Davos und die Trutzburg des Kapitals


WEF-Stacheldraht
Kaum zwölftausend Einwohner leben in dem kleinen und beschaulichen Ort im Kanton Graubünden. Hier pflegt die Schweiz ihr Image, als führender Finanzplatz der Welt. Einmal im Jahr ruft das World Economic Forum, kurz WEF, die hohen Priester des Neoliberalismus zu einer der elitärsten aller Veranstaltungen, dem Welt Wirtschafts Forum in Davos.

Geld bedeutet Macht, ist das Credo der handverlesenen Teilnehmer und davon haben sie viel, sehr viel. Wer eingeladen wird gehört zum Kreis der globalen Entscheidungsträger und hat sich entweder durch ein imenses Vermögen, oder eine führende politische Stellung dazu qualifiziert. Die Macht wir eingeladen, nicht Sachverstand sondern ganz pragmatisch die Möglichkeit der tatsächlichen Einflussnahme auf das Weltgeschehen entscheidet, wer seine Ideen zur Gestaltung einer globalen Gesellschaft, den anderen Mächtigen unterbreiten darf.

Eintausend weltweit agierende Unternehmer haben sich im WEF organisiert und laden jährlich weitere eintausend Gäste ein. Nur eine persönliche Einladung gewährt die Teilnahme und wer sie erhält, wird Teil des Kreises, der tatsächlich über die Zukunft und die Geschicke der Menschheit entscheidet. Doch nicht jeder ist hier gleich. Auch unter den Teilnehmern gibt es eine strickte Hierachie, die bestimmend für die Rolle während der Teilnahme ist. In Einzelgesprächen und kleinen Foren werden Fragen einer globalen Politik und Wirtschaft diskutiert, deren Ergebnisse in Gentlemen-Agreements besiegelt und in größere Foren getragen werden, in denen die Umsetzbarkeit und öffentliche Darstellung erdacht werden.

Die so gefundenen Leitideen der Menschheit finden dann den Weg in das halboffene große Forum. Dort dürfen die eingeladenen und zuvor gebrieften Politiker, sich dazu positionieren. Den ebenfalls handverlesenen Pressevertretern, obliegt dann die Aufgabe, die frohe Botschaft in die Welt zu tragen. Kritische Töne seitens der Politik sind selten. Politiker wissen, das sie das Wohlwollen der artig ihnen Lauschenden brauchen. Im Gegensatz zu ihrem sonstigen Publikum, vor denen sie normalerweise folgenlos schwadronieren können. Es ist eine jährliche, wirtschaftliche und finanztechnische Güteprüfung, der sich hier die Spitzenpolitik unterziehen muss. Eine verweigerte Teilnahme oder allzu kritische Stellungnahme zu den globalen Leitideen der Wirtschaft, können sich schnell als Gefahr für die politische Karriere erweisen. Schon so manches politische Ideal ist an mangelnder Finanzierbarkeit, oder dem Widerstand der Wirtschaft gescheitert.

Natürlich hat das nichts mit Demokratie zu tun. Es herrscht der Geist der Finanzaristrokratie. Über die Geschicke der Gesellschaften und insbesondere über den zukünftigen Weg der gesamten Menschheit, so der Konsens, sollte nur bestimmen, wer sich dazu qualifiziert hat und das einzige Kriterium hierfür ist im Kapitalismus, nun mal Reichtum. Nur für die Durchführung und Umsetzung auf unterster Ebene, sind in dieser Ideologie, demokratische Hilfsmittel zulässig. Da ist es nicht verwunderlich, das sich das WEF nach der Manier absolutistischer Herrscher abschottet. Während des Weltwirtschaftsforums gleicht Davos einer militärischen Festung. Die Schweizer Regierung weiss, was sie ihrem Ruf schuldig ist. Soldaten werden in Batallionsstärken postiert, Sperrgebiete um den Tagungsort ausgerufen, Flugverbotszonen errichtet und mittels der schweizerischen Luftwaffe und Raketenabwehrsystemen überwacht. Die Finanz- und Wirtschaftselite sieht sich beständig bedroht, in ihrem, die Menschheit beglückendem Tun.

Sicherlich gehen vom WEF entscheidenen Impulse, für die Witschafts- und Finanzmärkte aus, aber es sind die Falschen. Es ist nicht notwendig jedes Positionspapier oder jede Wirtschaftsanalyse zu kennen, um zu verstehen, wie grundlegend fatalistisch das ist, was dort jedes Jahr erneut, auf den Weg gebracht wird. Die einzelnen Volkswirtschaften, damit ihre Gesellschaften und letztendlich die menschliche Zivilisation stehen vor einem ökonomischen und ökologischen Desaster. Das ist auch ein Ergebnis dessen, was in Davos Jahr für Jahr erdacht wird. Schon bald wird 1% der Menschheit mehr besitzen, als die restlichen 99%. Es ist offensichtlich, das eine solche Besitzverteilung, in einem auf Besitz basierendem Gesellschafts- und Wertesystem, kein Indiz für Gerechtigkeit ist. Es herrscht ein eklatanteres Missverhältnis der Verteilung von Besitztümern, als zu Zeiten des absolutistischen Sonnenkönigs, Ludwig IVX.

„… wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich,“ wusste schon Berthold Brecht zu postulieren. Es ist ein kapitalistischer Grundsatz, das der Reichtum Weniger, immer und ausnahmslos durch die Armut Vieler finanziert wird. Dieses wissend, lässt das Weltwirtschaftsforum, durch die Brille des gesunden Menschenverstandes, als eine kriminelle Organisation erscheinen.

Es ist wohl nicht zu erwarten, das die Denkfabrik des Geldes, das WEF, irgendwann zu dem Entschluss kommt, sich selbst abzuschaffen. Es ist auch nicht zu erwarten, das die Mitglieder des WEF in Zukunft die Einsicht gewinnen, ihren Reichtum für eine gerechtere Welt, nicht weiter vermehren zu wollen. Selbst die Einsicht nicht zur Beglückung der Menschheit beizutragen, dürfte in den Kreisen des WEF, als finanztheologische Blasphemie gesehen werden.

Aber es ist notwendig diesen Wahn von der Allmacht des Reichtums zu beenden. Nicht Neid ist das zwingende Argument dafür, es ist Notwehr. Wenn das nicht gelingt, wird der fatale Verteilungsschlüssel erhalten bleiben und sich mit neuen Inhalten füllen. 99% der Menschen werden Armut und Verteilungskriege erleben und 1% wird auch daran verdienen.

Ich verbleibe in diesem Sinne
Heinz Sauren

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4 Kommentare zu “Davos und die Trutzburg des Kapitals”

  1. Wenn Ihnen als Normalbuerger aus der Mittelschicht endlich die „Einsicht zur Notwehr“ mit einem so gewaltigen Crescendo auf Ihre eigenen Fuesse schmettert, dass Sie vor Schreck aus Ihrem deutschen Nickerchen und dem ergonomisch bequemen Fernsehsessel fallen, dann befinden Sie sich bereits ausweglos auf Ihren letzten wenigen Metern der frei gewaehlten Zielgeraden einer bestens vorbereiteten Schlachtbank, und der nette Metzker aus dem Fernsehen laechelt Sie hoeflich an und begleitet Sie freundlich zustimmend und mit vielen gleichen Versprechen vom letzten Jahr nur wenige Sekunden spaeter zu Ihrer letzten, selbst gewaehlten Illusion.

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