Demokratische Ansichten

demokratie

Demokratie lebt von der Freiheit der individuellen Meinungen ihrer Teilnehmer, der Meinungsvielfalt. Jede facettenreicher die Meinungen innerhalb einer Demokratie vertreten sind, desto freiheitlicher ist sie als Gesellschaftsform aufgestellt.

Demokratie ist kein eigenes Wertesystem, sondern nur die Verwaltungsform zu einem solchen und ihre Widerstandskraft ist direkt von der Ideologie abhängig, der sie als Durchführungsverordnung dient. Ist die zu Grunde liegende Ideologie stark, ist auch die Widerstandskraft der Demokratie gegen extremistische Meinungen und Bestrebungen hoch. Ist aber die durch die Demokratie zu verwaltende Ideologie schwach, verstärkt sich die Neigung der Demokratie, mit nicht demokratischen Mitteln zu reagieren. Der Erfolg einer Demokratie basiert nicht auf ihr selbst, sondern ist zumindest in der westlichen Hemisphäre, an den Erfolg des Kapitalismus, als tragende Ideologie der Demokratie gebunden.

Das Zweckbündnis von Kapitalismus als Ideologie und Demokratie als Verwaltungsform, ist weder ideologisch noch systemisch zwingend, sondern ein direktes Ergebnis der Nachkriegsära und somit als politische Reaktion eines ideologischen Grabenkrieges zwischen einem kommunistischen und einem kapitalistischen Lager, zu verstehen. Demokratie ist auch unter anderen Ideologien denkbar und wurde bereits auch unter anderen Ideologien betrieben. Die Entstehungsform der Demokratie, basierte auf der hellenisch Aristokratie, ihr Durchbruch in der französischen Revolution war radikalsozialistisch und ihren historischen Höhepunkt fand sie im puritanisch-religiösen System der amerikanischen Apartheid des 18.ten Jahrhunderts. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtete bereits zur Zeitenwende von demokratischen Gepflogenheiten der germanischen Barbaren, bei der Wahl ihrer Anführer.

Die Toleranz gegenüber anderen Meinungen, ist der systemisch Grundsatz der Demokratie. Durch diese Toleranz schöpft sie ihre Kraft und doch liegt in ihr auch die größte Gefahr für sie verborgen. Je größer die Anzahl unterschiedlichster Meinungen, desto größer ist zwangsläufig der Anteil an Meinungen darunter, die etwas anderes wollen und nach anderem streben. Die Stärke einer Demokratie lässt sich daran bemessen, wie viele ihr entgegengesetzte Meinungen sie aushält, ohne in Muster zu verfallen, durch die sie den demokratischen Anspruch an sich selbst aufgibt.

Innerhalb demokratischer Gesellschaftsformen ist Extremismus der Teil der Meinungen und Bestrebungen einer Gruppe, der direkt auf die Abschaffung der Wesensmerkmale einer Demokratie gerichtet ist. Entscheidend dabei ist, das die Gruppe nicht systemrelevant ist, denn wäre sie es, würde sie als Mehrheit demokratisch legitimiert und bestimmend sein. Die fehlende Systemrelevanz nimmt den, die Demokratie ablehnenden Meinungen und Bestrebungen, die tatsächliche Möglichkeit der Veränderung. Was bleibt sind antidemokratischen Meinungen und nicht durchsetzbare Bestrebungen, die nicht selbst eine Gefahr für die Demokratie sind, jedoch diese dennoch in Gefahr bringen, da sie die demokratische Gesellschaft verleiten, die vom Extremismus ausgehende Gefahr zu überschätzen und somit in Art und Form so zu reagieren, das die Reaktion nicht mehr demokratisch zu begründen ist. Es ist keine direkte Gefahr die vom Extremismus für die Demokratie ausgeht, sondern eine indirekte, nämlich die an den eigenen Ansprüchen zu scheitern.

Bei der Betrachtung der Forderungen der extremistischen Randgruppen innerhalb Europas wird offenbar, das diese im Grunde inhaltlich nicht gegen die Demokratie, sondern gegen die ihr zu Grunde liegende Ideologie gerichtet ist, den Kapitalismus. Die extremen Forderungen richten sich vornehmlich gegen die wirtschaftlichen Interessen der Staaten und den sich daraus direkt oder indirekt ergebenden Folgen. Freie Wahlen und demokratische Strukturen werden weder von der linken, noch von der rechten Szene in Abrede gestellt. Die extremistische Linke fordert eine Schließung der Schere zwischen arm und reich und richtet sich damit direkt gegen die Folgen des Kapitalismus. Die extremistische Rechte fordert eigenstaatlich unter Verhinderung jeglicher Vermengung mit anderen Staaten und Völkern und richtet sich damit gegen die Forderungen und Folgen der Globalisierung als direkte Folge der Finanz- und Warenströme.

Sowohl in der äußersten Ecke des linken als auch des rechten Lagers, entstehen krude und heillose, aber medienwirksame Gedankenkonstrukte, die dann als populistische Verallgemeinerungen für die gesamte Gruppe missbraucht wird. Ein durchschnittlicher Linker ist nicht aufgrund seiner Meinung extremistisch, sondern weil er mit den extremsten Forderungen seines Lagers etikettiert wird. Das gleiche gilt für den durchschnittlichen Rechten. Wohl nur die wenigsten Linken würden tatsächlich den Fabrikbesitzer enteignen und verjagen wollen, ebenso wenig würde das kaum ein Rechter mit Ausländern tun. Doch es gibt ein mediales Bild und in diesem kommt nicht zum tragen, das kaum ein Linker oder Rechter morden würde, wie die RAF und der NSU es taten. Das gezeichnete Bild der Medien ist ein Spiel mit der effekthaschenden Dummheit einer breiten Masse, in der vor dreißig Jahren jeder Langhaarige ein Bombenleger war und heute jeder Springerstiefelträger ein Killer ist.

Das tatsächlich Extremistische, ergibt sich jedoch nur selten aus den Gedanken und Handlungen der vermeintlichen Extremisten selber, sondern vornehmlich aus der Sicht auf sie und diese wird von den Medien geprägt, also aus der Mitte einer Gesellschaft, die sich eine gedankliche Verfilzung wirtschaftlicher und demokratisch Vorzüge, als sich bedingend und unauflösbar bestimmt hat. Nur unter der bedingungslosen Einnahme dieses Standpunktes ergibt sich Extremismus.

Der Umstand, dass staatliche Gewalt, Extremismus definieren kann und zugleich die Verfolgung bestimmt als auch legitimiert, ist die Außerkraftsetzung einer grundsätzlichen Voraussetzung für Demokratie, der Gewaltenteilung. Sie soll verhindern, das Ankläger, Richter und Henker in unkontrollierbarer Personalunion gegen die vorgehen, deren Meinung sie nicht ertragen. Demokratische Staaten die Extremismus bekämpfen, müssen zuvor bestimmt haben, welche Meinungen sie als demokratisch zulassen und welche zu bekämpfen sind. Innerhalb dieser Staaten herrscht Meinungsvielfalt nur innerhalb des inhaltlichen Widerspruchs erlaubter Grenzen und Meinungsfreiheit nur auf dem Papier. Gänzlich an ihrem eigenen demokratischen Ansprüchen gescheitert sind Staaten spätestens jedoch dann, wenn sie die selbstkonstruierte Definition dessen was es aus ihrer Sicht zu verfolgen gilt, mit einer massenphobischen Sehnsucht nach Sicherheit begründen. Dann geben sie sich das Recht, die Rechte aller zu beschneiden, um die wenigen, die in unliebsam sind zu verfolgen. Das daraus erwachsende Ergebnis dann noch eine Demokratie zu nennen bedarf der eigentümlichen Sichtweise, das Demokratie ausschließlich Marktwirtschaft sei und umgekehrt. Dennoch hat sich genau diese Sichtweise etabliert.

Die Demokratie dieses Landes ist die bewusst von den Siegermächten, nach dem zweiten Weltkrieg, gewählte Verwaltungsform des Kapitalismus zum Zwecke der Kompatibilität mit dem politischem und wirtschaftlichem, angloamerikanischen System. Die dieser Demokratie scheinbar inne wohnenden Freiheiten, ergeben sich aus der Freiheit der Märkte, mit denen der frei Konsum zur Maximierung seines Zieles der Gewinnoptimierung, gewährleistet wird. Die Annahme das freiheitliche Rechte das Ergebnis einer demokratischen Gesellschaftsentwicklung seien, ist schlicht unzutreffend. Dies zeigt sich in dem Umstand, dass freiheitliche Rechte nur abhängig eines marktwirtschaftlichen Nutzens etabliert werden können. Innerhalb des europäischen und amerikanischen Demokratiemodells ist der Kapitalismus nicht auflösbar.

Die bestimmende Ideologie der vorliegenden Demokratie, ist der Kapitalismus und seine Marktwirtschaft. Das was heute Demokratie genannt wird basiert auf einem Relikt des 19.ten Jahrhunderts. Es ist eine Ideologie der Besitzvermehrung und Machterhaltung, aus einer Zeit der Kolonialisierung und der Industrialisierung. Zeitlich begründet und geprägt im Feudalismus und vor der allgemeinen Akzeptanz der Menschenrechte. Die Basis dieses Modells war der scheinbar unbegrenzte Ressourcenreichtum einer noch zu erobernden Welt. Doch die Denkweisen des 19.ten Jahrhunderts bieten keine Antworten, auf die ökonomischen, ökologischen und soziologischen Sachzwänge der Gegenwart. Der Profit einer Wirtschaftselite und ihrer Klientel kann keine Begründung mehr dafür sein, dieses anachronistische Regelwerk entgegen besseren Wissens fortzusetzen und somit auch keine Begründung liefern, warum die Demokratie nicht mit der Verwaltung einer anderen , einer neuen Ideologie beauftragt werden sollte.

Den Kapitalismus weiterhin mit der Wahrung demokratischer Rechte zu begründen ist nicht nur die Verunglimpfung aller demokratischen Bestrebungen außerhalb wirtschaftlicher Interessen, sondern Anbetracht der katastrophalen Folgen des marktwirtschaftlichen Treibens der Gesellschaften auch eine hole Phrase. Es sind wirtschaftliche Interessen, die eine ideologische Bindung der ungezügelten Märkte an freiheitliche Rechte konstruieren.

Aktuell ist eine unheilvolle Allianz von Politik und den Medien zu beobachten, die einen Ersatz der Wirtschaftsideologie als zu verwaltende Gesellschaftsform für die Demokratie noch nicht durchsetzbar erscheinen lässt. Die vorherrschende Sichtweise wird von den Medien bestimmt und vermeintlich nicht demokratische Meinungen mehr oder minder offen, von der Politik als extremistisch verfolgt. Medien sind Wirtschaftsunternehmen und es wäre daher naiv zu glauben, sie würden sich an ihrer eigenen Infragestellung als Wirtschaftsunternehmen, mit Einfluss auf die Meinung der Massen, beteiligen und die oberste Prämisse der Politik war schon immer der eigene Machterhalt. Das sind durchaus legitime Interessen, aber sie sind nicht demokratisch begründet und somit beeinhaltet die von den Medien bestimmte Volksmeinung zur Demokratie, viele wirtschaftliche und undemokratische Elemente. Es ist nur noch eine Minderheit, die um ein Wissen zur Demokratie verfügen, auf das sich aufbauen ließe, den meisten ist Demokratie eine Wohlstandsverpflichtung des Staates mit Sicherheitsgarantie. Die breite Masse glaubt in sträflicher Unwissenheit, das abnicken vorbestimmter Protagonisten und Themen durch Wahlen, sei Demokratie.

Das gesamte Gehabe der Verwalter und Regierer des Staates, mit wie viel Opfer und Eifer sie die Demokratie leben und schützen, gleicht eher einer durchsichtigen Seifenoper, als dem ernsthaften Versuch, Volkes Wille umzusetzen. Die Kaste der Profi-Politiker, ein Berufsbild das einer tatsächlichen Demokratie schon inhaltlich im Wege steht, erdreistet sich sogar ihr handeln auch dann als demokratisch legitimiert darzustellen, wenn es nicht dem Willen des Volkes entspricht.  Dieser Politpragmatismus ist politisch zweckdienlich, aber er ist nicht demokratisch.

Die vorliegende Demokratie ist ein Etikettenschwindel. Zuvieles, was demokratischen Grundsätzen nicht entspricht oder sie gefährdet, wurde unter ihrem Label wie selbstverständlich vereint. Zuviele selbsternannte Demokraten ziehen mit demokratisch verpackten Wirtschaftsforderungen durchs Land und beweisen ihre demokratische Gesinnung, wenn sie nahtlos im Anschluss an ihre politische Karriere, in die Wirtschaft wechseln und das Etikett wieder wechseln. Wenn das, auf das ein Staat hört nicht die Stimme seines Volkes, sondern das wirtschaftliche Interesse weniger ist, dann handelt es sich gemäß Definition um eine Plutokratie. Es reicht nicht aus etwas als Demokratie zu benennen, um daraus eine zu machen. Eine Demokratie kann nur sein, was demokratisch ist.

Eine Demokratie braucht ein Volk, das bereit ist sie zu leben und zu schützen. Dieser banal wirkende Umstand war ihre Archilles-Ferse, als sie auf den Kapitalismus traf. Unmündig und ängstlich übernimmt das Volk nunmehr alles, was aus höherem Munde als Demokratie benannt wird, unfähig zu Kritik und Widerstand. Mit Wohlstand bestochen den Mund zu halten und mit seinem drohenden Entzug in Angst versetzt, ist es letztendlich das Volk welches in vorauseilendem Gehorsam, Kritik und Aufbegehren in seiner Wohlstandslethargie ignoriert um den Status Quo nicht zu gefährden. Es ist eine historische Tatsache, das jedes Volk, das seine Ideale für Wohlstand und Sicherheit verkaufte, in Unmündikeit und Angst endete. Nur noch den Anschein einer Demokratie zu haben, ist der Preis den ein Volk zu zahlen hat, wenn es nicht der Aushöhlung und Demontage der Demokratie, mit allen Kräften entgegen tritt. Niemand kann sagen, das er es nicht hätte sehen können, wenn er es nur gewollt hätte und niemand ist befreit von der Schuld nicht gehandelt zu haben.

Trotz der bestehenden Situation es ist nicht illusorisch anzunehmen, das die inflationär ausufernden Exzesse des Kapitalismus, zunehmend die verbindenden Kräfte innerhalb der Gesellschaft schwächen werden und sich somit als zukünftige gesellschaftstragende Ideologie selbst diskreditieren, als auch den Glauben an die Demokratie zerstören werden.

Was gerne als Ende der Zivilisation, jeder vernünftigen Diskussion entzogen wird, ist der nächste große Schritt der Demokratie, auf dem Weg in eine freiere Welt, wenn und genau das wird versucht zu verhindern, es dann Menschen gibt, die Willens sind sich mit alternativen Gedankenmodellen auseinander zu setzen, die heute als extremistisch gelten und sich daran erinnern, das es Demokratie schon vor dem Kapitalismus gab und ihre Werte und Regeln keine wirtschaftliche Begründung brauchen.

Die Demokratie kann den Kapitalismus überleben, wenn sie sich rechtzeitig von ihm löst, doch sie wird mit ihm vergehen, wenn sie sich an ihn bindet. Gerade der Umstand nicht selbst eine Gesellschaftsideologie sein zu müssen und auch nicht sein zu können, ermöglicht ihren Fortbestand auch über die Halbwertzeit gesellschaftlicher Ideologien hinaus. Die Demokratie zu achten und zu schützen, bedeutet daher immer eine ausreichende Distanz zu der Ideologie zu wahren, die sie aktuell verwaltet. Die Freiheit der Menschen zu fordern und bewahren zu wollen, bedeutet immer demokratische Rechte als eigenständig zu betrachten und gegen jedes ideologische und gesellschaftliche Interesse zu schützen. So kann sich die Menschheit durch den beständigen Austausch veralteter als unbrauchbar erwiesener Ideologien weiterentwickeln, ohne immer wieder ihre errungenen Freiheiten opfern zu müssen.

Demokratie ist die Möglichkeit der freien und gleichen Teilnahme an einer Gesellschaft. Demokratie bedingt die Möglichkeit, eine Gesellschaft verändern zu wollen und zu können. Demokratie ist keine Verpflichtung einen gesellschaftlichen Status Quo aufrecht zu erhalten und auch kein Zwangsbündnis mit einer wie auch immer geartete Ideologie. Dafür würde eine Diktatur reichen.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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Der Kompromiss als Verrat an sich selbst

gandhiluther

Kompromisse sind die Schmierstoffe der Gemeinschaft. Geschuldet der möglichst reibungslosen Verwaltung der Gesellschaft generiert der Kompromiss einen imaginären eigenen Willen, der nicht dem Willen der Teilnehmer einer Gemeinschaft geschuldet ist, sondern den gemeinsamen Nenner ihrer Teilnehmer beschreibt, der an inhaltlichen Aussagen analog der Anzahl der Teilnehmer verliert.

Ein Kompromiss ist das Ergebnis der Schwäche von Standpunkten, die mangels Durchsetzbarkeit aufgegeben werden, um einen neuen Standpunkt einzunehmen der mangels eines konträren Standpunkts seine Festigkeit nicht beweisen muss.

Eine ewige Weisheit der Freiheit lautet, dass das, was der Gemeinschaft nutzt, dem Einzelnen schadet. Da bildet der Kompromiss keine Ausnahme,da er die Aufgabe der individuellen Überzeugung fordert und somit die individuelle Entwicklung erschwert oder verhindert. Der gesellschaftlich geforderte Konsens zur Kompromissbereitschaft, ist auch als gesellschaftlicher Ausdruck, einer der Schwäche.

Es war der mangelnde Wille zum Kompromiss und die fehlende Bereitschaft die eigene Überzeugung auf einen Nenner, mit anderen Überzeugungen zu begrenzen, der in der Geschichte der Menschheit die Schritte zu ihrer Weiterentwicklung ermöglichte. Die wenigen die es vermochten, die Menschheit einen Schritt weiter zu tragen, konnten dies nur, weil sie für die Erhaltung ihrer Überzeugung jeden Kompromiss ablehnten und damit das Unverständnis und den Zorn ihrer Zeitgenossen ertrugen.

Der ausdrücklich von ihnen geforderte Kompromiss hätte die Erkenntnisse eines Kopernikus und eines Galileo zunichte, den Kampf eines Gandhi und eines Luther-King unmöglich gemacht und den Durchbruch der Demokratie durch die Französische Revolution als eine Reformation verhindert. Washington hätte durch einen Kompromiss die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung verhindert und ein Kompromiss hätte den zweiten Weltkrieg beendet aber das Nationalsozialistische Deutschland weiter bestehen lassen.

Der Kompromiss ist das süße Gift, das gesellschaftliche Entwicklungen vor Auseinandersetzungen zu schützen verspricht, in dem es jede Spitze der Erkenntnis und Forderung, auf das Schafott eines ängstlichen Friedens zwingt und jede Besonderheit als Ausdruck der Individualität zu leben verhindert.

Doch der größte Verrat den der Kompromiss mit sich führt, geschieht nicht in der Gemeinschaft, sondern in der Intimität des Umgangs der Menschen miteinander. Wenn zwei Menschen sich auf einen Kompromiss einigen, bestimmen sie, zwei individuelle Willen aufzugeben um einen neuen zu bestimmen, der zuvor keinem zu eigen war. Dieser neue Wille leidet an der Schwäche von zwei Menschen getragen werden zu müssen, ohne auch nur einen von ihnen, vorbehaltlos hinter sich zu wissen. Keine Forderung ist versklavender, als die nach der Aufgabe der eigenen Überzeugung, zum Zwecke der vereinfachten Erreichung von Zielen, von denen keines die Aufgabe der eigenen Überzeugung Wert sein kann, wenn die Individualität wertvoll sein soll.

Ein Kompromiss ist das süße, weil betäubende Gift der Schwäche. Es ist die Kunst der Verleugnung eigener Überzeugungen, die nur jenen gelingt, die so wenig von ihr in sich tragen, dass sie das was sie ihre Überzeugung nennen, immer in der Mittelmäßigkeit des Konsens mit anderen wiederfinden. Er wird immer dann gefordert, wenn der Glaube vorherrscht, dass das ängstliche Verharren menschlicher sei, als der Mut zu eigener Entwicklung.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren

Das globale Nahrungsproblem

Die Nahrung ist der Schlüssel zur Erhaltung des Lebens. Ihre Quantität und Qualität ist bestimmend für die Lebensführung jedes Einzelnen, wie auch für die Erhaltung und Entwicklung einer Gesellschaft und letztlich für den Fortbestand der Menschheit selbst.

Nahrungsmittel sind Ressourcen und diese sind begrenzt. Die Verfügbarkeit von Nahrung ist nicht nur eine globale Fragestellung, sondern wird zukünftig immer mehr zu einem Problem werden, dem jeder Einzelne ausgesetzt sein wird. Wie grundlegend und unlösbar dieses Problem schon heute ist, offenbart sich in den Handlungen der Politik, die dieses Problem hilflos auf Hungerstatistiken für Entwicklungsländer begrenzt und den Vorgehensweisen der Nahrungsmittelindustrie, die auf der einen Seite über wissenschaftliche Welternährungslösungen fabuliert, während ihre Hauptaufgabe darin besteht den Mangel zu verwalten.

Das Nahrungsproblem teilt sich in ein quantitatives Problem, dem Welternährungsproblem als Ursache und ein qualitatives, als individuelles Problem der Nahrungsmittelkonsumenten. Beide Bereiche wirken völlig unterschiedlich und sind dennoch nicht voneinander zu trennen.

Als quantitativer Aspekt ist das Welternährungsproblem ein falsch etikettiertes Bevölkerungsproblem. Es gibt nicht zuwenig Nahrung, sondern zu viele die ernährt werden müssen. Diese Sichtweise gilt als inhuman, ist aber die einzig realistische, da der Mensch in dieser Gleichung die Größe ist, die sich verändert. Die nutzbare Erdfläche beträgt ca. 51 Milliarden Hektar, davon sind 8,3 Milliarden Hektar biologisch produktives Land. Bei einer Weltbevölkerung von derzeit circa 6,3 Milliarden Menschen, entspricht das einer Fläche von 1,3 Hektar, die für die Nahrungsmittelproduktion pro Mensch zur Verfügung steht. Dazu lassen sich noch 0,55 Hektar nutzbare Wasserfläche pro Mensch rechnen. Im Ergebnis macht das ca. 1,85 Hektar Boden und Wasserfläche, die jedem Menschen zur seiner Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehen.

Von dieser Fläche beanspruchen alle Tieren und Pflanzen die nicht der Nahrungsmittelproduktion dienen ca. 0,55 Hektar und so verbleiben ca. 1,3 Hektar nutzbare Land und Wasserfläche pro Mensch, für seine Nahrungsmittelproduktion. Diese Grenze der natürlichen Ertragskapazitäten der Erde wurden schon in den 1970er Jahren überschritten. Aktuell werden heute im Weltdurchschnitt 2,28 Hektar Land zur Nahrungsgewinnung eines einzigen Menschen genutzt. Das ist kein neu errungenes Land  welches nutzbar gemacht wurde, sondern der Ertrag, der aus einem imaginären Hektar Land entstehen würde, sich aber tatsächlich aus dem Mehrertrag durch massiven Einsatz von Dünge- Schädlingsbekämpfungmitteln und Genmanipulationen ergibt. Der Bedarf der Weltbevölkerung nach 2,28 Hektar Land für die Nahrungsmittelproduktion eines einzigen Menschen, den die natürliche Ertragsgrenze von 1,3 Hektar nicht erfüllen kann, ist der Grund des Welterährungsproblems und diese Situation wird sich zukünftig exponentiell weiter verschärfen. Schon bis zum Jahr 2030 wird die benötigte Fläche pro Mensch auf 3,5 Hektar anwachsen. Bis dahin wird sich die Weltbevölkerung ein weiteres Mal verdoppelt haben und ca. 15 Milliarden Menschen betragen. Die dann zur Verfügung stehende Fläche wird pro Mensch nur noch 0,55 Hektar betragen. Dann wird jeder Acker, jedes Feld aber auch jedes Huhn und jedes Schwein beinahe die dreifache Menge seines natürlichen Ertrages liefern müssen.

Weder die Politik noch die Nahrungsmittelindustrie können an diesen Fakten etwas ändern. Durchhalteparolen, Zweckoptimismus oder schlichte Ignoranz zur Faktenlage sind zwar geeignet, das Problem aus dem öffentlichen Fokus zu verdrängen, können es aber nicht lösen. Im Gegenteil führt die vermeintliche Nichtexistenz und die Verleugnung der tatsächlichen Situation, zu weiterer Nahrungsmittelverschwendung und verschärft das Problem über die Maßen auf der Nachfrageseite.

In völligem Widerspruch dazu, wird von einigen Interessengruppen behauptet, aufgrund des technischen Fortschritts sei die Ertragssteigerungen soweit möglich, dass sogar 12 oder 14 Milliarden Menschen zu ernähren wären und das Welternährungsproblem sei im Grunde nur ein Verteilungsproblem. Diese Sichtweise wird maßgeblich von denen unterstützt, die von Ertragssteigerungen an meisten profitieren und ist unter anderem offizielle Firmenideologie von Nahrungsmittelkonzernen wie Monsanto. Hier liegt die Ursache für den zweiten Aspekt des Nahrungsproblems, die Qualität.

Durch den einfachen Umstand nicht genügend Nahrungsmittel produzieren zu können, sieht sich die Nahrungsmittelindustrie seit mehr als vierzig Jahren in der profitablen Situation, innovative Lebensmittel zu kreieren, durch die ein kontinuierlicher Anstieg der Nachfrage befriedigt werden soll. Die Antwort der Industrie ist Food Design, Novel Food und gentechnisch manipulierte Lebensmittel. Während bei herkömmlicher Nahrung die Nährstoffe die wichtigste Komponente war, ist bei dieser Form industrieller Nahrung die Möglichkeit der massenhaften Herstellung und der geringst mögliche Einsatz begrenzter und damit teurer Bio-Ressourcen, das maßgebliche Kriterium. Der Nachweis, das nach aktuellen Bemessungskriterien, diese Nahrungsmittel gesundheitlich nicht bedenklich sind ist dabei rechtlich ausreichend um sie zu einem Lebensmittel zu machen.

Ganz unwissenschaftlich ausgedrückt, ist die Nahrungsmittelindustrie dazu übergegangen, natürlich vorkommende Nahrungsmittel soweit zu strecken, wie es notwendig ist um die Nachfrage zu befriedigen. Fett und Stärke bilden das Volumen, Emulgatoren und Konservierungsstoffe die Konsistenz und Zucker und Salz den Geschmack. Um den Bedarf an Nährstoffen zumindest plakativ gedeckt zu haben werden künstliche Vitamine hinzugefügt. Vitamine sind Verkaufsschlager und Beruhigungspille in einem. Wissentlich wird ausgeblendet das einige der zugefügten Vitamine völlig wertlos sind, da sie ohne die dazugehörigen Pflanzenbestandteile, den Bio-Flavinoiden für den menschlichen Organismus nicht verwertbar sind, während andere die aufgenommen werden zu einer Überversorgung des Vitamines führen, die mindestens ebenso schädlich sein kann, wie eine Unterversorgung. Ernährungspsysiologisch ist die vornehmliche Ernährung durch solche Lebensmittel, ein Langzeitsuizid mit Messer und Gabel. Dennoch stellen diese Lebensmittel bereits einen Großteil des Nahrungsmittelangebots in den westlichen Industriestaaten. Nur noch aufzuwärmende Fertignahrung, Junk- und Design Food sind die Hauptnahrungsmittel auch in Deutschland. Umfragen haben ergeben das nur 30 % der deutschen Haushalte unregelmäßig mit frischen Lebensmitteln kochen und nur noch 15 % tun dies regelmäßig. Das Ergebnis lässt sich in den Krankenstatistiken ablesen und äußert sich in den typischen Folgeerkrankungen falscher Ernährung wie Diabetes, Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen und Adipositas. Was zu Volkskrankheiten wurde, ist nicht mehr als ein sicheres Indiz für die mangelnde Eignung dessen was wir essen, als Nahrung. Der menschliche Organismus braucht eine Vielzahl von Nährstoffen und verlangt solange nach Nahrung, bis er diese erhält. Der übermäßig hohe Anteil in der Wohlstandsersatznahrung an Streckmitteln wie Fette und Stärken führt dabei weiterhin zu einer permanenten Überversorgung an Brennwerten. Brennwerte, die den menschlichen Körper, bevor er vor der permanenten Zufuhr kapituliert und in eine verfettende Lethargie verfällt, in einen Aktionsmodus treiben, der als Hyperaktiv empfunden und zum Krankheitsbild ADHS definiert wurde.

Das in den westlichen Industriestaaten vornehmlich herrschende qualitative Nahrungsproblem führt zwingend zu einer Neubetrachtung der Nahrung insgesamt nach anderen, der Situation angepassten Kriterien. In der Mitte des 20.ten Jahrhunderts war das bestimmende Kriterium der Nahrung die Sättigungseigenschaft. Diese Ansicht wandelte sich als Folge der Überflussgesellschaft und wurde heute zu dem Wunsch, nach einem möglichst hohen Nährstoff- und Vitamingehalt. Unterstützt wurde dieser Trend durch die Nahrungsmittelindustrie. Das Märchen der gesunden Nahrung war geboren. Doch selbst dieser Unsinn ließ sich noch steigern und mündete in dem momentan vorherrschenden Bio – Hype. Widerspruchslos konsumiert der vermeintlich aufgeklärte Bürger, Bio-Äpfel und speziell gezüchtete Naturkost, ohne den Irrsinn zu registrieren, der sich schon in der Wortkreation verbirgt. Gab es jemals einen nicht biologischen Apfel? Gemeint von der Nahrungsmittelindustrie war der geringere Schadstoffanteil der, als Bio deklarierten Nahrungsmittel. Diese heute in allen Nahrungsmitteln vorkommenden Schadstoffe müssen das bestimmende Kriterium der Nahrungsauswahl sein, um seinem eigenen Leben nicht ein vorschnelles Ende zu setzen. Es geht nicht darum gesunde Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, sondern sich ausreichend vielfältig zu ernähren um die Schadstoffbelastung durch die Nahrungsmittel möglichst weit zu fächern und so hoffen zu können, nicht ein bestimmtes Gift im Übermaß zu sich zu nehmen. Fleischesser setzen sich einer erhöhten indirekten Zufuhr von Antibiotika aus, während Veganer vermehrt unter den Pestiziden und Fungiziden zu leiden haben. Fischesser gefährden sich durch die Aufnahme von Schwermetallen und Kunststoffen und der Durchschnittskonsument nimmt täglich ein Cocktail aus chemischen Nahrungsmittelzusätzen zu sich, den niemand zu sich nehmen würde, wenn sie nicht in Lebensmitteln versteckt und die Aufnahme offensichtlich wäre.

Es ist illusorisch zu glauben, das es kein Nahrungsmittelproblem gibt oder das dieses auf Hungergegenden beschränkt sei. Nahezu alle Menschen auf diesem Globus sind bereits direkt durch die Nahrungsmittelknappheit betroffen, deren Besonderheit es ist, sich in den einzelnen Regionen unterschiedlich darzustellen. In den Hungergegenden der Welt fehlt die Kaufkraft und damit der wirtschaftliche Anreiz, Ersatz für die fehlende Nahrung zu produzieren, dort herrscht ein quantitatives Nahrungsproblem, während in den westlichen Industriestaaten die Kaufkraft den wirtschaftlichen Anreiz bietet, die fehlenden Nahrungsmittel durch künstliche zu ersetzen, hier herrscht ein qualitatives Nahrungsproblem. Kurzfristig stellt das einen Vorteil für die Industriestaaten dar, führt aber langfristig zu dem gleichen mortalen Endergebnis.
Realistisch betrachtet gibt es nur zwei Lösungen, das globale Nahrungsproblem zu lösen. Die eine wäre die Entdeckung einer zweiten Erde zur Nahrungsmittelgewinnung und die zweite, die drastische Reduzierung der Weltbevölkerung auf unter 2 Milliarden Menschen. Das erste steht nicht zu erwarten und das zweite ist in seiner Vorstellung so ungeheuerlich, das niemand einen ernsthaften Gedanken daran verschwenden wird. Das Nahrungsproblem wird gemäß der Gesetzmäßigkeiten voranschreiten und letztlich in seiner Konsequenz zu dem führen, über das die Menschheit keinen Gedanken verschwendet.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren