Archiv der Kategorie: Gedankenmomente

National und Sozialist

 

Ich bin ein Linker. Ich bin davon überzeugt das nur ein sozialistisches Gesellschaftssystem, das Leben der Menschen untereinander und auf Dauer, erträglich gestalten kann. Ich glaube das über den Kapitalismus irgendwann einmal in Geschichtsbüchern zu lesen sein wird, das er die brutalste und folgenschwerste Ideologie war, die sich der Mensch je erdachte.

Ich bin ein Liberaler und denke, das nur die individuelle Freiheit jedes Einzelnen, das Menschsein ausmacht. Ich weiß, das es genauso falsch ist, einen Einzelnen für seine Gedanken zu kritisieren, wie das bei Ideologien zu unterlassen. Staaten sind für mich Dienerschaften, die vorübergehend mit Verwaltungsaufgaben betraut sind. Sie haben ein repräsentatives und ordnungsrechtliches Vertretungsrecht, nicht aber ein inhaltliches, das obliegt dem Souverän.

Ich bin ein Rechter. Ich identifiziere mich mit der Geschichte und der Kultur dieses Landes, auch wenn es nicht bequem ist. National ist für mich eine Orts- und Gesellschaftsbestimmung und umschreibt einen geographischen, sowie einen soziokulturellen Raum. Ich sehe darin keine ideologische Aussage oder Staatszugehörigkeit, da der soziokulturelle Raum nicht mit dem Staatsgebiet übereinstimmen muss.

Ich bin also sozialer Liberalnationalist, oder ein nationaler Sozialliberaler, oder ein liberaler Nationalsozialist.

Suchen Sie sich was aus. Ein Nazi bin ich nicht.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Sind sie noch normal?

Was immer Sie auch gerne in das Normale hinein philosophieren. Normal ist schlicht das, was der Norm, dem Durchschnitt entspricht. Also das was die Anderen genau so machen wie Sie und was Sie zum homogenen Teil der großen undefinierbaren Masse macht.

Ja, Sie sind normal, zumindest die meisten unter Ihnen. Da gibt es noch die einen oder anderen, die verzweifelt versuchen, nicht normal sein zu müssen. Aber die sind ja nicht normal! Normalität ist so beruhigend, die große Masse der Anderen schmiegt sich schützend um Sie und die feindliche Welt bleibt draußen. Dafür tun Sie gerne, was normale so tun.

Sie lassen Ihre Diener sich zu Königen aufspielen und sich verschämt von diesen Politikern mit Postulaten wie „alternativlos“ belehren, aber halten sich für einen Verfechter der Demokratie. Sie zahlen für Medien die sich in der Entscheidungsgewalt dem Eigentum der Landesregierungen befinden und geben sich empört, wenn diese dann im Sinne ihrer Dienstherren, die Welt schön lügen. Sie haben eine Kreditkarte, eine Lebens- und eine Rentenversicherung, aber erklären Ihren Freunden, dass sie die Gefahren des Kapitalismus schon lange verstanden haben. Sie tun was alle tun, Sie sind normal.

Große Demonstrationen begeistern Sie und Sie wissen ganz genau warum gerade die Anderen die Idioten sind, aber gefallen sich in der Rolle des liberalen Demokraten. Sie kaufen Bio-Artikel, achten auf eine gesunde Lebensweise und sehen keinen Widerspruch zu ihrem Konsum an Pharmazeutika, um die Sie ihren Arzt, für jedes Wehwehchen anbetteln. Sie haben ein Ikea Wohnzimmer mit Sony-Flatscreen und fliegen im Urlaub am liebsten zu exotischen Zielen, aber rühmen sich ihrer tiefsinnigen Einsichten, zu den schlimmen Auswirkungen der Globalisierung. Sie sind ein Lügner, ein Selbstbetrüger und ein Moralist, aber Sie sind normal.

Es ist auch normal, das sie die nicht mögen, die noch nicht oder nicht mehr normal sein mögen. Das ist ja nicht normal! Sie verstehen ja auch nicht, das Anormalität für den normal ist, für den die Normalität anormal ist. Aber auch das ist normal.

Ich verbleibe in diesem Sinne
Heinz Sauren

Die Kunst der Wissenschaft

verzweiflung

Die Wissenden glauben sich als Führer der Gesellschaft und ihre Führung wurde ihnen zur Kunst. Eine Kunst die Wissen schafft und so nennen sie diese Wissenschaft.

Sie diagnostizieren, verifizieren und dozieren in solcher Flachheit, das ihnen schon die geringste Erkenntnis, als Beweis ihrer Wissensgabe gilt und letztlich ihrer Allwissenheit zu beweisen scheint. Dieses genügt ihrem Anspruch nach Wahrheit und so glauben sie sich im Besitz dieser.

Von den Wissenden gibt es dreierlei Arten. Die einen die Hoffen zu Wissen, die anderen die Glauben zu Wissen und jene die Wissen zu Wissen.

Jene die Hoffen zu Wissen, sind die Ängstlichen. Im Grunde ihrer selbst erahnen sie ihr Unwissen, doch ihr Antrieb ist die Hoffnung, die sie vor der Dunkelheit ihres Unwissens bewahren soll. Ihr Wissen hat einen schönen Klang und ist von großer Leere, das ist alles was ihr Wissen ist. Sie hoffen, Wahrheiten entfliehen zu können.

Jene die Glauben zu Wissen, sind die Einfältigen. Sie sind von dem was sie zu Wissen glauben so sehr überzeugt, das ihnen jeder Zweifel fremd ist. Jede Kritik an ihrem Wissen, ist ihnen Kritik an ihnen selbst. Ihr Wissen lebt nicht von Erkenntnissen, sondern von der Darstellung ihrer selbst. Ihr Wissen ist das Wissen der großen Reden und Predigten. Sie glauben, Wahrheiten benennen zu können.

Jene die Wissen zu Wissen, sind die Vermessenen. Sie sind die Hohepriester des Beweises und der Beweis ist ihnen das höchste Wissen. Ihr Wissen ist die Begründung, die immer ausladender ist als ihre Erkenntnis. Sie stellen ihr Wissen noch vor die Wahrheit.

Keine Erkenntnis ist ihnen heilig genug, als das sie dieser, nicht die Krone der absoluten Wahrheit über stülpen wollen. Das schaffen von Wissen ist ihnen wichtiger als die Erkenntnis und so schufen sie zu jedem Erkenntnisfeld eine Wissenschaft, da ihnen jede Erkenntnis nur dann genügt, wenn sie eine wissenschaftliche ist.

Lange werden sie brauchen, bis sie verstehen, dass ihre empirische Wissenschaft kein Wissen  schafft, sondern ihr Wissen auf empirische Erkenntnisse begrenzt. Soviel Hochmut steckt in ihrer Wissenschaft, dass sie glauben, ihre von simplen natürlichen Abläufen abgeschaute Welt, sei das Ergebnis ihrer Erfindungsgabe.

Doch kein Element, kein Leben wurde je von Ihnen geschaffen. Sie wähnen ihr Leben in Abläufen, die sie zu kontrollieren glauben. Wie wollen sie kontrollieren, was sie nicht einmal verstehen?  Sie glauben an einen immer währenden Fortschritt. Sie sehen nicht das Fortschritte in geschlossenen Systemen endlich sind. Sie erkennen nicht, dass Demut ihnen ein Verstehen gewähren würde, während ihr Hochmut sie des Verstehens beraubt.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

 

Angst vor Armut

armut
Als Teil der Gesellschaft ist Armut das Stigmata, an dem sie die Wertlosigkeit des Einzelnen für ihre Gemeinschaft erkennt. Die Angst jedes Einzelnen vor Ausgrenzung durch Armut ist so groß, dass jeder sich jedem Joch unterwirft, das ihn vor dieser Ausgrenzung zu bewahren verspricht.

Doch nicht die Armut des Ich, nur die Armut am Mehrwert ist es, was sie fürchten. Nicht wer da arm im Geiste, oder am Gemüt, scheint ihnen in Armut gefangen, nur der Mangel am Geld gilt ihnen als arm.

Ihr ganzes Leben mühen und plagen sie sich, nicht dieser Armut anheim zu fallen und doch ist all ihr streben vergebens, ein jeder von ihnen geht so arm wie er gekommen war. Sie raffen und horten, gieren und neiden, als könne auch nur einer von ihnen mehr als satt essen, oder in mehr als einem Bett schlafen.

Je größer eines jeden Angst, vor diesem Schmerz der Armut, desto einfältiger sind seine Begründungen, dieser Armut zu entrinnen. Sie sind dem Wahn verfallen das Lebensqualität sich in Besitz bemisst und sehen nicht den eigenen Verlust an Leben, den ihr Besitz mit sich bringt.

Gehetzt und geschunden an Geist und Gemüt, zermürbt auf der nie enden wollenden Flucht, vor dem permanent lauernden Abgrund der Mittellosigkeit, ist ihr Leben ein beständiges Leiden, zum Nutzen der Gesellschaft. Sie erkennen nicht, dass viele arm sein müssen, um den Reichtum weniger zu schaffen. Sie verstehen nicht, dass erst die Mittellosigkeit vieler die Maßlosigkeit weniger ermöglicht.

Die Armut des Einzelnen, ist der Reichtum der Gesellschaft.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Sinn der Arbeit

ChaplinMaschine

Als Teil der Gesellschaft ist der Einzelne nicht mehr als ein Werkzeug ihrer Ziele und ihr Ziel ist das immer mehr. Das Mehr ist ihr Sinn und der Mehrwert sein Ausdruck. So ist das Mehr und sein Mehrwert der Gesellschaft zum Sinn geworden. Arbeit ist ihre Grundlage zur Erreichung der Ziele, der kein Einzelner bedarf doch ihre Gesellschaft braucht. Das Produkt dieser Narretei, der Mehrwert schafft erst den Wert des Einzelnen in ihrer Gesellschaft. Es ist die Knechtschaft des Einzelnen zum Nutzen der Vielen.

Die Gesellschaft erfindet ihre Werte aus dem nichts und nennen dieses Nichts Geld. Doch ihr Geld ist die Schuld dessen, der sich in die Knechtschaft seiner Produktivität begibt. Sie sehen nicht wie sinnlos ein Leben ist, wenn es seinen Sinn aus seiner Produktivität für eine Gesellschaft erfahren muss.

Wie wenig muss ihnen ein Sinn sein, wenn sie keinen eigenen finden? Wie wenig ist ihnen ihr Leben, wenn sie die Erfüllung in definierten Arbeitsabläufen finden? Wie wenig Geist ist ihnen geblieben, dass sie ohne Arbeit sich selbst zu viel werden? Wie wenig sind sie ihrer Gesellschaft, wenn ihr Nutzen sie bemisst? Der Weise hält sich von Arbeit fern, da er sein Sein nicht den Zielen der Vielen opfern will.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Wahrheit

wahrheit

Mit der Wahrheit ist das so eine Sache. Jeder glaubt sie zu kennen und fast jeder ist sich sicher, dass andere Meinungen als die eigene, auf der Unkenntnis um die Wahrheit zurück zu führen sein müssen.

Aber wie kann es sein, das wir persönlich auf wundersame Weise dazu befähigt sind, die Wahrheit zu erkennen, während all die anderen dazu verdammt zu sein scheinen, die Wahrheit nicht erkennen zu können.

Wahrheiten werden zu Problemen, wenn sie auf menschliches Bewusstsein treffen.

Das erste Wahrheitsproblem liegt schon im Gebrauch des Begriffs versteckt. Jeder kennt das Gleichnis des Glases Wasser, welches entweder halb voll oder halb leer ist. Die Wahrheit umfasst alles, sie ist absolut. Auf das Glas Wasser bezogen, käme der Wahrheit näher, annähernd 50% der Gesamtfüllmenge des Glases sind sind mit Wasser und anderen flüssigen Stoffen befüllt und annähernd 50% des Glases mit Sauerstoff, Stickstoff und anderen Gasen. Eine weitere unbekannte Menge ist mit weiteren unbekannten Stoffen befüllt. Der Wahrheit in einer Aussage näher kommen zu wollen erweist sich im allgemeinen Sprachgebrauch als umständlich. So werden der Einfachheit halber, Teilauszüge der Wahrheit als umfassend wahrheitlich, weil der Wahrheit entnommen, dargestellt. Zum Beispiel die Aussage, das Glas Wasser sei halb voll. Das ist eine Realität, ein Teilauszug der Wahrheit. Da aber eine Wahrheit alles sie bestimmende, beinhaltende und umfassende ausmacht, ist ein Teilauszug, der wesentliche Bestandteile ausblendet, keine Wahrheit. Deutlicher wird das im Fall des Glases Wasser wenn andere Teilauszüge gewählt werden. Die Wahrheit umfasst das Gefäß, das Glas und den Inhalt. Die Benennung, nur eines Teilauszuges der Wahrheit kann stark verfälschend wirken, z.B. durch die realistische Aussage, das ist ein Glas. Diese Teilaussage würde im allgemeinen Sprachgebrauch als Wahrheit gesehen werden, ignoriert aber den Inhalt des Glases und ist in Bezug auf das Gesamte, das Glas Wasser, nicht die Wahrheit.

Das zweite Wahrheitsproblem ist der Anspruch, der mit der Wahrheit verbunden ist. Sie ist statisch, nicht veränderbar und kann nicht widerlegt werden. Das ist zwar richtig, aber macht jede Wahrheit für den menschlichen Gebrauch unbrauchbar, da es nicht möglich ist, alle Zu- und Umstände zu einer Sache zu erkennen. Deutlich wird das an einer wissenschaftlichen Erkenntnis. Es ist bekannt das bis zu 70% des Universums nicht mess-, benenn-, oder sichtbar sind. Die dunkle Materie und Energie. Wenn wir die Naturgesetze auch nur annähernd richtig deuten, gelten alle Gesetzmäßigkeiten des Universums, auch für den Teilbereich, den wir Erde nennen. 70% all dessen was uns umgibt, ist damit nicht mess-, benenn- und sichtbar, also auch der größte Teil des Glases Wasser. Wer könnte von einer Wahrheit sprechen, wenn wesentliche Teile der Wahrheit unbekannt sind. Das menschliche Bewusstsein ignoriert das Unbekannte und füllt die Lücken mit bekannten Anteilen. Jede Wahrheit birgt die Gefahr, in dem nicht benannten, unbekannten Anteil eine gegensätzliche Aussage zu treffen, als der offensichtlich wahrnehmbare Anteil vermuten lässt.

Das dritte Wahrheitsproblem ist der menschliche Allwissenheitsanspruch. Seit der Epoche der Aufklärung haben die Wissensschaften den Glauben genährt, das sie alles erklären können und die Bereiche die nicht erklärbar sind, sich nicht generell unserem Wissen entziehen sondern wir auch diese Rätsel irgendwann entschlüsseln werden. Ein Anspruch der sich tief in das menschliche Selbstverständnis eingebrannt hat. Doch Anspruch und Realität klaffen weit auseinander. Seit Darwin sollten wir wissen dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung ist, sondern das Ergebnis seines Lebensraums, an den er sich bestmöglich angepasst hat. Diese Anpassung bestand nicht nur aus einem Hinzugewinn immer weitergehender Fähigkeiten, sondern auch aus dem Verlust nicht notwendiger und dem Weglassen unnötigter Fähigkeiten. Wir verfügen über eine gute Ausstattung, um als Jäger und Sammler in der Biosphäre der Erde zu bestehen, aber über keine besonderen Fähigkeiten als Wahrheitsfinder. Ein solcher bräuchte nicht zwingend unser Gehirn, aber eine wesentlich ausgereiftere und breiter gefächerte Sensorik, da um etwas zu erklären, dieses erst einmal erfasst werden müsste. Menschen erfassen nur einen sehr kleinen Teil des Lichts, des Schalls, der elektromagnetischen Ströme, der Wärmestrahlung oder der kinetischen Energie und haben keinerlei Sensorik für den Makro- und Mikro-Kosmos. Technische Hilfsmittel die mehr Informationen liefern, kaschieren unsere Unzulänglichkeiten und blenden dabei aus, das auch diese aus unserem, mangels Sensorik, fehlerhaften Bewusstsein konstruiert wurden und damit nur eine Erweiterung des bekannten, auf menschliche Sensorik beschränkten Sichtfeldes sein können. Selbst absolute wissenschaftliche Kenntnis, sofern der Mensch sie erlangen könnte, würde zu dem Schluss führen, einen Teil nicht, oder noch nicht erkennen oder erklären zu können. Das Nichtwissen aller Zu- und Umstände zu einer Sache, bedeutet Teile der Wahrheit und damit die Wahrheit die es nur als ganzes gibt, nicht zu kennen.

Es ist ein Irrtum und auch nicht notwendig, auch nur eine Wahrheit kennen zu können. Es ist ausreichend, die bewusst gewordenen Realitäten anzunehmen. Sie sind bestimmend für das Zurechtfinden in dieser Welt. Aber auch diese uns bewusst werdenden Teilauszüge der Wahrheit, haben keinerlei Allgemeingültigkeitsanspruch und sind nicht fehlerfrei, da auch sie mittels unserer persönlichen Sensorik erfasst wurden. Sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen sind das Ergebnis einer individuellen Befähigung und Ausbildung der sensorischen Organe, die zu ganz individuellen Realitäten führen, die jede für sich den gleichen Anspruch auf ausreichende Gültigkeit hat. Individualität bedeutet nicht Alleinigkeit, kann sie aber beinhalten. So individuell Realitäten auch sind, häufen sich Ähnlichkeiten der Wahrnehmung, durch vergleichbare kulturelle und kognitive Konditionierungen.

Realitäten erklären die Welt ausreichend. Menschen handeln vernünftig, wenn sie gelernt haben, die Schnittmengen zwischen ihren und den Realitäten der anderen zu erkennen. Sie sind die Basis jedes Miteinanders. Der Versuch eine Wahrheit zu besitzen, oder die Allgemeingültigkeit der eigenen Realität zu fordern, zwingt andere ihre Realität aufzugeben oder zu verteidigen. Ein sinnloser Kampf, da er die individuellen Wahrnehmung nicht bestimmen kann und als Ergebnis immer die Unterdrückung persönlicher Realitäten fordert. Es ist die Annahme eine persönliche Realität könne wertvoller sein, als eine andere und als solche ist sie diktatorisch.

Stabile soziale Gefüge, ob in großem oder kleinem Maße basieren nicht auf gleichen Realitäten und schon gar nicht auf Wahrheiten, sondern auf dem Zugeständnis der Individualität. Die Zusammengehörigkeit wird nicht durch die Aufgabe individueller Realitäten bestimmt, sondern aus der Größe der Schnittmengen. Sozial stabile Gefüge basieren auf der freien Willensentscheidungen, sie sind nicht zwingend, aber im Einzelfall konsequent.

Der Einsatz vermeintlicher Wahrheiten ist manchmal ein unbewusst eingesetztes Narkotikum, das den Schmerz der Unwissenheit betäuben soll, aber zumeist eine erkenntnisdiktatorische Nötigung. Der Irrglaube an ihren Besitz, war immer der Anlass für die größten Blutspuren durch die Geschichte der Menschheit und der Grund der meisten persönlichen Katastrophen.

Ich verbleibe in diesem Sinne
Heinz Sauren

Frohe Weihnachten

Weihnachtsbaum

Heiligabend. Das Fest der Dreifaltigkeit. Drei Prüfungen warten alle Jahre wieder, auf die Jünger des Festes der Liebe. Sie zu bestehen ist der krönende Abschluss eines jeden Jahres. An ihnen bestimmt sich der Stand innerhalb der Gesellschaft, der Rang in der Familie, der Wert untereinander, letztendlich der eigene Wert überhaupt.

Die erste Prüfung beginnt spätestens mit dem entzünden der ersten Kerze, dem ersten Advent.In guter christlicher Tradition sollen Geschenke gebracht werden und die gilt es zu kaufen. Wohl dem, der übers Jahr fleißig war oder emsig gespart hat, er geht nun aus der ersten Startreihe ins Rennen und wird auch unter dem Weihnachtsbaum die Nase vorne haben.

Weniger gut vorbereitet, also mit nicht genügendem Startkapital ausgerüstet, gilt es die Geschenke schon sorgfältig zu wählen, denn die zu erbringende Wertschätzung und damit im Grunde die erhoffte, wird schließlich noch einige Zeit als Kredit abgestottert werden müssen. Aber so ist das mit Investitionen in die Zukunft.

Übel spielt das Schicksal mit jenen, die Geschenke kaufen wollen, es aber nicht können, weil ihnen das Geld fehlt. Sie sind die heimlichen Helden der Weihnacht. Nicht weil sie ein besonderes Fest erleben, sondern schlicht weil sie es jedes Jahr aufs neue überleben, ohne an der Ausgeschlossenheit und Minderwertigkeit die ihnen das Fest der Nächstenliebe bringt, zu zerbrechen. In herzerweichenden Bildern bekommen sie pausenlos die strahlenden Kinderaugen, vor den teuren Geschenken vorgeführt. Ein Bild das in ihnen nichts mehr ,als die schmerzhafte Ohnmacht der Gewissheit beschert, das es nicht die strahlenden Augen ihrer eigenen Kinder sein werden. Noch unerträglicher wird es ihnen nur noch, wenn ihr Unvermögen, an den Wertschätzungsritualen des heiligen Abends teilzunehmen, offenbar wird. Dann geraten sie ins Visier der weihnachtlichen Wohltäter. Diese alljährlich zur Weihnachtszeit auftauchenden Gutmenschen bringen das giftigste Geschenk der Weihnacht. Boshafte Hilfe. Helfen zu wollen, die finanziellen Mittel dazu zu haben und dieses gegenüber denen zu tun, denen die finanziellen Mittel fehlen, um an einem Fest teilzunehmen, dessen Regeln ausschließlich die bestimmen, denen nichts fremder ist als, die finanziellen Mittel nicht zu besitzen, erklärt die Arroganz ihrer Wohltaten die sie bescheren ohne auch nur im Ansatz zu verstehen, welche kränkende Hilflosigkeit sie damit hinterlassen. Ein Ablasshandel mit dem sich der Betuchte sein Gewissen erleichtert. Um wie viel mehr wäre ein solches Gewissen zu erleichtern, wenn es nur den zehnten Teil dessen geben würde, von dem was verschenkt wird, dies aber dann täte wenn kein Kalender ihn dazu aufruft und kein Dank zu erwarten ist. Doch diese Geißel der Gutmenschlichkeit verschwindet zuverlässig am Tag nach Weihnachten, sobald die moralische durchwirkte Weihnachtsstimmung nicht mehr einen solchen Hilfsaktionismus zur Gewissensberuhigung erzwingt.

Die Verlierer der Weihnacht sind jedes Jahr die gleichen. Ganz normale Menschen, die wie der Großteil aller, dem Glanz und der Bedeutsamkeit des Weihnachtsfestes erlegen sind, aber in dem Maße wie sie es für mindestens Notwendig halten, nicht daran teilnehmen können. Sie stellen jedes Jahr, das in der Adventszeit anwachsende Heer, der verzweifelten Verbrecher, die Banken und Tankstellen ausrauben, oder Ladendiebe werden. Sie sind die Weihnachtsopfer, deren Verzweiflung vor der herannahenden Weihnacht so groß ist, das sie bereit sind dafür ihre Freiheit, ihre Familie und ihr gesamtes bisheriges Leben zu riskieren. Wer außer sie kann erahnen wie bedrohlich Weihnachten sein kann.

Etwas deplatziert scheinen in der Zeit des Einzelhandelskonjunkturprogramms der Vorweihnacht, die wenigen, verstörend erscheinenden Traditionalisten, mit ihren Forderungen nach einer besinnlichen und bescheidenen Weihnacht und ihrem feierlichen und anachronistischem Brauchtum. Ihnen werden Shopping begleitende Unterhaltungsbereiche zugewiesen, in denen sie die X-Mess Konsumaktivisten in Augenblicken der Besinnlichkeit, die wissenschaftlich verifizierte, emotionale Tiefe des Konsumrausches verleihen sollen und zu neuer Kaufleistung motivieren. Die unausweichliche und zum heiligen Abend, zunehmend komprimierende Anzahl an Teilnahmen themenbezogener Kauf- und Geschenkveranstaltungen, steigern kontinuierlich die Konsumbereitschaft bis zu ihrem Zenit, dem letzten verkaufsoffenem Wochenende.

Wem es gelingt den vorweihnachtlichen Konsumterror, ohne Schaden an Leib, Leben oder Geist zu überstehen, sieht sich vor der zweiten Prüfung.

Weihnachten, das Fest der Besinnlichkeit. Wie viel Besinnlichkeit lässt sich erwarten, in einer Zeit in der alle beseelt sind ihr bestes zu geben? Das Beste zu geben führt alle Jahre wieder,viele an den Abgrund des Verlustes der Kreditwürdigkeit und verurteilt dazu, all jene zu ertragen, deren Existenz das ganze Jahr von wertloser Selbstverständlichkeit war. Das Beste zu geben heißt auch der Beste sein zu wollen. Das schönste Geschenk oder das Wertvollste, wer hier zu Punkten weiß, empfiehlt sich zu Größerem unter seines gleichen, mit denen er das Fest der Nächstenliebe feiert und alles tut, dass seine Nächsten ihn lieben werden. Hier der primus inter pares zu sein, der erste unter gleichen, wird die Stellung innerhalb der eigenen sozialen Gemeinschaft mitbestimmen und das Hochamt des – ich habe alles richtig gemacht – Selbstverständnisses ist die Bescherung am heiligen Abend.

Der heilige Abend ist ein Balanceakt höchster Diplomatie, die bis zum Selbstverrat reicht und der Leidensbereitschaft, auch den verachtenswertesten Zeitgenossen das Beste zu wünschen und höflich zu danken, sofern er sich nur im Kreis der Schenkenden und Beschenkten befindet.

In dieser Schlacht, am Rande des aufrichtig ertragbarem, sind die Geschenke die Waffen, die wie kleine zwischenmenschliche Tretminen unter dem Weihnachtsbaum drapiert werden. Diese Sprengfallen des Kalküls um den eigenen Vorteil, zünden immer, allein die wohlkalkulierte Wirkung geht manchmal fehl. Ein Schlachtfeld der wohlgemeinten Enttäuschungen über das erhaltende Geschenk als untrüglichem Beweis der mangelnden Wertschätzung an einem selbst, oder die Enttäuschung über den fehlenden enthusiastischen Effekt des verschenkten Wertes, als Türöffner für das erhoffte zukünftige Verhältnis. Einziges Hilfsmittel zu einer richtigen Reaktion, im Sinne dieses leicht perfiden Gesellschaftsspiels und in Bezug auf die erhaltene Wertschätzung, ist allzu oft nur noch die Mimik eines Schauspielers und eine Orientierung an dem allgemein anerkannten Glücksbarometer der Nullen, am besten in Dezimalschritten und Euro. Wer Wertschätzung mit drei Nullen vor dem Komma schenkt, beweist vermeintlich zwingend eine höhere Wertschätzung, als ein nur zwei Nullen vor dem Komma Schenkender, insbesondere anlässlich des größten Konsum-Events des Jahres.

Der heilige Abend beantwortet die Fragen, die das ganze Jahr an der sich beständig entfremdenden Gesellschaft nagen, mit bestechender Einfachheit. Wer ist es Wert das höchste Fest des Jahres mit mir zu verbringen und wem bin ich es? Wer ist in meiner Rangliste eine B Person, mit der ich nur den Tag danach verbringe und für wen bin ich es? Wem weise ich den 2.ten Weihnachtstag zu, dem bitteren Ehrenplatz der Moral nicht verletzen zu wollen und wer tut das mit mir? Weihnachten werden Antworten gegeben, bewusst oder unbewusst, aber in jedem Fall bestimmend für die nähere Zukunft. Es gilt sich zu positionieren.

Die dritte Prüfung ist die Zeit. Einige Stunden im Ausnahmezustand der Selbstdarstellung, mit Menschen, die Gleiches mit gleicher Inbrunst betreiben ist schwer. Menschen die man ein ganzes Jahr ignoriert hat zu hofieren ist Selbstbetrug. Aber noch schwerer ist es zu ertragen, an den Gesichtern, über enttäuschende Geschenke und inhaltslose Höflichkeitskonversationen, zu erkennen, wie wenig man über die Menschen weiß, mit denen man diesen Tag verbringt und das ganze Jahr verbracht hat. 60 Stunden Weihnachten sind mehr, als so manch einer ertragen kann. Nicht umsonst, ist die Selbstmordrate am heiligen Abend, die höchste im ganzen Jahr. Zu keinem anderen Zeitpunkt verzeichnen Polizei und Rettungskräfte, mehr körperliche Übergriffe innerhalb von Familien und zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr fassen so viele Menschen den Entschluss sich von ihrem Partner zu trennen.

Vor langer Zeit, als der Coca-Cola Weihnachtsmann noch nicht Santa Claus hieß und er das Christkind noch nicht in die Verbannung geschickt worden war, war vieles anders. Manche können sich vielleicht noch daran erinnern, oder haben es geschafft ein wenig davon zu erhalten. Die meisten jedoch sind zu willigen Opfern der Verkaufsstrategen, Marktanalysten und Marketingexperten geworden und sie wurden dazu, weil sie sich auf die Bauernfängertricks, subversive Bevormundungen und plumpen Werbestrategien, nur zu gerne eingelassen haben. Es ist halt um vieles einfacher zu Weihnachten einmal ein Geschenk zu kaufen, als sich ein ganzes Jahr mit einem Menschen zu beschäftigen. Weihnachten ist die Quintessenz unserer Gesellschaft. Eine Gesellschaft deren Nächstenliebe nicht nur unerträglich geworden ist, sondern für immer mehr Menschen zunehmend eine Bedrohung wird.

In der Weihnachtszeit, der unschuldigsten aller Jahreszeiten, verpulvern wir zweimal soviel Energie und produzieren dreimal soviel Müll, wie in anderen Monaten. Zu keiner Zeit begeben sich mehr Menschen in eine ruinöse Abhängigkeit von Banken über Kredite. Gleichzeitig schnellen Gewinne in die Höhe und die Börsen boomen. Alle Jahre wieder. Wir, die wir ein christliches Fest feiern, dessen Grundsätze auch darin bestehen die Schöpfung zu wahren, haben in unserer arroganten Sichtweise auf alles Leben, das nicht menschlich ist, noch einen weiteren Höhepunkt in den weihnachtlichen Kalender gepackt. Zu keiner Zeit ist der Handel mit Tieren so zahlreich. Wir missachten die Würde des Lebens so sehr, das wir es kaufen und verschenken. Kein Ereignis im Kalender ist so folgenschwer der Auslöser für unzähliges Leid an Tieren, die als ungeliebte Geschenke erschlagen, ertränkt oder ausgesetzt werden. Zumeist für das kurzweilige Strahlen eines Kindes,das uns zu Weihnachten soviel wichtiger ist, als das Schicksal eines Tieres.

Je nach Schätzung werden jedes Jahr zu Weihnachten, bis zu 35 Millionen Weihnachtsbäume geschlagen. Vollwertige Bäume von denen jeder Einzelne eine Bereicherung für das Ökosystem wäre, gefällt um ein paar Tage als Dekoration zu dienen. Nicht abgeholzt und jedes Jahr um 35 Millionen dadurch erweitert könnte damit in nur einem Jahrzehnt die Fläche des Saarlandes bewaldet werden.

Weihnachten ist Teil unserer Kultur und hatte zu jeder Zeit einen symbolischen Charakter für das, an das die Menschen glauben. Glauben ändern sich und manchmal werden sie widerlich. In diesem weihnachtlichen Spiegel, einen mikrokosmischen Blick auf die Menschen zu werfen, ist eine Sichtweise, die wohl nur dem einen Gott gebührt, sofern es ihn denn gäbe. Der christliche Mythologie nach, die ja immerhin auch die Grundlage dieses Festes ist, ist Gott häufiger erzürnt über das Treiben der Menschen, was ihn schon einmal veranlasste uns aus dem Paradies zu vertreiben.

Es ist nur einmal im Jahr Weihnachten, Gott sei Dank.

Allen denen es geglückt ist, sich eine besinnliche, bescheidene und glückliche Weihnacht zu erhalten, wünsche ich ein schönes und glückliches Fest

und empfehle mich in diesem Sinne

Heinz Sauren