Der Euro und die Wahrung der Währung


eurotitanic

Ein unrühmliches Fazit und eine schlechte Prognose.

Der Euro ist das Symbol eines gespaltenen und rivalisierenden Europas geworden. Der Norden gegen den Süden und Arm gegen Reich. Der einstmals große Traum einer politischen und wirtschaftlichen Einheit und einem Leben in Wohlstand und Sicherheit, ist ausgeträumt. Längst geht es nicht mehr um die Erreichung der versprochenen Ziele und es geht nicht mehr um die Menschen, die dieses Europa ausmachen sollten. Sie sind zum Spielball höherer Interessen geworden, gehetzt von ökonomischen Zwängen und einem einzigen Ziel untergeordnet, dem Erhalt des Euro.

Was in Europa geschieht, wie und von wem es regiert wird, folgt den Zwängen des taumelnden Euro. Europa ist zu einer Gemeinschaft der Ängstlichen geworden. Es ist die Angst derer, die heute schon nicht mehr wissen, wie sie morgen leben sollen und Angst der noch nicht Betroffenen, morgen vielleicht vor diese Frage gestellt zu werden. Lange war Griechenland weit weg, Spanien und Portugal wohl nicht so schlimm, Italien sowieso was ganz anderes und Island und Irland wurden kaum bemerkt. Die Europrobleme der osteuropäischen Staaten wurden schon präventiv, medial unterdrückt. Dennoch war jeder Euro – Krisenstaat ein Pflasterstein auf dem Weg in den Untergang des Euro und an jedem zerbrachen die europäische Ideen und Werte. Keinem Krisenstaat konnte tatsächlich gerettet werden. Den meisten nicht einmal geholfen, sie wurden in einer unausgesprochenen Insolvenz geparkt um dort mit dem Geld aller europäischen Steuerzahler künstlich am Leben erhalten zu werden.

Dabei war jeder dieser Staaten allein Überlebensfähig und wäre es auch wohl noch heute, wenn sie dem Euro nicht beigetreten wären. Dennoch können sie heute ohne Hilfe nicht mehr überleben, doch das Geld geht nicht an sie, sondern an den Finanzmarkt. Er ist die Schlange, die vor den Krisenstaaten lauert und erbarmungslos sein Opfer verschlingen wird, wenn er nicht weiter gefüttert wird. Wir kaufen nur Zeit.  Europa ist ein Konstrukt, in dem der wirtschaftlich stärkere Norden, dem wirtschaftliche schwächeren Süden viel Geld geliehen hat um dessen Konsum anzutreiben, um dann noch mehr Geld an den Zinsen des geliehenen Geldes zu verdienen. Diese Zinsen sind die Probleme der Staaten und wenn sie nicht befriedigt werden, sprechen wir von einer Staatspleite. Die Finanzmärkte haben nicht trotz, sondern wegen der Schieflage ganzer Staaten enorme Gewinne gemacht und sie werden weiter auf ihre Zinsen bestehen.

Das völlig unüberlegte und illusorische Konstrukt des Euro, hat den Traum von Wohlstand und Sicherheit in Europa zerstört. Keinem Land, auch nicht Deutschland geht es heute besser oder nur so gut wie vor dem Euro. Gedacht war der Euro als Bollwerk gegen deutsche Großmachtsbestrebungen, aber geworden ist er zum Hebel einer deutschen Wirtschaftsdiktatur. Diese Ansicht ist in Deutschland unpopulär, aber im gesamten Rest von Europas, einhelliger Konsens. Insbesondere die deutsche Regierung wird auf jeden Fall versuchen, den Euro aufrecht zu erhalten, da im Falle eines Zusammenbruchs, Deutschland am meisten zu verlieren hätte. Die gegebenen Kredite ebenso wie die noch zu erwartenden Gewinne aus Zinsen. Vieles hat die Bundeskanzlerin überstanden, aber das könnte sie politisch nicht überstehen. Sie ist das Symbol des Euro, im In- und im Ausland und sie hat sich selbst dazu gemacht.

Im Zuge der krampfhaften Erhaltung des Euro, sind Gesetze zu ihrem wirtschaftlichen Nutzen gebogen worden, internationale Verträge ignoriert und elementare Grundsätze seiner Konstruktion über Bord geworfen worden. Kein Land wäre dem Euro beigetreten, wenn es geahnt hätte, in welche Gefahr es sich damit begibt. Einige Länder, wie Groß Britannien, Dänemark und Schweden haben die Gefahren erkannt und ihren Beitritt verweigert. Sie wurden als ängstliche Miessmacher bezeichnet und gefragt ob sie nicht die goldenen Zeiten sehen könnten, die der Euro bringt. Sie sahen sie nicht und taten gut daran. Heute sind sie kleine Oasen nationaler Währungsstabilität und zeigen, dass so etwas mitten in Europa möglich ist.

Der Euro ist nicht nur Währung. Er ist auch Wirtschaftsraum, Haftungssystem und politische Erklärung. Der universelle Anspruch über eine Währung hinaus führte in seiner Folge zu einer umfassenden Vernetzung der Eurostaaten und ihren Wirtschaften. Staatspleiten gab es schon immer, aber noch nie waren so viele unterschiedliche Staaten so eng miteinander verknüpft, dass der Sturz des einen, von den anderen unbedingt aufgefangen werden muss, um nicht selber zu stürzen. Eine Kette die nur den Sturz weniger zulässt um nicht alle mit sich zu reißen und zum bersten gespannt ist. Viele sind schon gefallen und nun strauchelt Zypern. Ein kleiner Staat an der Peripherie Europas, mit einem Wirtschaftsvolumen das kaum größer, als dass des Saarlandes ist, könnte nun der eine zuviel sein, der zu fallen droht. Dessen sind sich zumindest die europäischen Regierungschefs bewusst. Die geforderte Teilenteignung der zypriotischen Sparer, durch den Europarat war ein Tabubruch, den kein Regierungsmitglied zuvor gewagt hatte und auch jetzt nicht gefordert worden wäre, wenn das was einzutreten droht, nicht noch um vieles schlimmer wäre.

Auch für Zypern hat Deutschland ein Forderungskonto auf dem Kredite für Waren verbucht sind. Es sind ca. 25 Milliarden Euro und dieses Konto wird in dem Moment auf null gestellt, wenn Zypern sich für zahlungsunfähig erklärt. Es ist eine große Summe die der Finanzminister im Haushalt bereits verplant hat und ein guter Grund für die Bundesregierung, alles zu unternehmen was eine Pleite abwendet. Eine Pleite hätte Folgen und die könnten der Regierung die Wahl kosten. Die Bundeskanzlerin macht Druck auf den Europarat und der gibt den Druck an Zypern weiter. Der Einsatz ist hoch, denn sowohl die zypriotische Regierung als auch die Deutsche spielen mit ihrer politischen Zukunft. Die zypriotische sofort und die deutsche in sechs Monaten. Bei diesem Einsatz sind auch Tabubrüche erlaubt und so zeigt die geforderte Teilenteignung, wie es tatsächlich um Europa bestellt ist. Der Europarat hat alles auf eine Karte gesetzt. Gelingt es Europa die Teilenteignung in Zypern durchzusetzen, wird sie zum ultimativen Druckmittel gegen alle heutigen und zukünftigen Krisenstaaten. Aber auch die Folgen sind vorhersehbar. Wohlhabende und Teile der Wirtschaft werden Europa verlassen um sich einen Ort zu suchen, der sie vor Enteignungen schützt. Diese Kapitalflucht wäre dann die nächste Krise.

Gelingt es aber den Zyprioten sich gegen die Forderung der Enteignung zu behaupten, hat der Europarat nicht nur sein Gesicht verloren. Europa muss dann den anderen Krisenstaaten erklären, warum sie nicht auch gegen das Diktat aufbegehren sollten. Auch hier wartet schon die nächste Krise.

Es ist also zu erwarten das beide Seiten noch ein wenig ihren politischen Stolz präsentieren werden um dann einen Kompromiss zu finden, der jeweils ihrer Klientel glauben machen kann, sich durchgesetzt zu haben. Dem Land und den Zyprioten selber, bleibt dann das Schicksal aller anderen Krisenstaaten. Sie werden von Europa verwaltet und in einer unausgesprochenen Insolvenz geparkt. Bad Banks haben wir schon, Bad Lands schaffen wir uns.

Zu erwarten ist auch, dass die politischen Führungen der Euroländer, auf den wachsenden politischen und gesellschaftlichen Druck reagieren werden und dazu Gegenmaßnahmen einleiten. Es gilt ja schließlich den Euro trotz wachsender Widerstände zu erhalten und unsere Kanzlerin hat die Losung dazu bereits raus gegeben. „Koste es, was es wolle!“

Wie aber kann man politische und gesellschaftliche Widerstände eindämmen, wenn man die Ursache nicht in den Griff bekommt? Politische Aufklärung im Sinne der Erhaltung des Euro wird zwar unternommen, gilt aber eher als langfristige Maßnahme, da sie aus Erfahrung Jahre, wenn nicht Jahrzehnte brauchen wird, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Zeit die der Euro nicht hat.

Die Politik steht vor einer einfachen Fragestellung und einer schwierigen Antwort. Im Grunde gibt es nur zwei Optionen. Die Aufgabe des Euro und damit auch des europäischen Währungs- und Wirtschaftssystems. Diese Option scheidet nach den Bekundungen der Politik aus. Die zweite ist die Aufrechterhaltung des Euros. Sie ist das erklärte Ziel der Politik. Diese Option gebietet aber auch die Aufrechterhaltung des europäischen Wirtschaftssystems. In diesem Fall müssen Verbindlichkeiten und Zinsen zwingend durchgesetzt werden. Europas Führung hat sich zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftssystems entschieden und damit auch, die selbstzerstörerische Schuldenpolitik bedingungslos fortzusetzen. Auch dem Europarat ist klar, dass irgendjemand gefunden werden muss, der die Schulden dann bezahlt. Den Finanzmärkten reicht es zu glauben, dass sie ihr Geld bekommen werden, das ist ihr Geschäft. Sie verdienen während dessen an den Zinsen und verhalten sie sich ruhig.

So wurde der genommen der am wenigsten verstanden hatte und zu unorganisiert ist um sich effektiv dagegen zur Wehr zu setzen, um in seinem Namen das Zahlungsversprechen mit Zwangsvollstreckungsunterwerfung und nichts anderes ist eine Bürgschaft, abzugeben. Es war der Steuerzahler und er wurde durch Unwahrscheinlichkeitsbegründungen und Bagatellisierungen beruhigt. Infolge der inflationären Vermehrung von notwendig gewordenen Bürgschaften ist eine weitere Belastung der Steuerzahler politisch jedoch nicht mehr durchsetzbar. Der nächste Versuch einen Schuldner bestimmen und belasten zu können, zeigte sich in Zypern und war die Forderung nach Teilenteignung. Den Gesetzen der Märkte folgend ist dass, das ideale Mittel zur Bewältigung jeder Krise, da die Privatvermögen der Bürger Europas, alle Staats- und Bankschulden decken. Sowohl die gesamten Schulden als auch alle noch entstehenden Zinsen, wären besichert und könnten nach Bedarf befriedigt werden. Die Bankkundenverträge aller Kreditinstitute in Europa, sind bereits seit 2009 dahingehend geändert worden.

Es ist mehr als wahrscheinlich, dass der Europarat genau das erreichen will und in seinem Verständnis auch erreichen muss, da es die einzig realistische Option ist, an das benötigte Geld zu kommen. Um sich selbst zu erhalten ist Europa gezwungen, seine Bürger in Teilen zu enteignen. Die wirtschaftliche Notlage nötig die Politik, den Zugriff auf Privatvermögen zu ermöglichen, wissend das eine solche Forderung politisch, mit demokratischen Mitteln nicht durchsetzbar ist. Enteignungen und seien sie auch als Sonderabgaben deklariert, sind nicht mehrheitsfähig. Die Politik wird die Durchsetzung der Enteignung gegenüber dem Bürger erzwingen. Politisch begründet und wirtschaftlich gewollt.

Es ist nicht wahrscheinlich, dass der Euro und das politische Europa noch zu halten sind. Entweder werden wir Enteignungen erleben, dann wird Europa an den gesellschaftlichen Spannungen seiner Wirtschaftsdiktatur zerbrechen und den Euro mit sich ziehen, oder es wird keine Enteignungen geben, dann wird der Euro an seinen wirtschaftlichen und politischen Zwängen zerbrechen und Europa mit sich ziehen.

Mit jedem Schritt den das politische Europa noch macht um seine Währung zu retten, mutet es seinen Bürgern neue Härten zu. Mit jedem Tag den dieses Währungssystem noch länger besteht, wachsen die Verbindlichkeiten, die am Ende des Euros keiner mehr bezahlen wird. Sie bleiben als offene Forderungen der Nährboden für die Konflikte des Europas von morgen.

Am Ende wird ein Scherbenhaufen bleiben und Deutschland wird das Land sein, das wieder einmal europäische Großmacht sein wollte und Europa in den Abgrund gezogen hat.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren

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3 Antworten auf “Der Euro und die Wahrung der Währung”

  1. den letzten Absatz hätte Herr Sauren, sich und uns ersparen müssen, da er nicht stimmt.

  2. Tja werter Heinz….
    Wieder mal ein ein Treffer….
    Deine Worte beschreiben mein Empfinden, noch klarer, präzies.

    THX!

  3. Ich stimme dir zu Heinz, das Thema EU und die Währung desselben, und auch die Idee dahinter, ist gehörig in die Hose gegangen. Das Ende ist absehbar und wird mit einer Wirtschaftskrise für alle Länder enden.
    EUROPA WAR NICHT REIF FÜR DIE EU..

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