Aphorismen


 

Aphorismen sind Gedankenfragmente und Sinnsprüche.

Sie sind weder Wahrheit noch Beweis. Aphorismen beginnen als Antworten auf Fragen, die das Leben stellt und werden zu Prämissen, die das Leben bestimmen. Ihr literarischer Anspruch ist bedingt durch die rhetorische Geschicklichkeit des Verfassers und ihre philosophische Kompetenz begründet sich aus der Allgemeingültigkeit ihrer Aussage. So sind sie für den einen nicht mehr als schlichte Bauernweisheiten und für einen anderen die Quintessens philosophischer Erkenntnisgabe. Immer aber, sollen sie zum Nachdenken anregen und den Versuch unterstützen, eigene Antworten auf die Fragen zu finden, die das eigene Leben diktiert.

Dies sind meine Aphorismen. Die Antworten auf meine Fragen. Ob sie dem einen nun eine Bauerweisheit und dem andere eine Erkenntnis sind, liegt nicht an den Antworten selbst, sondern an den Fragen die zu ihnen führten. Denn gleiche Fragestellungen führen letztendlich zu gleichen Erkenntnissen.

Sie sind ungeordnet und nicht katalogisiert, sie sind der Kinderstube meiner Prämissen und so wachsen sie, solange ich wachse. Aphorismen sind Nadelstiche des Aufrufs und des Widerspruchs zum eigenen Leben, im den vieles nicht so läuft, wie es doch eigentlich laufen sollte und vieles getan wird, was nicht getan werden muss. Aufrufe zum erkennen des Widerspruchs im eigenen Leben. Sie können Hetze sein oder Trost sprechen, einen Gedanken inspirieren oder die Fantasie beflügeln, aber immer lassen sie denken.

Dies dachte ich.

Garant für ein Leben in Einklang mit sich selbst und den Dingen an sich, ist ein aus freiem Willen geschaffenes, Regelwerk individueller Werte, welches vorab jedem Gesetze und jeglicher Moral, seine Anwendung und bindende Gültigkeit findet.

Die mit zunehmendem Alter größer werdende Sehnsucht und Hingabe zur Natur, liegt begründet in dem näher kommenden Zeitpunkt und der Einsicht zu ihr zurück zu kehren.

Die Quintessenz aus all der Bildung und Erfahrung eines ganzen Lebens lässt sich in zwei Erkenntnissen zusammenfassen. Die erste lautet: Ich weiß, dass ich nichts weiß, aber auch das weiß ich nicht genau und ist die Weisheit um deren Verständnis kein Leben lang genug ist. Die zweite lautet: In der letzten meiner Stunden werde ich nicht die Dinge bereuen die ich tat, sondern die, die ich nicht tat und ist der Anspruch zu dessen Erfüllung kein Leben lang genug ist.

Die Manifestation des Ich findet zwischen der Mitte des dritten und des fünften Lebensjahrzehntes statt. Davor steht die Erprobung und danach das Resultat des Ichs. Sowie wir vor der Manifestation des Ichs, kein Verständnis um uns selbst haben, müssen wir nach der Manifestation, mit den Früchten leben, die uns das Ich erbracht hat. Manchem mögen diese bitter schmecken und nur wer sich selbst bewahrte, wird sie genießen.

Viele folgen Idealen, Recht und Moral. Ich folge Prämissen. Idealen, Recht oder Moral zu folgen, vermag ich nur wenn diese zuvor durch meine Prämissen begründet wurden.

Ein Philosoph ist jener, der durch seine Erkenntnisse, Moralitäten hinzugewonnen hat. Ein Freigeist ist solcher, der durch seine Erkenntnisse, Moralitäten verloren hat.

In der Gesamtheit seines Wirkens und in des Einzelnen tätig Werk, ist der Mensch dem Mensch kein Freund und noch der Schöpfung größter Feind.

Ehrlichkeit ist zumeist nur ein egoistischer Selbstmitteilungstrieb von hoher zerstörerischer Kraft und Leiden schaffendem Charakter. Immer unter dem Mantel der Wahrheit geführt, jedoch nur selten mit ihr verwandt.

Wissen und Glauben schließen sich nicht gegeneinander aus, sondern ergänzen sich. Je größer das Wissen, desto weniger der Unsinn, an den man glauben muss.

Die Not sich nicht selbst helfen zu können, ist zumeist das Resultat der Angst, die Hilfe nicht zu bekommen, die man von anderen erwartet.

Die meiste Zeit unseres Lebens versuchen wir den Fundus der Dinge zu erweitern, die wir zu können glauben. Wir würden weniger Schaden nehmen, wenn wir mehr Zeit auf die Einsicht um jene Dinge aufbringen würden, die wir nicht können.

Viele haben das Recht auf eine Meinung, aber nur wenige den Mut zu einer Eigenen. Daher sind Meinungen nach dem Mut zu bemessen, der zur Erfüllung dieses Rechtes notwendig war.

Unser Handeln wird für gewöhnlich nicht von dem bestimmt, was wir wollen, sondern von der Vermeidung dessen, was wir nicht wollen.

Der Kampf ist Bestandteil jeglichen Lebens, daher ist Gewalt ein wesentlicher Ausdruck menschlichen Wirkens.

Ziele führen immer auch vorgegebene Wege zur ihrer Erreichung mit sich und verhindern so die Möglichkeit eigener Wege. Eigene Wege beschreiten zu gehen heißt daher auch immer ziellos zu sein.

Von gleicher gefährlicher Ignoranz ist es, die Taten und Gedanken eines Einzelnen zu kritisieren, wie dieses bei Ideologien und Gemeinschaften zu unterlassen.

Moral ist ein Sittengesetz und als solches ein temporär instabiles Gemeinschaftsphänomen. Sie ist weder auf ein Individuum anwendbar, noch begründbar.

Das größte was ein Mensch schaffen kann ist eine Idee. Wenn die Lehre zu einer Idee auf eine Gemeinschaft trifft, dann trägt sie als Ideologie das Potential in sich, die gesamte Welt zu bewegen.

Die meisten Dinge von denen wir glauben, sie nur mit größter Anstrengung zu bekommen, würden unbemerkt eintreten, wenn wir sie nicht erzwingen, sondern zulassen würden.

Die meisten Menschen, die uns ein Stück unseres Lebens begleiten, haben eines gemeinsam. Sie sind länger unser Feind, als sie unser Freund waren.

Die wahre Größe eines Menschen erkennt man an der Größe seiner Feinde und der Loyalität seiner Freunde, aber nie an ihm selbst.

Mitleid ist selbst zugefügtes Leid, als moralische Geißelung der Freude, den Schaden nicht selbst gehabt zu haben.

Ein Kompromiss ist Ausdruck der Schwäche von Standpunkten, die mangels Durchsetzbarkeit aufgegeben werden, um einen neuen Standpunkt einzunehmen der mangels eines konträren Standpunkts seine Festigkeit nicht beweisen muss.

Die grundsätzlichen Probleme der Menschen und der Welt in der sie Leben werden wohl erst dann angegangen werden, wenn jeder Einzelne, unabhängig wie mächtig oder gering er auch sein mag, versteht, das er allein voll umfänglich für den Zustand des Ganzen verantwortlich ist. Dies nicht zu tun, ist die Erbsünde der Menschen, die auf ihnen noch viele Generationen lasten wird.

Freiheit ist nicht tun und lassen zu können, was man will, sie ist nicht tun und lassen zu müssen, was man nicht will.

Freiheit zu erhalten ist schwer. Zu Wissen woher Freiheit stammt, jedoch einfach. Toleranz ist das einzige, was zur Freiheit führt.

Tragisch ist, dass die größte Tugend, der größten Schwäche ähnelt. So wird gelebte Toleranz zumeist als Ignoranz verstanden.

Bei der Betrachtung der Menschen die uns umgeben, können wir feststellen, dass die meisten in höchstem Maße unwichtig für uns sind, wir uns aber nicht von ihnen abwenden, weil sie einen gewissen Unterhaltungswert für uns haben.

Rechtschaffend handeln und rechtschaffen sein könnten von größerer Unterschiedlichkeit nicht sein. Rechtschaffendes Handeln ist die Kunst der Legitimation der eigenen Tat während rechtschaffen zu sein, keine Legitimation benötigt.

Die Grenze der Schwachen heißt Gesetz, die Grenze der Starken heißt Moral. Die Grenze der Freien kennt keinen Namen.

Nicht das Schwert unseres Feindes, sondern das Wort unseres Freundes, fügt uns die größten Narben zu. Dennoch bemühen wir uns mehr unseren Feind abzuwehren, als unserem Freund zu zuhören.

Naivität ist nicht Ausdruck für das Unvermögen Sachverhalte zu beurteilen, sondern Indiz für eine große Nähe zu den Sachverhalten, die verhindert, sie in seiner Gänze überblicken zu können.

Seine Freiheit zu erhalten, ist nicht deshalb so schwer, weil man beharrlich um sie ringen muss, sondern weil es so schwer ist zu erkennen, um was es zu ringen gilt.

Ich verstehe, dass einige Menschen Unglück brauchen um Glück empfinden zu können, so wie sie Wärme nur aus der Kälte heraus empfinden können. Aber warum fügen sie sich so viel Unglück zu? Erwarten sie tatsächlich so viel Glück?

Was macht uns glauben, das wir uns ungestraft eine Moral leisten können?

Wenn die Dinge nicht eintreten die wir uns Wünschen, tun wir die Dinge, die andere sich nicht wünschen.

Bei all unserem Bestreben, Schlechtes von uns zu wenden, laufen wir immer Gefahr, durch den Verlust des Schlechten, auch das Gute zu verlieren.

Der Versuch nach Glück zu streben, ist ebenso legitim, wie die Annahme das Glück ein andauernder Zustand sein kann, naiv ist.

Die größte Gefahr in unserer Schnelllebigkeit besteht nicht darin, nicht folgen zu können, sondern in dem Verlust der Möglichkeit rechtzeitig halten zu können, wenn sich ein Abgrund vor uns öffnet.

Wir sollten uns immer bewusst sein, dass alles was wir tun, der Welt in der wir leben oder uns selbst, die Wirkursache dessen ist, was uns widerfahren wird.

Am Ende bleibt Unwohlsein, wenn im Übermaß genossen wurde, dies gilt für ein köstliches Mahl, wie für das Leben selbst.

Jeder Tag den wir erleben ist ein Glücksfall und als solcher ein Geschenk. Die Wahrscheinlichkeit den nächsten Tag nicht mehr zu erleben und die Vielzahl der Gründe und möglichen Ereignisse, die gegen das Erleben des nächsten Tages sprechen, sind so erschreckend groß, dass wir es nicht wagen, uns dessen bewusst zu werden.

Der schmerzliche Verlust an dem eigenen Geiste, die Erkenntnis der Wertlosigkeit in sich selbst, offenbart sich zumeist in der Art diese Leere zu füllen, durch Anhäufung von Dingen, denen wir ersatzweise zumindest noch einen materiellen Wert zugestehen..

Die Frage ist nicht, wie viel der Mensch ertragen kann bevor er zerbricht, sondern vielmehr, wie viel er zerbricht, um sich zu ertragen.

Sicherlich ist es möglich genug Gutes über Menschen zu sagen, für gewöhnlich gelingt das jedoch nur, wenn man ihre Gedanken und Handlungen außer Acht lässt.

Einer der schwersten Wege die wir beschreiten können, ist der sich selbst zu finden, da dieser immer zuerst bedeutet, die Anderen zu verlieren.

Das gefährliche daran, eine Moral zu besitzen, ist irgendwann an ihr gemessen zu werden.

Es mag sein, dass es nicht notwendig ist sich mit der Philosophie zu beschäftigen, um die Welt zu verstehen. Es ist auch nicht notwendig sich mit der Politik zu beschäftigen, um zu wählen. Beides aber könnte vor folgenschweren Fehlentscheidungen schützen.

Es ist schwer zu erkennen, ob ein Mensch lügt oder nicht. Sicher als Lügner ist ein Mensch nur auszumachen, wenn er behauptet die Wahrheit zu kennen. Der Mensch der von der Wahrheit spricht, kennt sich selbst und die Wahrheit nicht.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens verbietet sich aus sich selbst, da dieser Frage die Annahme zu Grunde liegt, dass Leben sei sinnlos, da einen Sinn nur braucht, was Sinnlos ist.

Sinnvolles getan zu haben, bedeutet nicht, Sinnvolles bewirkt zu haben.

Der Tod ist nicht ein Ereignis, welches das Leben beendet, sondern das finale Ereignis, das uns vom Sterben befreit. Sterben aber ist ein permanenter Vorgang, der beginnend mit der Geburt, in Qualität und Quantität die andere Waagschale befüllt, in gleichem Maße wie wir die eine Waagschale befüllen, die wir Leben nennen. Daher ist das Sterben ein unverrückbarer Bestandteil unseres Lebens und die freie Wahl des eigenen Sterbens, wesentlichster Bestandteil eines selbst bestimmten Lebens

Die meisten Menschen unterliegen dem Irrtum, dass durch Erhöhung der Quantitäten, die Qualitäten zu steigern wären.

Ein freier Geist empfindet Scham, wenn er der Lüge bezichtigt wird. Nicht jedoch wegen einer Untat, die er begangen haben könnte, sondern wegen der Ehre die ihm zuteil wird, da bewusst die Unwahrheit zu sagen zuerst einmal hieße, das er eine Wahrheit gekannt habe.

Wenn ich das Wesen der Lüge betrachte, finde ich Mut und Hoffnung für die Menschheit. Zu Lügen bedeutet, bewusst die Unwahrheit zu sagen und damit die Wahrheit zu kennen. So hat noch kein Mensch gelogen und der dieses einmal zu tun vermag, wird wohl der Weiseste aller sein.

Nichts ist Menschen- und Wahrheitsverachtender als Moral.

Die Menschheit schuf aus ihrer Moral die Schuld und verlor damit für sich selbst die Möglichkeit unschuldig zu sein.

Die Kunst des Erkennens realer Umstände, liegt im Unterlassen der Bewertung in Bezug auf eigene moralische Grundvorgaben.

Der Verlust von Moral bedeutet nicht den Verlust von Werten, sondern den Verlust des Bezuges gemeinsamer Werte. Die Selbstachtung sollte uns also gebieten unmoralisch zu sein, um nicht in der Kleingeistigkeit einer gemeinschaftlichen Moral zu enden.

Die Entwicklungsgeschichte des Menschen offenbart sein Problem. Bisher hat die Menschheit von der Erde gelebt. Von nun an muss sie mit der Erde leben. Geht sie diesen nächsten Schritt nicht, ist ihre Entwicklung beendet.

Die Gleichheit der Menschen anzunehmen, führt zu der erschreckenden Ungerechtigkeit, jeden Einzelnen auf einen gemeinsamen Nenner Aller zu dezimieren.

Ich kann mir keine größere Unfreiheit vorstellen, als die in einer Gemeinschaft zu sein, da nichts die Freiheit eines Einzelnen wirkungsvoller verhindert, als das was der Gemeinschaft dient.

Der Kapitalismus und seine Marktwirtschaft ist in ihrer heutigen Form, sind ein Relikt des 19.ten Jahrhunderts. Ein Besitz vermehrendes und Macht erhaltendes System, einer Zeit der Kolonialisierung und der Industrialisierung. Zeitlich begründet und geprägt im Feudalismus und vor der allgemeinen Akzeptanz der Menschenrechte. Die Basis dieses Modells war der scheinbar unbegrenzte Ressourcenreichtum einer noch zu erobernden Welt. Die Denkweisen des 19.ten bieten keine Antworten, auf die ökonomischen, ökologischen und soziologischen Sachzwänge des 21.ten Jahrhunderts. Der Profit einer Wirtschaftselite und ihrer profitgierigen Klientel darf  keine Begründung mehr sein, dieses anachronistische Regelwerk entgegen besseren Wissens fortzusetzen.

Die heutigen Modelle westlicher Demokratien sind sowohl zeitlich als auch sachlich, bewusst gewählte Verwaltungsformen des Kapitalismus. Die ihnen inne wohnenden Freiheiten, ergeben sich aus der Freiheit des Marktes, der mit Hilfe des freien Konsums eine Maximierung seines Zieles der Gewinnoptimierung gewährleistet sieht. Die Annahme das freiheitliche Rechte das Ergebnis einer humanen Gesellschaftsentwicklung sind, ist schlicht unzutreffend. Dies gilt auch für die Annahme, dass freiheitliche Rechte unabhängig eines marktwirtschaftlichen Nutzens etabliert werden könnten. Innerhalb aller bisher vorliegenden Demokratiemodelle ist der Kapitalismus nicht auflösbar.

Unser ganzes Finanz- und Wirtschaftssystem ruht auf zwei Säulen. Ressourcen und Glauben. Die Ressourcen sind begrenzt und der Glaube ist bisweilen flatterhaft.

Jedes vor dem Zerfall stehende Staats- und Gesellschaftssystem, offenbart sich an den gleichen Auflösungserscheinungen. Es beginnt die fehlende Akzeptanz seines Volkes, durch immer mehr Gesetze und Verordnungen zu erzwingen.

Revolution ist kein Gewaltakt und dient nicht der Wegnahme. Revolution ist ein Prozess der Entwicklung neuer Werte zur Ablösung anachronistischer, mit dem Zwecke der Schaffung neuer Freiheiten. Kein einmaliger Akt, sondern ein unter Umständen langwieriger Prozess des Umdenkens aufgrund der Erkenntnis, dass der bisherige Weg nicht weiter möglich ist. Staatsgefährdend an diesem Umstand ist, zumindest aus der Sichtweise der etablierten Machthaber, dass sie ihre Privilegien nicht mehr historisch begründen und verteidigen können. Sie sind gezwungen soziologische, ökologische und ökonomische Umstände zur Disposition zu stellen. Dies kann das Volk, als Souverän eines Staates erzwingen. Somit ist jede Revolution in ihrem Wesen anarchistisch, da sie auf dem Bruch bestehender Gesetze basiert die genau dies verhindern sollen. Revolutionen sind völkerrechtlich und international durch die Vereinten Nationen anerkannt und legitimiert. Jedes Volk hat das unveräußerbare Recht sich seiner Regierung und seiner Verwaltung zu entledigen, wenn diese ihm nicht dienen.

Anarchie ist kein ordnungspolitisches Gesellschaftssystem oder Prinzip, sondern die bewusst gewollte Aussetzung der ordnungspolitischen Leitwerte und bezieht sich somit auf die Infragestellung und Missachtung bestehender gesetzlicher Normen zum Zwecke der Etablierung neuer Werte. Sie ist ein definierter temporärer Zustandes innerhalb eines revolutionären Prozesses, in dem alte Werte nicht mehr anerkannt und  Neue noch nicht etabliert wurden. Sie ist notwendig, um eine schleichende Übernahme alter Werte zu verhindern.

Ist nicht der Anspruch der Massenmedien: Schwierigstes leicht verständlich; Entferntestes nah; Komplexestes auf dem geringsten Bildungslevel zu erklären; die Einführung der Zensur unter dem Diktat der Dummheit zum Gefallen der Massen?

Die Ökonomie als auch die Ökologie unserer Gesellschaften krankt nur an einer fehlenden Erkenntnis, dass Theorien der Unbegrenztheit in begrenzten Systemen nicht realisierbar sind.

Alle Staaten dieser Erde sind aus Kriegen geboren worden. Daher ist es normal, dass sie sich zu ihren Wurzeln hingezogen fühlen.

Das schöne an Kriegen ist, dass sie die Welt so einfach machen. Wann sonst wird einem schon so genau erklärt, wer gut und wer böse ist.

Es ist eine gesellschaftspolitische Unart, Zielsetzungen von Menschen zu erwarten. Ziele haben immer einen vordefinierten Weg zu ihrer Erreichung, als Grundlage. Dieser aber, ist auch der sicherste Weg neue Erkenntnisse auszuschließen, da solche neue Wege bräuchten.

Eine Gesellschaft, in der ein Fußballspieler höher gehandelt wird als einen Dürer, die Kriege humanitär begründet und für die Gesundung von Banken mehr Geld auszugeben bereit ist, als für den Not leidenden Teil ihrer Bevölkerung, hat Wertlosigkeit zum einem eigenständigen Wert ernannt.

Jede Gesellschaft die den Umstand einen Feind zu haben und die Auseinandersetzung mit ihm, moralischen oder gesetzlichen Regeln unterwirft, tut dieses zum Schutze des Schwächeren. Das fatale daran ist, dass eine Unterwerfung unter die Regeln zum Schutze des Schwächeren, immer auch die Entwicklung des Einzelnen und der Gesellschaft zum Schwächeren, bedeutet.

Ein Staat gesteht seinen Bürgern, das kleinst mögliche Maß an Freiheit zu, um seine eigenen Strukturen zu sichern und sein Gelingen zu ermöglichen. Ebenso wie der Bürger die größt möglicher Freiheit in Opposition dazu fordert. Bemerkenswerter Weise gehen aber beide Seiten davon aus, das die eigenen Interessen von der jeweils anderen Seite zu vertreten sein.

Woher ergibt sich meine Pflicht, die Werte einer Gesellschaft zu achten und zu schützen, wenn ich die Teilnahme an dieser weder gewollt habe, noch verhindern konnte. Ist das Recht der Geburt auch die Pflicht zur Gesellschaft und damit die Fortsetzung der Sklaverei mit völkerrechtlichen Mitteln?

Resozialisierung ist ordnungspolitische Augenwischerei, da oftmals erst überhaupt das Fehlen der maßgeblichsten Voraussetzung hierfür, die vorherige Sozialisierung nicht gegeben ist.

Staaten sind völkerrechtliche Wirtschafts- und Machtanspruchskonstrukte und Nationen die moralische Begründung dazu.

Es ist ein ökologische, ökonomische und auch technisch realisierbare Tatsache, das es für den Fortbestand der Zivilisation ausreicht, wenn ein Prozent der gesamten Bevölkerung denkt, zehn Prozent die notwendigen Güter produziert und neunzig Prozent sich gar nichts tun.

Wir leben in einer Gesellschaft, die fordert, dass jeder sein Leben durch Arbeit verdienen muss, um den Ort seines Lebens und seine Nahrung zu bezahlen. Diese Abkehr vom bedingungslosen Existenzrecht jedes Lebens und damit auch unseres eigenen, wird nur noch von der Ungeheuerlichkeit übertroffen, dass wir es für legitim halten.

Gleichheit ist kein natürliches Prinzip, sondern eine naiv sozialromantische Forderung, geboren aus einem minder privilegierten Status.

Der Vorwurf verrückt zu sein, ist wohl das größte Kompliment, welches die Gesellschaft einem Einzelnen machen kann, da sie so erklärt, das man aus ihrer Mitte ver-rückt ist.

Kriege sind das Ergebnis überheblicher Fehleinschätzungen, wobei fünf menschliche Charaktere besonders anfällig dafür sind. Der selbstgefällig humanistische, aus dessen Sicht Kriege zur Niederringung der schlechten Menschen, die immer die anderen sind, legitim ist. Der ambitioniert militärische, für den ein Krieg ein hochdynamischer Prozess, in Folge taktischer Planungen zur Erlangung strategischer Ziele ist. Der rational wirtschaftliche, der in Kriegen eine Periode rasanten Verbrauchs wirtschaftlicher und neu zu produzierender Güter, sowie die Eroberung neuer Märkte erkennt. Der opportunistisch politische, der an Kriege zur Beseitigung mißliebiger ideologischer Kontrahenten zum Zwecke der eigenen Vormachtstellung glaubt und der überzeugt religiöse, der sich als Gottes Werkzeug im Kampf gegen Ungläubige sieht.

Unter Profilneurose versteht man einen rücksichtslosen Willen zu Macht und Geltung. Menschen die darunter leiden werden geächtet, außer sie betreiben ihren krankhaften Gemütszustand professionell, als Politiker. Eine Plage bleiben sie.

Ein Volk, das zehn mal mehr in sein Militär investiert als in seine Bildung, kann sich doch nicht wundern, wenn es häufiger in Konflikte verstrickt ist, als es Nobelpreise bekommt.

Das Jahr 1990 wird nicht als das Jahr der Freiheit in die Geschichte eingehen, in dem die Völker sich von den kommunistischen Systemen befreiten, sondern als das Jahr, in dem sich die Geißel der Menschheit entfesselte und ungezügelt begann die Welt zu umspannen, der Kapitalismus.

Die Geschichte wird zeigen, dass der Kapitalismus in seinen Konsequenzen das schrecklichste und folgenschwerste System war, welches der Mensch sich je erdacht hat.

Um unsere Existenz zu beenden müssen wir nicht die ganze Welt zerstören, sondern nur eine einzige für uns notwendige Ressource, die wir nicht ersetzen können.

Jede Zensur ist in ihrem Grunde, nicht der Versuch das Wort, sondern den Gedanken zu verbieten und als solches ein Eingeständnis, der Ohnmacht gegenüber den Gedanken.

Jede Wahl stützt das System, dass zu ihr aufruft. Die Teilnahme an Wahlen ist daher nur dann eine sinnvolle Entscheidung, wenn eine solche Unterstützung gewollt ist.

Demokratie bedeutet immer auch, das Recht eines Volkes, seine Unfreiheit oder seinen Untergang von einer Mehrheit bestimmen zu lassen und sei sie noch so sinnlos.

Bezeichnend für alle heutigen Gesellschaftssysteme ist, dass der Anteil der Bevölkerung, der in unverdientem Wohlstand lebt, proportional zu dem Anteil der Bevölkerung wächst, der in unverdienter Armut lebt.

Kein Volk hat sich mehr mit dem nicht akzeptablen Teil seiner Vergangenheit beschäftigt als das Deutsche. Täte dies ein Mensch, würde er als neurotisch gelten.

Armut ist wohl kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, aber sie ist immer die Folge eines solchen.

Es wird wohl kein kapitalistischer Grundsatz so vehement verschwiegen, wie die Tatsache, dass Geld nur dann seinen Wert behält, wenn es einen ausreichend großen Anteil derer gibt, die unter dem Mangel an Geld leiden. Der Reichtum des einen bedeutet immer zuerst, die Armut vieler anderer.

Nichts ist gefährlicher als ein Mensch, der in der einen Hand das Buch seines Glaubens und in der anderen ein Schwert hält.

Die Annahme, dass eine Marktwirtschaft aus sich heraus soziale Ziele unterstützen könnte, ist die naive Verkennung ihrer Zielrichtung.

Wahlen sind deshalb nicht frei, weil man nicht von Freiheit sprechen kann, wenn man eine Orange möchte, aber nur einen Apfel oder eine Birne zur Auswahl hat.

Die größte Gefahr für den Menschen ist der Mensch selber und seine Apokalypse ist die Gesellschaft.

Bücher sind jene mysteriöse Blattheftungen, in denen schon so manches Geheimnis, wirkungsvoll versteckt wurde, da sie den meisten als Beweisobjekte, der Zugehörigkeit zum Bildungsbürgertum gelten und als solche unantastbar sind.

Unsere Gesellschaft hat sich schleichend eine neue Maxime gegeben. Die Privatisierung von Rechten, bei gleichzeitiger Sozialisierung der Pflichten.

Nur einem ist es wirklich verboten, Gewaltfreiheit zu fordern, dem Staate, denn er ist Vollstrecker und Wächter des sich selbst legitimierten Gewaltmonopols.

Der Versuch der Veränderung oder Beseitigung eines Systems, welches ein Gewaltmonopol für sich in Anspruch nimmt, kann nur mit Gewalt vollzogen werden. Diese Gewalt ist als gerechtfertigt anzusehen, da sie nicht Beginn von Gewalt, sondern Reaktion auf das Monopol der Gewalt ist.

Demokratie ist das Prinzip der Mehrheitsbestimmung, daher schließen sie und Minderheitenschutz sich gegeneinander aus. Demokratien versuchen durch Aktionismus den Anschein daran aufrecht zu erhalten.

Als die Demokratie entschied, Sicherheit vor Freiheit zu stellen, stellt sie ihren Erhalt über ihre Werte. Sie wurde unantastbar, unhinterfragbar und unerträglich.

Es gibt eine Pflicht, aber kein Recht auf Widerstand, da von dem Moment an dem Widerstand geübt wird, dies nicht die Ausführung eines gewährten Rechtes, sondern zwangsläufige Folge einer empfundenen Pflicht, ist.

Das verwalten von Menschenmassen unter dem Minimalitätsprinzip, zum Zwecke der Machterhaltung nennt sich Regierung.

Wahlkampf ist ein, unter Ausschluss von Wahrheitsansprüchen geführter populistischer Schaukampf nach dem Opportunitätsprinzip, dessen Sieger die Macht winkt, ihn als Legalitätsprinzip zu deklarieren.

Wahlen sind der dem Volk erlaubte Austausch, vorbestimmter Protagonisten, unter Ausschluss der Gefährdung der Programmatik. Es wäre naiv zu glauben, dass sie substanzielle Veränderungen ermöglichen, da es sie nicht gäbe, wenn sie es könnten.

Das Dilemma der Regierungen in Demokratien besteht darin, ein Volk unter einer Staats tragenden Ideologie zu führen, das sie beauftragt es zu regieren, mit dem zusammen sie aber nicht regieren können und ohne das sie nicht regieren dürfen, aber die Führung begehrt, da es sich nicht zu führen vermag und einer Ideologie bedarf, da es keine eigenen Ideen hat.

Alles was ist, hat aus sich heraus, allein durch das Sein, einen unveräußerlichen Wert in seiner Existenz, unabhängig des Bezuges auf, oder der Interaktion mit Anderem. Dies ist der Wert der Dinge an sich und als solcher, mit menschlichen Parametern, weder erfassbar noch benennbar. Der größte Irrtum dem dieser Wert unterliegt besteht aber darin, dass wir glauben, er sei bezahlbar.

Alles ist in seinem Anfang vollkommen indeterministisch, mit einem morbiden Hang zum Determinismus, der in seiner Vervollkommnung, zum Ende von Allem führt.

Die Dinge an sich sind indeterministisch, werden aber durch Interaktion deterministisch, sowie alle Regelwerke deterministisch sind und durch Interaktion indeterministisch werden. So lässt sich für alles Seiende sagen, das es in seinem Grunde nicht kausal begründbar oder verifizierbar war und alles was geschieht, in seinem Verlaufe, die kausale Begründbarkeit und Verifizierbarkeit verlieren wird.

Es wird keine Zukunft geben, sowie es keine Vergangenheit gegeben hat. Zukunft und Vergangenheit sind erdachte Konstrukte, um uns die Abläufe der Dinge verständlicher zu machen. Alles geschieht einzig in der Gegenwart und das was wir an Zukunft vor uns zu sehen glauben, wird wenn es geschieht Gegenwart sein, sowie auch das was uns aus der Vergangenheit in Erinnerung ist, nicht mehr als Gedanke im Jetzt ist, der ebenfalls Gegenwart war als er geschah.

Der Sinn des Lebens kann als Annahme nur definiert werden, wenn er zum einen auf jede Spezies, als auch auf jedes Individuum innerhalb einer Spezies und alle als hinreichend erstrebenswert angenommen werden kann. Gleichzeitig muss aufgrund der voraus zu setzenden Erkenntnis der Individualität jedes Lebens, auf jede gemeinsame Zielsetzung als zwingendes oder verbindendes Regulativ verzichtet werden. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass der Sinn des Lebens von so grundsätzlicher Universalität sein muss, um sowohl kognitiv als auch intuitiv erfassbar und umsetzbar zu sein, unabhängig davon ob er gemeinsam oder einzeln durch persönliche Präferenz oder biologische Vorgaben zum tragen kommt. Voraus zu setzen ist ebenfalls, das der Sinn des Lebens in Einklang mit den Erkenntnissen der Evolutionstheorie stehen muss um eine maximale Lebensentfaltung zu ermöglichen, ohne die Inter- oder Intraaktion, oder Selektion der Phänotypen zu einzuschränken. Demnach ist anzunehmen das der Sinn des Lebens ist: DAS LEBEN NACH BESTEN WISSEN UND GEWISSEN ZU LEBEN. Dies beinhaltet zwangsläufig, dass der Sinn des Lebens nicht im Einklang mit gesellschaftlichen Idealen oder Werten stehen kann, da diesen der individuelle Charakter fehlt. Zwingend hieraus ist die Schlussfolgerung, dass jede Übereinstimmung mit einer kollektiven Norm, ein sicheres Indiz für den Umstand ist, dem Sinn des Lebens nicht zu folgen.

Zeit ist die physikalische Benennung von Geschwindigkeiten in einer Raumzeit Koordinate. Einen Ablauf von Geschehnissen in Zeit zu messen ist so sinnvoll, wie eine Darstellung nichtlinearer Kreisläufe mittels eines Strahlendiagramms nur sein kann, eben gar nicht.

Chaos ist der kognitiv erfassbare, hoch komplexe Übergangszustand zwischen indeterministischen und deterministischen Entitäten, wobei sich die Erfassbarkeit von chaotischen Entitäten, analog der Zunahme des Deterministischen Anteiles erhöht.

Alles Leben, ob Pflanze, Tier oder Mensch ist die temporär begrenzte, molekulare Zusammenstellung zu einer biotischen Masse. Der Tod ist die Auflösung dieser systematischen und temporären Begrenzung und erhält alle Bestandteile in immer neuer Zusammensetzung.

Die Annahme unsere Erde sei eine Kugel scheint mir eben so unzutreffend, wie die ihr vorausgehende Annahme, sie sei eine Scheibe.

Angenommen, der Urknall war die physikalische Reaktion der Singularität und die Geburtsstunde unseres Universums. Dann wäre die Annahme, es gäbe nur einen Urknall und damit nur ein Universum, gleichbedeutend der nach physikalischen Gesetzmäßigkeiten unzulässigen Annahme, dass dieses physikalische Gesetz nur ein einziges Mal funktionierte.

Naturgesetze sind entgegen der wissenschaftlichen Meinung, weder statisch noch ewig. Nicht die Dinge folgen den Gesetzmäßigkeiten, sondern diese den Dingen. Naturgesetze sind die Beschreibung der Interaktionen, der Dinge untereinander und verändern sich mit den Dingen selbst. Wären Naturgesetze statisch und ewig, wie die Wissenschaft davon ausgeht, müssten sie seit Beginn des Universums bestehen. Ich kann nicht davon ausgehen, dass vor der Entstehung von Atomen, bereits ein universelles Gesetz zur Weitergabe von Chromosomen bei Regenwürmern vorlag.

Wenn wir nach oben schauen – in den nächtlichen Sternenhimmel, sehen wir alle Vergangenheiten, die unsere Geschichte gehabt hat, aber wenn wir nach unten schauen – auf den Boden, sehen wir unsere einzige Zukunft.

Heinz Sauren

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