Forza, bella Italia


berlusconi21_0Silvio Berlusconi will zurück an die Macht. Wenn ein 76 jähriger mit der Vita eines Lustgreises, den drohenden Gefängnisaufenthalt durch eine Wahl zum Regierungschef entkommen will, dann hat die Geschichte alles was die Boulevard Presse braucht, um ihm den gewünschten medialen Hype zu bescheren. Eine Posse? Nein! Mr. Bunga Bunga mag nördlich der Alpen ein wenig lächerlich wirken, in Italien werden seine Eskapaden oftmals als Kollateralschäden eines Machtmenschen empfunden, der es mit zwei Dingen wirklich ehrlich meint. Der Wahrung seines Reichtums und dem Genuß des mediterranen Lebens in vollen Zügen. Beides will der Duchschnittsitaliener auch und so gibt es ein Sympatieband zwischen ihm und vielen Wählern. Für ein Volk, für das mafiöse Strukturen alltäglich sind und Korruption gesellschaftsfähig, ist ein Berlusconi keine Schreckensmeldung.

Der Cavaliere fühlt sich berufen, sein Land vor einem Schicksal wie es Griechenland ereilt hat, zu bewahren und zumindest in diesem Punkt, ist ihm ein Erfolg zu zutrauen. Sein Rezept ist einfach. Ankurbeln der Wirtschaft durch Beendigung des Sparkurses und es ist geeignet in Italien eine Mehrheit zu finden, da viele Italiener weit mehr unter den Sparvorgaben Monti´s leiden, als uns hier bewußt wird. Fördernd für sein Bestreben wirkt auch der Umstand, das Italien sich fremd verwaltet fühlt. Es wird von einem Ministerpräsidenten geführt, der einzig die Erfüllung der Sparanweisungen aus Brüssel auf seiner Agenda hat und der, was man nicht vergessen darf, mit samt seiner Regierung, sich niemals einer Wahl gestellt hat, dies nach eigenem bekunden auch nicht will und somit über keine demokratische Legitimation verfügt.

Es wird eng für Europa, wenn Berlusconi seine fünfte Wiederwahl zum Ministerpräsidenten schafft. Italien wird an den europäischen Futtertrog drängen und das Eis für gleichartige Gelüste in Frankreich brechen. Aus diesem Wissen heraus lässt sich die Angstattacke in Brüssels Chefetage erklären, die seinen Wunsch umgehend mit der Ermahnung zur Einhaltung der Sparziele beantwortete. Silvio Berlusconi ist kein ökonomischer Hasardeur, das beweisen seine eigenen wirtschaftlichen Erfolge, aber er könnte der Sargnagel des Euros werden. Nicht nur seine offene Drohung den Euro zu verlassen, sondern auch sein Wunsch nach Milliarden schweren Finanzhilfen, dürften das geflickschusterte Währungsgebilde überlasten und damit zum Einsturz bringen. Ihm wird das kaum Kopfschmerzen bereiten. Er will Italien retten, nicht Europa. Damit stellt er sich frontal gegen die Riege der Eurokraten und wurde dafür schon proforma in einigen politischen Kreisen, zur persona non grata erklärt.

Man wird ihm nun noch mehr moralische Verfehlungen anlasten,  wahrscheinlich auch juristisch sein Vorhaben torpedieren. Dennoch ist zu hoffen, dass ihm seine Wiederwahl gelingt. Nicht weil er eine integere Persönlichkeit ist, oder ein moralisches Vorbild, was er offensichtlich aber auch nicht sein will, sondern weil er das Zeug hat Europa von den Fesseln der dramatischen Fehlkonstruktion des Euro zu befreien. Wer wollte wirklich so spießig sein und einem Mann, dessen Altersgenossen dement in Heimen ihr dasein fristen, seine Lust am Leben zu vergällen, die für ihn die Lust an schönen Frauen ist. Ein Macho? Ja sicher, und das Sinnbild italienischer Lebensart, durchaus mit einem gewissen Unterhaltungswert und schwer zu ertragen für knochige, bierernste Brüsseler Verwaltungsseelen und manch Berliner Feministin.

So könnte er, dem Europa so ziemlich egal ist, zu einem der großen Helden Europas werden.

Forza, bella Italia.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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3 Antworten auf “Forza, bella Italia”

  1. Applaus … so ähnlich waren auch meine ersten Gedanken, nachdem ich davon hörte und mir Gedanken machte, welches Datum wir haben … aus allem Bösen kann etwas gutes erwachsen …

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