Zweckentfremdung


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Welchen Zweck hat eigentlich Kleidung in unserer heutigen Zeit?

Kleidung dient nur noch wenigen Menschen unserer Gesellschaften dem Zwecke, den sie ursprünglich hatte und eigentlich hat, nämlich als Schutz vor Umwelteinflüssen.

Der moderne Mensch betrachtet Kleidungsstücke als Mittel zur Dekoration. Wie Schaufensterpuppen kleiden sich heute die modebewusste Frau und Mann – sie stellen sich dekorativ zur Schau, jeden Tag aufs Neue.

Die Folgen dieses Umgangs damit sind:

– die  Ausbeutung der Ressourcen, welche zur Herstellung dienen,

– Einsatz von Unmengen an chemischen Farb-, Pflege- und Reinigungsmittel, welche die Umwelt belasten und vergiften,

– die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft zumeist unter menschenunwürdigen Bedingungen u.v.a..

Mit jedem Kauf eines jeden Kleidungsstückes, das nicht zum natürlichen Einsatz der Kleidung kommt, tragen wir – jeder einzelne von uns dazu bei und können uns nicht der Verantwortung entziehen, dieses Szenario mitverursacht und unterstützt zu haben.

Warum glauben wir neuerdings die Quantität der Qualität vorziehen zu müssen?

Ist denn ‚ viel ‚ und ‚immer mehr‘  auch wirklich besser?

Warum ziehen wir uns freiwillig Kleidung an, deren Farbstoffe und andere chemische Stoffe nicht nur unser Wasser belasten, sondern auch negative Auswirkungen auf unsere eigene Gesundheit und die unserer Kinder haben, was zwischenzeitlich durch zahlreiche Tests erwiesen ist und somit nicht länger auf der Ebenen einer Vermutung steht, sondern ein Faktum ist.

Doch leider verhält es sich nicht nur mit der Kleidung so, dass deren eigentlicher und damit nützlicher Zweck entfremdet wurde – die Liste vieler anderer `Dinge` und Wesen ist lang. Um hier nur einige von ihnen zu nennen: Möbel, die zwar noch funktionstüchtig, aber nicht mehr modern sind, werden durch neue ersetzt und landen zumeist auf Mülldeponien; Pflanzen, welche an sich Lebewesen sind und nicht lediglich Dekorationsmittel, werden nach Belieben der Laune ersetzt und dem zeitgenössischen Geschmack angepasst; Haustiere, welche immer häufiger zur Unterhaltungszwecken angeschafft werden und trauriger weise zunehmende Beliebtheit als Kindergeschenke gewinnen.

Dürfen wir Lebewesen und Sachen derart missbrauchen, nur weil wir es können?

Sollten wir nicht eher erkennen und akzeptieren, dass jedes Lebewesen und sogar jede Sache – alles einen naturgegebenen Zweck an sich hat – nämlich Selbstzweck sind. Und wenn wir diesen doch nicht imstande sind zu erkennen, sollten wir dann nicht zumindest maßvollen Umgang mit diesen üben?

Dieser oft unüberlegte, oberflächliche und dadurch missbräuchliche Umgang ist eine der unzähligen Folgen unserer Konsumsucht, die eine Wegwerf-Gesellchaft geschaffen hat. Die Befriedigung dieser Sucht ist ein Zwang, der sich in unserer Kauflust äußert. Da nur die wenigsten der erworbenen `Dinge`  a priori der Selbsterhaltung dienen, zeigt, dass es um die Lust am Kaufen als solche geht. Und weil die meisten von uns nicht über den räumlichen Platz verfügen, um all die infolge des unverhältnismäßigen Konsums erworbenen Dinge horten zu können, muss man Platz schaffen – sich der Dinge entledigen, manchmal in Form von Schenkungen oder Spenden, leider all zu oft lediglich zur Besänftigung des eigenen Gewissens,  doch überwiegend durch einfaches Wegwerfen.

Loswerden, um Neues kaufen zu können – `shopping` ist die neue Volkskrankheit. Wer krank ist braucht bekanntlich seine Medizin, in diesem Fall – das Kaufen, was kurzzeitig einen vermeintlichen Profit für den einzelnen darstellt. Auf lange Sicht betrachtet dient das alles dem Profit weniger auf Kosten von vielen, gar den meisten. Doch wir laufen euphorisch wie die Lämmer fromm den, uns durch die Medien suggerierten, vermeintlichen Bedürfnissen hinterher, stets auf der Suche nach dem Versuch sie zu befriedigen. Und dabei sind wir es doch – die Getäuschten und Betrogenen!

Jene, die bereits erkannt haben, dass der Bürger als Mittel zum Zweck ausgenutzt wird, als fleißiger Konsument, der mit jedem Kauf direkt zur Bereicherung weniger sorgt und gleichzeitig indirekt zur Verarmung vieler anderer durch Ausbeutung ihrer Ressourcen, ihres ihnen naturgegebenen Lebensraumes und Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, sollten lernen die `Dinge` als das zu nutzen, was sie sind und nicht als das, was uns die viele Werbung und der `main-stream` glauben zu machen versuchen.

Das Erlernen eines neuen anderen Umgangs mit den `Dingen` ist eine mögliche Alternative, denn ein gänzlicher Verzicht ist keine umsetzbare Lösung.

Ein maßvoller Umgang, welcher für unsere Umwelt ein verträglicher wäre und auch für unser eigenes Gewissen, ist ein möglicher Weg, denn manchmal ist weniger mehr. Wir können mit Bedacht Dinge erwerben und sich an ihrem Nutzen erfreuen, anstatt sich lediglich an der Lust am Kaufen zu erfreuen. Vor jedem Kauf sollte man sich vielleicht erst einmal fragen, ob man die Sache auch wirklich braucht oder es einen gerade gelüstet seinem gewohnten Verhalten nachzugehen.

Wir sollten die Werbung grundsätzlich kritischer betrachten und uns fragen, wer und warum jemand fremdes für uns entscheidet, dass wir die beworbenen Dinge denn unbedingt kaufen sollten.

Bestehende Denk- und Verhaltensmuster kann man durch andere ersetzen und muss nicht länger daran festhalten, wenn man denn erkennt, das diese nicht sinnvoll sind. Außerdem gibt es viele andere Beschäftigungsmöglichkeiten als das regelmäßige ‚ shoppen‘.

Was taten wir denn bevor es die Internet Portale und Shopping Tempel gab?

Denn es fehlt nicht an Alternativen, sondern an der Bereitschaft etwas denken zu wollen, was das Besitzdenken gefährdet!

Julia Sauren

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Veröffentlicht von

Heinz Sauren

Sozialanthropologie und Gesellschaftskritik

3 Gedanken zu „Zweckentfremdung“

  1. Pingback: News 22.10. 2014 |
  2. Kleidung ist schon immer das gewesen, was sie auch heute ist: Schutz, Ausdruck von Kultur und der damit verbundenen Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe und ein Instrument des Zur-Schau-Stellens persönlicher Eitelkeiten.

    In Zeiten wie diesen ist sie um so wichtiger – nicht nur für deren Träger, sondern auch für diejenigen, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Auf Kosten anderer. (Auch nix Neues – dennoch mit ganz anderer „Qualität“).

    Schon gut, dass damit nicht alles gesagt, sondern dass immer wieder mit Überraschungen zu rechnen ist, es also nach wie vor auch Formen positiver Zweckentfremdung gibt.

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