Das globale Nahrungsproblem

Die Nahrung ist der Schlüssel zur Erhaltung des Lebens. Ihre Quantität und Qualität ist bestimmend für die Lebensführung jedes Einzelnen, wie auch für die Erhaltung und Entwicklung einer Gesellschaft und letztlich für den Fortbestand der Menschheit selbst.

Nahrungsmittel sind Ressourcen und diese sind begrenzt. Die Verfügbarkeit von Nahrung ist nicht nur eine globale Fragestellung, sondern wird zukünftig immer mehr zu einem Problem werden, dem jeder Einzelne ausgesetzt sein wird. Wie grundlegend und unlösbar dieses Problem schon heute ist, offenbart sich in den Handlungen der Politik, die dieses Problem hilflos auf Hungerstatistiken für Entwicklungsländer begrenzt und den Vorgehensweisen der Nahrungsmittelindustrie, die auf der einen Seite über wissenschaftliche Welternährungslösungen fabuliert, während ihre Hauptaufgabe darin besteht den Mangel zu verwalten.

Das Nahrungsproblem teilt sich in ein quantitatives Problem, dem Welternährungsproblem als Ursache und ein qualitatives, als individuelles Problem der Nahrungsmittelkonsumenten. Beide Bereiche wirken völlig unterschiedlich und sind dennoch nicht voneinander zu trennen.

Als quantitativer Aspekt ist das Welternährungsproblem ein falsch etikettiertes Bevölkerungsproblem. Es gibt nicht zuwenig Nahrung, sondern zu viele die ernährt werden müssen. Diese Sichtweise gilt als inhuman, ist aber die einzig realistische, da der Mensch in dieser Gleichung die Größe ist, die sich verändert. Die nutzbare Erdfläche beträgt ca. 51 Milliarden Hektar, davon sind 8,3 Milliarden Hektar biologisch produktives Land. Bei einer Weltbevölkerung von derzeit circa 6,3 Milliarden Menschen, entspricht das einer Fläche von 1,3 Hektar, die für die Nahrungsmittelproduktion pro Mensch zur Verfügung steht. Dazu lassen sich noch 0,55 Hektar nutzbare Wasserfläche pro Mensch rechnen. Im Ergebnis macht das ca. 1,85 Hektar Boden und Wasserfläche, die jedem Menschen zur seiner Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehen.

Von dieser Fläche beanspruchen alle Tieren und Pflanzen die nicht der Nahrungsmittelproduktion dienen ca. 0,55 Hektar und so verbleiben ca. 1,3 Hektar nutzbare Land und Wasserfläche pro Mensch, für seine Nahrungsmittelproduktion. Diese Grenze der natürlichen Ertragskapazitäten der Erde wurden schon in den 1970er Jahren überschritten. Aktuell werden heute im Weltdurchschnitt 2,28 Hektar Land zur Nahrungsgewinnung eines einzigen Menschen genutzt. Das ist kein neu errungenes Land  welches nutzbar gemacht wurde, sondern der Ertrag, der aus einem imaginären Hektar Land entstehen würde, sich aber tatsächlich aus dem Mehrertrag durch massiven Einsatz von Dünge- Schädlingsbekämpfungmitteln und Genmanipulationen ergibt. Der Bedarf der Weltbevölkerung nach 2,28 Hektar Land für die Nahrungsmittelproduktion eines einzigen Menschen, den die natürliche Ertragsgrenze von 1,3 Hektar nicht erfüllen kann, ist der Grund des Welterährungsproblems und diese Situation wird sich zukünftig exponentiell weiter verschärfen. Schon bis zum Jahr 2030 wird die benötigte Fläche pro Mensch auf 3,5 Hektar anwachsen. Bis dahin wird sich die Weltbevölkerung ein weiteres Mal verdoppelt haben und ca. 15 Milliarden Menschen betragen. Die dann zur Verfügung stehende Fläche wird pro Mensch nur noch 0,55 Hektar betragen. Dann wird jeder Acker, jedes Feld aber auch jedes Huhn und jedes Schwein beinahe die dreifache Menge seines natürlichen Ertrages liefern müssen.

Weder die Politik noch die Nahrungsmittelindustrie können an diesen Fakten etwas ändern. Durchhalteparolen, Zweckoptimismus oder schlichte Ignoranz zur Faktenlage sind zwar geeignet, das Problem aus dem öffentlichen Fokus zu verdrängen, können es aber nicht lösen. Im Gegenteil führt die vermeintliche Nichtexistenz und die Verleugnung der tatsächlichen Situation, zu weiterer Nahrungsmittelverschwendung und verschärft das Problem über die Maßen auf der Nachfrageseite.

In völligem Widerspruch dazu, wird von einigen Interessengruppen behauptet, aufgrund des technischen Fortschritts sei die Ertragssteigerungen soweit möglich, dass sogar 12 oder 14 Milliarden Menschen zu ernähren wären und das Welternährungsproblem sei im Grunde nur ein Verteilungsproblem. Diese Sichtweise wird maßgeblich von denen unterstützt, die von Ertragssteigerungen an meisten profitieren und ist unter anderem offizielle Firmenideologie von Nahrungsmittelkonzernen wie Monsanto. Hier liegt die Ursache für den zweiten Aspekt des Nahrungsproblems, die Qualität.

Durch den einfachen Umstand nicht genügend Nahrungsmittel produzieren zu können, sieht sich die Nahrungsmittelindustrie seit mehr als vierzig Jahren in der profitablen Situation, innovative Lebensmittel zu kreieren, durch die ein kontinuierlicher Anstieg der Nachfrage befriedigt werden soll. Die Antwort der Industrie ist Food Design, Novel Food und gentechnisch manipulierte Lebensmittel. Während bei herkömmlicher Nahrung die Nährstoffe die wichtigste Komponente war, ist bei dieser Form industrieller Nahrung die Möglichkeit der massenhaften Herstellung und der geringst mögliche Einsatz begrenzter und damit teurer Bio-Ressourcen, das maßgebliche Kriterium. Der Nachweis, das nach aktuellen Bemessungskriterien, diese Nahrungsmittel gesundheitlich nicht bedenklich sind ist dabei rechtlich ausreichend um sie zu einem Lebensmittel zu machen.

Ganz unwissenschaftlich ausgedrückt, ist die Nahrungsmittelindustrie dazu übergegangen, natürlich vorkommende Nahrungsmittel soweit zu strecken, wie es notwendig ist um die Nachfrage zu befriedigen. Fett und Stärke bilden das Volumen, Emulgatoren und Konservierungsstoffe die Konsistenz und Zucker und Salz den Geschmack. Um den Bedarf an Nährstoffen zumindest plakativ gedeckt zu haben werden künstliche Vitamine hinzugefügt. Vitamine sind Verkaufsschlager und Beruhigungspille in einem. Wissentlich wird ausgeblendet das einige der zugefügten Vitamine völlig wertlos sind, da sie ohne die dazugehörigen Pflanzenbestandteile, den Bio-Flavinoiden für den menschlichen Organismus nicht verwertbar sind, während andere die aufgenommen werden zu einer Überversorgung des Vitamines führen, die mindestens ebenso schädlich sein kann, wie eine Unterversorgung. Ernährungspsysiologisch ist die vornehmliche Ernährung durch solche Lebensmittel, ein Langzeitsuizid mit Messer und Gabel. Dennoch stellen diese Lebensmittel bereits einen Großteil des Nahrungsmittelangebots in den westlichen Industriestaaten. Nur noch aufzuwärmende Fertignahrung, Junk- und Design Food sind die Hauptnahrungsmittel auch in Deutschland. Umfragen haben ergeben das nur 30 % der deutschen Haushalte unregelmäßig mit frischen Lebensmitteln kochen und nur noch 15 % tun dies regelmäßig. Das Ergebnis lässt sich in den Krankenstatistiken ablesen und äußert sich in den typischen Folgeerkrankungen falscher Ernährung wie Diabetes, Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen und Adipositas. Was zu Volkskrankheiten wurde, ist nicht mehr als ein sicheres Indiz für die mangelnde Eignung dessen was wir essen, als Nahrung. Der menschliche Organismus braucht eine Vielzahl von Nährstoffen und verlangt solange nach Nahrung, bis er diese erhält. Der übermäßig hohe Anteil in der Wohlstandsersatznahrung an Streckmitteln wie Fette und Stärken führt dabei weiterhin zu einer permanenten Überversorgung an Brennwerten. Brennwerte, die den menschlichen Körper, bevor er vor der permanenten Zufuhr kapituliert und in eine verfettende Lethargie verfällt, in einen Aktionsmodus treiben, der als Hyperaktiv empfunden und zum Krankheitsbild ADHS definiert wurde.

Das in den westlichen Industriestaaten vornehmlich herrschende qualitative Nahrungsproblem führt zwingend zu einer Neubetrachtung der Nahrung insgesamt nach anderen, der Situation angepassten Kriterien. In der Mitte des 20.ten Jahrhunderts war das bestimmende Kriterium der Nahrung die Sättigungseigenschaft. Diese Ansicht wandelte sich als Folge der Überflussgesellschaft und wurde heute zu dem Wunsch, nach einem möglichst hohen Nährstoff- und Vitamingehalt. Unterstützt wurde dieser Trend durch die Nahrungsmittelindustrie. Das Märchen der gesunden Nahrung war geboren. Doch selbst dieser Unsinn ließ sich noch steigern und mündete in dem momentan vorherrschenden Bio – Hype. Widerspruchslos konsumiert der vermeintlich aufgeklärte Bürger, Bio-Äpfel und speziell gezüchtete Naturkost, ohne den Irrsinn zu registrieren, der sich schon in der Wortkreation verbirgt. Gab es jemals einen nicht biologischen Apfel? Gemeint von der Nahrungsmittelindustrie war der geringere Schadstoffanteil der, als Bio deklarierten Nahrungsmittel. Diese heute in allen Nahrungsmitteln vorkommenden Schadstoffe müssen das bestimmende Kriterium der Nahrungsauswahl sein, um seinem eigenen Leben nicht ein vorschnelles Ende zu setzen. Es geht nicht darum gesunde Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, sondern sich ausreichend vielfältig zu ernähren um die Schadstoffbelastung durch die Nahrungsmittel möglichst weit zu fächern und so hoffen zu können, nicht ein bestimmtes Gift im Übermaß zu sich zu nehmen. Fleischesser setzen sich einer erhöhten indirekten Zufuhr von Antibiotika aus, während Veganer vermehrt unter den Pestiziden und Fungiziden zu leiden haben. Fischesser gefährden sich durch die Aufnahme von Schwermetallen und Kunststoffen und der Durchschnittskonsument nimmt täglich ein Cocktail aus chemischen Nahrungsmittelzusätzen zu sich, den niemand zu sich nehmen würde, wenn sie nicht in Lebensmitteln versteckt und die Aufnahme offensichtlich wäre.

Es ist illusorisch zu glauben, das es kein Nahrungsmittelproblem gibt oder das dieses auf Hungergegenden beschränkt sei. Nahezu alle Menschen auf diesem Globus sind bereits direkt durch die Nahrungsmittelknappheit betroffen, deren Besonderheit es ist, sich in den einzelnen Regionen unterschiedlich darzustellen. In den Hungergegenden der Welt fehlt die Kaufkraft und damit der wirtschaftliche Anreiz, Ersatz für die fehlende Nahrung zu produzieren, dort herrscht ein quantitatives Nahrungsproblem, während in den westlichen Industriestaaten die Kaufkraft den wirtschaftlichen Anreiz bietet, die fehlenden Nahrungsmittel durch künstliche zu ersetzen, hier herrscht ein qualitatives Nahrungsproblem. Kurzfristig stellt das einen Vorteil für die Industriestaaten dar, führt aber langfristig zu dem gleichen mortalen Endergebnis.
Realistisch betrachtet gibt es nur zwei Lösungen, das globale Nahrungsproblem zu lösen. Die eine wäre die Entdeckung einer zweiten Erde zur Nahrungsmittelgewinnung und die zweite, die drastische Reduzierung der Weltbevölkerung auf unter 2 Milliarden Menschen. Das erste steht nicht zu erwarten und das zweite ist in seiner Vorstellung so ungeheuerlich, das niemand einen ernsthaften Gedanken daran verschwenden wird. Das Nahrungsproblem wird gemäß der Gesetzmäßigkeiten voranschreiten und letztlich in seiner Konsequenz zu dem führen, über das die Menschheit keinen Gedanken verschwendet.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

 

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Zivilisatorische Grenzen

Jedes menschliche Konstrukt und jedes von Menschen erdachte System, hat aus sich heraus Grenzen. Grenzen die sich aus den tatsächlichen Gegebenheiten ergeben die das System umgeben und schon gezogen sind, als das System erdacht wurde.

Allein aus der Begrenzung der menschlichen Befähigung, die Interaktion eines von ihm geschaffenen Systems mit anderen Gegebenheiten und die sich daraus ergebenden Folgen in ihrer Gänze, durch die Unmöglichkeit des Erkennens aller beeinflussenden Faktoren, zu überblicken, ergibt sich das Dilemma seiner Entwicklung. Die Schwierigkeit des Menschen im Umgang mit dieser Begrenztheit innerhalb der von ihm erdachten Systeme, liegt in dem Widerspruch des vermeintlich erkennbaren Erfolges, die als Kern das System zu bestätigen scheinen, zu den ebenso systemimmanenten Misserfolgen, die wir geblendet durch die Erfolge als Randprobleme verstehen wollen und sie an die Peripherie drängen.

Die Ur-Angst vor den Unwägbarkeiten des Lebens haben wir ebenso aus den Höhlen unserer frühzeitlichen Entwicklung mitgebracht, wie den Wunsch nach der Sicherheit unserer Behausung, in der die Gefahren immer draußen lauerten.

So geschieht es auch heute noch mit unserer neuen Behausung, dem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, welches soweit expandiert ist, das es kein außerhalb mehr gibt, in das die Gefahren verschoben werden können. Die Gefahren und offensichtliche Probleme unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems, welches nicht zuletzt durch die Globalisierung auf diesem Planeten keine Grenzen mehr kennt, sind ein internes und damit ein Problem des Kerns selber geworden.

Es ist nicht grundsätzlich falsch, das Menschen sich eine Gesellschaft schaffen und ihre benötigten Ressourcen mittels eines Wirtschaftssystems teilen. Falsch ist aber an einem System festzuhalten, das sich nicht mehr bewährt. Wesentlicher Bestandteil unserer Entwicklungsgeschichte war die Veränderung, die uns überhaupt erst ermöglichte zu werden, was wir heute sind. Diese Veränderungen führten immer dazu, das wir das System verließen, in dem wir uns zuvor eingerichtet hatten und sie waren immer den gleichen Zwängen zur Veränderung ausgesetzt. Unserer wachsenden Population und den sich daraus ergebenden neuen Anforderungen an den Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Unsere Entwicklungsgeschichte wäre schnell zu Ende gewesen, wenn wir in den Höhlen geblieben wären. Wir haben sie verlassen, weil unsere wachsende Population nicht mehr eine ausreichende Anzahl von Höhlen fand und die lebensnotwendigen Ressourcen für die größere Anzahl von Menschen nicht mehr ausreichten. Wir fanden den Mut unser damaliges Gesellschafts- und Wirtschaftssystem zu verlassen. Ein Schritt der für uns damals gefährlich war, uns unserer Sicherheit beraubte und doch unser überleben sicherte.

Die Lösung unseres damaligen Problems hieß Expansion. Wir breiteten uns aus, erschlossen neue Ressourcen und strukturierten uns immer wieder neu. Immer größer zu werden war das neue Erfolgsrezept. Es sicherte den stetig wachsenden Sozialverbänden, die in Familien begannen und in Staaten endeten die Versorgung und damit ihr Überleben. Aber auch die Expansion ist ein zeitlich begrenztes Modell. Es fand seinen Höhepunkt aber auch sein Ende im Zeitalter der Kolonialisierung, in der die großen Ressourcenvorkommen verteilt wurden. In der zweiten Hälfte des 19.ten Jahrhunderts gelangte das über lange Zeit erfolgreiche Modell der Expansion an seine natürlichen Grenzen, der Mensch hatte die Erde erobert.

Quantitativ hatte der Mensch eine Erfolgsgeschichte durchlebt, jedoch qualitativ konnte er seinem rasanten Aufstieg nicht folgen. Er war noch immer in seiner Ur-Angst gefangen, die ihm vorgaukelte noch immer in seiner Höhle zu sitzen, aus denen er die Unwägbarkeiten des Lebens zu verbannen suchte. Diese Angst vor einer neuen Veränderung, für die nunmehr hunderte Millionen Menschen hätten gewonnen wären müssen, führte zu folgenschweren Fehlentscheidungen, die heute unser Dilemma sind. Die damals bestimmenden Eliten aus Adel und Industrie wollten ihre Machtstellungen nicht für eine Veränderung in Gefahr bringen und etablierten ein neues System welches dem Veränderungsdruck entgegen wirkte, in dem es durch die Aufrechterhaltung der Grundpfeiler des alten Systems, eine Sicherheit vorgaukelte, die sich durch eine gedachte weitere Expansion ergab. Eine Expansion, die aber das erste Mal in der Geschichte des Menschen nicht einer tatsächlichen Expansion entsprach, sondern sich eines Hilfsmittels bediente, das keiner natürlichen Begrenztheit mehr unterlag, weil es fiktiv wurde. Dem Geld.

Geld hatte sich als Tauschmittel in wachsenden Gesellschaften bewährt, in denen allein aufgrund der Anzahl ihrer Mitglieder, es dem einzelnen nicht mehr möglich war, seine Lebensgrundlagen zu erwirtschaften. Seinem Sinn nach war es ein Tauschmittel, dessen Besitz die tatsächliche Möglichkeit darstelle den Gegenwert in Naturalien zu nutzen. Unter dem Zwang in einer nicht weiter expansionsfähigen Gesellschaft dennoch die bewährten Mechanismen der Expansion weiter wirken zu lassen, wurde das Geld, das aufgrund seiner ursprünglichen Bedeutung als tatsächlicher Ersatzwert für Naturalien akzeptiert war, zum Träger der weiteren Expansion. Einer Expansion, die den Glauben vermittelte auch die vermeintlich dahinter stehenden Naturalien würden sich vermehren und doch nicht mehr war als eine Illusion, die dadurch aufrecht erhalten wurde, dass die in gleichem Verhältnis fortschreitende Entwertung des Tauschmittels verschleiert wurde, die analog seiner nominellen Vermehrung auftrat. Ein unausweichlicher Effekt, der sich aus den nicht expansionsfähigen und damit nicht weiter wachsendem naturalen Gegenwert zwingend ergibt.

Auch diese Entwicklung hatte ihre zeitliche Begrenzung. Eine Begrenzung die heute nicht mehr zu verschleiern ist, da sie eine fatale Wirkung mit sich führte. Bis die Menschheit die natürliche Grenze ihrer Expansion erreicht hatte, lebte sie mit den natürlichen Gegebenheiten und mehr oder weniger im Einklang mit dem sie umgebenden ökologischen System. Als sie jedoch ein expandierendes System aufrecht erhielt, welches keine natürliche Expansion mehr zur Grundlage hatte, generierte sie diese Expansion durch eine in gleichem Maße ansteigende Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die im weiteren Verlaufe nun zu einer Gefährdung des gesamten Ökosystems wurde.

Jedem der heute nicht mutwillig seine Augen verschießt kann an nahezu jedem Ort des Globus feststellen, dass das ökologische Gleichgewicht nicht mehr vorhanden ist. Es ist offensichtlich das wir diesen Planeten ausbluten lassen um unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem aufrecht zu erhalten, von dem wir zu Unrecht glauben das es Alternativlos sei. Es wäre schon schlimm genug wenn es nur um diese Tatsache gehen würde, die eine immense Schuld auf uns lädt, als nur eine Rasse auf diesem Planeten, die den Lebensraum aller anderen Rassen die mit uns diese Welt bewohnen zerstören oder zumindest gefährden. Es gibt einfach kein Recht, aus welchem wir unsere egoistische und Leben verachtende Handlungsweise begründen können. Fataler für uns ist die Tatsache, dass wir mit unserem Handeln in nicht einmal 150 Jahren ,unsere eigene Existenz so sehr vergiftet haben, dass unsere Zukunft als Einzelner oder als Menschheit konkret in Gefahr ist. Dies ist ein Fakt, genauso wie es ein Fakt ist, dass wir das getan haben, in dem wir zuließen, das eine profitierende Elite die Folgen nicht sehen wollte, die wir in der ängstlichen Sorge um unsere Sicherheit und der Begrenztheit unseres intellektuellen Horizonts nicht sehen konnten.

Mitte des 19.ten Jahrhunderts stand die Menschheit mit dem Ausgang des Kolonialzeitalters, wieder an einem Punkt, an dem sie ihr altes System hätte aufgeben müssen um ihren Fortbestand zu sichern, wie sie es schon oft in ihrer Geschichte getan hatte. Sie tat es nicht und so haben schon eineinhalb Jahrhunderte ausgereicht um uns an den Abgrund unserer eigenen Existenz zu führen. Es ist ein evolutionäres Gesetz das Rassen, denen es nicht gelingt nachhaltig ihre Lebensgrundlage zu sichern, dem Untergang geweiht sind und es wird keinen Einfluss auf diese evolutionäre Entwicklung haben, dass der von uns fälschlicher Weise beschrittene Weg aber der bequemste für uns war. Die rasante Vernichtung unserer Lebensgrundlage verdeutlicht, wie wenig Zeit uns noch bleibt und es ist fraglich wie viel, insofern uns ein Richtungswechsel überhaupt gelingt, wir von unserer jetzigen Zivilisation retten können, da ein großer Teil dieser, Mechanismen folgt oder auf Grundlagen basiert, die sich aus einer Illusion ergeben und sich als gefährlicher Irrtum für uns alle heraus gestellt hat.

So offensichtlich wie die Schädigung des gesamten Ökosystems, welches die unersetzliche Grundlage auch unserer Zivilisation und nahezu allen Lebens auf der Erde ist, auch sichtbar ist, so wenig ist auch die Bereitschaft zu erkennen dieses in seiner Wirkung auf uns und uns alle zu erkennen. Vorherrschend sind noch immer die Versuche der Beschwichtung und Beruhigung, die auch weiterhin die Illusion der Sicherheit aufrecht halten soll und nur einem Ziel folgen, der weiteren Aufrechterhaltung des Systems.

Dieser Versuch, das System aufrecht zu erhalten ist heute schon fast so zerstörerisch wie das System selbst. Die sich daraus aufrecht Erhaltung ergebenden Folgen werden von mal zu mal schwerwiegender, da sie ein immer größeres Missverhältnis zwischen unserer zivilisatorischen Lebensweise und den ökologischen und ökonomischen Gegebenheiten kaschieren muss. Es ist nicht zu erwarten, dass die heutigen Entscheidungsträger eine tatsächliche Veränderung bewirken werden. Dabei liegt es nicht daran, dass sie nicht genügend Vernunft aufbringen könnten, die Sachlage zu erfassen, sondern an dem Umstand das es ihnen verboten ist, das zu zu tun. Wir beschäftigen Staatsdiener, die wir dafür bezahlen dieses System zu verwalten und haben Politiker berufen uns zu vertreten, mit nur einem Auftrag, dieses System zu erhalten.

Wir können nicht erwarten, dass die, die wir explizit beauftragt haben, den Status Quo zu erhalten, nun die sein werden, die ihn verändern. Insbesondere leider auch dann nicht, wenn dieses eigentlich zu unserem Schutz geschehen würde. Die Entscheidungsträger unserer Gesellschaften folgen ihrem Auftrag und versuchen aus diesem heraus auf die Missstände zu reagieren. Sie entscheiden immer zuerst unter ihrer obersten Prämisse, der Aufrechterhaltung des Systems. Daher gelingt es ihnen auch nicht tatsächliche Veränderungen zu bewirken, die nur erreicht werden können, wenn der Grund unserer gefährlichen Probleme, nämlich der Kern unseres Systems in Frage gestellt werden würde. Von daher ist auch falsch die Politik zu beauftragen, eine Lösung für die existentielle Krise der Menschheit zu finden, sowie es auch falsch ist diese zu kritisieren, für die Tatsache das es ihnen nicht gelingt eine zu finden.

Der Anachronismus unserer Gesellschaft zeigt sich besonders deutlich an den Säulen auf denen sie ruht. Dem Staatswesen, der Rechtskultur und dem Wirtschaftswesen. Unser Staats- und Rechtswesen ist aus dem altrömischen Modell entstanden. Einem Kastenwesen welches von Imperatoren und Despoten aus Geburtshierarchien bestimmt wurde, das auf Expansionskriege seine Macht begründete und Folterung, Plünderung und Mord als legitime Mittel ansah. Unser Rechtssystem begründet sich ebenfalls im römischen Recht, wobei besondere Ereignisse und Personen ihren Geist in ihm bis heute verewigten. Als nicht abschließende Aufzählung der Prägung unseres Rechtswesens seien hier die Rechtsgutachten der Inqisition, die Freibriefe des Völkerschlachtens des dreißig jährigen Krieges, das Belagerungsrecht der napoleonischen Okupation und das Sozialgesetzbuch des Dritten Reiches genannt. Unser gesamtes Wirtschaftswesen liegt in der Kolonialzeit begründet, einer Zeit in der eine unendliche Expansion und unbegrenzt neue entdeckbare Schätze und Ressourcen das denken bestimmten und wurde in der Zeit des kalten Krieges in seine jetzige Form geschliffen, in der der Kapitalismus Staatsdoktrin in der westlichen Hemisphäre war. Es ergab sich eine bis heute deutliche Prägung dieser Einflüsse, auch wenn diese sicherlich den jeweiligen zeitlichen Gegebenheiten angepasst wurden. Die moralischen Regeln, die unser miteinander bestimmen basieren auf Mythen der abrahamitischen Religionsstiftung. Unbestritten haben diese Regelwerke ihre Berechtigung gehabt, zumindest in einer Welt die hinter den Grenzen Europas zu Ende zu sein schien, in der ökologische Ungleichgewichte und globale Problemlagen unbekannt waren und auf eine Bevölkerung wirkte, deren Interessenlage am jeweiligen Dorfrand endeten und staatliche Entscheidungen aufgrund sehr langer Kommunikationswege, eine Frage von Monaten und Jahren waren. Jedoch ist nicht ernsthaft anzunehmen das mit Hilfe dieser Regelwerke, auf die existentiellen Probleme der Menschheit angemessen reagiert werden kann, weil sie zum einen nicht für die Dimension der Fragestellungen gedacht war und ebenfalls seiner originären Aufgabe unterliegt, seiner Selbsterhaltung.

Ein zukünftiger Bestand der menschliche Zivilisation ergibt sich nur und ausschließlich aus der Befähigung eine Zivilisation zu etablieren die keine Expansion braucht und mit der Erde und ihren Ressourcen nachhaltig ihre Lebensgrundlage zu sichern vermag und nicht wie bisher von der Erde durch ihre Ausbeutung lebt. Ein solches Gesellschafts- und Wirtschaftssystem steht in absoluten Widerspruch zu dem heute etablierten. Unbedingte Grundvoraussetzung für ein solches System wäre nicht die Eindämmung, sondern völlige Verhinderung jeglicher Expansion und die Aufhebung der Grundsätze, die unser heutiges System tragen und sogar erst ermöglichen. Eigentum wäre nur noch begrenzt denkbar, an Grund und Boden sogar unmöglich. Es kann keine Zinsen mehr geben und ein Mensch kann nicht nach mehr als seiner Lebensgrundlage streben, da ihm jedes mehr darüber hinaus verboten wäre. Ressourcen könnten nicht besessen werden, würden aber im Gegenzug allen Menschen wie auch allen anderen Lebewesen als gleichrangige Teilnehmer des Ökosystems uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Die Hortung von Gütern über die Erhaltung der eigenen Lebensgrundlage hinaus, wäre gegenüber anderen Teilnehmern der Ökogemeinschaft eine nicht zu tolerierende Vorenthaltung dieser Güter. Reichtum wäre damit strafbar. Aber auch eine Alimentierung derer, die es nicht vermögen ihre Lebensgrundlage zu erhalten wäre nicht mehr möglich. Soziale Netze wären nur in äußerst begrenztem Maße innerhalb der Möglichkeiten zu Weitergabe von Gütern aus der eigenen Lebensgrundlage denkbar. Die Folge wäre eine Auflösung aller uns bekannten Staatsformen, Gesellschafts-, Wirtschafts-, und Finanzsysteme.

Die Gesellschaft reagiert auf solche Ankündigungen mit Ablehnung und Unverständnis. Die Menschen haben sich an das bequeme Leben in dieser Gesellschaft gewöhnt und wollen es nicht mehr missen. Daher sind ihre Forderungen nach Veränderung auf Oberflächlichkeiten beschränkt und ihre Vertreter, die Politiker bleiben auch weiterhin aufgerufen, das System zu erhalten. Forderungen dieser Art werden als Sozialdarwinismus oder -neid abgetan. Sie sind weder gewillt noch befähigt zu verstehen, das ihr vermeintlich gutes Leben in der Vergangenheit eine Anleihe an eine Zukunft war, die sie dadurch unmöglich machten. Die Durchsetzung solch grundlegender Veränderungen sind eine Utopie, genauso wie eine Nichtdurchsetzung die Existenz der Menschheit zu einer Utopie macht.

Die Wissenschaft hat uns glauben gemacht das alles möglich sei. Sie hat uns sogar an die wundersame Vermehrung von Nahrung glauben lassen. Diese Ertragssteigerung von Nahrung haben wir mit unserer schleichenden Vergiftung bezahlt. Unser wissenschaftliche Fortschritt hat uns geholfen viele Krankheiten zu überwinden, für den Preis nun noch mehr neue Krankheiten zu haben. Unser Glauben, die Gesetzmäßigkeiten außer Kraft setzen zu können ist illusorisch. Wir leben in einem Ökosystem in dem alles was wir tun Folgen hat, die direkt auf uns zurück fallen. Wissenschaft kann uns helfen die Welt zu verstehen, aber sie ist ungeeignet sie zu verändern, da alle von uns vorgenommenen Veränderungen nur oberflächlicher Natur sind, die das ökologische System mit einer Reaktion beantwortet, die uns unserer Lebensgrundlage entzieht. Die Natur bestraft uns nicht, sie versucht nur die Balance in einem Ökosystem zu erhalten, welches wir permanent einseitig verändern. Eine der fatalsten Folgen unserer Wissenschaftshörigkeit ist jedoch die Annahme ihrer Durchführungsgesetze. Eines dieser wissenschaftlichen Gesetzen ist, das eine Annahme solange aufrecht erhalten wird, bis eine gegenteilige Annahme bewiesen wurde. Dieser Gedanke führt dazu das wir auch an dem fatalsten System welches sich der Mensch je erdacht hat, seine jetzige Gesellschafts- und Wirtschaftsform, festhalten werden. Nicht weil wir nicht wüssten, das dieses falsch ist, sondern allein weil uns noch nichts besseres eingefallen ist.Wir halten an dem was unsere Welt, unsere eigene Gesundheit und letztlich unsere gesamte Existenz zerstört fest, weil wir uns nicht eingestehen können, das es ein Fehler war. Es hat uns ja noch niemand bewiesen, das es etwas besseres gibt. Das makabere dieses Gedanken ist seine Konsequenz. Es wird die Bereitschaft sein eine Veränderung erst dann anzunehmen, wenn der Beweis erbracht ist und das ist der unwiederbringliche Verlust unserer Lebensgrundlage innerhalb dieses Ökosystems.

Der Mensch wird die Gegebenheiten, die er auf der Erde vorfindet nicht verändern können. Durch die Begrenztheit seines Lebensraumes auf der Erde, kann auch er nur sein Überleben sicher, wenn auch dieses auf Begrenztheit beruht. Das Maß der Begrenztheit wird nicht von seinen Wünschen bestimmt, sondern von dem Maß der Ressourcen die er auf diesem Planten vorfindet und die er mit allen anderen Lebewesen teilen muss. Die Zukunft der Menschheit ergibt sich daraus, ob es ihm gelingt dieses Gleichgewicht zu finden und zu erhalten, bevor er seine Lebensgrundlage verloren hat.

Viele haben sich die Rettung der Natur, den Schutz der Umwelt und sogar die Erhaltung natürlicher Lebensräume auf ihre Fahnen geschrieben. Viele wollen die Politik verändern und soziale Missstände beseitigen. Viele haben sogar die fatale Wirkungsweise dieses Systems erkannt. Diese Erkenntnisse und Bestrebungen, die auf den ersten Blick erstrebenswert scheinen, sind bei genauer Betrachtung nicht ohne Gefahr, da jene die sich für ihre Durchsetzung einsetzen, diese Veränderung innerhalb des Systems suchen. Sie wollen die Politik verändern und sie menschlicher, vielleicht auch ökologischer machen. Dadurch das sie sich in das politische System, wenn auch mit dem Willen zur Veränderung einbringen, stärken sie dieses System sogar noch und ihre Erfolge verändern nichts, sondern verlängern nur seinen Bestand in dem sie das Leiden durch und innerhalb des Systems abschwächen. In letzter Konsequenz verlängern sie das Überleben des Systems und damit auch den Schaden, der von ihm ausgeht.

Nur sehr wenige sind bereit und befähigt tiefer zu denken und den Kern des Übels zu erkennen. Sie werden sich nicht in das System einbringen und auch aus dem System heraus keine Veränderungen erwarten. Sie sind die letzte Hoffnung auf einen Fortbestand der Menschheit, aber zu wenige um eine realistische Hoffnung für den Fortbestand unserer Zivilisation zu sein.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Point of no Return

Unter dem Begriff „Point of no Return“ ist ein Punkt ohne Wiederkehr zu verstehen, eine Wegmarke innerhalb eines Vorgangs, von dem an eine Rückkehr zum Ausgangspunkt nicht mehr möglich ist. Innerhalb historischer, kultureller, ökologischer oder ökonomischer Entwicklungen bezeichnet der Point of no Return einen Zeitpunkt, von dem an die Folgen von Entscheidungen derartig viel Eigendynamik entwickelt haben, dass auch das Revidieren von Entscheidungen keinen Einfluss mehr auf die Folgen hat. Der Point of no Return ist kein dramatisches Ereignis, welches sich spektakulär ankündigt, sondern Teil des zeitlichen Ablaufes jeden Vorganges. Er ist innerhalb eines dynamischen Prozesses eine fest definierte Zeitmarke, die sich aus dem Prozess heraus selbst bildet und durch die Vielfalt der interagierenden Prozesse fälschlicher Weise derart unkonkret wahrgenommen wird, dass es uns für gewöhnlich nur gelingt,  ihn rückbezüglich zu benennen. Hieraus ergibt sich der Umstand, dass die Erkennung des Point of no Return umso schwieriger wird, je komplexer der zu Grunde liegende Prozess ist.

Dabei ist es unbedeutend,  ob der Point of no Return als solcher erkannt wird. Er ist keine eigenständige Größe, die zu erfassen oder zu verändern wäre, sondern schlicht die zeitliche Benennung eines Zeitpunktes, ab dem die Dynamik eines Prozesses die Möglichkeit des Fortbestandes des Ausgangspunktes aufgelöst hat, da er als Zeitpunkt einen Moment bezeichnet, ab dem die notwendigen Voraussetzungen für den Ausgangspunkt nicht mehr gegeben sind. Das dramatische an dem Point of no Return ist die Tatsache, dass sobald er innerhalb historischer, kultureller, ökologischer oder ökonomischer Entwicklungen überschritten ist, absolut keine Möglichkeit mehr besteht, gleich wie der Prozess auch verändert wird, zurück zu kehren, da es den Ort oder Zustand der gewünschten Rückkehr aufgrund der durch den Prozess geschaffenen Umstände nicht mehr gibt. Veränderungen der Prozesse führen daher ab diesem Punkt möglicher Weise zu anderen Abläufen, jedoch niemals an den Ursprung zurück.
Wir leben in einer dramatischen Zeit. Unser Handeln in der Vergangenheit hat irreversible Prozesse ausgelöst und während wir noch an dem haften, was wir hatten, konnten und durften, haben wir innerhalb vieler Vorgänge der menschlichen Lebensgestaltung den Point of no Return überschritten.

Unser Handeln hat neue Umstände geschaffen und die Welt verändert. Es ist unerheblich wer zu diesen Umständen beigetragen,  bewusst oder billigend in Kauf nehmend dazu verholfen hat. Die Umstände sind die, die sie sind und wir werden keinen Weg zurück finden in die Zeit, aus deren vergangenen Umständen wir noch heute die Grundlagen für unser Handeln ableiten.

Die drei großen Prozesse,  innerhalb derer wir den Point of no Return überschritten haben,  sind: Die Umweltverschmutzung, die Nutzung der Ressourcen und der Kapitalismus als kulturelles und ökologisches Gesellschaftsprinzip. Obwohl die Ursachen, als auch die Wirkungen dieser drei Prozesse miteinander verwoben sind, darf hier nicht fälschlicher Weise angenommen werden, dass die Veränderung eines dieser Prozesse,  z.B. des Kapitalismus, dazu führen könnte, auch die anderen Prozesse entscheidend zu verändern. Jeder dieser drei Prozesse hat für sich allein den Point of no Return überschritten und macht jeder für sich allein menschliches und gesellschaftliches Leben in der bisher gelebten Form zukünftig unmöglich.
Auch in der Vergangenheit war die Menschheit immer wieder gezwungen, sich neuen Umständen anzupassen. Im Gegensatz zur Vergangenheit ist jedoch heute zu erkennen, dass die Veränderungen und damit der Wegfall der Lebensgrundlage unserer Zivilisation durch unser eigenes Handeln dramatisch beschleunigt wurden. Wir stehen an einem Scheideweg. Wir irren, wenn wir glauben, dass wir Entscheidungen treffen müssen. Die Prozesse bedürfen nicht mehr unserer Entscheidungen und werden ohne Entscheidungen weiter laufen. Aber wir sollten Entscheidungen treffen, um eine neue Grundlage der menschlichen Zivilisation zu finden.

Es ist nicht dramatisierend zu behaupten, dass die Dinge, die wir in nächster Zukunft tun werden, nicht nur darüber entscheiden wie wir in Zukunft leben werden, sondern darüber entscheiden ob wir als Mensch, als Zivilisation sogar als Rasse Fortbestand haben werden. Unser eigenes Handeln hat dazu geführt, dass wir nun durch unser Handeln über unsere Zukunft abstimmen, und zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit befinden wir uns in einer Situation, die die Folgen unserer Entscheidung nicht in ferner Zukunft hypothetisch macht, sondern noch in der gleichen Generation ertragen werden muss. Wir werden unumkehrbare Entscheidungen zu unserer gesamten Existenz fällen und mit dem Ergebnis unmittelbar konfrontiert werden. Die nächsten 20 Jahre werden nicht nur den Weg einer zukünftigen Zivilisation bestimmen, sondern auch, sofern es uns gelingt einen Weg zu finden, uns auch in diese hineinführen. Wenn wir uns bis dahin entschieden haben, fort zu bestehen, werden wir in dem gleichen kurzen Zeitraum eine völlig neue Gesellschaft basierend auf völlig neuen Werten geschaffen haben müssen. Es sind die von uns geschaffenen Umstände, die uns keine Fristverlängerung, keine Bedenkzeit mehr geben. Denen, die der Meinung sind, dass kein Handlungsbedarf besteht, sei gesagt, dass auch das Nicht- Handeln eine Entscheidung zu dem Verlauf der Prozesse ist und als Entscheidung einen negativen Erfolg für uns alle und jeden Einzelnen von uns haben wird.

Die politischen Entscheidungsträger unseres Landes wissen um diese Dinge. Die Bundesregierung hat eine Kommission ins Leben gerufen, die ein Szenario für das ‚Danach‘ entwickeln soll. Nach einem Bericht des Spiegel soll diese Kommission Antworten auf die Fragen finden, was nach der Demokratie und nach dem Kapitalismus sein wird, und war sichtlich erschrocken, als nach Dutzenden von Expertenanhörungen eigentlich nur noch die Frage blieb, was der zuerst eintretende Auslöser sein wird, der uns in die Zeit danach katapultiert. Drohende Hungersnöte, die Auswirkungen der Umweltverschmutzung oder doch zuerst der Ausgang einzelner aber überlebenswichtiger Rohstoffe. Bedrohungen, um die jeder weiß und die doch für jeden von uns so fremd sind, als würden wir mit ihnen niemals in Berührung kommen, da sie in ferner Zukunft liegen. Doch diese Bedrohungen liegen nach Meinung unserer Regierung so nah, dass sie dafür nicht nur eine Kommission einsetzt, sondern auch die aktuelle Politik darauf einrichtet. Wir wissen alle, dass uns die Medien nicht über alles aufklären können und wollen, was es zu wissen gäbe. Es ist kein Geheimnis, dass unsere Regierungen dazu neigen, unangenehme Wahrheiten solange zu verschweigen, bis sie aus sich heraus offensichtlich werden. Dies geschieht sicherlich aus dem Wissen, dass der Bote in den Augen des Volkes sehr schnell zum Täter werden kann  unter Beachtung des obersten Gebotes aller staatlichen Gewalt; der Erhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Darüberhinaus möchte jede Regierung wieder gewählt werden. Probleme zu haben und diese nicht lösen zu können, macht in den Augen der Wähler höchst unattraktiv. Wer staatlichem Handeln diktatorische Züge unterstellen kann oder möchte, wird darüberhinaus sicher noch mehr Begründungen für die Geheimniskrämerei unserer Regierungen finden, sowie man sicherlich auch die in diesen Tagen oft wiederholten Worte unserer Bundeskanzlerin, wir stünden vor einer Zeit epochaler Veränderungen, auch in einem größeren Kontext verstehen kann.

Wir, die wir in den westlichen Industriestaaten leben, werden nicht verhungern, verdursten, in offensichtlicher Sklaverei gehalten oder mutwillig vergiftet. Jene Milliarden von Menschen am Rande der Überflussgesellschaften dieser Welt, denen das bereits widerfährt, haben den Stein bereits ins Rollen gebracht. Chaos, Hungerrevolten, Gewalt und Krieg sind die Antworten der Menschen auf Hunger, Durst, Sklaverei und schleichende Vergiftung, als Akt letzter Notwehr und noch mehr Gewalt, Entrechtung und Krieg werden unsere eigenen Abwehrreaktionen dagegen sein. Wir werden verstehen müssen, dass Wassermangel, die Bedrohung durch Gift oder drohende Hungersnöte die gesamte menschliche Zivilisation nicht erst dann zerreißen, wenn ein Großteil davon betroffen ist, sondern schon dann, wenn eine ausreichend große Gruppe betroffen ist, die, die stark genug ist, um sich nicht in ihr Schicksal zu fügen, sondern eine Veränderung zu erzwingen. Die Bundeskanzlerin hat Recht, wenn sie epochale Veränderungen auf uns zukommen sieht. Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, wie die kommenden Veränderungen genau aussehen werden, jedoch lässt sich mit größter Wahrscheinlichkeit schon heute behaupten, dass wir das, was wir heute Demokratie und Marktwirtschaft nennen, in 20 Jahren nicht mehr kennen werden. Diese Wahrscheinlichkeit lässt sich aus dem Umstand heraus begründen, dass, wenn wir uns in dieser Zeit nicht von der Marktwirtschaft gelöst haben und in Folge dessen auch dem Verwaltungssystem der Marktwirtschaft, der Demokratie, es diese auch nicht mehr gäbe, aus Mangel einer dann noch existierenden oder funktionierenden Gesellschaft, die dieses noch leben könnte.

Viele Menschen auf dem gesamten Globus wissen oder fühlen bereits, dass wir den Point of no Return überschritten haben und werden von der Angst um die allzu oft auch nur eigene Zukunft auf die Straßen getrieben. Sie begehren auf gegen den offensichtlichsten Verursacher dieser Prozesse,  den Kapitalismus, die real existierende Marktwirtschaft, doch es gibt kein zurück mehr zu der beschaulichen Geborgenheit des ausgehenden 20.ten Jahrhunderts, in dem die heutigen Umstände noch undenkbar scheinen. Wir erleben, dass die Politik mit allen Kräften, auch unter Aussetzung demokratischer Regeln und Verträge, versucht das System der Marktwirtschaft zu erhalten. Sie versucht es bei gleichzeitiger Erklärung, Zeit gewinnen zu wollen. Es sei die Frage erlaubt, ob unsere Regierungen wirklich so wenig Vernunft begabt sind, dass sie das offensichtliche Ende des maroden und mit Not zusammen geschusterten Systems nicht zu erkennen vermögen. Es ist wahrscheinlicher anzunehmen, dass auch unsere Regierungen sich dieser Situation bewusst sind und ihr Handeln die konsequente Erfüllung ihres eigenen Anspruchs ist. Nicht abwendbaren Schaden durch das System abzufedern und dazu dieses unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Es steht zu befürchten, dass unsere Regierungen sich entschlossen haben, die Normalität so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Sie versuchen die Völker dazu zu gewinnen und sehen sich außer Stande die Wahrheiten zu benennen, da die Folgen der Reaktionen noch unkontrollierbarer wären als die Missgunst gegen ihr undemokratisches Handeln, mit welchem sie deutlich machen, dass sie auch gewillt sind, ihr Handeln gegen den Willen der Völker durch zu setzen. Business as usual ist die Parole im letzten Akt ihrer Götterdämmerung. Die Regierungen werden unter keinen Umständen den Begehren der Empörten nachgeben. Die Gruppen, die gegen die Regierungen aufbegehren, wollen verändern. Den politischen Entscheidungsträgern ist aber bereits bewusst, dass es nichts mehr zu verändern gibt, zumindest nicht mehr innerhalb demokratischer oder marktwirtschaftlicher Systeme.

Die Menschheit brauchte zehntausende von Jahren, um auf eine Milliarde anzuwachsen. Dann plötzlich nur noch 200 Jahre, um auf 6 Milliarden zu kommen. Von 6 auf 7 Milliarden brauchte sie dann nur noch 12 Jahre und die nächste Milliarde wird schon in 5 Jahren erreicht. Dies geschieht parallel einer Entwicklung, in der wir in den letzten 50 Jahren mehr Ressourcen unwiederbringlich verbraucht haben als in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor. Heute leben an einem Tag auf diesem Planeten mehr Menschen, als alle Menschen zuvor zusammen auf diesem Planeten gelebt haben. Die Wasserreserven dieses Planeten reichen bei unserer heutigen Lebensweise noch ca. 30 Jahre bis die Hälfte der Weltbevölkerung keinen Zugang zu sauberem Wasser mehr hat und für den Fall, dass wir unseren Wasserbedarf genau so schnell verdoppeln, wie wir es in den vergangenen Jahren getan haben, nur noch 10 Jahre. Selbst wenn es uns gelänge Wasser in ausreichendem Maße zu gewinnen, werden wir in 20 Jahren so viele Menschen auf der Erde sein, dass dann die Hälfte der Weltbevölkerung keine Nahrung mehr findet. Wir haben den Point of no Return überschritten und es steht nicht mehr in unserer Macht das Kommende auf zu halten. Es geht nicht mehr darum, ob und wie wir dieses verhindern könnten, keine Entwicklung könnte schnell genug greifen, es geht darum wie wir damit leben werden. Noch haben wir keine Antworten. Sollten wir auch in aller nächster Zeit keine finden, so schadet das in erster Linie uns selbst. Es hat schon einmal eine alles beherrschende Superspezies auf diesem Planeten gegeben, die Dinosaurier. Sie verschwanden, weil sie sich den nach einem Kometeneinschlag massiv veränderten Lebensbedingungen nicht anpassen konnten und keine Nahrung mehr fanden. Sie waren schlicht nicht im Stande innerhalb kürzester Zeit, nun fehlende Ressourcen zu ersetzen. Die Folgen sind bekannt. Wir leben heute, weil unsere Vorfahren diese Katastrophe überlebten, ein Lebensmodell hatten, welches ihr Überleben sicherte.

„Wir haben eine Zukunft, wenn wir die Vergangenheit hinter uns lassen“, war immer der Leitsatz der menschlichen Entwicklung. Dieses Mal jedoch können wir nicht auf eine Generationen übergreifende Entwicklung hoffen, dieses Mal müssen wir es in einem mutigen Schritt schaffen und vielleicht werden wir dadurch zu dem, was wir doch schon so lange sein wollen. Der Mensch als Vernunft begabtes Wesen.

Wasser, Elexier des Lebens

Wasser ist das Elixier des Lebens. Jede Pflanze, jedes Tier und auch der Mensch ist auf eine ausreichende Verfügbarkeit von Wasser angewiesen. Für unsere Industriegesellschaften ist Wasser von elementarster Bedeutung, mehr noch als Öl. Die Tatsache das Öl weit mehr in unseren Fokus geraten ist als Wasser, ergibt sich aus der Begrenztheit des Erdöls, eine Begrenztheit die beim Wasser nicht gegeben schien. Nun stehen wir an der Wende, die uns die Begrenztheit des Wassers offenbart und unser Handeln zu einer Problematik verlangt, zu der wir bisher nicht einmal das Empfinden hatten, dass eine solche existent sei.

Obwohl 2/3 der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, können nur 6 Prozent der Wassermenge als Trinkwasser genutzt werden. Dies liegt darin begründet, dass 94 Prozent des Wassers auf die Ozeane entfallen und damit Salzwasser sind und nur 6 Prozent auf Grundwasser, polare Eismassen, auf Flüsse, Seen und Wasser in der Atmosphäre, also Süßwasser. Mehr als 2/3 alles zur Verfügung stehenden Süßwassers wird bereits genutzt und davon entfallen mehr als 70 Prozent auf die Landwirtschaft. In Deutschland verbraucht jeder Mensch im Durchschnitt 125 Liter Wasser pro Tag zum Wäschewaschen, für die Toilette, aber auch zum Trinken. Dennoch liegt der pro Kopf Verbrauch pro Tag bei 4000 Liter. Das liegt daran, dass unser indirekter Verbrauch, also der Verbrauch an Wasser für die Herstellung unserer Konsumgüter, so hoch ist. Zum Beispiel werden für die Herstellung von einem Liter Bier 75 Liter Wasser verbraucht, für die Herstellung eines Kilos Röstkaffee 21.000 Liter und die Herstellung eines PKW verbraucht 400.000 Liter Wasser.

Über eine Milliarde Menschen auf dieser Welt haben keinen Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird es in zwanzig Jahren bereits in jedem fünften Land ein ernsthaftes Wasserproblem geben. Da die Wasserressourcen begrenzt sind, Wasser durch nichts ersetzt werden kann und Wasser für die Selbstversorgung der Länder mit Nahrung existenziell ist, weiß die Wissenschaft schon seit langem, dass das 21. Jahrhundert das Zeitalter der Wasserkriege werden wird. Die Liste der Vereinten Nationen mit den Ländern, die die größten Wasserprobleme haben, bestätigt, dass die alten Konfliktherde vermutlich auch die neuen sein werden.

Der Lösungsgedanke, dass Salzwasser in Süßwasser umgewandelt werden kann, stellt zwar eine theoretische Lösung dar, ist aber in der Realität zumeist nicht praktikabel, da für einen solchen Prozess sehr viel Energie aufgebracht werden muss. Der Ertrag an Süßwasser steht wirtschaftlich außer Verhältnis zu der aufzuwendenden Energie und ist damit häufig, schlicht nicht bezahlbar.

Europa, insbesondere Nordeuropa ist zwar kein Wassermangelgebiet und wird das auch aller Voraussicht nach nicht werden, hat aber dennoch auch ein Wasserproblem. Die Qualität des zur Verfügung stehenden Wassers, ist hier das Problem. Der Weltwasser-Entwicklungsbericht stellt der Bundesrepublik Deutschland ein ziemlich mäßiges Zeugnis aus: Zwischen Finnland mit dem besten Wasser und Belgien mit dem schlechtesten rangiert Deutschland im Mittelfeld auf Platz 57 der 122 Länder umfassenden Rangliste. Denn Tatsache ist, dass auch bei uns die Schadstoffe der Oberfläche allmählich die Grundwasserschichten erreichen. Auch wenn wir in keinem Wassermangelgebiet leben müssen wir uns bewusst werden, dass es keinen Unterschied macht, ob ein Wassermangel darauf zurück zu führen ist, dass das vorhandene Wasser aufgrund seiner Verschmutzung nicht brauchbar ist, oder schlicht und einfach nicht vorhanden ist.

Wasser wird schon heute als das blaue Gold bezeichnet und ist die Grundlage jeder zukünftigen Zivilisation. Wir werden erleben, dass dieses für uns so selbstverständliche Gut, in Zukunft einen neuen und bedeutenderen Wert darstellen wird und unseren Umgang mit diesem für uns so lebenswichtigen Element überdenken müssen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir wie selbstverständlich davon ausgehen, das alle Güter im Überfluss zur Verfügung stehen, oder aber problemlos importiert werden können. Die Zukunft wird zeigen, das Wasser nur in sehr begrenztem Maße importiert werden kann und wir gezwungen sein werden, die uns zur Verfügung stehenden Wasserressourcen zu schützen und zu bewahren.

Die Konflikte, die zweifelsohne in Zukunft um Wasser geführt werden, werden ungleich erbitterter geführt werden als die Konflikte, die wir aus der Vergangenheit um den Rohstoff Öl kannten, da der Mangel an Öl, zwar den Fortschritt gefährden konnte, der Mangel an Wasser aber unmittelbar die gesamte Existenz in Frage stellt.