Darwin vs. Erdogan. Die Schlacht um die Enstehung der Arten.


Der Mensch als Folge seiner Evolution, oder als Gottes Schöpfung? Natürlich oder göttlich, das ist hier die Frage. Präsident Recep Tayyib Erdogan hat die Antwort für die Türkei gegeben, zumindest für die nächste Generation.

Evolution ist „Nicht geeignet für Schüler“. Als Folge ihrer Re-Islamisierung, verbannt die Türkei Darwinś Evolutionstheorie aus ihren Schulen. Nach Ansicht der obersten türkischen Schulbehörde könnten derartig „verstörende“ Geschichten, von Kindern nicht verarbeitet werden. Das aus Lehm geformte Abbild eines allmächtigen Gottes und der Auftrag sich mit dem Schwert alles untertan zu machen, scheint weniger „verstörend“.

Einstmals war der der fordere Orient ein Zentrum der Wissenschaften. Viele große Erkenntnisse wurden gemacht. Astronomie und die Mathematik erlebten dort Blütezeiten. Doch dann kam Mohammed und sein archaischer Islam brachte die Dunkelheit des arabischen Mittelalters. 1923 trat die Türkei als erstes aus dem dogmatischen Wissens- und Glaubensdiktat des Islam heraus. Angeführt wurde die Türkei von ihrem Gründer und ersten Präsidenten Mustafa Kemal ,genannt Atatürk, für Vater der Türken. Er prägte die Worte, „der Islam gehört auf den Müllhaufen der Geschichte“ und verordnete der Türkei die Trennung von Glauben und Staat, den Laizismus und die Errungenschaften der Aufklärung.

Recep Tayyip Erdogan ist der 12.te türkische Präsident. Mit Atatürk verbindet ihn das Amt und der Wille seine persönliche Vision war werden zu lassen. Im Gegensatz zu Mustafa Kemal, hat er sich an die Spitze der Re-Islamisierung der Türkei gestellt. Er inszeniert sich als Wegbereiter eines erzkonservativen Islam mit Wirtschaftskompetenz und Selbstbewusstsein gegenüber Europa und trifft damit einen Nerv im arabischen Raum. Die folkloristischen Empfänge in seinem pompösen Palast sind Blockbuster im arabischen Fernsehen. Die Türkei träumt vom osmanischen Reich und für diese Utopie adaptiert sie schon einmal den prekemalistischen Wertekodex.

Die Heimat aller Turk-Völker und Führerin der arabischen Welt, nichts weniger ist Erdogans Anspruch an seine Türkei und 2023 soll es soweit sein. Es ist das Jahr der 100 jährigen Staatsgründung durch Kemal Atatürk und es ist das Jahr in dem die Türkei vollen Zugriff auf all ihre Rohstoffe bekommt, der seit Ende des ersten Weltkrieges beschränkt ist, durch die Friedensverträge von Lausanne. Diese Verträge laufen dann aus und aus ihnen leitet Erdogan seinen Anspruch ab, das Gebiete im Irak, wie Mossul und Allepo, aber auch Gebiet in Georgien und einige griechische Inseln, im Jahr 2023, völkerrechtlich und faktisch wieder türkisch sein werden.

Dazu passt das türkische Regierungsmitglieder die Abkehr von einer, aus ihrer Sicht, „eurozentristischen“ Sichtweise fordern. Eine dieser fremden Sichtweisen ist die Evolutionstheorie. Sie wurde bisher von keiner islamischen Lehranstalt anerkannt, gilt aber in Europa und allen nicht-islamischen Ländern, als Grundlage des Selbst- und Weltverständnis des Menschen. Aus türkischer Sicht scheint die Entstehung der Arten und die Bestimmung des Menschen als Tier, wieder blasphemisch zu sein. In den Universitäten kann die ketzerische Evolutionstheorie weiter gelehrt werden, sagt der türkische Bildungsminister. Wohl ein wenig von der Hoffnung getragen, die dann „gefestigten“ Studenten werden das Wissen um die Entstehung der Arten, als kulturpolitische Theorie erkennen und verwerfen. Die Türkei zieht sich Stück zurück in die dogmatische Dunkelheit des arabischen Mittelalters.

Kemal Atatürk hatte die türkische Armee mit einer besonderen Aufgabe bedacht. Ihre Aufgabe war es den Staat vor einer Re-Islamisierung schützen. Letztendlich hat die Armee versagt, aber sie ermöglichte 100 Jahre Laizismus und ebenso lange Darwins Erkenntnis, das der Mensch nicht die Krone der Schöpfung ist. Jetzt soll er es wieder sein, zumindest in der Türkei.

Heute wissen die meisten Menschen in der Türkei um die Inhalte der Evolutionstheorie, aber wie viele werden in 20  oder 40 Jahren dieses Wissen noch haben? Wenn es nach der türkischen Regierung geht, nur noch wenige. Wie will die Türkei einen derartigen Gedanken-Isolationismus umsetzen und aufrecht erhalten? Denkbar ist das nur durch eine scharf abgrenzende Ideologie, die im Stande ist Gedanken zu unterdrücken. Indoktrination, Agitation und völlige Kontrolle sämtlicher Kommunikationswege, wären die Grundvoraussetzungen dafür. Gruppendynamik und Rechtsvorschriften bestimmen die Durchführung und konservative Islamisten spenden allseits gepriesene Belohnungen in Form postmortaler Heilsversprechen. So zeichnet sich die kleine Welt eines Bauernjungen, der sich fernab einer fundierten Bildung aufmachte, um in die Fußstapfen der osmanische Sultane zu treten.

Darwin war da weiter und es ist tröstlich, das er schon das Christentum überwand.

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