Naturgesetz vs. Freier Wille


Regelwerke, gleich welcher Art und das sind auch Naturgesetze, sind keine universellen oder unveränderlichen Größen und haben für die Entitäten keine bestimmende Wirkung. Naturgesetze sind, aus den Interaktionen der Entitäten abgeleitete Regelwerke der menschlichen Erkenntnis, die sich erst aus den Beschaffenheiten der Entitäten und ihren Interaktionen erfassen lassen und nicht bereits vor diesen existent sind. Daher entsprechen Naturgesetze keiner Wahrheit. Naturgesetze sind auch dadurch als deterministisch erkennbar, das sie als Wirkung, der Ursache Entität folgen.

Es ist zweifelhaft, dass unmittelbar nach dem Urknall, noch bevor Atome entstanden, bereits ein Naturgesetz bestand, welches die Chromosomenteilung von Eichhörnchen regelt. Dennoch würde die Annahme allgemein gültiger und damit beständig gültiger Naturgesetze dies gebieten.

Unveränderliche Naturgesetze sind nur in rein deterministischen Gedankenmodellen denkbar, also solchen, die zwingend jeder Wirkung eine Ursache voraussetzen und den Zufall als Ereignis ohne Wirkursache ablehnen, das so benannte Kausalitätsprinzip. Die Unsinnigkeit dieses Prinzips als auch die Unvereinbarkeiten in den von den Naturwissenschaften definierten Naturgesetzen, sind spätestens mit der Quantenmechanik offensichtlich geworden, die nicht nur fast jedes Naturgesetz ad absurdum führte sondern auch den Zufall, also das für unmöglich gehaltene Geschehnis ohne Wirkursache, als Prinzip erkannte und somit dem Menschen wieder einen freien Willen erlaubte. Mehr als die Wirkung auf eine Ursache.

Naturgesetze oder freier Wille? An was glauben Sie?

An beides? Das wäre absurd!

 

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6 Antworten auf “Naturgesetz vs. Freier Wille”

  1. Was ist mit Naturgesetzen gemeint? Wieso sind sie dem freien Willen entgegengesetzt?

    Sicherlich existiert die Physik als Wissenschaft innerhalb ihres eigenen selbstgewählten Referenzrahmens, ich denke aber, dass die meisten Physiker weder Determinismus noch Reduktionismus für wissenschaftlich erachten. Gerade weil die Physik mit der Quantenmechanik das Aristotelsche Paradigma von Ursache und Wirkung durchbrochen hat, ist sie gerade die Wissenschaft die dieses Denken in Frage stellt und uns erlaubt diese Diskussion überhaupt zu führen.

    Die Diskussion um Naturgesetze wird nicht „von der Physik“ geführt, sondern „von der Philosophy bzw. Metaphysik“. Während wir die beispielsweise die Existenz einer Schwerkraft in unserem Bezugsystem nur schwer anzweifeln können, wird alles andere was die Schwerkraft betrifft ständig in der Physik in Frage gestellt. Selbst die Unveränderbarkeit der Gravitationskontante wird heute in der Physik debattiert.

    Dem unbenommen können wir uns in unserem Bezugssystem nicht der Wirkung der Schwerkraft, den Gesetzen der Wärmelehre oder der Elektrizitätslehre entziehen. Sie bestimmen unsere alltägliche Realität bzw. deren Wahrnehmung (was ich hier gleichsetzen will), aber sie sind sicherlich NICHT deterministisch und sprechen uns den freien Willen nicht ab. Selbst wenn ich wollte, könnte ich den Energieerhaltungssatz nicht brechen, das schränkt meine Handlungsmöglichkeiten ein aber nicht meinen Willen.

    Es gibt aber durchaus Disziplinen der Wissenschaft die uns den freien Willen absprechen. Diese wären beispielsweise die Wirtschaftswissenschaft, die Neurowissenschaft oder die Informatik. Diese Wissenschaften gerieren sich heute als „Leitwissenschaften“ und haben einen bedeutenden Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs.

    Um nur ein Beispiel zu nennen in dem diese Wissenschaftern zusammen kommen, will ich auf das „Human Brain Project“ (HBP) eingehen. Henry Markram, Leiter des Projektes, das mit Miliarden von der EU finanziert wird versucht im HBP das Menschliche Gehirn in Computern zu simulieren.

    In diesem Projekt arbeiten daher Informatik und Neurowissenschaft eng zusammen. Die Annahme die beide Wisswnschaftszweige hier verbindet ist, dass unser Gehirn „Klassisch“, also nicht Quantenmechanisch sondern gleich einer „Maschine aus Fleisch“ (Norman Minsky) völlig Deterministisch „funktioniert“. Ich halte diese Annahme für nicht Wissenschaftlich.

    Was bedeutet diese Annahme? Für einige bedeutet dies, dass Freier Wille eine „Illusion“ ist. Dass wir gleich Zombies in einem Körper gefangen sind der uns den freien Willen nur vorgaukelt. Diese Vorstellung ist in den genannten Wissenschaften nicht selten.

    Die meisten werden aber einem anderen populärem Ansatz folgen, nämlich das Systeme entweder „Bewustsein“ (und damit freien Willen) bei entsprechender Komplexität entwickeln( „Emergenz“ des freien Willens) oder aber, dass dieser überall schon inkremental vorhanden ist und einer Messbare Größe PHI der Komplexität vernetzter Systeme entspricht (PHI Theorie des Bewusstseins /“Panpsychismus“).

    Die Physik wollte sich lange nicht zum Thema Bewusstsein oder freiem Willen äussern. Als es der sehr renommierte Oxford Physiker Roger Penrose tat, wurde er eher belächelt. In „The emperors new mind“ formuliert Penrose einen Ansatz der Physik des Bewusstseins, der die erkenntnisse der Quantenmechanik und der Relativitätstheorie umfasst. Daraus ist heute eine immer besser verifizierte Theorie entstanden (da alle Versuche der Falsifizierung bisher gescheitert sind), die sich „Orch OR Theory of Consciousness“ nennt.

    Die Frage war „Naturgesetze oder freier Wille“. Was aber wenn es ein Naturgesetz des freien Willens gäbe. Nichts weniger als dies behauptet Roger Penrose. Für ihn ist „Bewusstsein“ eine fundamentale Eigenschaft unseres Universums auf die wir zugreifen wenn wir unseren freien Willen nutzen. Ich halte daher die Frage für grundsätzlich Falsch. Die Frage hört sich für mich an wie die Frage „Was willst Du, Apfel oder Weis?“

    Der Widerstreit Determinismus / freier Wille ist alt. Es ist aber kein Streit um die Wissenschaft, sonderen der Konflikt zwischen den Herrschenden und dem Volk. Die Herrschenden waren immer dem Determinismus zugeneigt, denn Determinismus bedeutet, dass sie ihre „Subjekte“ völlig kontrollieren/beherrschen können (ja, müssen).

    Heute gibt die Wirtschaftswissenschaft die Blaupause für das Herrschaftssystem in dem wir uns befinden vor. Diese ist in „Scientific Managment“ von Francis Taylor beschrieben. Taylor als Maschinist war fest vom Determinismus menschlicher Beziehungen überzeugt. Er entwarf den Konzern als Maschine, in dem Arbeiter völlig willenlose Rädchen in allen Produktionsprozessen unserer Wirtschaft sind und in denen allein die Vorstände (Kapitalisten) herrschen. Nur die Vorstände besitzen die Kompetenz (freie?) Entscheidungen zu treffen. Dieses Denken ist die Legitimation der Macht unserer Eliten und Teil der Neoliberalen Ideologie und erstreckt sich weit über den Einflussbereich der Konzerne hinaus.

    Es handelt sich dabei aber weder um eine Naturgesetz noch um Wissenschaft, sondern um die Ideologiy der Herrschenden.

    (siehe auch diese Serie über freien Willen und Quantenmechanik auf meinem Blog (in englisch): hier )

  2. Doch sicher beides. Wieso absurd? Wir leben nicht ewig, auch wenn wir das wollen. Da fehlen uns unter anderem paar Enzyme, da gewinnen die Naturgesetze. Aber in kurzem Zeitrahmen steh’n wir über den Naturgesetzen. Wir können Kausalketten überschauen und da eingreifen. Vielleicht nicht in letzter Konsequenz und im großen ganzen Universum frei. Aber mindestens Zurechnungsfähig. Wenn einer auf 100 Meter Kinder mit nem Ball spielen sieht, sollte er sich frei entscheiden, das Tempo deutlich zu reduzieren. Sonst können wir davon ausgehen, daß er freiwillig n bösen Unfall in Kauf nimmt. Und ihm vorsorglich n Strafzettel verpassen.
    Womit wir beim politischen und ethischen Aspekt des Alien Observer wären. Der Arbeitgeber braucht uns berechenbar, aber auch eigenverantwortlich. „Das System“ verlangt von seinen Rädchen einen freien Willen. Damit man uns entlassen kann. Denn als willenslose Sklaven müßte es uns ja auch bei schlechter Konjunktur wie wertvolles Eigentum hegen und pflegen.
    Und unsere treuen Sklavinnen, die Naturwissenschaften, lassen nämlich durchaus Platz für freien Willen. Der heißt: Wahrscheinlichkeiten. Auch und grade die Physik arbeitet mit Statistik. OK, die Meßgenauigkeiten liegen schon in höchstem zweistelligen Prozentbereich. Aber immerhin, 1, oder 2 Elektrönchen von 1000 schwirren rein zufällig in der Gegend herum. Nun gelten aber in der Psychologie ganz andere Quoten, da ist Gesetz, was 60 von Hundert machen, wenn’s 80 tun, gibt der Professor ne Runde Sekt aus. Da bleiben noch genug freie Radikale, die als schlechtes Beispiel aus der Reihe tanzen können.

  3. Hallo Alice Wunder

    Hab grade deinen Blog angeschaut, gefällt mir.
    Stuart Hameroff, der Koautor der Orch OR Theorie neben Roger Penrose ist Anösthesist. Er beschäftigt sich mit der Wirkung bewusstseinsverändernder substanzen, was ihn eben auch zur Physik des Bewusstseind gebracht hat. Schau dir das mal an, das ist sehr spannend. Ab ca min 22 geht er auf Psychadelische substanzen ein.

  4. Ich glaube nicht, dass es absurd ist an Naturgesetze UND freien Willen zu glauben. Die Naturgesetze sind nur unser Stand der Forschung auf Grundlage der von uns wahrnehmbaren Dimensionen. Was, wenn der freie Wille von außen aus einer Dimension kommt, die uns gar nicht zugänglich für Beobachtungen ist? 🙂 Ich glaube, dass es freien Willen gibt, dass dieser nicht vorhersagbar ist und es deshalb im Universum zu Zufällen kommt. Trotzdem ist auf Grund von Naturgesetzen sehr viel vorhersagbar, wenn es nicht extrem von Mechanismen des freien Willens beeinflusst wird. Deshalb glaube ich auch an eine gewisse Zuverlässigkeit von Astrologie und lese zum Beispiel mein Horoskop auf http://www.schicksal.com/ auch wenn ich nicht an die oft doch sehr detaillierten Vorhersagen glaube, da ich denke dass auf dieser Ebene dann doch zu viel freier Wille die Vorhersagen kreuzt. 😉

    Freundliche Grüße
    Sibylle

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