Ein Nahrungsproblem


obstgemüse

Die Nahrung ist der Schlüssel zur Erhaltung des Lebens. Ihre Quantität und Qualität ist bestimmend für die Lebensführung jedes Einzelnen, wie auch für die Erhaltung und Entwicklung einer Gesellschaft und letztlich für den Fortbestand der Menschheit selbst.

Nahrungsmittel sind Ressourcen und diese sind begrenzt. Die Verfügbarkeit von Nahrung ist nicht nur eine globale Fragestellung, sondern wird zukünftig immer mehr zu einem Problem werden, dem jeder Einzelne ausgesetzt sein wird. Wie grundlegend und unlösbar dieses Problem schon heute ist, offenbart sich in den Handlungen der Politik, die dieses Problem hilflos auf Hungerstatistiken für Entwicklungsländer begrenzt und den Vorgehensweisen der Nahrungsmittelindustrie, die auf der einen Seite über wissenschaftliche Welternährungslösungen fabuliert, während ihre Hauptaufgabe darin besteht den Mangel zu verwalten.

Das Nahrungsproblem teilt sich in ein quantitatives Problem, dem Welternährungsproblem als Ursache und ein qualitatives, als individuelles Problem der Nahrungsmittelkonsumenten. Beide Bereiche wirken völlig unterschiedlich und sind dennoch nicht voneinander zu trennen.

Als quantitativer Aspekt ist das Welternährungsproblem ein falsch etikettiertes Bevölkerungsproblem. Es gibt nicht zuwenig Nahrung, sondern zu viele die ernährt werden müssen. Diese Sichtweise gilt als inhuman, ist aber die einzig realistische, da der Mensch in dieser Gleichung die Größe ist, die sich verändert. Die nutzbare Erdfläche beträgt ca. 51 Milliarden Hektar, davon sind 8,3 Milliarden Hektar biologisch produktives Land. Bei einer Weltbevölkerung von derzeit circa 6,3 Milliarden Menschen, entspricht das einer Fläche von 1,3 Hektar, die für die Nahrungsmittelproduktion pro Mensch zur Verfügung steht. Dazu lassen sich noch 0,55 Hektar nutzbare Wasserfläche pro Mensch rechnen. Im Ergebnis macht das ca. 1,85 Hektar Boden und Wasserfläche, die jedem Menschen zur seiner Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehen.

Von dieser Fläche beanspruchen alle Tieren und Pflanzen die nicht der Nahrungsmittelproduktion dienen ca. 0,55 Hektar und so verbleiben ca. 1,3 Hektar nutzbare Land und Wasserfläche pro Mensch, für seine Nahrungsmittelproduktion. Diese Grenze der natürlichen Ertragskapazitäten der Erde wurden schon in den 1970er Jahren überschritten. Aktuell werden heute im Weltdurchschnitt 2,28 Hektar Land zur Nahrungsgewinnung eines einzigen Menschen genutzt. Das ist kein neu errungenes Land  welches nutzbar gemacht wurde, sondern der Ertrag, der aus einem imaginären Hektar Land entstehen würde, sich aber tatsächlich aus dem Mehrertrag durch massiven Einsatz von Dünge- Schädlingsbekämpfungmitteln und Genmanipulationen ergibt. Der Bedarf der Weltbevölkerung nach 2,28 Hektar Land für die Nahrungsmittelproduktion eines einzigen Menschen, den die natürliche Ertragsgrenze von 1,3 Hektar nicht erfüllen kann, ist der Grund des Welterährungsproblems und diese Situation wird sich zukünftig exponentiell weiter verschärfen. Schon bis zum Jahr 2030 wird die benötigte Fläche pro Mensch auf 3,5 Hektar anwachsen. Bis dahin wird sich die Weltbevölkerung ein weiteres Mal verdoppelt haben und ca. 15 Milliarden Menschen betragen. Die dann zur Verfügung stehende Fläche wird pro Mensch nur noch 0,55 Hektar betragen. Dann wird jeder Acker, jedes Feld aber auch jedes Huhn und jedes Schwein beinahe die dreifache Menge seines natürlichen Ertrages liefern müssen.

Weder die Politik noch die Nahrungsmittelindustrie können an diesen Fakten etwas ändern. Durchhalteparolen, Zweckoptimismus oder schlichte Ignoranz zur Faktenlage sind zwar geeignet, das Problem aus dem öffentlichen Fokus zu verdrängen, können es aber nicht lösen. Im Gegenteil führt die vermeintliche Nichtexistenz und die Verleugnung der tatsächlichen Situation, zu weiterer Nahrungsmittelverschwendung und verschärft das Problem über die Maßen auf der Nachfrageseite.

In völligem Widerspruch dazu, wird von einigen Interessengruppen behauptet, aufgrund des technischen Fortschritts sei die Ertragssteigerungen soweit möglich, dass sogar 12 oder 14 Milliarden Menschen zu ernähren wären und das Welternährungsproblem sei im Grunde nur ein Verteilungsproblem. Diese Sichtweise wird maßgeblich von denen unterstützt, die von Ertragssteigerungen an meisten profitieren und ist unter anderem offizielle Firmenideologie von Nahrungsmittelkonzernen wie Monsanto. Hier liegt die Ursache für den zweiten Aspekt des Nahrungsproblems, die Qualität.

Durch den einfachen Umstand nicht genügend Nahrungsmittel produzieren zu können, sieht sich die Nahrungsmittelindustrie seit mehr als vierzig Jahren in der profitablen Situation, innovative Lebensmittel zu kreieren, durch die ein kontinuierlicher Anstieg der Nachfrage befriedigt werden soll. Die Antwort der Industrie ist Food Design, Novel Food und gentechnisch manipulierte Lebensmittel. Während bei herkömmlicher Nahrung die Nährstoffe die wichtigste Komponente war, ist bei dieser Form industrieller Nahrung die Möglichkeit der massenhaften Herstellung und der geringst mögliche Einsatz begrenzter und damit teurer Bio-Ressourcen, das maßgebliche Kriterium. Der Nachweis, das nach aktuellen Bemessungskriterien, diese Nahrungsmittel gesundheitlich nicht bedenklich sind ist dabei rechtlich ausreichend um sie zu einem Lebensmittel zu machen.

Ganz unwissenschaftlich ausgedrückt, ist die Nahrungsmittelindustrie dazu übergegangen, natürlich vorkommende Nahrungsmittel soweit zu strecken, wie es notwendig ist um die Nachfrage zu befriedigen. Fett und Stärke bilden das Volumen, Emulgatoren und Konservierungsstoffe die Konsistenz und Zucker und Salz den Geschmack. Um den Bedarf an Nährstoffen zumindest plakativ gedeckt zu haben werden künstliche Vitamine hinzugefügt. Vitamine sind Verkaufsschlager und Beruhigungspille in einem. Wissentlich wird ausgeblendet das einige der zugefügten Vitamine völlig wertlos sind, da sie ohne die dazugehörigen Pflanzenbestandteile, den Bio-Flavinoiden für den menschlichen Organismus nicht verwertbar sind, während andere die aufgenommen werden zu einer Überversorgung des Vitamines führen, die mindestens ebenso schädlich sein kann, wie eine Unterversorgung. Ernährungspsysiologisch ist die vornehmliche Ernährung durch solche Lebensmittel, ein Langzeitsuizid mit Messer und Gabel. Dennoch stellen diese Lebensmittel bereits einen Großteil des Nahrungsmittelangebots in den westlichen Industriestaaten. Nur noch aufzuwärmende Fertignahrung, Junk- und Design Food sind die Hauptnahrungsmittel auch in Deutschland. Umfragen haben ergeben das nur 30 % der deutschen Haushalte unregelmäßig mit frischen Lebensmitteln kochen und nur noch 15 % tun dies regelmäßig. Das Ergebnis lässt sich in den Krankenstatistiken ablesen und äußert sich in den typischen Folgeerkrankungen falscher Ernährung wie Diabetes, Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen und Adipositas. Was zu Volkskrankheiten wurde, ist nicht mehr als ein sicheres Indiz für die mangelnde Eignung dessen was wir essen, als Nahrung. Der menschliche Organismus braucht eine Vielzahl von Nährstoffen und verlangt solange nach Nahrung, bis er diese erhält. Der übermäßig hohe Anteil in der Wohlstandsersatznahrung an Streckmitteln wie Fette und Stärken führt dabei weiterhin zu einer permanenten Überversorgung an Brennwerten. Brennwerte, die den menschlichen Körper, bevor er vor der permanenten Zufuhr kapituliert und in eine verfettende Lethargie verfällt, in einen Aktionsmodus treiben, der als Hyperaktiv empfunden und zum Krankheitsbild ADHS definiert wurde.

Das in den westlichen Industriestaaten vornehmlich herrschende qualitative Nahrungsproblem führt zwingend zu einer Neubetrachtung der Nahrung insgesamt nach anderen, der Situation angepassten Kriterien. In der Mitte des 20.ten Jahrhunderts war das bestimmende Kriterium der Nahrung die Sättigungseigenschaft. Diese Ansicht wandelte sich als Folge der Überflussgesellschaft und wurde heute zu dem Wunsch, nach einem möglichst hohen Nährstoff- und Vitamingehalt. Unterstützt wurde dieser Trend durch die Nahrungsmittelindustrie. Das Märchen der gesunden Nahrung war geboren. Doch selbst dieser Unsinn ließ sich noch steigern und mündete in dem momentan vorherrschenden Bio – Hype. Widerspruchslos konsumiert der vermeintlich aufgeklärte Bürger, Bio-Äpfel und speziell gezüchtete Naturkost, ohne den Irrsinn zu registrieren, der sich schon in der Wortkreation verbirgt. Gab es jemals einen nicht biologischen Apfel? Gemeint von der Nahrungsmittelindustrie war der geringere Schadstoffanteil der, als Bio deklarierten Nahrungsmittel. Diese heute in allen Nahrungsmitteln vorkommenden Schadstoffe müssen das bestimmende Kriterium der Nahrungsauswahl sein, um seinem eigenen Leben nicht ein vorschnelles Ende zu setzen. Es geht nicht darum gesunde Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, sondern sich ausreichend vielfältig zu ernähren um die Schadstoffbelastung durch die Nahrungsmittel möglichst weit zu fächern und so hoffen zu können, nicht ein bestimmtes Gift im Übermaß zu sich zu nehmen. Fleischesser setzen sich einer erhöhten indirekten Zufuhr von Antibiotika aus, während Veganer vermehrt unter den Pestiziden und Fungiziden zu leiden haben. Fischesser gefährden sich durch die Aufnahme von Schwermetallen und Kunststoffen und der Durchschnittskonsument nimmt täglich ein Cocktail aus chemischen Nahrungsmittelzusätzen zu sich, den niemand zu sich nehmen würde, wenn sie nicht in Lebensmitteln versteckt und die Aufnahme offensichtlich wäre.

Es ist illusorisch zu glauben, das es kein Nahrungsmittelproblem gibt oder das dieses auf Hungergegenden beschränkt sei. Nahezu alle Menschen auf diesem Globus sind bereits direkt durch die Nahrungsmittelknappheit betroffen, deren Besonderheit es ist, sich in den einzelnen Regionen unterschiedlich darzustellen. In den Hungergegenden der Welt fehlt die Kaufkraft und damit der wirtschaftliche Anreiz, Ersatz für die fehlende Nahrung zu produzieren, dort herrscht ein quantitatives Nahrungsproblem, während in den westlichen Industriestaaten die Kaufkraft den wirtschaftlichen Anreiz bietet, die fehlenden Nahrungsmittel durch künstliche zu ersetzen, hier herrscht ein qualitatives Nahrungsproblem. Kurzfristig stellt das einen Vorteil für die Industriestaaten dar, führt aber langfristig zu dem gleichen mortalen Endergebnis.
Realistisch betrachtet gibt es nur zwei Lösungen, das globale Nahrungsproblem zu lösen. Die eine wäre die Entdeckung einer zweiten Erde zur Nahrungsmittelgewinnung und die zweite, die drastische Reduzierung der Weltbevölkerung auf unter 2 Milliarden Menschen. Das erste steht nicht zu erwarten und das zweite ist in seiner Vorstellung so ungeheuerlich, das niemand einen ernsthaften Gedanken daran verschwenden wird. Das Nahrungsproblem wird gemäß der Gesetzmäßigkeiten voranschreiten und letztlich in seiner Konsequenz zu dem führen, über das die Menschheit keinen Gedanken verschwendet.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

 

Advertisements

3 Antworten auf “Ein Nahrungsproblem”

  1. Ja, wir müssen uns nichts vormachen – die Erde hat nunmal begrenzte Kapazitäten und diese können nicht künstlich erweitert werden.
    Wahrscheinlich werden wir bald anfangen auf künstlichen Inseln mit künstlichem Boden Schweine zu züchten, oder wie vor einigen Wochen zu lesen war: „NASA will Gemüse auf dem Mond züchten“…
    Naja, wie du schön sagst die qualitativen Probleme bleiben.
    Eine Verbesserung wäre der regionalere Verzehr, damit Bananen nicht mehr unreif geerntet werden müssen…
    Übrigens schreibe ich auf meiner Seite gerade eine Artikelreihe über den Welthunger im Jahr 2014…dabei hat sich gezeigt, dass schon heute 2 Milliarden Menschen (!) unter Vitaminmangel leiden…
    Grüße an dich Heinz

  2. Ja, wir müssen uns nichts vormachen – die Erde hat nunmal begrenzte Kapazitäten und diese können nicht künstlich erweitert werden.
    Wahrscheinlich werden wir bald anfangen auf künstlichen Inseln mit künstlichem Boden Schweine zu züchten, oder wie vor einigen Wochen zu lesen war: “NASA will Gemüse auf dem Mond züchten”…
    Naja, wie du schön sagst die qualitativen Probleme bleiben.
    Eine Verbesserung wäre der regionalere Verzehr, damit Bananen nicht mehr unreif geerntet werden müssen…
    Übrigens schreibe ich auf meiner Seite gerade eine Artikelreihe über den Welthunger im Jahr 2014…dabei hat sich gezeigt, dass schon heute 2 Milliarden Menschen (!) unter Vitaminmangel leiden…
    Grüße an dich Heinz

  3. lieber Heinz
    es gibt noch eine dritte möglichkeit. mit einer naturnahen kreislauf-landwirtschaft, viel weniger tierischen lebensmittel, permakultur waldgarten uä können wir eine landwirtschaft aufbauen die für alle funktioniert. schau doch nur mal die biodynamische landwirtschaft an. dort wird mit selber hergestellten präparate auf wasserbasis die pflanzen und die bodenlebewesen gestärkt.

    und dein anfangsgedanke: „Nahrungsmittel sind Ressourcen und diese sind begrenzt.“ ist ja eigentlich auch nicht stimmig. pflanzen wachsen jedes jahr nach, ohne dass wir menschen etwas tun müssen. pflanzen liefern nachwachsende rohstoffe. und bei geziehlter stärkung der bodenlebewesen können wir das auch langfristig. schau dir dazu mal die effektiven mikroorganismen an.

    und noch eine nebenbemerkung: nicht nur wildpflanzen wie brennessel sind essbar auch die blätter der meisten bäume.. es gibt also genügend lebensmittel die jedes jahr aufs neue wachsen..

    beste grüsse,
    Julian Buchwalder

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s