Fehlende Verantwortung


nur-mut

Ein mündiger Bürger habe Verantwortung zu tragen heißt es. Sie zu übernehmen, sei die Basis einer Zivilgesellschaft. Dennoch ist das Bekenntnis Verantwortung tragen zu wollen, für jede Gesellschaft ein zweischneidiges Schwert, welches auch dazu geeignet ist den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gefährden.

Wissend um die, in der Verantwortung latent gegebene Gefahr, als Konsequenz ihrer Übernahme irgendwann zwangsläufig zu dem Schluss zu kommen, das letztendlich die Gesellschaft, der größte Hemmschuh der Verantwortung ist, wird von allen gesellschaftlich aktiven Gruppen ein erbitterter Kampf um das geführt, was Verantwortung zu sein hat.

Die Machtstellung der einzelnen Protagonisten, in dem Ringen um die Definitionshoheit zum Begriff der Verantwortung, schuf ein Verantwortungsbild, nach welchem Verantwortung etwas ist, durch das der Einzelne gesellschaftliche Pflichten übernimmt, die von der Gesellschaft aus strukturellen oder kostentechnischen Gründen nicht übernommen werden sollen oder können.

Verantwortung ist in der öffentlichen Wahrnehmung zu eine Hilfeleistung gegenüber Dritten, oder einer Ersatzdienstleistung für den Staat verkommen.

Nicht das es falsch wäre anderen Menschen zu helfen, oder Aufgaben zu übernehmen aus denen sich der Staat sich heraus gestohlen hat. Es ist niemand zu verurteilen, der diese Verantwortungen auf sich nimmt. Dennoch ist die Verantwortung gegenüber anderen, nur ein Teil dessen was Verantwortung ausmacht. Der andere, aus gesellschaftlich opportunistischen Gründen, unterdrückte Teil, ist die Eigenverantwortung. Sie ist die bestimmende Kraft der Verantwortung und ohne sie, ist auch die Hilfe gegenüber anderen, nichts weiter als verantwortungslose Uneigennützigkeit.

Im Gegensatz zu der Verantwortung für andere, als Ersatzdienstleistung einer an ihren originären Aufgaben, versagenden Gesellschaft, erfährt die Eigenverantwortung nicht nur, keine gesellschaftliche Unterstützung, sondern wird von dieser nach Kräften unterbunden. Eine Vielzahl gesetzlicher Normen und eine kollektivistisch geprägte Moral, verhindert wirkungsvoll die Wahrnehmung, einer der ureigensten Aufgaben des Menschseins, der Verantwortung um sich selbst.

Eigenverantwortung bedeutet, sein Leben, sein Denken und sein Handeln, gegenüber sich, anderen und letztlich gegenüber der ganzen Welt zu verantworten. Es bedeutet uneingeschränkt und unübertragbar die Konsequenzen für alles zu übernehmen, was das eigene Dasein ausmacht und für jede von sich hervor gerufene Wirkung gegenüber anderen und der Welt im ganzen.

Eigenverantwortung ist die natürlichste Form der Verantwortung. Jedes Tier und jede Pflanze trägt sie. Nur der Mensch als gesellschaftliches Wesen, hat sich von ihr losgesagt. Es gäbe keinen Raubtierkapitalismus, wenn jeder für sein Geld verantwortlich wäre. Viele Umweltkatastrophen und die Verseuchung der Erde wäre ausgeblieben, wenn jeder für seinen Müll Verantwortung trüge und es gäbe keine Kriege, wenn Politiker sich persönlich für die Toten verantworten müssten. Wohl die meisten aller Probleme, die die Menschheit bedrohen würden durch Eigenverantwortung verhindert.

Eigenverantwortung ist und muss die Forderung jeder gesunden Gesellschaft sein, die nicht zwangsläufig eine Gefahr für sich selbst sein will. Ebenso ist die Übernahme von Verantwortung für andere immer die Forderung einer Gesellschaft, die an fehlender Eigenverantwortung zerbricht.

Die heutigen Gesellschaften der Eigenverantwortungslosigkeit leiden allesamt an den Folgen daraus.

Diese Gesellschaften der Eigenverantwortungslosigkeit sind Vertretungsgesellschaften. Vertreter sind die Gesandten der Eigenverantwortungslosigkeit. Ihre Stärke ist das Wesen der Vertretung, nur im Auftrag zu handeln, nicht selbst verantwortlich zu sein und dennoch dem Vertretenen das Gefühl zu geben, die Verantwortung abgegeben zu haben. So ist letztlich sowohl der Vertreter, als auch der Vertretene von Verantwortung befreit. Leicht kann reden, wer sein Wort nicht erheben muss. Leicht kann richten, wer nicht vollstrecken braucht und auch der Schwächste vermag zu streiten, wenn er sich nicht einsetzen muss. So sind die Vertetungsgesellschaften, die der großen Reden, der schnellen Urteile und des immer währenden Streits.

Eigenverantwortung ist jedoch keine von Menschen, sondern eine durch Geburt übertragene Pflicht, die weder übertragen noch abgegeben werden kann. Es dennoch zu versuchen, bedeutet immer ein Handeln ohne Verantwortung und damit immer Verantwortungslosigkeit.

Aus mangelnder Eigenverantwortung wird Verantwortungslosigkeit und ein Teufelskreis aus dem heraus jedes Verbrechen zu begründen und auch der schwächste Staat und die verwerflichste Gesellschaft, die Berechtigung für ihren Fortbestand ziehen kann. Die Vertretung gibt den Eigenverantwortungslosen eine Verwaltung, da sie abgelehnt haben sich selbst zu verwalten und benennt ihnen Recht, da sie abgelehnt haben, Recht zu erkennen.

Der einzelne Mensch ist, oder zumindest sollte, die Grundlage eines Staatswesens sein und die Verantwortung für sich selbst, dessen Credo. Wenn der Einzelne in einer großen Anzahl anderer Menschen lebend, eigenverantwortliche Entscheidungen nur begrenzt umsetzen kann und die Erhaltung seiner Eigenverantwortlichkeit, gegen andere durchsetzen muss, dann ist das staatliche Regulativ gefragt. Nicht das kollektive Bedürfnis einer Gesellschaft darf die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen bestimmen, sondern diese Verantwortung des Einzelnen zu sich selbst, muss die Bedürfnisse des Kollektivs bestimmen. Die Aufgabe des Staates kann, insofern er nicht Selbstzweck sein soll, nicht die Selbsterhaltung seiner eigenverantwortlichen Strukturen sein, sondern die Schaffung eines Staates der eigenverantwortlichen Menschen, wobei sich die staatliche Aufgabe darauf beschränkt, dem einzelnen Eigenverantwortung zu ermöglichen und die Bereiche für den Einzelnen zu schützen, in denen er aufgrund persönlicher Dispositionen, nicht eigenverantwortlich sein kann.

Das ist die Umkehr der heute staatstragenden, neoliberalen Ideologie, die zwar auch von Eigenverantwortlichkeiten spricht aber damit das fehlen, der helfenden Verantwortung des Staates meint und somit den Staat von der einzigen Verantwortung löst, die er als Duchführungsinstrument des Menschen haben kann. Der Verantwortung für den einzelnen Menschen.

Verantwortung besteht aus der Verantwortung um andere und der zu sich selbst. Nur beides ergibt ein ganzes. In eigener Verantwortung leben und auf die helfende Verantwortung seines Dieners, des Staates zu vertrauen und ihm alle Entscheidungen zu nehmen, die eigenverantwortlich getroffen werden können, wäre ein großer Schritt in eine bessere Gesellschaft.

Eigenverantwortung bedeutet auch, das zu fordern.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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  1. Es ist interessant, dass dieses Thema überall auftaucht.
    Fehlende Verantwortlichkeit. Dekadenz und Gesellschaft!? Sollen wir die Monarchie wieder einführen oder gar die Diktatur wäre sogar noch besser!?
    Es ist frappierend was der Autor hier sagt. die Eigenverantwortlichkeit kommt mit der Geburt. Tiere und Pflanzen können sich nicht entziehen. Das Säugetier Mensch, aber, erst durch den Schutz der Familie, dann durch die schützende Hand der Gesellschaft und des Staates meint von diesem Lebensprinzip befreit zu sein!?
    Wo liegt der entscheidende Denkfehler!?

    Der Gedankenansatz müsste anders laufen. Haben uns die piramidalen Machtstrukturen, seit Jahrtausenden so „versaut“, dass wir vor lauter Bäumen den Wald nicht erkennen!? Fremdbestimmtheit muss nicht die Sehnsucht sein, sondern der Ekel!
    Wahrscheinlich sind die Gene schon so verändert, dass die „Hoheit“ (Die da oben) die Rettung sein muss! Es lebe König Ludwig! Mutti Merkel!
    Allen Verhaltensforscher sträuben sich die Haare. Aber wo liegt die Wahrheit!?
    Eigenständigkeit und Selbstbestimmung ist nicht angeboren! Angeboren ist auch nicht die intellektuelle, kritische Auseinandersetzung oder schlicht die „Neugier“, wenn es über den Rand des Futternapfes geht!
    Selbsterhaltung und der Schutz seiner „Lieben“, ist, nunmal, erstes Gebot. Zweites Gebot!?
    Bildung und Leistungsfähigkeit!? Die größte Versäumnis der Politik ist, sich selbst nicht abzuschaffen! Wie ein Lehrer sich einem Schüler gegenüber überflüssig macht, indem er diesem alles, was er weiß, beibringt, nicht so der „Mächtige“.
    Er „bunkert“ alles Mehrwissen, um davon zu profitieren! Siehe die Monarchen, der Klerus, die Politiker, die Bürokraten, die Spekulanten, die Vasallen und Lobbyisten und so weiter!
    85 % der „Kunden“ sind Follower, deshalb ist FB und Twitter auch so erfolgreich! Nur 3-5% haben einen IQ über dem Durchschnitt. Wen wundert da was!???
    Die Sozialisten und Kommunisten sind viel „erfolgreicher“ in der Fremdbestimmungs- systematik, als die Monarchien! Sie haben die Angst vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg genial umgesetzt! Opportunisten einer Menscheitslüge. Wie die Kirchen die Angst vor dem Teufel! Immer ein „Toprenner“. Danach, wurde nach der franz. Revolution die Demokratie, die soo nie war. im alten Griechenland, neu erfunden, um die Leute weiter zu verarschen und zu dominieren.
    One man, one vote! (Hurra, wir sind alle gleich!) So zynisch wie „time is money“ (Schuld- und Konsumsklaven Schlachtruf des Imperators USA! )
    Nur, wer uns und die Schafe von den obigen Ängsten befreit, die natürliche Lebensverantwortlichkeit (z.B., den gesunden und praktischen Menschenverstand, den es überall ja tatsächlich gibt!) gewichtet, wird eine Neue „Welt“ gründen. Sonst ist und bleibt alles Schnee von gestern!

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