70 Jahre nach Kriegsende – wurde Deutschland befreit?


Kriegsende

70 Jahre sind vergangen, seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Ein historisches Ereignis das in diesen Tagen die Leitartikel der Republik prägt. Minutiös lässt sich nochmal verfolgen was damals geschah, als sich das Deutsche Reich auflöste und letztendlich kapitulierte.

Alle Fakten sind bekannt und auch der Tenor der Deutung der Geschehnisse ist unzweifelhaft. Ein verbrecherisches Regime zerbrach am Willen der freien Welt und das deutsche Volk wurde befreit. So sieht es heute die Mehrheit der Deutschen und so will es die Politik sehen.

Eine genauere Betrachtung der geschichtlichen Fakten offenbart jedoch, dass diese Deutung der Geschichte die Realität verzerrt. Aus heutiger Sicht ist das Kriegende ein Tag der Befreiung, weil die Befreier auch die Stifter des Wertesystems der Nachfolgestaaten BRD un DDR wurden. Damals jedoch gelang es nur wenigen, in der alliierten Invasion eine Befreiung zu erkennen. Deutschland wurde im Frühjahr 1945 okkupiert, allen Bewohner gleichsam und von einem auf den anderen Tag, die Bürger- und Menschenrechte entzogen und an demokratische Rechte für Deutsche war für Jahre nicht zu denken. Wer bis 1945 in Deutschland noch nicht hungerte, lernte es in den darauf folgenden Jahren. Millionen von Flüchtlingen irrten durch das Land, zumeist vertrieben und auf der Flucht vor den Befreiern. Noch bis Mitte der 1950er Jahre, war eine Mehrheit der Deutschen pro-nationalsozialistisch eingestellt und trauerte dem III. Reich nach. Wer schon den Anspruch der Ehrlichkeit für die Deutung der Geschehnisse 1945 für sich einnimmt, muss auch den Mut finden zu sagen. Das Kriegsende und die Kapitulation des Deutschen Reiches 1945, waren damals für die Deutschen keine Befreiung, die wenigsten fühlten sich befreit. Erst im Laufe der politischen Entwicklung der folgenden Jahrzehnte wurde es zu einer.

Alle Interpretationen historischer Ereignisse, sind von der politischen und sozialen Prägung des Interpreten abhängig und jene die heute die politische Lesart der Geschichte diktieren, sind sich vor allem in einem einig. Das Böse hatte sich personifiziert. Schon Hitler wählte die Formulierung gegen die Putschisten des Widerstands. Er sprach von einer ganz kleinen Clique, machthungriger und ehrverlassener Verräter am Volk. Er ahnte wohl damals nicht, das diese Umschreibung schon bald sein Regime definieren würde. So wird der Nationalsozialismus heute gesehen. Als ein Drama welches diesem Volk, beinahe ohne eigenes zutun widerfuhr, angestiftet von ein paar Demagogen, die alleinig die Schuld dafür tragen. Ausgeblendet wird der Fanatismus und die ehrliche Begeisterung die Hitler und seinen Idealen entgegen gebracht wurden. Vergessen die überall vorhandene Bereitschaft die Ideen des Nationalsozialismus leben zu wollen.

Zu Wegmarken der nationalsozialistischen Diktatur, gehören heute die sogenannte Machtergreifung Hitlers und die anschließenden Ermächtigungsgesetze, die ihn mit einer absoluten Machtfülle ausstatteten. Doch diese waren nicht diktatorisch sondern demokratisch legitimiert. Eine Mehrheit der Deutschen hatte seinen Führer frei gewählt und der Reichstag verabschiedete mehrheitlich die Ermächtigungsgesetze. Das geschah nicht gegen, sondern mit dem Willen des Volkes. Es ist ein Fehler diese Gefahren innerhalb einer Demokratie zu ignorieren und es ist ein Irrglaube, das eine Demokratie nicht durch und durch demokratisch, zu einer Diktatur werden kann.

Auch das was dem Untergang des Deutschen Reiches folgte, der eigentliche Akt der Befreiung, hat wenig mit dem heroischen Bild der heutigen Geschichtsschreibung zu tun. Deutschland hatte gemäß den Befehlen der alliierten Sieger, seine Vergangenheit zu verantworten. Doch es wurde nicht freigesprochen, wer keine Schuld trug. Im Gegenteil wurden Millionen von aktiv am Nationalsozialmus Beteiligte, sogar an Verbrechen Beteiligte mit Persilscheinen die Absolution erteilt, weil sie den neuen Machthabern und ihrer neuen Ideologie dienlich zu sein versprachen. Opfern hingegen wurde noch über Jahrzehnte die Rehabilitierung verweigert. Die offiziellen Aufarbeitung der Kriegsschuldfrage geriet dann in den Nürnberger Prozessen zu einem völkerrechtlichen Schmierentheater und hinterlässt bis heute den Beigeschmack der Siegerjustiz. Natürlich trugen die Angeklagten persönlich Schuld an vielen Verbrechen. Aber es gab auch damals schon Rechtsgrundsätze die in allen Ländern der Siegermächte als auch dem damaligen Völkerbund galten. Keine Strafe ohne Gesetz, ist ein solcher Rechtsgrundsatz und keiner der Angeklagten hatte ein Gesetz gebrochen. Was sie taten war zweifelsohne verbrecherisch, aber eben nicht ungesetzlich, da ihre Taten mit den deutschen Gesetzen im Einklang standen. Auch die Führung von Kriegen war und ist bis heute nicht verboten. Hier wurde die Befreiung zur Rechtsbeugung, gegenüber denen, denen es vorgeworfen wurde. Ebenfalls entgegen allen völkerrechtlichen Bestimmungen wurde Deutschland geteilt, in zwei konträre Ideologien und selbst nach der Wiedervereinigung und sieben Jahrzehnten nach Kriegsende, sind es immer noch die politischen Freunde und Verbündeten, die diesem Land einen Friedensvertrag verweigern. Auch das ist ein Erbe der Befreiung.

Es wird so getan als ob alles Leid und Unrecht welches in der Kapitulation ein Ende fand, das der Nazis und Nazi-Deutschlands gewesen sei. Diese Formulierungen nutzten die Siegermächte und wir übernahmen sie, um uns zumindest moralisch von den Geschehnissen zwischen 1933 und 1945 zu distanzieren. Doch es war Deutschland und es waren Deutsche und nur ganz wenige können für sich geltend machen, das sie keine Nazis waren.

Sieben Jahrzehnte nach Kriegsende sollte die Zeit nun reif sein, sich mit den Fakten zu beschäftigen. Deutschland wurde nicht befreit, es rief nicht um Hilfe. Es wurde geschlagen, besetzt und in die angelsächsische Interpretation der Demokratie gezwungen, gegen seinen Willen. Für die meisten Deutschen ist das heute ein Glück, aber kein Grund weiter die Geschichte zu verfälschen.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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3 Antworten auf “70 Jahre nach Kriegsende – wurde Deutschland befreit?”

  1. Zitat:
    Es wurde geschlagen, besetzt und in die angelsächsische Interpretation der Demokratie gezwungen, gegen seinen Willen. Für die meisten Deutschen ist das heute ein Glück,
    Ende

    Also ob die bis jetzt andauernde Besetzung (auf Kosten der Deutschen!) der alliierten Siegermächte, — insbesondere der Amerikaner — heute noch Glück für die meisten Deutschen bedeutet, wage ich inzwischen heftigst zu bezweifeln.
    Die offensichtlich fehlende Souveränität in der deutschen Politik kann auf Dauer kein Glück sein!

    Die BRD-Regierung gehorcht doch offensichtlich immer noch den Befehlen der Besatzer. Und diese Befehle sind neuerdings ganz offen offensichtlich schlecht für die Interessen Deutschland und nur gut für die der Amerikaner. Aktuelles Beispiel = Sanktionen gegen Russland!!

    Von deutschem Boden aus werden die Morde per Drohne ohne Gerichtsbeschluss auf Befehl Obamas organisiert und durchgeführt. Dies wird sich irgendwann vielleicht einmal fürchterlich rächen (an den Deutschen!)

  2. Zitat: Doch es war Deutschland und es waren Deutsche und nur ganz wenige können für sich geltend machen, das sie keine Nazis waren. Zitatende

    VETO!
    Da wage ich den Autor zu widersprechen!

    Eine funktionierende Demokratie setzt zwingend voraus das jeder Wähler ein aktiver, kritischer,vollumfänglich politisch gebildeter Bürger ist. Dies war aber nie, zu keiner Zeit und in keinem Land der Welt je der Fall!
    Von jenen Kräften, die nicht müde werden die Demokratie als Heilsbotschaft und alternativlose, allein glückselig machende Ordnung unters Volk zu bringen, auch nie beabsichtigt.
    Ganz im Gegenteil!
    Hitler wurde von interessierter Seite installiert und dazu die amorphe Masse „Wahlvolk“ durch entsprechende Mittel wahlwillig und gewogen gestimmt.
    Primär Schuldig sind die, welchen den Plan ausheckten und mit langen Atem in die Tat umsetzten.
    Es sind die gleichen Akteure wie heute,die im Hintergrund agierend, die Völker vorsätzlich manipulieren, für dumm verkaufen und bei Bedarf aufeinander hetzen.

    Zu beachten ist auch, dass es nach 1933 keine „demokratischen“ Wahlen mehr gegeben hat.
    Also auch keine Möglichkeiten Hitler legal wieder los zu werden, wenn dieser nicht überzeugende Leistungen gebracht hätte.
    Das er sie bringen konnte ist, nachgewiesenermaßen, von den gleichen angelsächsischen Kräften zu verantworten, die dann ab 33 unglaublich viel Geld und Rohstoffe ins Land pumpten.

    Das die Deutschen jener Tage von der Weimarer Demokratie am Ende nichts mehr hielten und sich abwendeten, war ihnen nicht zu verdenken.
    Wie konnten sie ahnen das hinter den grandiosen Fehlleistungen der Weimarer Republik genau jenen Kräften standen, denen sie es am wenigsten zugetraut haben.

    Nein, Hitler war kein Betriebsunfall politisch verirrter Deutscher, sondern ein planmäßig installierter Günstling angelsächsischer Großmachtsträume.
    Ohne deren Geld und Wohlwollen wäre Hitler genauso ein unbekannter politischer Möchtegern geblieben, wie es sie in jenen Tagen zuhauf gab und von den die Geschichte nie eine Notiz genommen hat.
    Dafür jetzt das ganze deutsche Volk in Sippenhaft zu nehmen, wie es der Autor suggeriert, ist wohlfeil und schlichtweg falsch!

    Zitat: Aus heutiger Sicht ist das Kriegende ein Tag der Befreiung, weil die Befreier auch die Stifter des Wertesystems der Nachfolgestaaten BRD und DDR wurden. Zitatende.

    Das neuen „Wertesystem“ könnte man seitenlang kritisch hinterfragen, z.B. worin denn nun der sagenhafte Mehrwert angelsächsischer Demokratie genau besteht. Keine Nation hat mehr gebombt als die selbsternannte „Mutter aller Demokratien“ nebst ihren europäischen Pudel.
    Nicht das der Untergang des NS-Staates etwas beklagenswertes für Deutschland und die Welt gewesen wäre, ganz im Gegenteil! Aber was danach gekommen ist, ist unbedingt zu hinterfragen, mehr denn je!
    Das Kriegsende war damals keine „Befreiung“ und ist es auch heute nicht! Warum?
    Die Alliierten haben mehrfach durch Wort und Tat explizit klar gemacht, das ihr Kriegsziel die bedingungslose Kapitulation Deutschlands ist und eben nicht die Befreiung vom Hitlerfaschismus!
    Das war und ist ihre Definition, so haben sie sich benommen und wir sollten das nie vergessen.
    Sie kamen als Besatzer und sind bis heute geblieben. Die UN-Feindstaatenklausel und der NSA Abhörskandal sind nur 2 von zahlosen Belegen dazu!

    Sehr geehrter Herr Sauren, weder waren die Mehrzahl der Deutschen in den 50zigern unverbesserliche Nazis, noch hatten sie anschließend plötzlich das Erweckungserlebnis der „Befreiung“ verspürt.
    Das es so gekommen ist, lag an der immer stärker werdenden Propaganda und der systematischen Umerziehung, z.B. im Rahmen des Reeducation Programms.
    Die Deutschen blieben in ihrer Mehrzahl politisch leider was sie waren, naiv, gutgläubig, unpolitisch und damit undemokratisch!
    Das ergibt sich schon daraus, weil das brainwashing der Kriegsgegner an so vielen Deutschen offensichtlich so erfolgreich war und ist.
    Wie das aber als Glück für die meisten Deutschen interpretiert werden kann,
    bleiben Sie als Autor dem Leser leider schuldig.
    Also geben auch Sie der Wahrheit die Ehre. Die Zeit ist tatsächlich reif!

  3. Es stimmt die Deutschen wurden im engeren Sinne nicht befreit.
    Deutschland aber sehr wohl. Nur dank des Alliierten Sieges wurde für Deutschland eine Zukunft ohne Diktatur möglich.
    Man könnte es so zusammenfassen: Deutschland wurde gegen den Willen der Deutschen befreit.
    Da die Mehrzahl der Deutschen die Demokratie ablehnten, wurden sie de facto zur Demokratie gezwungen (in der BRD). Anlass dafür war natürlich nicht die Güte der Amis, sondern eher die Tatsache, dass sie einen stabilen Verbündeten gegen die Russen brauchten. Deshalb hatten sie auch kein Problem Alt-Nazis in das neue System einbinden.
    Wenn man sich darüber nun aber beklagt, dass die Amis nicht zuließen, dass die Deutschen ihr neues Politisches System nicht selber wählen ließen, dann muss man bedenken, was aus Deutschland geworden wäre, wenn sie es nicht gemacht hätten. Ich bin mir sicher, niemand wöllte in diesem Deutschland leben. Und wenn man eine Staatsform erst einmal hat, ist es schwer sie wieder loszuwerden.

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