Der anachronistische Gesellschaftsvertrag

Wie gerecht ist eine Gesellschaft, wenn sie es nicht vermag sich vor der eigenen Regierung zu schützen? Wie frei kann eine Gesellschaft überhaupt sein, wenn über kein Instrument verfügt, sich ihrer Regierung zu entledigen?

Eine Gesellschaft ist das, unter einem Kultur- oder Staatszweck lebende Volk. Sie wird geeint durch einen Gesellschaftsvertrag, der einen Konsens in Bezug auf die Durchführung und Zielsetzung des gesellschaftlichen Kollektivs beschreibt. Innerhalb einer staatlich definierten Gesellschaft, ist das die Verfassung.

Im Gegensatz zu allen anderen juristischen Normen, die sich im Grunde auf die Sanktionierung von Verstößen, gegen die Verwaltung und Durchführung einer Gesellschaft richten, ist die Verfassung zumindest ihrem Sinn nach, ein direkt vom Volk bestimmtes Regelwerk, dass das Verhältnis des Volkes zu seiner staatlichen Verwaltung bestimmt und die Grenzen staatlichen Handelns definiert. Die Verfassung ist ein Gesellschaftsvertrag, an den die staatliche Verwaltung zwingend gebunden ist und dessen Veränderung einzig dem Volk zusteht.

In Deutschland ist das Grundgesetz, der als vorläufig bestimmte Gesellschaftsvertrag. Das Grundgesetz hat Verfassungsrang, wurde aber terminiert, da seine Entstehung und Proklamation unter Ausschluss eines legitimen Verfassungsgebers stattfand. Nicht das deutsche Volk hat die Regeln dieser vorläufigen Verfassung diktiert, sondern die Siegermächte des zweiten Weltkriegs nach Maßgabe dessen, was sie aus eigenen nationalen Interessen, diesem Volk nach dem verlorenen  Krieg noch zugestehen wollten und wodurch sie die zukünftige Rolle der Deutschen, in dem sich anbahnenden kalten Krieg gesichert sehen wollten.

Die Teilung Deutschlands war das Symbol der ideologischen Teilung der Welt und der Wille der das Grundgesetz diktierenden Siegermächte war, den Deutschen erst mit ihrer Wiedervereinigung, nach der Überwindung der ideologischen Teilung der Welt, das Recht aber auch dann die Pflicht zu übergeben, sich selbst zu definieren und einen eigenen Platz in der Weltgemeinschaft zu finden, indem sie sich eine völkerrechtlich legitimierte Verfassung geben. Dieser im Grundgesetz festgeschriebene Zeitpunkt des Auftrags, sich eine Verfassung zu geben, trat 1990 ein. Die Bundesregierung verweigerte den Auftrag zu dem sie das Grundgesetz verpflichtete und beging damit einen folgenschweren Verfassungsbruch, für den sie sich vor der Geschichte verantworten muss.

Mit dem Rechtsbruch, dem deutschen Volk eine Verfassung zu verweigern, war ein Tabu gebrochen und alle folgenden Bundesregierungen zeichneten sich durch die fragwürdige Freiheit aus, sich das Recht zu nehmen die Verfassung interpretieren und gemäß ihren parteipolitischen Zielen deuten zu dürfen. Der Auftrag der Verfassung wurde so, neu definiert. Das Grundgesetz soll nun nicht mehr staatliches Handeln gegenüber dem Volk einschränken und die Rechte des Volkes gegenüber dem Staat definieren. Die neue Aufgabe der immer noch vorläufigen Verfassung Deutschlands, ist Dogmatisierung der Staatsziele die jede Regierung, nahezu beliebig in das Grundgesetz hinein definiert. Begründet wird das mit der Aussage, die Welt und damit die Anforderungen an staatliche Verwaltung würden sich ändern. Eine Aussage die impliziert, eine Verfassung könne durch eine Regierung etwaigen Anforderungen angepasst werden. Es ist jedoch einer der Grundsätze einer Verfassung, das genau das nicht durch eine Regierung, sondern nur und ausschließlich durch den Souverän, das Volk geschehen kann. Entgegen dem Sinn und dem Auftrag einer Verfassung sind deutsche Regierungen seit 1990 dazu übergegangen, die Deutungshoheit über das Grundgesetz zu beanspruchen und schließen den einzig legitimen Verfassunggeber kategorisch aus, in dem sie jede direkte Mitsprache oder verfassungsgebende Forderung des Volkes verweigert. In welchem Ausmaß die Bundesregierung die Verfassung, nicht als ein sie reglementierendes Regelwerk, sondern als Durchführungsverordnung ohne rechtliche Bindung für sich ansieht, zeigt sie aktuell zur Thematik der Vorratsdatenspeicherung und den Versuchen die freie Meinungsäußerung gesetzlich zu reglementieren. Sie beschließt diese und ignoriert nicht nur die im Grundgesetz explizit geschützten Rechte des Volkes, sondern auch die höchst richterlichen Urteile des Bundesverfassungsgericht, wonach ein solches Vorgehen verfassungswidrig ist. Die Verfassung, das Grundgesetz ist heute in Deutschland keine Rechtsnorm mehr, von der sich eine Bundesregierung in ihren Vorhaben ausbremsen ließe.

Ziel der Handlungen der Bundesregierungen war und ist es ein homogenes Staatsvolk zu schaffen, welches möglichst wenig Sand ins Getriebe der politischen Ziele wirft. Eines dieser Ziele ist die marktkonforme Gesellschaft, der sich die Bundeskanzlerin verschrieben hat. Ein Ziel welches rechtlich nichts weiter als ein politisches Parteiprogramm ist, das es weder in der Verfassung definiert noch mit den Zielen der Verfassung, nach einer freiheitlichen Gesellschaft zu vereinbaren ist, da die maßgeblich bestimmenden Interessen vom Volk auf die Wirtschaft übertragen werden. Allein dieses Ziel zu verfolgen stellt bereits einen Verfassungsbruch derer dar, die geschworen haben die Verfassung zu schützen.

Zweifelsohne braucht dieses Land dringend eine neue Verfassung. Nicht nur weil die Pflicht und die Frist dazu bereits versäumt wurde, sondern auch weil die Handlungen der Regierung, als auch der Wille des Volkes nicht mehr durch die Verfassung wieder gespiegelt werden. Obwohl sich die Regierung, offensichtlich durch ihre Handlungen, selbst eine andere Verfassung wünscht, schreckt sie vor dem längst überfälligen Schritt einer neuen Verfassungsgebung zurück. Sie möchte den Zeitpunkt abwarten, ihre Ziele einer marktkonformen Gesellschaft erreicht zu haben, in der Hoffnung einen Status Quo zu schaffen, der sich dann in einer neuen Verfassung wiederfindet. Noch scheint ihr, der Souverän zu wankelmütig und ihre Ziele gefährdet. Diese Vorgehensweise setzt voraus, das der Glaube vorherrscht, eine homogene, in ihren Zielen gleich geschaltete Gesellschaft sei ein realistisch zu erreichender Zustand. Entlarvend ist, das eine solche Annahme schon das maßgebliche Grundgerüst jeder diktatorischen Ideologie war.

Eine Gesellschaft kann nicht homogen sein, oder einer gleichschaltenden Ideologie folgen. Sie wäre ein Durchführungskollektiv, gleich einer politischen Partei oder einer befehlsausübenden Armee. Das was eine Gesellschaft ausmacht, ist das genau solche Bestrebungen in ihr Opposition auslösen und sozialpolitische Gegenbewegungen freisetzen. Letztlich sind es die kritischen und das Kollektiv bedrohenden Kräfte am Rande einer Gesellschaft, die sie überhaupt als solche erhalten. Einzig sie erhalten die Freiheit und gewähren, das politische Zielsetzungen von Regierungen nicht kritiklos umgesetzt werden und eine homogene Masse Willenloser umsetzt, was immer eine Regierung verlangt. Wer der deutschen Gesellschaft heute noch eine gewisse Freiheit zusprechen kann, hat das nicht denen zu verdanken, die der Politik der Regierenden folgten, sondern denen die mit aller Kraft versuchten, die Regierenden zu stoppen. Regierungen reagieren nicht auf ihre Anhänger, derer sind sie sich sicher, sie reagieren auf Druck aus der Gesellschaft.

Eine funktionierende Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, das sie die Kraft findet sich eine Verfassung zu geben, mit der sie das Handeln und die Grenzen ihrer Verwaltung, der Politik frei bestimmt. Eine unfreie Gesellschaft ist daran zu erkennen, wie sehr sie dem Diktat einer Regierung unterliegt und wie schwach der sie schützende Gesellschaftsvertrag, die Verfassung ist.

Dieses Volk musste Regierungen ertragen, die es nicht verdient hatte, weil im eine eigene Verfassung verwährt wurde. Heute steht es den schwerwiegendsten Entrechtungsversuchen, seit Ende der nationalsozialistischen Diktatur gegenüber. Es hat sich das Recht und die Pflicht erworben, sich eine Verfassung und damit die grundsätzlichen Fragen seiner Zukunft selbst zu bestimmen und jeder, der es unternimmt die Deutschen weiterhin daran zu hindern, führt sie in die Tyrannei politischer Ideologien, die immer eines nach sich ziehen werden, die weitere Entrechtung und damit Unterdrückung einer freien Gesellschaft.

Deutschland braucht einen neuen Gesellschaftsvertrag, der die Unterschiedlichkeit innerhalb seiner Gesellschaft schützt und die Regierung auf das reduziert, was sie sein sollte. Ein weisungsgebundener Diener seines Souveräns. Wer aber meint, das ein Volk darüber nicht entscheiden sollte, wie auch die Bundesregierung es sieht, weil es nicht die bestmögliche Entscheidung treffen würde, der muss sich vorhalten lassen, das er das Wesen einer Demokratie nicht verstanden hat, oder ehrlich genug sein und eingestehen, das er im Grunde keine Demokratie will.

Demokratie ist nicht die Staatsform der vernünftigsten Entscheidungen, sondern die der mehrheitlichen Entscheidungen, mit dem Recht falsche Entscheidungen zu treffen.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

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Der Vier-Welten-Kreis des Parametären Realismus

Der Entwurf einer Erkenntnistheorie der Philosophie, auf der Basis des Vier-Welten-Kreismodell, als freigeistige Lebensphilosophie.

Der Parametäre Realismus, ist die Begründung einer Erkenntnistheorie der Philosophie als Grundlage einer freigeistigen Lebensphilosophie und der Versuch eine Brücke zwischen der philosophischen Abstraktheit einer Erkenntnistheorie und den pragmatischen Anwendungsmöglichkeiten einer Lebensphilosophie zu bauen. Daher steht diesem Versuch der Gedanke vor, die Formalien und die Sprache der wissenschaftlichen Philosophie, aber auch moralische und erkenntnistheoretische Dogmen weitest gehend zu vermeiden, um die Einfachheit und universeller Anwendbarkeit auf die grundsätzlichen Fragestellungen des Lebens, im Sinne einer freigeistigen Lebensphilosophie zu gewährleisten.

Der Parametäre Realismus wurde von mir im Juni 2009, als Erkenntnistheorie der Philosophie veröffentlicht. Der philosophische Ausgangspunkt war Sir Carl Popper´s, Kritischer Rationalismus, der wohl bedeutendsten philosophischen Theorie des 20.ten Jahrhunderts. Der kritische Rationalismus vermochte jedoch nur unzureichend das Phänomen der Transzendenzen zu erklären und lieferte auch in der Determinismus – Indeterminismus Fragestellung, keine ausreichend zutreffende Erklärungsmodelle. Obwohl Popper stets versuchte die Einfachheit des kritischen Rationalismus hervor zu heben, gelang es seiner Theorie nicht, sich als Lebensphilosophie zu etablieren. Der wissenschaftliche Anspruch des kritischen Rationalismus stand im Widerspruch zur universellen Anwendbarkeit einer Lebensphilosophie. Somit führte der Versuch den kritischen Rationalismus, dem Anspruch einer Lebensphilosophie anzupassen, zur Neubearbeitung der Theorie und letztendlich zu einer eigenständigen philosophischen Theorie, die ihre Wurzeln im kritischen Rationalismus fand und von den wissenschaftsphilosophischen Vorgaben einer Erkenntnistheorie gelöst ist.

Die Veröffentlichung des parametärern Realismus, führte in der philosophischen Fachwelt zu Kritik, die sich jedoch vornehmlich auf die formelle Fragestellung richtet, ob der Parametäre Realismus eine Erkenntnistheorie oder eine Lebensphilosophie im Sinne der philosophischen Begriffsbestimmung sei. Inhaltlich wurde die Theorie des parametären Realismus nicht widerlegt.

Ich stelle daher frei, die Theorie des parametären Realismus als Lebensphilosophie zu betrachten, oder sie gemäß den formalen Gesetzmäßigkeiten der etablierten Philosophie, als Erkenntnistheorie der Philosophie anzusehen.

Eine philosophische Erkenntnistheorie beschreibt, nach welchen Gesetzmäßigkeiten menschliche Erkenntnis erfolgt und bestimmt dadurch was mit menschlicher Erkenntnis erfassbar ist. Eine Lebensphilosophie soll die individuellen Fragen des Lebens beantworten helfen. Die erkenntnistheoretische Fragestellung, was überhaupt für den Menschen erkennbar sein kann, hat in der Lebensphilosophie eine untergeordnete Bedeutung, da für die Lebensgestaltung nicht eine hypothetische Möglichkeit bestimmend ist, sondern die Benennung des Sinnvollen, in Bezug auf das tatsächlich machbare entscheidend ist. Durch die unüberschaubare und unbegrenzte Anzahl hypothetisch möglicher Wege und Antworten zu einer Fragestellung, ist für eine Lebensphilosophie die Negativabgrenzung entscheidend. Die sinnvolle Beantwortung einer Fragestellung wird nicht von objektiv richtigen Antworten geprägt, sondern von der Vermeidung offensichtlich falscher Antworten. Eine Erkenntnistheorie beschäftigt sich mit der Unbegrenztheit aller theoretisch möglichen Antworten, während sich eine Lebensphilosophie auf die Vermeidung, der für unsere Lebensführung falschen Antworten richtet. Beide schließen sich nicht gegeneinander aus, sondern bedingen einander, einzig die Gewichtung ist eine andere.

Leitsätze des Parametären Realismus als Erkenntnistheorie

– Es gibt drei Ebenen der menschlichen Erkenntnis:

Wahrheit, Realität und Vorstellung.

– Die menschliche Erkenntnis folgt drei Grundlagen.

  1. Wahrheit ist absolut und als solche mit menschlicher Erkenntnis nicht erfassbar.
  2. Realitäten sind mit menschlicher Erkenntnis erfassbare Anteile von Wahrheiten.
  3. Vorstellungen sind individuelle Beiordnungen zu Realitäten.

Leitsatz des Parametären Realismus als Lebensphilosophie

Menschliche Erkenntnis beschreibt immer Vorstellung, selten Realität und niemals Wahrheit.

  1. Unwahrheiten führen zu Wahrheiten, offenbaren diese aber nicht.
  2. Jede Erkenntnis ist individuell und nicht übertragbar.
  3. Nichts ist das, was es zu sein scheint.

Definition des Parametären Realismus

„Alles Sein ist Wahrheit und Individuell. Wahrheit ist indeterministisch und absolut. Sie umfasst alles Seiende und ist mittels menschlicher Parameter, aufgrund derer Begrenztheit nicht erfassbar.

Realitäten sind mittels menschlicher Parameter erfassbare, deterministische Anteile von Wahrheiten. Definitionen und Regelwerke beziehen sich auf Realitäten und beschreiben ausschließlich den deterministischen Anteil von Wahrheiten.

Vorstellungen sind idealistische, ethische, ästhetische und emotionale Beiordnungen zu Realitäten. Erkenntnis ist das Erfassen von Teilauszügen der Wahrheiten, die auch vor aller Erkenntnis und unabhängig von ihr vorhanden sind.

Erkenntnis ist Ausdruck der Individualität und evolutionärer Auftrag an das menschliche Sein. Ontologische, allgemeingültige und verifizierende Aussagen sind aufgrund beständig wirkender, nicht erfassbarer absoluter Wahrheiten, nicht möglich.“

Beschreibung des Parametären Realismus und des Vier-Welten-Kreis Modell

Die Definition des Parametären Realismus, setzt einige als selbstverständlich angenommene Annahmen außer Kraft und ersetzt diese durch solche, die eine unverfälschtere Sicht auf die Dinge ermöglichen. Der Parametäre Realismus setzt sich aus den Begriffen, Parametär und Realismus zusammen, wobei Parametär die Bestimmung ist, dass menschliche Erkenntnis, abhängig von den Parametern der Sinneswahrnehmung ist und Realismus als die Lehre der Ansicht, nach der es Wahrheiten, unabhängig der menschlichen Wahrnehmung gibt, die als tatsächlich existierend zu anzunehmen sind.

Eine Grundlage menschlicher Erkenntnis ist sein bestimmenster Antrieb, das streben nach Wissen. Wissen welches die Welt und ihre Zusammenhänge erklärt und damit das Leben vereinfacht. Erkenntnis, das Wollen zum Wissen ist auf Wahrheit gerichtet ohne sie jedoch erreichen zu können. Die menschliche Unfähigkeit Wahrheiten zu erkennen, ist in der sensorischen und kognitiven Begrenztheit der menschlichen Möglichkeiten begründet.

Wahrheiten, sind unabhängig und vorab menschlicher Wahrnehmung existierend und als solche absolut. Wahrheit umfasst die Menge aller tatsächlichen und möglichen Entitäten, also alles Seiende, seine Zustände, Umstände und Wirkungen. Sie beinhaltet den erfassbaren deterministischen Anteil, als Materie, Energie, sowie biologischer Strukturen und Aktionen aller lebenden Wesen und Artefakten als materielle Substrate menschlicher Kreativität, aber auch einen nicht erfassbaren indeterministischen Anteil. Wahrheit ist absolut, sie ist, oder sie ist nicht, unabhängig dessen ob menschliches Wissen zu ihr besteht oder nicht.

Wahrheit ist jetzt, sie war nicht gestern und wird morgen nicht sein. Diese absolute Bedingung der Gegenwart im Zeit-Wahrheit Verhältnis beruht auf der Erkenntnis, das Zeit und damit Vergangenheit und Zukunft ein Produkt der Vorstellung ist. Es ist eine unrichtige Ansicht, dass es Wahrheiten gegeben hat und zukünftig Wahrheiten geben wird. Alles was nach menschlicher Vorstellung in der Vergangenheit liegt, war als es geschah Gegenwart, sowie auch die Erinnerung die wir an die Vergangenheit haben, in der Gegenwart geschieht. Das gleiche gilt für die Zukunft. Alles was in der Zukunft geschehen wird, wird Gegenwart sein, wenn es geschieht, sowie alle Gedanken und Vorstellungen die wir zur Zukunft haben, im jetzt, also der Gegenwart geschehen.

Wahrheit ist das tatsächliche Sein der Dinge im jetzt, sie ist unteilbar, nicht erfassbar und indeterministisch.

Indeterminismus bedeutet das eine Entität, also eine Wahrheit in ihren Sach-, Zu-, oder Umständen selber, als Begründung ihrer Interaktion oder ihrer Wirkung nicht ausschließlich kausalen Gesetzmäßigkeiten folgen muss, sondern diese auch ganz oder teilweise nicht kausal oder rein zufällig sein können. Die Annahme das Ursache und Wirkung, als Kausalität zwingend ist, trifft im Indeterminismus nicht zu, ohne das dies bedeuten würde, das eine Nichtkausalität oder Zufälligkeit, vorliegen muss, aber sie kann vorliegen und dann in einem unbekannten Anteil. Daher ist mangels Überprüfbarkeit und der gebotenen Wahrscheinlichkeit, bei allen Entitäten voraus zu setzen, dass sie indeterministisch sind. Aufgrund der deterministischen Parameter der menschlichen Wahrnehmung ist die menschliche Erkenntnis auf den deterministischen Teil der Wahrheiten begrenzt. Die parametären Einschränkungen des sensorischen Erfassens, als auch die Grenzen der kognitiven Möglichkeiten führen dazu, dass die von Menschen wahrgenommene Welt immer nur den kausal begründbaren, den deterministischen Teil einer absoluten Welt wieder gibt. Menschliche Wahrheiten sind Teilwahrheiten die dennoch nicht Wahrheit sein können, da sie um dieses zu sein, nicht nur einen Teil sondern alles sie begründende und umfassende einschließen müssten.

Alles Seiende ist in seinem Grunde und im Ganzen indeterministisch, während menschliche Erkenntnis, sich auf den deterministischen Anteil des Seienden, dem kausal begründbaren begrenzt, die Realitäten.

Wie umfassend die erkennbare Realität als erfassbarer Anteil der Wahrheit ist, ist abhängig von der Größe des indeterministischen Anteils und nur annähernd zu bestimmen. Angenommen werden kann diesbezüglich, dass im gesamten Universum ähnliche Grundvorgaben gegeben zu sein scheinen. Nach aktueller Erkenntnislage der Wissenschaft beträgt der indeterministische Anteil des Universums circa siebzig Prozent. Der größte Teil des Universums scheint weder kausal begründbar zu sein, folgt nicht naturgesetzlichen Zwängen und ist weder messbar noch erfassbar. Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen dunkle Materie und Energie und es ist davon auszugehen, dass dieser Anteil auf unserem Planeten, als Teil dieses Universums, nicht wesentlich anders ist. Somit sind siebzig Prozent dessen, was eine Wahrheit ausmacht, außerhalb menschlicher Erkenntnismöglichkeiten.

Somit ist anzunehmen, dass alles Wahrgenommene, im größten Teil seines Seins und seiner Wirkung nicht kausalen Zwängen folgt, oder das Produkt des reinen Zufalls sein kann und sobald wir damit für uns erkennbar in Berührung kommen, wir nur den erfassbaren, kausal begründbaren Teil erfahren. Der indeterministische Anteil bleibt verborgen. Der Mensch scheitert an der willkürlichen Komplexität der Wahrheit.

Wahrheit hat eine höhere Komplexität als der Teilauszug aus ihr, die Realität. Zur Erklärung eines Umstandes oder Vorganges, gleich welcher Komplexität, bedarf es eines Systems höherer Komplexität als das zu erklärende. Die Realität kann die Wahrheit nicht erklären.

Was der Erkenntnis bleibt ist die Realität als wahrnehmbare Anteil der Wahrheiten. Der in einer Realität noch wahrnehmbare Anteil der absoluten Wahrheit ist abhängig, von dem deterministischen Anteil der Wahrheit selber, aber auch der persönlichen Sensorik und kognitiven Leistungsmöglichkeiten des erfassenden Individuums. Jede Erkenntnis ist zwingend ein Produkt individueller Parameter ist und beinhaltet damit den Imperativ der Individualität, wonach Erkenntnisse nur unter Berücksichtigung des individuellen Standpunktes und mittels individueller, nicht übertragbarer Lösungswege möglich sind. Die Individualität des Standpunktes gebietet, dass gleiche Lösungswege aus unterschiedlichen Standpunkten, zu differenten Erkenntnissen führen. Dies lässt sich am einfachsten mit zwei Schiffen verdeutlichen, die ihre Fahrt in unterschiedlichen Häfen beginnen. Legen sie beide den gleichen Kurs auf ihrem Kompass an, erreichen sie unterschiedliche Zielorte. Jedes der beiden benötigt einen unterschiedlichen Kurs, oder Lösungsweg um den gleichen Zielort zu erreichen.

Der Mensch hat keine Sensorik für Wahrheit, da er von allem Sein nur das wahrnehmen kann, was den Gesetzen der Kausalität folgt. Er sieht ausschließlich eine deterministische Welt, die indeterministische verschließt sich ihm. Es fehlt im das Bewusstsein für alles was den Gesetzen von Ursache und Wirkung nicht folgt und für die absolute Freiheit des Zufalls. Die Wahrheit aber umfasst alles, auch den Zufall in ihr und ist indeterministisch.

Somit gilt:

  • Erkenntnis ist individuell. Erkenntnis ist nicht ein Erschaffen, Erzeugen oder Hervorbringen, also nicht etwas vom Menschen erstelltes, sondern ein Erfassen von etwas, das auch vor aller Erkenntnis und unabhängig von ihr vorhanden ist, wobei es nur möglich ist Erkenntnisse über Teilauszügen der Wahrheiten, gemäß der eigenen sensorischen und kognitiven Möglichkeiten.
  • Ontologische oder verifizierende Aussagen zu Wahrheiten sind rein spekulativ.
  • Realitäten sind bedingt durch Wahrheiten, aber nicht durch sie begründbar. Realität erklärt nur begrenzt die Wahrheit, wobei nicht bestimmbar ist, in welchem qualitativen und quantitativen Umfang die Realität die Wahrheit beschreibt, oder selbst erfasst werden kann.
  • Wissenschaftliche Theorien und ihre Regelwerke, sind Beschreibung des Zustandes und der Interaktion von Realitäten, dem deterministischen Anteil eines Ganzen. Durch die Unmöglichkeit der Beschreibung der indeterministischen Anteile von Entitäten, sind sie ohne ontologischen Wert.
  • Allgemeingültigkeitsansprüche, gleich welcher Art, sind unberechtigt.
  • Alles Seiende ist in seinem Grunde nicht mit menschlicher Erkenntnis begründbar oder verifizierbar ist und alles was für erfassbar ist, in seinem weiteren Verlaufe, seine Begründbarkeit und Verifizierbarkeit verlieren wird.

Eine weitere Grundlage der menschlichen Erkenntnis ist die Vorstellung. Auch Vorstellungen sind Konstrukte individueller kognitiver Leistungen, als ästhetische, ethische, idealistische, religiöse Ansichten oder wissenschaftliche Theorien und Regelwerke. Vorstellungen dienen als bestimmende Wertungen der persönlichen Lebensführung. Sie sind das Bindeglied zwischen der erfahrbaren Realität und der angenommenen Wahrheit. Werden Vorstellungen als kollektive Normen angenommen, in Form von Gesetzen oder Moral, sind sie individuell nicht mehr korrigierbar und daher dogmatisch. Kollektive Vorstellungen als Dogmen sind neben persönlichen sensorischen oder kognitiven Einschränkungen das größte Hindernis der Erkenntnisgewinnung.

Der Mensch agiert in einer Welt, in der das ihn umgebend Existierende, die Wahrheiten und die davon ausgehenden Wirkungen auf ihn, in seiner Erkenntnis zu einem großen Teil verborgen bleiben. Dies steht nicht im Widerspruch zu seiner Existenz, sondern ist Folge der evolutionären Prozesse, die ihn zu dem machten, was er ist und für die keine Notwendigkeit bestand ihn mit der Möglichkeit von Wahrnehmungen auszustatten, die für seinen Fortbestand als biologische Spezies nicht zwingend sind.

Dennoch haben die evolutionären Prozesse dem Menschen die Befähigung der Erlangung von Erkenntnissen gegeben. Diese phänotypische Besonderheit, ist nicht nur das, was die Interaktion mit der Welt ermöglicht, sondern auch der evolutionäre Auftrag, den es zu nutzen gilt um den Fortbestand zu sichern. Nach Erkenntnis zu streben ist nicht Aufgabe Weniger, sondern wesentlicher Anspruch an menschliches Leben generell. Innerhalb der begrenzten, biologischen Parameter, die die Grenzen der Notwendigkeiten zur Erhaltung des Ichs und des Phänotypen Mensch beschreiben, folgt die Möglichkeit der Erlangung von Erkenntnissen evolutionären Gesetzmäßigkeiten.

Daher ist Erkenntnis kein kollektives Erlebnis, oder ein gemeinschaftlicher Vorgang, sondern ein individueller Akt evolutionärer Entwicklung, der wie jeder andere evolutionäre Prozess, durch Selektion innerhalb der Interaktion mit vielen anderen, erst rückwirkend als erfolgreich bezeichnet werden kann. Bedingung für diesen evolutionären Prozess und seinem Erfolg ist eine möglichst große qualitative und quantitative Unterschiedlichkeit der individuellen Erkenntnisse, die der Interaktion frei gegeben werden. Erkenntnis ist aus evolutionärer Sicht zwingend individuell um die Selektion zu ermöglichen. Kollektive, gemeinschaftliche oder statisch erhaltene Erkenntnis steht in direktem Widerspruch zu den grundsätzlichsten Ansprüchen menschlicher Entwicklung. Die individuelle Erkenntnis ist aus evolutionärer Sicht die Prämisse menschlichen Seins. Gemeinschaften sind kollektive Zweckbündnisse zur Erhaltung oder Abwehr von Umständen und müssen terminiert sein, um den evolutionären Auftrag der individuellen Erkenntnisgewinnung nicht zu gefährden, der innerhalb dieser nur begrenzt, oder nicht möglich ist.

Das Vier-Welten-Kreis Modell als Darstellung des Erkenntnisweges, der Erkenntniswelten und ihre Wirkung aufeinander

VierweltenkreisTP

W1 – Die Welt 1 ist indeterministisch und umfasst alle Zu,- Sach-, und Umständen, sowie Interaktionen und Wirkungen mit oder ohne Wirkursache, als auch die nicht erfassbare dunkle Materie bzw. Energie. Die Welt 1 ist mit menschlichen Parametern nur in Teilen wahrnehmbar. Einzig der deterministischer Anteil der Welt 2 und ihre Wirkungen durch Interaktion auf Entitäten der Welt 3 können können aufgrund deren deterministischen Anteilen wahrnehmbar sein. Die Welten 2, 3 und 4 als auch das Chaos sind Teile der Welt 1.

C – Das Chaos ist der Übergang der indeterministischen Welt 1 zur deterministischen Welt 2. Im Chaos wirken kausale Zwänge der Welt 2 ebenso wie die Freiheit des Zufalls der Welt 1. Hier treffen Wahrheit und Realität aufeinander, treten in Interaktion und bewirken sich gegenseitig. Der Umfang dieser Interaktion bleibt jedoch aufgrund der indeterministischen Anteile unbekannt. Der Umfang des wahrgenommenen Chaos ist abhängig vom indeterministischen und damit nicht wahrnehmbaren Wirkanteilen der chaotischen Entitäten. Je höher der Anteil dieser ist desto chaotischer ist die Wahrnehmung.

W2 – Die Welt 2 ist der deterministische Anteil der Welt 1 und umfasst Materie und Energie in ihren Zu,- Sach-, und Umständen, als auch ihre der Kausalität folgenden und wahrnehmbaren Interaktionen und Wirkungen. Sie ist der mit menschlichen Parametern wahrnehmbare Teil eines Ganzes und im menschlichen Verständnis die Realität.

W3 – Die Welt 3 ist die Welt der Vorstellungen. Sie umfasst die Konstrukte individueller kognitiver Leistungen, als ästhetische, ethische, idealistische, religiöse Ansichten oder wissenschaftliche Theorien und Regelwerke und kollektiven Vorstellungen der Gesetze und Moral.

W4 – Die Welt 4 ist die Welt der individuellen sensorischen und kognitiven Befähigungen, sie ist der Sitz des Bewusstseins und der Ort der aktiven Tätigkeit des Erfassens von Erkenntnissen. Hier gewonnene Erkenntnisse fließen in die Welt 3 ein, von wo sie mit der Realität der Welt 2 und der Wahrheit der Welt 1, in Interaktion treten.

Transzendenzen – Transzendenzen sind direkte Aktionen der Welt 1, in die Welten 3 und 4. Sie sind Durchgriffe der Wahrheiten der Welt 1 auf die Vorstellung, als Glaube in der Welt 3 und dem Bewusstsein in der Welt 4, in Form unvermittelter Erkenntnisse für die es keine Wirkursache zu geben scheint. Transzendenzen sind aufgrund ihrer indeterministischen Anteile weder kontrolier- noch verifizierbar. Im Gegensatz dazu sind paranormale Phänome nicht indeterministischer Natur, sondern erfassbare aber unbekannte Entitäten, die wir innerhalb unserer Erfahrungsmuster und Erkenntnisse nicht zuordnen können.

Auf der Ebene der bewussten Erkenntnissuche beginnt der Weg im Bewusstsein der Welt 4. Dort wird aufgrund der individuellen kognitiven Befähigungen festgelegt wonach gesucht werden kann. Gefiltert durch die persönlichen Vorstellungen der Welt 3 wird festgelegt nach welcher Erkenntiss gesucht werden soll und die sensorischen Befähigungen in der Realität der Welt 2 bestimmt wonach dann noch gesucht werden wird. Das erzielte Ergebnis folgt dann analog der reaktionären Ebene.

Auf reaktionärer Ebene beginnt der Erkenntnisweg in der Welt 1 als absolute Wahrheit, reduziert sich in der Welt 2 auf die Realität, wird dort sensorisch wahrgenommen und auf dem Weg in das Bewusstsein zur individuellen Bearbeitung in der Welt 4, in der Welt 3 durch persönliche Vorstellungen gefiltert.

Menschliche Erkenntnis hat Grenzen, sie sind individuell von den biologisch definierten Parametern der Wahrnehmung und des strukturellen Aufbaus des Gehirns, als Verarbeitungsorgan der Wahrnehmung, aber auch vom indeterministischen Anteil der Entitäten vorgegeben. Solange Erkenntnisse gemacht werden, geschieht das innerhalb menschlicher Parameter. Indeterministischen Entitäten selbst oder indeterministische Anteile erfassbarer Entitäten, liegen außerhalb dieser Parameter und sind für menschliche Erkenntnis unzugänglich. Daher wären sie auch, wenn wir solche Erkenntnisse theoretisch machen könnten, für uns irrelevant, da wir kein Bezugs- oder Verarbeitungssystem für sie hätten. Wir würden also Erkenntnisse machen, ohne sie als solche erkennen oder nutzen zu können.

Die Wahrheit nicht zu wissen, sie nur zu erahnen hat Folgen. Die Folge ist nicht die Suche nach Erkenntnis einzustellen, sondern durch das Wissen niemals in den Besitz der endgültigen Erkenntnis, der Wahrheit kommen zu können, den gemachten Erkenntnissen weniger zu trauen, sie nicht zu dogmatisieren.

Aufgrund der Unmöglichkeit der Wahrnehmung des Ganzen, des Absoluten, was jede Wahrheit ausmacht, fehlt der Ontologie, als der Suche nach den Wahrheiten, in ihrem Grunde die Berechtigung. Auch wissenschaftliche Erkenntnisse beschränken sich auf eine möglichst zuverlässige Beschreibung der Realitäten. Wissenschaft hat nur dann einen ausreichenden Realitätsbezug, wenn sie sich ontologischer Aussagen enthält und die temporäre Begrenzung ihrer Theorien und Modelle, mittels beständiger Falsifikation, explizit in ihren Thesen sicherstellt und somit Dogmen vermeidet.

Regelwerke, gleich welcher Art sind keine universellen oder unveränderlichen Größen und haben für die Entitäten keine bestimmender Wirkung. Naturgesetze sind, aus den Interaktionen der Entitäten abgeleitete Regelwerke der menschlichen Erkenntnis, die sich aus den Beschaffenheiten der Entitäten und ihren Interaktionen erfassen lassen und nicht bereits vor diesen existent. Naturgesetze sind auch dadurch als deterministisch erkennbar, das sie als Wirkung, der Ursache Entität folgen. Es ist zweifelhaft, dass unmittelbar nach dem Urknall, bevor Atome entstanden bereits ein Naturgesetz bestand, welches die Chromosomteilung von Eichhörnchen regelt. Dennoch würde die Annahme ewig bestehender Naturgesetze dieses gebieten. Bestimmende und beständige Naturgesetze sind nur in rein deterministischen Gedankenmodellen denkbar, die den Zufall als Ereignis ohne Wirkursache ablehnen. Nach diesem Modellen wäre weder der Kasimir-Effekt der Quantenmechanik, die plötzliche, ohne Wirkursache, Entstehung von Teilchen nicht erklärbar, als auch der Mensch seines freien Willens beraubt, da er nur auf Wirkungen reagieren könnte, die seine Reaktion vorschreiben würden..

Durch das Individualitätsprinzip und die Unmöglichkeit von Wahrheits- und Allgemeingültigkeitsansprüchen, sind Prämissen der Kern aller menschlichen Erkenntnis. Prämissen sind im Gegensatz zur Moral nicht kollektive sondern individuelle Regelwerke die vorab jeder gemeinschaftlichen oder allgemeingültigen Norm ihre Gültigkeit und Anwendung finden. Sie stehen in Übereinstimmung mit den evolutionären Vorgaben des Menschseins als Individuum und basieren auf Werten, die durch persönliche Erkenntnisse, auf der Basis der individuellen Parameter der Wahrnehmung und ihrer kognitiven Verarbeitung, erfasst wurden. Ein Leben nach den Maßgaben der eigenen Prämissen, ist der Garant für ein Leben im Einklang mit sich selbst und den Dingen an sich.

Das Individualitätsprinzip verdeutlicht die Problematik der etablierten Lern- und Erkenntnissysteme, bei denen die Lösungswege statisch sind und die zu vermittelnde Erkenntnis, unter Vernachlässigung der differenten Ausgangspunkte, erreicht werden soll. Das Individualitätsprinzip begründet sich durch die Unterschiedlichkeit der Wahrnehmungsparameter und der kognitiven Fähigkeiten sowie der informellen Verarbeitung, also der Wahrnehmungen und Darstellung. Diese Unterschiedlichkeit basiert auf dem genetisch bedingten, differenten Aufbau des Wahrnehmungsapparat und des Gehirns, mit seinen individuell erlernten Verarbeitungsmustern, die sich als neuronale Netzwerke, aus der Summe aller persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen bilden. Als Folge dessen, führen gleiche Grundannahmen durch individuelle Wahrnehmungen und kognitive Verarbeitung, immer zu differenten Darstellungen. Das ist das Prinzip des menschlichen Lernprozesses. Dieses Prinzip ist bestimmt durch eine immer größere Anzahl von Wahrnehmungen, die kontinuierlich die individuellen Verarbeitungsmuster verändern und dadurch zukünftige einzelne Wahrnehmungen unterdrücken oder verstärken. Dieser fortlaufende Prozess beschreibt die zunehmende Qualität des Lernens im Laufe eines Lebens. Die Quantität ergibt sich aus der genetischen Vorgabe, die eine biologische Grundlage der neuronalen Netze sichert. Das Individualitätsprinzip besagt das menschliche Erkenntnis nicht gelehrt werden kann, da Lösungswege nicht übernommen werden können und somit Erkenntnis das Ergebnis eines individuellen aus freiem Willen beschrittenen Lösungsweges ist. Daraus ergibt sich eine allgemeine gesellschaftliche Pflicht, nicht eine pauschal gleiche Erkenntnisfähigkeit zu unterstellen und das individuelle Recht differente Wege zur Erkenntnisgewinnung zu nutzen, als auch nicht jede Erkenntnis machen zu müssen oder zu können.

Der Parametäre Realismus liefert keine ontologischen Aussagen und ist in diesem Sinne keine klassische Erkenntnistheorie der Philosophie. Durch seinen Aufruf zur Bewusstwerdung des Nichterkennens bietet er ein generelles Arbeitsmodell zu philosophischen und wissenschaftlichen Fragestellungen und ist somit Lebensphilosophie. Eine Lebensphilosophie die Individualität fordert und Erkenntnis sucht, die keinen Anspruch auf Wahrheit erhebt und keine Dogmen duldet.

Als Lebensphilosophie fordert der Parametäre Realismus dazu auf, sich zum Nichtwissen um Wahrheiten zu bekennen. Denken und handeln sollte nicht darauf gerichtet sein, das aus einer nicht erkennbaren Wahrheit abgeleitete Richtige zu tun, sondern das Falsche in der Realität zu erkennen. Dies ist kein Weg zur Wahrheit, bringt aber durch Ausschluss möglichst vieler Unwahrheiten dieser näher.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

© Heinz Sauren

G7 – Resümee eines Gipfels

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Die großen 7 der Wirtschaftsnationen treffen sich jährlich zu einem Meeting der Superlative, welches den Anspruch wegweisender Beschlüsse schon per Definition in sich zu tragen scheint.

Um den Anschein wegweisender Beschlüsse zu waren, werden alle zu treffenden Beschlüsse im Vorfeld auf Ministerialebene ausgearbeitet, bis ins Detail verhandelt und die unterschiedlichen Positionen in ein Konsenspapier des größten gemeinsamen Nenners hinein formuliert, das zum Abschluss des Treffens als gemeinsame Willensbekundung den Medien präsentiert wird. Überraschungen gibt es keine und jeder der angereisten Staatenlenker, segnet bereits im Vorfeld das Schlusskommunique ab.

Dennoch verraten solche Mega-Events der Weltpolitik viel darüber, wie die Mächtigen ihre und unsere Zukunft gestalten möchten. Nicht durch das was sie wohlbedacht und akribisch geplant tun oder sagen, sondern durch das was nicht getan, nicht gesagt und nicht gezeigt wird. Das sind die Punkte, die aus Sicht der G7 Teilnehmer keinen Einfluss auf die zukünftige Politik haben sollen. So war auch der Gipfel in Elmau eine schweigende Offenbarung.

Wenn Europa durch flächendeckende Spionage die Qualitativ und Quantitativ größten Grundrechtsverletzungen seiner Geschichte erduldet und dem politisch verantwortlichen Verursacher, in Person des amerikanischen Präsidenten persönlich gegenüber sitzt, dann ist es ein Statement, wenn dieses Thema nicht besprochen wird. Offensichtlich ist der massenweise Bruch der Verfassung aus Sicht der angereisten Administrationen, kein Grund amerikanische Befindlichkeiten zu stören. Die politische Aussage lautet: Amerika darf das heute und natürlich auch in Zukunft.

Zentral herausgestellt wurde in der Abschlusserklärung die Einigung der Staatschefs auf eine maximale Erderwärmung von 2 Grad. Darüber hinaus wurde geschwiegen, selbst kritische Fragen waren in der Pressekonferenz nicht zugelassen. Es hätte sich wohl ein gewisser Erklärungsnotstand eingestellt, wenn gefragt worden wäre, wie die restlichen beteiligten 187 Staaten dazu stehen. Nämlich sehr skeptisch. Insbesondere die in Zukunft maßgeblichen CO2 Produzenten der BRIC Staaten Brasilien, Russland, Indien und China waren weder anwesend noch wurden sie gefragt.

Der G7 Gipfel in Elmau war neu in seiner Art. Die sich dort trafen waren sich bewusst, das sie nur bedingt die führenden Wirtschaftsnationen repräsentieren und das die Kluft zwischen diesem Anspruch und ihrer eigenen Wirtschaftskraft in Zukunft noch größer werden wird. Sie besannen sich auf etwas neues und erdachten sich eine neue Instanz. G7 als präsidiales Forum des weltführenden Wertesystems. Die Weltgemeinschaft durfte die medial zelebrierte Geburt ihrer zukünftigen moralischen Elite bestaunen. Schon in der Vergangenheit haben die G7 Mitgliedsstaaten sich aufgeschwungen, der Welt zu verkünden was gut, was böse, was richtig und was falsch ist. Die das nicht hören wollten wurden sanktioniert, geputscht oder offen militärisch angegriffen. Für die militärische Umsetzung der moralischen Maßgaben zeigten sich die USA zuständig und für die wirtschaftliche Durchsetzung Europa. Nun hat diese wirtschaftsmoraline Kolonialisierungsmaschinerie ein Exekutivkomitee und der neue Geist ein Gesicht.

Hieraus erklärt sich auch das Feindbild, das der G7 Gipfel stilisierte. Russland extern und Griechenland intern, stehen stellvertretend für alle zukünftigen Abtrünnigen von der wahren Leere und haben eines gemeinsam. Beide wollen die Interessen der internationalen Kapitalmärkte nicht vor ihre nationalen Interessen stellen und sollten sie mit ihrem Weg Erfolg haben, könnte das beispielhaft für viele unzufriedene Länder werden. Das Statement des Gipfels auf diese Herausforderung wurde mit Geschlossenheit verkündet. Die G7 Gemeinschaft stellt ihren Wertekodex nicht zur Disposition, nicht einmal zur Diskussion und besteht auf einer weltweiten Allgemeinverbindlichkeit dieser Werte. Wer auf eine versöhnliche Geste Richtung Moskau gehofft hatte, wurde enttäuscht. Im Gegenteil erklärte der amerikanische Präsident nahezu unverblümt, das Putin solange ausgesperrt bleibe, bis er sich den politisch-moralischen Werten der G7 unterordne. Augenscheinlich wünschen die G7 Staaten zur Zeit keine Versöhnung mit Russland, da sie wissen das sie mit dieser Forderung einen politischen Kniefall von Putin fordern, dem er nicht einmal nachkommen könnte wen er es wollte, zumindest nicht ohne auch innenpolitisch sein Gesicht zu verlieren.

Der G7 Gipfel in Elmau war nicht nur Außenpolitik, sondern auch eine staatliche PR-Veranstaltung. Nach dem Bekunden der Bundeskanzlerin war der Gipfel auch ein mediales Kurzportrait Deutschlands. Dem Anschein nach so wie Frau Merkel und ihr Organisationskomitee wollten, dass die Welt dieses Land sieht.

Die Bilder die um die Welt gingen, waren bezeichnend. Der amerikanische Präsident bemühte sich in seiner Begrüßungsrede erst gar nicht auf deutsch zu grüßen, er begann mit einem „Grüß Gott“ und bedauerte im weiteren das er seine Lederhosen vergessen hätte. The President meets Bavaria. In Deutschland war er nicht angekommen. Als ob es nicht genug schlechte Klischees über die „Krauts“ in „Old Germany“ gäbe, die Merkel Administration bediente sie. So dürfte es weltweit keinen Zweifel mehr geben. Die Deutschen sind Lederhosen tragende, leicht dümmliche und kritikunfähige Bergbauern. Kitschige Panoramabilder und bayrische Mundart als deutsche Amtssprache rundeten das heile Bild der bajuwarischen Gemütlichkeit ab.

Es war der Gipfel einer ökonomischen Moral ohne Zukunft, in einer Klischee behafteten Postkartenidylle. Danke Frau Merkel.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren