Kennen Sie die Wahrheit?

Für gewöhnlich bedeutet die Wahrheit zu kennen, sich ihrer sicher zu sein. Doch der Wahrheit die Ehre zu geben, heißt nicht sie zu kennen, sondern sich zum Nichtwissen um sie zu bekennen. So sicher wie es Wahrheiten gibt, so sicher ist auch, dass wir nicht viel von ihnen wissen. Wahrheiten sind nicht diese selbst, sondern nicht mehr als das, was wir für wahr halten.

Auch meine Ansichten, die sie hier lesen, sind ein solches für wahr halten, eine solche Wahrheit. Niemand könnte jedoch sagen, dass sie auch wahr sind. Wir können Wahrheiten nicht erkennen, sehr wohl aber unser für wahr halten vertreten. Wir können nie wissen, ob wir die Wahrheit sagen, wenn wir etwas für wahr halten. Aber wir können uns zu dem, was wir sagen bekennen, wenn wir ausreichend gute Gründe erkennen, dass das von uns für wahr gehaltene, auch wahr sein könnte. So handeln wir nach bestem Wissen und Gewissen. Der Irrtum bleibt jedoch ein beständiger Begleiter und ist nie ausgeschlossen wo Menschen etwas für wahr halten, so aufrichtig sie dabei auch sein mögen.

Unsere Entwicklung als Mensch, war keine der Sprünge von Genialität zu Genialität. Sie war eine schmerzhafte Abwehrreaktion auf die Fehler die wir machten und wir werden auch für unsere weitere Entwicklung Fehler machen müssen. Eine Entwicklung wird aber nur entstehen, wenn wir Fehler auch erkennen und uns von ihnen abwenden, bevor sie uns die Zukunft nehmen. Ich glaube nicht an Wahrheiten. Ich glaube an Unwahrheiten.

Es ist gerade die Unfähigkeit von uns als Menschen, die Wahrheiten nicht erkennen zu können, die uns die Welt verstehen lässt. Diese Unfähigkeit ist unsere eigentliche Fähigkeit, diese Ungewissheit unsere Gewissheit, da wir durch sie die Unwahrheiten erkennen können. Immer dann, wenn uns eine vermeintliche Wahrheit offenbar wird, sollten wir um ihre Unwahrheit wissen. Immer, wenn wir aufgefordert werden die Wahrheit zu sehen, sollten wir spüren, dass wir uns einer Unwahrheit zuwenden sollen. Immer wenn wir auf jemanden treffen, der von sich behauptet die Wahrheit zu kennen, können wir sicher sein, dass er die Unwahrheit sagt.

Der Schutz des Wissen um eine unzuverlässige Aussage, generiert ein Recht auf Unwahrheit, da nur diese zu erkennen, vor falschen Wahrheiten schützen kann. Unwahrheiten sind ungefährlich, da die nicht bestehende Wahrheit ihrer Aussage erkannt ist. Es sind die falschen Wahrheiten die es zu fürchten gilt. Sie sind das für wahr halten von Unwahrheiten und führen dazu die falschen Dinge zu tun, die mit dem Wissen um die ihnen innen wohnenden Unwahrheiten nicht getan werden würden.

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