Politische Irrlichter


irrlicht

Rechts, links oder die liberale Mitte. So einfach ist die Klassifizierung der politischen Denkweise. Alle politischen Parteien und Ansichten scheinen in dieses einfache Schema zu passen. In Wahljahren wird diese vereinfachende Sichtweise auf die Gesinnung der Bevölkerung, gerne zur Führung politischer Grabenkriege und Verunglimpfung des politischen Gegners missbraucht. Von allen Lagern.

Bei genauerer Betrachtung offenbaren diese Denksimplifizierungen jedoch nicht die beschworene Unterschiedlichkeit, der Ideologien nach Himmelsrichtungen. Parteien wie CDU, SPD und FDP unterscheiden sich in ihren Zielen letztlich nur in der Fragestellung und beruhen auf den gleichen politischen Kernansichten. Auch die Parteien an den Rändern dieses politischen Kompasses ähneln sich mehr, als der sie trennende Hass das vermuten lässt. Sowohl die politische Linke als auch die politische Rechte berufen sich, als angestrebtes Gesellschaftsmodell, auf den Sozialismus. Der Unterschied ergibt sich im wesentlichen aus der internationalen Ausrichtung der Linken und der nationalen Ausrichtung der Rechten.

Der politische Kompass nach rechts, links und der liberalen Mitte ist bei tieferer Betrachtung der Problematiken nicht zu einer politischen Positionsbestimmung geeignet und dient vornehmlich der Negativabgrenzung und Aufrechterhaltung eines politischen Feindbildes, das die einzelnen Lager hegen und pflegen, um mit Hilfe dessen, eine Unterschiedlichkeit zu begründen, die sich aus der politischen Ideologie nicht ergibt. So ist bei allen Parteien zu beobachten und erklärtes Ziel ihres Wahlkampfes, dass es weniger um eigene politische Vorstellungen, als um die Differenzierung zum politischen Gegner und die Vermeidung seines Einflusses geht. Am augenfälligsten ist diese Entwicklung in der rechten und linken Szene zu beobachten, die alles was nicht ihrer politischen Idealvorstellung entspricht, reflexartig als Ausgeburt der Hölle des politisch anderen Lagers diffamiert.

Eine ganz normale Aussage wie; Ich bin für die Veränderung der Einwanderungspolitik dieses Landes, die keine politische Aussage enthält, weil sie nicht verrät, gemäß welcher Ideologie ich das verändert sehen möchte, ist dennoch geeignet, mich von der einen Seite als Nazi und von der anderen Seite, als Multi-Kulti Kommunist zu diffamieren. Je nach dem, ob ich auf dem politischen Kompass, als rechts oder links stehend gesehen werde.

Ich erlaube mir eine komplexere Ansicht auf politische Strukturen und Ideologien zu haben und bin nicht bereit diese, aufgrund von dumpfen Simplifizierungen, aufzugeben. Ich habe einen eigenen politischen Kompass, der sich nicht daran stört, dass er von rechts als links und von links als rechts, von beiden als konturlos mittig und von der Mitte als extrem, angesehen wird.

Ich habe Prämissen, die vorab jeglicher politischen Richtung bestimmend für mich sind. Auf ihnen beruht mein politischer Kompass und der zeigt daher nicht kontinuierlich in eine Richtung. Er justiert sich an den einzelnen Sachfragen in Bezug auf meine Prämissen jeweils neu, weil ich glaube, dass nicht Ideologien, sondern nur individuell abgewogene Antworten, zu Problemlösungen führen. Daher führt mich auch keine Antwort, die ich mit dem einen oder anderen politischen Lager teile, in dieses Lager als politische Heimat und erlaubt mir Lösungsvorschläge der NPD, ebenso wie die der Linken, oder der vermeintlichen Mitte für richtig zu halten und auch zu vertreten. Während ich einzelne Vorschläge der unterschiedlichen politischen Gruppierungen vertreten kann, sehe ich auch kein Problem, für diese Sache, diese Gruppen auch offen zu unterstützen. Aus dieser offenen Positionierung ausschließlich zu einzelnen Themen, unabhängig aus welchem politischen Lager sie vertreten werden, entsteht nicht die Gefahr von einer Seite übermäßig geschätzt und instrumentalisiert zu werden, sondern die Wahrscheinlichkeit, letztendlich von allen Parteien und Gruppen nacheinander abgelehnt zu werden und so den einzig gültigen Beweis zu erbringen, zu keiner zu gehören.

Aus den Prämissen, die für meine Ansichten allgemein und meine politischen Ansichten insbesondere maßgeblich sind, ergeben sich andere Unmöglichkeiten, als aus dem allgemein gültigen Kompass, nach links, rechts und der liberalen Mitte.

Es macht einfach keinen Sinn Argumente abzulehnen, weil sie nicht politisch korrekt oder unpopulär sind, oder gegenteilig dazu Ansichten unreflektiert zu vertreten, nur weil sie dem persönlich favorisierten Lager entstammen. Keiner der politischen Protagonisten ist im Besitz einer ultimativen Wahrheit und jeder von ihnen ist in Bezug auf die Vielzahl der politisch möglichen Richtungen, in der Minderheit. Es macht auch keinen Sinn sich Argumenten zu verschließen, nur weil sie von einer ungeliebten Ideologie oder einer Randgruppe vertreten werden und noch weniger ist es sinnvoll, Menschen für ihre politische Gesinnung zu verurteilen. Es ist erschreckend in welchem Maße sich die gesellschaftliche Zustimmung, zur Existenz von Gedankenverbrechen etabliert, die der Orwell´schen Prophezeiung gemäß, immer im anderen ideologischen Gesinnungslager begangen werden.

Ich halte es daher für unmöglich im Sinne einer offenen, nicht ideologisch verblendeten Sichtweise, irgendeine politische Richtung, Organisation oder Partei generell, ohne einen direkten Bezug auf eine Sachfrage zu unterstützen. Nichts schadet der freiheitlichen Kultur einer Gesellschaft mehr als ideologische Festlegungen. Sie sind immer Ausdrucks des Glaubens, im Besitz des Richtigen, des Guten und Wahren zu sein. Eine Geisteshaltung, die immer zur Unterdrückung der Andersdenkenden geführt hat und führen wird. Eine besondere Problematik der ideologischen Festlegung ist ihre kollektive und öffentlich zelebrierte Form der politischen Konformierung, die Wahlen.  Auch die Teilnahme an Wahlen nichts mehr als eine ideologische Kursbestimmung, da in Unkenntnis der Sachfragen von morgen, die Legitimation einer Partei durch eine Stimmabgabe für sie, nur ideologisch sein kann.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren

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Ein Kommentar zu “Politische Irrlichter”

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