Moral und Krieg


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Der Krieg ist der vernichtendste Ausdruck einer Gesellschaft zur Durchsetzung ihres Willens und ihre Bereitschaft, jegliches Recht auf Leben zu negieren, um das verwirklicht zu sehen, was sie für erstrebenswert hält. Als Ultima Ratio der Politik legitimiert ist der Krieg der Offenbarungseid der Vernunft und findet seine Begründung in der fadenscheinigen Selbstgerechtigkeit derer, die ihn entfachen. Doch was nutzt es ihn zu geißeln, wenn er mit der höchsten Instanz der Selbstgerechtigkeit, dem Glaubensbekenntnis der Moral begründet wird.

Moral ist der Freibrief einer Gesellschaft, unter den sich jegliches Recht und jeder Wert zu beugen hat. Ein Sittengesetz, das Folter, Mord und Vernichtung erlaubt und auf das sich jeder berufen kann, der jede andere Begründung seiner Taten verloren hat. Nichts ist einfacher als Moral zu begründen, da sie nichts mehr ist als der Glaube an die eigene Gerechtigkeit und es ist leicht sie zu vertreten, da es dazu nichts mehr braucht als den Glauben an die Ungerechtigkeit des anderen. Sie ist der Prügel,  mit dem sich alles strafen lässt, was mit Vernunft und Verstand unangreifbar wäre. Moral ist der Knebel der verbietet zu sagen, was zu sagen wäre und sie ist die Kette, die sie an den Anspruch ihrer eigenen Unfehlbarkeit zwingt. Mit nichts ließe es sich besser diffamieren und denunzieren als mit Moral. Sie ist das Gesetz vor jedem Gesetz, mit dem sich noch der richten lässt, der nicht zu richten wäre.

Die Moralisten glauben, dass sie sich ungestraft eine Moral leisten können und sehen nicht die Lächerlichkeit ihres Sittengesetzes, über das herzlich zu lachen wäre, wenn es nicht so viel Unheil, Not und Verzweifelung über die Welt bringen würde. So bleibt einem das Lachen über soviel Dummheit im Halse stecken, da allein schon ein schelmisches Aufbegehren gegen den vermeintlichen Besitz der allumfassenden Gerechtigkeit einen bittersten Schrei nach Vergeltung für die blasphemische Kritik an dem Glaubensgrundsatz der Einfältigkeit entfacht.

Moralisten haben noch niemandem etwas Gutes gebracht, außer sich selbst und doch sind sie in jeder Gemeinschaft und in jedem Krieg die treibende Kraft. Die Unwiderstehlichkeit der Moral und die Unantastbarkeit der Moralisten ergeben sich aus der Einfachheit ihrer Forderungen,  die zumeist der Besänftigung nebulöser Ängste geschuldet ist und der fehlenden Notwendigkeit überhaupt etwas begründen zu müssen. Was richtig und gerecht ist, bedarf keiner Begründung ist der simplifizierende Leitsatz der Moralisten, der ihnen die Frage verbietet, ob ihr Richtig, Ihre Gerechtigkeit auch die der anderen ist.

Aus dieser Erhabenheit der Begründung heuchelt die Gesellschaft ihre Friedfertigkeit, in der sich selbst der Krieg mit Frieden begründen lässt. In ihren Kriegen nennen sie Töten und Rauben Befriedung und machen Glauben, dass ihre Armeen und Bomben den Frieden bringen. Doch niemals brachte Feuer das Wasser und Krieg nur immer den Krieg. Die Gesellschaft mag angeführt von ihren Moralisten glauben, dass ihre Kriege gerecht seien, so wie sie glauben, dass ihre Kriege das Töten rechtfertigen, doch sie sehen nicht, wer um die Erhaltung einer Ideologie tötet, stellt eine Idee über das Leben und ist der skrupelloseste aller Mörder. Sie mögen ihre Kriege verklären und ihre Mörder mit Orden zu Helden machen, doch nie werden sie die Hülle von dem Inhalt befreien, den Krieg vom Mord.

Moral ist keine Rechtfertigung, sie ist eine Begründung für all die Abgründe unseres Seins, in denen wir Menschen und allem Leben um uns antun können, was immer wir wollen, ohne uns mit einem schlechten Gewissen plagen zu müssen. Moral ist eines der Instrumentarien menschlicher Unvollkommenheit, die aus sich selbst die Möglichkeit der Verweigerung zu Selbsterkenntnis erlaubt.

Es gab noch keinen Krieg ohne moralische Begründung und keinen Kriegsverbrecher ohne moralische Legitimation und dennoch hält jede Gesellschaft an ihrem moralischen Gerüst fest und jeder Einzelne sucht Trost in der Moral, die ihm das erlaubte, was sonst niemand erlauben konnte.

Solange es legitim ist sich auf eine Moral zu berufen, solange werden Folter, Mord und Vernichtung eine Legitimation finden. Moral formt keinen besseren Menschen. Sie ist nichts mehr als die Begründung, kein besserer Mensch sein zu müssen.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren

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5 Kommentare zu “Moral und Krieg”

  1. Sie haben die Lüge geliebt und also werden sie ihr bis in den Tod folgen.
    Was man liebt, dem dient man und stirbt dafür.
    Sie wollten Wahrheit nicht, sie wollten Welternehre und Ruhm und Glanz und leben in ’nem Mummenschanz.
    Sie haben sich in die Lügner und die Lüge verliebt und sind ihr hörig geworden, und wen und was man liebt dem dient man bis in den Tod. Man kann von Glück reden nicht zu ihnen zu gehören.
    SIE LIEBEN DIE LÜGE UND WERDEN IHR BIS IN DEN TOD FOLGEN,
    DENN SIE SIND HÖRIGE DER LÜGE.
    Das ist die Gesetzmässigkeit und Teil der universellen Gerechtigkeit.
    Wer die Wahrheit hasst, der ist verflucht.
    Ohne den dauerhaften Willen zur Wahrheit ist man der unabänderliche Verlierer.
    Gustav Staedtler

  2. Die Gesellschaft ist weder moralisch noch unmoralisch, sie entfacht auch keine Kriege. In der Geschichte haben immer Herrscher Kriege angezettelt. Keine Gesellschaft ist als solche über eine andere hergefallen. Kriege sind moralisch nicht zu legitimieren, in keiner Weise. Es ist die Abwesenheit von Moral bzw. die Vergewaltigung von Moral, die Kriege ermöglicht und „legitimiert“. Meine eigene Moral würde mich an der Tötung eines anderen hindern, solange ich nicht selbst in gleicher Art bedroht würde. Ich finde Moral ist hier nicht der richtige Begriff, es geht eher um Motive.

  3. Hallo Alex
    Ich denke der Begriff Moral ist sehr wohl passend, da Moral ein Sittengesetz, also ein gemeinschaftlicher Wert ist. Persönliche Werte sind nur in sofern Moral wenn sie mit einem allgemein gültigen Sittengesetz in Übereinstimmung stehen. Leider neigen wir dazu unsere persönlichen Werte nicht Prämissen, sondern Moral zu nennen. Wohl auch in der Hoffnung einer Übereinstimmung.

  4. In meiner Philosophie unterscheide ich zwischen 2 (die anderen sind hier unwichtig) Systemhöhen: dem System (Individuum) und lebenden Systemen höherer Ordnung (z.B. Staat, Religionsgemeinschaft usw.). Die hier angeführte Moral ist dem System zuzuordnen, das dem Individuum übergeordnet ist. Was „moralisch“ ist, entscheidet kein Individuum, sondern die Religionsgemeinschaft oder der Staat, der den Krieg anzettelt. Dem sind auch die Menschenopfer der eigenen Bevölkerung, die der Krieg mit sich bringt, völlig schnuppe. Es geht einfach um die Vergrößerung des Staats, um den Machtzuwachs dieses Systems, das im Eigeninteresse handelt.
    Es handelt also der Staat, und selbst die Führer und sonstige Individuen, die angeblich Entscheidungen treffen, sind „nur“ Ausführungsorgane dieses übergeordneten Systems; Marionetten, die sich als Vollstrecker des Gemeinschaftswillens fühlen – was sie tatsächlich auch sind. Die „Moral“ dient nur dazu, die Massenmorde (auch an der eigenen Bevölkerung) zu sanktionieren und ein gutes Gewissen zu behalten.
    Rudi

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