Kinder – unsere Zukunft


Ein altes Sprichwort sagt: „Kinder sind unsere Zukunft“.

Diesem Sprichwort kann wohl jeder zustimmen. Der Umgang mit unseren Kindern offenbart uns unsere Zukunft. Nicht eine ferne Zukunft, die irgendwann nach unserem eigenen Ableben sein wird, sondern eine die in nur zwei Jahrzehnten, das an uns auslebt, mit was wir sie heute befüllen.

So ist es zu hoffen, das diese Kinder, dann von uns den richtigen Umgang mit der Welt in der sie leben, gelernt haben. Jeder einzelne von uns muss sich die Frage stellen, was auf ihn da zukommen wird und die Aussichten sind düster. Wir werden die ersten sein, die an unseren Kindern leiden werden. Nicht weil diese schlechte Menschen sein werden, sondern weil sie das sein werden, was wir aus ihnen gemacht haben. Diese Kinder werden Erwachsene sein, sie werden die Geschicke dieser Gesellschaft bestimmen und uns an den Werten bemessen, die sie von uns lernten. Sie werden eine Gesellschaft bilden, in der sie sich über die Funktion in ihr und über ihre Leistung für sie definieren und wir werden die Alten sein, die von ihnen verwaltet werden. Wir werden die Leistungsanforderungen der Gesellschaft allein durch unsere altersbedingten Einschränkungen nicht mehr erfüllen und sie werden uns behandeln, wie wir sie gelehrt haben. Wir lehren sie, alles abzustoßen was nicht ausreichend produktiv ist. Wir lehren sie, sich dem zu endledigen was nur noch Kosten produziert und wir lehren sie, das nur Rechte hat, wer sich diese verdient. Wir selbst werden die Ausgestoßenen sein und von uns werden sie sich abkehren müssen, weil wir in unserem Wirtschafts- und Fortschrittswahn, uns an ihnen vergangen haben.

Kind zu sein, bedeutet eine neue Welt zu betreten und Kinder betreten sie vorbehaltlos. Sie bemessen kein Recht zu leben, sie wissen um dieses Recht allein weil sie leben. Sie allein sind noch befähigt, ohne Besitztümer und gesellschaftlichen Status glücklich zu sein. Sie sehen eine Welt die aus sich heraus gut ist und nicht gut wird durch die Verwirklichung von Ansprüchen an sie. Sie tragen das Potential einer erstrebenswerten Gesellschaft in sich, bis wir sie das lehren, von dem wir glauben, dass es alternativlos ist.

Kind zu sein bedeutet auch, Schutz zu bedürfen. Schutz vor Gefahren die noch nicht erkannt wurden. Dieses Bedürfnis nach Schutz äußert sich in einem bedingungslosen Vertrauen gegenüber den Eltern. Ein Vertrauen das aus evolutionären Gründen auf die Eltern gerichtet ist und aus dem sich die Pflicht der Eltern begründet, nach bestem Wissen und Gewissen ihre Kinder vor dem zu schützen, was eine natürliche und unbelastete Entwicklung beeinträchtigt oder verhindert. Die Evolution hat diese Aufgabe den natürlichen Bezugspersonen aufgetragen, wobei diese natürliche Vorgabe die Möglichkeit offen ließ, diese Funktion von den Eltern direkt oder anderen Bezugspersonen, die an ihre Stelle treten wahrzunehmen. Zur Gewährleistung einer natürlichen Entwicklung ist es jedoch zwingend, das nur ein oder zwei Personen diese elterliche Pflege wahrnehmen und sie nicht an Gruppen oder Kollektive delegiert wird. Gruppen oder Kollektive die elterliche Sorge übernehmen, vereinen viele Kinder unter der Ideologie einer Gemeinschaft und führen so zu einem Konformismus der kindlichen Entwicklung. Konformismus ist aber genau das was die Natur durch die Evolution zu verhindern sucht. Eine evolutionäre Entwicklung des Kindes und damit eine Weiterentwicklung der Menschheit findet überhaupt erst statt, wenn eine individuelle Entwicklung des Kindes gewährleistet ist und das bedeutet zwingend auch die Möglichkeit eine Entwicklung entgegen konformen Werten, wie zum Beispiel die einer Gesellschaft, zu ermöglichen und zu fördern.

Wie aber handeln wir, als Bezugspersonen von Kindern, oder als übergreifende Gesellschaft, wenn es um die Entwicklung unserer Kinder geht. Wir unternehmen alles, was eine individuelle Entwicklung unterbindet und zwingen die nach Freiheit strebenden Seelen unserer Kinder in die Konformität vermeintlicher gesellschaftlichen Notwendigkeiten. Dieser Zwang entgegen dem individuellen Bestreben der Kinder, aus dem jedes Kind etwas besonderes sein möchte und in dieser Besonderheit nichts Falsches erkennt, ist ein nicht wieder gut zu machender Missbrauch an ihrer Entwicklung, mit schwersten Folgen an der Entwicklung der Gesellschaft selber.

Die ersten sieben Jahre sind die für die Entwicklung des Kindes prägend. In ihnen werden die Weichen gestellt. Das „wie“ der Persönlichkeit wird geprägt. Später in seinem Leben kann sich das „was“ der Mensch dann denken wird, durch unterschiedliche Ereignisse und Informationen immer wieder verändern. Das „wie“ bleibt unverändert und bestimmt das Verhaltens- und Denkmuster für das gesamte weitere Leben. Menschen verändern sich nicht. Sie erhöhen ihr Gesamtwissen und verändern wohlmöglich ihre Ideologien und Werte, aber nicht den grundsätzlichen Umgang mit diesen. Daher sind die ersten sieben Lebensjahre nicht nur für ein Kind entscheidend, sondern auch für die, die ihre Sorge übernommen haben. In dieser Zeit nehmen sie ihr natürlich gegebenes Recht wahr, ihr Kind mit den Werten zu prägen, die allein sie für wichtig erachten und damit auch ihre evolutionäre Pflicht, die Unterschiedlichkeit durch die Prägung individueller Persönlichkeiten zu wahren.

Für den längsten Zeitraum in der Entwicklung eines Kindes besteht Schulpflicht. Eine Schulpflicht zwingt alle Kinder in die Konformität des Schulwesens. Eltern die versuchen, dieser Konformität zu entgehen und ihre Kinder nach anderen Vorstellungen oder selbst unterrichten wollen, stoßen auf vehementen Widerstand der Gesellschaft. Diese negative Haltung scheint sich trotz gegenteiliger statistischer Belege nicht zu ändern, nach denen aus derart geförderten Kindern keine zu bemitleidenden oder zu fürchtenden Menschen wurden. Die grundsätzliche Unterstellung, das die Konformität des Schulsystems besser als die individuelle Betreuung und Förderung durch die Eltern sei, ist nicht nur diskriminierend sondern auch weltfremd. Weltfremd aus dem Grunde, da Eltern die eine solche Möglichkeit fordern, eben nicht die sind, die an der Bildung und Entwicklung ihrer Kinder kein Interesse haben. Desinteressiert daran sind jene Eltern, die bedingungslos ihr Kind in die Ungewissheit der gesellschaftlichen Obhut geben.

Kinder lernen in der Schule, dass eine Erkenntnis, oder ein Lernfortschritt etwas ist, was im Kollektiv geschieht und entsprechend gering fällt ihre Motivation aus, etwas zu lernen, eine Erkenntnis zu gewinnen, wenn das dazu notwendige Kollektiv fehlt. Das was Kinder in der Konformität der Schule lernen, schließt individuelle Erkenntnis aus. Zur Gewinnung einer individuellen Erkenntnis bedarf es individueller Lösungswege, die sich aus dem erlebten und gelernten, jedes Kindes individuell ergeben. Die Vermittlung von Wissen, erfolgt in der Schule nach vorgegebenen Lösungswegen. Der gleiche Lösungsweg innerhalb eines Lernkollektivs, führt aber immer nur zur Bestätigung der bereits Bekannten, nicht aber zu neuen Erkenntnissen.

Kinder lernen viel schneller und intensiver als Erwachsene. Wir aber Glauben das neue Erkenntnisse den Erwachsenen vorbehalten sind und verhindern wohl auch deshalb die Möglichkeit individueller Erkenntnisse, durch konforme Lern- und Schulsysteme. Kinder brauchen die Möglichkeit zu lernen und das Gefühl eigene Lernfortschritte gemacht zu haben. Ihre noch gegebene Individualität motiviert sie zu lernen, wenn ihnen das erlernte etwas Eigenes ist mit dem sie sich identifizieren können. Ein kollektiver Lernerfolg, zwingt den Lernerfolg an das Kollektiv und verhindert das lernen wollen, als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Dies bestätigen auch Statistiken, aus denen hervor geht, dass die Anzahl der Schulversager, analog der wachsenden Größe der Schule und der Klasse, steigt.

Unsere Welt folgt den Werten und Anforderungen der Geld- und Wirtschaftskreisläufe. Sie bestimmen unsere Gesellschaft. Sie bestimmen die Durchführung unseres Staatwesens, prägen unsere Werte und beeinflussen unser Leben bis in die intimsten Bereiche. Unsere gesamte Lebensgestaltung und unser Tagesablauf ist auf diese Anforderungen und Werte ausgerichtet. Sie bestimmen auch wie lange wir uns um unsere Kinder kümmern, oder noch kümmern dürfen. Das Schul- und Vorschulsystem ist ebenfalls in die Werte und Anforderungen der Wirtschaft eingebunden. Es macht keinen Hehl aus seiner Aufgabe und definiert seine Aufgabe als Vorbereitung auf das Arbeitsleben.  In seinem fünften und sechsten Lebensjahr, nimmt das Kind bereits den größten Teil seiner Eindrücke und Lernprozesse von der Gesellschaft auf. Es ist die Zeit der Vorschule und der Grundschule. In seinem dritten und vierten Lebensjahr, teilen sich der Kindergarten und damit die Gesellschaft und die Eltern, die Formung der Persönlichkeit des Kindes. Als individuell prägend, können nur noch das erste und zweite Lebensjahr des Kindes angesehen werden. Ein kurzer Zeitraum von zwei Jahren ist den Eltern für ihr Recht und ihre Pflicht geblieben. Noch vor wenigen Jahrzehnten standen den Eltern hierfür fünf oder sechs Jahre zur Verfügung. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft  sind verheerend. Eine Gesellschaft die sich selbst, durch sich selbst erzieht und auch noch die Werte dafür selbst bestimmt, ist eine unerträgliche Selbstverherrlichung der eigenen Vermessenheit. Der Mensch als selbstverliebter Verrichtungsgehilfe seines unfehlbaren Kollektivs, ist die Aufgabe seines selbst bestimmten und eigenverantwortlichen Seins. Schlimm genug, das so etwas denkbar ist, schlimmer noch, das es ohne Not geschieht.

Auf dem Weg der Verwirklichung dieses Gesellschaftsmonsters sind wir nun also auch bereit die letzte Bastion, in der eine individuelle Prägung stattfindet, an die Anforderungen des Geldes und der Wirtschaft zu opfern. Die Forderung ist deutlich. In einem Wirtschaftssystem, das zu seinem eigenen Überleben ein ewiges Wachstum benötigt, dürfen keine Ressourcen ungenutzt bleiben. So ist nun auch die Human-Ressource Frau gefordert. In diesem Wirtschaftskreislauf ist eine Frau zu fordern, die Mehrwert erwirtschaftet und Sozialbeiträge zahlt. Das Kind soll also schon vor seinem dritten Lebensjahr in die gesellschaftliche Obhut. Die Rechnung ist einfach. Wenn zwanzig Kinder in einer KiTa, von einer Frau systemkonform geprägt werden können und damit 19 Frauen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, dann nutzt das der Wirtschaft und die beklemmend falsche Zwangsverbindung der Begriffe Geld und Arbeit wird gestärkt. Eine Win-win-Situation für Wirtschaft und Politik. Die Frau die sich unproduktiv um ihr Kind kümmert und wohl möglich an ihrer Systemkonformität zweifeln lässt, ist das neue Negativ-Symbol. Politische Äußerungen in denen grundsätzlich vorab unterstellt wird, dass in einer KiTa zwanzig Kinder von einer Betreuerin besser betreut werden, als ein Kind von seiner Mutter, unterstreichen dieses Bild deutlich.

„Dir soll es einmal besser gehen“, war einstmals ein geflügeltes Wort. Sagt es noch immer was die Gesellschaft denkt? Wir alle Wissen, das unser Wirtschaftssystem und damit auch unser Geldsystem an seinem Ende ist. Es kollabiert an seinem ewigen Wachstumsanspruch und den fehlenden Ressourcen. Kinder die heute zur Welt kommen, werden aller Voraussicht nach, den größten Teil ihres Lebens in einer Zeit verbringen, in der es dieses Wirtschafts- und Geldsystem nicht mehr geben wird. Ist der Anspruch, dass es unseren Kindern besser gehen soll, noch tragbar, wenn wir ihre Entwicklung, diesem sterbenden Moloch noch opfern und sie mit Werten prägen, die unsere Gesellschaft und unsere gesamte Zivilisation an den Rand des Abgrundes geführt haben. Was gibt uns das Recht, trotz besseren Wissens unseren Kindern diese anachronistischen Denkmuster aufzuzwingen und sie damit selbst dem Untergang zu weihen?

Wir sind alle Teil dieser Gesellschaft, deren Teilnahme wir nicht selbst bestimmt haben und wir sind gegenüber unseren Kindern verpflichtet, die uns noch verbleibenden Rechte zu bewahren um ihre Individualität zu schützen. Ansonsten müssen wir uns vielleicht eines Tages die Frage gefallen lassen, ob wir das alte geflügelte Wort, nicht ein wenig verändert haben. „Dir soll es auch nicht besser gehen“

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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5 Antworten auf “Kinder – unsere Zukunft”

  1. Ich denke nicht, dass ein Kollektiv grundsätzlich falsch ist, ein Kind zu schützen und zu begleiten auf seinem Weg.
    Es ist für ein Kind in den ersten Lebensjahren einfacher und auch wünschenswert, nur ein bis zwei Bezugspersonen zu haben, anstatt ständig wechselnder Bezugspersonen, die sich gleichzeitig um viele andere Kinder kümmern. Da stimme ich ganz und gar zu.
    Doch gibt es auch andere Formen von Kollektiven, die sich genau aus diesem Grund gefunden haben, um ihre Kinder nicht in staatlich „verseuchte“ Gemeinschaften zu verlieren.
    Zum anderen ist die alte Form der Großfamilie, die sich Jahrtausende bewährt hat (trotz meist patriarchalischer Ausformung), eine weitere Form des Kollektivs.

    Ausgeprägten Individualismus sehe ich nicht als das Heil versprechende Gegenmittel zum stumpfen Konformismus.

    Wir alle sind Individuen und gleichzeitig Teil einer Gemeinschaft, die sich wünschenswerter-weise mit Respekt und Liebe, gegenseitig einen Spiegel vorhält, um seine eigene Persönlichkeit betrachten zu können.

  2. Sehr konsequent und gut nachvollzierbar, und mit Gefühl! Doch eins möchte ich anmerken. Es ist alles nur ein Schein der „Individualität“, „Einzigartigkeit“. Es ist im Grunde egal, wer ob Eltern oder Schule die Kinder erzieht oder lehrt. Schon der Prozess des Lehrens verändert/umgeht/ausschließt die Einzigartigkeit ( oder wie Sie sagen das „Wie“ und „Was“ der Persönlichkeit“). Wenn man gelehrt wird, ist man automatisch in einem Denk-/Verhaltensmuster- System, und Konformität ist Überlebensgrundlage eines Systems. Und meiner Ansicht nach, Erkenntnisse, Erfolge, Fortschritte erreicht oder erziehlt man nur dann, wenn man sich mit anderen, mit der Gesellschaft, etc. auseinandersetzt. Genau hier machen wir an unseren Werten einen Fehler. Wir gehen davon aus, wir brauchen mehr, wir brauchen Wachstum, wir brauchen Erfolge oder sonst was. In welchem Wettbewerb denn brauchen wir Erfolg? Wir sind immmer noch der Meinung, dass der Mensch dem Menschen Wolf sei? Jeder will sich absondern? Wofür? Um dieses System zu unterstützen?
    Und nein, „Weiterentwicklung der Menschheit“ liegt nur an der Entwicklung des Denkens, des bewussten Handelns. Und das ist gegeben, wenn man in der Gesellschaft aufwächst, in ihr „fällt und wieder aufsteht“, fehler macht und daraus lehrt, eigene Entscheidungen trifft, Konsequenzen daraus zieht, sich / eigene Potenziale ausprobiert/ ja Kenntnisse gewinnt und Wissen aneignet, etc.

    Keiner kann eigene Zukunft im voraus machen. Wie/warum sollte man eigenem Kinde etwas vorhersagen !? Ob es besser sein wird, oder nicht?
    Jeder Mensch/ jedes Kind trägt Verantwortung für seine Taten und genau das soll Alt und Jung wissen/lernen/anwenden. Denn „man erntet, was man sät“. Und nicht nur was, sondern wie man sät : mit Respekt, Liebe, Sorge um „den Saat“. Natur ist der beste Lehrer. Kinder brauchen mehr Natur, Ausflüge, draußen sein, Reisen. Genau das können sich einige Eltern nicht leisten, dafür aber eine Schule. Es wäre gut, wenn die Kinder von ihren Eltern einfach Liebe, Unterstützung und ein „Ohr“ (Zeit zum Reden) bekommen hätten!
    Das Thema ist ein Fass ohne Boden…

  3. Heinz (darf ich Dich dutzen?), ich liebe Deine Texte!

    Puh, aber Deine Texte sind wirklich seeeehr lang!
    Kürzer und prägnanter wäre vielleicht zielführender, wenngleich manche Deiner Sätze in Stein gehauen werden müssten – oder zumindest in Blech gestanzt..!

    Ich mag diese Seite! 🙂

    Gruß,

    der Duderich

  4. Der Artikel gibt mir auch zu denken. Wenn ich mir heute meinen süßen einjährigen Enkel anschaue, auf den seine Eltern zu Recht so stolz sind, frage ich mich manchmal: Was wird ihn erwarten, welche Möglichkeiten wird er haben, seine persönliche, politische Freiheit zu äußern und zu leben?
    Es ist doch so: Menschen beschließen aus den unterschiedlichsten Gründen, Kinder zu wollen. In den armen Ländern werden Kinder als Alterversorgung betrachtet. In den reichen Ländern haben die Eltern die Hoffnung, dass ihre Kinder sie vor Vereinsamung im Alter bewahren werden. Manche wünschen sich einen Stammhalter, um eine Familiendynastie oder einen Betrieb weiterzuführen, andere, weil sie die irrige Vorstellung haben, dass Kinder ihr eigenes Leben verlängern und sie auf diese Weise dem Tod von der Schippe springen könnten.
    Für die Mehrheit der Menschen sind Kinder ein selbstverständlicher Teil des Lebens. Für einen Hedonisten hingegen, der fest entschlossen ist, sein Leben so zu gestalten, dass es ihm ein Höchstmass an Genüssen und ein Mindestmaß an Unannehmlichkeiten und Sorgen bietet, wiegen die Nachteile einer Elternschaft schwerer als die möglichen Vorteile. Er braucht keine Hobbys, will keinen Betrieb oder Familienclan leiten, ist frei von gesellschaftlichen Ambitionen und hat keine Angst davor, im Alter einsam zu sein. Durch seine Lebensart und seine lebensbejahende Einstellung wird er für Jüngere, die aus seiner Lebenserfahrung lernen möchten, immer interessant sein. So schrieb Baron von Linden, der eine Generation jünger war als Casanova, über seinen älteren Freund, dass dieser mit dreiundsiebzig noch genauso vor Witz sprühe wie mit dreißig. Istz es nicht besser, sein Leben so zu beschließen, als darauf zu warten, von seinen Kindern mit dem Almosen eines Besuches abgespeist zu werden? it dem Geld, der Zeit und der Energie, die er nicht in die Kindererziehung stecken muss, kann er sich eine komfortable Existenz aufbauen. Er hat auch keine Angst vor Gebrechen oder körperlichem Verfall, da seine Antwort darauf der Selbstmord ist. So verhindert er, dass irgendjemand irgendwann einmal seinen Rollstuhl schieben muss.
    Wie geschrieben, so macht sich „ein vernünftig denkender“ Hedonist seine Gedanken.

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