Darwins Evolution – Die Unvollendete

CarlesDarwin

Charles Darwin veröffentlichte 1859 sein Werk „Die Entstehung der Arten“. Ein Werk das nicht nur, wie der Titel es versprach, die Entstehung der Arten in ein neues Licht stellte, sondern insbesondere das Bild des Menschen zu sich selber grundlegend veränderte. Das Verständnis des Menschen zu sich selbst, lässt sich in eine Zeit vor Darwin und eine Zeit nach ihm einteilen.

Die Zeit vor Darwins Evolutionstheorie war geprägt durch die biblische Schöpfungsgeschichte und dem Bewusstsein daraus, das Rassen und auch der Mensch so wie sie sind geschaffen wurden. Es herrschte der Glaube, das unveränderliche Rassen und der unveränderliche Mensch auch einen unveränderlichen Zweck innerhalb einer biologischen Gemeinschaft haben mussten. Dieser Zweck wurde in der Schöpfungsgeschichte gleich mitgeliefert. Es gab den Menschen, der nach dem Abbild Gottes dazu bestimmt war über die Welt zu herrschen und Tiere und Pflanzen, die ihm zu diesem Zweck zu dienen hatten.

Die Evolutionstheorie besagte: Der Mensch ist wie alle biologischen Lebensformen nicht unveränderlich, sondern das Produkt einer langen Entwicklung, in vielen kleinen einzelnen Schritten und er wurde nicht als Mensch geschaffen sondern stammt wie alle anderen Tiere von dem gleichen Urahn ab. Seine Entwicklung war kein göttliches Gebot, sondern das Ergebnis beständiger Selektion, dem wichtigsten aber nicht einzigen Motor der Evolution.

Die Evolutionstheorie stürzte zumindest aus biologischer Sicht den Menschen von seinem selbst geschaffenen Thron und wurde im Laufe der Zeit zu bestimmenden Wissenschaftsmodell, welches heute wohl niemand mehr ernsthaft in Zweifel zieht. Seit dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung zog sie massive Kritik auf sich, die sich weniger auf die durch sie beschriebenen Abläufe bezog, sondern zumeist auf die Konsequenzen, die ihre Lehre zwangsläufig mit sich brachte. Es waren die Kirchen und die Verfechter des unantastbaren Rechts auf eine biologische und moralische menschlichen Überlegenheit die wirkungsvoll verhinderten, dass die Konsequenzen der Evolutionstheorie auch in der Ökologie, der Ökonomie und dem Sozialwesen anerkannt wurden und sie somit bis heute im Grunde eine biologische Theorie geblieben ist. Dieser Sonderstatus, dass die Evolutionstheorie zwar universal gültig ist, für den Menschen aber nur in Übereinstimmung mit seinen sozialen, ökologischen und ökonomischen Zielen Anwendung findet, gilt bis heute. Wir sind im Besitz einer Theorie, die uns wie kaum eine andere die Realitäten erklärt, ignorieren und verwerfen sie aber grundsätzlich, wenn sie nicht unseren sozio-politischen Zielen entspricht.

Darwin selbst erkannte die Folgen seiner Theorie auf den Menschen selbst und sagte bereits vor einhundertfünfzig Jahren, was auch heute noch niemand hören möchte: „Wenn die … minderwertigen Glieder der menschlichen Gesellschaft nicht zurückhalten, sich schneller als die Bessern zu vermehren, so wird das Volk zurückgehen, wie die Weltgeschichte oft genug gezeigt hat. Wir müssen uns erinnern, dass der Fortschritt kein unabänderliches Gesetz ist.“

Die Evolutionstheorie besagt das die Selektion nicht nur durch Interaktion der Rassen greift, sondern auch durch Intraaktion der Mitglieder einer Rasse unter einander gegeben ist, also es auch zwischen den Menschen selbst eine Selektion, die Verdrängung des Minderwertigen durch den Höherwertigen, stattfinden muss um eine Entwicklung überhaupt zu ermöglichen. Obwohl dieser Sozialdarwinismus heute, heuchlerisch politisch verpönt wird und gesellschaftlich geächtet ist, kann er dennoch nicht geleugnet werden und ist fester Bestandteil aller Gesellschaften und der Zivilisation selber. Global verdrängen die reichen Staaten die ärmeren von den Ressourcen, ihrer Überlebensgrundlage und innerhalb der Gesellschaften verfahren die Reichen mit den Armen in gleicher Weise. Reichtum ist in einer nach sozio-politischen Zielen verbogenen Evolutionstheorie die Höherwertigkeit und Armut die Minderwertigkeit in einem Überlebenskampf, den schon Darwin in seiner Evolutionstheorie voraus sagte.

Darwin schreibt, in seinem Buch, die Entstehung der Arten, dass die Population einer Rasse grundsätzlich exponentiell wächst, während die Nahrungsmittelproduktion nur linear wachsen kann. Somit kann das exponentielle Wachstum nur für eine beschränkte Zeit aufrechterhalten werden und irgendwann kommt es zu einem Kampf um die beschränkten Ressourcen. Darwin erkannte, dass dieser Grundsatz auf alle Arten anwendbar ist und ein solcher Konkurrenzkampf dazu führt, dass vorteilhafte Variationen erhalten blieben und unvorteilhafte Variationen aus der Population verschwänden. Dieser Mechanismus der Selektion erklärte die Veränderung und auch die Entstehung von neuen Arten.

Der Motor der Selektion einer menschlich angepassten Evolution ist das Geld. Geld ist das Maß an dem eine Höher- oder Minderwertigkeit bemessen wird und es ist ein Maß, das falscher nicht sein könnte. Grundsätzlich muss jedes Maß was zu einer Bemessung heran gezogen werden kann, auf das zu Bemessende anwendbar sein. Das fehlen diese Anwendbarkeit führt zu Aussagen ohne Wert. Ein Liter Wasser mit einem willkürlich bestimmten Maß gemessen, z.B. einem Amperemeter führt zu keiner sinnvollen Aussage.

Das Geld als Maß der menschlich dominierten Evolution zu zulassen bedeutet ein Maßstab zu wählen, der für einen Mensch, der sein Weltbild am Geld orientiert relativ genau ist, für einen Menschen der das nicht tut relativ ungenau, für die meisten Naturvölker kaum einsetzbar und für alles Leben was nicht menschlich ist völlig unbrauchbar ist, da diese kein Verständnis und keinen Wert zu diesem Maß haben. Aus evolutionärer Sicht handeln Geld orientierte Gesellschaften und damit der größte Teil der menschlichen Zivilisation falsch.

Die meisten Menschen und ihre Gesellschaften wähnen sich als evolutionäre Erfolgsmodelle, da sie das Geld und damit den wirtschaftlichen Erfolg, als evolutionären Maßstab ansehen. Doch Evolution geht anders. Nicht der Glaube an einen Maßstab macht diesen tatsächlich zu einer Bemessungsgrundlage. Er verschleiert jedoch die tatsächliche Selektion, der die Menschheit ausgeliefert ist. Evolution ist kein Wirtschaftserfolg und auch keine Populationsexplosion, wie sie der Mensch zurzeit erlebt. Nicht der kurzfristige Erfolg weniger Generationen gegenüber anderen Rassen ist Evolution. Evolution ist das Vermögen einer Spezies die eigenen Ressourcen gegenüber anderen Rassen und den Mitgliedern der eigenen Rasse die diesen Erhalt gefährden, zu bewahren. Evolution ist nicht Expansion. Expansion ist nur im Anfangsstadium einer Rasse üblich und gefährdet bei Aufrechterhaltung die eigenen Ressourcen und damit das eigene Überleben. Evolution wirkt auch innerhalb sozialer, ökonomischer und ökologischer Räume des menschlichen Lebens. Der Sozialdarwinismus ist ein Fakt in jeder Population, auch in der menschlichen. Zu verurteilen ist er innerhalb der menschlichen jedoch, weil er in ihr nur darwinistisches Etikett, dass ausschließlich willkürlichen sozio-politischen Zielen folgt und als solches den Realitäten der evolutionären Mechanismen widerspricht.

Gemäß der Evolutionstheorie müssen alle Entwicklungen einer Spezies in kontinuierlichen und kleinen Schritten geschehen. So schützt die Evolution sich selbst vor Fehlentwicklungen, da jeder kleine Entwicklungsschritt sich in Bezug auf seinen evolutionären Zweck beweisen muss. Das tut er dadurch das seine Auswirkungen im kleinen beweisen, das er auch in Zukunft die wichtigste evolutionäre Maßgabe, den Schutz der überlebenswichtigen Ressourcen nicht gefährdet. Die technische Entwicklung des Menschen war rasant und gemäß Darwins Vorhersage zu schnell für eine natürliche Entwicklung. Sie gefährdet sie nun das Überleben der Menschheit, da sie die Ressourcen vernichtet.

Gemäß Darwin befindet sich jede Spezies in einem beständigen Kampf um die für sie überlebenswichtigen Ressourcen und bildet in diesem Überlebenskampf durch Verdrängung nicht vorteilhafter Eigenschaften eine immer perfektere Spezies heraus. So hat jede Tier- und Pflanzenart für sie typische Befähigungen gegenüber anderen erworben, die im direkten Vergleich zu einer anderen Rasse eine Höherwertigkeit ergibt und das überleben sichert. Die Giraffe hat einen langen Hals, der ihr das Blattgrün zugänglich macht, welches anderen Pflanzenfressern vorenthalten bleibt. Das Kamel kann die Ressource Wasser speichern um in Gegenden leben zu können, die für andere tödlich wären. Die Physiognomie des Menschen lässt jedoch keinen Schluss auf seinen Populationserfolg zu. Der Körper des Menschen reicht nur zu einem mittelmäßigen Rang innerhalb des Tierreichs. Der evolutionäre Vorteil des Menschen ergibt sich durch seine Anpassungsfähigkeit und die ist eine direkte Folge seiner Erkenntnisfähigkeit. Das Gehirn des Menschen ist das Organ, mit dem er sich der inter- und intraaktiven Selektion stellt und die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, umfassendere theoretische Erkenntnisse als andere Rassen zu gewinnen, ist der evolutionär gebildete Vorteil, der seinen evolutionären Erfolg bisher sichert. Das Gehirn und seine möglichst aktive Tätigkeit ist der evolutionäre Zweck des Menschen.

In der Interaktion mit anderen Rassen ist gemäß der Evolutionstheorie, weder ein wirtschaftlicher Erfolg, noch eine soziale Machtstellung dazu geeignet den evolutionären Druck zu mindern, oder ein Kriterium im Sinne der Evolution höherwertig zu sein. Offensichtlich ist, dass der enorme Aufwand zur Erlangung solcher Stellungen die Ressourcen mehr als notwendig gefährdet und somit auf einen evolutionären Misserfolg deutet. In der Intraaktion der Menschen untereinander, in der die Minderwertigkeit auf eine zu erwartende Verdrängung deutet, zeigt sich eine noch größere Gefahr in der Annahme, dass wirtschaftlicher Erfolg oder eine soziale Machtstellung auf Basis von Besitz, eine Höherwertigkeit begründet. Die Gefahr ist die Unterdrückung der menschlichen Weiterentwicklung durch Verhinderung der freien Intraaktion der Menschen, für die Erlangung gewünschter wirtschaftlicher und sozio-politischer Ziele.

Der evolutionäre Motor des Menschen ist seine Erkenntnisfähigkeit. Die Erlangung von Erkenntnis ist der evolutionäre Auftrag an den Menschen und der einzige Weg seine Entwicklung zu gewährleisten, als auch sein Überleben zu sichern. Gemäß Darwins Evolutionstheorie ist es dabei nicht eine überragende Erkenntnis weniger Menschen gemeint, sondern eine möglichst große Anzahl unterschiedlichster Erkenntnisse, einer möglichst großen Anzahl von Individuen, die alle in direkter und ungefilterter Konkurrenz zueinander stehen und dadurch die minderwertige Erkenntnis im Sinne des evolutionären Erfolgs verdrängen. Da der evolutionäre Erfolg sich auf ein zukünftiges Überleben richtet, ist dieser nicht direkt zu bemessen. Handeln im Einklang mit der menschlichen Evolution bedeutet daher die Vorraussetzungen zu schaffen, die Erkenntnisse möglichst vieler Individuen ermöglichen und für das Individuum selbst, die evolutionäre Pflicht nach Erkenntnis zu streben. Dies nicht mit allen Kräften zu versuchen, auch das ist ein evolutionäres Prinzip, bedeutet die Minderwertigkeit eines Individuums innerhalb der evolutionären Abläufe. Aufgrund der nicht Überprüfbarkeit eines etwaigen zukünftigen Erfolges, gilt bei der Erlangung von Erkenntnissen als evolutionäre menschliche Pflicht nicht die tatsächliche Erkenntnisfähigkeit des Individuums als ausschlaggebend sondern die Erkenntniswilligkeit, die Bereitschaft nach Erkenntnissen zu streben. Qualitativ ist der evolutionäre Erfolg nur an zwei Punkten messbar. Zum einen, in wie Weit gemachte Erkenntnisse dazu verhelfen einer Rasse die Ressourcen zu sichern und damit das Überleben zu gewährleisten und zum zweiten, durch die unbedingte Aufrechterhaltung des Prinzips der Erkenntnisgewinnung zur Erreichung des evolutionären Erfolgs.

Darwins Theorie beschreibt das Prinzip der Evolution und würde sie nicht ängstlich als rein biologische Theorie betrachtet, wäre sie eine Revolution des Verständnisses des Menschen zu sich selbst und der Welt in der er lebt. Beinahe einhundertfünfzig Jahre nach Veröffentlichung der Evolutionstheorie ist sie immer noch so wenig und falsch verstanden, dass jeder Versuch sie in ihren Konsequenzen zu Ende zu denken, massivste Kritik sozialromantischer Idealisten hervor ruft. Sie über ihren rein wissenschaftsbiologischen hinaus zu denken, bedeutet die Infragestellung des gesamten Gesellschaftssystems und der menschlichen Zivilisation selber, die immer noch und gegen besseres Wissen, Systeme des Ressourcenraubbaus und des menschlichen Allmächtigkeitsanspruchs sind. Das Wirtschafts- und Demokratiesystem sind aus evolutionärer Sicht keine Modelle die eine natürliche Selektion aufrechterhalten und die Zivilisation hat bei der Erhaltung der Ressourcen völlig versagt. Es ist offensichtlich, dass die Menschheit neuer Erkenntnisse bedarf um ihren Fortbestand zu sichern und offensichtlich ist auch, dass solche Erkenntnisse in qualitativ sinnlosen aber quantitativ bestimmenden Systemen von Demokratien und Marktwirtschaften, sich nicht durchsetzen konnten. Wäre es anders, wäre auch die heutige Situation der Menschheit und ihre desaströsen Folgen auf die Umwelt und die Ressourcen, eine andere.

Die nicht vollzogenen Schlussfolgerungen aus Darwins Evolutionstheorien liegen auf der Hand. Alle biologischen Arten haben einen gemeinsamen Ursprung und alle sind einen erfolgreichen Weg durch die Evolution gegangen. Alle sind der Gefahr der Verdrängung ausgesetzt und vom Aussterben bedroht. Der Mensch ist keine Ausnahme. Die Annahme, das, der Mensch die eigene Evolution durch die Schaffung eines künstlichen Systems in dem er lebt, den Gesellschaften umgeht und das seine dominante Rolle als Spezies seinen evolutionären Erfolg bezeugt ist falsch. Der Mensch ist auch innerhalb der von ihm geschaffenen Systeme weiterhin biologischen Gesetzmäßigkeiten, als auch der Interaktion mit anderen Spezies ausgeliefert, wenn auch nicht mehr durch konkurrierende Säugetiere, sondern zumeist von primitiveren Lebensformen wie Bakterien und Viren. Auch die Intraaktion untereinander ist weiterhin gegeben, wenn auch unter der menschlich bestimmten und falschen Bemessungsgrundlage, des Geldes. Die Mechanismen der Evolution bleiben auch in einer für den Menschen angepassten Welt weiterhin aktiv und sie zu ignorieren wird nicht folgenlos bleiben. Auch die Annahme, dass Industriegesellschaften die logische Konsequenz unserer Entwicklung also die Evolution selbst sein ist unsinnig. Zum einen sind die technischen Errungenschaften des Menschen nur das Produkt seiner Erkenntnisse und damit ohne Selbstzweck und eigene evolutionäre Grundlage und zum anderen wird sich erst noch beweisen müssen ob diese Erkenntnisse dazu geeignet sind, die Ressourcen der Spezies Mensch zu erhalten und damit sein Überleben zu gewährleisten. Die Tatsache, dass der Mensch in zweihundert Jahren technischen Fortschritts beinahe seine gesamten Ressourcen vernichtet oder unbrauchbar gemacht hat, lässt eher vermuten, dass die Erkenntnisse die zu seinem technischen Fortschritt geführt haben, nicht haltbar im Sinne einer Überlebensstrategie sind.

Evolution ist Konkurrenz und Verdrängung. Evolution ist Selektion. Die heute Sicht auf die Evolution folgt dem Fehlschluss, das der Mensch sich trotz der evolutionären Selektion durchgesetzt hat und führt damit zu der irrigen Annahme, dass er seinen Fortbestand ohne die Evolution sichern kann. Das Ergebnis ist, er versucht sich der natürlichen Evolution zu entziehen. Richtig wäre die Annahme, dass der Mensch sich nicht trotz, sondern gerade durch die evolutionäre Selektion entwickelt hat. Das Werten in evolutionär sinnvolle Höher- und Minderwertigkeit, war kein Hemmschuh in seiner Entwicklung sondern bestimmender Anteil, der seine Entwicklung überhaupt erst ermöglicht. Es ist naiv zu glauben, durch Optimierung seines Lebensraumes auf seine Bedürfnisse den evolutionären Maßgaben entfliehen zu können. Richtig ist aber auch, dass es dem Menschen durch die Anpassung seines Lebensraumes und die Vernichtung natürlicher Konkurrenz, außerhalb einer selektiven Notwendigkeit gelingt, evolutionäre Prozesse fehlzuleiten und damit die selektiven Wirkungen der Evolution abschwächt. Was dem Menschen wie eine Befreiung vorkommen mag, ist jedoch tatsächlich die teilweise Loslösung aus einem System von Wirkungen, ohne das es ihn nicht gäbe und wahrscheinlich auch in Zukunft nicht mehr geben wird, da der menschliche Organismus zwingend die biologische Konkurrenz braucht um sich weiter entwickeln zu können.

Darwin zeigte, das alles Leben den gleichen Ursprung hat und damit auch, dass alle Rechte die wir für uns in Anspruch nehmen, ebenso für jedes Leben gelten. Er zeigte, das evolutionärer Erfolg sich nicht in der Dominanz einer Rasse äußert, sondern in ihrer Befähigung ihre Ressourcen zu sichern. Auch das ist ein Recht allen Lebens. Das Entscheidenste aber, was Darwin zeigte ist, dass keine Rasse sich ohne Evolution entwickelt hat oder entwickeln wird. Keine Rasse entwickelt sich daraus, das sie andere domestiziert, sondern daraus, dass sie in natürlicher Konkurrenz zu ihr steht. Der evolutionäre Druck ergibt sich gerade aus der Möglichkeit in freier Konkurrenz zu unterliegen.

Es ist an der Zeit die Evolutionstheorie zu akzeptieren, weil sie beständig auf uns wirkt auch wenn wir sie ignorieren und wir unsere Zukunft in Frage stellen, wenn wir uns ihr nicht ausliefern. Die Höher- und Minderwertigkeit einzelner Individuen ist keine zu überwindende soziale Ungerechtigkeit, sondern ein überlebenswichtiger Wert, der nicht ungerecht sein muss, wenn er nicht mit dem falschen Maßstab gemessen wird. Der Mensch ist das Wesen der Erkenntnis, ohne sie hat er keine Zukunft und Erkenntnis bedeutet immer auch, nicht sinnvolle Verhaltensweisen im Sinne eines evolutionären Erfolges zu verwerfen. In der Vergangenheit konnten wir das, darum leben wir. Die Frage ist, ob wir das auch in Zukunft können, oder ein Auslaufmodell der Evolution sein werden.

Auf dem Weg, den die Menschheit seit ein paar hundert Jahre beschreitet, wird sie keine Zukunft haben. Sie hat es nicht verstanden ihre Ressourcen zu bewahren. Wenn es eine Rettung für die Menschheit gibt, wird sie nicht Folge wirtschaftlicher oder politischer Macht, sondern natürlichen Ursprungs sein. Sie wird auf neuen, anderen Erkenntnissen beruhen und von Menschen geführt werden, die befähigt waren diese Erkenntnisse zu gewinnen. Diese Menschen sind der Zweck und Grund der Existenz der gesamten Menschheit und sie werden diejenigen verdrängen müssen, die die Menschheit in den letzten zweihundert Jahren geführt haben, mit samt ihren Werten und Ideologien, um unser Überleben zu sichern.

Der Mensch ist auf diesem Planeten die dominierende Rasse, ob er eine evolutionär erfolgreiche Rasse bleiben wird, ist davon abhängig wie seine Gesellschaft mit denen umgehen wird, die bestrebt sind neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Aber wahrscheinlich wird der Mensch seine vermeintliche Allmacht nicht aufgeben wollen, was dann gemäß der Evolutionstheorie zu einem Kampf um die Ressourcen führt, bis nur noch so wenige Exemplare der Gattung Mensch den Planeten bevölkern, das diese von den stark dezimierten Ressourcen leben können. Wenn Darwin Recht behält und das ist in hohem Maße wahrscheinlich, werden wir uns bekriegen, bis zwei Drittel der Menschheit vernichtet wurden. Im Sinne unserer Zukunft bleibt dann nur zu hoffen, dass möglichst viele Erkenntniswillige dies überleben werden.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren

Advertisements

Anonymous

 

We are Anonymous

Wer ist Anonymous? Bin ich es? Vielleicht! Sind Sie es? Vielleicht! Niemand ist Anonymous, da Anonymous keine feste Struktur und keine Hierarchie kennt, man also kein Mitglied sein oder werden kann.

Dennoch kann jeder Anonymous sein, der sich für Freiheit und Recht einsetzt. Freiheit und Recht, die nicht von staatlicher Seite oder gesellschaftlichen Gruppen vordefiniert wurde, sondern dem folgt, was unsere Großeltern noch einen gesunden Menschenverstand nannten.  Anonymous hat seine Wurzeln im WWW, aber ist nicht nur im Web tätig und zeigt sich bei Wiederständen, Bewegungen und Aktivitäten, auch in der „realen“ Welt.

Anonymous ist keine terroristische Vereinigung, keine nebulöse Gruppe von Hackern, sondern das Pseudonym vieler unterschiedlichster Menschen, die nach ihrem Können und Wissen gegen die Entrechtung und den Verlust der Freiheit aufbegehren. Eines der wichtigsten Mittel hierfür ist das Internet, das unbegrenzte und unzensierte Meinungsvielfalt gewährleisten kann, jedoch weltweit den Versuchen staatlicher Kontrolle und Zensur ausgesetzt ist.  Anonymous kämpft gegen diese Versuche und wird dabei durch die Medien und die Staatsgewalten kriminalisiert, weil Anonymous dafür die gleichen Mittel wählt, die für alle staatlichen Institutionen als selbstverständlich gelten. Die Anonymität, die alleinig die Gleichheit der Mittel in diesem ungleichen Ringen um die Freiheit gewährleistet.

Die in Fragestellung der Anonymität ist jedoch nur vordergründige Rhetorik. Entweder ist Anonymität ein rechtliches Gut, sowie Anonymous es versteht, dann können sich die stattlichen Organe und Anonymous gleichsam darauf berufen, oder aber Anonymität wird generell untersagt, was dann aber auch beide dazu nötigen würde ihre Anonymität aufzugeben. Die Politik entschied sich, diese Fragestellung nicht zu beantworten und geht wohl schweigend davon aus, dass staatliche Organe das Recht der Anonymität als gestalterischen Freiraum besitzen, in der eine rechtliche Überprüfung ihrer Aktivitäten ausgeschlossen ist. Die Geschehnisse um die Aufklärung der NSU Morde haben deutlich gezeigt, dass geheime Handlungen von Polizei und Ministerien, zu oft auf Rechtsbeugung und Bruch basieren. Auch gegen Anonymous wird der Vorwurf erhoben, die eigene Anonymität mißbraucht zu haben. Die Frage des Mißbrauchs stellt sich für beide Parteien und ist auf beiden Seiten nicht auszuschließen.

Zur Zeit geben jedoch die staatlichen Institutionen, die Anonymität vor.

We are Anomymous.          Wir sind Anonymous.

We are Legion.                   Wir sind viele.

We do not forgive.             Wir vergeben nicht.

Expect us.                          Erwartet uns.

Da Anonymous als Kollektiv arbeitet, gibt es keinen formell verantwortlichen Pressesprecher. Die Antworten auf die Fragen von le bohémien erarbeiteten rund 15 Anonyme in simultaner Gemeinschaftsarbeit. Die Anonymen sprechen in diesem Zusammenhang auch von einem so genannten Hive-Bewusstsein. Die Aussagen des Hives spiegeln einen möglichen Konsens innerhalb der Vereinigung wieder, können aber, prinzipbedingt, keine Allgemeingültigkeit für Anonymous haben.

le bohémien: Anonymous definiert sich als Verteidigungsinstanz der Meinungsfreiheit, bei Anonymous mitzuarbeiten bedeutet gegen Zensur zu kämpfen. Wieso setzt sich Anonymous so überzeugt für die Freiheit der Kommunikation ein? Wieso zieht dieses Ziel so viele Individuen an und wieso opfern die Mitglieder von Anonymous ihre Freizeit für diesen Kampf?

Das Internet gilt als letztes freies Medium, in dem sich Informationen und Meinungen jeglicher Art entfalten können. Anonymous möchte unter anderem verhindern, dass Regierungen und Konzerne im Eigeninteresse diese Meinungsfreiheit eindämmen.

Als Annäherung an diese Problematik kann beispielsweise auf die „Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace“ von John Perry Barlow hingewiesen werden.

le bohémien: Wir sollten in diesem Zusammenhang auf die Geschichte von Anonymous eingehen. Was gibt es dazu zu sagen?

Anonymous selbst entstand aus dem Imageboard 4chan und wandelte sich von einer „Spaßbewegung“ zu einem politisch motivierten Kollektiv von Kritikern und Aktivisten.

Anfang 2008 gelangte ein ursprünglich internes Scientology-Video, in welchem Tom Cruise unkritisch über sich und Scientology redet, ins Internet und wurde auf YouTube hochgeladen. Scientology unterstellte YouTube daraufhin eine angebliche Verletzung des Urheberrechts und forderte die Beseitigung des Videos. Als Reaktion auf diesen Zensurversuch seitens Scientology formulierten 4chan-Nutzer das „Projekt Chanology“, was gleichzeitig die Geburtsstunde von Anonymous als Kollektiv darstellt.

Seitdem hat sich Anonymous stark weiterentwickelt und setzt sich nun für eine Vielzahl von Zielen mit Bezug auf freie Meinungsäußerung ein. Ziele, mit denen sich heutzutage meist junge Menschen identifizieren können. Dadurch lässt sich wohl auch das große Interesse an Anonymous erklären.

le bohémien: Deutschland verfügt über eine vergleichsweise heterogene Presselandschaft. Weltweit haben Menschen die Möglichkeit, sich in bisher nie gekanntem Ausmaß digital zu vernetzen. Wo macht Anoymous konkret eine Gefährdung der freien Meinungsäußerung aus?

Wer glaubt, die Freiheit werde in letzter Instanz auch vom Terrorismus bedroht, der hat wohl nicht Unrecht. Denn wer heute einen Lötkolben kauft, macht sich schon fast verdächtig. Wenn dazu noch Grillanzünder im Einkaufswagen liegt, gilt es bereits als fast bewiesen, dass man ein Terrorist ist. Aber im Ernst: Menschen werden ohne Grund durchsucht, Abhörmaßnahmen werden gedankenlos legitimiert, staatliche Spähprogramme dürfen auf private Computer eingeschleust werden, Standortdaten werden abgeglichen und so weiter.

In vielen Ländern der Welt ist Zensur und mediale Vollkontrolle längst bittere Realität und auch in Deutschland denken sich Politiker in stetiger Regelmäßigkeit neue Maßnahmen aus, mit denen sie die Bürger in ihrer Freiheit einschränken oder letztendlich gar gefährden. Denn genauso sicher wie Atomkraftwerke und Playstation-Netzwerke sind auch die Server, auf denen sensible persönliche Informationen massenhaft gespeichert werden.

Oft geschieht diese Speicherung unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung. Ein ebenfalls populäres Argument war in der Vergangenheit die Bekämpfung der Kinderpornographie. Anonymous bezweifelt, dass dies die ganze Wahrheit ist, doch dies weiter auszuführen würde zweifellos den Rahmen dieses Interviews sprengen.

le bohémien: Anonymous-Aktivisten treten in der Öffentlichkeit immer mit Guy-Fawkes-Masken auf. Die Masken scheinen zu einer Art Markenzeichen geworden zu sein. Hat man sich diesbezüglich von dem Film und Comic „V wie Vendetta“ inspirieren lassen? Was bedeutet dieses Bild für Anonymous?

Die Maske ist ein Zeichen des Widerstands der Kraft der Masse gegen Unterdrückung jedweder Art und als Symbol für die Macht des Volkes zu verstehen.

Darüber hinaus symbolisiert die Nivellierung der individuellen Unterschiede durch einheitliche Masken die objektive Kraft, die in einem als Kollektiv operierenden Schwarm entsteht. Es benötigt keiner geschriebenen Gesetze, keiner elaborierten Ideologie oder Anthropologie, da ein so agierendes Kollektiv eine Art übergeordnete Weisheit entwickelt, die sich schlicht auf dem einfachen menschlichen Sein gründet.

le bohémien: Insbesondere in Bezug auf die von Anonymous durchgeführten Hack-Attacken auf Paypal und Mastercard ist zu fragen: Was legitimiert die Vorgehensweise von Anonymous? Juristisch ist dies ein krimineller Akt, der für Kritiker von Anonymous Angriffsfläche bietet.

Bei den Angriffen auf Visa, Paypal und Mastercard handelte es sich nicht um Hacks oder Cracks sondern lediglich um Distributed Denial-of-Service-Attacken. Eine so genannte DDoS-Attacke kann man prinzipiell mit einer Sitzblockade vergleichen. Dennoch wird in Deutschland die Beteiligung an DDoS-Attacken als „Computersabotage“ gewertet und nach § 303b Abs. 1 StGB mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe geahndet.

Zum technischen Hintergrund: Indem die ausgewählten Server gezielt mit sinnlosen Anfragen überlastet werden, wird der Zugang zu den Diensten, die über diese Server laufen, verwehrt. Ketten sich Umweltaktivisten an die Gleise, muss der CASTOR-Transport auch stoppen, um im Bilde zu bleiben.

Es sei hier auch darauf verwiesen, dass ein Demonstrant, der sich an einer Sitzblockade beteiligt, für gemeinhin nicht danach gefragt wird, was sein Handeln legitimiert, obwohl sein Verhalten den Tatbestand der Nötigung erfüllt. Wir sehen hierin einen Widerspruch.

Dennoch möchte Anonymous mit diesen virtuellen Sitzblockaden nur bestimmten Verantwortlichen schaden, jedoch nicht Unbeteiligten. Als beispielsweise bekannt wurde, dass infolge der DDoS-Angriffe auf Sony auch deren User unter Unfreiheiten litten, wurden die Attacken eingestellt und eine formelle Entschuldigung an die Nutzer formuliert.

le bohémien: Auch wenn Anonymous in erster Linie als eine kollektive Idee, als ein kollektives Bewusstsein verstanden werden muss, stehen hinter dieser Idee Menschen. Berücksichtigt man, dass es keine offzielle Mitgliedschaft bei Anonymous gibt und dass zuverlässige Daten zu Anonymous nicht existieren, auf welchen Gebieten ist Anonymous als besonders kompetent und fähig anzusehen?

Es ist die Bündelung von Kräften und Interessen Einzelner, die uns immer wieder aufs Neue unsere wahren Fähigkeiten und Kompetenzen offenbart.

le bohémien: Gut, anders gefragt: Anonymous versteht sich selbst als Kollektivbewusstsein. Erklärungen, Operationen und Strategien entstehen, indem mehrere Anonymous simultan daran arbeiten. Wie muss man sich die Arbeitsorganisation bei Anonymous konkret vorstellen?

Es gibt nicht „die“ Arbeitsorganisation, so wie es auch keine Führung gibt. Immer, wenn sich genügend Leute für eine Aktion zusammenfinden, entscheiden sie spontan, was sie machen und wie sie es machen. Alle Abläufe bekommen dadurch eine Unschärfe, einen X-Faktor, ein kreatives Chaosmoment. Es gibt eine gewisse kollektive Ästhetik und verschiedene Codes, an denen sich die Aktiven orientieren, aber auch das ist ständig im Fluss und wandelt sich mit den Anonymen.

Oftmals ist es so, dass sich die Idee zu einer Operation über IRC oder öffentliche, so genannte Pads – die es einer beliebigen Zahl von Usern ermöglichen, gleichzeitig und unabhängig an ein und demselben Dokument zu arbeiten – verbreitet. Hier werden in der Regel die Grundrisse eines Vorhabens aufgezeichnet und dann mithilfe des Kollektivs erweitert und verbessert.

le bohémien: Wir würden gerne verstehen auf welchen Gebieten Anonymous derzeit tätig ist. Ist es möglich einen kleinen Überblick zu den aktuell wichtigsten und umfangreichsten Operationen zu geben?

Derzeit dürfte die #opIran recht beliebt sein. Der Iran ist schon seit Langem als Land bekannt, in dem eine unterdrückerische Staatsmacht mit und durch Gewalt und Zensur herrscht.

Als nun jedoch von einer staatlichen Presseorganisation eine Liste mit persönlichen, sensiblen Daten von Demonstranten, die gegen eben jenes Regime öffentlich Position bezogen haben, veröffentlicht wurde und diese Personen dadurch im übertragenden Sinne „zum Abschuss“ freigegeben wurden, wurde es Zeit zu handeln. Den zu der Operation Iran gehörenden Videoclip findet man hier. Es gab bzw. gibt aber auch noch weitere arabische Operationen, unter anderem #opTunesia, #opEgypt, #opLibya, #opBahrain und #opSyria.

le bohémien: Welche weiteren Projekte, oder auch Operationen, sind erwähnenswert?

Mit #opSony warnte man beispielsweise Sony vor weiterem Vorgehen gegen die Hacker GeoHot und Graf Chocolo, die auf einer PlayStation3 Linux zum Laufen brachten und damit gleichzeitig den Kopierschutz aufhoben. Mit den Angriffen auf das PlayStationNetwork hat Anonymous jedoch unseres Wissens nach nichts zu tun.

Dann gäbe es noch #opGreenRights, welche gezielt gegen große Atomkraftkonzerne aufruft und damit die derzeit umfassenden AntiAtom-Demos unterstützt.

Momentan am höchsten frequentiert ist #opNewZealand, bei der das neuseeländische Parlament angegriffen wird, weil es ohne Zustimmung bzw. Wissen der Bevölkerung einem Anti-File-Sharing-Gesetz, der Copyright Infringing File Sharing Amendment Bill, zustimmte, welches Providern erlaubt, ihre Kunden zu überwachen. Informationen dazu finden Sie hier.

le bohémien: Welche Rolle hat Anonymous bei den Revolutionen in den arabischen Staaten nun gespielt? Man hört Aktivisten von Anonymous leisteten Unterstützung dabei die digitalen Kommunikationswege zu sichern?

Das stimmt. Zum Beispiel wurden die Zugangsdaten für die von Telecomix kurzfristig eingerichtete Einwahlmöglichkeit an ägyptische Bürger, Schulen und Universitäten gesendet, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich weiterhin digital auszutauschen. Dieser Dienst wurde unseres Wissens nach auch angenommen.

Zu diesem Zeitpunkt wurden die Provider von der Regierung dazu gezwungen, sämtliche Verbindungen abzuschalten. Seitens Anonymous wurden zeitgleich regimenahe Webseiten und Propagandaplattformen durch DDoS-Angriffe lahm gelegt.

Darüber hinaus spielte gewiss auch der schnelle Informationsfluss unter den miteinander vernetzten regimekritischen Aktivisten vor Ort eine Rolle, von denen eine Schnittmenge Kontakte zu Anonymous-Kanälen hat. Wie groß der tatsächliche Einfluss ist, weiß aber niemand so genau. Fakt ist aber: Wir sind da und wir sind viele.

le bohémien: Die Projekte oder auch Operationen von Anonymous haben also immer einen IT-Bezug oder ist Anonymous auch auf anderen Feldern aktiv?

Als eine lose Gemeinschaft, deren Kommunikations- und Wirkungsraum nun mal das Internet ist, kann Anonymous sich kaum vom Internet und dem IT-bezug trennen. Viel interessanter ist die Frage, welche Auswirkungen deren Handlungen auf das „off-line“ Leben der Weltbevölkerung haben werden.

Operationen wie AnonymousPress, Leakspin bzw. jetzt Crowdleaks, aber auch weitere ops zeigen deutlich, dass eine lose Masse Gleichgesinnter sich zu organisatorisch komplexen Projekten zusammenschließen kann, die auch abstrakte und langfristige Ziele wie z.B. Meinungsfreiheit oder Bekämpfung der Zensur verfolgen können. In diesen Projekten wird kein personifizierter Feind (Diktator, Sekte, Unternehmen, etc.) zum Angriffsziel erklärt. Es geht hier vielmehr um die Suche nach Lösungsmöglichkeiten für diejenigen globalen Probleme, die ins Massenbewußtsein nicht vorgedrungen sind: Repressionen, Funktionsweise der Zensurmechanismen, Propaganda, Datenschutzverletzungen, Fremdenfeindlichkeit.

Solche Probleme können nicht durch Blitzaktionen wie massive DDoS-Attacken gelöst werden. Wegen einer falschen bzw. interessengeleiteten Berichtserstattung in den Massenmedien verfehlen solche Aktionen gar ihr Ziel, die Menschen auf bestimmte Missstände aufmerksam zu machen.

le bohémien: Operation Leakspin und Crowdleaks kam zur Sprache. Was hat es damit auf sich?

Das Projekt Crowdleaks, entsprang der Operation Leakspin und ist noch sehr jung. Es wird noch beweisen müssen, dass eine – aus einer spontanen Protestbewegung geborene Reform-Energie – für eine langfristige konstruktive Zusammenarbeit in einem losen engagierten Kollektiv ausreicht. Auf Crowdleaks haben sich in den ersten fünf Monaten seit Bestehen English-, Französisch-, Spanisch-, Deutsch-, Italienisch- und Russisch-sprachige Freiwillige weltweit zusammengefunden, die sowohl über die Veröffentichungen von Wikileaks als auch über die Enthüllungen durch Anonymous (Anonleaks) ausführlich berichtet haben.

Die Grundidee von Crowdleaks ist der so genannte „Crowdjournalismus“. Basierend auf einer zensurfreien Plattform, wo jeder sich am Verfassen, Editieren, Bewerten und Übersetzen von Artikeln beteiligen kann, soll nicht nur die Zensur bekämpft, sondern auch möglichst jede Sprachbarriere überwunden werden. Derzeit verfügbare Open-Source Lösungen decken jedoch die damit verbundenen technischen Anforderungen nicht ab. Es wird sich zeigen, ob das Projekt genug Crowd-Journalisten und IT-ler anlocken wird, um eine technische Plattform auf die Beine zu stellen, die dieser globalen Idee gerecht werden kann.

le bohémien: Was können wir uns unter dem Projekt Anonleaks vorstellen?

Anonleaks, ein absolutes Highlight im Februar 2011, von dem in Deutschland bisher leider nur Heise recherchiert und ausgiebig berichtet hat, ist die Veröffentlichung der während eines spektakulären Angriffs entwendeten Email-Archive der US-amerikanischen Sicherheitsfirma HBGary Federal. Die daraufhin entstandene Webseite Anonleaks ist somit die erste Leak-Plattform der Anons. Über 60.000 Emails mit hochexplosivem Material wurden weltweit publik gemacht: Entwicklung der Strategien gegen Wikileaks, gegen US-amerikanische Aktivisten und Gewerkschaften, Software für die Meinungsmanipulation sowie Fort- und Eigenentwicklung von diversen Spionage-Programmen für Ermittlungen durch US-Behörden sowie für Privatkunden, u.a. auch Stuxnet. Der Angriff von Anonymous auf HBGary ist also als ein Akt der Selbstverteidigung zu verstehen.

le bohémien: Eine Frage zur deutschen Anonymous. Was sind die nächsten Operationen, die von der deutschen Community zu erwarten sind?

Derzeit versuchen sich deutsche Anonymous-Aktivisten an der so genannten #opBlitzkrieg – einer Operation gegen militante Neonazis. Diese Aktion ist aber selbst unter den Anons stark umstritten, weil damit die Meinungsfreiheit beschnitten bzw. Kommunikation verhindert wird. Deshalb sind politische Parteien auch kein Ziel von #opBlitzkrieg. Bei einem Kollektiv, in dem jeder mitwirken kann, sind Vorhaben auf politischer Basis generell schwierig, da die individuellen, persönlichen Meinungen weit gestreut sind.

Darüber hinaus werden die aktuellen netzpolitischen Pläne der EU genau beobachtet, um gegebenenfalls schnellstmöglich eingreifen zu können. Natürlich können zu diesem Punkt keine weiteren Angaben gemacht werden, da Anonymous vom Überraschungsmoment profitiert und in Zukunft auch gerne weiterhin profitieren möchte.

Die meisten Operationen sind jedoch international, lassen sich also nicht konkret auf Deutschland beziehungsweise auf ausschließlich deutsche Beteiligung beschränken. Deutsche Aktivisten nehmen beispielsweise auch an der #opIran teil.

le bohémien: Wie funktionieren die Kommunikation und das Werben neuer Aktivisten bei Anonymous?

Anonymous kommuniziert über die ursprünglichste Form des Chats, den Internet Relay Chat, kurz IRC. Dies erlaubt nicht nur die Kommunikation sondern unter anderem auch die Steuerung von so genannten Hive-Minds, also der virtuellen Schwärme einzelner Operationen.

Neue Aktivisten jeder Art sind bei Anonymous willkommen. Ob einfache Sympathisanten, politische Aktivisten oder auch Hacker, für jeden gibt es einen Platz. Für diejenigen, die sich noch nicht mit der Thematik auskennen, wurde #opNewBlood eingerichtet, um eine Einweisung in die Basics der Anonymisierung und des IRC-Chats zu geben. Dazu wurde auch ein Dokument erstellt: #opNewBlood

le bohémien: Jeder kann sich also bei Anomymous beteiligen beziehungsweise sich als Anon ausgeben. Wer garantiert aber, dass Anonymous nicht unterwandert und ausgespäht wird, sprich die hehren Ziele nicht zuletzt missbraucht und für andere Zwecke instrumentalisiert werden?

Der gesunde Menschenverstand garantiert das, aber auch der Prozess, der der Arbeit bei Anonymous zugrunde liegt: Selber denken – Informieren – Diskutieren – Meinung bilden – Skeptisch bleiben.

Da nicht nachvollziehbar ist, von wem eine Idee stammt, wird ihr Inhalt umso wichtiger. Die kritische Betrachtung der User wirkt wie natürliche Selektion. Schwachsinn oder Missbrauchsversuche finden einfach nicht ausreichend Zuspruch. Das ist das Positive daran, dass kein Vorgesetzter bestimmt, welcher Weg gegangen wird.

le bohémien: Welches anthropologische Verständnis liegt Anonymous zugrunde? Wie werden die Prinzipien von Anonymous geschützt?

Es liegt überhaupt kein anthropologisches Verständnis zugrunde. Prinzipien, sofern sie denn existieren, schützen sich selbst solange sie legitim und plausibel erscheinen. Quälen sie etwa Katzen? Der Schutz vor Unterwanderung entsteht selbstorganisiert ganz von alleine. Wer eine Zeit lang bei Anonymous dabei ist, kann es selbst erleben.

Außerdem sollte man bedenken, dass es keine festen „Gruppenstrukturen“ gibt. Finden sich einige Leute zu einer Operation zusammen, heißt das nicht zwangsläufig, dass diese auch in Zukunft miteinander arbeiten werden. Wie die Op selbst, zerfällt auch der Verband von Anonymous-Aktivisten nach dem Erreichen der angestrebten Ziele.

le bohémien: Kritischer gefragt: Was garantiert dabei, dass Anonymous nicht zu einer brutalen Bestie mutiert, die wahllos Ziele angreift?

Die selben Gesetzmäßigkeiten, welche garantieren, dass die 82 Millionen potentiellen Terroristen in Deutschland nicht wahllos Sprengsätze platzieren. Doch letztlich gibt es natürlich auch hierfür keine Garantie. Wohl aber besteht Grund zur Hoffnung, dass es in Kreisen von Anonymous – und somit auch in der Menschheit als solcher – genügend zivilisierte Menschen gibt, die nicht jegliches beliebige Mittel für legitim halten, um ihre Ziele zu erreichen. Zumindest sollten sich in Anbetracht der großen Anzahl von Menschen, die bei Anonymous mitwirken, hinreichend viele Personen finden, die ein solches Moralverständnis auszeichnet.
le bohémien: Zum Abschluss. Wir berichteten über die Vorgänge im Zuge der Ryan-Affäre“ bei Anonymous. Ryan war ein so genannter Administrator. Was hat es damit auf sich?

Die Administratoren des IRC-Netzwerks (AnonOps), also die Betreuer der Server auf denen ein Teil der Anonymous-Dienste laufen, verfügen wie überall im Internet über den uneingeschränkten Zugriff auf alle unverschlüsselt gespeicherten Informationen. Dies kann unter Umständen ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Denn zum Betreiben von Netzwerken braucht es leider immer vertrauenswürdige Personen, die sich darum kümmern. Natürlich wollen wir alle anonym sein und bleiben, sowie den Servern vertrauen. Das geht derzeit aber nur wenn wir wiederum den Operatoren vertrauen.
Je größer eine Gruppe oder deren Einfluss wird, desto größer ist die Gefahr solcher Dramen. Ryan hat gezeigt, wie leichtsinnig und unanonym manch User im IRC unterwegs sind. Auf der anderen Seite behaupten manche, Ryan habe gegen den Machtmissbrauch der alten Crew gewirkt. Hier steht Aussage gegen Aussage und nur Beteiligte kennen die Wahrheit. Die meisten Aussagen, egal welcher Seite, sind fast immer widersprüchlich.

le bohémien: Was hat der Schwarm aus diesen Ereignissen gelernt? Welche Auswirkungen werden diese Erfahrungen mit Ryan haben?

Der Lerneffekt der Affäre hat leider noch nicht bei allen Anons eingesetzt. Ob und welche Auswirkungen diese Ereignisse haben ist noch nicht absehbar. Jedoch scheint sicher, dass natürlich mehr drauf geachtet werden muss, ob jemand wirklich vertrauenswürdig genug ist, um technischer Operator für die IRC-Netzwerke zu sein.
Man kann das Ganze auch als eine Art Reinigungsprozess sehen und diese Vorgänge sind so alt wie Anonymous selbst. Aber genau darin zeigt sich wieder das anonyme Wesen: Einmal durchkehren und weiter geht’s. AnonOps wiederholt ein wenig die Chanology-Story.
Was auch passiert. Es gibt neben AnonOps auch andere Anonymous-Netzwerke zum Ausweichen wie z.B. Twitter, Facebook, i2p, Tinychat oder wenn garnichts mehr geht Back to the Roots: Die Imageboards. Wobei bei AnonOps-Ausfällen immer andere IRC-Server zur Verfügung stehen. In diesem Sinne geht Anonymous aus der Ryan-Affäre letztendlich gestärkt hervor und blickt erwartungsvoll in Richtung des nächsten Dramas. Nicht umsonst raten Alteingesessene: „Never trust“.

Wer ist Anonymous? Sind Sie es, oder bin ich es?

Ich empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren

Freigeistige Prämissen

Schreibfeder
Garant für ein Leben in Einklang mit sich selbst und den Dingen an sich, ist ein aus freiem Willen geschaffenes Regelwerk individueller Werte, die als Prämissen, vorab jedem Gesetz und jeglicher Moral, ihre Anwendung und Gültigkeit finden.

Universelle, freigeistige oder individuelle Prämissen können Übereinstimmungen mit bestehenden Gesetzen, der Moral oder ethischen Ansprüchen aufweisen, aber auch sich direkt oder indirekt gegen diese richten. Um dem Anspruch an sich selbst zu genügen, müssen sie jedoch immer vorab und unabhängig von diesen, für das Handeln und Denken bestimmend sein. Prämissen zu haben bedeutet sich ihrer möglichen Konsequenzen bewusst zu sein und diese auf sich nehmen zu wollen. Im Gegensatz zu Gesetzen, der Moral und ethischen Ansprüchen können Prämissen niemandem bestimmt werden. Um zu bestehen und zu wirken, können sie nur aus freiem Willen und persönlicher Überzeugung angenommen werden und sind daher höherrangig im Wert und ihrer Folge, als nicht individuelle Regelwerke.

Universelle Prämissen

Universelle Prämissen sind der Verantwortung des Lebens selbst geschuldet. Eine Verantwortung die jedem Individuum aufgetragen ist, als gleichwertiger Teil eines Ganzen, zur Erhaltung des Lebens in seinen unterschiedlichsten Formen und Arten, sowie dem Schutz der Entwicklung der Individualität, als Kern der Evolution des Lebens. Sie zu achten und zu verwirklichen ist der höchste Anspruch, an alles menschliche Streben. Sie sind das Fundament der Selbsterhaltung des Ganzen, als auch des eigenen Seins. Ausschließlich auf diesem Fundament kann die Selbstverwirklichung überhaupt und insbesondere in freigeistigem Sinne gedeihen.

– Achte jedes Leben, in seiner Entstehung, seiner Entfaltung und in seinem Sterben.

– Achte jede Individualität, in ihrer Entstehung, ihrer Entfaltung und ihrem Sterben.

– Achte die Natur, in ihrem Wirken, ihrem Sein und in ihren Folgen.

– Achte Dich selbst, in Deinem Wirken, Deinem Sein und Deinen Folgen.

– Erfülle was Du achtest, nach Deinem besten Wissen und Gewissen.

Freigeistige Prämissen

Freigeistige Prämissen sind Regelwerke, die auf universellen Prämissen aufbauend, das Denken und Handeln im Sinne eines freigeistigen Lebens bestimmen. Sie sind der persönliche „modus operandi“ und der Grundstein für weitere freigeistige und individuelle Prämissen. Im Gegensatz zu den universellen, sind freigeistige Prämissen direkt auf die Verwirklichung  von Rechten und die Erhaltung der individuellen Freiheit gerichtet. Sie sind das Manifest des Freigeistes.

– Als Freigeist zu leben bedeutet in Gesellschaften zu leben und sich dennoch ihres Einflusses auf das eigene Denken und Handeln zu entziehen. Die Gesellschaft ist ein Hort des Wir und was ein Wir ist, kann kein Ich sein. Gesellschaftliche Werte schließen individuelle Werte als gleichrangig aus. Um sich selbst zu bewahren, sieht der Freigeist die eigenen Werte als vorrangig an, da die gemeinschaftlichen Werte ihn nicht zulassen.

– Kein Gesetz, keine Moral und keine Ethik, stehen höher im Wert und ihrer Bedeutung, als die eigenen Prämissen. Die Beachtung gesellschaftlicher Regelwerke kann nicht entgegen den eigenen Prämissen geschehen aber angebracht sein, wenn sie diesen nicht entgegenstehen und die Nichtbeachtung eine freigeistige Lebensführung erschwert oder gefährdet.

– Kein Leben, gleich welcher Form und Art, ist höher im Wert und seiner Bedeutung, als ein anderes. Daher kann der Freigeist keine Werte akzeptieren oder tolerieren, die der uneingeschränkten Gleichheit allen Lebens widersprechen. Jedes Leben hat das individuelle und unveräußerliche Recht, sich selbst zu schützen und seine Freiheit zu bewahren. Daher sind alle Maßnahmen die zur Wahrung dieses Wertes und Durchsetzung dieses Rechtes notwendig sind, legitim.

– Erkenntnis zu gewinnen, ist Ausdruck und Bedingung der menschlichen Evolution. Sie ist der evolutionäre Wille, der das Sein als Mensch bestimmt. Daher sind die Ermöglichung von Erkenntnis und der Schutz der eigenen Erkenntnis, von gleichem Range wie die Ermöglichung und der Schutz des Lebens selbst. Es ist legitim die eigene Erkenntnis mit den gleichen Mitteln zu schützen und zu bewahren, wie sie auch für das Leben selbst legitim sind.

– Der Freigeist bekennt sich dazu, dass Wahrheit absolut ist und als solche mit menschlicher Erkenntnis nicht erfassbar sein kann. Es ist ihm bewusst, dass Realitäten nur, mit menschlicher Erkenntnis erfassbare Anteile von Wahrheiten sind und Vorstellungen nur individuelle Beiordnungen zu Realitäten. Daher weiß er dass Unwahrheiten zu Wahrheiten führen, diese aber nicht offenbaren und nichts das ist, was es zu sein scheint. Ihm ist bewusst das menschliche Erkenntnis individuell und nicht übertragbar ist.

– Die Aufgabe freigeistigen Lebens, ist die Erlangung von Erkenntnissen und die Anwendung dieser, auf der Basis der eigenen Prämissen im eigene Leben, als auch die Darstellung nach außen, durch die Lebensführung selbst und die Beschreibung dieses Weges, als Einklang mit sich selbst.

Individuelle Prämissen

Individuelle Prämissen sind, die persönliche Lebensführung bestimmenden Antworten, auf die individuellen Fragestellungen, der eigenen Lebensgestaltung. Ihre Aufgabe ist alleinig die Bestimmung und Wahrung der eigenen und individuellen Identität. Je nach den eigenen Präferenzen können sie ganz oder teilweise mit gemeinschaftlichen Wertesystemen, Gesetzen, Moral oder ethischen Allgemeinansprüchen übereinstimmen, ohne dass eine solche Übereinstimmung bedingend für sie ist. Sie können Bezug auf den gesamten Lebensalltag nehmen oder speziellen Situationen angepasst sein. So sind sie nur dem persönlichen Wissen und Gewissen untergeordnet. Individuelle Prämissen haben keinen Allgemeingültigkeitsanspruch und sind der beständigen Veränderung und Anpassung unterworfen. Immer jedoch gilt auch für sie, dass sie vorab und unabhängig jeden Gesetzes und jeder Moral Anwendung finden und gültig sind.

Individuellen Prämissen zu folgen, bedeutet eine Identität zu haben. Freigeistigen Prämissen zu folgen bedeutet eine gesellschaftlich unabhängige Persönlichkeit zu formen. Universellen Prämissen zu folgen, bedeutet im Einklang mit sich und den Dingen an sich zu stehen.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren