Das Internet und der Status Quo


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Aufgrund der Missstände die durch die Diktatur des Kapitals und nichts anderes ist der Kapitalismus, die Freiheit der Menschen, ihre Gesundheit und das gesamte ökologische System der Erde bedrohen und die Zukunft des Einzelnen, wie auch der gesamten Menschheit in Frage stellen, wäre eine Revolution gegen das zwanghafte Bestreben der profitierenden Eliten, diesen vernichtenden Status Quo aufrecht zu erhalten, im Grunde nicht mehr als ein zwingende logische Konsequenz. Dennoch ist gerade in Europa der Beginn einer solchen unwahrscheinlich, da nicht genügend Menschen für einen solchen die eigene Existenz sichernden Schritt mobilisiert werden können.

Politische Revolutionen, wie die französische, fordern politische Opfer, sowie wirtschaftliche Revolutionen, wie die deutsche Wiedervereinigung, wirtschaftliche Opfer fordern. Die Opfer einer politischen Revolution sind die geistigen Träger des überwundenen politischen Systems. Sie werden mit physischer und psychischer Gewalt zum Schweigen gebracht um ihre Ideologie zum Schweigen zu bringen. Die Opfer einer wirtschaftlichen Revolution sind die Besitzstände der Menschen, die durch Umverteilung oder Enteignung neu geordnet werden.

Für das persönliche Empfinden eines Opfers ist es nebensächlich, aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen Opfer geworden zu sein, da ihre Opferrolle immer den Verlust ihrer Identität und ihres Lebenswerks, mitunter auch ihrer wirtschaftlichen oder physischen Existenzgrundlage bedeutet. Dieser Verlust für einen bestimmten Anteil einer Bevölkerung, ist zwangsläufiger Bestandteil jeder tatsächlichen und grundlegenden Veränderung und das Wissen darum, der tatsächliche Grund aus dem Revolutionen so selten sind. Tatsächliche Missstände und eine mehrheitliche Empfindung dieser, sind der Grund einer Revolution, aber ihr Auslöser ist die Überwindung einer etablierten Moral. Das revolutionäre Potential einer Bevölkerung ergibt sich aus einer Güterabwägung moralischer Prämissen. Ein gesellschaftliches Moralempfinden ist ein Konsens aller Teilnehmer, also auch der Schwachen innerhalb dieser und deren prägende moralische Position der Empathie. Eine Empathie die sich nicht auf einzelne Gegebenheiten beschränkt, sondern grundlegend vorab jeder Handlung, als Negativabgrenzung wirkt. Als solche ist sie nicht auf das Handeln selbst gerichtet, sondern auf die Vermeidung von Handlungen, die einem aus ihr begründeten Gerechtigkeitsempfinden widersprechen. Sie beinhaltet, die bewusste und gewollte Schädigung andere Menschen zu verhindern.

Erst die übergreifende Erkenntnis einer gesellschaftlichen Mehrheit, dass diese moralische Grundlage bereits von einer bestimmten Gesellschaftsgruppe verletzt wurde, hebt die absolute Gültigkeit des Empathiegebots auf und erzwingt Handlungen zur Widerherstellung dessen, was als Gerechtigkeit empfunden wird. Es ist der Auslöser der revolutionären Bereitschaft innerhalb einer Bevölkerung.

Nicht der fehlende Grund, von denen es viele gibt, verhindert die tatsächliche Veränderung die immer revolutionär sein müsste, sondern die Ermangelung eines gesellschaftsübergreifenden Ungerechtigkeitsempfindens, eines Auslösers. Dieser Auslöser fehlt immer dann, wenn die Unabänderlichkeit eines Sachzwangs und nicht das moralische Fehlverhalten, eine Situation begründet.

Aus diesem Grund werden Missstände von denen, die eine Revolution zu befürchten hätten, immer mit unumgänglicher Notwendigkeit begründet und damit ein übergeordneter Zwang bescheinigt, der die moralische Verfehlung gegen das gesellschaftliche Empathiegebot ihrer selbst negiert.

In einer Informationsgesellschaft sind die Missstände, die eine Revolution rechtfertigen würden offensichtlicher, als in allen anderen Gesellschaftsformen, da eine breite Mehrheit das Wissen um sie erlangen kann. Diese Informationsvielfalt ist aber auch der Grund, der Sachzwänge überproportional stark wertet und damit moralische Verletzungen des Empathiegebots in ihrer Gewichtung mindert.

Dies ist zum einen der Menge der verfügbaren Informationen geschuldet, die ein vermeintliches quantitatives Übergewicht der Sachzwänge begründen, aber auch der Informationswege selbst, die zwar eine unbegrenzte Datenflut ermöglichen, jedoch den Auslöser einer Revolutionsbereitschaft, das Ungerechtigkeitsempfinden als Emotion nur stark abgeschwächt transportieren. Ein etwaig vorhandenes Ungerechtigkeitsempfinden wird durch die quantitativ unüberschaubare und damit nicht widerlegbare Menge an postulierten Sachzwängen verwässert und führt nicht zu revolutionärer Bereitschaft, sondern zu empfundener Orientierungslosigkeit und als Folge daraus zu Lethargie.

Jeder Versuch die Orientierungslosigkeit durch neue oder weitere Informationen aufzulösen, führt ausschließlich dazu diese zu verstärken. Im Weiteren erlaubt die mediale Vernetzung den Gesellschaftsteilnehmern, die Teilnahme an Protesten, Diskussionen und Demonstrationen virtuell vorzunehmen und beschränkt diese im weiteren durch eine wachsende Zahl der eigenen Teilnahmen auf einen Informationsaustausch. Die fehlende emotionale Attraktion, die bei persönlicher Interaktion innerhalb von gleichartig konditionierten Menschengruppen, einen gemeinschaftlichen revolutionären Willen erst ermöglicht, führt beinahe zwangsläufig zu einer Gesellschaft der Kritiker, die zwar in ihrer Kritik kaum eine Grenze kennen, aber analog dazu den Willen zu einer tatsächlichen Veränderung verlieren.

Informationen führen zu Überzeugungen, aber nicht zu überzeugenden Handlungen. Diese basieren auf Emotionen.

Unter Berücksichtigung dieser Gesetzmäßigkeit lässt sich der Erfolg der arabischen Revolutionen ebenso begründen, wie der Misserfolg der „Occupy“ und „Empört Euch“ Bewegungen, die nahezu bedeutungslos geworden sind. Die arabischen Revolutionen haben im Gegensatz zu den europäischen Bewegungen, Informationsmedien vornehmlich benutzt um die Teilnahme an Demonstrationen zu bewirken und konnten erst durch die Anwesenheit der Massen ihre Ziele umsetzen, während die europäischen Bewegungen schon von Beginn an auf Informationsvielfalt und Transparenz durch die Medien gesetzt haben. In Europa waren viel mehr Menschen über alle Ziele der Bewegungen informiert, als die in Arabien lebenden Menschen über die Ziele der Revolution. Den Menschen in Europa wurde fälschlicher Weise suggeriert sie seien aktiver Bestandteil einer revolutionären Bewegung, nur weil sie ein oder zweimal in einem Sozialen Netzwerk dazu gepostet haben. Der Glaube an die Allmacht des Internets und eine virtuelle Revolution, scheiterte jedoch. Revolutionen werden mit Füßen begangen und sie schmerzen. Sie sind nicht das freundlich bestätigende Ping, nach dem Klick auf den Like Button. Das reichte zumeist,  das soziale Gewissen zu besänftigen, ohne irgend eine Konsequenz befürchten zu müssen und es lockte mit der Aussicht, Anerkennung für sein soziales Engagement zu ernten. Online-Revolutionäre haben die Befreiung aus dem Netz verhindert und die Bewegungen somit Gesetzen des Internets unterworfen. Ein Netz, in dem die maßgebliche Bemessungsgrundlage nicht Inhalte, sondern die Anzahl der Klicks ist und das nach eigenem bekunden ausschließlich quantitativen Gesichtspunkten folgt. So waren es die Rankings der Internetanbieter, die die Bewegungen in den Hintergrund verschoben haben. Es sollte sich heraus stellen, dass das Internet zwar der Geburtsort und die letzte Zuflucht einer Revolution sein kann, aber nicht ihre Heimat.

Revolutionen folgen Mustern die einer physischen Präsenz von Massen bedarf, sie brauchen existenzgefährdende Missstände als Begründung und ein gesellschaftsübergreifendes Ungerechtigkeitsempfinden, als auslösenden Konsens. Sie müssen sich der Medien einer Informationsgesellschaft bedienen und zwei alte revolutionäre Kontrollregeln lernen. Zum einen, traue keiner Infrastruktur die du nicht alleinig und uneingeschränkt kontrollierst und zum anderen, jede Struktur die du nicht kontrollierst folgt anderen Zielen als deinen.

Es gibt Gründe für eine kommende Revolution und einige von ihnen sind zwingend. Zu hoffen bleibt, das nicht allzu viele Versuche notwendig sein werden.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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2 Antworten auf “Das Internet und der Status Quo”

  1. Heinz Sauren, wenn sie ihren Schreibstil etwas veraendern wuerden, so dass auch der einfache Mann jeden Satz, den sie schreiben, verstehen kann, dann haetten sie als Vordenker und Schriftsteller gewiss mehr Erfolg.
    Ich vermute, sie befinden sich im Irrtum zu glauben, dass man unter den Intellektuellen und Akademikern, das geistigere Publikum findet. Das ist ein Irrtum.
    Es sind meistens die ganz kleinen Leute, die da die freigeistigen Gedankengaenge verstehen und nachvollziehen koennen.
    Leider versperrt man ihnen aber durch unnuetze Fremdwoerter und rhetorische Satzschachteleien den Zugang fuer das Verstaendnis von Erkenntnissen und kritischen Analysen. Und meistens sind gerade unter den kleinen Leuten auch die kleineren Materialisten und die kleineren Egoisten und Existenzialisten zu finden.

    Einem Philosophen sollte es aber das Anliegen sein, sich fuer jedermann verstaendlich zu machen, so dass man soweit als moeglich auf Fremworte verzichtet, denn wer unbedingt den oder einen akademischen Grad haben will oder wuenscht, der ist schon in der wahrheitsfeindlichen Eitelkeit gefangen.
    Ich persoenlich habe auch keinen so grossen Fremwoerterschatz wie sie, so dass mir beim Lesen ihrer Abhandlungen so manches mal der Faden reisst, und als alter Mann bin ich es leid mir die Muehe zu machen alles nachzuschlagen oder im Kontext nochmals durchzudenken. Ich erwarte, dass das, was ich lese, in mein Verstaendnis einfliessen kann und ich meine Zeit dafuer verwenden kann darueber nachzudenken, anstatt im Fremwoerterbuch nachzuschlagen, in dem man dann auch noch die kuriosesten Moeglichkeiten der Uebersetzungen findet.
    Die Kunst sich so allgemein verstaendlich als nur moeglich zu machen gehoert auch zum Wahrheitswillen.
    Wer in jedem Satz mindestens ein Fremdwort braucht, der ist an der Offenbarung von Wahrheit gar nicht wirklich interessiert, der sucht nur Anerkennnung bei einer ganz bestimmten Gesellschaftsschicht, die in Wirklichkeit zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit gar nicht faehig ist, sondern Philosophie nur als Schmuckstueck zu ihrer sie aufwertenden Zierde benutzt.
    Wahrheit aber ist dazu da, um den natuerlichen Menschen ab- anstatt aufzuwerten, denn nur sein persoenlicher Wille zur Wahrheit kann ihn aufwerten, nicht aber das sich Schmuecken mit dem Geschmeide der wahren Philosophen und Goetter.

    Man kann auch neben das Fremdwort fuer das allgemeine bessere Verstaendnis das gleichbedeutende deutsche Wort (Equivalent) schreiben.
    Solange zum Beispiel das einfache Volk nicht lesen noch schreiben konnte, fand auch der Kommunismus keinen Eingang bei ihnen, und deshalb konnten derartige Ideologien und revolutionaere Gedanken erst mit der Faehigkeit des Volkes zu lesen und zu schreiben das Volk auch erreichen und also wirken.
    Die lateinische Messe ist ein Musterbeispiel fuer das Abwerten von ungebildeten Menschen und die unrechtmaessige wahrheitsfeindliche und also betruegerische Aufwertung der Intellektuellen bzw. der Akademiker.
    Allerdings muss man wissen, dass man den Viehischen, den Gemeinen wie sie sie nennen die Wahrheit auch mit groesster Sorgfalt nicht nahebringen kann.
    Gustav Staedtler.

  2. Gustav Staedtler.
    Ich freue mich, dass Sie sich so eingehend mit meinen Texten auseinander setzen und kann ihre Kritik nachvollziehen.
    Grundsätzlich möchte ich dazu aber bemerken, dass es in erster Linie mein Anliegen ist, diese Texte zu schreiben. Erst in zweiter Linie sie zu veröffentlichen und damit zugänglich zu machen.
    Es ist nicht mein Anliegen, den Status eines Vordenkers zu gewinnen, oder als Philosoph zu erscheinen, der ich weder bin noch sein will. Wenn ich das erreichen wollte, müsste ich vieles anders machen. Ich habe in der Vergangenheit einige Ratschläge erhalten, wie ich meine Texte eingängiger gestalten und diesen Blog besser strukturieren kann. Das reichte von Vorschlägen, wie sie in Ihrer Kritik deutlich wurden, bis zu einem kommerziellen Ausbau dieses Blogs. Vorschläge die alle gut gemeint waren und sicherlich dazu beitragen, einen größeren Erfolg zu erzielen, aber auch alle nach meinem Empfinden dazu geeignet sind, dass zu verwässern was ich hier tue und tun möchte.
    Ich möchte schreiben, dass von dem ich glaube, es sollte gesagt werden und so wie ich es denke. Ich möchte es sagen, wie mir der Schnabel gewachsen ist, was dann leider und das ist mir bewusst, nicht unbedingt druckreif ist.
    Ich hoffe dennoch, dass eine Botschaft in den Texten erkannt werden kann, auch wenn es nicht immer einfach ist, sie zu lesen.
    Heinz Sauren

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