Unsere Kinder – die Verlierer dieser Gesellschaft


Struwwelpeter

Die Verzweiflung der Eltern ist groß. Die Anzahl derer, die sich immer häufiger die Frage stellen; ob mein Kind denn die Schule schafft, steigt.  Diese Frage ruft bei sehr vielen von ihnen das Gefühl der Angst hervor.

Die Palette an unternommenen Handlungen dieser Angst entgegenzuwirken ist breit. Neben den herkömmlichen Maßnahmen wie Aufklärungs-, Belehrungsgesprächen, dem berühmten Hausverbot, den Erpressungsversuchen durch Wegnahme von, für die Kids in ihrem Alltag wichtigen, Gegenständen wie z.B. dem Handy u.v.m. sind in den letzen Jahren weitere vermeintliche Möglichkeiten zur Hilfe hinzugekommen – auch in die Mode gekommen. Da wären die vielen oft teureren Nachhilfestunden, die noch teureren therapheutische Maßnahme wie, um nur eine davon zu nennen – das psychologische Gutachten, bis hin zur Ruhigstellung durch das Verabreichen von Medikamenten, die für die sowohl körperliche als auch geistige Gesundheit alles andere als unbedenklich sind. Ein ganzer Industriezweig von Pharmaindustrien, Lernhilfezentren, Psychologen und anderen fragwürdigen Spezialisten bedient uns und bereichert sich auf Kosten verzweifelter Eltern.

Doch sind es denn wirklich unsere Kinder, die diese Angst bei uns schüren?
Sind es denn die Kinder, denen auf diese sehr bedenkliche Weise geholfen werden muss?
Bereits im Kindergarten beginnt der Prozess der Vereinheitlichung und in der Schule wird dieser zusätzlich perfektioniert. Bloß nicht selbständig denken, oft noch nicht mal verstehen. Lernen und ausführen, stets bemüht den Anforderungen der Gesellschaft gerecht zu werden, um bald schon als vollwertiger Teilnehmer auf dem Arbeitsmarkt zu sein. Es sind die Prämissen der Schule von heute.
Wer von der Norm abweicht, fällt auf und wird nun mit allen erdenklichen Mitteln an die Norm angepasst, nach dem Motto: was nicht passt, wird passend gemacht. Zunehmend immer mehr Kindergärtner/innen, Lehrer, Ärzte und Mitarbeiter des Jugendamts bilden oft eine unheilvolle Allianz.

Warum dürfen unsere Kinder nicht mehr Kinder sein?

Sind sie es denn, die es zu verantworten haben, dass auch das Schulsystem versagt?
Warum müssen gerade sie – unsere Kinder die Folgen dieser Fehlentwicklung tragen, ohne jemals selbst an dem Zustandekommen dieser beteiligt gewesen zu sein. Wir – die Erwachsenen wälzen die Verantwortung mal auf die ´resignierten Lehrer´, mal auf unsere faulen, nichtsnutzigen Kinder. In unseren emotionalen Entgleisungen schimpfen wir sie Dummköpfe oder gar Versager und merken dabei oft nicht mehr, dass wir ihnen Unrecht tun.
Denn unsere Kinder haben sich dieses System nicht ausgesucht, sie sind da lediglich hineingeboren. Nicht sie waren es, die bestimmt haben, dass Ehrgeiz, Wohlstand und Erfolg durch fleißige und viele Arbeit zu erreichen sind, und auch erstrebenswert und vermeintlich gut seien, angeblich uns zu besseren Menschen machten.
Doch ist es wirklich so?
Bezahlen wir denn selbst nicht einen oft viel zu hohen Preis für diese Ideale?
Aus dem Gefühl heraus wollen wir, dass unsere Kinder es eines Tages besser haben und doch übersehen allzu oft dabei, dass wir im Grunde selbst dazu beitragen, unsere Kinder zu dem zu machen, was man einen genormten Einheitsmenschen nennt – einen unpersönlichen Massenmenschen, ein Arbeitstier – der Mensch als Ausbeutungswesen.

Dieses menschenunwürdige, ja gar menschenverachtende System beruht auf den zeitgenössischen Werten; Profitdenken, Konsum als Quelle des Glückes, der Mensch als Träger von Bedürfnissen, welche durch viele Arbeit und Gelderwerb befriedigt werden müssen, um Teil dieser Gesellschft sein zu können und ihre Anerkennug zu erlangen, oder doch eher zu erkaufen.
Ja, das System beraubt uns alle unseres Rechts auf eine persönliche Entfaltung, des Rechts zur Selbstbestimmung und vieler andere Rechte mehr und unsere Kinder werden auch noch zusätzlich ihrer Kindheit beraubt.
Ja,dieses System verstößt alltäglich gegen unsere Grundrechte. Und was tun wir? – Schauen weg, lassen es über uns ergehen und unsere Kinder.

Warum lassen wir das alles zu?

Wir selbst und auch unsere Kinder leiden doch unter dem Leistungsdruck und an den, von der Gesellschaft und ihren Wirtschaftsbossen gefordeten Ansprüchen: stets konform zu sein und mit dem Strom zu schwimmen.
Wer will schon heute unruhige, den Unterricht störende, sozialunverträgliche – der Norm abweichende Kinder. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen und die meisten tun es weiterhin, dass wir unsere Individualität gegen die Konformität eintauschten.

Doch die natürliche Evolution kennt keinen Einheitsmenschen!

Wären denn dann so viele Exemplare unserer Art da? Sie – die Natur will Vielfalt und Individualität, keine Norm.
Wir sollten endlich damit aufhören, die Entscheidungen über unser Leben, unsere uns innewohnende Bedürfnisse und unsere Entfaltung den anderen zu überlassen – vor allem nicht den jetzigen Politekern, Ministern und allen Vertretern der Wirtschafts- und Geldeliten, deren Interessen an uns die Ausbeutung unserer Arbeitskraft und Kaufkraft sind.
Lasst uns nicht länger in dem Glauben verharren, dass sie – die anderen es besser wüssten, was für uns und unsere Kinder gut und richtig sei. Lasst uns diesen Kampf nicht länger auf den Rücken unserer Kinder austragen, sie sollen nicht die Leidtragenden sein. Es gibt auch noch andere Werte, auf die wir uns besinnen können, wo jeder selbst entscheiden darf, was gut und richtig für einen selbst ist.
Mischt euch ein in das Geschehen, redet, dabattiert, setzt euch für eure Kinder ein. Schenkt ihren Bedürfnissen mehr Beachtung als denen des ´Main-streams´. Lasst euren Unmut nicht an Kindern aus, richtet diesen gegen die wahren Verursacher dessen – jene, die uns glauben machen, dass dieses System das Beste und auch noch alternativlos sei.
Lasst uns unsere Kinder schützen vor diesem brutalen und menschenverachtenden System – dem Kapitalismus.

Julia Sauren

Advertisements

  1. Danke, ein sehr schöner Artikel. Leider ist der Unterschied zwischen einem Leben in Luxus und einem bescheidenen, aber selbstbestimmten Leben oft gar nicht so gross Und dieser Unterschied hängt eben häufig von der Ausbildung ab. Was kostet es vor allen Dingen allein ein Dach über dem Kopf zu haben? Da spielt au s meiner Sicht das Finanzsystem eine entscheidende Rolle. Eine Partei, die dieses Problem artikuliert, besteht bis heute meines Wissens nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s