Sorry, Mr. President


obamageschwächt

Der Präsident der Vereinigten Staaten in Berlin. Es gab eine Zeit, da hätte diese Nachricht, die Historiker in freudiger Erwartung aufhorchen lassen. Doch die Erwartung auf den einen prägnanten Satz, der den Einzug in die Geschichtsbücher finden würde, erfüllte der Präsident nicht.

Für einen US Präsidenten, betrat Obama historischen Boden. Diesmal war er nicht wie vor fünf Jahren, der hoffnungstragende Underdog, der alles versprechen konnte ohne für irgendetwas den Beweis antreten zu müssen. Diesmal kam er als amerikanischer Präsident, in der Verantwortung dessen, was in den letzten viereinhalb Jahren seiner Präsidentschaft geschehen ist. „Yes we can“ do nothing else, than before, ist die Erweiterung seines Wahlkampfslogans heute. Unerfüllte Hoffnungen und gebrochene Versprechen waren ihm nach Berlin voraus gereist. Einer Stadt die geprägt wurde durch historische verklärte Sätze seiner Vorgänger. Sätze die die Einmaligkeit der Stadt unterstrichen und als Statement ihre Entwicklung bestimmten. Kennedy erklärte sich zu einem Berliner und garantierte damit den Schutz der Stadt. Reagan forderte den Fall der Mauer und war damit prophezeiend.

Was hätte Obama sagen können, dass nicht wie ein billiger Abklatsch der Worte seiner Vorgänger gewirkt hätte? Nichts und das wusste er. Berlin ist nicht mehr Frontstadt im kalten Krieg und hat nicht mehr die einstige weltpolitische Symbolik. Auch die Berliner haben nicht mehr den Hoffnungsträger ihrer Zukunft erwartet, sondern einen Präsidenten der ein Land vertritt, das mit beinahe einem Drittel der Menschheit direkt oder indirekt in Konfrontation steht. Frontstadt, Care Pakete und Luftbrücke hatten einmal, das Verhältnis zu Amerika geprägt und sind Geschichte geworden. Prism, Drohnen und Guantanamo sind nun die Etiketten, die der amerikanische Präsident trägt und seinen Status an ihnen entzaubert. Auch die Gazetten Propaganda der „First Family“ verpuffte.

Dann hat er es doch noch versucht, wenn auch zaghaft. Er nahm das letzte große Thema der internationalen Hoffnung auf, das mit ihm noch verbunden wird und forderte die atomare Abrüstung. Ein Anerkennungspunkt für diesen Versuch gebührt ihm, mehr aber nicht. Er wusste, dass der Adressat seiner Hoffnung, in Gestalt des russischen Präsidenten, dieses Anliegen umgehend zurück weisen würde. Russland weiß das die atomare Abrüstung nicht Ausdruck amerikanischen Friedenswillens ist, sondern der schlichte Zwang aus dem US Haushaltsparprogramm. Amerika kann die Modernisierung und Instandhaltung seines riesigen Atomwaffenprogramms nicht bezahlen. Obama wusste, dass diese Forderung nur für die Dauer einer Rede halten würde, aber das war wohl genug.

Dear, Mister President. Viele Menschen, auch in Berlin haben große Hoffnungen auf sie gesetzt und mussten lernen, das ihr Interesse an dieser Stadt, ihrem Wahlkampf  geschuldet war. Sie Mr. President, haben nicht verstanden, wie groß der Einfluss ihrer Vorgänger war und das Berlin nur dem huldigt, der auch diese Stadt huldigt. Ihr Besuch in Berlin war so halbherzig, wie ihr Programm zu Europa und darüber hilft auch ein etwaiges Freihandelsabkommen mit den USA nicht hinweg. Berlin hat sich neu orientiert und die USA sind nicht mehr der alles bestimmende, übergroße Bruder, sondern ein Land, dass in vielen seiner Ziele, keinen gemeinsamen Weg mehr mit Europa hat.

Dieses Land hat sich verändert. Es ist kritischer geworden und hat in einigen Obliegenheiten einen eigenen Weg gefunden. Vieles ist in diesem Land nicht in Ordnung und vieles davon wird offenbar. Es lässt sich nicht mehr durch die Macht und Stärke eines Präsidenten beeindrucken. Die Insignien der Macht eines amerikanischen Präsidenten waren in diesem Land lange mit ein Grund, für die Bewunderung für ihn. Heute sind es die Symbole, die Menschen argwöhnisch werden lassen, weil sie verstanden haben, dass der Schutz amerikanischer Interessen allzu oft, den Verlust von Rechten des Restes der Menschheit bedeutet.

Sorry, Mister President. Der nächste dem es gelingen wird, eine Rede mit der Wirkung von John F. Kennedy oder Ronald Reagan in Berlin zu halten, wird bescheidener daher kommen müssen. Er wird eine Vision verkünden müssen. Ihre „Air Force One“ und ihr „Beast“ können das nicht.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren

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2 Kommentare zu “Sorry, Mr. President”

  1. Dieser Präsident ist schon sehr amtsmüde geworden, es wurde ihm ja auch nicht leicht gemacht in seinen eigenen Reihen. Vielleicht sollten wir ihm einfach zugestehen, dass ihm seine Fans weltweit zu sehr verherrlicht haben, der Rest machte bestimmt sein (unbewußt) spiritueller Ausruf „yes, we can!“ der Menschheit allerorts Hoffnung.

  2. Sorry, Mr. Präsident, aber Sie sind schon sehr amtsmüde geworden. Die Menschen in ihrem Land und weltweit haben Sie in ihren Bann gezogen, mit ihrem sprituellen Satz „jes, we can!“. Es hat die Menschen hoffen lassen, das sich etwas Bedeutendes ändern wird. So wie die Menschen eben sind, haben sie sich zu viel erhofft. Das sie in ihren eigenen Reihen mit Schwierigkeiten rechnen mußten und bereits in der 1. Amtsperiode vieles nicht eingehalten wurde, ist vielleicht nicht nur Ihnen zuzuschreiben. Trotzdem möchte ich behaupten, das Sie noch nicht ihre Karten ausgespielt haben. Ich wünsche dennoch: „Auf eine gute restliche Amtszeit viel Glück!“

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