Ketten der Sicherheit


Potd 16.09.2012

Sicherheit ist Zeitgeist, zumindest wenn es nach dem Willen der Regierungen geht. Staaten wollen das Gefühl von Sicherheit generieren, als vermeintlicher Schutz vor Gefahren, die überall zu lauern scheinen.

Das Spiel mit dem menschlichen Grundbedürfnis nach Sicherheit, wird zu einem soziopolitischen Perpetuum Mobile, wenn staatliche Institutionen Ängste schüren, die ein allgemeines Unsicherheitsempfinden auslösen und gleichzeitig als Heilsbringer Sicherheit versprechen. Das Bild einer imaginären Komfortzone, gegenüber einer als bedrohlich empfundenen Umwelt wird geschaffen, in dem Sicherheit ausschließlich aus Gegenmaßnahmen zu einer Bedrohungslage bestehen. Die vermeintliche Bedrohung rückt dabei in den Hintergrund. Nicht ein etwaiges Bedrohungspotential beschreibt eine potentiellen Gefahr, sondern das Ausmaß der Sicherheitsmaßnahmen definiert die Gefährdung.

Ein verschlossenes Tor kann vor einem Eindringling schützen. Ein dreifach gesichertes und Kamera überwachtes Tor, suggeriert automatisch eine höhere Gefährdung durch Eindringlinge, ohne das diese durch die gesteigerten Sicherheitsmaßnahmen tatsächlich zunimmt. Allein der so geschaffene Eindruck, löst ein gesteigertes Bedrohungsempfinden aus und begründet die nächste Sicherheitsmaßnahme am Tor. Es entsteht eine Spirale aus stetig anwachsendem Bedrohungsempfinden und immer neuen Sicherheitsmaßnahmen, die sich völlig von der tatsächlichen Gefährdungslage entkoppeln.

Das Bedürfnis nach Sicherheit ist für jede, ein Volk verwaltende Regierung ein ordnungspolitisch entscheidener Faktor, da es jeden Einzelnen, als auch die Gesellschaft als Ganzes auf eine Gefahr fokussiert, die es erstrangig abzuwehren gilt und damit andere persönliche und politische Interessen bereitwillig zurück gestellt werden. Ein Effekt der sich bei der jährlich wiederkehrenden Grippewelle beobachten lässt. Je höher die Gefahr einer Ansteckung, medial kommuniziert, zu sein scheint, desto größer ist die Bereitschaft der Menschen ihre körperliche Unversehrtheit aufzugeben und sich fragwürdigen Impfungen zu unterziehen, um sich einer potentiellen, nicht akuten Gefahr der Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit durch eine tatsächliche Ansteckung zu schützen.

Jede Regierung steht vor dem Problem, wie sie das Volk dazu bekommt, das zu tun was sie für richtig hält und jeder Regierung stehen nur drei Mittel zur Verfügung. Durch Überzeugung, Zwang oder Angst. Überzeugung ist dabei das Mittel der geringsten Effizienz. Zu überzeugen ist langwierig, aufwendig und unsicher. Auch im Zwang liegen Gefahren für eine Regierung, da jede Form von Druck automatisch Gegendruck hervorruft, der wie die Geschichte gezeigt hat, auf Dauer nicht zu kontrollieren ist. Angst ist aus Sicht von Regierungen das effektivste Mittel. Wohl dosiert und zielführend eingesetzt, fördert sie nicht nur die Bereitschaft jedes Einzelnen sich selbst im Sinne der Gefahrenabwehr zu kontrollieren, sondern führt auch zu einer gesamtgesellschaftlichen Kontrolle jedes Einzelnen, der das gesellschaftliche Kollektiv in Gefahr bringt, weil er durch eine nicht als ausreichend empfundene Sensibilität gegenüber der Gefahr, als Schwachstelle in der Abwehrphalanx, selbst zur Gefahr wird. Angst schafft eine sich selbst kontrollierende Gesellschaft, im Sinne derer die diese Angst schüren, ohne selbst Angst machen zu müssen, da es ausreicht die Sicherheit erhöhen. Ein politisches Ansinnen das zweckdienlich für die Interessen einer Regierung und frei von negativer Bewertung, einsetzbar ist.

Der Motor der Sicherheit ist Angst und ihr Instrument ist die Kontrolle. Höchst mögliche Sicherheit wird durch höchst mögliche Kontrolle suggeriert. Dieser Gedanke ist im Grunde nicht falsch, jedoch zumeist unverhältnismäßig in der Umsetzung. Die Gefahr aus einer Situation ist nicht qualitativ davon abhängig, wie sehr die Situation oder die begleitenden Umstände und Beteiligten kontrolliert werden, sondern abhängig von dem Gefahrenpotential das in der Situation begründet ist. Eine Gefahr wird nicht größer oder kleiner, in dem sie mehr oder weniger kontrolliert wird. Ein wirkungsvolles Entgegentreten gegenüber von Gefahren besteht nicht darin, die Wirkungen aus ihr zu kontrollieren, sondern die Ursachen des Gefahrenpotientals zu verändern. Die Regierungen erklären Ihren Völkern das unter ihnen eine Bombe versteckt sei, daher müsse ihnen zu ihrem Schutz verboten werden, dieses oder jenes zu tun, als auch ihr tun generell überwacht werden. Die Gefahr geht jedoch nicht vom so reglementierten Volk aus, sondern von der Bombe und der einzig wirkungsvolle Schutz wäre diese zu entschärfen. Reglementierungen des Volkes bringen keinen tatsächlichen Sicherheitszuwachs. Auffallend ist das alle Regierungen, die sich den USA nach 9/11 dem massenphobischen Kontrollzwang angeschlossen haben, kein Interesse daran zu haben scheinen die vermeintliche Bombe zu entschärfen, sondern weltweit dazu animieren noch mehr Bomben zu bauen.

Das pushen von Gefährdungslagen unabhängig ihres tatsächlichen Gefährdungspotentials ist zum Leitfaden der Sicherheitspolitik geworden die im Grunde nichts weiter als eine bewusst falsch deklarierte Kontrollpolitik ist. Offensichtlich ist auch, dass keine Regierung die neu gewonnene Macht der Kontrolle einschränken oder aufgeben möchte. Nicht erst seit den Offenbarungen des Edward Snowden, die bisher nicht ein einziges Mal unzutreffend waren, ist jede Regierung bereit nahezu jedes Gesetz und jede Verfassung zu brechen oder zu lügen um dieses hocheffiziente Mittel der Machtausübung zu erhalten. Auch die Bundesregierung log und beging Landesverrat, wie sich in der aktuellen BND/NSA Affäre heraus stellte. Die Einschränkung der gesetz- und verfassungsmäßigen Rechte der Bürger in nur wenigen Jahren, hat Quantitativ nur ein historische Vorbild, das III.te Reich nach 1933.

Die größte Lüge, die dabei von allen Regierungen vollmundig genutzt wird ist, es gäbe Sicherheit, man müsse sie nur erreichen. Diese Behauptung impliziert die unwahre Aussage, es wäre nur eine Frage der Kraftanstrengungen die unternommen werden müssten, um Sicherheit zu erreichen. Eine gefährliche Illusion. Es wird niemals Sicherheit geben, sie wird nicht einmal erhöht. Einzig die Kraftanstrengungen erhöhen sich und diese sind immer die Beschneidung der Rechte der Menschen.

Die Gesellschaft steht vor der Frage, Sicherheit oder Freiheit. Es ist eine Frage die innerhalb der Gesellschaft entschieden werden muss, da die Regierung ihre Entscheidung bereits gegen die Freiheit getroffen hat. Nicht nur sicherheitspolitisch, sondern schon im Grunde ihrer Definition schließen sich Sicherheit und Freiheit gegeneinander aus. Beides sind menschliche Bedürfnisse und gesellschaftliche Triebfedern, doch nicht im Konsens miteinander, wie die Politik es glauben machen möchte. Freiheit ist das grundlegende Bedürfnis und der natürlich angestrebte Zustand, in dem Sicherheit nur temporär eng begrenzt und nur in Bezug auf eine akute Gefährdung, eine bestimmende Wirkung hat. Andauernde Sicherheit ist eine chronische Erkrankung der Freiheit, die sowohl eine gesellschaftliche als auch die persönliche Entwicklung des Menschen, durch die Errichtung eines fortdauernden Status Quo hemmt.

Menschliche als auch gesellschaftliche Entwicklungen waren immer ein Produkt des Wagens, des Schrittes aus der Sicherheit heraus. Freiheit ist der Antrieb der Entwicklung. Wäre der Mensch in seiner Entwicklung den Idealen der Sicherheit, wie sie von den aktuellen Regierungen vertreten werden gefolgt, hätte er niemals die Demokratie errungen und wahrscheinlich noch nicht einmal das Feuer für sich nutzbar machen können. Er konnte es nur weil er die Ketten der Sicherheit sprengte, die die Freiheit binden.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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2 Antworten auf “Ketten der Sicherheit”

  1. Für viele Bürger ist kaum so vorstellbar, dass die Diktatur in voller Umsetzung ist, seit Jahrzehnten, wo der Verfassungsbruch die Freiheit aushebelt zu Nutzen elitärer Interessen. Die Gewalt, die bereits im Zuge dieser Maßnahmen wirkt, wird noch „verniedlicht“, aber wenn der Kreis geschlossen ist, der „Sack“ zugemacht wird, werden es auch die Ignorantesten begreifen: George Orwell ist ein Kindergarten Event gegen das, was wirklich läuft.
    Der Vertrauensbruch und Verrat ist weltweit angelegt und nimmt seinen Ausgang in der Macht der Konzerne, Finanzindustrie und, kurz, dem FIAT Schuldgeldsystem. „Sodom und Gomorra“ zu zitieren ist keine Floskel oder Übertreibung, da wir Alle indirekt oder direkt beteiligt sind.
    Wir wählen unsere Henker und frönen der Zinsschulden, die uns zu Sklaven machen. Die, unglaublich, verfehlt hohen Einkommen der Eliten und Politschausteller, CEO’s, Moderatoren und Lobbyisten sind Ausdruck obiger Tatsachen und kein Gehalt, sondern Schweigegelder! Das kriminelle Element der Insolvenzverschleppung wird uns teuer zu stehen kommen!
    Freiheit ist Bewusstsein und Kenntnis! 99,9% gegen 0,1%. Das KANN es nicht sein!
    Die vom Bürger, noch, finanzierten 0,1% halten Informationen zurück, in allen Bereichen, welches den Kern der wahren und ungeheuerlichen Unmenschlichkeit ausmacht.

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