Existenzrechte


Grundrechte ergeben sich aus einem gesellschaftlichen Konsens und gelten innerhalb von Gesellschaften, die sich zu diesen verpflichtet haben. Sie sind von Gesellschaften abhängig und durch sie bedingt. Fälschlicher Weise sind viele Gesellschaften dazu über gegangen einige Rechte als Grundrechte zur gesellschaftlichen Disposition zu stellen. Es sind die Rechte auf Wasser, Nahrung, Bleibe und ein selbst bestimmtes Leben. Doch diese sind keine Grundrechte, es sind Existenzrechte und sie bestehen unabhängig und vorab allen gesellschaftlichen Grundrechten.

Alles was ist, hat aus sich heraus, allein durch das Sein, einen unveräußerlichen Wert in seiner Existenz, unabhängig des Bezuges auf, oder der Interaktion mit Anderem. Dies ist der Wert der Dinge an sich und als solcher, mit menschlichen Parametern, weder erfassbar noch benennbar.

Ein großer Teil der Menschheit besitzt kaum mehr als die Kleidung, die am Körper getragen wird und doch gibt es kein Wert, kein Gut und kein Stück Boden auf welches nicht irgendjemand einen Besitzanspruch erhebt, mehr noch die zwangsläufige Nutzung der meisten die kein Boden besitzen, sich bezahlen zu lassen. Es ist eine physische Zwangsläufigkeit auf dem Boden zu gehen, zu wohnen und leben zu müssen, der irgendjemanden gehört und mit Verpflichtungen belegt ist. Verpflichtungen, die für die allermeisten Menschen ein unabwendbarer Zwang und nicht das Ergebnis einer Zustimmung sind. Es ist eine Absurdität, dass dadurch, allein die physische Existenz eines Menschen Gebührenpflichtig ist. Jedes Tier, jede Pflanze hat einen Ort an dem es Leben kann und auch jedem Menschen steht ein solcher Ort zu. Das Natur gegebene Recht auf Leben, welches uns allen per Geburt verliehen wurde, macht wohnen zu einem Existenzrecht.

Nahezu eine Milliarde Menschen auf diesem Planeten hungern oder dursten in Lebensgefahr, eine weitere Milliarde Menschen  hungert oder durstet regelmäßig und schätzungsweise weitere zwei Milliarden Menschen hungern oder dursten gelegentlich, auch in Europa und in Deutschland. Es ist mehr als die Hälfte der gesamten Menschheit die Hunger oder Durst kennt und sie hungern oder dursten nicht, weil keine Nahrung oder kein Wasser vorhanden wäre, sondern weil die Nahrung und das Wasser nur einigen wenigen gehört, die diesen Mangel mit Profit verwalten. Wie wollen wir einem hungernden Menschen, einem nach Wasser schreienden Tier erklären, das es ihnen nicht erlaubt ist zu essen und zu trinken, bevor dieses bezahlt wurde und weiter zu hungern und zu dursten, wenn sie nicht zu dem privilegierten Teil der Menschheit gehören, der über ausreichend Geld verfügt. Essen und trinken sind keine Sucht, kein Laster und schon gar kein Luxus. Essen und trinken ist eine biologische Notwendigkeit um die eigene Existenz zu erhalten. Was macht uns eigentlich glauben, das die reine Bewahrung vor dem Tod, Gebührenpflichtig sein muss, überhaupt sein darf? Jedes Tier, jede Pflanze und auch jeder Mensch hat den Willen und das Recht sein Leben zu erhalten. Nahrung und Wasser ist ein Existenzrecht.

Ein weiteres Recht gehört zu den Existenzrechten, als ein Mindestmaß zivilisatorischer Errungenschaft. Das Recht auf ein selbst bestimmtes Leben. Dieses Recht umfasst in erster Linie die Möglichkeit auf eine eigene, nicht fremdbestimmte Lebensgestaltung. Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit gehören hierzu, wobei Selbstbestimmung gegeben ist, wenn das eigene Leben betreffenden Entscheidungen frei und ohne Zwang, also ohne eine wirtschaftliche, rechtliche oder moralische Notwendigkeit, getroffen werden können und diese Eigenverantwortlich, also die Konsequenzen selbst tragend und verantwortend, getroffen werden. Dies beinhaltet auch immer, das Recht falsche Entscheidungen treffen zu können und Schaden an sich selbst zu nehmen, sowie das Recht am eigenen Sterben, als Konsequenz des eigenen Lebens. Weiterhin beinhaltet das Recht auf ein eigenes Leben, die Möglichkeit frei zu wählen, ob man an einer Gemeinschaft teilhaben möchte, oder eine andere wählt. Keine Gesellschaft hat das Recht die Teilnahme an ihr zu erzwingen, da jeder Zwang fremdbestimmt ist. Die Zwangsteilnahme in einer Gesellschaft mittels Geburt, nötigt unter das Regelwerk der Gesellschaft und ist somit die Fortsetzung der Sklaverei mit völkerrechtlichen Mitteln.

Existenzrechte können nicht verliehen werden, sie bedürfen weder einer Zustimmung noch einer Legitimation. Jede Einschränkung dieser Rechte ist ein Gewaltakt gegen das Leben und die Vorenthaltung der Existenzrechte sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Durchsetzung der Existenzrechte ist der vornehmste Anspruch an jede zivilisierte Gesellschaft und oberste Aufgabe jeder ernst zu nehmenden Regierungsform.

Welche Grundrechte eine Gesellschaft ihren Teilhabern einräumt ist das Ergebnis eines Prozesses des Widerstreites verschiedener Interessen innerhalb dieser. Die Durchsetzung der Existenzrechte ist dem entgegen nur einem Interesse geschuldet, dem Leben, es ist werde durch Gesellschaften gegeben noch auf sie beschränkt. So kann auch die Durchsetzung der Existenzrechte weder verurteilt noch geahndet werden, da sie keinen gesellschaftlichen Regeln unterliegt, von diesen nicht einmal erfasst werden können, da sie bereits vorab jeder gesellschaftlichen Regel gegeben sind.

Das in den meisten Gesellschaften fehlende Zugeständnis zur Unantastbarkeit von Existenzrechten, würde zwangsläufig zu zwei Alternativen führen.

Entweder die Freistellung des Bodens, des Wassers und der Nahrung zur freien Nutzung, was einem weltweiten Wirtschaftskollaps gleich käme und das Tor zu einer neuen Gesellschaft öffnen würde, oder aber man möchte ein solches Ereignis nicht einleiten, die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens und der weitgehenden Erhaltung des Wirtschaftssystems.

Durch die rasende Ausweitung der Missstände ist die Einleitung der Alternativen, nicht nur zwingend notwendig, sondern auch kurzfristig nötig.

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