Lügenpresse


luegenpresse

Ein Wort mit Geschichte, das berühmt geworden ist. In aller Munde ist es seit die Teilnhmer der Pegida Demonstrationen, es regelmäßig skandieren. Der traditionelle Kampfbegriff nationaler Politik, ruft  eine ideologische Gegenreaktion der so gescholtenen Medien hervor, die ihre Berufsehre durch einen für sie unhaltsamen Vorwurf in den Dreck gezogen sehen.

Wer sich auf die Suche nach Beweisen macht, findet manches das die eine oder andere These untermauert, aber im Konsens nichts, was eine These alleinig berechtigen würde. Offensichtlich berichten die Medien nicht immer im Sinne einer objektiven Berichterstattung, zumeist durch gezieltes Weglassen von Fakten, Zusammenhängen und vereinzelt und temporär auch ganzer Themen. Ebenso offensichtlich ist die nicht zufällig erscheinende Einigkeit der Mediengruppen, in Bezug auf Themen aus dem politischen und wirtschaftlichen Hinterhof.

Das Sein bestimmt das Bewusstsein, wusste schon Karl Marx zu sagen, wenn Handlungen mit dem sozialen Umfeld zu begründen sind. Die Journalisten die deutschlandweit nahezu persönlich präsent, Tag für Tag in die Wohnzimmer kommen  und die großen Themen aus Politik, Wirtschaft und Society präsentieren, sind schon lange nicht mehr in den Hinterhöfen zu finden. Sie erleben eine andere Gesellschaft, eine die weniger aus Themen derer besteht die keine Nachrichten schreiben. Sie sehen die Gesellschaft strategisch, ebenso wie die deren Nähe sie permanent suchen, den Menschen die Politik machen, Wirtschaft betreiben und Gesellschaftsnachrichten bestimmen.

Keine politische oder wirtschaftliche Meldung findet den Weg in die Schlagzeilen, ohne in einer zu vorigen Redaktionskonferenz, auf ihre Wirkung für das eigene Image und Widerstandsfreiheit zur eigenen politischen Zielrichtung, ausgiebig geprüft worden zu sein. Widersprecher sind selten und inhaltlich kaum möglich, das schadet dem Markenimage und letztlich dem eigenen Aktienkurs. Das Markenimage ist der heilige Gral eines Medienhauses und Falschmeldungen sind weniger existenzgefährdent als Imageschädigungen durch Widersprüchlichkeit in der öffentlichen Wahrnehmung, durch politische oder soziale Richtungsänderungen, die Stammkunden kosten. Jedes Medienhaus hat sein Klientel und stimmt seine Meldungen auf dieses Gruppe ab, denn noch vor der Berichterstattung steht die wirtschaftliche Existenz.

Wird die Presse manipuliert. Ja, natürlich und in dem Maße, wie jedes andere Unternehmen sein Produkt so manipuliert, das es bestmöglich bei seiner Käuferschicht ankommt. Journalisten recherchieren durch die Brille ihrer sozialpolitischen Einstellung und berichten in dem Stil, den sie ihre „persönliche Schreibe“ nennen. Das wissen auch das Medienhaus und die Redakteure die sie einstellen. Kein Medienhaus wird einen Journalisten für sich arbeiten lassen, der nicht zur strategischen Ausrichtung des Mediums passt. Die Presse wird auch von außen manipuliert, insbesondere zur Einhaltung der strategischen Ausrichtung, mit der sich Unternehmen indentifizieren und ihr Werbung schalten. Auch die Politik manipuliert mit dem Versuch gefügig zu machen, indem sie Interviews und Informationen bevorzugt an die Medien vergibt, von denen wohlwollen zu erwarten ist. Letztendlich ist es der Bürger selbst, der einen Sender wählt, den Radiosender wechselt oder eine Zeitung kauft und somit manipulierend eingreift um zu bestimmen wohin die Reise geht. Niemand will eine objektive Presse. Am wenigsten die, die sie fordern.

Lügt die Presse? Ja natürlich, wenn mit Lüge eine sublektive und auf Profit gerichtete Themendarstellung gemeint ist. Aber das tat sie schon immer, es ist eine Art Geburtsfehler der Presse. Die Bild ist rechstpopulistisch, die FAZ linksliberal, die Welt rechtsliberal und das Neue Deutschalnd links. Es erbost die Menschen nicht, die Meldungen des persönlich favorisierten Mediums, sondern das ein anderes nicht auf der eigenen Linie liegendes, eine Meldung anders deutet. Details werden bewusst weggelassen, weil nach Meinung der Redakteure der knappe Platz, mit für das eigene Klientel interessanteren Informationen gefüllt werden sollte. Das kann aus anderen politischer Richtung unter Umständen, genau das maßgebliche Detail gewesen sein und wird als bewusst verheimlicht wahrgenommen.

Ist die Presse objektiv? Nein, aber das ist nichts dramatisches und keine Neuigkeit. Die Vorwürfe eine Lügenpresse zu sein, ist dennoch richtig und angemessen. Sie sollten der Presse eine Warnung sein, die sie von Zeit zu Zeit braucht, um den Pfad der Tugend zwischen Bericht und Verkauf wieder zu finden. Immer dann wenn sie die Hinterhöfe zu sehr vergessen hat, in denen ihre Nachricht zwar nicht geschrieben, aber gelesen werden. In den Hinterhöfen entstehen nicht die Fragen wie man Politik oder Wirtschaft macht, sondern wie man mit den Auswirkungen daraus lebt.

Die Presse weiß, eine Meldung ist nur dann gut, wenn sie auch jemanden findet der sie kauft. Wer sich umfassend informieren will und möglichst wenig Lücken in seinen Informationen haben möchte, muss das tun, was er auch schon tun musste, bevor die Presse eine Lügenpresse war. Viele Quellen aus den unterschiedlichsten strategischen Zielrichtungen, ergeben ein weniger einseitig gefärbtes Bild und relativieren die Macht der Lügenpresse, die leider dort am grössten ist, wo auch die Einseitigkeit am grössten ist.

Die bestechend einfache Zusammenfassung einer negativen Einstellung gegenüber einer manipulierenden Presse, findet sich in dem Begriff, der Lügenpresse. Dies erkannte schon Kaiser Wilhelm, die Kampfgruppen der Weimarer Republik und der ungeliebte Wegbereiter der politischen Propaganda, Hermann Goebbels. Doch dadurch wird der Begriff, nicht weniger zutreffend die Kritik beschreibend und ist auch nicht historisch vergiftet für alle Zeiten. Die Vergiftung fügen die hinzu, die sie aus eigenen Interessen, darin sehen möchten.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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Veröffentlicht von

Heinz Sauren

Sozialanthropologie und Gesellschaftskritik

3 Gedanken zu „Lügenpresse“

  1. Die Presse (4.Gewalt) birgt die Illusion der demokratischen Freiheit! Lügen oder Halbwahrheiten gehören auch zur Gesellschaft. Das Dilemma liegt woanders. In der Amoralität. Wie die Institutionen, aller Art, hat auch die Presse, aller Art, durch Größenwahn und Selbstüberschätzung den Bezug zum Bürger/Markt verloren.
    Das wesentlichste Element ist erstens, die Konkurrenz. (Internet) und erst zweitens, die Wahrheit.
    Weder die Regierungen, noch die Presse begreifen, dass sich der Bürger verändert, wie die Transparenz der politischen Machenschaften durchschaubarer wird. Sie alle glauben, dass der, der alles zahlt und unterhält und erleidet, nach Belieben, vernachlässigt (oder volkstümlich, beschissen) werden kann! Irrtum!
    Die Regierungen und Politik sind betrügerisch veranlagt und meinen, nach wie vor, Krieg und Mord gehört zum Tagesgeschäft! Die Presse sind nur Vasallen und das kann ihre linke Amoral nicht ab. Würde die MSM Presse für das Volk arbeiten, würde die Politik in die Schranken verwiesen.
    Brauchen wir alles, so, nicht! Direkte Demokratie. Politische Mitbestimmung, online. Jetzt oder nie !

  2. Ein Denkanstoß darüber, wie und warum überhaupt gerade das Wort Lügenpresse zum Unwort des Jahres 2014 gekürt wurde…

    Das interessante dabei, bzw. richtig suspekte ist, das der Begriff Lügenpresse der Jury zum Unwort des Jahres nur 7 mal vorgeschlagen wurde.

    Das sollte bei jedem klar denkenden Menschen die Frage aufwerfen, wie diese komische, unabhängige Jury überhaupt ihre Entscheidung trifft?

    Man kann es unter http://www.unwortdesjahres.net nachlesen. Es gab in Wahrheit nur 7 Vorschläge für das Wort Lügenpresse!

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