Die Schuld der anderen


deineschuld

Schuld haben immer die anderen. Dieser platte Spruch steht beispielhaft für die Verdrängungsmentalität unserer Gesellschaft. Eine Gesellschaft die in ihrem bestimmenden Teil, satt und zufrieden vor ihrem Flat Screen sitzt, um sich die täglichen Katastrophenmeldungen, als einen genüsslich schauernden Guten Abend Kick zu holen. Eine Gesellschaft die gelernt hat, dass keine Nachricht so grausam sein kann, als das man sie nicht wegzappen könnte. Eine Gesellschaft die verdrängt, durch ein Trugbild medialer Eigenkompositionen, als gewünschte Realität.

Die Welt in der wir leben, offenbart uns andere Realitäten. In den Meeren auf diesem Planeten schwimmen Kunststoffschichten, die größer als die Fläche Europas sind. Unser Wasser und unsere Nahrung sind mit Schadstoffen belastet. So töten wir uns selbst durch schleichende Vergiftung, die nach Schätzungen der UN jedes Jahr, Millionen Menschen direkt oder indirekt das Leben kostet. Wir haben Gebiete auf diesem Planeten geschaffen die durch unsere Versuchung für viele Jahrhunderte, für Mensch und Tier unbewohnbar sind. Wir verpesten die Atmosphäre, vergiften die Biosphäre und betreiben Raubbau an den Ressourcen. Jeden Tag sterben aufgrund unseres rücksichtslosen Handelns, überall auf diesem Globus, tausende Tier- und Pflanzenarten endgültig aus. Milliarden Tiere werden tagtäglich schmerzvoll gemästet und getötet, weil sie nichts mehr als ein Produkt sind. 10.000 Kinder verhungern jeden Tag, während es an dem selben Tag 900 neue Millionäre gibt. Milliarden Menschen fristen ihr Dasein unter der Armutsgrenze, zum Wohle einer immer fetter werdenden Wohlstandsgesellschaft, zynisch begleitet von populären Forderungen nach einer marktgerechten Gesellschaft.

Doch wer trägt die Schuld an diesem Desaster?

DU trägst die Schuld und ICH trage die Schuld.

Wir beauftragen unsere Politiker, die Entscheidungen zu treffen, die diesen Wahnsinn aufrechterhalten. Wir bestechen das Wirtschaftssystem mit unserem Geld, durch den Kauf all der Dinge, die wir besitzen wollen, aber nicht wirklich brauchen. Wir treiben den Finanzkapitalismus an, weil wir mehr Zinsen und mehr Geld fordern. Wir glauben noch immer den Propheten, aus Wissenschaft, Ökonomie und Politik, die uns in diese fatale Lage brachten, dass ausgerechnet sie nun einen Weg heraus zeigen könnten. Wir sind es die aufschreien, wenn wir nicht zu jeder Jahreszeit die exotischsten Früchte im Supermarkt vorfinden. Wir sind es die glauben das Recht zu haben, mittels Flugzeugen an den entferntesten Orten Urlaub zu machen. Wir bilden uns ein, dass im Überfluss vorhandene und billige Lebensmittel folgenlos sind und zwingen die Bauern, die Böden zu überdüngen. Es ist Deine und meine Gier. Jeder von uns bildet sich ein, ihm stünden die Erfolgsdevotionalien einer wohlstandspervertierten Gesellschaft zu.

Wir wälzen die Schuld auf andere ab und hoffen, dass diese Anderen es schon richten werden. Doch wir selbst sind diese Anderen. Die Politiker, Finanzjongleure und Wirtschaftsmagnaten sind keine bösen Mächte, die gegen unseren Willen, uns und die Erde als Geiseln genommen haben. Sie kommen aus unserer Mitte und sind unsere Eliten, unsere „Besten“. Wir versuchen sogar unsere Kinder so auszubilden, wie wir diese Eliten ausgebildet und gefördert haben. Wir können uns nicht wundern, wenn sie das tun, was sie von uns gelernt haben. Unsere Kritik an ihnen ist genährt von unserem Neid, nicht selber so maßlos sein zu können.

Fortschritt und Wachstum sind die Götter, in deren Namen wir diese Welt zerstören.  Jeder einzelne von uns weiß davon und macht es überhaupt erst möglich. Die Zustände die uns umgeben sind nicht einfach geschehen, sie wurden durch uns geschaffen. Es kann keine Rechtfertigung für diese Gier und Ignoranz geben. Du und ich, wir bestimmen allein, welchen Weg wir gehen.

Durch unsere Arbeit erhalten wir den Status Quo, oder produzieren die Dinge die diese Welt zerstören. Durch unseren Konsum befeuern wir den Raubbau an den Ressourcen. Wir konsumieren das Leiden eines ganzen Planeten. Durch unsere Gier zu besitzen, schaffen wir die Armut in der Welt. Wir leben in einer Welt der Endlichkeiten und damit fehlt was wir im Übermaß besitzen oder konsumieren, anderen zum Erhalt ihrer Lebensgrundlage. Die Raffgier der Finanzjongleure ist nichts weiter als Deine und meine Raffgier, die diese, nicht zuletzt zu unserem Profit und in unserem Auftrag umsetzen. Unsere Ökonomie ist nicht eine des Wohlstandes, sondern eine der Verarmung vieler zum Wohle weniger. Wir sind die Profiteure und verteidigen diese Ökonomie gegen jeden Wiederstand. In der perfiden Lethargie des Wohlgenährten, gönnen wir uns dazu noch zynisch die Kühnheit, über Reformen zu philosophieren.

Du und ich, jeder von uns, ist in vollem Umfang für alles was der Natur, dieser Erde und den vielen Verlieren dieses Systems geschieht, persönlich verantwortlich und wird am Ende dafür haften.

Jeder von uns, der mehr besitzt, mehr konsumiert oder mehr Geld verdient, als er für eine bescheidene und maßvolle Lebensführung braucht, macht sich vor dem Hintergrund des tatsächlichen Zustandes der Erde schuldig. Jeder von uns, der nicht alles, was er zuviel hat aufgibt und nicht alles versucht, ein nachhaltiges Leben zu führen, um mit seinem Beispiel diesem Treiben ein Ende zu gebieten, ist der Mittäterschaft schuldig.

Reichtum, selbst Wohlstand ist ausnahmslos immer, die Folge einer Kette von Verbrechen, gegen die Menschen, die Natur und die Erde.

Die persönliche Schuld jedes einzelnen ist es auch, weggeschaut und zugelassen zu haben. Diese gesellschaftlich bestärkte Feigheit war schon oft in unserer Geschichte der Grund, der aus menschlichen Fehlern Katastrophen entstehen ließ. Diese Welt krankt an Heuchlern, die ihre Schuld mit dummen Ausreden, wie „Was kann ich allein schon ändern“ beruhigen, um sie dann auf die anderen abzuschieben.  In einer fernen Zukunft, wird die Menschheit von dieser Epoche, als eine der schwärzesten in ihrer Geschichte sprechen.

Wie lebst DU mit dieser Schuld?

Was ist DEINE Ausrede?

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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13 Antworten auf “Die Schuld der anderen”

  1. Dieser Text sollte von möglichst vielen Menschen gelesen werden, weil er es verdient hat Würde diesen deshalb sehr gerne auf meinem Blog als Gastbeitrag posten. Selbstverständlich mit namentlicher Nennung der Quelle und Verlinkung.

    Freundlichst, Duderich

  2. Somerset Maugham beschreibt, wie er als junger Mann auf der Suche nach einem philosophischen Werk war, in dem er ein für alle Mal eine Antwort auf all seine Fragen finden würde. Er las und las, stieß durchaus auf Schriftsteller, die ihm gefielen, fand jedoch keinen, der ihm mehr geboten hätte als einige nützliche Erkenntnisse. Letztlich gelangte er zu dem Schluss, dass er niemals ein rundum befriedigendes Werk finden würde, da ein solches Buch ausschließlich ein Ausdruck seiner selbst wäre.
    In Rückblick auf mein Leben trägt Maugham die Ergebnisse seiner Suche zusammen. Das Buch enthält eine Sammlung der Ideen, die er hier und dort aufgelesen und zur Richtschnur seines Lebens gemacht hat. In einem prägnanten Bild bringt er zum Ausdruck, wie er seine Aufzeichnungen verstanden wissn möchte. Sinngemäß heißt es dort: „Ich erhebe für diese Gedanken keinen Anspruch auf Originalität, nicht einmal für die Formulierungen, die ich für sie gefunden habe.
    Ich bin ein Landstreicher, der die Hose einer menschenfreundlichen Bauersfrau trägt, dazu den Mantel einer Vogelscheuche, ein willkürliches Paar Stiefel aus einem Abfalleimer und einen Hut, den er zufällig auf der Straße gefunden hat.“

    So kann man sich seine philosophische Garderobe selbst zusammenstellen..

  3. @Heinz Sauren:
    Vielen Dank!
    Meine Seite ist nicht kommerziell und ich werde den Artikel heute abend unter Angabe ihres Namens und Verlinkung einstellen.
    Grüße, Duderich

  4. @Heinz Sauren:

    Der Anfang des Textes ist nun auf meiner Seite gepostet. Der Rest der Lektüre dann per Verlinkung bei Dir. Hoffe damit Deiner (/meiner) Sache gedient zu haben. Ich empfinde es genauso, wie Du schreibst – und scheitere natürlich täglich und kläglich… Aber wenigstens scheitere ich bewusst und gelobe Besserung…

    Hier also der Post:
    http://aufzeichnungen-eines-gutmenschen.blogspot.de/2012/11/heinz-sauren-die-schuld-der-anderen.html

    Gruß Duderich

  5. @ Duderich
    Das Scheitern ist Teil des Weges. Wir alle sind zum Scheitern verurteilt und vielleicht sogar verpflichtet, da es der sicherste Weg ist zu lernen, zumindest wenn uns unser scheitern bewusst wird. Um so mehr ist all jenen Respekt entgegen zu bringen, die aus Verantwortung um ihre Überzeugung, ihr eigenes Scheitern ertragen und die Ablehnung jener, die nicht sehen wollen, gleich mit. Der Lohn ist, mit der Verantwortung der eigenen Erkenntnis in Einklang zu stehen und sich von der Unverantwortlichkeit der Unkenntnis befreit zu haben. Wer also sollte beurteilen können, wie steinig der Weg ist und wie befriedigend es sein kann ihn dennoch zu gehen, außer wir selbst.

    Ich danke Dir in diesem Sinne
    Heinz

  6. „In einer fernen Zukunft, wird die Menschheit von dieser Epoche, als eine der schwärzesten in ihrer Geschichte sprechen.“
    Ich meine sagen zu koennen, es wird bald keine Menschheit mehr geben, die dies sagen koennte.
    Gustav.

  7. Der Text spricht mir aus der Seele…
    Ich bestreite fast mein ganzes Leben nach der Maxime der Nachhaltigkeit…vielen Dank..:-))

  8. Vielen Dank für die Worte, die zur Besinnung rufen. Wenn die Vermehrung des eigenen „Wohl“stands zwingend mit der vermehrten Armut vieler Anderer erkauft wird, kann es sich letztlich nicht um Wohl handeln, denn, wie auch Duderich neulich formulierte: Alles ist Eins. Mit diesem Wissen habe ich schon lange das Hamsterrad verlassen.

  9. Ja Heinz, es ist so und wir können es nicht oft genug sagen, erinnern, aufzeigen, mahnen. Jeder von uns, auch die jetzt, vielleicht wie nie zuvor, bewusst durchs Leben gehen, vieles versuchen zu vermeiden, weiter zu durchleuchten, transparent zu machen auch für die nicht sehen wollen. Jeden Tag machen wir trotzdem Dinge, die das gesamte nicht fördern, welches sich dringend und schreiend verändern muss, ja muss. Zu ertragen, mitzutragen ist eine enorme Last und die sich ihrer gewahr sind, erkennen wir schnell. Es sind nicht viele, es sind schockierend wenige. „In einer fernen Zukunft, wird die Menschheit von dieser Epoche, als eine der schwärzesten in ihrer Geschichte sprechen.“ …. „Menscheit““? stelle ich in Frage, ich nenne sie heute schon oft Zombies. Ihr Ausdruck und Wesen beängstigt, ihre Gesichter sind regungslos und leer, ab und zu bewegen sich die Masken, weil es grad was Neues am Markt gibt. Ich glaube oft, sie haben noch nie gelebt, obwohl sie vom Leben sprechen, sie tragen keine Verantwortung. Ihr Ziel ist Vergnügen und vermeintliches Glück.

  10. WIR und WIR und WIR und WIR und nochmals WIR.
    ABER OHNE MICH.
    Nachdem die Menschheit die Erde nun wie Ungeziefer ruiniert hat stellen sie fest.:“Wir sind alle gierig.!“
    Und das ist dann auch wieder so ein Rechtfertigungsbetrug, um nicht bekennen zu muessen, dass da ein oder zwei oder noch ein paar mehr nicht gierig waren oder sind.
    Mit der Psychomasche WIR spielt man verallgemeinernd sein eigenes Negativ herunter, um so seine eigene Schuld zu mindern oder zu relativieren, obwohl man weiss, dass da die asketischen Mahner und Warner waren, die welche verstossen, missachtet und befeindet und als Spielverderber von der Spass- und Wohlstandsgesellschaft gehasst wurden.
    Mit dieser WIR-Methodik arbeiten und quatschen die Pfaffen schon Jahrhunderte von der Kanzel und nun auch die Kanzlerin, die Medienschaffenden, die Filmemacher und die Verniedlichungs- und Rechtfertigungsphilosophen.

    „Wir haben alle ueber unsere Verhaeltnisse gelebt.“ Bla, Bla, Bla.
    „Wir sind allzumal Suender.“ Bla, Bla, Bla.
    Mit dem Kollektivieren das persoenliche negative Ego verharmlosen, um persoenliche Verantwortung und Schuld von sich selbst abzuwaelzen.
    Und das ist dann schon wieder der grosse Betrug, das Mass der eigenen Schuld durch das WIR der Kollektivierung herunterspielen und mindern, ein Psychotrick des Selbstbetrugs und Betruges gegenueber den Unschuldigen.
    WIR SIND ALLE, ALLE KLEINE SUENDERLEIN.
    S’WAR IMMER SO, S’WAR IMMER SO!.-. Tralalalalala.-.Bla,; Bla; Bla.
    “Wir haben alle geschwiegen.!”.-. Luegenblablabla.
    »»:««
    WAHRHEIT, WAHRHEIT, WAHRHEIT UND NICHTS ANDERES MEHR.
    Heinz Sauren.:
    Unter dem Vorwand fuer die Wahrheit zu kaempfen, bekaempfen sie so die Wahrheit.

    Man darf nicht behaupten „Alle (Menschen) sind gierig.“
    Ich habe mein ganzes Leben (bis zum heutigen Tag) auf Sparflamme gelebt.
    Ich bin mit etwa 24 Jahren, heute bin ich im 64. Jahr, aus der Gesellschaft ausgestiegen. Und ich gehe davon aus, dass es auch noch einige andere gibt, Aussteiger, Eremiten, vielleicht ein paar Moenche, Gurus und Jogis…
    Wenn man also wie Sie Heinz Sauren den Anspruch auf Wahrheit und Wahrhaftigkeit erhebt, dann sollte man vorsichtiger formulieren.

    Und noch etwas sehr Wichtiges, das wirklich Negative und Ueble an der Gier ist es gar nicht, dass die Erde/ Natur damit ruiniert wird, sondern der Mensch selber, seine Psyche, seine Seele, der Kern seines Wesens.
    Dass durch die Gier die Erde zerstoert wird ist das eine. Das andere groessere Uebel aber ist die Verfinsterung und Bestialisiereung der menschlichen Seele durch die Gier denn das ist der Weg und die Evolution in das totale Leid.

    The greedy desire is burning like a fire to a pain, which never ends.
    Das gierige Begehren erzeugt eine besondere Art von Feuer/ Brand/Junker im Menschen, welches zu einem permanenten Leiden auf ewig fuer ihn wird. (Das ist dann mystisch geredet der/sein Hoellenzustand, die ewige unbefriedigte Gier/der Hoellenjunker.)
    Gustav Staedtler.
    Nov. 2012
    »»:««

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