur begrenzt, oder nicht möglich ist.

Die Grenzen menschlicher Erkenntnis sind von den biologisch definierten Parametern der Wahrnehmung und des strukturellen Aufbaus des Gehirns, als Verarbeitungsorgan der Wahrnehmung vorgegeben. Solange wir Erkenntnisse machen, bewegen wir uns innerhalb dieser Parameter. Indeterministischen Entitäten selbst oder deren indeterministische Anteile, liegen außerhalb dieser Parameter und sind für menschliche Erkenntnis unzugänglich. Daher wären sie auch, wenn wir solche Erkenntnisse theoretisch machen könnten, für uns irrelevant, da wir kein Bezugs- oder Verarbeitungssystem für sie hätten. Wir würden also Erkenntnisse machen, ohne sie als solche erkennen oder nutzen zu können.

Ohne uns dessen bewusst zu werden, geht von den indeterministischen Entitäten und indeterministischen Anteilen von Entitäten durch permanente Interaktion eine Wirkung auf aus. An der Grenze zwischen Wahrnehmbarem und auf Grund zu großen indeterministischen Anteils, nicht mehr Wahrnehmbarem, kommt es zu transzendenten Phänomenen. Ein transzendentes Phänomen tritt auf, wenn eine Entität mit einem nach unserem Erfahrungsmuster unverhältnismäßig kleinen deterministischen Anteil auf uns einwirkt und wahrgenommen wird und somit einen Reiz hervorruft, ohne einen ausreichend großen deterministischen Anteil zu haben, um innerhalb unserer Parameter der Wahrnehmung zugeordnet werden zu können. Wir erkennen also ausschließlich eine Wirkung, die keine kausalen Ursachen zu haben scheint. Im Alltagsleben kennen wir dieses Phänomen, wenn wir plötzlich ein untrügliches Gefühl für etwas haben, welches sich dann später oft als zutreffend heraus stellt, aber zu dem Zeitpunkt, als wir es empfanden, keine Ursache dafür ersichtlich war. Transzendente Phänomene sind beständige Realität unseres Lebens und die Häufigkeit ihres Auftretens ist keiner übergeordneten Macht geschuldet, sondern das Ergebnis der parametären Vorgaben des Individuums.

Im Gegensatz dazu sind paranormale Phänome nicht indeterministischer Natur, sondern erfassbare aber unbekannte Entitäten, die wir innerhalb unserer Erfahrungsmuster und Erkenntnisse nicht zuordnen können.

Der Übergang zwischen indeterministischen und deterministischen Anteilen der Entitäten erscheint durch die parametäre Begrenztheit der Wahrnehmung als chaotisch. Dieses Chaos ist Teil jeder Entität, jedes Zustandes und jeder Wirkung. Das Chaos wird von uns entgegen seinem tatsächlichen Zustand als chaotisch wahr genommen, durch den bestehenden Anteil des deterministisch Erfassbaren, der durch Interaktion mit dem indeterministisch nicht Erfassbaren, nicht kausalen Gesetzmäßigkeiten folgt. Aus diesem Grunde ist die Annahme, einer Möglichkeit zur Darstellung des Chaos mittels nichtlinearer Gleichungen unzutreffend, da auch nichtlineare Gleichungen nur den deterministischen Anteil des Chaos beschreiben, während der indeterministische Teil, nicht erfassbar bleibt.

Aufgrund der Unmöglichkeit der Wahrnehmung des Ganzen, des Absoluten, was jede Wahrheit ausmacht, fehlt auch der Ontologie, als der Suche nach dem eigentlich Seienden, also den Wahrheiten, in ihrem Grunde die Berechtigung. Insofern man die Metaphysik als Erklärung zur Systematik der Annäherung an indeterministische Anteile der Entitäten ansieht, hat sie ihre Daseinsberechtigung zur Erklärung prä-, oder postchaotischer Systeme.

Anspruch der Wissenschaft kann nicht das Erkennen von Wahrheit, sondern nur die zuverlässige Beschreibung der Realitäten sein. Wissenschaft hat nur dann einen ausreichenden Realitätsbezug, wenn sie sich ontologischer Aussagen enthält und die temporäre Begrenzung ihrer Theorien und Modelle, mittels beständiger Falsifikation, explizit in ihren Thesen sicherstellt und somit Dogmen vermeidet. Folgen wir dem weit verbreiteten Allerklärungsanspruch der Wissenschaften, erliegen wir einem Zerrbild des Glaubens alles wissen zu können, geprägt zum einen durch monotheistische Glaubensbekenntnisse die dem Menschen eine herausragende Stellung zu sprachen, als auch durch die Epoche der Aufklärung, die dem Menschen durch scheinbar unbegrenzte wissenschaftliche Erkenntnisse, die Fehleinschätzung der theoretisch möglichen Allwissenheit suggerierte.

Das Ergebnis dieser Fehleinschätzung zeigte, das Vorstellungen nur Hilfsmittel der Erkenntnis sein können, die sobald sie mit Hilfe von Ansprüchen verfestigt werden, den menschlichen Erkenntnisgewinn erschweren, oder je nach Grad der Dogmatisierung verhindern.

Regelwerke, gleich welcher Art sind keine universellen oder unveränderlichen Größen, oder haben für die Entitäten keine bestimmender Wirkung. Naturgesetze sind, aus den Interaktionen der Entitäten abgeleitete Regelwerke der menschlichen Erkenntnis, die sich aus den Beschaffenheiten der Entitäten und ihren Interaktionen erfassen lassen und nicht bereits vor diesen existent. Naturgesetze sind auch dadurch als deterministisch erkennbar, weil sie als Wirkung, der Ursache Entität folgen. Es macht keinen Sinn anzunehmen, dass direkt nach dem Urknall, vor Entstehung der Atome bereits ein Naturgesetz bestand, welches die Chromosomteilung von Eichhörnchen regelt. Dennoch würde die Annahme ewig bestehender Naturgesetze dieses gebieten. Bestimmende und beständige Naturgesetze sind nur in rein deterministischen Gedankenmodellen denkbar, die den Zufall als Ereignis ohne Wirkursache ablehnen. Nach diesem Modellen wäre weder der Kasimir-Effekt der Quantenmechanik, die plötzliche, ohne Wirkursache, Entstehung von Teilchen nicht erklärbar, als auch der Mensch seines freien Willens beraubt, da er nur auf Wirkungen reagieren könnte, die seine Reaktion vorschreiben würden..

Durch das Individualitätsprinzip und die Unmöglichkeit von Wahrheits- und Allgemeingültigkeitsansprüchen, sind Prämissen der Kern aller menschlichen Erkenntnis. Prämissen sind individuelle Regelwerke die vorab jeder gemeinschaftlichen oder allgemeingültigen Norm ihre Gültigkeit und Anwendung finden. Sie stehen in Übereinstimmung mit den evolutionären Vorgaben des Menschseins und basieren auf Werten, die durch persönliche Erkenntnisse, auf der Basis der individuellen Parameter der Wahrnehmung und ihrer kognitiven Verarbeitung, erfasst wurden. Ein Leben nach den Maßgaben der eigenen Prämissen, ist der Garant für ein Leben im Einklang mit sich selbst und den Dingen an sich.

Der parametäre Realismus liefert keine ontologischen Aussagen und ist in diesem Sinne keine klassische Erkenntnistheorie der Philosophie. Durch seinen Aufruf der Bewusstwerdung des Nichterkennens bietet er ein generelles Arbeitsmodell zu philosophischen und wissenschaftlichen Fragestellungen und ist somit Lebensphilosophie.

Als Lebensphilosophie fordert der Parametäre Realismus dazu auf, sich zum Nichtwissen um Wahrheiten zu bekennen und damit nicht nach Wahrheiten zu suchen. Das denken und handeln sollte nicht darauf gerichtet sein, das richtige zu tun, sondern das falsche zu erkennen. Dies ist kein Weg zur Wahrheit, bringt aber durch Ausschluss möglichst vieler Unwahrheiten dieser näher.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren

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2 Kommentare zu “Parametärer Realismus”

  1. >Durch seinen Aufruf der Bewusstwerdung des Nichterkennens<… danke, kann das alles nachvollziehen und finde es sehr stimmig.

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