Vier-Welten-Kreis Modell / Parametärer Realismus


Der Entwurf einer Erkenntnistheorie der Philosophie, auf der Basis des Vier-Welten-Kreismodell, als freigeistige Lebensphilosophie.

Der Parametäre Realismus, ist die Begründung einer Erkenntnistheorie der Philosophie als Grundlage einer freigeistigen Lebensphilosophie und der Versuch eine Brücke zwischen der philosophischen Abstraktheit einer Erkenntnistheorie und den pragmatischen Anwendungsmöglichkeiten einer Lebensphilosophie zu bauen. Daher steht diesem Versuch der Gedanke vor, die Formalien und die Sprache der wissenschaftlichen Philosophie, aber auch moralische und erkenntnistheoretische Dogmen weitest gehend zu vermeiden, um die Einfachheit und universeller Anwendbarkeit auf die grundsätzlichen Fragestellungen des Lebens, im Sinne einer freigeistigen Lebensphilosophie zu gewährleisten.

Der Parametäre Realismus wurde von mir im Juni 2009, als Erkenntnistheorie der Philosophie veröffentlicht. Der philosophische Ausgangspunkt war Sir Carl Popper´s, Kritischer Rationalismus, der wohl bedeutendsten philosophischen Theorie des 20.ten Jahrhunderts. Der kritische Rationalismus vermochte jedoch nur unzureichend das Phänomen der Transzendenzen zu erklären und lieferte auch in der Determinismus – Indeterminismus Fragestellung, keine ausreichend zutreffende Erklärungsmodelle. Obwohl Popper stets versuchte die Einfachheit des kritischen Rationalismus hervor zu heben, gelang es seiner Theorie nicht, sich als Lebensphilosophie zu etablieren. Der wissenschaftliche Anspruch des kritischen Rationalismus stand im Widerspruch zur universellen Anwendbarkeit einer Lebensphilosophie. Somit führte der Versuch den kritischen Rationalismus, dem Anspruch einer Lebensphilosophie anzupassen, zur Neubearbeitung der Theorie und letztendlich zu einer eigenständigen philosophischen Theorie, die ihre Wurzeln im kritischen Rationalismus fand und von den wissenschaftsphilosophischen Vorgaben einer Erkenntnistheorie gelöst ist.

Die Veröffentlichung des parametärern Realismus, führte in der philosophischen Fachwelt zu Kritik, die sich jedoch vornehmlich auf die formelle Fragestellung richtet, ob der Parametäre Realismus eine Erkenntnistheorie oder eine Lebensphilosophie im Sinne der philosophischen Begriffsbestimmung sei. Inhaltlich wurde die Theorie des parametären Realismus nicht widerlegt.

Ich stelle daher frei, die Theorie des parametären Realismus als Lebensphilosophie zu betrachten, oder sie gemäß den formalen Gesetzmäßigkeiten der etablierten Philosophie, als Erkenntnistheorie der Philosophie anzusehen.

Eine philosophische Erkenntnistheorie beschreibt, nach welchen Gesetzmäßigkeiten menschliche Erkenntnis erfolgt und bestimmt dadurch was mit menschlicher Erkenntnis erfassbar ist. Eine Lebensphilosophie soll die individuellen Fragen des Lebens beantworten helfen. Die erkenntnistheoretische Fragestellung, was überhaupt für den Menschen erkennbar sein kann, hat in der Lebensphilosophie eine untergeordnete Bedeutung, da für die Lebensgestaltung nicht eine hypothetische Möglichkeit bestimmend ist, sondern die Benennung des Sinnvollen, in Bezug auf das tatsächlich machbare entscheidend ist. Durch die unüberschaubare und unbegrenzte Anzahl hypothetisch möglicher Wege und Antworten zu einer Fragestellung, ist für eine Lebensphilosophie die Negativabgrenzung entscheidend. Die sinnvolle Beantwortung einer Fragestellung wird nicht von objektiv richtigen Antworten geprägt, sondern von der Vermeidung offensichtlich falscher Antworten. Eine Erkenntnistheorie beschäftigt sich mit der Unbegrenztheit aller theoretisch möglichen Antworten, während sich eine Lebensphilosophie auf die Vermeidung, der für unsere Lebensführung falschen Antworten richtet. Beide schließen sich nicht gegeneinander aus, sondern bedingen einander, einzig die Gewichtung ist eine andere.

Leitsätze des Parametären Realismus als Erkenntnistheorie

– Es gibt drei Ebenen der menschlichen Erkenntnis:

Wahrheit, Realität und Vorstellung.

– Die menschliche Erkenntnis folgt drei Grundlagen.

  1. Wahrheit ist absolut und als solche mit menschlicher Erkenntnis nicht erfassbar.
  2. Realitäten sind mit menschlicher Erkenntnis erfassbare Anteile von Wahrheiten.
  3. Vorstellungen sind individuelle Beiordnungen zu Realitäten.

Leitsatz des Parametären Realismus als Lebensphilosophie

Menschliche Erkenntnis beschreibt immer Vorstellung, selten Realität und niemals Wahrheit.

  1. Unwahrheiten führen zu Wahrheiten, offenbaren diese aber nicht.
  2. Jede Erkenntnis ist individuell und nicht übertragbar.
  3. Nichts ist das, was es zu sein scheint.

Definition des Parametären Realismus

„Alles Sein ist Wahrheit und Individuell. Wahrheit ist indeterministisch und absolut. Sie umfasst alles Seiende und ist mittels menschlicher Parameter, aufgrund derer Begrenztheit nicht erfassbar.

Realitäten sind mittels menschlicher Parameter erfassbare, deterministische Anteile von Wahrheiten. Definitionen und Regelwerke beziehen sich auf Realitäten und beschreiben ausschließlich den deterministischen Anteil von Wahrheiten.

Vorstellungen sind idealistische, ethische, ästhetische und emotionale Beiordnungen zu Realitäten. Erkenntnis ist das Erfassen von Teilauszügen der Wahrheiten, die auch vor aller Erkenntnis und unabhängig von ihr vorhanden sind.

Erkenntnis ist Ausdruck der Individualität und evolutionärer Auftrag an das menschliche Sein. Ontologische, allgemeingültige und verifizierende Aussagen sind aufgrund beständig wirkender, nicht erfassbarer absoluter Wahrheiten, nicht möglich.“

Beschreibung des Parametären Realismus und des Vier-Welten-Kreis Modell

Die Definition des Parametären Realismus, setzt einige als selbstverständlich angenommene Annahmen außer Kraft und ersetzt diese durch solche, die eine unverfälschtere Sicht auf die Dinge ermöglichen. Der Parametäre Realismus setzt sich aus den Begriffen, Parametär und Realismus zusammen, wobei Parametär die Bestimmung ist, dass menschliche Erkenntnis, abhängig von den Parametern der Sinneswahrnehmung ist und Realismus als die Lehre der Ansicht, nach der es Wahrheiten, unabhängig der menschlichen Wahrnehmung gibt, die als tatsächlich existierend zu anzunehmen sind.

Eine Grundlage menschlicher Erkenntnis ist sein bestimmenster Antrieb, das streben nach Wissen. Wissen welches die Welt und ihre Zusammenhänge erklärt und damit das Leben vereinfacht. Erkenntnis, das Wollen zum Wissen ist auf Wahrheit gerichtet ohne sie jedoch erreichen zu können. Die menschliche Unfähigkeit Wahrheiten zu erkennen, ist in der sensorischen und kognitiven Begrenztheit der menschlichen Möglichkeiten begründet.

Wahrheiten, sind unabhängig und vorab menschlicher Wahrnehmung existierend und als solche absolut. Wahrheit umfasst die Menge aller tatsächlichen und möglichen Entitäten, also alles Seiende, seine Zustände, Umstände und Wirkungen. Sie beinhaltet den erfassbaren deterministischen Anteil, als Materie, Energie, sowie biologischer Strukturen und Aktionen aller lebenden Wesen und Artefakten als materielle Substrate menschlicher Kreativität, aber auch einen nicht erfassbaren indeterministischen Anteil. Wahrheit ist absolut, sie ist, oder sie ist nicht, unabhängig dessen ob menschliches Wissen zu ihr besteht oder nicht.

Wahrheit ist jetzt, sie war nicht gestern und wird morgen nicht sein. Diese absolute Bedingung der Gegenwart im Zeit-Wahrheit Verhältnis beruht auf der Erkenntnis, das Zeit und damit Vergangenheit und Zukunft ein Produkt der Vorstellung ist. Es ist eine unrichtige Ansicht, dass es Wahrheiten gegeben hat und zukünftig Wahrheiten geben wird. Alles was nach menschlicher Vorstellung in der Vergangenheit liegt, war als es geschah Gegenwart, sowie auch die Erinnerung die wir an die Vergangenheit haben, in der Gegenwart geschieht. Das gleiche gilt für die Zukunft. Alles was in der Zukunft geschehen wird, wird Gegenwart sein, wenn es geschieht, sowie alle Gedanken und Vorstellungen die wir zur Zukunft haben, im jetzt, also der Gegenwart geschehen.

Wahrheit ist das tatsächliche Sein der Dinge im jetzt, sie ist unteilbar, nicht erfassbar und indeterministisch.

Indeterminismus bedeutet das eine Entität, also eine Wahrheit in ihren Sach-, Zu-, oder Umständen selber, als Begründung ihrer Interaktion oder ihrer Wirkung nicht ausschließlich kausalen Gesetzmäßigkeiten folgen muss, sondern diese auch ganz oder teilweise nicht kausal oder rein zufällig sein können. Die Annahme das Ursache und Wirkung, als Kausalität zwingend ist, trifft im Indeterminismus nicht zu, ohne das dies bedeuten würde, das eine Nichtkausalität oder Zufälligkeit, vorliegen muss, aber sie kann vorliegen und dann in einem unbekannten Anteil. Daher ist mangels Überprüfbarkeit und der gebotenen Wahrscheinlichkeit, bei allen Entitäten voraus zu setzen, dass sie indeterministisch sind. Aufgrund der deterministischen Parameter der menschlichen Wahrnehmung ist die menschliche Erkenntnis auf den deterministischen Teil der Wahrheiten begrenzt. Die parametären Einschränkungen des sensorischen Erfassens, als auch die Grenzen der kognitiven Möglichkeiten führen dazu, dass die von Menschen wahrgenommene Welt immer nur den kausal begründbaren, den deterministischen Teil einer absoluten Welt wieder gibt. Menschliche Wahrheiten sind Teilwahrheiten die dennoch nicht Wahrheit sein können, da sie um dieses zu sein, nicht nur einen Teil sondern alles sie begründende und umfassende einschließen müssten.

Alles Seiende ist in seinem Grunde und im Ganzen indeterministisch, während menschliche Erkenntnis, sich auf den deterministischen Anteil des Seienden, dem kausal begründbaren begrenzt, die Realitäten.

Wie umfassend die erkennbare Realität als erfassbarer Anteil der Wahrheit ist, ist abhängig von der Größe des indeterministischen Anteils und nur annähernd zu bestimmen. Angenommen werden kann diesbezüglich, dass im gesamten Universum ähnliche Grundvorgaben gegeben zu sein scheinen. Nach aktueller Erkenntnislage der Wissenschaft beträgt der indeterministische Anteil des Universums circa siebzig Prozent. Der größte Teil des Universums scheint weder kausal begründbar zu sein, folgt nicht naturgesetzlichen Zwängen und ist weder messbar noch erfassbar. Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen dunkle Materie und Energie und es ist davon auszugehen, dass dieser Anteil auf unserem Planeten, als Teil dieses Universums, nicht wesentlich anders ist. Somit sind siebzig Prozent dessen, was eine Wahrheit ausmacht, außerhalb menschlicher Erkenntnismöglichkeiten.

Somit ist anzunehmen, dass alles Wahrgenommene, im größten Teil seines Seins und seiner Wirkung nicht kausalen Zwängen folgt, oder das Produkt des reinen Zufalls sein kann und sobald wir damit für uns erkennbar in Berührung kommen, wir nur den erfassbaren, kausal begründbaren Teil erfahren. Der indeterministische Anteil bleibt verborgen. Der Mensch scheitert an der willkürlichen Komplexität der Wahrheit.

Wahrheit hat eine höhere Komplexität als der Teilauszug aus ihr, die Realität. Zur Erklärung eines Umstandes oder Vorganges, gleich welcher Komplexität, bedarf es eines Systems höherer Komplexität als das zu erklärende. Die Realität kann die Wahrheit nicht erklären.

Was der Erkenntnis bleibt ist die Realität als wahrnehmbare Anteil der Wahrheiten. Der in einer Realität noch wahrnehmbare Anteil der absoluten Wahrheit ist abhängig, von dem deterministischen Anteil der Wahrheit selber, aber auch der persönlichen Sensorik und kognitiven Leistungsmöglichkeiten des erfassenden Individuums. Jede Erkenntnis ist zwingend ein Produkt individueller Parameter ist und beinhaltet damit den Imperativ der Individualität, wonach Erkenntnisse nur unter Berücksichtigung des individuellen Standpunktes und mittels individueller, nicht übertragbarer Lösungswege möglich sind. Die Individualität des Standpunktes gebietet, dass gleiche Lösungswege aus unterschiedlichen Standpunkten, zu differenten Erkenntnissen führen. Dies lässt sich am einfachsten mit zwei Schiffen verdeutlichen, die ihre Fahrt in unterschiedlichen Häfen beginnen. Legen sie beide den gleichen Kurs auf ihrem Kompass an, erreichen sie unterschiedliche Zielorte. Jedes der beiden benötigt einen unterschiedlichen Kurs, oder Lösungsweg um den gleichen Zielort zu erreichen.

Der Mensch hat keine Sensorik für Wahrheit, da er von allem Sein nur das wahrnehmen kann, was den Gesetzen der Kausalität folgt. Er sieht ausschließlich eine deterministische Welt, die indeterministische verschließt sich ihm. Es fehlt im das Bewusstsein für alles was den Gesetzen von Ursache und Wirkung nicht folgt und für die absolute Freiheit des Zufalls. Die Wahrheit aber umfasst alles, auch den Zufall in ihr und ist indeterministisch.

Somit gilt:

  • Erkenntnis ist individuell. Erkenntnis ist nicht ein Erschaffen, Erzeugen oder Hervorbringen, also nicht etwas vom Menschen erstelltes, sondern ein Erfassen von etwas, das auch vor aller Erkenntnis und unabhängig von ihr vorhanden ist, wobei es nur möglich ist Erkenntnisse über Teilauszügen der Wahrheiten, gemäß der eigenen sensorischen und kognitiven Möglichkeiten.
  • Ontologische oder verifizierende Aussagen zu Wahrheiten sind rein spekulativ.
  • Realitäten sind bedingt durch Wahrheiten, aber nicht durch sie begründbar. Realität erklärt nur begrenzt die Wahrheit, wobei nicht bestimmbar ist, in welchem qualitativen und quantitativen Umfang die Realität die Wahrheit beschreibt, oder selbst erfasst werden kann.
  • Wissenschaftliche Theorien und ihre Regelwerke, sind Beschreibung des Zustandes und der Interaktion von Realitäten, dem deterministischen Anteil eines Ganzen. Durch die Unmöglichkeit der Beschreibung der indeterministischen Anteile von Entitäten, sind sie ohne ontologischen Wert.
  • Allgemeingültigkeitsansprüche, gleich welcher Art, sind unberechtigt.
  • Alles Seiende ist in seinem Grunde nicht mit menschlicher Erkenntnis begründbar oder verifizierbar ist und alles was für erfassbar ist, in seinem weiteren Verlaufe, seine Begründbarkeit und Verifizierbarkeit verlieren wird.

Eine weitere Grundlage der menschlichen Erkenntnis ist die Vorstellung. Auch Vorstellungen sind Konstrukte individueller kognitiver Leistungen, als ästhetische, ethische, idealistische, religiöse Ansichten oder wissenschaftliche Theorien und Regelwerke. Vorstellungen dienen als bestimmende Wertungen der persönlichen Lebensführung. Sie sind das Bindeglied zwischen der erfahrbaren Realität und der angenommenen Wahrheit. Werden Vorstellungen als kollektive Normen angenommen, in Form von Gesetzen oder Moral, sind sie individuell nicht mehr korrigierbar und daher dogmatisch. Kollektive Vorstellungen als Dogmen sind neben persönlichen sensorischen oder kognitiven Einschränkungen das größte Hindernis der Erkenntnisgewinnung.

Der Mensch agiert in einer Welt, in der das ihn umgebend Existierende, die Wahrheiten und die davon ausgehenden Wirkungen auf ihn, in seiner Erkenntnis zu einem großen Teil verborgen bleiben. Dies steht nicht im Widerspruch zu seiner Existenz, sondern ist Folge der evolutionären Prozesse, die ihn zu dem machten, was er ist und für die keine Notwendigkeit bestand ihn mit der Möglichkeit von Wahrnehmungen auszustatten, die für seinen Fortbestand als biologische Spezies nicht zwingend sind.

Dennoch haben die evolutionären Prozesse dem Menschen die Befähigung der Erlangung von Erkenntnissen gegeben. Diese phänotypische Besonderheit, ist nicht nur das, was die Interaktion mit der Welt ermöglicht, sondern auch der evolutionäre Auftrag, den es zu nutzen gilt um den Fortbestand zu sichern. Nach Erkenntnis zu streben ist nicht Aufgabe Weniger, sondern wesentlicher Anspruch an menschliches Leben generell. Innerhalb der begrenzten, biologischen Parameter, die die Grenzen der Notwendigkeiten zur Erhaltung des Ichs und des Phänotypen Mensch beschreiben, folgt die Möglichkeit der Erlangung von Erkenntnissen evolutionären Gesetzmäßigkeiten.

Daher ist Erkenntnis kein kollektives Erlebnis, oder ein gemeinschaftlicher Vorgang, sondern ein individueller Akt evolutionärer Entwicklung, der wie jeder andere evolutionäre Prozess, durch Selektion innerhalb der Interaktion mit vielen anderen, erst rückwirkend als erfolgreich bezeichnet werden kann. Bedingung für diesen evolutionären Prozess und seinem Erfolg ist eine möglichst große qualitative und quantitative Unterschiedlichkeit der individuellen Erkenntnisse, die der Interaktion frei gegeben werden. Erkenntnis ist aus evolutionärer Sicht zwingend individuell um die Selektion zu ermöglichen. Kollektive, gemeinschaftliche oder statisch erhaltene Erkenntnis steht in direktem Widerspruch zu den grundsätzlichsten Ansprüchen menschlicher Entwicklung. Die individuelle Erkenntnis ist aus evolutionärer Sicht die Prämisse menschlichen Seins. Gemeinschaften sind kollektive Zweckbündnisse zur Erhaltung oder Abwehr von Umständen und müssen terminiert sein, um den evolutionären Auftrag der individuellen Erkenntnisgewinnung nicht zu gefährden, der innerhalb dieser nur begrenzt, oder nicht möglich ist.

Das Vier-Welten-Kreis Modell als Darstellung des Erkenntnisweges, der Erkenntniswelten und ihre Wirkung aufeinander

VierweltenkreisTP

W1 – Die Welt 1 ist indeterministisch und umfasst alle Zu,- Sach-, und Umständen, sowie Interaktionen und Wirkungen mit oder ohne Wirkursache, als auch die nicht erfassbare dunkle Materie bzw. Energie. Die Welt 1 ist mit menschlichen Parametern nur in Teilen wahrnehmbar. Einzig der deterministischer Anteil der Welt 2 und ihre Wirkungen durch Interaktion auf Entitäten der Welt 3 können können aufgrund deren deterministischen Anteilen wahrnehmbar sein. Die Welten 2, 3 und 4 als auch das Chaos sind Teile der Welt 1.

C – Das Chaos ist der Übergang der indeterministischen Welt 1 zur deterministischen Welt 2. Im Chaos wirken kausale Zwänge der Welt 2 ebenso wie die Freiheit des Zufalls der Welt 1. Hier treffen Wahrheit und Realität aufeinander, treten in Interaktion und bewirken sich gegenseitig. Der Umfang dieser Interaktion bleibt jedoch aufgrund der indeterministischen Anteile unbekannt. Der Umfang des wahrgenommenen Chaos ist abhängig vom indeterministischen und damit nicht wahrnehmbaren Wirkanteilen der chaotischen Entitäten. Je höher der Anteil dieser ist desto chaotischer ist die Wahrnehmung.

W2 – Die Welt 2 ist der deterministische Anteil der Welt 1 und umfasst Materie und Energie in ihren Zu,- Sach-, und Umständen, als auch ihre der Kausalität folgenden und wahrnehmbaren Interaktionen und Wirkungen. Sie ist der mit menschlichen Parametern wahrnehmbare Teil eines Ganzes und im menschlichen Verständnis die Realität.

W3 – Die Welt 3 ist die Welt der Vorstellungen. Sie umfasst die Konstrukte individueller kognitiver Leistungen, als ästhetische, ethische, idealistische, religiöse Ansichten oder wissenschaftliche Theorien und Regelwerke und kollektiven Vorstellungen der Gesetze und Moral.

W4 – Die Welt 4 ist die Welt der individuellen sensorischen und kognitiven Befähigungen, sie ist der Sitz des Bewusstseins und der Ort der aktiven Tätigkeit des Erfassens von Erkenntnissen. Hier gewonnene Erkenntnisse fließen in die Welt 3 ein, von wo sie mit der Realität der Welt 2 und der Wahrheit der Welt 1, in Interaktion treten.

Transzendenzen – Transzendenzen sind direkte Aktionen der Welt 1, in die Welten 3 und 4. Sie sind Durchgriffe der Wahrheiten der Welt 1 auf die Vorstellung, als Glaube in der Welt 3 und dem Bewusstsein in der Welt 4, in Form unvermittelter Erkenntnisse für die es keine Wirkursache zu geben scheint. Transzendenzen sind aufgrund ihrer indeterministischen Anteile weder kontrolier- noch verifizierbar. Im Gegensatz dazu sind paranormale Phänome nicht indeterministischer Natur, sondern erfassbare aber unbekannte Entitäten, die wir innerhalb unserer Erfahrungsmuster und Erkenntnisse nicht zuordnen können.

Auf der Ebene der bewussten Erkenntnissuche beginnt der Weg im Bewusstsein der Welt 4. Dort wird aufgrund der individuellen kognitiven Befähigungen festgelegt wonach gesucht werden kann. Gefiltert durch die persönlichen Vorstellungen der Welt 3 wird festgelegt nach welcher Erkenntiss gesucht werden soll und die sensorischen Befähigungen in der Realität der Welt 2 bestimmt wonach dann noch gesucht werden wird. Das erzielte Ergebnis folgt dann analog der reaktionären Ebene.

Auf reaktionärer Ebene beginnt der Erkenntnisweg in der Welt 1 als absolute Wahrheit, reduziert sich in der Welt 2 auf die Realität, wird dort sensorisch wahrgenommen und auf dem Weg in das Bewusstsein zur individuellen Bearbeitung in der Welt 4, in der Welt 3 durch persönliche Vorstellungen gefiltert.

Menschliche Erkenntnis hat Grenzen, sie sind individuell von den biologisch definierten Parametern der Wahrnehmung und des strukturellen Aufbaus des Gehirns, als Verarbeitungsorgan der Wahrnehmung, aber auch vom indeterministischen Anteil der Entitäten vorgegeben. Solange Erkenntnisse gemacht werden, geschieht das innerhalb menschlicher Parameter. Indeterministischen Entitäten selbst oder indeterministische Anteile erfassbarer Entitäten, liegen außerhalb dieser Parameter und sind für menschliche Erkenntnis unzugänglich. Daher wären sie auch, wenn wir solche Erkenntnisse theoretisch machen könnten, für uns irrelevant, da wir kein Bezugs- oder Verarbeitungssystem für sie hätten. Wir würden also Erkenntnisse machen, ohne sie als solche erkennen oder nutzen zu können.

Die Wahrheit nicht zu wissen, sie nur zu erahnen hat Folgen. Die Folge ist nicht die Suche nach Erkenntnis einzustellen, sondern durch das Wissen niemals in den Besitz der endgültigen Erkenntnis, der Wahrheit kommen zu können, den gemachten Erkenntnissen weniger zu trauen, sie nicht zu dogmatisieren.

Aufgrund der Unmöglichkeit der Wahrnehmung des Ganzen, des Absoluten, was jede Wahrheit ausmacht, fehlt der Ontologie, als der Suche nach den Wahrheiten, in ihrem Grunde die Berechtigung. Auch wissenschaftliche Erkenntnisse beschränken sich auf eine möglichst zuverlässige Beschreibung der Realitäten. Wissenschaft hat nur dann einen ausreichenden Realitätsbezug, wenn sie sich ontologischer Aussagen enthält und die temporäre Begrenzung ihrer Theorien und Modelle, mittels beständiger Falsifikation, explizit in ihren Thesen sicherstellt und somit Dogmen vermeidet.

Regelwerke, gleich welcher Art sind keine universellen oder unveränderlichen Größen und haben für die Entitäten keine bestimmender Wirkung. Naturgesetze sind, aus den Interaktionen der Entitäten abgeleitete Regelwerke der menschlichen Erkenntnis, die sich aus den Beschaffenheiten der Entitäten und ihren Interaktionen erfassen lassen und nicht bereits vor diesen existent. Naturgesetze sind auch dadurch als deterministisch erkennbar, das sie als Wirkung, der Ursache Entität folgen. Es ist zweifelhaft, dass unmittelbar nach dem Urknall, bevor Atome entstanden bereits ein Naturgesetz bestand, welches die Chromosomteilung von Eichhörnchen regelt. Dennoch würde die Annahme ewig bestehender Naturgesetze dieses gebieten. Bestimmende und beständige Naturgesetze sind nur in rein deterministischen Gedankenmodellen denkbar, die den Zufall als Ereignis ohne Wirkursache ablehnen. Nach diesem Modellen wäre weder der Kasimir-Effekt der Quantenmechanik, die plötzliche, ohne Wirkursache, Entstehung von Teilchen nicht erklärbar, als auch der Mensch seines freien Willens beraubt, da er nur auf Wirkungen reagieren könnte, die seine Reaktion vorschreiben würden..

Durch das Individualitätsprinzip und die Unmöglichkeit von Wahrheits- und Allgemeingültigkeitsansprüchen, sind Prämissen der Kern aller menschlichen Erkenntnis. Prämissen sind im Gegensatz zur Moral nicht kollektive sondern individuelle Regelwerke die vorab jeder gemeinschaftlichen oder allgemeingültigen Norm ihre Gültigkeit und Anwendung finden. Sie stehen in Übereinstimmung mit den evolutionären Vorgaben des Menschseins als Individuum und basieren auf Werten, die durch persönliche Erkenntnisse, auf der Basis der individuellen Parameter der Wahrnehmung und ihrer kognitiven Verarbeitung, erfasst wurden. Ein Leben nach den Maßgaben der eigenen Prämissen, ist der Garant für ein Leben im Einklang mit sich selbst und den Dingen an sich.

Das Individualitätsprinzip verdeutlicht die Problematik der etablierten Lern- und Erkenntnissysteme, bei denen die Lösungswege statisch sind und die zu vermittelnde Erkenntnis, unter Vernachlässigung der differenten Ausgangspunkte, erreicht werden soll. Das Individualitätsprinzip begründet sich durch die Unterschiedlichkeit der Wahrnehmungsparameter und der kognitiven Fähigkeiten sowie der informellen Verarbeitung, also der Wahrnehmungen und Darstellung. Diese Unterschiedlichkeit basiert auf dem genetisch bedingten, differenten Aufbau des Wahrnehmungsapparat und des Gehirns, mit seinen individuell erlernten Verarbeitungsmustern, die sich als neuronale Netzwerke, aus der Summe aller persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen bilden. Als Folge dessen, führen gleiche Grundannahmen durch individuelle Wahrnehmungen und kognitive Verarbeitung, immer zu differenten Darstellungen. Das ist das Prinzip des menschlichen Lernprozesses. Dieses Prinzip ist bestimmt durch eine immer größere Anzahl von Wahrnehmungen, die kontinuierlich die individuellen Verarbeitungsmuster verändern und dadurch zukünftige einzelne Wahrnehmungen unterdrücken oder verstärken. Dieser fortlaufende Prozess beschreibt die zunehmende Qualität des Lernens im Laufe eines Lebens. Die Quantität ergibt sich aus der genetischen Vorgabe, die eine biologische Grundlage der neuronalen Netze sichert. Das Individualitätsprinzip besagt das menschliche Erkenntnis nicht gelehrt werden kann, da Lösungswege nicht übernommen werden können und somit Erkenntnis das Ergebnis eines individuellen aus freiem Willen beschrittenen Lösungsweges ist. Daraus ergibt sich eine allgemeine gesellschaftliche Pflicht, nicht eine pauschal gleiche Erkenntnisfähigkeit zu unterstellen und das individuelle Recht differente Wege zur Erkenntnisgewinnung zu nutzen, als auch nicht jede Erkenntnis machen zu müssen oder zu können.

Der Parametäre Realismus liefert keine ontologischen Aussagen und ist in diesem Sinne keine klassische Erkenntnistheorie der Philosophie. Durch seinen Aufruf zur Bewusstwerdung des Nichterkennens bietet er ein generelles Arbeitsmodell zu philosophischen und wissenschaftlichen Fragestellungen und ist somit Lebensphilosophie. Eine Lebensphilosophie die Individualität fordert und Erkenntnis sucht, die keinen Anspruch auf Wahrheit erhebt und keine Dogmen duldet.

Als Lebensphilosophie fordert der Parametäre Realismus dazu auf, sich zum Nichtwissen um Wahrheiten zu bekennen. Denken und handeln sollte nicht darauf gerichtet sein, das aus einer nicht erkennbaren Wahrheit abgeleitete Richtige zu tun, sondern das Falsche in der Realität zu erkennen. Dies ist kein Weg zur Wahrheit, bringt aber durch Ausschluss möglichst vieler Unwahrheiten dieser näher.

Ich empfehle mich in diesem Sinne

© Heinz Sauren

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Ein Kommentar zu “Vier-Welten-Kreis Modell / Parametärer Realismus”

  1. Klingt recht plausibel. Mir fehlt nun dann ein wenig die soziale Komponente. D.h. wie würde man psychische Systeme (Menschen) an Wahrheit koppeln (im Sinne Luhmanns), wenn sie wissenschaftlich – also im Sinne der Erkenntnis – arbeiten?

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