Heimlich in eine neue Welt


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Gesellschaften stehen in stetigem Wandel. Der Wandel als Anpassung an Entwicklungen und Veränderungen ist notwendig. Notwendig für eine solche gesellschaftliche Evolution ist aber auch Zeit. Je langsamer eine gesellschaftliche Entwicklung vonstatten geht, desto ausgeglichener ist der Abgleich zwischen der notwendigen Veränderung und der gewünschten Übernahme der Errungenschaften, die eine Gesellschaft im Laufe ihrer Geschichte machte und die sie ausmachen. Je schneller eine gesellschaftliche Entwicklung voran getrieben wird, desto stärker ist sie auf die gewünschte Anpassung fokussiert und desto mehr werden bereits gemachte Errungenschaften dem geopfert. Wie wirkungsvoll diese Regel ist, lässt sich leicht daran erkennen, das alle diktatorische Gesellschaftsformen geschichtliche Schnellschüsse waren und sind. Daher bergen schnelle gesellschaftliche Veränderungen große Gefahren, die nur eingegangen werden sollten, wenn es unumgänglich ist und eine große Not, wie zum Beispiel ein Krieg oder ein Genozid dazu zwingen.

In einer solchen Not glaubt sich auch die Bundesregierung und hat im Konsens mit anderen Regierungen die Umbildung der Gesellschaft beschlossen. Es wurde ein ganz neues Gesellschaftsmodell erdacht, das so grundlegend anders als das jetzige ist, das es jeden Lebensbereich von Grund auf neu definieren und verändern wird. Begründet liegen diese Veränderungen darin, das nicht wie bei gesellschaftlichen Veränderungen der Vergangenheit, Definitionen der Durchführung einer Gesellschaftsordnung, sondern der maßgeblichste Faktor einer Gesellschaft, neu definiert wurde. Der Mensch selbst. Bisher war der Mensch der Dreh- und Angelpunkt jeder Gesellschaft und Gesellschaftsordnungen dienten je nach politischer Ausrichtung dazu, ihm zu dienen oder ihn zu verwalten. Nun ist es eine abstrakte Größe die in das Zentrum aller gesellschaftlichen Bestrebungen rücken soll und die bestimmende Ordnungsgröße der Gesellschaft wird. Die Wirtschaft. Nicht zufällig erklärte die Bundeskanzlerin öffentlich, das ihr Ziel die marktkonforme Gesellschaft sei.

Wissend um mögliche Gegen- und Abwehrreaktionen, die eine zwangsläufige Entrechtung des Menschen, zur Etablierung der Wirtschaft als neue Ordnunggsgröße auslösen kann, wurde dieses politische Großprojekt als diffuse, wenig genaue allgemeine politische Richtungsbestimmung deklariert. Nichts was konkret genug wäre, direkt angegangen werden zu können. Der Teufel liegt wie so oft im Detail, dieser allgemeinen Durchführungsverordnung und wird dort zumeist auf den ersten Blick nicht offenbar. In diesen Details wird offensichtlich das nicht etwas Bestehendes verändert, sondern etwas völlig neu definiert werden soll. Bereits 1999 erklärte die Bundesregierung das Gender-Mainstreaming zum Gesellschaftsziel. Was auf den ersten Blick die Gleichstellung der Geschlechter zu sein scheint, verbirgt einen großen Schritt, in Richtung der neuen Gesellschaft. Nicht die Möglichkeit der freien Definition des eigenen Geschlechts ist der maßgebliche Punkt des Gender-Mainstreamings, sondern die Umstand, zur Zeit noch freiwillig, im zweiten Schritt dann automatisch, per Geburt kein Geschlecht zu haben ist der springende Punkt. Bisher gab es noch keine Geschlechtslosigkeit. Sie ist ein undefinierter Rechtsstatus und damit ein rechtsfreier Raum, der in Zukunft definiert werden kann und muss. An keinem anderen Punkt des menschlichen Daseins ließe sich der Status eines Individuum besser bestimmen, als zur Geburt. Alle Rechte und Pflichten die das menschliche Leben innerhalb einer Gesellschaft begleiten werden zur Geburt übergeben und wem es möglich ist diese neu zu definieren, bestimmt den Platz des Menschen in einer zukünftigen Gesellschaft, als Mittelpunkt oder ausführendes Objekt.

Edward Snowden enthüllte einen gigantischen Abhörskandal, der weltweite Empörung auslöste. Offensichtlich wird jeder Bürger umfassend belauscht und bespitzelt. Ein Verstoß gegen geltendes Recht und dennoch scheint es rechtlich nicht möglich zu sein, diesen Zustand zu beenden. Augenscheinlich haben es alle abhörenden Parteien, weniger auf die Inhalte dessen abgesehen, was sie da abhören, sondern auf die sogenannten Meta-Daten, also die Nachweise wer mit wem und wann in Verbindung steht. Dies aber sind nicht in erster Linie Informationen privater Natur, sondern zum größten Teil geschäftlicher Art, auch wenn sie private Nutzer betreffen. Es geht darum welche Teile der Wirtschaft frequentiert werden, welche wirtschaftlichen Vernetzungen die Menschen haben. Es ist die Wirtschaft die sich in erster Linie selbst analysiert um ihre Effektivität zu steigern. Zur Verhinderung von Verbrechen und zum Schutz vor Terror, haben sich diese Daten bisher als wenig effektiv bewiesen und der Aufwand würde in krassem Widerspruch zu ihrem Nutzen stehen. Deutlich wird aber, das die Interessen der Wirtschaft an diesen Daten, vorrangig der Interesse der Bürger am Datenschutz stehen und daher keine Regierung sich aufgerufen fühlt die Ausspähung zu unterbinden. Die Wirtschaft als zentrale Ordnungsgröße besetzt die Schlüsselpositionen der zukünftigen Gesellschaft.

TTIP ist ein Vertragswerk welches in seiner gesamten Ausdehnung den transatlantischen Raum umfassen wird. Was über TTIP bekannt geworden ist, beschränkt sich in der Öffentlichkeit auf wenige Reizthemen wie Clor-Hühnchen, Gen-Mais und dem Verlust eines lieb gewonnenen persönlichen Status, aus der Angleichung industrieller oder arbeitsrechtlicher Standards. Auch hier wird die angestrebte Veränderung nicht direkt offenbar, obwohl der marktwirtschaftliche Nutzen des Vertragswerks nicht verschwiegen sondern öffentlich kommuniziert wird. Wie immer auch die Verhandlungen ausfallen und welche öffentlich diskutierten Teilbereiche auch daraus gestrichen werden, TTIP wird nur dann umsetzbar sein, wenn das Grundgesetz dazu angepasst wird, da die zentralen Punkte der TTIP-Verträge, verfassungsrechtlich geschützte Grundrechte, wie zum Beispiel des Recht auf Eigentum, die Pflicht auf Gemeinwohl von Eigentum oder auch das Streikrecht und andere betreffen. Im Ergebnis wird TTIP also zur einer Veränderung des Grundgesetzes nach wirtschaftlichen Maßgaben führen und somit die Wirtschaft als zentrales, verfassungsrechtliches Anliegen des Staatswesens implantieren. Es bedarf keines verfassungsrechtlichen Gutachtens um zu wissen, das Grundrechte nicht inhaltlich miteinander konkurieren dürfen und können. Somit kann eine Verfassungsänderung nicht als Ziel die Gleichstellung der Rechte des Menschen mit denen der Wirtschaft sein, sondern die höher Stellung der Rechte der Wirtschaft.Wer sollte sich die Mühe machen das Grundgesetz um Artikel zu erweitern oder zu verändern, wenn diese dann aufgrund der Konkurrenz zu Bürger- und Menschenrechten wirkungslos blieben. Hier ist Eile geboten aus Sicht der Regierung, da eine Änderung des Grundgesetzes einer 2/3 Mehrheit des Bundestages bedarf. Diese ist durch die GroKo noch drei Jahre gegeben. Eine real existierende Opposition nach der nächsten Bundestagswahl dürfte dieses Vorhaben gefährden.

Alles führt zu einer Frage. Wie ließe sich aufhalten, was nun droht? Bevor diese Frage beantwortet werden könnte müssten jene gefunden werden, die zu verantworten haben was bereits geschah und jene die genügend Einfluss haben zu verhindern, was zu geschehen droht. Entscheidend ist der Adressat, an den der Wunsch gerichtet sein muss, zu verhindern, was noch zu verhindern ist. Nicht den richtigen Adressaten zu finden, wird zwangsläufig zur Folge haben, nichts verhindern zu können und offenbart das eigentliche Problem.

Oberflächlich betrachtet scheinen es die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft zu sein, da sie die Dinge initiieren und vorantreiben. Wer aber glaubt, allein etwas verändern oder aufhalten zu können, in dem er sie kritisiert, ihre Gedankenmodelle widerlegt oder gegen sie opponiert, der irrt und wird sich bald in den Umständen wiederfinden, die er zu verhindern suchte. Die Spitzen aus Politik und Wirtschaft stehen offen zu ihren Vorhaben, sie halten die Entrechtung des Individuums zum Zwecke der Optimierung der Wirtschaft für erstrebenswert. Ihnen ist nicht vorzuwerfen Unrecht zu handeln, da sie das Recht auf ihrer Seite haben. Sie sind in der komfortablen Situation, das sie ihre Vorstellungen und Ziele zu Recht und Gesetz machen können. Sie sind die gesetzgebende Gewalt. Auch der, der glaubt geheime Kräfte und Verschwörungstheorien aufdecken und damit stoppen zu können, wird nichts wirklich aufhalten sondern nur in einem endlosen Kampf gegen imaginäre Windmühlen, sich selbst gefangen halten.

Die individuellen und freiheitlichen Rechte gehen nicht verloren, weil bestimmte Eliten sie zur Durchsetzung ihrer Ziele beschränkt sehen möchten. Dieser Wunsch ist innerhalb einer Demokratie wie jeder andere Gestaltungswunsch nicht nur legitim, sondern beweist geradezu demokratische Verhältnisse, in denen auch das falschste gefordert werden darf. Diese Rechte werden verloren gehen, weil ein anderes demokratisches Element fehlt, nämlich eine Kraft, die sie erhalten will. Schuld an der Entrechtung jedes Einzelnen, durch eine nun in ihrer Errichtung befindlichen, neuen markt- und wirtschaftskonformen Gesellschaftsordnung, tragen all jene, die nicht für die Erhaltung der individuellen Rechte streiten.

Es sind viele, die diese Schuld tragen werden. Da sind die, die aus Angst ihre persönliche Komfort-Zone zu gefährden, zu feige sind ihre Stimme zu erheben und die ihr sattes Leben zu faul gemacht hat, sich zu informieren um zu erkennen, was zu erkennen wäre, aber auch die, die dumm genug sind zu glauben, dass die Freiheit des Marktes ihre persönliche sei und letztlich jene, die dreist genug sind jede individuelle Freiheit ihrer persönlich Habsucht zu opfern. Mit ihnen rechnen die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft. Sie lassen sich mit kleinen prozentualen Vergünstigungen für jeden Verrat an der Demokratie kaufen. Sie sind die Denunzianten der Individualität, die Verräter der Demokratie und Totengräber der Freiheit. Doch sie sind auch die, die wie schon so oft in der Geschichte, im nachhinein nichts gewusst haben werden, nichts dafür konnten und in ihrer Selbstgerechtigkeit, immer die anderen für schuldig halten. Es ist der größte und widerwärtigste Teil der Gesellschaft, an dessen Händen das Blut der Kriege klebt, die sie nicht verhinderten, auf deren Schultern die Diktatoren und Despoten ihre Macht stützten und stützen, weil sie sie nicht abschüttelten und hinter deren Rücken nun heimlich die individuelle Freiheit demontiert wird, weil sie nicht bereit sind sich umzuschauen und hinzusehen.

Alle die eine freiheitliche Gesellschaft erhalten wollen, denen es daran liegt ihre persönlichen Rechte zu schützen und die eine Gesellschaft verhindern wollen, in der der Mensch zu einem zweitrangigen Objekt in einer höherrangigen Wirtschaftsordnung verkommt sind aufgerufen, sich dagegen zu erheben. Jeder in seinem Umfeld, nach seinen Möglichkeiten und mit seinen Mitteln. Jeder der sich einsetzt, trägt seinen persönlichen Anteil an der Wahrung seiner und der Freiheit aller, in einer Gesellschaft die dem Menschen dient. Jeder der das unterlässt, trägt seine persönliche Schuld an der Deklassierung des Menschen zu einem wirtschaftlichen Objekt, vor sich, der Geschichte und der gesamten Gesellschaft.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

 

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Ein Kommentar zu “Heimlich in eine neue Welt”

  1. Die Gesellschaft legt sich den Strick selber um den Hals und beschwert sich, lamentierend, dass ihr die Luft ausgeht! Da in 5000x Jahren in der Geschichte nichts dazu gelernt wurde, nämlich die Qualität vor der Quantität, rigoros, zu erkennen und zu trennen, ist, in der Konsequenz, die Quantität der Sieger!
    Mehr, Leute! Mehr!
    Der Mensch wird sich unter diesem Synonym der Fremdbestimmung nicht bewusst und in derer „bequemen“ Diktatur/Vorbestimmung verpackt, kommt das Fertiggericht!
    Die schlimmsten Erwartungen, die für einen Freigeist denkbar sind, wurden zu „business as usual“.
    Wenn man das Schuldgeldsystem nimmt, ein gigantischer Interessenskomplott, der 0,01%, gegen die anderen 99,99 %, ist die Verblüffung, schon, groß! Einmal die Dominanz des Handelsrecht, seid Jahrhunderten, erkannt, fehlen jedem wissenden Betrachter die Worte! Der Mensch wurde zur Person, zum Personal. Der Manipulation und der Unwahrheit ist keine Grenze mehr gesetzt! Die Verschuldung ist der Hebel. Unsere Freiheit verpfändet. Die „social media“, begeistert angenommen, macht uns alle Vasallen dieses etablierten Machtkonzeptes. Im geplanten Crash, werden wir Alle zu 100% enteignet, nicht nur unserer materiellen Güter, sondern auch aller unserer sonstigen Noch-Rechte.Die Machtclique dominiert eine Vielzahl geheimer Technologien, ziviler und militärischer Dimension, von der Überwachung gar nicht zu reden. Orwell ist, dagegen, ein Kinderspielplatz ! Überraschung !!!

    Nun, es ist vielleicht gemein die Wahrheit zu sagen, ohne vorher eine Dosis Valium angeboten zu haben!
    Wie kämen wir da raus!? Aus dieser beschissenen Lage!? Nun, NUR durch Demut, Selbsterkenntnis und dem „Trieb“ zur bedingungslosen, menschlichen Qualität. Es gibt diese Menschen! Diese müssen führen.Die anderen könnten folgen.Der zivile Ungehorsam steht uns, sogar, im Grundgesetz zu! In unserem GG ist sogar das Volk der Souverän! Schon mal ein Anfang! Die Direkte Demokratie, außerparlamentarisch umgesetzt, ist ein Weg das System mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Merke, wir, die Menschen, sind in der erdrückenden Überzahl! Wer mitmacht, der melde sich. Nur kritische, gähnende Leser interessieren nicht!

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