Illusion des Geldes


 

banken und sparkassen

Lieschen und Michel Müller sind bodenständige Menschen. Sie haben hart gearbeitet, sich kaum etwas gegönnt und ihr Erspartes zur Bank gebracht. Sie sind der Durchschnitt, das Rückgrat der Gesellschaft. Gesellschaftskritik ist den Müllers fremd und die Kritik an den Banken verstehen sie nicht. Niemals würden die Müllers sich an dubiosen Geschäften oder an der Ausbeutung von Menschen beteiligen.

Niemals?

Wohlstand muss man sich hart erarbeiten und wer ehrlich ist, der schützt sich und andere vor Betrügereien. Die Müllers haben sich 10.000,- Euro vom Munde abgespart. Ihr Geld ist die Absicherung für später und der Beweis, dass sie alles richtig gemacht hat. Ihr Geld, das nur ihnen gehört und mit dem niemand anderes etwas tun kann, schließlich liegt es sicher verwahrt auf ihrer Bank, glauben sie. Ein wenig ärgert es die Müllers, dass ihr Sparbuch nur ein Prozent Zinsen bringt, aber der nette Mann von der Sparkasse hat ihnen erklärt, das Sparkassen und Volksbanken ja Gott sei Dank keine Zockerbanken sein und das deshalb in schlechten Zeiten, eben nur wenig Zinsen drin sind. Das hat die Müllers beruhigt, schließlich wollen sie mit windigen Geldgeschäften nichts zu tun haben.

Aber können die Müllers ihre Hände wirklich in Unschuld waschen? Zwar wissen sie nur wenig von ihrer Beteiligung am Finanzkarussell, aber reicht das als Entschuldigung? Kann man von ihnen nicht verlangen verantwortlich zu sein, was mit ihrem Geld passiert? Sie sind Mittäter betrügerischer und räuberischer Machenschaften und ihr mühsam Erspartes die Geschäftsgrundlage für ein Schneeballsystem, dass würde es von jemand anderem als den Banken betrieben, natürlich strafbar wäre. Die Müllers haben sich nicht ausreichend informiert, sie haben nicht erkannt was sie hätten erkennen müssen und somit sind sie mitverantwortlich für den größten Taschenspielertrick der Finanzwelt, der wundersamen Geldvermehrung, der Schaffung von Geld aus dem nichts.

Geldschöpfung nennt ihre Sparkasse das und dieses Meisterstück der Finanzzauberei, geschieht nicht an irgendwelchen Börsen und wird nicht von bösen Hedge Fonds gespielt, es ist das Tagesgeschäft der Sparkassen, Volks- und Hausbanken, die aus dem Nichts ihren Gewinn generieren und somit auch das Kapital, den Treibstoff der internationalen Finanzjongleure liefern.

Geld aus dem Nichts? Wie geht das?

Die Müllers wären eigentlich überflüssig in diesem Spiel der monetären Luftnummern, doch der Gesetzgeber hat sie in die Verantwortung genommen und an der Luftnummer des gedachten Geldes beteiligt. 2 Prozent des Geldes welches Banken erfinden möchten, müssen als Sicherheit bei den Zentralbanken hinterlegt werden. So ist die gesetzliche Spielregel der wundersamen Geldvermehrung und sie bezeichnet auch die Mindestbeteiligung der Müllers daran.

Banken verleihen Geld, das ist ihr Geschäft und ihr Gewinn ist der Zins und Zinseszins den der Kreditnehmer für das geliehene Geld bezahlen muss. Wenn die Müllers Geld verleihen ist es verständlich, dass sie dafür einen Zins bekommen, da sie dadurch auf die Möglichkeit ihr Geld zu nutzen verzichten. Diese Entschädigung zahlt ihnen ihre Hausbank, dann das was die Müllers sparen nennen ist leihen. Sie leihen ihr Geld der Bank und legitimieren damit die Geschäfte der Bank, die diese ohne geliehenes Geld nicht machen könnte.

Banken verleihen nicht ihr eigenes Geld, sie haben noch nicht einmal echtes Geld, mal abgesehen von dem was die Sparer ihnen geliehen haben und sie verleihen auch nicht das Geld der Müllers. Banken verleihen Buchgeld, also Geld welches niemals gedruckt wurde. Buchgeld wird erst in dem Moment in dem es verliehen wird erfunden, durch die Gutschrift auf einem Konto. Banken brauchen dafür die gesetzlichen zwei Prozent, die die Müllers ihnen geliehen haben und sich dadurch zum Mittätern machten. Der Finanzkreislauf giert nach immer mehr Geld für seine immer höheren Gewinne und so wird immer neues Geld generiert. Geld zu erfinden ist für die Banken einfach, doch in den Umlauf können sie es nur bringen, wenn jemand es ihnen abnimmt. Das sind die Kreditnehmer. Kredite sind das neue Geld im Geldkreislauf und so basiert jeder Euro in diesem Kreislauf auf der Schuld eines Kreditnehmers, der dafür bürgt. Er bezahlt für die Einbringung in den Geldkreislauf Zinsen und er steht für die geliehenen Summe in der Schuld der Bank. Somit ist alles Geld im Grunde Schuldgeld. Geld ensteht nur dadurch das eine Bank sich eine Summe ausdenkt und jemand sich für das erfundene Geld verbürgt und es als Kreditnehmer in den Geldkreislauf einbringt.

Das Sparguthaben der Müllers in Höhe von 10.000 Euro versetzt die Bank nach der gesetzlichen zwei Prozent Regel in die Lage, z.B. an einen Häuschenbauer, selbst die stolze Summe von 500.000 Euro zu verleihen. Einfach so, ohne Gegenwert, ohne Sicherheit und ohne das Geld je besessen zu haben. Die Sparkasse zahlt das Sparguthaben der Müllers auf ein Zentralbankkonto ein, als wäre es ihr eigenes und gewährt dann dem Kreditnehmer einen Kredit, ebenfalls als würde sie eigenes Geld verleihen. Für das Sparguthaben zahlt die Bank den Müllers ein Prozent Zinsen, für den Kredit fordert sie, je nach dem ob als Immobilienkredit oder als Verbraucherkredite, bis zu 18 Prozent Zinsen. Ohne Berücksichtigung des Zinseszinses und langer Laufzeiten, die die Gewinnsumme der Bank noch einmal exponentiell steigen lassen, hat die Bank in einem Jahr somit 90.000 Euro Gewinn mit dem von den Müllers geliehenen Geld gemacht und zahlt ihnen dafür 100 Euro. So geht Kapitalismus auf der untersten Ebene derer, die sich immer so hinstellen als hätten sie nichts mit den medial kritisierten Finanzjongleuren zu tun, den vermeintlich seriösen Sparkassen, Volks- und Hausbanken.

Die Müllers wollen nicht glauben, das sie daran beteiligt sind und ihr Geld von ihrer Bank bei der Zentralbank als Sicherheit hinterlegt wurde. Als Beweis können sie es ja jederzeit von der Bank holen, glauben sie. Sie wundern sich auch nicht, das ihr seriöser Bankberater so besorgt um ihr Geld ist und ihnen erklärt, das es doch viel besser bei ihm aufgehoben sei. Eigentlich müsste ihnen auffallen, dass es merkwürdig ist warum ihre Bank so versessen darauf ist ihr Geld aufzubewahren, schließlich muss sie für diesen Gefallen ja ach noch Zinsen an die Müllers zahlen. Sie aber glauben, das die guten Menschen hinter dem Kassenschalter ihrer Sparkasse, die nur ihr bestes wollen. Finanzromantik im Kapitalismus?

Wenn die Müllers ihr Geld abheben wollen, werden sie freundlich vertröstet. Natürlich verstehen sie das, schließlich muss das Geld ja aus dem Tresor geholt werden und das braucht nun mal Zeit. Tatsächlich braucht ihre Sparkasse aber nun eine neue Sicherungseinlage von zwei Prozent für die 500.000 Euro die sie erfunden und verliehen hat. Die Sparkasse nimmt nun selbst einen Kredit bei der Zentralbank auf. Obwohl sie nun noch weniger für die geliehenen 10.000 Euro bezahlen muss, derzeit nur 0,5 Prozent, tut sie das ungern, da ja auch ihr Kreditrahmen bei der Zentralbank begrenzt ist. Diesen Kredit lässt sich die Sparkasse in bar auszahlen und per Geldboten schicken, so können die Müllers am nächsten Tag, vermeintlich ihr eigenes Geld abholen. Die Bank leiht sich das Geld, das sie den Müllers nun auszahlt. Diese Art Geschäfte zu machen, also Geld zu leihen um Einlagen auszahlen zu können, wird in anderen Wirtschaftsbereichen Schneeballsystem genannt. Der Sparkassenverband warnt ironischer Weise, regelmäßig vor solchen unseriösen Machenschaften.

Manchmal lesen die Müllers in der Zeitung von Zwangsversteigerungen. Natürlich haben sie Mitleid mit den Menschen, die ihr Hab und Gut verlieren, aber schließlich sind die ja selbst Schuld an ihrer Lage. Auch eine Bank muss natürlich ihr Geld, das sie verliehen hat wieder bekommen, sie konnten ihres ja auch zurück verlangen.

Doch die, die aus welchen Gründen auch immer ihre Kredite nicht bezahlen konnten, können sich nicht wie ihre Bank einfach irgendwo anders noch billigeres Geld leihen. Sie haben auch keinen Dank von der Bank zu erwarten, dafür das sie deren erfundenes Geld in den Umlauf brachten und ihnen Gewinne bescherten. Ihnen wurde die Bonität gestrichen, sie bekommen keine Kredite mehr und können auch nicht wie ihre Bank einfach selbst Geld erfinden. Das ist wichtig für die Banken, da auch sie ihrem erfundenen Geld nicht wirklich trauen und immer daran interessiert sind tatsächliche Werte zu bekommen, die nebenbei natürlich ihren Kreditrahmen bei der Zentralbank für noch mehr Gelderfindungen erhöhen. Die Bank versteigert, schließlich steht nicht sie in der Schuld weil sie Geld einfach erfunden hat, sondern der Kreditnehmer, der sich für ihre Erfindung verbürgte. Die Bank bekommt den Erlös aus der Versteigerung oder den Sachwert, z.B. das Haus. Der Kredit wir wertberichtigt, also auf null gestellt. Das erfundene Geld ist nun wieder weg, einfach verschwunden. Aus Sicht der Bank, aber leider auch der berechnete Gewinn aus den Zinsen, die noch nicht gezahlt wurden, da der Kredit ja ursprünglich noch eine Weile Zinsgewinne liefern sollte. Die Bank hat zwar den Versteigerungswert, aber die Schuld des bürgenden Kreditnehmers lässt sich auch versilbern. Diese nicht eintreibbare Forderung wird zuerst steuerlich in Abzug gebracht und schmälert so das Steueraufkommen der Bank. Wenn auch fiskaltechnisch nichts mehr aus der Forderung zu holen ist, wird sie an ein Inkasso Unternehmen verkauft. Unterm Strich hat die Bank immer weit mehr Geld verdient  als sie eingesetzt hat und für sie ist es finanztechnisch auch gesünder, dieses Geld durch Zwangsversteigerungen zu verdienen, da sie so zu realem Vermögen, also einem plus auf der Aktiv Seite ihrer Bilanz kommt. Die Müllers bekommen von diesem Gewinn nichts ab, aber werden auf Umwegen gebeten, die Gewinn der Bank noch ein Stückchen weiter zu finanzieren. Mit ihren Steuern. Sie müssen dem Staat nun die fehlenden Steuereinnahmen ersetzen. Übrig bleibt der ruinierte Kreditnehmer, dessen Schulden bei der Bank zwar nominell getilgt wären, jedoch von dem Profit aus seiner Bürgschaft, für das erfundene Geld völlig ausgeschlossen ist. Ihm bleibt der Restkredit, nach einer zumeist für ihn ungünstigen Anrechnung des Versteigerungserlöses, der immer geringer als der Verwertungserlöses der Bank ist, und die Zinsen die unaufhaltsam weiterlaufen.

Hat dieses perfide System, wenn es denn schon besteht, nicht auch das Potential für die Menschen, z.B. im Sinne der Kostensenkung für zu erbringende öffentliche Ausgaben oder soziale Leistungen, zu dienen? Kommunen und Länder könnten ihre eigenen Banken eröffnen und die Gewinne zum öffentlichen Nutzen einsetzen. Das aber wäre eine direkte Gefährdung der Monopolstellung der Banken und ihrer exorbitanten Gewinnsysteme. Daher haben diese viel Geld und Fleiß in gute Lobbyarbeit investiert und so ist es gesetzlich Festgeschrieben, das die wundersame Geldvermehrung ausschließlich von Privatbanken betrieben werden darf.

Eines Tages werden auch auch die Müllers auf öffentliche Gelder angewiesen sein. Vielleicht weil sie in Rente gehen, arbeitslos oder krank werden. Bis dahin werden sie ihr Geld weiter artig zu ihrer, ach so seriösen Hausbank bringen und fleißig als dumme kleiner Bürger dafür sorgen, dass das Geld was sie später brauchen werden, dann teuer und wenig sein wird. Denn ihnen wurde gesagt, dass sie nichts daran ändern können und alles sowieso nur unseriöse Panikmache irgendwelcher verblendeten Kritiker ist, die ihnen nur ihren bescheidenen Wohlstand nicht gönnen. Natürlich von ihrem seriösen und freundlichen Bankberater.

Eine Tages wird jedoch die expotentiell wachsende Blase an erfundenem Buchgeld ohne tatsächlichen Wert, auch den Müllers bewusst werden. Sie werden ihr Erspartes verlieren. Immer mehr gedachtes Geld auf den Konten, bedeutet immer weniger für das Geld kaufen zu können. Das Ergebnis ist eine Inflation. Den Müllers wird das als normale Preissteigerung erklärt und sie werden beruhigt, dass das am Ende zu höheren Zinsen für ihr Sparguthaben führt. Dennoch wird das erfundene Geld irgendwann wieder weggedacht werden müssen um für tatsächliches Geld überhaupt noch etwas kaufen zu können. Dieser Buchungsschnitt entwertet alles Geld um die Menge des gedachten Geldes, also zurzeit um 98 Prozent. Müllers 10.000 Euro Sparguthaben sind dann noch 200 Euro wert, aber die 500.000 Euro des bedauernswerten Kreditnehmers bleiben bestehen, während das was er sich dafür kaufte, vielleicht sein Häuschen, nur noch 10.000 Euro wert sein wird und wohl spätestens dann in die Versteigerung geht.

Aber wie heißt es so schön in Anlehnung an den Werbeslogan.

Sparkassen und Volksbanken, wir machen den Weg frei.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren

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2 Kommentare zu “Illusion des Geldes”

  1. Nehmen wir mal an, Lieschen Müller kommt auf diese dubiose Geldvermehrung drauf und will sich das nicht mehr gefallen lassen. Also Geld abheben, bevor es weniger wird, doch wohin damit..in Aktzien anlegen, oder in anderen Wertpapieren? Sie müßte sich erkundigen und wieder beraten lassen, oder sich einen privaten Steuerberater leisten.
    Fazit: Am besten wäre das Geld in einem Tresor aufzubewahren, an einem sicheren Ort mit verschlüsseltem Code. Doch dies scheint mir diese Summe nicht wert zu sein.
    Also, was wäre die Alternative?

  2. Danke für den tollen Artikel, den man auch zur Aufklärung an Menschen weiterleiten kann, die sich nicht so intensiv mit unserem Geldsystem auseinandersetzen.

    Denn bedenken: es reicht, wenn jeder 50. Euro von den Banken abgehoben wird und schon bricht das ganze wie ein Kartenhaus zusammen. Also klärt eure Mitmenschen auf. Macht sie aber auch auf die negativen möglichen Konsequenzen aufmerksam. Das ist nur fair. Im Gegensatz zu den Bankstern sollten wir keine Wahrheiten verschweigen.

    @waouida: Suchen Sie sich reale Werte, aber auch hier gilt wie immer: nicht nur in einen Bereich investieren, sondern aufteilen. Sehen Sie es auch nicht als Anlage mit möglichst hoher Rendite, sondern als sichere Wertanlage für den Fall, dass unser jetziges System zusammenbricht. 1 Mio. Euro können von heute auf morgen nichts wert sein. Anteile an einem realen Unternehmen, das reale Güter herstellt, Edelmetalle, Grundbesitz und ähnliches werden dagegen immer Wert haben, ganz egal in welchem Finanzsystem wir uns bewegen. De facto ändert sich nur die Anzahl der Nullen und der Name der Währung. Es sei denn Sie investieren in die falschen Güter/Unternehmen.
    Große Mengen Bargeld im eigenen Tresor zu lagern, halte ich demzufolge nicht für die allerbeste Idee, da dieses wie schon gesagt, von heute auf morgen wertlos sein kann.Ein eigener Tresor mit einer guten Mischung aus Bargeld, Edelmetallen und echten Unternehmens-/Genossenschaftsanteilen im eigenen Haus auf eigenem Land (sprich: schuldenfrei) mit eigenem Gemüse und Obst sowie Viehzeug und eigenem Brunnen übersteht dagegen auch die heftigste Finanz-/Wirtschaftskrise.

    Immer gilt: vorsichtig sein, nicht gierig werden, sich seiner Vernunft und dem gesunden Menschenverstand bedienen, niemals leichtgläubig sogenannten „Beratern“ vertrauen.

    Der wichtigste Tipp: nur in Dinge investieren, die man selber verstanden hat!

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