Ist der Kapitalismus reformierbar?

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Der Kapitalismus ist zu weit mehr als einer wirtschaftspolitischen Ideologie geworden. Er ist eine Religion, an die nahezu alle Menschen auf diesem Globus glauben. Seine religiösen Dogmen, wie Besitz und Geld, sind Teil der Moralität unseres Lebens und Grundlage unserer Lebensgestaltung und Planung. Stärker als jeder andere Glauben, ist diese Religion für uns bestimmend bis in die einfachsten Tagesabläufe hinein.

Die Kathedralen dieser  Religion sind die Börsen und Banken und ihre Hohe Priester haben ihre Gesandten in jede Regierung geschickt. Jeden Tag opfern wir uns diesem Glauben, in Form unserer Arbeit, um den Gott des Besitzes zu huldigen und nach der heiligen Hostie zu streben, dem Geld von dem gesagt wird, das es alle Wünsche wahr werden lassen kann.

Ihre Hohe Priester sind die Oligarchen, die Banker und die Ökonomen. Sie haben bereits die höheren Weihen um die Erkenntnis der Allmacht des Geldes erhalten und führen uns ihre prächtige, dekadente und sorglose Welt als heilbringend vor. Sie sehen gelassen in die Zukunft, wissen sie doch nahezu die gesamte Menschheit als tief gläubig hinter sich. Da beunruhigt es auch nicht das eine verschwindend kleine Anzahl von Millionen Menschen gegen die Rituale rebellieren oder andere Modelle prophezeien, da all ihre Kritiker die Grundzüge des Glaubensbekenntnisses, der Besitz und Geld, nicht einmal ansatzweise in Frage stellen. Alles was vorgestellt wurde als Ersatz für Besitz und Geld, war doch nur Regeländerungen und neue Spielarten die über kurz oder lang zu nichts anderem führen, als zu dem was jetzt ist.

Das die Kathedralen dieser Religion nun bröckeln ändert nichts an dem Glauben der Menschen, der ihre Werte bestimmt bis in grundsätzlichste Wertebestimmungen wie gut und böse oder positiv und negativ. Die meisten Menschen können sich eine Welt ohne Besitz und Geld nicht einmal vorstellen. Sie sind außer Stande etwas so grundsätzliches, nahezu Gott gegebenes zu hinterfragen.

Ein nicht kapitalistisches Wirtschaftssystem würde nahezu alle Religionen und Ideologien, aber auch die Moral, die Ethik und das gesamte soziale Gefüge auflösen. Alles müsste neu definiert und der Umgang der Menschen miteinander müsste neu erlernt werden. Nur wenige Menschen besitzen die Größe so etwas anzustreben.

Es ist nicht möglich den Kapitalismus zu reformieren, von innen neu zu gestalten und zu erwarten, dass er dann etwas anderes sei als zuvor. Die Vernichtung des Kapitalismus ist nur von außen mit Gewalt und gegen den Glauben der Menschen möglich, oder durch den Untergang seines Wirtes, den Menschen. Es zeugt von massiver Ignoranz und Infantilität zu glauben, das ein System wie der Kapitalismus, der alleine um sich nur zu erhalten, schon ewig wachsen muss, innerhalb eines geschlossenen nicht wachsendem Systems wie der Erde, Bestand haben könnte.

Wir haben nur zwei Optionen. Entweder zerschlagen wir unser gesamtes Werte- und Gesellschaftssystem, um zu hoffen, dass uns danach ein besserer Neubeginn gelingt, oder aber wir werden als Menschheit zu Grunde gehen und die Gewissheit erfahren, dass wir doch kein Erfolgsmodell der Evolution waren, sondern eher eine kurzfristige parasitäre Randerscheinung, die sich eine Gottheit schuf an der sie zerbrach.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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