Wahrheit

wahrheit

Mit der Wahrheit ist das so eine Sache. Jeder glaubt sie zu kennen und fast jeder ist sich sicher, dass andere Meinungen als die eigene, auf der Unkenntnis um die Wahrheit zurück zu führen sein müssen.

Aber wie kann es sein, das wir persönlich auf wundersame Weise dazu befähigt sind, die Wahrheit zu erkennen, während all die anderen dazu verdammt zu sein scheinen, die Wahrheit nicht erkennen zu können.

Wahrheiten werden zu Problemen, wenn sie auf menschliches Bewusstsein treffen.

Das erste Wahrheitsproblem liegt schon im Gebrauch des Begriffs versteckt. Jeder kennt das Gleichnis des Glases Wasser, welches entweder halb voll oder halb leer ist. Die Wahrheit umfasst alles, sie ist absolut. Auf das Glas Wasser bezogen, käme der Wahrheit näher, annähernd 50% der Gesamtfüllmenge des Glases sind sind mit Wasser und anderen flüssigen Stoffen befüllt und annähernd 50% des Glases mit Sauerstoff, Stickstoff und anderen Gasen. Eine weitere unbekannte Menge ist mit weiteren unbekannten Stoffen befüllt. Der Wahrheit in einer Aussage näher kommen zu wollen erweist sich im allgemeinen Sprachgebrauch als umständlich. So werden der Einfachheit halber, Teilauszüge der Wahrheit als umfassend wahrheitlich, weil der Wahrheit entnommen, dargestellt. Zum Beispiel die Aussage, das Glas Wasser sei halb voll. Das ist eine Realität, ein Teilauszug der Wahrheit. Da aber eine Wahrheit alles sie bestimmende, beinhaltende und umfassende ausmacht, ist ein Teilauszug, der wesentliche Bestandteile ausblendet, keine Wahrheit. Deutlicher wird das im Fall des Glases Wasser wenn andere Teilauszüge gewählt werden. Die Wahrheit umfasst das Gefäß, das Glas und den Inhalt. Die Benennung, nur eines Teilauszuges der Wahrheit kann stark verfälschend wirken, z.B. durch die realistische Aussage, das ist ein Glas. Diese Teilaussage würde im allgemeinen Sprachgebrauch als Wahrheit gesehen werden, ignoriert aber den Inhalt des Glases und ist in Bezug auf das Gesamte, das Glas Wasser, nicht die Wahrheit.

Das zweite Wahrheitsproblem ist der Anspruch, der mit der Wahrheit verbunden ist. Sie ist statisch, nicht veränderbar und kann nicht widerlegt werden. Das ist zwar richtig, aber macht jede Wahrheit für den menschlichen Gebrauch unbrauchbar, da es nicht möglich ist, alle Zu- und Umstände zu einer Sache zu erkennen. Deutlich wird das an einer wissenschaftlichen Erkenntnis. Es ist bekannt das bis zu 70% des Universums nicht mess-, benenn-, oder sichtbar sind. Die dunkle Materie und Energie. Wenn wir die Naturgesetze auch nur annähernd richtig deuten, gelten alle Gesetzmäßigkeiten des Universums, auch für den Teilbereich, den wir Erde nennen. 70% all dessen was uns umgibt, ist damit nicht mess-, benenn- und sichtbar, also auch der größte Teil des Glases Wasser. Wer könnte von einer Wahrheit sprechen, wenn wesentliche Teile der Wahrheit unbekannt sind. Das menschliche Bewusstsein ignoriert das Unbekannte und füllt die Lücken mit bekannten Anteilen. Jede Wahrheit birgt die Gefahr, in dem nicht benannten, unbekannten Anteil eine gegensätzliche Aussage zu treffen, als der offensichtlich wahrnehmbare Anteil vermuten lässt.

Das dritte Wahrheitsproblem ist der menschliche Allwissenheitsanspruch. Seit der Epoche der Aufklärung haben die Wissensschaften den Glauben genährt, das sie alles erklären können und die Bereiche die nicht erklärbar sind, sich nicht generell unserem Wissen entziehen sondern wir auch diese Rätsel irgendwann entschlüsseln werden. Ein Anspruch der sich tief in das menschliche Selbstverständnis eingebrannt hat. Doch Anspruch und Realität klaffen weit auseinander. Seit Darwin sollten wir wissen dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung ist, sondern das Ergebnis seines Lebensraums, an den er sich bestmöglich angepasst hat. Diese Anpassung bestand nicht nur aus einem Hinzugewinn immer weitergehender Fähigkeiten, sondern auch aus dem Verlust nicht notwendiger und dem Weglassen unnötigter Fähigkeiten. Wir verfügen über eine gute Ausstattung, um als Jäger und Sammler in der Biosphäre der Erde zu bestehen, aber über keine besonderen Fähigkeiten als Wahrheitsfinder. Ein solcher bräuchte nicht zwingend unser Gehirn, aber eine wesentlich ausgereiftere und breiter gefächerte Sensorik, da um etwas zu erklären, dieses erst einmal erfasst werden müsste. Menschen erfassen nur einen sehr kleinen Teil des Lichts, des Schalls, der elektromagnetischen Ströme, der Wärmestrahlung oder der kinetischen Energie und haben keinerlei Sensorik für den Makro- und Mikro-Kosmos. Technische Hilfsmittel die mehr Informationen liefern, kaschieren unsere Unzulänglichkeiten und blenden dabei aus, das auch diese aus unserem, mangels Sensorik, fehlerhaften Bewusstsein konstruiert wurden und damit nur eine Erweiterung des bekannten, auf menschliche Sensorik beschränkten Sichtfeldes sein können. Selbst absolute wissenschaftliche Kenntnis, sofern der Mensch sie erlangen könnte, würde zu dem Schluss führen, einen Teil nicht, oder noch nicht erkennen oder erklären zu können. Das Nichtwissen aller Zu- und Umstände zu einer Sache, bedeutet Teile der Wahrheit und damit die Wahrheit die es nur als ganzes gibt, nicht zu kennen.

Es ist ein Irrtum und auch nicht notwendig, auch nur eine Wahrheit kennen zu können. Es ist ausreichend, die bewusst gewordenen Realitäten anzunehmen. Sie sind bestimmend für das Zurechtfinden in dieser Welt. Aber auch diese uns bewusst werdenden Teilauszüge der Wahrheit, haben keinerlei Allgemeingültigkeitsanspruch und sind nicht fehlerfrei, da auch sie mittels unserer persönlichen Sensorik erfasst wurden. Sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen sind das Ergebnis einer individuellen Befähigung und Ausbildung der sensorischen Organe, die zu ganz individuellen Realitäten führen, die jede für sich den gleichen Anspruch auf ausreichende Gültigkeit hat. Individualität bedeutet nicht Alleinigkeit, kann sie aber beinhalten. So individuell Realitäten auch sind, häufen sich Ähnlichkeiten der Wahrnehmung, durch vergleichbare kulturelle und kognitive Konditionierungen.

Realitäten erklären die Welt ausreichend. Menschen handeln vernünftig, wenn sie gelernt haben, die Schnittmengen zwischen ihren und den Realitäten der anderen zu erkennen. Sie sind die Basis jedes Miteinanders. Der Versuch eine Wahrheit zu besitzen, oder die Allgemeingültigkeit der eigenen Realität zu fordern, zwingt andere ihre Realität aufzugeben oder zu verteidigen. Ein sinnloser Kampf, da er die individuellen Wahrnehmung nicht bestimmen kann und als Ergebnis immer die Unterdrückung persönlicher Realitäten fordert. Es ist die Annahme eine persönliche Realität könne wertvoller sein, als eine andere und als solche ist sie diktatorisch.

Stabile soziale Gefüge, ob in großem oder kleinem Maße basieren nicht auf gleichen Realitäten und schon gar nicht auf Wahrheiten, sondern auf dem Zugeständnis der Individualität. Die Zusammengehörigkeit wird nicht durch die Aufgabe individueller Realitäten bestimmt, sondern aus der Größe der Schnittmengen. Sozial stabile Gefüge basieren auf der freien Willensentscheidungen, sie sind nicht zwingend, aber im Einzelfall konsequent.

Der Einsatz vermeintlicher Wahrheiten ist manchmal ein unbewusst eingesetztes Narkotikum, das den Schmerz der Unwissenheit betäuben soll, aber zumeist eine erkenntnisdiktatorische Nötigung. Der Irrglaube an ihren Besitz, war immer der Anlass für die größten Blutspuren durch die Geschichte der Menschheit und der Grund der meisten persönlichen Katastrophen.

Ich verbleibe in diesem Sinne
Heinz Sauren

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Ressourcen-Kontingente, ein Zukunftsmodell.

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Vorwort

Ursprünglich wurde das Modell der Ressourcen-Kontingente von mir im Juli 2012, auf Freigeist Blog veröffentlicht. Mein Anliegen war ein Gedankenmodell, welches ein zukünftiges Geld- und Wirtschaftssystem gleich einer Verfassung, vorab der praktischen Ausgestaltung, eine Basis der ökonomischen Vernunft geben sollte.

Nach einer nun fast zweijährigen, mehr oder minder intensiven Diskussion um dieses Gedankenmodell, bin ich mehr als zuvor davon überzeugt, das es nicht nur möglich ist dieses Modell zu verwirklichen, sondern auch zwingend um eine demokratische, auf der Freiheit des Individuums basierende Gesellschaft zu ermöglichen. Eine Gesellschaft die wir zur Zeit noch nicht haben und die mit Hilfe des bestehenden Geld- und Wirtschaftssystems, auch nicht möglich ist, aber dennoch die unverzichtbare Basis einer, so hoffe ich, möglichen Zukunft überhaupt darstellt.

Das grundsätzlichste Problem, welches am wirkungsvollsten die Etablierung eines tatsächlich nachhaltigen Geld- und Wirtschaftssystems verhindert, ist die dafür zwangsläufige Auflösung kapitalistischer Werte. Dieser in der Öffentlichkeit, als anarchisch diskreditierte Versuch den Menschen ihren, vermeintlich wohlverdienten Wohlstand rauben zu wollen, führt zur allgemeinen Ablehnung des Modells der Ressourcen-Kontingente. Dieses Modell ist nicht attraktiv darstellbar, in Konkurrenz zu dem zwar unrealistischen, aber den Wohlfühlfaktor bedienendem  Glaubensbekenntnis des Kapitalismus, das alles immer mehr und immer besser werde. Lobbyistisch getragen, ist der Irrglaube an ein ewiges Wachstum der Wirtschaft und die daraus vermutete Teilhabe jedermanns an Wohlstand und wirtschaftlicher Freiheit, zwar in keiner denkbaren Konstellation realistisch, aber es bleibt vorerst der Kitt, der die irrwitzigsten Annahmen, eines wirtschaftlichen – weiter so –, mit dem weit verbreiteten, tu-mir-nicht weh-Gedanken verbindet und eine allgemeine Zustimmung finden lässt.

Daher reicht es nicht die Attraktivität einzelner Gedankenmodelle, wie der Ressourcen-Kontingente durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zu erhöhen. Es ist auch notwendig, die eklatanten Widersprüche des herrschenden kapitalistischen Wirtschaftsmodells aufzuzeigen und die Unmöglichkeit seiner Annahmen zu offenbaren. Letztendlich ist es die Gefahr, in die uns der Kapitalismus bringt, die es in aller Deutlichkeit aufzuzeigen gilt. Nicht als hypothetische Gefahr, als die er gerne in der öffentlichen Diskussion dargestellt wird, sondern als die Gefahr die er unmittelbar ist und aus der er schon die Zukunft unserer Kinder existentiell bedroht.

Geld als Bemessungsgrundlage

Das Regelwerk kapitalistischer Gesellschaften und insbesondere der Wirtschaftssysteme, ist Geld. Es ist die Bemessungsgrundlage für den Verbrauch von Ressourcen. Wer viel Geld besitzt kann viele Ressourcen verbrauchen, so wie derjenige der wenig Geld hat, wenige Ressourcen verbraucht. Der Umstand das Geld nicht limitiert ist, überträgt sich auf die Ressourcen, die zwar begrenzt sind, wir aber mit ihnen umgehen als wären sie unbegrenzt, weil die Bemessungsgrundlage für sie, das Geld unlimitiert ist.

Geld ist eine Bemessung der Quantität. Den Wert von Geld zu erhöhen ist Qualitativ nicht möglich, sondern ergibt sich ausschließlich aus einem mehr an Geld, der quantitativen Vermehrung. Die Ressourcen selbst, die der Mensch für seine Lebensführung benötigt, sind durch die Begrenztheit der Erde die ihm diese Ressourcen bietet, begrenzt. Keine Ressource steht in unendlichen Umfang zur Verfügung. Geld ist durch seine Unbegrenztheit ein Bemessungssystem der Quantität, während Ressourcen durch ihre Begrenztheit qualitative Größen sind. Die Fragen die sich der Menschheit schon heute stellen und deren Lösung in Zukunft existentiell für den Fortbestand der Menschheit sein werden, basieren ausnahmslos alle auf einer willkürlichen und falschen Annahme, das Geld als quantitative Bemessungsgrundlage für qualitative Größen, wie die Ressourcen angenommen wird.

Geld ist eine unbrauchbare und realitätsverzehrende Bemessungsgrundlage, für den Umgang mit Ressourcen.

Die Ressourcen

Die Ressourcen der Erde, wie Luft, Nahrung, Wasser, Rohstoffe, Energie, aber auch Land und Wasserflächen sind die Grundlage für das Leben aller Tiere, aller Pflanzen und des Menschen. Ein geschlossenes System aus dem keine Spezies ausbrechen kann und in der jede einzelne, wie auch der Mensch nur existieren kann, wenn das Gesamtsystem funktioniert. In Bezug nehmend auf den Menschen ist festzustellen, dass er nur innerhalb sehr begrenzter Parameter überlebt, die nur durch das gemeinschaftliche Wirken aller Pflanzen und Tiere gewährleistet sind. Die Zukunft des Menschen wird nicht nur von seiner eigenen Überlebensfähigkeit gewährleistet, sondern ist in wesentlich größerem Maße von der Verfügbarkeit von Ressourcen und einem intakten ökologischen System abhängig.

Der Mensch braucht zwingend die Ressourcen dieses Planeten um sein eigenes Überleben zu sichern. Durch seinen exzessiven Verbrauch von Ressourcen, die Zerstörung der Lebensräume für Flora und Fauna, hat der Mensch nun seine eigene Zukunft in Frage gestellt. Bei Fortführung unserer heutigen Lebensweise, werden die menschlichen Gesellschaften an der Zerstörung von Lebensräumen und dem Mangel an Wasser und Nahrung, in wenigen Jahrzehnten kollabieren. Bei einem weiteren Wachstum der Gesellschaften wie bisher, tritt dieses Ereignis bereits in weniger als zwanzig Jahren ein. Das ist keine göttliche Strafe für unser Fehlverhalten gegenüber der Natur und keine verhandelbare Option, sondern ein Naturgesetz der Evolution, wonach jede Spezies die ihre Ressourcen ausgeschöpft hat, sich auf das Maß dezimieren muss, welches sich aus den verbleibenden Ressourcen ergibt. Auch die Menschheit wird diesem evolutionären Gesetz nicht entgehen, aber sie vermag durch ihren Erfindungsreichtum dieses Geschehnis marginal zu verschleiern.

Im Ergebnis bedeutet das für die Menschheit. Entweder sie findet einen Weg, ihre Existenz mit den vorhandenen Ressourcen zu sichern, oder sie steht vor der Aufgabe einige Milliarden Menschen loszuwerden zu müssen, um die exzessive Existenz der Restlichen aufrecht zu erhalten. Kriege und unvorstellbare humanitäre Katastrophen sind die zwangsläufigen Konsequenzen.

Vielen Menschen ist bereits bewusst, dass der Weg den wir als Menschheit beschreiten, so nicht weiter gegangen werden kann. Den meisten ist jedoch nicht bewusst, wie nahe wir bereits dem Abgrund gekommen sind. Aus dem Unwissen, wie wenig Zeit uns noch bleibt, fordern sie Veränderungen im System. Es mag sein, dass Änderungen innerhalb des Wirtschafts- und Finanzsystems etwas bewirken können, jedoch müssten diese Änderungen so grundsätzlicher Art sein, das sie nicht aus dem System heraus stattfinden können, da das System aus sich heraus solche grundsätzlichen Veränderungen verbietet, die eine Auflösung der systemischen Grundwerte bedeuten würden. Alle Veränderungen innerhalb des Finanz- und Wirtschaftssystems müssten mit den Mitteln und Werten des Systems kompatibel sein und wären damit allesamt zu langsam um rechtzeitig eine entscheidende Wirkung zu erzielen.

Eine Lösung die aus diesem Dilemma heraus führen könnte, wäre die Einführung eines neuen Bemessungssystems, also die Aufhebung der bestimmenden Wirkung des quantitativen Bemessungssytems Geld, auf die noch vorhandenen Ressourcen. Nicht das, durch scheinbare Unbegrenztheit geprägte Bemessungssystem Geld, darf die Nutzung und Verteilung der Ressourcen bestimmen,  sondern die Ressourcen selbst, in ihrer Begrenztheit, sind das Maß der Dinge. Sie allein sind bestimmend ob und welche Zukunft der Mensch haben wird. Nicht die maximale Nutzung der Ressourcen ist eine sinnvolle Grundbedingung für eine Wirtschaft, sondern nur eine umfassende Erhaltung kann die Basis einer zukunftsorientierten Wirtschaft sein und Geld in ihr nicht das Maß, sondern das Mittel der Ökonomie. Die Ressourcen sind der sich verengende Flaschenhals der Ökonomie, durch den die Ökologie muss.

Der Gedanke der Ressourcen-Kontingente

Dem Gedanken der Ressourcen-Kontingente als ökologische Handlungsgrundlage, liegt also die ökonomische Tatsache zugrunde, dass die Erde nur eine begrenzte Menge an Ressourcen bietet. Diese definierte Menge der Ressourcen wird noch einmal begrenzt durch einen Teil der Natur, der durch den Menschen unangetastet bleiben muss, um zum einen, den Lebensraum anderer Spezies zu sichern und zum anderen, die Möglichkeit der Erneuerung der Ressourcen zu gewährleisten.

Grundlegend ist, das jede Spezies, gleich dem Menschen das naturgegebene Recht hat auf diesem Planeten zu leben und nicht selbst nur Ressource des Menschen ist. Das ist eine zwingende weil, den Menschen selbst erhaltende Vorgabe, ebenso wie jeder Mensch das gleiche Recht auf Überleben und damit auf den Zugriff auf Ressourcen hat und zwar in gleichem Maße wie jeder andere. Es gibt keine vernünftige Begründung, aus der ein Mensch mehr Ressourcen für sich in Anspruch nehmen darf und andere einen Mangel daran erleiden. Daraus folgt, dass der verbleibende Anteil der zur Verfügung stehenden Ressourcen, zu gleichen Teilen, auf die Anzahl der Menschen umgerechnet und für jeden Menschen sein persönliches Ressourcen-Kontingent bildet, aus dem heraus er seine Lebensführung bestreiten kann. Das Maß des Verbrauches würde sich nicht mehr wie heute aus der finanziellen Möglichkeit des Einzelnen, sondern aus der Verfügbarkeit einer Ressource ergeben. Eine Ausbeutung von Ressourcen wäre unterbunden und die Nachhaltigkeit gewährleistet.

Unübertragbarkeit und Uneinschränkbarkeit als Voraussetzung

Eine gesetzliche Verankerung und Kontrolle der Unübertragbarkeit dieser Kontingente, würde für eine Minderheit der auf diesem Planeten lebenden Menschen eine Einschränkung ihrer Lebensführung zur Folge haben. Der jedoch größte Anteil aller Menschen könnte seinen Lebensstandart dadurch erhöhen. Das Recht auf ein unübertragbares und uneinschränkbares Ressourcen-Kontingent würde die Gleichheit und die Grundsicherung aller Menschen zur Folge haben. Soziale Ungerechtigkeiten, Ausbeutung und Armut wären Vergangenheit. Das Geldsystem würde sich in ein Vollgeldsystem wandeln, die Marktwirtschaft würde erhalten, allerdings nicht mehr als Selbstzweck zur Gewinnmaximierung, sondern als Mittel der Bedarfssicherung. Die freie Entscheidung über die Konsumgüter, als auch der eigenbestimmten Lebensführung, bleiben bei dem Modell der Ressourcen-Kontingente gewährleistet. Sie würden nur durch die Verfügbarkeit der Ressourcen in Hinblick auf die Nachhaltigkeit beschränkt.

Folgen für die Gesellschaft

Folgendes Procedere der Umsetzung wäre denkbar. Jeder Mensch bekommt ein Ressourcen – Kontingent einmal im Jahr zugeteilt, verbucht auf einer dafür bestimmten Kreditkarte über die jeder Kauf abgerechnet werden müsste. Auf allen Produkten muss der Energie und Rohstoffanteil benannt werden. Die Kontingente könnten in Rohstoff- und Energieeinheiten benannt sein. Es steht jedem frei wann und was er kauft. Wenn jemand zum Beispiel ein Auto kauft zu dessen Produktion 100.000 Liter Wasser benötigt wurden dann wird sein Wasserkontingent für dieses Jahr um 100.00 Liter gemindert. Er muss sich also bei anderen Dingen z.B. dem Gartensprengen oder dem Fleischkonsum einschränken. Exzessive Aktivitäten wie zum Beispiel Kreuzfahrten und Transatlantikflüge wären zwar auch weiterhin möglich, könnten aber bedeuten, einen Teil des Jahres auf den Gebrauch, zum Beispiel des eigenen Autos verzichten zu müssen. Waren die um den halben Globus geliefert werden, wären dann durch die aufgewendete Transportenergie Luxusgüter, während regionale Waren das Kontingent weniger belasten würden. Die Globalisierung würde eingedämmt und heimische Märkte gestärkt. Überproduktionen, lange Produktwege und nicht bedarfsgerechte Produktionen würden minimiert ohne einen Einfluss auf die Produzenten nehmen zu müssen. Schlechte Energiebilanzen der Firmen würden sich in ihren Produkten wieder finden und würden von den Verbrauchern gemieden, da sie zu einer Beschränkung seiner Lebensführung beitragen. Finanzprodukte ergeben über das persönlich verfügbare Kontingent keinen Sinn mehr und der Raubtierkapitalismus wäre beendet. Im Weiteren würde sich durch die Begrenzung der Quantität eine kontinuierliche Erhöhung der Qualität der Produkte einstellen. Der permanente Druck auf die Erzeuger, Produkte mit geringerem Ressourcenaufwand anzubieten würde der Umweltschutz forcieren und die wissenschaftliche Forschung in neue Richtungen lenken. Eine Chancengleichheit zwischen den heutigen Entwicklungsländern und den Industriestaaten, aber auch eine Chancengleichheit der Menschen untereinander würde durch für alle gleiche Kontingente etabliert.

Widerstand gegen die Durchsetzung

Unbestritten gibt es Umstände die eine Einführung von Ressourcen-Kontingenten erschweren. Zum einen ist es eine kleine aber einflussreiche Gruppe von Menschen, die sich einem solchen Unterfangen mit Vehemenz entgegen stellen würden. Es sind die, die auch heute schon durch unangemessenen Reichtum und Besitz, Raubbau an diesem Planeten und seinen Bewohnern betreiben. Sie wären subjektiv die Verlierer dieses Modells und sie werden durch ihren Einfluss auf die Medien, die Politik und die Wirtschaft viele Gründe vorbringen, warum ein solches Modell nicht erstrebenswert ist. Sie werden eine öffentliche Meinung bestimmen, die ausblenden wird, das die meisten Menschen als auch unser gesamtes Ökosystem von einem solchen Modell profitieren können. Es ist nicht zu erwarten das sie einem solchen Wandel freiwillig zustimmen, da es ihnen auch heute schon egal ist ob die Menschheit eine Zukunft hat, oder wie viele Lebensformen und Menschen für dekadentes Dasein leiden oder sterben müssen. Ein Dasein das in seiner Folge den Untergang von uns allen zur Folge haben wird.

Die Zeit wird knapp

Um einen neuen Weg, wie dem hier genannten der Ressourcen-Kontingente zu beschreiten, bleibt nicht mehr viel Zeit. Ehrlicher Weise kann noch nicht einmal mit Bestimmtheit gesagt werden, das überhaupt noch genug Zeit bleiben wird. Dennoch sollte diese Chance genutzt und eine Diskussion begonnen werden, die als Ziel die Einführung von Ressourcen-Kontingenten hat. Es sind noch viele Fragen dazu zu klären. Wie hoch können diese Kontingente sein? Welche Bereiche der Natur müssen in Zukunft für den Menschen tabu sein, um diese vor dem Menschen zu schützen und die Möglichkeit zu gewährleisten das sich Ressourcen neu bilden oder erholen können? Aber auch die Problematik der Konkurrenz zu anderen Modellen muss überdacht werden.

Schlusswort

Zur Zeit der ursprünglichen Veröffentlichung der Ressourcen-Kontingente vor zwei Jahren, war dieses Gedankenmodell noch Utopie, weil der Kapitalismus zwar schon kritisiert, aber nicht von breiteren Gesellschaftsschichten in Frage gestellt wurde. Da sich diese Sicht aber grundlegend verändert hat und der Kapitalismus, sich nach mehrheitlicher Meinung dem Ende zuneigt, werden bald die Diskussionen um ein Ersatzmodell beginnen. Bevor diese Diskussion dann von den Wertevorstellungen und Köpfen bestimmt wird, die für das kapitalistische Desaster verantwortlich waren und darauf beschränkt wird, den alten Kapitalismus ein wenig zu reformieren oder nur mit einem neuen Etikett zu versehen, müssen alternative Modelle einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die Verfechter des heutigen Finanz- und Wirtschaftssystems haben, durch die Zerstörungen und Ungerechtigkeiten, die sie zu verantworten haben, bewiesen, dass ihr Weg der Falsche war und ihre Ratschläge die Begründungen für eine Welt, die heute am Abgrund steht. Eine Menschheit, die eine Zukunft in Gerechtigkeit untereinander und gegenüber der Natur anstrebt, wäre schlecht beraten, den Lügen der falschen Propheten noch einmal zu glauben.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Mediale Kriegswirren

 

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Die Ukraine ist zum Kriegsschauplatz am Rande Europas geworden. Es ist ein Stellvertreter-Krieg der großen Machtbündnisse und als solcher nicht neu. Korea, Vietnam, Afghanistan und zuletzt Syrien waren und sind solche schwer durchschaubaren Kriege, in denen nicht nur die USA und Russland um die regionale Vorherrschaft kämpften und es immer noch tun, sondern auch eine Vielzahl von regionalen Interessengruppen in der zweiten Reihe, die die Gunst der Stunde für sich nutzen wollen. Deren Ziele sind der Öffentlichkeit zumeist weniger offensichtlich, als die der großen Protagonisten. Es herrscht Verwirrung, bei den Kriegsparteien selber, als auch bei den medialen Beobachtern der Szenerie.

Es ist einer dieser neuen Kriege, in denen die Weltöffentlichkeit nicht nur Zuschauer, sondern selbst, als an der Heimatfront kämpfende, aktive Kriegspartei gesehen werden muss und dementsprechend von allen anderen Kriegsparteien, mit den Mitteln eines Krieges angegangen wird. Fehlinformationen, Täuschungen, positiv oder negativ überspitzte Darstellungen, kalkulierte Lügen und die Aufrechterhaltung eines genau definierten Feindbildes, sind die legitimen Mittel des Krieges auf dem Propagandaschlachtfeld.

Der Versuch ein objektives Bild der Geschehnisse zu erhalten, bedarf daher zuerst des Verständnisses. keiner Kriegspartei und keiner Nachricht zu glauben. Dennoch ist nicht davon auszugehen, das die Nachrichten generell unwahr wären, sondern das sie entsprechend dem propagandistischen Zielen, bereits als scheinbar neutrale Nachricht, eine gewünschte Denkrichtung implizieren, die vor dem Hintergrund eines bereits konditionierten Publikums, seine gewünschte Wirkung entfalten sollen. Nicht nur der Inhalt einer Nachricht ist entscheidend, sondern auch das wann und durch wen sie lanciert wird. Teil dieser Strategie ist auf jeder Seite, das Kalkül, das jede Nachricht vor dem Hintergrund einer zuvor hergestellten Gut und Böse Kennung, völlig unterschiedlich und dennoch den Glauben an die Objektivität der Nachricht zu erhalten kann, wenn sie nur geschickt genug eingesetzt wird. Es ist ein offener Schlagabtausch der Informationen, um die Deutungshoheit zu den Geschehnissen, der mit den subtilen Mitteln der Rhetorik geführt wird. Mehr noch als die reine militärische Stärke, entscheidet heute ein Sieg an den medialen Heimatfronten, auch über den Sieg auf dem Schlachtfeld.

Die sich selbst überschätzende, mediale Öffentlichkeit, gerät dabei zu einem interaktiven Spielball der Kriegsmächte, da ihr zwanghafter Wunsch die Wahrheit deuten zu können, sie leicht zu berechnen und beeinflussbar macht. Das akribische sezieren jeder einzelnen Nachricht, soll den Widerspruch in ihr aufdecken, doch nur selten sind die Nachrichtengeber unvorsichtig genug, objektiv falsche Fakten zu streuen. Der wichtigere Teil der Nachricht, ihr eigentlicher Zweck, besteht nicht aus verifizierbaren oder entlarvenden Fakten, sondern in der ausgelösten Emotion durch sie. Die Konditionierung des öffentlichen Bewusstseins, gegen die sich heute  keine Politik mehr stellen kann, ist der nicht überprüfbare Zweck der Nachrichten. Nicht mehr und nicht weniger.

Einer dieser Bewegungsanker ist die allgemeine Angst vor einem Krieg. Die Medien wittern Kriegshetze. Doch es gibt keinen Versuch einen Krieg herbei zu reden, da zum einen kein Krieg mehr provoziert werden muss, der bereits im Gange ist und offensichtlich keine der großen Kriegsparteien tatsächlich eine überregionale Eskalation wünscht. Würden sie das wollen, hätten sie bereits genügend Anlässe dafür gefunden. Sowohl Russland, aber insbesondere Europa und die USA haben in der Vergangenheit, vielfach bewiesen, das sie für einen Krieg, den sie wollen, weit weniger als die in der Ukraine provozierte Gründe brauchen, um ihn zu beginnen. Im Gegenteil ist zu attestieren, das sowohl Russland, als auch Europa und die USA an einer Deeskalation interessiert sind. Die medial betriebene Kriegshetze löst in den Gesellschaften Angst und Abneigung gegen einen größeren Waffengang aus und provoziert zunehmend eine negative Haltung gegen den Konflikt. Diese Grundstimmung der Bevölkerungen brauchen die politischen Führer für einen Rückzug aus dem Kriegsgeschehen, um nicht in die Gefahr eines innenpolitischen Selbstmords zu geraten.

Russland, die EU und die USA sind zum Spielball der regionalen Kriegsparteien geworden, die alte Feindschaften ausleben, alte Rechnungen begleichen und durch die Macht der Großen an ihrer Seite glauben, nun Ideologien verwirklichen zu können, die sie aus eigenen Kräften niemals umsetzen könnten. Russland, die EU und die USA wissen, das sie von regionalen Interessen instrumentalisiert werden, können aber nur schwer ihre einmal besiegelten Bündnisse aufgeben, da dadurch ihre internationale Reputation als zuverlässige und übergeordnete Macht gefährdet wäre. Sie wissen, das Kriege heute asymmetrisch sind und nicht erst mit dem Einsatz von Kanonen und Raketen beginnen und nicht mit einem Waffenstillstand enden.

Vor diesem Hintergrund lassen sich einige Geschehnisse in der Ukraine, auch anders sehen, als sie medial dargestellt werden.

Der Sturz des demokratisch gewählten, ukrainischen Ministerpräsidenten Janukowytsch, war ein von der EU und den USA inszenierter Putsch. Er diente der Erweiterung des NATO Einflussbereiches nach Osten, in Übereinstimmung mit der strategischen NATO Militärdoktrin seit Beginn der 1990er Jahre. Dieser Putsch stand im Einklang mit dem Völkerrecht, da er zwar durch politische Indoktrination, Bestechung und indirekte logistische Unterstützung ermöglicht, aber durch regionale Kräfte ausgeführt wurde. Entgegen der öffentlichen Meinung ist ein Putsch nur durch direkte äußerliche Einwirkung völkerrechtswidrig.

Die aktuelle ukrainische Regierung ist weder demokratisch, noch völkerrechtlich legitimiert. Dazu hätte sie, gemäß der ukrainischen Verfassung, den gestürzten Ministerpräsident, postum mittels einer parlamentarischen dreiviertel Mehrheit absetzen und sich selbst durch Wahlen bestätigen lassen müssen. Da es aber keine Sicherheit für ein gewünschtes Ergebnis gab, wurde darauf verzichtet.

Die Annektion der Krim durch Russland war ebenfalls völkerrechtlich abgesegnet. Auch hier wurde von Seiten Russlands massiv interveniert, aber es gab ein völkerrechtlich wirksames Votum, in dem eine Mehrheit für den Anschluss an Russland plädierte. Aus diesem Grund wird dieser medial vermutete Landraub, auch international nicht mehr in Frage gestellt.

Die Toten auf dem Maidan, als auch die, die im Gewerkschaftshaus in Odessa starben, liegen in der Verantwortung der Links- und rechtsextremer Gruppen innerhalb der Ukraine, die sich von einer Eskalation versprachen, ins Licht der gerechten Freiheitskämpfer gerückt zu werden, indem sie die jeweils andere Partei mit der Verantwortung für unmenschliche Verbrechen belasteten. Bezeichnender Weise wurden, von der ukrainischen Regierung versprochene Untersuchungen zu den Vorfällen, nie durchgeführt.

Die ukrainische Armee wird gewollt durch den Rechten Sektor, einer nationalsozialistischen Gruppierung unterstützt. Der Rechte Sektor stellt eine nicht zu vernachlässigende militärische Größe dar, auf die die ukrainische Militärführung nicht verzichten kann, wenn sie die Separatisten im Kampf besiegen will. Zwischenzeitlich versucht die ukrainische Regierung sich dieser zu entledigen, da der Westen aufgrund öffentlicher Empörung, Druck auf sie ausübt.

Die ukrainische Armee wird von der EU und den USA unterstützt. Dieser Vorwurf Russland ist zutreffend. Bereits seit Beginn der militärischen Auseinandersetzung mit den Separatisten befinden sich hochrangige NATO und US Militärs in der Ukraine, die das ukrainische Militär mit aufwendigem Aufklärungsequipment aktiv unterstützen. Waffen braucht die ukrainische Armee nicht, die hat sie bereits. Die EU und die USA halten jedoch die Armee am Leben in dem sie die Logistik, den Treibstoff und die Löhne der Soldaten finanzieren.

Die ostukrainischen Separatisten erhalten militärische Unterstützung durch Russland. Ebenfalls seit Beginn des militärischen Konfliktes erhalten die Separatisten Waffentechnik, Treibstoff und logistische Unterstützung aus Russland. Es ist nicht möglich, gegen eine bestehende Armee, von der Größe der ukrainischen,  mit Hilfe einer Guerilla-Logistik derart große Territorien zu halten.

Der Abschuss des malaysischen Verkehrsflugzeugs MH17 war nicht gewollt. Er war die Folge einer der tragischen Verkettungen, die Kriege mit sich bringen, wenn militärische Erfolgsmeldungen notwendig sind um desolate Situationen zu kaschieren. Im Übereifer und ohne die notwendige Sorgfalt, wurde von der ukrainischen Armee ein militärisches Ziel ausgemacht, welches sich im nachhinein als ziviles Passagierflugzeug herausstellte, und abgeschossen. Die katastrophalen Folgen, in der öffentlichen Meinung daraus, für die Umsetzung der Kriegsziele der EU und den USA, werden durch Geheimhaltung der Untersuchungsergebnisse, versucht zu begrenzen. Die Veröffentlichung der Fakten zu MH17 würde in dieser Phase des Krieges, in der die zukünftigen Machteinflüsse in der Ukraine zementiert werden, einen entscheidenden Nachteil gegenüber Russland bedeuteten. Die EU und die USA haben die Kontrolle über die Beweise des Absturzes und sie werden sie erst dann veröffentlichen, wenn die dann enstehende kollektive Empörung, das Geschehen in der Ukraine in seinem Ergebnis nicht mehr beeinflussen kann.

Sowohl die ostukrainischen Separatisten, als auch die ukrainische Regierung nutzen die öffentlichen Medien für ihre Ziele aus und diese lassen das aus Angst zu, die Exklusivität ihrer Quellen sonst zu verlieren. Die Separatisten füttern die russischen Medien mit Bildern sogenannter Gräueltaten der ukrainischen Regierung, die den Eindruck des einmalig Bösen vermitteln, als seien solche Bildern nicht der Alltags-Horror jedes Krieges. Die ukrainische Regierung schlägt in dieselbe Sparte und nutzt ihre Nähe zu den westlichen Staaten, um das Bild zu generieren, die Ukraine sei ein Teil Europas. Scheinbar selbstverständlich positionieren sich ukrainische Politiker bei Interviews vor den gemeinsam aufgestellten, ukrainischen und europäischen Flaggen, wie das für europäische Staaten üblich ist. Doch die Ukraine ist kein Mitglied der EU, suggeriert den europäischen Völkern aber beiläufig damit eine Zugehörigkeit, aus der sie die Pflicht zur Hilfe der Europäer begründet.

Ein direkter Verlierer dieses Krieges sind die öffentlichen Medien. In unheilvoller und bewusster Positionierung zu jeweils einer Kriegspartei, haben sie in großen Teilen ohne Not, den Boden der journalistischen Neutralität so offensichtlich verlassen, das ihre Glaubwürdigkeit auf lange Sicht beschädigt ist. Ein Beispiel unter vielen ist der Spiegel, der in reißerischer Aufmachung, in primitiven Kriegspopulismus verfiel und damit den wahrheitsoffenbarenden Selbstanspruch seiner Geschichte, den er einst mit der Spiegel-Strauß Affäre begründete, konterkarierte.

Russland, die EU und die USA haben die neuen Regeln des Medienkrieges verstanden und sie bedienen sich ihrer nach Kräften. Nicht verstanden wurden diese Regeln von den öffentlichen Medien, die noch immer glaubten die öffentliche Meinung bestimmen zu können. Mit Entsetzen mussten sie feststellen, das sie nicht mehr Herr der Nachrichten sind, da Kriegsparteien heute keine Presse-Briefings mehr abhalten sondern die sozialen Medien füttern. Nicht die Wahrheit war das erste Opfer dieses Krieges, da keine Kriegspartei diese besitzt oder kontrolliert. Es sind die öffentlichen Medien die als Kriegsversehrte nach Hause zurück kehren. Zurück bleibt eine verunsicherte Bevölkerung, die noch nicht gelernt hat die sozialen Medien vertrauenswürdig für sich zu nutzen, aber lernen muss, sich ohne die verlorenen Leitimpulse der öffentlichen Medien zu orientieren.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Psychologie und Psychiatrie

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Die Psychiatrie als Handlung zur Lehre der Psychologie, ist der Wahn eine Vermutung über das Recht zu stellen. Die Psychologie glaubt definieren zu können, was normal zu sein hat und die Psychiatrie wähnt sich in der Befähigung, dass dieser Zustand, an jeder x-beliebigen Person herstellbar sei. Solcherlei Anmaßungen führen zumeist an der Realität vorbei und provozieren zwangsläufig eine große Anzahl nicht therapierbarer Menschen, die dann unbefristet aus der Gesellschaft entfernt und in Hochsicherheitsgefängnissen ähnlichen, psychiatrischen Anstalten weggeschlossen werden.

Die Psychologie berechtigt ihre Existenz, wie jede andere Wissenschaft, durch Aufstellung neuer Thesen und Normen. Bei allen anthropologischen Wissenschaften beziehen diese sich zumeist auf die Festlegung von Soll-Zuständen und der Klassifizierung von Abweichungen daraus. Diese Abweichungen sind definierte Krankheitsbilder und die Anzahl neuer Klassifizierungen, also neu erschaffener Krankheitsbilder, steigt bezeichnender Weise, analog eines gesellschaftlich steigendem Sicherheitsbedürfnisses.

Der klinischen Psychologie, der Psychiatrie kommt die Aufgabe zu, eine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz herzustellen. Zum einen gilt es ein diffuses Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen. Dazu wird die Gesellschaft von der physischen Anwesenheit des Abweichlers befreit und er aus ihr entfernt. Zum anderen ist der Rechtsfrieden wieder herzustellen. Ein Grundsatz des Rechtsfriedens ist: Alle haben die gleichen Rechte, sind vor dem Gesetz gleich und werden für Verfehlungen bestraft. Abweichler von gesellschaftlichen Normen, werden im Rechtsempfinden einer Mehrheit als undankbar und verräterisch empfunden, ein allgemein anerkannt, maßregelungswürdiges Verhalten. Der Widerspruch, das gerade der Grundsatz der Rechtsfriedens den Abweichler von Rechts wegen vor einer Maßregelung schützt, also in die Gesellschaft frei lässt, wird mit einem juristischen Widerspruch in sich, überbrückt. Die Psychiatrie folgert: Wen das Recht nicht richten kann, den darf es auch nicht schützen. Dem Abweichler wird mittels psychiatrischem Gutachten die Schuldunfähigkeit attestiert, damit unausgesprochen entmündigt und aus dem Bereich der Gültigkeit des Gesetzes entfernt. Wer nicht innerhalb des Gesetzes steht, kann sich auch nicht auf Recht und Gesetz berufen. Er ist schutzlos allem ausgeliefert.

Aufgrund des gesellschaftlichen Auftrages an die Psychiatrie und dem eigenen Anspruch der Psychologie an sich als Wissenschaft, steht nicht das Wohl des Einzelnen im Mittelpunkt der Interessen.

Der gesellschaftliche Konsens ist der Motor der Entrechtung von Abweichlern. Es ist der Wunsch nach einem kollektiven, leicht zu beeinflussendem und kontrollierbarem Bewusstsein, als Blaupause für Jedermann. Hilfreich ist die grundsätzlich vermutete Allwissenheit der Psychologie, dem Unfehlbarkeitsglauben der Wissenschaft, als Legitimation Krankheitsbilder zu definieren. Im Ergebnis kann das alles sein, was eine gesellschaftliche Mehrheit nicht nachvollziehen kann und der Gemeinschaft Unannehmlichkeiten bereitet. Der Wille der Masse als Maß der Dinge, ist die offene Positionierung zur Quantität vor Qualität. Die geistigen Gesundheit des Kollektivs, gegeben als naturwissenschaftliches Gesetz, ist eine von der Psychologie zu verantwortende, irrwitzige These, mit der sich alle Kriege und Genozide der Geschichte rechtfertigen lassen. Als ob Idiotie nicht auch ein Massenphänomen sei.

Dieser Frevel an der Individualität, ist ein dunkles Gespinst der Normierung des Geistes, eine Tyrannei gegen fremde Gedanken. Es ist nicht  falsch andere Gedanken und andere Meinungen zu haben und sie werden nicht zu einer Krankheit, nur weil viele andere, eine andere haben.

Die Angst vor fremden Gedanken, hat schon in vielen Gewändern, eine unrühmliche Rolle in der Geschichte gespielt. Es fanden sich immer scheinbar wahnsinnige Menschen deren Gedanken als gefährlich, utopisch und anarchistisch attestiert wurden. Sie wurden verfolgt, eingesperrt, zum widerrufen ihrer Gedanken gezwungen oder getötet. Nur wenige, heute berühmte Opfer, wie Sokrates, Galileo Galilei und Nitszsche, stehen stellvertretend für ein unüberschaubares Heer, an ihrem Geist gefolterter und entrechteter Menschen. Heute übernimmt das die Psychiatrie, als Vollstreckerin der Psychologie, mit Hilfe von Methoden, die von der UN als weiße Folter deklariert werden, wie der Wahrheits- und Einsichtsfindung durch Psychopharmaka, Sinnesentzug, Zwangssedierung- oder Fixierung. Der Anzug ist sauberer geworden, aber das Handwerk blieb schmutzig.

Das wesentlichste Merkmal der Evolution ist die Vielfalt, durch die sich das Leben ausprobiert und neue Wege für die Zukunft sucht. Die bestmöglich angepasste Spezies und das gilt sowohl für physische als auch psychische Merkmale, wird die Zukunft für sich gewinnen. Heute sind wir das, auch als Folge unserer Gedanken und Werte, die nicht von Gesellschaften erfunden, sondern von Einzelnen erdacht wurde. Die das taten, waren zu ihrer Zeit die verrückten Illusionäre, die gefährlichen Querulanten. So gefährlich ihre Gedanken zu ihrer Zeit für die Gesellschaften waren, so grundsätzlich bestimmend sind sie heute. Viele wertvolle Ideen und Gedanken, sind in der Psychiatrien verloren gegangen und je mehr es werden, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, das wir nicht die Gedanken zulassen werden, die unsere Zukunft ermöglichen. Es ist durchaus denkbar, das sich unsere Zukunft, in den unverständlichen Gedankenwelten derer, die wir heute hinter Sicherheitszäunen gefangen halten, versteckt.

Eine forschende Psychologie kann das Verständnis des Menschen um sich selbst erweitern. Eine forensische, begutachtende und damit beurteilende Psychiatrie, steht der psychischen und geistigen Entwicklung des Menschen im Wege. Es sind die skurrilsten und anarchistischsten Weltbilder von heute, die das Morgen bestimmen werden. Tun sie das nicht, wird unser heutiges Verständnis um die Welt, morgen nicht mehr ausreichen, uns in ihr zu erhalten.

Individualität ist der Auftrag der Evolution an das Leben, vielleicht ist sie deshalb der natürliche Feind jeder Gesellschaft.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Fehlende Verantwortung

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Ein mündiger Bürger habe Verantwortung zu tragen heißt es. Sie zu übernehmen, sei die Basis einer Zivilgesellschaft. Dennoch ist das Bekenntnis Verantwortung tragen zu wollen, für jede Gesellschaft ein zweischneidiges Schwert, welches auch dazu geeignet ist den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gefährden.

Wissend um die, in der Verantwortung latent gegebene Gefahr, als Konsequenz ihrer Übernahme irgendwann zwangsläufig zu dem Schluss zu kommen, das letztendlich die Gesellschaft, der größte Hemmschuh der Verantwortung ist, wird von allen gesellschaftlich aktiven Gruppen ein erbitterter Kampf um das geführt, was Verantwortung zu sein hat.

Die Machtstellung der einzelnen Protagonisten, in dem Ringen um die Definitionshoheit zum Begriff der Verantwortung, schuf ein Verantwortungsbild, nach welchem Verantwortung etwas ist, durch das der Einzelne gesellschaftliche Pflichten übernimmt, die von der Gesellschaft aus strukturellen oder kostentechnischen Gründen nicht übernommen werden sollen oder können.

Verantwortung ist in der öffentlichen Wahrnehmung zu eine Hilfeleistung gegenüber Dritten, oder einer Ersatzdienstleistung für den Staat verkommen.

Nicht das es falsch wäre anderen Menschen zu helfen, oder Aufgaben zu übernehmen aus denen sich der Staat sich heraus gestohlen hat. Es ist niemand zu verurteilen, der diese Verantwortungen auf sich nimmt. Dennoch ist die Verantwortung gegenüber anderen, nur ein Teil dessen was Verantwortung ausmacht. Der andere, aus gesellschaftlich opportunistischen Gründen, unterdrückte Teil, ist die Eigenverantwortung. Sie ist die bestimmende Kraft der Verantwortung und ohne sie, ist auch die Hilfe gegenüber anderen, nichts weiter als verantwortungslose Uneigennützigkeit.

Im Gegensatz zu der Verantwortung für andere, als Ersatzdienstleistung einer an ihren originären Aufgaben, versagenden Gesellschaft, erfährt die Eigenverantwortung nicht nur, keine gesellschaftliche Unterstützung, sondern wird von dieser nach Kräften unterbunden. Eine Vielzahl gesetzlicher Normen und eine kollektivistisch geprägte Moral, verhindert wirkungsvoll die Wahrnehmung, einer der ureigensten Aufgaben des Menschseins, der Verantwortung um sich selbst.

Eigenverantwortung bedeutet, sein Leben, sein Denken und sein Handeln, gegenüber sich, anderen und letztlich gegenüber der ganzen Welt zu verantworten. Es bedeutet uneingeschränkt und unübertragbar die Konsequenzen für alles zu übernehmen, was das eigene Dasein ausmacht und für jede von sich hervor gerufene Wirkung gegenüber anderen und der Welt im ganzen.

Eigenverantwortung ist die natürlichste Form der Verantwortung. Jedes Tier und jede Pflanze trägt sie. Nur der Mensch als gesellschaftliches Wesen, hat sich von ihr losgesagt. Es gäbe keinen Raubtierkapitalismus, wenn jeder für sein Geld verantwortlich wäre. Viele Umweltkatastrophen und die Verseuchung der Erde wäre ausgeblieben, wenn jeder für seinen Müll Verantwortung trüge und es gäbe keine Kriege, wenn Politiker sich persönlich für die Toten verantworten müssten. Wohl die meisten aller Probleme, die die Menschheit bedrohen würden durch Eigenverantwortung verhindert.

Eigenverantwortung ist und muss die Forderung jeder gesunden Gesellschaft sein, die nicht zwangsläufig eine Gefahr für sich selbst sein will. Ebenso ist die Übernahme von Verantwortung für andere immer die Forderung einer Gesellschaft, die an fehlender Eigenverantwortung zerbricht.

Die heutigen Gesellschaften der Eigenverantwortungslosigkeit leiden allesamt an den Folgen daraus.

Diese Gesellschaften der Eigenverantwortungslosigkeit sind Vertretungsgesellschaften. Vertreter sind die Gesandten der Eigenverantwortungslosigkeit. Ihre Stärke ist das Wesen der Vertretung, nur im Auftrag zu handeln, nicht selbst verantwortlich zu sein und dennoch dem Vertretenen das Gefühl zu geben, die Verantwortung abgegeben zu haben. So ist letztlich sowohl der Vertreter, als auch der Vertretene von Verantwortung befreit. Leicht kann reden, wer sein Wort nicht erheben muss. Leicht kann richten, wer nicht vollstrecken braucht und auch der Schwächste vermag zu streiten, wenn er sich nicht einsetzen muss. So sind die Vertetungsgesellschaften, die der großen Reden, der schnellen Urteile und des immer währenden Streits.

Eigenverantwortung ist jedoch keine von Menschen, sondern eine durch Geburt übertragene Pflicht, die weder übertragen noch abgegeben werden kann. Es dennoch zu versuchen, bedeutet immer ein Handeln ohne Verantwortung und damit immer Verantwortungslosigkeit.

Aus mangelnder Eigenverantwortung wird Verantwortungslosigkeit und ein Teufelskreis aus dem heraus jedes Verbrechen zu begründen und auch der schwächste Staat und die verwerflichste Gesellschaft, die Berechtigung für ihren Fortbestand ziehen kann. Die Vertretung gibt den Eigenverantwortungslosen eine Verwaltung, da sie abgelehnt haben sich selbst zu verwalten und benennt ihnen Recht, da sie abgelehnt haben, Recht zu erkennen.

Der einzelne Mensch ist, oder zumindest sollte, die Grundlage eines Staatswesens sein und die Verantwortung für sich selbst, dessen Credo. Wenn der Einzelne in einer großen Anzahl anderer Menschen lebend, eigenverantwortliche Entscheidungen nur begrenzt umsetzen kann und die Erhaltung seiner Eigenverantwortlichkeit, gegen andere durchsetzen muss, dann ist das staatliche Regulativ gefragt. Nicht das kollektive Bedürfnis einer Gesellschaft darf die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen bestimmen, sondern diese Verantwortung des Einzelnen zu sich selbst, muss die Bedürfnisse des Kollektivs bestimmen. Die Aufgabe des Staates kann, insofern er nicht Selbstzweck sein soll, nicht die Selbsterhaltung seiner eigenverantwortlichen Strukturen sein, sondern die Schaffung eines Staates der eigenverantwortlichen Menschen, wobei sich die staatliche Aufgabe darauf beschränkt, dem einzelnen Eigenverantwortung zu ermöglichen und die Bereiche für den Einzelnen zu schützen, in denen er aufgrund persönlicher Dispositionen, nicht eigenverantwortlich sein kann.

Das ist die Umkehr der heute staatstragenden, neoliberalen Ideologie, die zwar auch von Eigenverantwortlichkeiten spricht aber damit das fehlen, der helfenden Verantwortung des Staates meint und somit den Staat von der einzigen Verantwortung löst, die er als Duchführungsinstrument des Menschen haben kann. Der Verantwortung für den einzelnen Menschen.

Verantwortung besteht aus der Verantwortung um andere und der zu sich selbst. Nur beides ergibt ein ganzes. In eigener Verantwortung leben und auf die helfende Verantwortung seines Dieners, des Staates zu vertrauen und ihm alle Entscheidungen zu nehmen, die eigenverantwortlich getroffen werden können, wäre ein großer Schritt in eine bessere Gesellschaft.

Eigenverantwortung bedeutet auch, das zu fordern.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Quo vadis Europa

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Der Krieg in der Ukraine offenbart, was anderswo versteckter ist. Die USA und Russland teilen sich den Kuchen der politischen Machtbereiche neu. Beide Seiten versuchen nach Kräften ihren Einfluss zu erhöhen. Zumeist dezent mit diplomatischen Mitteln, aber auch, bei fehlender Gefügigkeit des zu Überzeugenden, mit wirtschaftlichen Drohungen. In letzter Konsequenz sind sowohl die USA als auch Russland bereit mit militärischen Optionen zu spielen.

Die Länder die entweder wirtschaftlich, oder militärisch bereits in Abhängigkeit, von einem der beiden Großen stehen, haben keine Wahl mehr. Aber Europa ist noch politisch einflussreich, als auch wirtschaftlich stark genug, um bezüglich seiner zukünftigen strategischen Ausrichtung, eine eigene Entscheidung zu treffen und es wird sie treffen müssen. Natürlich wird eine solche Entscheidung nicht folgenlos bleiben und den Unmut einer Seite hervorrufen. Aufgrund der zu erwartenden Konsequenzen, wird noch versucht eine solche Entscheidung hinaus zu zögern, aber das wird nicht ewig möglich sein. Zu sehr drängen sowohl die USA als auch Russland, auf den europäischen Treueschwur.

Es ist ein völlig normaler Prozess in der Vergangenheit gewesen, strategische Bündnisse, neuen Gegebenheiten anzupassen. Kein Bündnis ist für die Ewigkeit angelegt, das wissen alle Beteiligten. Entscheidend ist nicht ob ein Bündnis in der Vergangenheit sinnvoll und gut war, sondern ob es das in der Zukunft sein wird und ob ein bestehendes oder zukünftiges Bündnis die Probleme der Zukunft lösen kann. Wer sich in dieser Frage von ideologischen oder nostalgischen Beweggründen leiten lässt, riskiert seine Zukunft.

Für Europa ergeben sich drei Optionen.

Die erste, ist die Aufrechterhaltung des Bündnisses mit den USA. Es hat Europa in den vergangenen Jahrzehnten sicher durch die Turbulenzen der Politik geführt. Dennoch gibt es gute Gründe, es für die Zukunft in Frage zu stellen. Die USA wird nicht die Ressourcen bereit stellen können, die Europa brauchen wird und auch die geldpolitische Anbindung an die USA, kann durch die katastrophale Überschuldung der USA, für Europa zu einer Gefahr werden. Ebenfalls hat sich verdeutlicht, das die viel beschworene Freundschaft, deutliche Risse bekam. Die USA halten Europa für so gefährlich in Bezug auf ihre eigenen Interessen, das sie es wie selbstverständlich flächendeckend überwachen. Auch Europa hat so seine Probleme mit den USA. Todesstrafe, Guantanamo, weltweite völkerrechtswidrige Drohnenangriffe und ein entfesselter Kapitalismus sind für die USA selbstverständlich, aber mit europäischen Wertevorstellungen nicht vereinbar. Die USA würden nicht die Kriterien erfüllen, die Europa von jedem Land verlangt um ein europäisches Mitglied zu sein.

Die zweite Option wäre ein Bündnis mit Russland. Dafür würden gemeinsame kulturelle und historische Wurzeln, aber auch ein sichererer Zugang zu Ressourcen sprechen. Aber auch zu Russland gibt es deutliche Diskrepanzen, wie zum Beispiel die autoritäre und zentralistische Auslegung der Demokratie, ungelöste Menschenrechtsfragen und Beschränkungen der Pressefreiheit. Auch Russland würde die Beitrittskriterien Europas nicht erfüllen.

Es geht zwar nicht darum, das die USA oder Russland, Europa beitreten sollten, aber es ist das europäische Wertesystem an dem sich eine zukünftige strategische Partnerschaft, aus europäischer Sicht messen muss.

Die dritte Option wäre die Alleinstellung Europas. Diese würde zwar den internationalen Einfluss Europas beschränken, aber die momentane politische und wirtschaftliche Überbewertung Europas ist realistisch betrachtet, auch auf keinem anderen Weg zu erhalten. Der Vorteil wäre, sowohl die Vorteile einer Beziehung mit den USA, als auch mit Russland nutzen zu können, ohne die Nachteile daraus zwingend übernehmen zu müssen. Ein solcher Weg wäre jedoch nur denkbar, wenn Europa einen neutralen Status einnehmen würde, der auch eine militärische Neutralität beinhalten müsste. Europäische Expansionsbestrebungen müssten gegen selbstauferlegte, wirtschaftliche und politische Nichteinmischungsrichtlinien ersetzt werden.

Jede dieser Optionen würde eine lange Zeit brauchen um umgesetzt zu werden und jede würde ihre eigenen Schwierigkeiten mit sich bringen. Keine wäre leicht und ohne Konsequenzen zu verwirklichen. Dennoch wird Europa eine Entscheidung treffen müssen. Trifft Europa diese Entscheidung nicht, werden sie andere für Europa treffen und dann wird diese Entscheidung von anderen Wertesystemen geprägt sein.

Wie würden Sie entscheiden?

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren